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Dolchsturz-Bündnis Haus der Wissenschaft

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Celebringil

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Mittwoch, 2. Februar 2022, 09:55

Die Gefährten hatten sich einmal mehr im kleinen Salon des Forscherhauses versammelt, um die Lage in Wegesruh zu besprechen. Selbst Namir musste inzwischen einsehen, dass sie nicht tatenlos zusehen konnten, in der Hoffnung, das Haus der Wissenschaft werde schon nicht von den derzeitigen Ereignissen betroffen. In einem Punkt waren sich alle einig: wer immer dahinter steckte, hatte es darauf abgesehen, Unruhe und Chaos in die Hauptstadt des Bündnisses zu bringen. Jede Bevölkerungsschicht war betroffen und hatte mit ihren ganz eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine Mordserie unter den Adeligen. Bürger, die sich nachts kaum noch auf die Strasse trauten wegen eines mordlüsternen Nord. Und die Armen der Stadt waren von einer unbekannten Krankheit betroffen, die allem Anschein nach gezielt verbreitet wurde.

Bei der Frage nach dem "Wer?" gingen die Meinungen allerdings weiterhin auseinander. Für Amrán war die Sache völlig naheliegend. Dahinter konnten nur Boethiah-Kultisten stecken. Auf der anderen Seite stand Namir, der darauf beharrte, dass es sich um eine politische Intrige des Ebenherz-Paktes handeln musste. Ulfrik war da allerdings nicht sonderlich überzeugt von. Großkönig Jorunn war durch und durch Nord und würde kaum von sich aus auf solch (für nordische Verhältnisse) feigen Mittel zurückgreifen. Allenfalls seine nicht-nordischen Berater könnten solch einen Weg der Kriegsführung wählen.

Es war schließlich der altmerische Magier Aaravos, der genug von den Spekulationen hatte. Es brauchte mehr handfeste Informationen, statt dass man hilflos im Nebel herumstocherte und sich mit Vermutungen herumschlug. Ein Argument, dem die anderen zustimmten. Rasch wurden konkrete Überlegungen angestellt, wie man näheres herausfinden könnte, und Aufgaben verteilt. Liniphia und Ulfrik sollten sich unauffällig nach dem mysteriösen Nord erkunden und ihn -bestenfalls- ausfindig machen. Aaravos und Delia würden weitere Untersuchungen bezüglich der Krankheit anstellen. Amrán wollte seine "Augen und Ohren" ausschicken und alles an Gerüchten sammeln, was mit den Ereignissen in Wegesruh zu tun haben könnte. Namir und Ghin würden währenddessen die Mäzenin des Hauses, Madame Barneau, befragen. Vielleicht wusste sie ja etwas, was die Gefährten weiterbringen würde.

~ ~ ~


Während die Gefährten eifrig diskutierten, hatte sich draußen am Strassenrand eine Gestalt niedergelassen. In Lumpen gekleidet, eine Kapuze weit über den Kopf gezogen, so dass das Gesicht nicht zu erkennen war, kauerte die Gestalt knieend auf dem Boden, ein schäbiges Kupferschälchen vor sich stehend und auf Almosen hoffend. Die Gestalt traute sich nicht einmal, die Vorübergehenden anzubetteln, sondern hoffte einfach nur still und mit gesenktem Kopf auf eine Münze.

Die meisten Bürger, die an der Gestalt vorüber gingen, bemerkten den Bettler noch nicht einmal. Hätte man sie später darauf angesprochen, sie hätten sich nicht daran erinnern können. Die Wenigen, die überhaupt Notiz von der Gestalt nahmen, eilten rasch weiter. Man hatte dieser Tage wirklich andere Probleme als die leeren Taschen eines Bettlers zu füllen. Und die weit vorgezogene Kapuze ... bestimmt war der Bettler von der mysteriösen Krankheit betroffen und wollte es verbergen. Was nützte es schon, einem Todgeweihten noch Münzen zu geben.

Doch die Gestalt war keineswegs an Münzen oder einer anderen milden Gabe interessiert. Immer wieder glitt ihr Blick zum Forscherhaus, folgte aber auch dem einen oder anderen Bürger und Adeligen. Wie sie sich abmühten, ihre Fassade aufrecht zu erhalten und so taten, als könne der ganze Ärger in Wegesruh ihnen nichts anhaben. Hinter der Fassade aber brodelte es. Die Leute hatten Angst, und aus Angst wurde schnell Hass. Nichts war schlimmer als ein unsichtbarer Feind, als die Unwissenheit, wer hinter all den Schrecknissen in der Hauptstadt steckte. Zugleich verloren die Stadtwachen und auch die Stadtoberen immer mehr an Vertrauen.

Die Gestalt erhob sich mühsam, sammelte ihr leeres Kupferschälchen ein, und schritt unter vermeintlichen Schmerzen in eine dunkle Gasse, wo sie -kaum ausser Sichtweite- geschickt und lautlos in den Schatten verschwand. Es wurde Zeit für den nächsten Schritt ...

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Mittwoch, 16. Februar 2022, 08:46

[den ersten Teil findet ihr hier]




Im Haus der Wissenschaft begann der Tag mit einer angenehmen Überraschung. Prinz Silann Ashere hatte ein Geschenk übermitteln lassen, eine solide Holzkiste mit einem Brief. In dem Brief gratulierte der Prinz zum anstehenden 5-jährigen Bestehen des Forscherhauses, danach noch einige freundliche Worte. Namir fiel es schwer, seine Neugier zu bändigen und rätselte, was wohl in der Kiste sein könnte. Ein rothwardonisches Artefakt? Vielleicht etwas von den Dwemern? Oder eine Sammlung besonderer kulinarischer Köstlichkeiten aus der Alik´r? Da es bis zum Jubiläum noch einige Tage dauerte, musste Namir sich wohl oder übel in Geduld üben.

Doch bereits zur Mittagsstunde warf das Unheil seine Schatten voraus. Ghin war unterwegs auf dem Markt, als Madame Barneau zu einem unerwarteten Besuch kam und dem Schreiber von der Ermordung einer Adeptin berichtete. Die sonst stets freundliche Kunsthändlerin wirkte ungewöhnlich ernst und gab knappe Anweisungen, die keinen Widerspruch duldeten. Bis auf weiteres sollten keine Forschungsaufträge angenommen werden, Forschungsreisen waren ebenfalls untersagt. Wäre es nach Madame Barneau gegangen, hätten die Gefährten Wegesruh auf der Stelle verlassen, doch die Bretonin wusste nur zu gut, dass eine solche Aufforderung nicht beachtet worden wäre. So konnte sie nur hoffen, dass die Mitglieder des Forscherhauses, allen voran Namir und Ghin, sich wenigstens daran hielten, ihre wissenschaftlichen Arbeiten vorerst ruhen zu lassen. Die irritierten Fragen von Namir ignorierte die Mäzenin und teilte zum Schluss nur knapp mit, dass sie für unbestimmte Zeit verreisen müsse und die Gefährten in höchster Alarmbereitschaft bleiben sollten.

Zum ersten Mal nach vielen Jahren kamen in dem Schreiber Zweifel auf. Namir hatte Madame Barneau vor etwa 6 Jahren in Dolchsturz über Magistra Nemarc kennengelernt. Er hatte nie in Frage gestellt, dass seine Mäzenin eine Kunsthändlerin sei, mit einem exklusiven Kundenkreis, der höchsten Wert auf Verschwiegenheit legte. Sicher, es gab allerlei Gerüchte über die Bretonin. Ihren angeblichen Einfluss in höheren Kreisen, ihre häufigen Besuche in der Magiergilde ... aber Namir hatte das nie sonderlich interessiert. Jetzt wurde ihm bewusst, dass er so gut wie nichts über seine Mäzenin wusste - und er fürchtete, dass sich das noch rächen könnte. Den ganzen Nachmittag über grübelte der Schreiber über die Ereignisse in Wegesruh, Madame Barneau, die tote Adeptin ... doch es ergab sich beim besten Willen kein Zusammenhang.

Am Abend nahm der Alptraum dann endgültig seinen Lauf. Es begann damit, dass Ghin sich vermeintlich wieder einen seiner Scherze erlaubt hatte und behauptete, Namir habe dem Bosmer eine Nachricht zukommen lassen mit der dringenden Bitte, zur halb achten Abendstunde im Forscherhaus zu sein, da es wichtige Neuigkeiten gebe. Ghin hatte sich sogar die Mühe gemacht, ein Stück Pergament anzufertigen, auf dem er perfekt die Handschrift des Rothwardonen nachgemacht hatte. Es sollte sich jedoch rasch herausstellen, dass es sich keineswegs um einen Scherz handelte.

Amrán, Liniphia, Ulfrik, Delia, Aaravos, und sogar die Altmer Ilyara Llewellyn waren alle etwa zur halb achten Abendstunde im Haus der Wissenschaft eingetroffen. Und alle behaupteten, eine schriftliche Nachricht von Namir erhalten zu haben, mit der dringenden Bitte, das Forscherhaus aufzusuchen. Welchen Zettel sich der Schreiber auch ansah, es war ohne Zweifel seine Handschrift. Namir kam ein schrecklicher Verdacht, und er zeigte Amrán das Schreiben, das -angeblich- von Prinz Silann stammte. Amrán bestätigte, dass es sich um die Handschrift des Prinzen handelte - oder um eine perfekte Nachahmung. Doch von einem Geschenk für das Forscherhaus wusste Amrán ebenso wenig wie von einem Brief, den sein Neffe zum 5-jährigen Jubiläum verschicken wollte.

Schnell dämmerte den Gefährten und der Altmer, was hier wirklich los war. Jemand wollte die Gruppe im Haus versammeln, und sehr wahrscheinlich lag die Antwort nach dem Warum in der Kiste, die vormittags überbracht worden war. Aaravos, Namir, Amrán und Ghin beschlossen, ins obere Stockwerk zu gehen und die Kiste zu öffnen. Die übrigen Gefährten blieben zurück, da sie der Sache nicht über den Weg trauten. Vor allem Ulfrik fand es töricht, eine unbekannte Kiste einfach so zu öffnen, wo doch alles überdeutlich auf Gefahr deutete.

Nach einigen Sicherheitsvorkehrungen und Untersuchungen an der Kiste wurde der Deckel behutsam geöffnet. Kein Gift, keine Falle, nichts ... eine ganz gewöhnliche Kiste, die innen dicht versiegelt war. Und der ein leicht modriger Geruch entstieg, wie er zu Beginn des Verwesungsprozesses einsetzte. In der Kiste war der Kopf einer Dunmer, ihr Gesicht ein einziger Ausdruck puren Grauens. Aaravos erkannte sofort, dass es sich um den Kopf jener Adeptin handelte, die letzte Nacht ermordet aufgefunden worden war. Im völligen Kontrast dazu war ein edler Pergamentbrief in der Kiste beigelegt. Namir zog sich Lederhandschuhe an, für den Fall, dass der Brief mit Kontaktgift versehen war, und entnahm das Schriftstück, um es zu öffnen und zu lesen. Inzwischen waren auch die anderen Gefährten nach oben gekommen. Am Ende hatte die Neugier doch gesiegt, und jeder wollte sehen, was in der Kiste war. Ein abgetrennter Kopf war allerdings ganz sicher nicht das, was sie erwartet hatten.

Unter anderen Umständen wäre der Inhalt des Briefes wohl völlig belanglos gewesen, doch in dieser Situation reichte es aus, Namir blass werden zu lassen und ihm Angst einzujagen. Mit zittriger Hand legte er das Schreiben auf den Tisch ... Der Alptraum, der sie damals in Schildwacht heimgesucht hatte, war zurückgekehrt. Im Brief stand, in schwungvoll-eleganter Schrift verfasst, nur ein einziger Satz und eine Unterschrift: "Bereit für ein neues Spiel? ... der Schakal"

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Mittwoch, 9. März 2022, 12:02

Er war müde, erschöpft, nervös und angespannt. Namir hatte eine langwierige Befragung durch die Stadtwachen hinter sich. Einige Fragen hatte er so gut wie möglich beantwortet, bei anderen lieber Ahnungslosigkeit vorgespielt, da die Antworten dem Forscher sonst nur noch mehr Schwierigkeiten eingebracht hätten. Dann endlich durfte er gehen, nicht ohne den Hinweis, dass man Namir genau beobachten werde.

