Sie sind nicht angemeldet.

Dolchsturz-Bündnis Haus der Wissenschaft

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: The Elder Scrolls Online Rollenspiel-Community Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

41

Donnerstag, 15. April 2021, 10:57

Im Haus der Wissenschaft kehrte keine Ruhe ein, ganz im Gegenteil. Erst musste Dila at-Hallin zurück zu ihrer Familie, da ihr Vater im Sterben lag. Dann gab es einen Einbruch im Forscherhaus, und es wurde ein Teil einer bedeutsamen Karte gestohlen. Und nun folgte auch schon die nächste unangenehme Überraschung. Baroness Emelyne von Varnberg verliess ebenfalls das Haus der Wissenschaft, um "auf Bitten" ihres Vaters zum Familiensitz zurückzukehren. Baron von Varnberg hatte genug von den Abenteuern seiner Tochter und bestand darauf, dass Emelyne endlich ihren Verpflichtungen als Adelstochter nachkam.

Der Verlust einer weiteren Schülerin in so kurzer Zeit dürfte kein gutes Licht auf das Forscherhaus werfen. Noch dazu, da es sich um eine Adelige handelte. Um den guten Ruf zu wahren (oder besser, zu retten), begleitete Ghin Korcisis die Baroness zum Familiensitz, um vor Ort Rede und Antwort zu stehen und mit diplomatischem Geschick die Wogen zu glätten. Es war wohl kein Zufall, dass genau zu dieser Zeit Madame Barneau, Mäzenin des Forscherhauses, diversen Adelsfamilien in Wegesruh Besuche abstattete und hier und da kleine Geschenke machte.

Für Namir al-Rashid war es in dieser prekären Lage eine willkommene Abwechslung, Vorbereitungen für eine Reise nach Schildwacht zu treffen, um von dort aus weitere Nachforschungen bezüglich der Schatzkarte zu betreiben, die sie vor kurzem entdeckt hatten. Prinz Silann Ashere war bereits schriftlich informiert worden und hatte erfreulicherweise seine Unterstützung zugesagt. Aaravos Arden und Liniphia würden den Forschungsreisenden begleiten, ebenso die Heilerin Delia Lerineaux. Es galt, so rasch wie möglich die rothwardonische Hauptstadt zu erreichen, und entweder den Verliesvagabund Giraud Rolaine zu finden, der im dringenden Verdacht stand, die zweite Kartenhälfte gestohlen zu haben. Oder aber vor dem Dieb den Schatz zu bergen.

Als sich die drei Forscher und die Heilerin im Wegesruher Hafen auf dem Schiff eingefunden hatten, das sie nach Schildwacht bringen sollte, gab es erneut eine Überraschung. Genauer, gleich zwei. Ulfrik Grimsson, jener Nord, der zuvor bei der Rettung der Baroness Emelyne geholfen hatte, hatte Schande über seine Familie gebracht und war dazu verpflichtet worden, mit einer besonders beeindruckenden Tat die Ehre wieder herzustellen. So war Ulfrik "zufälligerweise" in Wegesruh angekommen und spekulierte auf ein Abenteuer mit den Mitgliedern des Forscherhauses. Namir hielt es für sinnlos, dem Nord den Unterschied zwischen einer Forschungsreise und einem Abenteuer, wie es Ulfrik vorschwebte, zu erklären. Einerseits war der Schreiber und Forscher durchaus froh über Ulfriks Unterstützung. Andererseits fürchtete Namir, dass er einen Großteil der Zeit damit beschäftigt war, den Nord von Dummheiten abhalten zu müssen.

Die zweite Überraschung war S'okhar, ein khajiitischer Krieger. Er und Ghin hatten sich vor einer Weile im Gasthaus von Wegesruh kennengelernt. Der Bosmer war der Meinung, wenn er schon nicht selbst mitreisen könne, sollte wenigstens S'okhar auf die Forschergruppe aufpassen. Dagegen war grundsätzlich nichts einzuwenden - hätte Ghin seinen Forscherkollegen zuvor wenigstens kurz informiert. Namir würde mit dem Bosmer ein ernstes Wort reden, sobald sie sich alle im Forscherhaus wiedersahen.