Der Forscher beneidete seine Gefährten. Ulfrik, Amrán, Liniphia und all die anderen, sie wussten scheinbar allzu genau, was sie zu tun hatten. Namir hingegen hatte inzwischen den Überblick verloren und fühlte sich völlig überfordert. Im Gauthier-Anwesen angekommen, setzte er sich an seinen Schreibtisch, nahm Pergament und Feder, und schrieb nieder, was die Gefährten bisher in Erfahrung bringen konnten, in der Hoffnung, dass der Schreiber so ein wenig Ordnung in seinen Kopf bringen konnte.

Ulfrik und Liniphia war es gelungen, dem unheimlichen Nord auf die Spur zu kommen. Gleich bei ihrer ersten Begegnung wurden die beiden in einen Kampf verwickelt und mussten feststellen, dass der Nord ihnen weit überlegen war - ein Dornenherz! Ein Reikmann, aus dem durch Hexenmagie ein Untoter mit aussergewöhnlichen Kräften wurde. Als Bruder Corentin mit einer Gruppe Abenteurer einige Monate zuvor den Machenschaften von Boethiah-Kultisten nachgegangen war, hatten sie die Kultisten bis ins Vettelfenn verfolgt. Die Kultisten hatten also entweder Kontakt zu Vetteln, oder sie besaßen Kenntnisse der Hexenmagie. Das Dornenherz musste ohne Frage gleichermaßen mit Waffen und mit Magie bekämpft werden.

Die Morde an den Adeligen waren noch am leichtesten zu erklären. Ein gut ausgebildeter Assassine verstand es, lautlos in Häuser einzudringen und seine Opfer geräuschlos zu töten. Vorheriges Ausspähen der Umgebung für den besten Fluchtweg, vielleicht auch Verkleidungen, um sich vor und unmittelbar nach der Tat besser verstecken zu können. Hier eine Spur zu finden, schien derzeit geradezu unmöglich. Wer so professionell mordete, achtete auch darauf, alle Spuren zu verwischen.

Bei der mysteriösen Krankheit, die unter den Bettlern und einfachen Leuten ausgebrochen war, gab es dagegen gute Fortschritte. Delia, Aaravos und der Stadtmedicus Emile hatten zusammen herausgefunden, dass jemand Lebensmittel und Getränke mit einer alchemistischen Tinktur vergiftete, welche die Ursache für die Krankheit war. Wer immer das gebraut hatte, musste als Alchemist wie als Giftmischer sehr erfahren sein und sich auch mit Magie auskennen. Für eine solch aufwendige Arbeit benötigte man zudem ein umfangreiches Alchemielabor und musste wissen, wie man an die verschiedenen Zutaten kam, von denen einige wahrscheinlich nur schwer zu bekommen waren. Vielleicht konnten die Gefährten über Händler oder Hafenarbeiter etwas über ungewöhnliche Lieferungen herausfinden und so die Spur zum Giftmischer zurückverfolgen.

Amrán war zudem erst wenige Tage zuvor heimlich von Salima al-Maysun kontaktiert worden. Salima war die Tochter eines wohlhabenden Kamelhändlers und hatte schon in Schildwacht versucht, Prinz Silann dabei zu helfen, den Schakal zu finden. Beide Elternteile waren vom Schakal ermordet worden, Salima selbst wurde verschleppt und monatelang gefangen gehalten. Der Schakal schenkte ihr zwar die Freiheit, stach ihr jedoch vorher persönlich beide Augen aus. Nun war sie nur noch eine blinde Gossenläuferin, die es irgendwie geschafft hatte, ein paar Strassendiebe und Bettler um sich zu versammeln und von Rache getrieben die Spur des Schakals verfolgte. Ihr Vorteil war, dass niemand eine Gossenläuferin mit Augenbinde beachtete und sie so zuweilen erstaunlich leicht an Informationen kam. Das konnten sich die Gefährten zunutze machen, wenngleich Namir auch Bedenken hatte. Salima würde ohne Frage das Forscherhaus für ihre persönliche Rache ausnutzen. Dennoch war sie es, die einen entscheidenden Hinweis gegeben hatte. Die Rothwardonin hatte die Stimme des Schakals wiedererkannt und war der festen Überzeugung, dass der reiche Händler Tarek al-Yassin hinter all dem steckte.

Namir legte die Schreibfeder für einen Moment zur Seite und rieb sich müde die Augen. Was immer noch unbeantwortet blieb, war die Frage nach dem Warum? Warum war der Schakal hinter dem Forscherhaus und der Magiergilde her? Warum all das Leid, die Morde, die ganzen Verschwörungen? Wie sehr wünschte er sich die Zeiten zurück, in denen er mit Ghin und der Komtess eine Ayleidenruine erkundete. Oder auf Stros M'Kai mit dem Kamel Richtung Bthzark ritt. Oder in der Bibliothek des Ordens der Gekreuzten Klingen stöberte. Selbst ein Streit mit Aaravos über eine wissenschaftliche Frage wäre ihm jetzt recht gewesen.

Schildwacht, das Vettelfenn, jetzt Wegesruh ... und immer die gleiche Handschrift. Chaos, ausgelöst durch Verrat und Intrigen. Sie mussten diesem Wahnsinn endlich Einhalt gebieten. Namir ahnte, dass der Schakal kurz davor stand, sowohl dem Forscherhaus als auch der Magiergilde den entscheidenden Schlag zu versetzen. Erst recht, falls sie die Identität des Schakals tatsächlich entlarvt hatten.

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Mittwoch, 30. März 2022, 11:26

Endlich! Es war den Gefährten gelungen, dem Schakal einen, nein, gleich zwei schwere Schläge zuzufügen.

Die Heilerin Delia und Komtess Vanesé Laurent hatten mit Genehmigung der Magiergilde im Chironasium an einem Heilmittel gegen die Krankheit, die unter der armen Bevölkerung verbreitet war, gearbeitet. Sehr zu ihrer Freude bekamen die beiden Frauen Unterstützung von dem Argonier Tei-Toh-Veeskthux, oder einfach Tei, dessen Wissen über Krankheiten und Gifte eine wertvolle Hilfe war. Am Ende war es den dreien gelungen, ein sogenanntes Electuarium herzustellen, mit dem die Krankheit -hoffentlich- geheilt werden konnte. Das Electuarium bestand im Wesentlichen aus Honig, dazu allerlei weitere Inhaltsstoffe wie Nirnwurz, Käferbeine, Wiesenschaumkraut, Meerzwiebel, Frostmiriam, Mhyrre ... Das Resultat war eine zähflüssige braune Masse, die gut gekühlt werden musste. Namir verstand nicht einmal die Hälfte von dem, was Delia ihm später erklärte und hoffte einfach darauf, dass die drei schon wüssten, was sie taten.

Die übrigen Gefährten, Ulfrik, Aaravos, Amrán, sowie die beiden Bosmer Ghin und Liniphia hatten währenddessen Pläne geschmiedet, den unheimlichen Nord endlich im Kampf zu stellen. Da sie wussten, dass der Nord sich regelmäßig nachts in den dunklen Gassen der Stadt herumtrieb und seinen Opfern auflauerte, begannen sie ihre Suche entsprechend dort. Zunächst hatten sie keinen Erfolg, doch dann entdeckte Liniphia einen Hinweis. Sie mussten der Spur nicht lange folgen und liefen geradewegs auf den Friedhof der Stadt zu, wo der Nord sie schon zu erwarten schien. Doch das Dornenherz war keineswegs alleine. An seiner Seite war eine Vampirin, die höhnisch lächelnd die Gefährten betrachtete wie leichte Beute, die ihr geradewegs in die Arme lief.

In Abenteuergeschichten wird gerne von heroischen und spannenden Kämpfen geschrieben, die sich scheinbar ewig lange hinziehen. Dieser Kampf hingegen war äußerst brutal und grausam. Von Heldentum konnte hier keine Rede sein. Der laute Kampflärm mitten in der Nacht weckte die Bewohner der umliegenden Häuser, die zwischen Angst und Neugier aus sicherer Entfernung zusahen. Stadtwachen kamen herbeigeeilt, trauten sich jedoch nicht, in den Kampf einzugreifen.

Wie zuvor abgesprochen, setzte Aaravos alles daran, mit Hilfe seiner Magie das Dornenherz festzuhalten. Da er kein klassischer Kampfmagier war, kostete die Aufgabe ihn besonders viel Konzentration und Kraft. Ulfrik musste das Dornenherz hinhalten und auf den richtigen Moment warten, bis er dem Untoten seine Klinge in das Herz rammen konnte. Amrán, Ghin, Liniphia und der Argonier Tei, der später unverhofft dazu kam, sollten sich urprünglich ebenfalls um das Dornenherz kümmern. Durch die Anwesenheit der Vampirin waren Ulfrik und Aaravos indessen auf sich allein gestellt, während die anderen alles daran setzen mussten, die Vampirin zu beschäftigen und so dem Magier den Rücken frei zu halten.

Nach gut einer Viertelstunde war der Alptraum vorbei. Der untote Nord war besiegt, die Vampirin konnte, wenn auch schwer verwundet, im letzten Moment die Flucht ergreifen. Doch der Preis, den die Gefährten für ihren Sieg zahlen mussten, war hoch. Amrán war leicht verwundet, Aaravos sogar schwer. Am Ende des Kampfes war er zusammengebrochen und musste von Ulfrik eiligst ins Chironasium getragen werden, wo die Gefährten hofften, Delia anzutreffen. Das Leben des Altmer hing am seidenen Faden ...

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Silann (30.03.2022), quarzkristall (30.03.2022), Sedonis (30.03.2022), ddr.Peryite (30.03.2022), Zyniker (13.04.2022), Sir Malric Rodayne (18.05.2022)

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Mittwoch, 13. April 2022, 16:24

Ulfrik trug pfeifend ein großes Metfass ins Gauthier-Anwesen, während Aaravos mit kritischem Blick eine Reihe von Weinflaschen begutachtete und schließlich zufrieden nickte. Liniphia und Ghin unterhielten sich leise über selbstgemachte Limonade, wobei ihre Blicke immer wieder verstohlen zu Namir wanderten, als würden sie irgendeine Narretei gegen den Schreiber planen. Delia und die Komtess Vanesé Laurent waren derweil damit beschäftigt, einige angerichtete Speisen, von denen ein Teil von Amrán stammte, richtig zu platzieren. Die Gefährten waren nach ihrem kleinen Sieg gegen den Schakal und der Genesung von Aaravos sichtlich guter Laune. Die meisten Gefährten jedenfalls.

Namir war natürlich ebenfalls erleichtert, dass es ihnen gelungen war, dem Schakal gleich zwei schwere Schläge zu versetzen. Die Krankheit unter den Bettlern und einfachen Arbeitern ging mehr und mehr zurück. Und die Bürger von Wegesruh brauchten sich des nachts zumindest nicht länger vor dem untoten Nord fürchten. Selbst unter den Adeligen hatte es zuletzt keine weiteren Morde gegeben. Als ob der Schakal sich zurückgezogen hätte und seine Wunden leckte. Dass die Magiergilde Wegesruh und das Forscherhaus in Zukunft wieder enger zusammenarbeiten wollten, machte die Lage nur noch besser.

Aber es war noch nicht vorbei. Sie hatten immer noch nicht die wahre Identität des Schakals gelüftet, noch wussten sie, wie groß und gefährlich der Boethiah-Kult in Wegesruh noch war...

Alles hatte in Schildwacht mit der brutalen Ermordung des Hauses Abutemal begonnen. Prinz Silann Ashere, der über viele Jahre eng mit der Familie befreundet war, hatte bittere Rache geschworen. Schnell konnten sie damals den Gauner Harkiim al-Shayan und seine Bande als Drahtzieher ausmachen. Doch Harkiim war nur eine Marionette und wurde am Ende selbst betrogen. Aleyha al-Maysun, Mutter von Salima al-Maysun, war das nächste Opfer und starb bei einem fingierten Unfall. Ihr Gemahl Casim sollte wenige Wochen ebenfalls sterben. Tahir al-Rami und Marik el-Demir waren weitere Opfer, die durch "Unfälle" ums Leben kamen. Jamina Ashere, einstige Gemahlin des Prinzen Silann Ashere, wäre ebenfalls beinahe durch eine Vergiftung zu den Göttern gegangen. Später verließ sie den Prinzen, da der Schrecken, den sie in Schildwacht durchmachen musste, zu viel für sie war. Es gab noch so viele weitere Namen, die in Schildwacht den Intrigen des Schakals zum Opfer gefallen waren. Als sie schließlich Kaan al-Adis gefasst und den drohenden Bürgerkrieg zwischen Ahnherren und Kronen im letzten Moment abgewendet hatten, glaubten sie zunächst, endlich den Schakal gefangen genommen zu haben. Doch auch Kaan war nur eine weitere Marionette, während der echte Schakal weiter im Dunkeln seine Fäden zog.