Namir hatte bei der anstehenden Reise kein gutes Gefühl. Liniphia war ganz versessen darauf, das Schiff zu erkunden (und damit den Matrosen ständig im Weg zu stehen), Aaravos rümpfte schon beim ersten Kennenlernen gegenüber Ulfrik die Nase, und Ulfrik selbst schien vor allem auf wilde Abenteuer aus zu sein. S'okhar wiederum erwähnte eine Bonuszahlung, und Namir fragte sich insgeheim, was der Khajiit und Ghin wohl vereinbart hatten. Einzig Delia schien in der Gruppe halbwegs unauffällig zu sein. Dem Forschungsreisenden dämmerte, dass es keine leichte Reise werden würde.

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

NerevarLP (15.04.2021), Silann (15.04.2021), Sedonis (15.04.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

42

Mittwoch, 7. Juli 2021, 15:18

Es war früher Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, am Stadtrand von Schildwacht. Eine Gruppe von Kamelen und Pferden wartete geduldig in der angenehm milden Luft, während ihre Reiter allerlei Gepäck befestigten, vornehmlich Taschen und Rucksäcke. Die Reiter, das waren der Abenteurer und Häuptlingssohn Ulfrik Grimsson, Amrán al Sahid als Vertreter von Prinz Silann, der junge Magier Aaaravos Arden, die Bosmer und Späherin Liniphia, die Heilerin Delia Lerineaux, die khajiitische Soldklinge S'okhar, sowie der Forschungsreisende Namir al-Rashid. Die Gefährten bereiteten sich auf einen langen und beschwerlichen Ritt durch die Alik´r vor, auf der Suche nach einer in Vergessenheit geratenen Ruine irgendwo an der nordöstlichen Küste. Wenn die Informationen stimmten, würden sie im Inneren der Ruine einen kulturell bedeutsamen Schatz finden ... ein Buch, geschrieben von Frandar do Hunding.

~ ~ ~


Einige Zeit zuvor ...
Kaum hatte Ulfrik festen Boden unter den Füssen, streckte er sich und schaute sich ausgiebig im Hafen um. Arbeiter transportierten Waren, Lasttiere trotteten unter Führung ihres Besitzers schwer beladen durch die Menge, ein Hafenmeister diskutierte lebhaft mit einem altmerischen Kapitän, eine Gruppe bretonischer Matrosen trank billigen Rum und erzählte sich obszöne Geschichten. Es ging wahrlich lebhaft zu im Hafen von Schildwacht.

S'okhar und Liniphia verliessen als nächstes das Schiff. Während der Khajiit sich gelangweilt an einen Stapel Kisten lehnte und auf die übrigen Gefährten wartete, ließ Liniphia ihre neugierigen Blicke umherschweifen, als könne sie sich nicht entscheiden, wohin sie als erstes laufen sollte, um alles zu erkunden. Aaravos zeigte sich einmal mehr als Edelmann und bot Delia seinen Arm an, um sie sicher an Land zu geleiten. Zum Schluss folgte Namir, der sich immer wieder besorgt nach einer Gruppe Matrosen umsah, die diverse kleine Kisten vom Schiff laden sollten.

Die Gefährten wurden bereits im Palast von Prinz Silann Ashere bzw. dessen Vertreter Amrán al Sahid erwartet und willkommen geheißen. Gastfreundschaft wurde im Haus Ashere seit jeher groß geschrieben, doch waren die Ereignisse der letzten Wochen und Monate nicht spurlos an Silann vorüber gegangen. Eine der Auswirkungen war, dass der Prinz mehr denn je auf Sicherheit achtete - und die Gäste vor Eintritt ins Innere des prinzlichen Anwesens ihre Waffen abgeben mussten. Die Verärgerung darüber war jedoch schnell vergessen, als die Gefährten von Amrán empfangen und zu einem reich gedeckten Tisch geführt wurden. Während Ulfrik und S'okhar heimlich einen Wettbewerb "wer hat die schlechtesten Manieren beim Essen" auszutragen schienen, wurde Amrán ausführlich über den Verliesvagabund Giraud Rolaine, eine Schatzkarte und deren Diebstahl berichtet. Der Gastgeber musste nicht lange überlegen und sagte seine Unterstützung zu, um Rolaine die Schatzkarte wieder abzunehmen und einen möglichen Kunstraub zu verhindern.

In einem ersten Schritt teilte sich die Gruppe auf. Delia und Aaravos suchten in den nächsten Tagen die Magier- und Kriegergilde in der Stadt auf, um sich dort unauffällig nach Rolaine umzuhören. Ulfrik und Liniphia versuchten, im Hafen unter den Matrosen und Gossenläufern Informationen aufzuschnappen, während S'okhar den Kamelhändlern einige Fragen stellte. Und Amrán sorgte dafür, dass die Informanten des Prinzen auf Hinweise über den Verbleib des Verliesvagabunden achteten. Namir indessen suchte eine alte Rothwardonin auf, eine Geschichtenerzählerin. Vielleicht gab es eine Legende, die mit ihrem Schatz zu tun hatte. Es galt, jeden noch so kleinen Vorteil zu nutzen, um entweder dem Bretonen die gestohlene Karte wieder abzunehmen, oder aber vor Rolaine an den Schatz zu kommen.

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (10.07.2021), NerevarLP (14.08.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

43

Mittwoch, 14. Juli 2021, 10:19

Die Gefährten trafen sich zwei Tage später erneut im Anwesen des Prinzen und tauschten aus, was sie in Erfahrung bringen konnten. Indem sie ihre Informationen zusammentrugen, zeichnete sich mehr und mehr ab, was der Verliesvagabund Rolaine vor hatte. Der diebische Bretone musste eine Gruppe von ehrlosen Schurken angeheuert haben, die ihm dabei helfen sollten, den Schatz zu finden. Rolaine schien auch schon einen Verdacht zu haben, wo er suchen musste. Laut einem Mitglied der Magiergilde hatte der Bretone stundenlang in der Bibliothek gelesen, bis er plötzlich aufsprang und eiligst verschwand. Und es gab noch ein Problem. Einige der Reittierhändler in der Stadt wurden bestochen, damit sie keines ihrer Tiere an einen bestimmten rothwardonischen Forscher ausliehen. Rolaine wollte so offenbar verhindern oder wenigstens hinauszögern, dass die Gefährten ihm folgten.

Damit war der Verliesvagabund den Abenteurern einen großen Schritt voraus. Jetzt blieb nur noch die Hoffnung, dass wenigstens die Geschichtenerzählerin, die Namir aufgesucht hatte, den Gefährten einen Hinweis geben konnte. Namir selbst war immer noch in der Bibliothek der Magiergilde.

Als alle berichtet hatten, was sie herausfinden konnten, deutete Amran al Sahid auf die ältere Dame zu seiner Rechten, die die ganze Zeit über dem regen Austausch der Gruppe stillschweigend zugehört hatte. Elif bin-Hayet, die rothwardonische Geschichtenerzählerin, wartete geduldig, bis auch der Letzte im kleinen Speisesaal verstummt war, dann begann sie ihre Geschichte. Sie streifte kurz über Yokuda, folgte den Schiffen über das Meer zu den ersten Inseln, die die Vorfahren der Rothwardonen besiedelten. Erzählte von dem langen Konflikt zwischen Ahnherren und Kronen ... Mit jedem Wort gerieten die Gefährten immer tiefer in die Geschichte, wurden Beschreibungen und Bilder für flüchtige Momente fast schon real, als wäre die Gruppe Teil der Erzählung.

Sie erfuhren vom Ahnherren Jaron al-Sami, der ein Buch von unschätzbarem Wert in Sicherheit bringen wollte, zu einer Zeit, als die Kronen die Ahnherren unerbittlich verfolgten. Jenes Buch, zu dem die Schatzkarte führte. Sie erlebten das Abenteuer von Jarons Flucht aus Schildwacht mit Hilfe seiner Gefährten, als wären sie selbst an der Seite von Jaron gewesen. Und endlich wussten sie, wo das Buch wirklich versteckt war. Die Karte zu dem Schatz war einst von Jaron nur dazu angefertigt worden, um eine falsche Spur zu legen. So schnell konnte sich das Blatt wenden, denn nun waren die Gefährten im Vorteil, während Giraud Rolaine an völlig falscher Stelle nach dem Schatz suchte.