Eine Gruppe von Abenteurern, darunter Bruder Corentin und der Kaiserliche Scelian, hatten Wochen später eine Spur gefunden, die sie nach und nach zum einstigen Mentor des Schakals gebracht hatte - der Nekromant Antoine Lavoisiere. Doch bis sie endlich im Vettelfenn angelangt waren, wo Lavoisiere und seine Anhänger sich versteckt hatten, mussten sie einen wahren Alptraum hinter sich bringen. Es hieß, der Kaiserliche sei zwischenzeitlich mit einem daedrischen Fluch versehen worden, der ihm grauenvolle Visionen beschert hatte. Und es gab Hinweise, dass es schon im Vettelfenn zum Kampf mit einem Dornenherz gekommen war. Namir wusste keine genauen Einzelheiten, nur, dass die Abenteurer nach ihrer Reise ins Vettelfenn nie wieder sie selbst waren. Der Kaiserliche war später verschwunden, und Bruder Corentin sei angeblich noch verbitterter und unbarmherziger geworden.

Wenn Namir die spärlichen Berichte um die Ereignisse im Vettelfenn richtig verstanden hatte, waren die Abenteurer wohl als Köder benutzt worden, um die Magiergilde und die Löwengarde auf die Spur des Nekromanten Lavoisiere zu bringen. Hatte der Schakal seinen eigenen Meister verraten, um ihn aus dem Weg zu räumen?

Und schließlich Wegesruh. Wieder gab es zahlreiche Opfer, wieder brachten Intrigen Angst und Misstrauen unter das Volk. Ja, sie hatten einen Teilerfolg errungen. Doch wenn sie den Schakal nicht endgültig stoppen konnten, würde der Wahnsinn an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit weitergehen, würde der Schakal seine blutige Spur fortsetzen. Sie mussten endlich das Geheimnis um den Schakal lüften. Salima al-Maysun, das einzige überlebende Opfer des Schakals, konnte womöglich der Schlüssel dazu sein. Hatte die blinde Rothwardonin mit ihrer Anschuldigung recht? War Tarek al-Yassin womöglich der Mann, den sie die ganze Zeit suchten?

Eine schwere Pranke auf Namir´s Schulter riss den Schreiber aus seinen Gedanken. Es war Ulfrik, der ihn dazu ermunterte, zu den anderen zu kommen und ihren Sieg zu feiern. Namir nickte leicht, doch insgeheim war ihm nicht nach Feiern zumute. Er wurde das Gefühl nicht los, dass dieser Sieg zu einfach war. Dass der Schakal erst noch zum entscheidenden Schlag ausholen würde ...

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Silana (13.04.2022), Zyniker (13.04.2022), Silann (13.04.2022), Sir Malric Rodayne (18.05.2022)

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Mittwoch, 4. Mai 2022, 09:52

Die Gefährten waren sich einig, dass sie sich gänzlich darauf konzentrieren mussten, so rasch wie möglich die wahre Identität des Schakals herauszufinden. Da derzeit alles auf den rothwardonischen Händler Tarek al-Yassin hindeutete, der mitten in Wegesruh ein Handelskontor hatte, bot die Komtess Vanesé Laurent an, sich als interessierte Kundin ins Haus Yassin einzuschleichen und so vielleicht an nähere Informationen zu kommen. Die Komtess war die einzige Person, von der sie hoffen konnten, dass der Schakal sie bisher (noch) nicht überwachte. Namir hatte seine Zweifel, doch einen anderen Plan hatten sie nicht. Ein Ablenkungsmanöver für einen Einbruch wäre eine weitere Möglichkeit gewesen, doch auch da gingen die Meinungen der Gefährten weit auseinander.

Die Lage änderte sich schlagartig, als einige Tage später zu abendlicher Stunde eine blinde junge Rothwardonin und ihr bretonischer Begleiter das Haus der Wissenschaft aufsuchten. Beide waren in einfache, schmutzige Kleidung gehüllt und sahen aus wie typische Gossenläufer oder Bettler. Der junge Mann achtete strengstens darauf, dass keiner der Gefährten der Rothwardonin zu nahe kam. Es war Salima al-Maysun, jene junge Frau, die vom Schakal eine Zeit lang gefangen genommen und gefoltert worden war, bevor er ihr beide Augen ausstach und sie frei ließ. Doch mochte Salima seitdem auch blind sein, sie hatte den Schakal vor einigen Wochen an seiner Stimme wiedererkannt.

Da Namir und Ghin an jenem Abend ausser Haus waren, übernahm Ulfrik das Wort und fragte die beiden nach dem Grund ihres Besuchs. Salima stellte sich und ihren Gefährten vor. Sie berichtete in knappen Worten und mit nervöser Stimme, dass die meisten Gossenläufer aus ihrer kleinen Gruppe vor kurzem brutal ermordet worden waren und nur Salima und ihr Gefährte überlebt hatten.

Die beiden hatten in den letzten Tagen alles daran gesetzt, dem Schakal auf die Schliche zu kommen und ihn ausgehorcht. Viel war es nicht, was sie in Erfahrung bringen konnten. Die meisten Kultisten hatten, wie es in der Stadt bereits vermutet wurde, wohl tatsächlich Wegesruh verlassen. Doch der Schakal wollte sich keineswegs einfach so zurückziehen, sondern plante "einen letzten großen Schlag". Was genau damit gemeint war, konnte Salima nicht sagen. Da die Stadtwachen einer Blinden und einem Gossenläufer wohl kaum Gehör schenken würden, wandten die beiden sich in ihrer Verzweiflung an das Forscherhaus. Die blinde Gossenläuferin drängte die Gefährten, dem Boethiah-Kultisten so rasch wie möglich ein Ende zu setzen, bevor er noch mehr Unheil anrichten konnte. Ulfrik und die anderen waren sich einig, dass niemand herausfinden wollte, was genau der Schakal sich zum "Abschied" überlegt hatte. Und die Zeit schien nicht gerade ein Verbündeter der Gefährten zu sein.

Bevor Salima und ihr Begleiter das Haus wieder verliessen, wirkte Magistra Velynea, die an jenem Abend im Forscherhaus zu Gast war, einen Unsichtbarkeitszauber auf die beiden. Der Zauber mochte nur von kurzer Dauer sein, doch verschaffte er vielleicht einen kleinen Vorsprung, damit die beiden Gossenläufer sicher die Stadt verlassen und untertauchen konnten. Doch die Magistra war misstrauisch und hatte heimlich zusätzlich einen Zauber gewirkt, der es ihr ermöglichen würde, den Aufenthaltsort von Salima ausfindig zu machen. Irgendetwas hatte Velynea an der blinden Rothwardonin irritiert.

Als Namir später am Abend zurück kam, ließ er sich rasch berichten, was vorgefallen war. Dem rothwardonischen Forscher platzte in diesem Moment der Kragen. Er hatte es satt, sich ständig vom Schakal vorführen zu lassen und darauf zu warten, dass der Boethiah-Kultist erneut Unheil über die Stadt brachte. Vorschläge, wie sie das Geheimnis um die Identität des Boethiah-Kultisten lüften könnten, lehnte Namir brüsk ab. Mochten die Gefährten ihm folgen oder nicht, er würde Tarek al-Yassin zur Rede stellen. Wenn Tarek wirklich der Schakal war, wie Salima behauptet hatte, würde er endlich seiner gerechten Strafe zugeführt werden.

Aaravos gefiel die Idee, und auch Velynea hielt in Anbetracht der davonlaufenden Zeit den direkten Weg derzeit für den sinnvollsten. Ulfrik war es nur recht, er war ohnehin nie ein Mann der vielen Worte und kam gerne zur Sache. Liniphia, Delia, und auch die Komtess waren zurückhaltender, schlossen sich den anderen am Ende aber an.

So wurden Vorbereitungen getroffen, um gut gerüstet und bewaffnet geradewegs zum Haus Yassin zu gehen, Tarek zur Rede zu stellen ... und ihm bestenfalls die Maske vom Gesicht zu reissen. Es wurde Zeit, dem grausamen Spiel des Schakals endlich ein Ende zu bereiten.

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Silana (04.05.2022), Nysha (04.05.2022), Valdrigue (04.05.2022), Zyniker (11.05.2022), Sir Malric Rodayne (18.05.2022)

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Mittwoch, 11. Mai 2022, 15:57

Die Gefährten hatten sich im Forscherhaus versammelt. Sie hatten sich bewaffnet und mit Schutzamuletten gegen Magie ausgerüstet. Sie waren fest entschlossen, Tarek al-Yassin zur Rede zu stellen und seinem Treiben als Schakal ein Ende zu setzen.

Doch es gab bereits erste Probleme, bevor sie überhaupt aufgebrochen waren. Magistra Velynea war gar nicht erst erschienen, Aaravos Arden musste die Gruppe vorzeitig wieder verlassen, als ein Bote ihm mitteilte, dass seine sofortige Anwesenheit in der Magiergilde dringend erforderlich sei. Die übrigen Gefährten, Namir al-Rashid, Ghin Korcisis, Ulfrik Grimsson, Liniphia Herbstschein, Delia Lerineaux, sowie Amrán al Sahid und Ilyara Llewellyn liessen sich jedoch in keinster Weise von ihrem Plan abhalten. Weitaus zögerlicher schloss sich schließlich auch Komtess Vanesé Laurent der Gruppe an.

Am Haus von al-Yassin angekommen, teilte ihnen eine Wache am Eingang mit, dass sie bereits von Tarek erwartet wurden. Keine Leibesvisitation, nicht einmal die Waffen wurden ihnen abgenommen. Scheinbar war Tarek sich seiner Sache absolut sicher und sah in den Gefährten keinerlei Gefahr. Sie tauschten beunruhigte Blicke aus und betraten misstrauisch einen luxuriös eingerichteten Raum. Doch von Tarek keine Spur.

Sie warteten, doch als nichts passierte, wurden sie immer unruhiger. War der Rothwardone womöglich längst geflohen? Es war Ilyara, die vorsichtig die Tür zu einem kleinen Nebenraum öffnete. Eine Studier- und Lesekammer, wie sie in zahlreichen Häusern wohlhabender Bürger und Händler zu finden war. Dort saß Tarek, in einem Stuhl unmittelbar am Kamin. Zuerst dachten die Gefährten, der Hausherr sei eingeschlafen. Doch dann begriffen sie, dass ihm mit einem sauberen Schnitt die Kehle durchgeschnitten worden war - ganz so wie bei den Adeligen, die in den letzten Wochen und Monaten ermordet worden waren.

In diesem Moment kam Namir dazu, mit einem Tagebuch und mehreren Schriftstücken in der Hand, die er zuvor auf einem Schreibtisch liegend gefunden hatte. Den Aufzeichnungen nach zu urteilen, war Tareks Vater schon vor längerer Zeit vom Schakal ermordet worden. Jemand hatte Tarek über Wochen und Monate eingeflüstert, dass Prinz Silann Ashere und vor allem Amrán al Sahid mit dem Schakal gemeinsame Sache machen würden. Es gab sogar vermeintliche Beweise - perfekte Fälschungen von Briefen, die angeblich von Amrán geschrieben worden waren. Den Gefährten wurde schlagartig klar, was der Plan des Schakals war. Die Gefährten und Tarek al-Yassin waren von Anfang an gegeneinander ausgespielt worden.

Es war keine Überraschung, dass sämtliche Ausgänge fest verschlossen und die Fenster von aussen vergittert waren. Die Wache war längst verschwunden. Draußen hörten sie die Schritte schwerer Stiefel, Befehle wurden gebrüllt - Stadtwachen waren dabei, das Haus zu umstellen und die Eingangstür aufzubrechen. Mit gezogenen Waffen stürmten die Wachen ins Haus und umstellten die Gefährten. Ein Hauptmann entdeckte die Leiche von Tarek und warf den Gefährten einen verächtlichen Blick zu. "Legt sie in Ketten und führt sie ab!"

Die Falle des Schakals war zugeschnappt.