Elif hatte sich bereits zurückgezogen, und Namir war noch immer nicht zurückgekehrt, als es völlig unerwarteten Besuch gab. Und mit ihm neue Schwierigkeiten ...

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (21.07.2021), NerevarLP (14.08.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

44

Mittwoch, 21. Juli 2021, 14:30

Es war ein tolldreistes Stück. Während die Gefährten im Anwesen von Prinz Silann ausgiebig über die neu gewonnenen Informationen diskutierten, eilte ein Diener herbei und flüsterte Amran al Sahid etwas ins Ohr. Die Miene des Rothwardonen verfinsterte sich und er nickte knapp. Kaum war der Diener verschwunden, betrat auch schon jener Mann den Raum, der für all den Ärger sorgte - Giraud Rolaine!

Mit einem frechen Grinsen musterte der Verliesvagabund die Gruppe und schlug nach einer überheblichen Begrüßung einen Handel vor. Würden die Gefährten ihm die zweite Hälfte der Schatzkarte aushändigen, würde Namir al-Rashid wieder freigelassen. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung nahmen Ulfrik, S'okhar, Aaravos und Amran den Verliesvagabund gehörig in die Mangel. Delia ging sogar so weit, die zweite Kartenhälfte vor aller Augen leicht anzusengen. Rolaine knickte unter dem Druck erstaunlich rasch ein, und nach und nach offenbarte sich das Dilemma, in das der Bretone geraten war.

Wie die Gefährten zuvor bereits in Erfahrung bringen konnten, hatte Rolaine tatsächlich einige Schurken unter der Führung eines grobschlächtigen Orks angeheuert. Zunächst lief alles nach Plan, doch plötzlich drehten die Diebe den Spieß kurzerhand um. Sie setzten dem Verliesvagabund gehörig zu und waren keineswegs bereit, den Schatz zu teilen. Da es ihnen nicht schnell genug voranging, entführten sie kurzerhand und gegen Rolaines Willen Namir, als der auf dem Weg zur Magiergilde von Schildwacht war. Der Verliesvagabund hatte offenbar völlig die Kontrolle verloren und war Opfer seines eigenen Plans geworden. Schatz hin oder her, jetzt wollte er nur noch raus aus der ganzen Sache und seine eigene Haut retten. Sollten sich die Gefährten doch um die Schurken kümmern.

So einfach wollte die Gruppe Rolaine jedoch nicht gehen lassen. Sollte die Geschichte stimmen und Namir wirklich entführt worden sein, dann gab es nur einen Weg - Giraud Rolaine wurde kurzerhand dazu "aufgefordert", die Gefährten zu den Dieben zu führen. Dort würde man den Forscher befreien und dem orkischen Anführer unmissverständlich klar machen, dass er und seine Bande sich mit den Falschen angelegt hatten. Mit großem Widerwillen stimmte der Verliesvagabund zu und führte die Gefährten zum Versteck der Diebe, unter den wachsamen Augen von Liniphia, die stetig Pfeil und Bogen bereithielt, um Giraud daran zu erinnern, dass eine Flucht zwecklos war.

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (21.07.2021), Valisma gra-Lusk (21.07.2021), NerevarLP (14.08.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

45

Mittwoch, 28. Juli 2021, 16:40

Während Amran al Sahid im Palast des Prinzen zurückgeblieben war, führte Rolaine die Gefährten zu einer versteckten und in Vergessenheit geratenen Zisterne vor den Mauern von Schildwacht. In der angenehm kühlen Halle feilschten Hehler um den Preis gestohlener Waren, Gossenläufer boten zahlungskräftigen Kunden Informationen an, Diebe tauschten sich über die nächtlichen Laufwege der Stadtwachen aus, und zwielichtige Gestalten flüsterten verstohlen miteinander. Als sie die Treppe hinabgestiegen waren, wurden die Gefährten von nicht wenigen Besuchern der Zisterne misstrauisch beobachtet. Rolaine nickte knapp und hob dabei kurz die Hand, womit er den Schurken wohl zu verstehen gab, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gebe.

Er ging rasch ein paar Schritte auf einen unauffällig gekleideten Rothwardonen zu. Sie flüsterten eine kurze Weile, während Ulfrik, Liniphia, und die anderen der Gruppe gleichermaßen den Verliesvagabunden und ihre Umgebung genau im Auge behielten. Rolaine verstummte, und der Rothwardone schaute plötzlich zur Seite auf und gab ein Zeichen mit seiner Rechten. Die Gefährten konnten noch flüchtig erkennen, wie ein schmächtiger Bursche hinter ihnen in der Menge verschwand, um kurz darauf mit einem kräftigen Ork zurückzukommen. Beim Anblick der Gefährten grinste der Ork zufrieden und ging geradewegs auf die Gruppe zu.

Kharag gro-Urog, der Anführer der von Rolaine angeheuerten Diebesgruppe, war von beeindruckender Größe und Stärke. Ein Ork, der es mit einem Nord wie Ulfrik problemlos aufnehmen konnte. Kharag gro-Urok war allerdings auch jemand, der nicht besonders viel nachdachte. Eine Schwäche, die Liniphia und Ulfrik schnell bemerkten, und die sie sich bei den bevorstehenden "Verhandlungen" zunutze machen wollten. Delia betrachtete indessen alles als ein aufregendes Abenteuer, während Aaravos hin und hergerissen war zwischen seiner Sorge um Delia und der gefährlichen Situation, in der sie alle steckten. S'okhar hingegen stand völlig entspannt da, als ginge ihn das alles nichts an. Doch hinter der scheinbaren Gelassenheit war der Khajiit jederzeit bereit, sofort seine Waffe zu ziehen, sollte es Ärger geben.

Weder die Gefährten noch Kharag hatten sonderlich großes Interesse daran, sich lange mit höflichen Floskeln aufzuhalten, so dass beide Seiten schnell zum eigentlichen Thema kamen: die zweite Hälfte der Schatzkarte gegen den Forschungsreisenden Namir al-Rashid. Ulfrik und Liniphia übernahmen bei den Verhandlungen das Wort. Sie bestanden darauf, erst Namir zu sehen, bevor Kharag die zweite Kartenhälfte bekäme. Widerwillig stimmte der Ork zu, winkte kurz, und der gefesselte Namir wurde herbeigeholt. Es schien dem Forscher relativ gut zu gehen.

Doch Ulfrik und Liniphia dachten gar nicht daran, zu handeln. Sie verfolgten längst einen anderen Plan. Der Nord begann, Kharag zu beleidigen und zu provozieren, verhöhnte ihn lautstark vor den anderen Schurken und Dieben und behauptete, der Ork hätte Angst, gegen Ulfrik zu kämpfen. Kharag konnte sich das natürlich nicht bieten lassen und ließ sich, von seiner Wut geblendet, auf einen Faustkampf gegen den Nord ein.

Die beiden Kämpfer suchten sich einen freien Platz. Die Besucher der Zisterne machten rasch Platz, als sie merkten, was der Ork und der Nord vor hatten. Schon wurden die ersten Wetten abgeschlossen, wer gewinnen würde, die ersten begannen, mit lauten Rufen die beiden Kontrahenten anzufeuern. Schon stürzte sich Kharag auf Ulfrik, dem sofort dämmerte, dass sein Gegner nicht leicht zu besiegen wäre. Doch das war dem Nord nur recht, würde ihm das doch mehr Ansehen einbringen. Die Kämpfer lieferten sich einen ebenbürtigen Kampf, bei dem jeder gleichermaßen ordentlich austeilte wie einstecken musste. Die Diebe waren begeistert von dem Faustkampf, jubelten und brüllten ihrem Favoriten zu.

Ulfrik ging langsam die Kraft aus, es wurde Zeit, dem orkischen Schurken einen letzten Hieb zu verpassen. Mit lautem Brüllen stürzte er sich geradewegs auf Kharag und stieß ihn so in eines der vielen Wasserbecken der Zisterne. Allerdings hatte der Nord zu viel Schwung genommen und landete unmittelbar neben Kharag ebenfalls im Wasser. Dort zögerte Ulfrik nicht lange und verpasste seinem Gegner einen ordentlichen Schlag ins Gesicht. Kharag war damit für eine Weile ausser Gefecht. Doch prompt gab es neuen Tumult. Einer der Hehler wollte sich mit den Wetteinsätzen davonstehlen. Sofort gab es Geschubse und Gedränge unter dem Diebesgesindel, als sie versuchten, den Betrüger festzuhalten.