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Mittwoch, 18. Mai 2022, 09:24

Nachdem man ihnen die Waffen abgenommen und die Rüstungen gegen einfache Kleidung ausgetauscht hatte, wurden die Gefährten geradewegs ins Gefängnis gebracht. Dort verbrachten sie mehrere Stunden, bis sie am frühen Morgen in einen Wagen für Gefangene gesteckt und an einen unbekannten Ort gebracht wurden. Nach einer kurzen Strecke machten sie Halt vor einem Haus, das von einer Mauer umgeben war und schon längere Zeit leer zu stehen schien. Eine der Gefährten blieb allerdings im Gefängnis zurück - Ilyara Llewellyn. Warum sie als einzige im Gefängnis blieb, und was mit ihr passierte, darüber schwiegen die Wachen sich aus.

Die Gefährten wurden ins Haus geführt, die Ketten wurden ihnen abgenommen, und sie warteten, was als nächstes kommen würde. Namir wurde herausgerufen und blieb gefühlt eine halbe Ewigkeit draußen. Die Unruhe und Nervosität unter den zu Unrecht Beschuldigten wuchs zunehmend an. Plötzlich hörten sie von draußen eine ihnen allzu vertraute Stimme, die laut mit zwei Wachen zu schimpfen schien und hartnäckig auf Einlass bestand. Es war Aaravos, der ein "offizielles Schreiben" hatte, welches ihm den Zugang zu den Gefangenen erlaubte - die Götter allein wussten, wie er an ein solches Schreiben gekommen war, oder woher er wusste, wo sie hingebracht worden waren. Als der altmerische Magus das Haus betreten hatte, konnte er es sich nicht verkneifen, einen bissigen Kommentar abzugeben, in welche Schwierigkeiten die Gefährten sich schon wieder gebracht hätten.

Endlich kam der rothwardonische Forscher zurück, doch sein Gesichtsausdruck ließ bereits erahnen, dass ihre Lage anscheinend noch schlimmer war, als ohnehin schon gedacht. Namir berichtete ...

Der Schakal musste von Anfang an geplant haben, Tarek al-Yassin und Amrán al Sahid mitsamt dem Forscherhaus gegeneinander auszuspielen. Es war eine von langer Hand geplante Intrige, mit der zwei Häuser gleichzeitig aus dem Weg geräumt werden sollten. Zugleich wurde das Ansehen von Prinz Silann Ashere, zu dessen Haus Amrán gehörte, beschädigt. Der Orden des Lichts, ein Ritterorden innerhalb der Magiergilde, wusste schon recht früh von dieser Intrige, bekam jedoch von "ganz oben" die Anweisung, Tarek lediglich im Auge zu behalten und erst dann zuzuschlagen, wenn der Schakal drohte, Tarek zu ermorden. Eine Entscheidung, die dem Orden deutlich missfiel. Doch durch einen Verräter in den Reihen der Magier war der Anführer der Boethiah-Kultisten dem Orden des Lichts einmal mehr einen Schritt voraus und konnte so nicht nur ungehindert seinen Plan umsetzen, sondern zugleich der Magiergilde eine herbe Demütigung verpassen.

Statt dass die ranghohen Befehlshaber ihren Fehler eingestanden, wurden die Gefährten kurzerhand zum Bauernopfer erklärt - angeblich, um den Schakal in falsche Sicherheit zu wiegen. Nun wurden Namir, Ghin, Ulfrik, Liniphia, Delia, sowie die Komtess Vanesé Laurent und Amrán vor eine mehr als fragwürdige Wahl gestellt. Sie gingen entweder ins Gefängnis und harrten dort aus, bis der Schakal gefasst wurde und die Unschuld der Gefährten "offiziell" bewiesen war. Oder sie reisten heimlich und unter falscher Identität nach Immerfort, wo es Hinweise gab, dass dies der nächste Ort sein würde, an dem der Schakal (nach Schildwacht und Wegesruh) erneut ziellos Chaos verbreiten würde. Die Gefährten sollten allerdings keineswegs den Anführer der Boethiah-Kultisten aufspüren, sondern lediglich als Lockvogel dienen, damit der Orden des Lichts im entscheidenden Moment den Schakal festnehmen konnte. Kurzum, was beim ersten Mal schon gründlich schief gegangen war, sollte nun auf Anweisung von höchster Stelle erneut durchgeführt werden.

Was folgte, war eine hitzige Diskussion unter den Gefährten. Ins Gefängnis gehen und sich der Willkür von Leuten aussetzen, die bisher schon nicht erfolgreich gegen den Schakal gewesen waren? Widerwillig mitspielen und darauf hoffen, dass der Orden des Lichts dieses Mal mehr Erfolg hatte? Und zwar, bevor der Schakal die Gefährten aus dem Weg räumen konnte? Versuchen, den Spieß umzudrehen und die Magiergilde unter Druck setzen? Oder sollten sie nach aussen hin so tun, als seien sie bereit zur Zusammenarbeit, während sie insgeheim ihren ganz eigenen Plan verfolgten und am Ende selbst den Schakal in die Enge trieben? Außerdem galt es herauszufinden, was mit Ilyara passiert war. Manch einer fragte sich auch, von wem Namir die Informationen hatte, doch der Rothwardone wich Fragen dazu hartnäckig aus.

Viele Möglichkeiten blieben ihnen nicht. Die Gefährten waren zum Spielball der Mächtigen geworden ...

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Mittwoch, 15. Juni 2022, 15:57

Wie viel Zeit war inzwischen seit ihrer heimlichen Abreise aus Wegesruh vergangen? Tage? Wochen? Namir wusste es nicht. Der rothwardonische Forscher war nur noch in der Rolle des passiven Mitläufers, der sich einfach nach dem richtete, was die anderen entschieden. Seine Gefährten (jedenfalls die meisten) waren der festen Überzeugung, dass sie dem Schakal endlich auf der Spur waren. Dass sie kurz davor standen, ihn aufzuspüren, ihn in seinem Versteck zu überraschen, und den Boethiah-Kultisten endlich zu besiegen.

Namir aber glaubte insgeheim nicht daran. Der Schreiber war kein Kämpfer (auch wenn er durchaus gut mit seinen zwei Dolchen umzugehen wusste). Er analysierte lieber und wollte den Dingen auf den Grund gehen. Schon früh hatte der Forscher versucht, den Schakal zu verstehen, seine Schritte nachzuvollziehen und vielleicht sogar zu erahnen, was den Schakal antrieb. Auch wenn Namir nur bedingt Antworten für sich gefunden hatte, dass sie nun kurz davor standen, ihren Erzfeind endlich zu besiegen, daran konnte der Rothwardone einfach nicht glauben. Vielmehr befürchtete Namir, dass dies nur eine weitere, dieses Mal eine allerletzte Falle war. Der Schakal hinterließ keine Spuren. Es war daher nur naheliegend, dass die Gefährten ebenfalls aus dem Weg geräumt werden mussten.

Sie hatten in Wegesruh beschlossen, sich dem "Angebot" der Magiergilde zu beugen und verkleidet nach Immerfort zu reisen, um dort den Lockvogel zu spielen. Mitglieder vom Orden des Lichts waren ebenfalls nach Immerfort gereist, immer bereit, sofort einzugreifen, wenn der Schakal oder einer seiner Leute sich zu erkennen gab. Doch es passierte nichts. Alles verlief ruhig. Zu ruhig. Sie waren ohne besondere Vorkommnisse von Wegesruh nach Immerfort gereist.

Ulfrik, Ilyara und auch Amrán waren von Anfang an alles andere als begeistert, verkleidet nach Immerfort zu reisen. Heimlichtuerei war so gar nicht ihre Art. Sollte der Feind ruhig wissen, dass sie kamen. Immer wieder gab es deswegen Diskussionen. Ilyara hatte sich gar nicht erst die Mühe gemacht, überhaupt eine Verkleidung anzulegen, als sie außerhalb von Wegesruh zu den Gefährten stieß. Ganz anders dagegen Aaravos, der sichtlich Vergnügen an der Kostümierung hatte. Etwa auf halber Strecke war Namir das ständige Genörgel von Ulfrik leid und stimmte schließlich widerwillig zu, die Verkleidung aufzugeben. Selbst mit Verkleidung waren sie ein so auffälliger Haufen, dass die Tarnung wahrscheinlich ohnehin reine Zeitverschwendung war.

Die einzige Besonderheit während ihrer ganzen Reise war die Begegnung mit Doktor Filibuster, einem reisenden Händler, der gefärbtes Wasser und Kisten mit nutzlos zusammengeschraubten Zahnrädern als Wundermittel und "geheimnisvolle Dwemer-Erfindungen" verkaufte. Ein Wunder war bei alledem höchstens, dass es Leute gab, die sich den nutzlosen Krempel für viele Münzen aufschwatzen ließen. Dem Doktor war ein gutes Stück vor Immerfort sein Pferd durchgegangen. Namir hatte Mitleid mit dem armen Burschen, Amrán hingegen drängte darauf, schnell weiter zu reiten, statt sich mit dem Quacksalber aufzuhalten. Und wieder einmal verstand Doktor Filibuster es, mit geschickten Worten sein Ziel zu erreichen und sich der Gruppe (gegen den Willen einiger Gefährten) bis kurz vor Immerfort anzuschließen.

In Immerfort gab es vage Gerüchte über Kultisten und verstärkte Wachgänge der Stadtwachen, doch nichts handfestes, auch keine Hinweise auf einen neuen Angriff, den die Kultisten womöglich planten. Dafür gab es aus Wegesruh endlich einmal gute Nachrichten. Magistra Velynea von der Magiergilde und Magistra Aethyra vom Emporium Arcanum hatten mit der Unterstützung zweier Adepten herausgefunden, wo ungefähr sich der Schakal möglicherweise aufhielt. Alles deutete darauf hin, dass sich das Versteck der Boethiah-Kultisten ganz in der Nähe des Pelin-Friedhofs befand.



Und es gab noch eine angenehme Überraschung. Während die Gefährten abends in einem kleinen Gasthaus saßen und die Vorgehensweise für den unmittelbar bevorstehenden Angriff planten, kamen zwei Gäste dazu - Pater Corentin und Scelian der Kaiserliche. Beides Gefährten, die schon in Schildwacht zusammen mit Prinz Silann gegen den Schakal gekämpft hatten. Scelian hatte insgeheim nie aufgehört, der Spur des Schakals zu folgen, während Pater Corentin sich lange Zeit zurückgezogen hatte. Nun, da es Gerüchte und Hinweise über einen entscheidenden Kampf gegen Schakal gab, hatte Scelian seinen Freund zurückgeholt und war bereit, sich den Gefährten anzuschließen. Eine willkommmene Verstärkung im letzten Kampf gegen den gerissenen Anführer der Boethiah-Kultisten.

Einerseits war Namir erfreut, andererseits hatte die Begegnung geradezu etwas schicksalhaftes. Der Kreis schloss sich ... Namir dämmerte, hier würde alles sein Ende finden.

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Mittwoch, 22. Juni 2022, 14:37

Die Gefährten hatten sich für den letzten Reiseabschnitt vorbereitet und waren von Immerfort aus Richtung Pelin-Friedhof gelaufen, wo sie das Versteck ihres Erzfeindes zu finden hofften. Das heisst, nicht alle Gefährten. Aaravos hatte sich zuvor schon zurückgezogen, um letzte Vorbereitungen zu treffen und sich mit Mitgliedern vom Orden des Lichts zu treffen. Da er der Magiergilde angehörte, war es nur naheliegend, dass der altmerische Magier zum Kontaktmann für den Orden wurde. Namir betete insgeheim, dass der Orden rechtzeitig Verstärkung schicken und sie im Kampf unterstützen würde. Und auch Ilyara, Ghin und Ulfrik waren nicht unter den Gefährten. Sie waren zuvor schon als kleiner Spähtrupp vorausmarschiert, um die Lage auf dem Friedhof auszukundschaften. Drei Leute waren nun mal unauffälliger als gleich ein ganzer Trupp von zwölf.

Unauffällig oder nicht, in den wenigen Tagen, die sie in Immerfort verbracht hatten, hatte es nicht den geringsten Hinweis gegeben, dass der Schakal auf die Gefährten aufmerksam geworden wäre. Entweder hatte der Kultistenanführer sie tatsächlich noch nicht bemerkt (woran niemand so recht glauben wollte), oder er sah in ihnen schlicht keine Gefahr, der man Beachtung schenken musste. Die dritte Möglichkeit (dass der Schakal sie bereits erwartete) behielt Namir lange Zeit für sich, da er keine Diskussionen mehr mit (unter anderem) Ilyara und Ulfrik führen wollte. Ein Teil der Gefährten hatte ganz offensichtlich keinerlei Interesse an irgendwelchen Analysen und Überlegungen. Sie wollten kämpfen und den Schakal seiner gerechten Strafe zuführen. Dafür brauchte es keine verwirrenden wissenschaftlichen Überlegungen von Forschern, die sich hinter Büchern versteckten.

Der altmerische Magier und der kleine Spähtrupp wollten später so rasch wie möglich zu den übrigen Gefährten aufschließen, bevor es dann gemeinsam auf den Friedhof ging - und geradewegs in das Versteck des Schakals. Namir, Delia, Amrán, Aethyra, Liniphia, Komtess Vanesé Laurent, Pater Corentin und Scelian erreichten ohne besondere Zwischenfälle den Rand des Friedhofs. Doch kaum angekommen, bestätigten sich die Befürchtungen des rothwardonischen Schreibers, und sie gerieten unvermittelt in Schwierigkeiten. Der Schakal wusste nicht nur um ihre Anwesenheit in Immerfort, er hatte sie auch ganz offensichtlich erwartet.

Corentin spürte sofort eine unheimliche bösartige Präsenz, konnte jedoch nicht genau sagen, wo der Ursprung war. Die dunmerische Magierin Aethyra wurde währenddessen von einer nur schwer zu widerstehenden Neugier gepackt. Auf dem Friedhof war etwas, eine Magie, die unbedingt näher erkundet werden wollte. Sicher, es war gefährlich, doch mit ihren Kräften würde sie der Gefahr widerstehen und das Rätsel lösen können. Den Göttern sei Dank dämmerte der Magierin schnell, dass es eine Art magischer Lockvogel war, der sie (vorzugsweise alleine) auf den Friedhof führen sollte.

Namir und Scelian hingegen kamen weniger glimpflich davon. Der Forscher wurde zunehmend von einer Panikattacke befallen und hatte nur noch den dringenden Wunsch, den Ort so rasch wie möglich zu verlassen. Corentin und Delia gelang es nur mit viel Mühe, den völlig verängstigten Gefährten zu beruhigen. Der Kaiserliche erlebte erneut einen längst vergessenen Alptraum, als Vanesé sich vermeintlich zu ihm drehte und ihm etwas zuflüsterte. Worte, die Scelian vor Monaten in einem schrecklichen Traum gehört hatte, an dessen Ende er von einem untoten Nord hingerichtet werden sollte. Die Komtess bestritt natürlich, irgendetwas zu Scelian gesagt zu haben. Den Gefährten wurde rasch klar, das hier war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommen würde.

Die Gruppe beschloss, etwas abseits (und ausserhalb des Einflussbereichs) vom Friedhof ein einfaches Lager zu errichten und auf die Rückkehr des Spähertrupps und auf Aaravos zu warten. Aethyra errichtete einen Schutzkreis gegen weitere magische Attacken, während die übrigen Gefährten sich ein wenig ausruhten und Kräfte sammeln wollten. Sollten Aaravos, Ilyara, Ghin und Ulfrik nicht binnen einer Stunde zu ihnen aufschließen, würden sie das Versteck des Schakals notgedrungen alleine suchen. Die Komtess war alles andere als begeistert über ein Vorgehen, dass sie alle nur ins Verderben führen konnte, doch welche Wahl hatten sie? Liefen sie weg, würde ihr Feind ihnen wie ein hartnäckiger Schatten folgen und sie immer weiter manipulieren und quälen. Was blieb, war ein letzter, alles entscheidender Kampf, selbst wenn es den Tod aller Gefährten bedeuten würde.

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Mittwoch, 6. Juli 2022, 18:17

"Namir, geht es Euch gut?" - Namir nickte Ilyara knapp zu und murmelte ein "Ja, es geht mir soweit gut." Die Altmer musterte den Gefährten prüfend, bevor sie ihren Blick über den Pelin-Friedhof schweifen ließ. "Die anderen sind schon unterwegs Richtung Magiergilde in Immerfort. Brechen wir auf." Noch einmal nickte der Rothwardone und folgte Ilyara. Der Friedhof um ihn herum war zu einem einzigen Schlachtfeld verkommen. Mitglieder vom Orden des Lichts suchten nach gefallenen Kameraden. Vereinzelte Kultisten wurden in Ketten gelegt und abgeführt. Priester segneten die sterblichen Überreste derer, die schon vor langer Zeit hier bestattet und erst wenige Stunden zuvor von Loriel zu unheiligem Leben erweckt und als Waffe missbraucht worden waren. Ritter der Löwengarde unterhielten sich leise und mit ernsten Gesichtern. Namir nahm all das nur am Rande wahr, wie etwas, das ihn nicht wirklich etwas anging. Einem Dwemerkonstrukt gleich setzte er mechanisch einen Fuß vor den anderen und bemühte sich, den Anschluss an die forsch voranschreitende Altmer nicht zu verlieren.

Wie lange war es nun her, dass sie sich aufgemacht hatten, das Versteck des Schakals aufzuspüren? Stunden? Vielleicht Tage? Namir hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Einzelne Erinnerungen trieben durch seinen Kopf. Der Weg zum Friedhof und die aufsteigende Angst, gegen die sie ankämpfen mussten. Skelettkrieger, von Loriel beschworen, die in nicht enden wollender Zahl auf die Gruppe stürzten und sie in einen aussichtslosen Kampf verwickelten. Aethyra, Aaravos und Corentin, die Magie gegen die Skelettkrieger wirkten. Ein einzelnes Skelett, das durch einen schweren Schlag von Ulfrik zu Boden ging. Befehle, die von einem zum nächsten gebrüllt wurden. Ihr verzweifelter Versuch, sich durch die Horden von Untoten zu kämpfen, um eine bestimmte Krypta zu erreichen, in der der Eingang zum Versteck des Schakals sein sollte. Das plötzliche Verlangen, welches Namir packte, so rasch wie möglich ins Innere der Krypta zu gelangen. Ulfrik und Amrán, die versuchten, Namir zur Vernunft zu bringen. Scelian, der plötzlich neben ihm stand und zum Schlag ausholte. Und dann ... völlige Dunkelheit, gefolgt von einer unbeschreiblichen Angst, die Namir nie zuvor erlebt hatte.

"... in einer Schale ein Blutopfer für Boethiah geben, um den Sarkophag in der Gruft zu öffnen. Den Göttern sei Dank reichte eine geringe Menge von jedem der Gefährten, um den Weg hinab frei zu geben. Da unten muss eine längst vergessene unterirdische Anlage sein, wo der Schakal sich lange Zeit ungestört verstecken konnte. Es würde ... Namir?" Der Rothwardone stieß fast mit Ilyara zusammen und schreckte aus seinen Gedanken auf. "Entschuldigt. Ich ... ich brauche einfach noch etwas Zeit. Es kommt nicht oft vor, dass ich von einer Vampirin entführt werde." Er bemühte sich kläglich um ein Lächeln. "Gehen wir weiter. Die anderen warten schon. Ulfrik und Amrán werden mir später sicher noch ausführlich berichten, was da unten passiert ist."

Ilyara blieb stehen und betrachtete den Rothwardonen nachdenklich. Als sie während ihres Kampfes endlich die gesuchte Krypta erreicht hatten, war Namir plötzlich wie von Sinnen, faselte etwas von "... ich muss zu ihm, er wartet auf mich ...". Scelian musste dem Rothwardonen einen Schlag gegen die Schläfe verpassen, um ihn ruhig zu stellen. Zuerst hatte der Kaiserliche damit Erfolg, doch dann richtete Namir sich unvermittelt wieder auf und verschwand in einem Schwarm von Fliegen. Ilyara wusste sofort, wer dahinter steckte - Orlionne, eine vampirische Handlangerin Loriels, hatte den Forschungsreisenden mittels Magie entführt. Während die Gefährten sich in die Krypta zurückzogen und den Eingang verbarrikadierten, hatte die Altmer keinen Moment gezögert, Orlionne zu folgen und Namir zu retten. Aber seit seiner Befreiung war der Forscher nicht mehr er selbst. Ilyara wusste, es gab Schrecken, die man nicht so leicht vergessen konnte. Schlimmstenfalls würde Namir sein Leben lang von dem Alptraum verfolgt, den er durchgemacht hatte. Die Altmer setzte ihren Weg fort und schloss sich dem Rothwardonen stillschweigend an.

Loriel war bezwungen, der Schakal musste sich während des Kampfes verwundet zurückziehen, und der Boethiah-Kult war dank des Ordens des Lichts und der Löwengarde zerschlagen. Sie waren alle erschöpft, einige verwundet, wenn auch -den Göttern sei Dank- nicht schwer. Lediglich um die bretonische Adelige, Vanesé Laurent, machten sie sich Sorgen, war sie doch während des Kampfes durch einen Vampirbiss verletzt worden. Noch war nicht klar, mit welchen Auswirkungen, da die Komtess jegliche Behandlung bisher energisch abgelehnt hatte. Sie hatten gesiegt. Aber ... zu welchem Preis?



Die Gefährten vor einem Sarkophag, in dessen Innerem eine Treppe hinab zum Versteck des Schakals führt.

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Mittwoch, 13. Juli 2022, 10:08

Sie waren am Friedhof von Pelin, nahe Immerfort. Seine Gefährten kämpften verbissen mit Schwert und Magie gegen die Untoten, die Loriel herbeibeschworen hatte. Namir betrachtete das Kampfgeschehen teilnahmslos und ging stattdessen zielstrebig zur Krypta. Salima rief ihn! Rief ihn und flehte verzweifelt um Hilfe. Wie konnten die anderen sich nur mit diesem lächerlichen Kampf aufhalten, wo Salima die Gefährten doch so dringend brauchte? Noch konnte die junge Rothwardonin gerettet werden, wenn sie nur rasch genug ... Namir eilte zügig ins Innere der Krypta. Kaum drinnen, stand er unvermittelt vor einem tiefen Abgrund, in dem selbst das Licht verschluckt wurde. Wie hypnotisiert starrte der Forscher in die Tiefe, und allmählich dämmerte ihm, dort war etwas, das zu ihm zurückschaute. Plötzlich packte ihn eisiges Grauen, als er begriff: Boethiah selbst hatte ihren Blick geradewegs auf Namir gerichtet.

Der Forschungsreisende erwachte schweißgebadet in seinem Bett. Es dauerte einen kurzen Moment, bis er begriff, wo er sich befand. Seitdem sie aus Immerfort zurückgekehrt waren, erlebte Namir jede Nacht den gleichen Alptraum. Selbst die von Magistra Aethyra erworbene Tinktur gegen Schlaflosigkeit half ihm nicht weiter. Womöglich ein Fluch, ähnlich wie Scelian ihn durchmachen musste? Oder war es einfach nur die Folge eines "seelischen Ungleichgewichts" nach den Ereignissen in Immerfort? Sich an Pater Corentin zu wenden, wäre eine Möglichkeit. Die Namir allerdings sofort wieder strich. Pater Corentin würde wahrscheinlich sofort zu drastischen Mitteln greifen und irgendein zweifelhaftes Ritual zur Austreibung daedrischer Flüche durchführen. Was unweigerlich zu Gerede in der Stadt führte. Genau das, was sie derzeit am wenigsten gebrauchen konnten. Vielleicht konnte Ghin ihm weiterhelfen, hatte der Bosmer sich doch auf die Erforschung von Träumen spezialisiert (genau genommen hatte Namir immer noch nicht ganz verstanden, was genau Ghin da eigentlich erforschte).

Mit weichen Knien und zittrigen Händen setzte Namir sich auf die Bettkante und zündete eine Kerze an. Die kurzen Nächte und der ständig wiederkehrende Alptraum liessen den Forscher immer gereizter und dünnhäutiger werden. Namir beschloss, eine Art wissenschaftlichen Bericht über den Schakal zu schreiben. Vielleicht würde es ihm ja helfen, so etwas Abstand zu gewinnen. Als er angekleidet war, setzte der Forscher sich an den Schreibtisch, zündete zwei weitere Kerzen an, bereitete Pergamente, Schreibfeder und Tintenfass vor und begann, zu schreiben ...

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Mittwoch, 20. Juli 2022, 16:04

Nicht veröffentlichte Aufzeichnung von Namir al-Rashid über den gemeinhin als "Schakal" bekannten Boethiah-Kultisten.

Wie war es möglich, dass wir so lange getäuscht wurden? Dass wir uns monatelang, ... nein, sogar über 2 Jahre so haben blenden lassen? Wir jagten einem unsichtbaren Feind hinterher und merkten nicht, dass eben jener Feind die ganze Zeit über in unseren eigenen Reihen war und uns nach Belieben manipulierte.

Salima al-Maysun, Tochter eines wohlhabenden Kamelhändlers mit ausgezeichnetem Ruf, ein Opfer des Schakals und einzige Überlebende seiner Gefangenschaft. Sie hatte durch den Schakal alles verloren, ihre Eltern, ihre familiären Besitztümer, am Ende sogar ihr Augenlicht, weil der Kultistenanführer ihr während der Gefangenschaft persönlich die Augen ausgestochen hatte. Es passte alles perfekt zusammen. Niemand hinterfragte Salimas Rolle. Niemand kam überhaupt auf die Idee, dass der Schakal womöglich gar kein Mann, sondern eine Frau war. Allein Komtess Vanesé Laurent hatte am Ende Verdacht geschöpft. Doch in unserer Ignoranz wollten wir nicht darauf hören ... und mussten teuer dafür bezahlen. Wir konnten uns einfach nicht vorstellen, dass der Schakal niemand anderes war als Salima al-Maysun.

Die Informationen, die ich zusammentragen konnte, zeichnen ein düsteres Bild. Das Bild einer fanatischen Boethiah-Anhängerin, die mit ihrer Gerissenheit und Skrupellosigkeit wahrlich die Aufmerksamkeit der daedrischen Göttin erlangt haben dürfte. Ich fürchte, solange Salima lebt (und davon ist derzeit auszugehen), solange wird sie auch weiterhin eine Gefahr darstellen. Mag sie derzeit geschwächt sein, ich hege keinen Zweifel daran, dass sie zurückkehren wird. Ich bete inständig zu Ruptga, dass dieser Tag möglichst fern sein wird. Und dass es nicht erneut zu einem Bündnis zwischen ihr und dem Lich Loriel kommen wird.

Als Salima etwa 8 Jahre alt war, entdeckte ein bretonischer Magier während eines Besuchs in Schildwacht ihr Talent für Magie. Ein entsprechendes Studium war jedoch von vornherein ausgeschlossen. Ihre Eltern, obwohl Anhänger der Ahnherren und damit weitaus offener für Neues, lehnten jegliche Form der Magie ab. Die Vorstellung, ihre eigene Tochter zu einer Magiergilde zu schicken, war für sie unvorstellbar. Für den bretonischen Magier kein Grund, sich abschrecken zu lassen. Ein 8 Jahre altes Mädchen dürfte sich leicht manipulieren lassen, erst recht von einem charismatischen Erwachsenen. Und welchem Kind gefällt es nicht, vor den Eltern ein Geheimnis zu haben? So führte der Nekromant Antoine Lavoisier die junge Rothwardonin in die Magie ein. Das Studium, da es im Geheimen abgehalten werden musste, war höchstwahrscheinlich eine äußerst langwierige Angelegenheit.

Zunächst ging alles gut, Salima machte langsam aber sicher Fortschritte. Doch im Laufe der Jahre schien die Rothwardonin ihres Mentors immer überdrüssiger zu werden. Sie hatte sich inzwischen nicht nur Boethiah zugewandt, sondern auch nach einem neuen Meister Ausschau gehalten, der Salima versprach, wesentlich schneller an Macht zu gelangen. Wir kennen die Identität des neuen Meisters nicht, doch es hat sich ohne Zweifel um einen Vampir gehandelt. Der Handel zwischen den beiden war einfach: das Dasein als Vampirin im Austausch gegen ein altes Artefakt, das sich im Besitz einer rothwardonischen Familie befand - Haus Abutemal.

Es wäre ein leichtes gewesen, das Artefakt einfach zu stehlen. Doch Salima wollte mehr. Sie sah es als günstige Gelegenheit an, mit Hilfe einer Gruppe Boethiah-Kultisten Schildwacht an den Rand eines Bürgerkrieges zu bringen. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, doch vermutlich ging es hier bereits darum, Boethiah zu ehren. Über Monate baute Salima in Schildwacht ein Netzwerk von Verrätern auf, sammelte Anhänger der Kronen um sich und stachelte ihre Mitverschwörer gegen König Fahara'jad und die Ahnherren auf. Das heisst, sie selbst zog nur die Fäden im Hintergrund. Als "Schakal" handelte der Schausteller Kaan al-Abis, der am Ende genauso eine Marionette war wie viele andere, die Salima dienten. Selbst vor der Ermordung ihrer eigenen Eltern schreckte sie nicht zurück, um sich selbst als Opfer darzustellen.

Die Ermordung der Familie Abutemal sollte Teil einer ganzen Mordserie werden und den Eindruck erwecken, dass die Kronen eine Verschwörung und den Umsturz des Königs planten. Für den Mord selbst wurden der Bandit Harkiim al-Shayan und seine Schläger angeheuert, die wahrscheinlich durch einen prall gefüllten Beutel Münzen spielend leicht zu überzeugen waren. Doch kaum hatten Harkiim und seine Leute ihre Aufgabe erfüllt, war Harkiim für den Schakal nicht länger von Nutzen - und wurde kurzerhand verraten.

Prinz Silann, ich und Ghin sahen es als unsere Pflicht an, dem Mörder des Hauses Abutemal nachzustellen - und stießen dabei auf eben jene Verschwörung, die Salima bereits in Gang gesetzt hatte. Den Göttern sei Dank hatten wir Verbündete, die uns unterstützten - unter anderem Haus al Bergama und den Orden der Gekreuzten Klingen.

Kaan al-Abis, der weiter die Rolle des Schakals spielte, musste inzwischen reichlich Gefallen an der Idee gefunden haben, selbst auf dem Thron von Schildwacht zu sitzen. Er versuchte -vergeblich- Salima zu hintergehen und wollte den Bürgerkrieg für seine eigenen Zwecke nutzen. Kaan einfach zu töten, wäre zu auffällig gewesen. Jeder hätte dann sofort gewusst, dass Kaan nicht der echte Schakal ist. Stattdessen manipulierte Salima uns alle so, dass wir Stück für Stück auf die Spur von Kaan al-Abis gebracht wurden - während Salima ungestört ihre eigenen Pläne fortsetzen konnte. Wir glaubten, wir hätten den drohenden Bürgerkrieg im letzten Moment verhindert. Stattdessen hatten wir nur einen unliebsamen Konkurrenten des echten Schakals aus dem Weg geräumt. Wir waren zu Handlangern des Bösen geworden, und das nicht zum letzten Mal. Denn Salima hatte längst ihre nächsten Schritte geplant ...

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Silann (20.07.2022), Silana (21.07.2022), Valdrigue (01.08.2022)

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Donnerstag, 21. Juli 2022, 17:17

Zu früher Stunde findet man einen Brief zu den Stufen des Hauses der Wissenschaft. Das Siegel des Briefes zeigt eine schwarze Lilie auf blutrotem Wachs. Die Schrift selber ist elegant geschwungen und ebenfalls von roter Farbe, als bestünde die Tinte selbst aus Blut


An das ehrenwerte Haus der Wissenschaft,

zunächst bitte ich um Verzeihung, dass ich mich nur über diesen schriftlichen Weg melden kann, anstatt mich persönlich bei euch für eure Taten zu bedanken (weil ein gewisser jemand ja unnötigerweise einen Bannkreis auf das Haus gelegt hat). Denn Dank ist an dieser Stelle angemessen, nach allem was wir zusammen durchgemacht haben. Dass Ihr diese Lächerlichkeit von Lich namens Loriel erschlagen habt (wenngleich auch nicht endgültig vernichtet), hat ihren Einfluss über mich gebrochen. Ich bin frei und kann wieder ohne Fesseln durch die Ländereien Tamriels streifen, wie einst. Das habe ich euch zu verdanken, oh großartige Helden von Wegesruh. Ohne euch wäre mir das nie gelungen. Da ich euren Schriftführer, gnädig wie ich bin, nicht getötet sondern laufen lassen habe, sehe ich meine Schuld bei euch als eingelöst. Wegesruh kann aufatmen, das Haus der Wissenschaft kann seinen Tagesgeschäften nachgehen und auch ich habe eine neue Anstellung bei einer gar nicht so unbekannten Assassinengilde gefunden, die meine Fähigkeiten schätzen (aber pssst! Das ist ein Geheimnis unter Freunden!). Ist es nicht schön, wenn sich einfach alle Dinge zum Guten ergeben? Vielleicht kreuzen sich unsere Wege innder Zukunft nochmal... besser allerdings wäre es nicht, denn das würde bedeuten, dass es einen Kontrakt auf eure Köpfe gibt... Kleiner Spaß am Rande. Ihr werdet mir fehlen, ganz besonders dieser schnuckelige aber leicht reizbare Altmer.

Für immer eure,
Orlionne Lalis

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Celebringil (22.07.2022), Valdrigue (01.08.2022)

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Mittwoch, 3. August 2022, 17:04

Noch immer litt Namir unter dem jede Nacht wiederkehrenden Alptraum. Er war müde und gereizt, da er unter Schlafmangel litt. Selbst ein Trank, den der Schreiber im Emporium Arcanum erworben hatte, brachte nicht wirklich Linderung. Ghin hatte sich inzwischen bereit erklärt, eine Art Traum-Meditation durchzuführen, um so vielleicht mehr herauszufinden, oder Namir sogar zu heilen. Genau genommen hatte Namir nur ansatzweise verstanden, was sein bosmerischer Gefährte mit ihm vor hatte. Es klang alles andere als harmlos, doch welche Wahl hatte der Schreiber schon?

Einige der Gefährten hatten sich während eines Abends im Forscherhaus versammelt. Die meisten von ihnen genossen die ruhigen Tage, das nächste Abenteuer würde noch früh genug beginnen. Und tatsächlich zeichnete sich bereits die nächste Reise ab, Richtung Valenwald, wo einige Adepten eine Prüfung ablegen sollten. Liniphia war sofort Feuer und Flamme gewesen, als Aaravos ihr einige Tage zuvor angeboten hatte, die Gruppe dorthin zu begleiten. Ulfrik indessen trieb mit Ghin und Liniphia im Erdgeschoss des Hauses seine Späße, und sie überlegten laut, wie sie Namir davon überzeugen konnten, im Keller eine Brauerei einzurichten. Sie beschlossen, einfach so lange auf den Forscher einzureden, bis der irgendwann völlig entnervt zustimmen würde.

Namir bekam von alledem nichts mit, war er doch mit Magistra Velynea im Obergeschoss in ein Gespräch verwickelt. Genauer, der Rothwardone redete umständlich um den heißen Brei, bat um Mithilfe bei einem völlig belanglosen Forschungsprojekt - doch er kam einfach nicht zu seinem eigentlichen Anliegen. Magistra Velynea bemerkte nur zu deutlich, dass der Forscher nicht auf den Punkt kam und fragte schließlich geradewegs heraus, was der eigentliche Grund dafür war, dass Namir die Magistra alleine sprechen wollte. Nach einigem weiteren Zögern kam endlich das Thema auf den Tisch, was Namir so beschäftigte - er wollte das Studium der Magie wieder aufnehmen. Die Ereignisse in Immerfort (und auch davor) hatten Namir nur zu deutlich vor Augen geführt, wie entscheidend es unter Umständen sein konnte, wenn der Rothwardone seine magischen Fähigkeiten besser beherrschte und einsetzte. Aaravos kam als Mentor keinesfalls in Frage, jedenfalls nicht, wenn es nach Namir ging. Aaravos, davon war der Rothwardone felsenfest überzeugt, würde den Unterricht wahrscheinlich mehr dazu nutzen, sich über die bescheidenen Magiekünste seines Schülers lustig zu machen, als ernsthaft Unterricht zu geben.

Magistra Velynea hörte geduldig zu und tat die Bedenken ihres zukünftigen Schülers rasch ab. Natürlich war das Studium eine zeitintensive Angelegenheit, doch Magiestudium und das Betreiben anderer Wissenschaften ließen sich durchaus miteinander vereinbaren. Auch Forschungsreisen seien kein Hinderungsgrund, so die Dunmer. Sobald Namir bereit sei, könnten sie das Studium der Magie gemeinsam fortsetzen. Namir war nicht gänzlich überzeugt und mehr als erleichtert, dass Velynea nicht schon gleich am nächsten Tag beginnen wollte. Es gab schließlich keinen Grund, etwas zu überstürzen. Zunächst einmal galt es, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Magie bald wieder Teil seiner täglichen Arbeit werden würde.

Velynea hatte dem Forscher bereits zuvor einen Brief überreicht, der auf den Stufen des Hauses abgelegt worden war. Während Namir und Velynea über die Wiederaufnahme des Magiestudiums redeten, verharrte der Brief ungeachtet in der Hand des Rothwardonen. Nun, da sich ihr Gespräch dem Ende näherte und etwa zur gleichen Zeit Komtess Vanesé Laurent das Obergeschoss betrat, um die Bibliothek des Hauses aufzusuchen, kam Namir der Brief wieder in den Sinn. Ohne jede Erwartung öffnete er das Schreiben - und geriet mit jeder Zeile, die er las, immer mehr in Panik. In diesem Moment kam niemand auf die Idee, einen Zusammenhang zu sehen zwischen dem Auftauchen der Komtess und Namirs aufsteigender Panik, auch der Schreiber selbst nicht. Er spürte ein beklemmendes Gefühl und eine Angst, die ihn zu verschlingen drohte ... wie damals in Immerfort, als Orlionne ihn entführt hatte.

Namir rannte sofort die Treppe hinunter und rief immer wieder, sie sei hier. Die Gefährten hatten reichlich Mühe, zu verstehen, was überhaupt los war, bis sie den Brief der Vampirin sahen. Mit viel gutem Zureden konnten sie den völlig verstörten Schreiber endlich beruhigen. Doch selbst als Namirs Angst sich halbwegs gelegt hatte, bestand er darauf, dass Orlionne in der Nähe sei. Velynea, Liniphia, Ghin, Ulfrik, sie machten sich ernsthaft Sorgen um den Geisteszustand des Rothwardonen. Ulfrik hatte sogleich die wenig hilfreiche Erklärung, dass Namir einfach zu wenig Met trinken würde. Liniphia zeigte in dieser Situation, dass sie zunehmend wie eine Forscherin zu denken begann und schlug vor, zunächst eine Nacht darüber zu schlafen und später die Angelegenheit wissenschaftlicher anzugehen, um Antworten zu finden. Ein Vorschlag, dem der Schreiber halbherzig zustimmte.

Auch Vanesé war inzwischen wieder aus dem Obergeschoss zurückgekommen. Sie wirkte noch erschöpfter und blasser als sonst - und tat alles, um genau das zu überspielen. Immer wieder fiel Namirs Blick zu der Komtess. Er sprach es nicht laut aus, doch insgeheim wurde er das Gefühl nicht los, dass mit der Adeligen etwas ganz und gar nicht stimmte ...

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Nysha (24.08.2022)

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Mittwoch, 24. August 2022, 01:10

Ein Brief an Madame Barneau, adressiert an das Haus der Wissenschaft














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Celebringil (24.08.2022), ddr.Peryite (24.08.2022), Nysha (24.08.2022), Sedonis (24.08.2022)

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Mittwoch, 7. September 2022, 14:30

Mit voller Wucht stieß Namir die beiden Dolche in sein Gegenüber ... nur ein bedauerliches Missverständnis ... es folgte ein weiterer Angriff, der sein Gegenüber unterhalb des linken Schlüsselbeins traf ... lediglich ihren Pflichten nachgekommen ... wieder drangen die Dolche tief ein, dieses Mal zu beiden Seiten des Unterkörpers, wo Namir sie stecken ließ ... der Preis der Sicherheit ...

Der Rothwardone wischte sich mit einem Handtuch den Schweiß von Gesicht und nacktem Oberkörper und warf der Übungspuppe einen gereizten Blick zu, als sei sie es, die für die aktuelle Misere verantwortlich sei. Dabei schien es zuletzt langsam wieder bergauf zu gehen für das Haus der Wissenschaft. Madame Barneau hatte diverse Adelshäuser in Wegesruh und sogar Gonfalon besucht - mit Erfolg, wie es schien. Nach den Ereignissen rund um den Boethiah-Kult hatte sich die Aufregung unter den Adelshäusern zuletzt etwas gelegt, einige Adelsfamilien fassten wieder Vertrauen in das Forscherhaus (wohingegen Namir weiterhin kein Vertrauen in Madame Barneau hatte. Die Enthüllung, dass seine eigene Mäzenin nicht die war, für die sie sich lange Zeit ausgegeben hatte, war für den Schreiber ein schwerer Schlag gewesen). In Gonfalon selbst hatte ein gewisser Barnabas Beaufort Barring sogar Interesse daran, sich als Mäzen zu beteiligen. Das hieß mehr Münzen, und mehr Münzen hieß mehr Spielraum für kostspielige Forschungsreisen und Experimente. Ganz zu schweigen vom Ansehen, der mit solch einem Bündnis gesteigert werden konnte. Als "Bedingung" mussten die Forscher einen Trank des Adelsmanns untersuchen und dessen Inhalt bestimmen. Ein Test, um zu sehen, wie gut die Mitglieder des Forscherhauses wirklich arbeiteten. Namir hatte nur bedingt Interesse daran, irgendwelche Tränke zu untersuchen, doch wenn sich damit ein neuer Mäzen gewinnen ließe ...

Die vermeintliche Dwemerbox, die Namir vor einiger Zeit von Dr. Filibuster während eines Marktes aufgeschwatzt wurde, war inzwischen ebenfalls untersucht worden und stellte sich - wie nicht anders zu erwarten - als wertloser Plunder heraus, der mit den Dwemern so rein gar nichts gemein hatte. Gänzlich anders verhielt es sich dagegen mit einem zerfledderten Tagebuch, dass ein Buchhändler dem Forscher verkauft hatte. Ein Buch, in dem der Leiter einer Forschergruppe "irgendwo im Norden" über seine Suche nach einem längst vergessenen nordischen Orden schrieb. Zunächst sah es so aus, als sei das Buch nur ein schlecht geschriebener Text über eine Gruppe, die während ihrer Forschungsreise so ziemlich alles falsch gemacht hatte, was man nur falsch machen konnte. Jedenfalls waren die Forscher auf ganzer Linie gescheitert und mussten ihre Arbeit vorzeitig aufgeben.

Aus einer Laune heraus (und um sich von den Nachwirkungen der Ereignisse in Immerfort abzulenken) hatte Namir begonnen, Nachforschungen anzustellen. Anfangs hatte er das Büchlein nicht sonderlich ernst genommen. Doch je mehr er sich mit der Forschungsreise und vor allem deren Ziel beschäftigte, desto mehr kam der Schreiber zu dem Schluss, dass etwas dran sein musste an diesem Orden. Wo hatte der Orden seinen Sitz? Welche Aufgaben verfolgten die Mitglieder, was waren ihre Ziele? Warum war der Orden in Vergessenheit geraten? Wo die Nord doch so großen Wert darauf legten, ihre Helden in Ehren zu halten? Oder sollte der Orden aus der Geschichte der Nord verdrängt werden? Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Orden mit hehren Zielen durch ein einzelnes Ereignis oder eine besondere Tat einen schlechten Ruf erlangte oder zu Fall gebracht wurde.

Das Problem war, dass der Verfasser des Tagebuchs nur sehr ungenaue Angaben gemacht hatte, was für die Gruppe des Forscherhauses viel Arbeit und noch mehr Nachforschungen bedeuten würde. In Namirs Augen war die Suche nach dem verschollenen Orden zwar kompliziert, aber keineswegs gefährlich. Grund genug, die Leitung einer zukünftigen Forschungsreise in den Norden kurzerhand der Bosmer Liniphia zu übertragen und sie als Mentor zu unterstützen. Die beste Möglichkeit zu lernen war eben immer noch praktische Arbeit.

Magistra Aethyra Marethi vom Emporium Arcanum hatte sich wie erwartet als absolut diskret erwiesen und während eines persönlichen Besuchs im Haus der Wissenschaft eher beiläufig mehrere Bücher über Magie vorbeigebracht. Bücher, die sich vornehmlich an Adepten richteten und Grundlagen der Magie behandelten. Auch wenn sich die Bücher nicht speziell mit Kampfmagie befassten, so waren sie dennoch ein guter Einstieg für Namir, um seine Kenntnisse aufzufrischen beziehungsweise zu vertiefen. Merkwürdigerweise hatten weder Aaravos noch die anderen Verdacht geschöpft oder gar Fragen gestellt, warum Namir sich neuerdings für Bücher über Magie interessierte. Dem rothwardonischen Schreiber konnte das nur recht sein. Bei der erstbesten Gelegenheit würde Namir die Magistra noch einmal in ihrem Laden aufsuchen und gezielt nach Büchern über Kampfmagie fragen.

Es lief also gut für das Haus der Wissenschaft. Sicher, da war immer noch das merkwürdige Verhalten der Komtess und auch von Aaravos. Wann immer der Altmer in letzter Zeit Komtess Laurent über den Weg lief, wirkte er ungewöhnlich nervös und führte sich auf, als wolle er möglichst schnell und unauffällig von ihr wegkommen. Auch die Komtess war irgendwie ... anders. Aber bretonische Adelige waren in den Augen des Schreibers schon immer merkwürdig. Namir war insgeheim zu dem Schluss gekommen, dass es unter Bretonen scheinbar zum guten Ton gehörte, als Adeliger einen gewissen Hang zur Exzentrik zu haben. Im Gegensatz zum rothwardonischen Adel schienen Begriffe wie Ehre und Stolz bei den adeligen Bretonen nur wenig zu zählen. Und was Aaravos anging, so hatte Namir den Altmer noch nie wirklich verstanden. Aaravos war ein ausgezeichneter Magier und somit ein durchaus wertvolles Mitglied des Forscherhauses (was der Schreiber niemals offen zugeben würde). Alles, was darüber hinaus ging, interessierte Namir nicht sonderlich.

Doch dann kam jener verhängnisvolle Abend. Namir hatte gerade verkündet, dass Liniphia eine neue Forschungsreise leiten würde (die die Neuigkeit voller Stolz vernahm), als plötzlich eine Ritterin von irgendeinem Orden der Hexenjäger laustark nach Einlass verlangte und sich erdreistete, das Haus zu durchsuchen. Ein Wort wechselte das andere, es kam rasch zum offenen Streit zwischen den anwesenden Gästen und der Ritterin, und kurz darauf wurde ein wutentbrannter Namir verhaftet und zu den Stadtwachen gebracht. Nach viel Aufregung und intensiven Befragungen kamen schließlich zwei Stadtwachen in Begleitung von Madame Barneau und verkündeten kleinlaut, es gebe keinen Grund, den Leiter des Forscherhauses weiter festzuhalten. Die Ritterin vom Orden der Hexenjäger zeigte sich wenig begeistert. Mochte die Sache auch glimpflich ausgegangen sein, sie hatte doch alte Wunden aufgerissen und war für den Ruf des Forscherhauses wohl kaum förderlich.

Während Namir später seine Wut an einer Übungspuppe auslassen würde, setzte Madame Barneau bereits erste Hebel in Bewegung, damit sich solch ein "Zwischenfall" nicht wiederholen würde. Mochte die Bretonin nicht länger in der Magiergilde aktiv sein und auch nicht mehr dem Orden des Lichts angehören, sie hatte immer noch einflussreiche Freunde, die ihr "einen Gefallen schuldeten". Die Mäzenin hatte kein Interesse an Rache am Orden oder dergleichen. Sie wollte vielmehr das Haus der Wissenschaft schützen - und sehen, ob der Orden der Hexenjäger sich nicht vielleicht für die eigenen Interessen einsetzen ließe. Denn Madame Barneau wusste nur zu gut, dass der Schakal zwar besiegt, aber keineswegs vernichtet worden war. Es war also weiterhin höchste Achtsamkeit geboten. Und der Feind meines Feindes ...

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Dienstag, 13. September 2022, 16:19

Eine Entschuldigung

Es war etwas Zeit ins Land gegangen, nachdem Namir al-Rashid so rüde von der Eisernen Lady, Hauptmann Vivienne Lorans von der Kompanie "Eisenfaust" - Kommandantin vom Orden der Hexenjäger in Wegesruh -, verhaftet und zur Befragung abgeführt wurde. Zu einer Befragung durch den Orden kam es jedoch nicht, denn Namir al-Rashid wurde von sämtlichen Anschuldigungen die die Kommandantin gegen ihn erhoben hatte frei gesprochen und durfte die Wache umgehend verlassen. Anscheinend hatte eine einflussreiche Mäzenin ihre Beziehungen spielen lassen, aber das wurde nur gemunkelt. Einige Tage nach diesem bedauerlichen Ereignis überbrachte ein Bote eine versiegelte Nachricht an das Haus der Wissenschaft die an die Mäzenin, Madame Barneau, selbst adressiert war....



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Celebringil (14.09.2022)

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Mittwoch, 14. September 2022, 15:20

Es gab endlos viele Buchläden in Tamriel. Manche waren klein und unscheinbar, bis zur Decke vollgestopft mit Büchern, Folianten und Schriftrollen, während hinter der Ladenkasse ein mürrischer Bibliothekar die Besucher mit seinen Blicken verfolgte. Dann gab es Buchläden, die wirkten so edel und vornehm, dass sie sich vor der Bibliothek der Magiergilde Dolchsturz nicht zu verstecken brauchten. Wieder andere Buchläden waren versteckt in abgelegenen Gassen, und die Kunden, die dort ein- und ausgingen, ließen bereits erahnen, dass man hier ganz sicher keine Bücher für den harmlosen Bürger fand.

Das Emporium Arcanum war streng genommen kein Buchladen, sondern ein Ort, an dem man allerlei magische Gegenstände kaufen konnte. Da ein beachtlicher Teil des Ladens allerdings mit Büchern ausgestattet war, betrachtete Namir das Emporium als "Buchladen mit magischem Firlefanz", wobei er diese Bezeichnung wohlweislich lieber für sich behielt, um Magistra Aethyra, die Ladeninhaberin, nicht unnötig zu verärgern. Als Namir den Laden zum ersten Mal besucht hatte, hatte er den Büchern, Statuen, Kristallkugeln und merkwürdig aussehenden Pflanzen keinerlei Beachtung geschenkt, da er zu sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt gewesen war und lediglich einen Trank als Einschlafhilfe hatte besorgen wollen.

Nun, da der Schreiber das Emporium Arcanum erneut betrat, nahm er sich etwas mehr Zeit, sich umzusehen. Sein Blick schweifte zunächst wohlwollend über die Bücherregale, dann entdeckte Namir nach und nach Gegenstände, die ihm -gelinde ausgedrückt- mehr als suspekt vorkamen. Vor allem eine Pflanze, vermutlich aus Morrowind, war einfach nur unheimlich. Sie wiegte sich leicht hin und her, und so sehr sich der Schreiber einredete, dass es ja nur eine Pflanze sei, er wurde das Gefühl nicht los, von ihr beobachtet zu werden. Es hätte Namir nicht gewundert, wenn eine der Gegenstände oder Pflanzen in einem unachtsamen Moment nach ihm geschnappt hätten.

Die Magistra begrüßte Namir freundlich. Die beiden kannten sich noch aus der gemeinsamen Zeit in der Akademie Twyllagea, als das Haus der Wissenschaft und die Akademie an der Reaktivierung einer Dwemerspinne gearbeitet hatten. Aethyra bemerkte seine besorgten Blicke und versicherte, dass sie alles im Laden unter Kontrolle habe. Ein Satz, den der Schreiber so oder so ähnlich schon zu oft von Magiern gehört hatte, kurz bevor etwas schreckliches passiert war und von "unter Kontrolle haben" keine Rede mehr sein konnte. Nach ein paar freundlichen Floskeln und dem Angebot einer Tasse Kaffee setzten die beiden sich in eine kleine, etwas versteckte Ecke des Ladens, wo Namir schnell zu seinem eigentlichen Anliegen kam.

Die Bücher, die Aethyra einige Tage zuvor vorbeigebracht hatte, waren eine ausgezeichnete Unterstützung für das Selbststudium der Magie, wenngleich von eher allgemeiner Natur. Namir benötigte allerdings konkret Unterstützung bei Kampfmagie. Die Magistra hörte geduldig zu und bemühte sich, die Fragen des Besuchers so zu beantworten, dass sie für einen Adepten verständlich und nachvollziehbar waren. Schnell entwickelte sich eine kleine Fachsimpelei zwischen den beiden, wenngleich natürlich nicht auf dem Niveau von Magiern oder gar Magistern. Ein solches Gespräch konnte zwar keinen Unterricht ersetzen, doch für den Anfang hatte der Schreiber genug Informationen, um die nächsten Schritte seines Selbststudiums zu planen.

Das Gespräch neigte sich bereits dem Ende zu, als ein weiterer Kunde das Emporium betrat - Komtess Vanesé Laurent. Eine Zufallsbegegnung, die dem Schreiber höchst ungelegen kam. Natürlich konnte Namir nicht ewig geheim halten, dass er das Studium der Magie wieder aufgenommen hatte. Dennoch wollte er so lange wie möglich hinauszögern, dass es darüber Gerüchte gab. Der Komtess schien diese Begegnung offenbar ebenfalls unangenehm zu sein, was Namir etwas verwunderlich erschien, ging es der Komtess doch lediglich um den Erwerb irgendwelcher roten Edelsteine. Einmal mehr fiel dem Rothwardonen auf, dass mit der adeligen Dame etwas nicht zu stimmen schien. Er schob den Gedanken beiseite, überreichte Magistra Aethyra Münzen für die Bücher und wollte bereits zügig den Laden verlassen, als die Komtess ihn bat, kurz zu warten.

Nachdem die beiden sich von Magistra Aethyra verabschiedet hatten, erwartete Namir schon eine Reihe unangenehmer Fragen über seinen Aufenthalt im Emporium, als Vanesé Laurent lediglich eine Einladung aussprach. Eine Einladung für das Adelshaus al Bergama in Burg Wasserwacht. Al Bergama - das Haus hatte damals in Schildwacht zu den Gefährten gehört, die gegen den Schakal gekämpft hatten. Eine Absage hätte ohne Frage zu einer endlosen Debatte geführt (die Komtess konnte sehr hartnäckig werden, wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte), also sagte der Schreiber halbherzig zu - und malte sich insgeheim aus, wie er sich auf irgendeinem Tanzball zwischen all den Adeligen langweilte und sich verzweifelt den Anfragen tanzwütiger Damen zu entziehen versuchte.



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Mittwoch, 5. Oktober 2022, 13:40

Der Alltag war endgültig wieder im Forscherhaus eingekehrt, und die Gefährten waren mit allerlei verschiedenen wissenschaftlichen Aufgaben beschäftigt. Aaravos, Namir, Ghin, Liniphia, sowie Delia und auch die Komtess hatten sich daran gemacht, den "Nahrungstrank" des Adelsmanns Barnabas Barring zu analysieren. Wenn es ihnen gelingen würde, die Inhaltsstoffe des Tranks herauszufinden, so der vereinbarte Handel zwischen Monsieur Barring und Madame Barneau, wäre der Adelsmann bereit, das Haus der Wissenschaft als Mäzen großzügig zu unterstützen. Dabei ging es nicht allein um mehr Münzen für zukünftige Forschungsprojekte, sondern auch um das Ansehen des Forscherhauses und neue Kontakte. Immerhin hatte Barnabas Barring seinen Sitz auf Hochinsel. Hatte man erst einmal Kontakt zu einem der Adeligen auf Hochinsel, war es wesentlich leichter, dort Fuss zu fassen und weitere Kontakte zu knüpfen.

Die Analyse des Tranks begann zunächst mit denkbar einfachen Untersuchungen - riechen, schmecken, und sehen. Damit ließ sich bereits eine grobe Richtung erkennen, welche Zutaten darin waren, und welche ganz sicher ausgeschlossen werden konnten. Liniphia und Delia hatten vor allem beim Schmecken den anderen gegenüber den Vorteil, dass sie mit Kräutern und Pflanzen besonders vertraut waren und erste wichtige Hinweise geben konnten. Ghin unterstütze erste Überlegungen, indem er in einem älteren Fachbuch über Pflanzen gezielt Informationen sammelte und den anderen vorlas. Das half Namir und Aaravos, mit Hilfe alchemistischer Untersuchungen weitere Einschränkungen vorzunehmen und erste Inhaltsstoffe zu bestimmen. Der letzte, entscheidende Teil der Forschung wurde nur zu gern Aaravos überlassen, ging es doch darum, durch eine genaue magische Flüssigkeitsanalyse eine spezifische Stoffbestimmung durchzuführen. Eine langwierige und äußerst kniffelige Angelegenheit.

Auch bezüglich des Tagebuchs eines unbekannten Forschers gab es Fortschritte. Liniphia hatte ausgiebige Nachforschungen angestellt und bestätigte, was Namir sich bereits gedacht hatte. Die Forschergruppe, über die im Tagebuch geschrieben wurde, war völlig unvorbereitet Richtung Himmelsrand gereist. Trotz aller Bemühungen, mehr über jenen nordischen Orden in Erfahrung zu bringen, kam die Gruppe keinen Schritt weiter und musste schließlich ohne nennenswerte Ergebnisse ihre Arbeit abbrechen. Die Einheimischen hatten sich in keinster Weise als hilfreich erwiesen und den Forschern jegliche Zusammenarbeit verweigert. Ulfrik hatte parallel zu Liniphias Nachforschungen ein Schreiben an die Älteste seines Stammes geschrieben und so in Erfahrung gebracht, dass es vor langer Zeit tatsächlich eine Gruppe von Nord gab, besonders wagemutige Kriegerinnen und Krieger, die sich durch eine ungewöhnliche Verehrung von Bären hervortaten. Doch geriet diese Gruppe schon vor langer Zeit aus unerfindlichen Gründen in Vergessenheit.

Und genau hier wurde es interessant. Die Nord waren bekannt für Geschichten über ihre Helden und Ahnen. Einerseits schien diese Gruppe von Nord etwas besonderes gewesen zu sein. Andererseits gab es so gut wie keinerlei Hinweise mehr auf diese Gruppe. Aber warum? Ulfrik äußerte den Verdacht, dass diese Nord womöglich eine besonders schwere Strafe ereilt hatte - das gezielte Vergessen ihrer Heldentaten. Ein Grund mehr, der Sache auf den Grund zu gehen. Schließlich war genau das die Aufgabe des Hauses der Wissenschaft - Geheimnisse aufzudecken. Namir jedenfalls war bereits Feuer und Flamme für die anstehende Forschungsreise.

Neben sämtlichen Gefährten des Forscherhauses sollte noch jemand mit auf die Forschungsreise kommen - Magistra Aethyra Marethi. Die Dunmer hatte sich allerdings keineswegs freiwillig und schon gar nicht von sich aus dazu bereit erklärt. Vielmehr hatte Namir kurzerhand beschlossen, dass die Magistra sich ihnen anschließen würde. Mit Aaravos Arden hatten sie einen ausgezeichneten Magus an ihrer Seite. Doch der rothwardonische Forscher erinnerte sich noch zu gut an all die Schwierigkeiten, die Aaravos immer wieder gemacht hatte, als sie damals in der Alik´r einem Schatz in Form eines verschollenen Buches hinterher gejagt waren. Namir war gar nicht an den Fähigkeiten der Magistra interessiert. Vielmehr wollte er jemanden, der Schadensbegrenzung betrieb, wenn Aaravos einmal mehr mit seiner Magie Chaos anzurichten drohte. Aethyra allerdings war über die Aussicht auf eine Reise nach Himmelsrand alles andere als begeistert. Nichts war ihr mehr zuwider als Himmelsrand und dessen unzivilisierte Bewohner.

Doch bevor die nächste Forschungsreise -nach entsprechenden Vorbereitungen- endlich beginnen konnte, galt es noch, der Einladung des Hauses Burg Wasserwacht zu folgen. Delia und Liniphia freuten sich bereits auf den Besuch, Ghin nahm es mit der ihm eigenen Gelassenheit hin, und Ulfrik sah es als Gelegenheit, den feinen Herrschaften zu zeigen, wie ein echter Nord feierte. Namir hingegen war wenig begeistert von der Einladung. Gesellschaftsabende, in denen man "seichte Gespräche" führen und dabei ständig auf zahllose Benimmregeln der Adeligen achten musste, waren ihm schon immer ein Graus gewesen. Der Rothwardone hoffte, dass sie ihren Besuch auf Burg Wasserwacht so kurz wie möglich halten konnten - und dass Ulfrik, Aaravos und Ghin sich halbwegs zu benehmen wussten.

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