Das war ihre Gelegenheit! Die Gefährten zogen Ulfrik hastig aus dem Wasser und machten sich zügig auf dem Weg Richtung Ausgang, während sie auf dem Weg dorthin Namir einsammelten und ihn von seinen Fesseln befreiten. Als sie die Treppen hinauf zur Alik´r erreichten, rannten sie so schnell wie möglich zum Ausgang. Rolaine hatte das Chaos ebenfalls genutzt und war durch einen anderen Ausgang geflohen.

Es haben sich bereits 3 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (28.07.2021), Sedonis (28.07.2021), NerevarLP (14.08.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

46

Mittwoch, 4. August 2021, 09:06

Namir al-Rashid war aus der Gefangenschaft der Schurken befreit worden. Giraud Rolaine war untergetaucht und würde sich, wenn er auch nur einen Funken Verstand besaß, für eine ganze Weile nicht mehr blicken lassen. Und die Schurken würden, wenn überhaupt, der falschen Fährte folgen und irgendwo in den Ruinen von Tuwhacca`s Thron vergeblich nach dem Schatz suchen. Doch ohne jegliche -unfreiwillige- Hilfe von Giraud oder Namir und nur mit einer unvollständigen Schatzkarte war die Suche ein reines Glücksspiel. Sollte sich die Diebesbande mit ihrem orkischen Anführer wider Erwarten doch noch einmal mit den Gefährten anlegen wollen, würde sie einen ordentlichen Denkzettel verpasst bekommen. Endlich konnten sich die Gefährten auf ihr eigentliches Ziel konzentrieren - die Bergung des Schatzes.

Es war früher Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, am Stadtrand von Schildwacht. Eine Gruppe von Kamelen und Pferden wartete geduldig in der angenehm milden Luft, während ihre Reiter allerlei Gepäck befestigten, vornehmlich Taschen und Rucksäcke. Ulfrik Grimsson, Amrán al Sahid, Aaaravos Arden, Liniphia, Delia Lerineaux, S'okhar, und Namir al-Rashid bereiteten sich auf einen langen und beschwerlichen Ritt durch die Alik´r vor. Ihr erstes Reiseziel war Mhorwas Freigiebigkeit ...

Die Reise dorthin verlief recht ruhig. Namir hatte insgeheim befürchtet, dass Ulfrik sich bei jeder Gelegenheit über die Strapazen beschweren würde. Doch dem Nord schienen die Bedingungen in der Alik´r erstaunlich wenig auszumachen. Es schien sogar so, als wolle Ulfrik allen zeigen, dass es nichts gab, was einem echten Nord zu schaffen machen könnte. Dafür beklagte Aaravos sich umso mehr. Über die Hitze, über den Wüstensand in seinen Kleidern, über die Hitze, über sein Reittier, über die Hitze, über die Dauer der Reise, und über die Hitze.

Sie hatten bereits mehr als die Hälfte des Pfades zu Mhorwas Freigiebigkeit hinter sich, als Liniphia bemerkte, dass sie beobachtet wurden. Sie warnte die Gefährten unauffällig, worauf eine kurze vermeintliche Rast eingelegt wurde. Liniphia und S'okhar nutzten den Halt, um überraschend in jene Richtung zu reiten, in der sie ihren Verfolger vermuteten. Wer immer es war, er konnte sich rechtzeitig zurückziehen und den Gefährten entwischen.

Namir schenkte dem Vorfall nur wenig Beachtung. Für ihn war es nur ein Späher von Wüstenräubern, die nach leichter Beute Ausschau hielten. Eine kurze Demonstration von Aaravos magischem Können, und sie wären die Wüstenräuber sofort wieder los. Die übrigen Gefährten taten die Sache allerdings nicht so leicht ab und blieben während der weiteren Reise misstrauisch.

Als die Gefährten endlich Mhorwas Freigiebigkeit erreicht hatten, gab es für Aaravos und Liniphia kein Halten mehr. Sie entledigten sich eines Großteils ihrer Kleidung und nutzten die Gelegenheit, sich in einem Wasserbecken abzukühlen. Mit dem erfrischenden Bad stieg die Laune des Altmer wieder deutlich an. Später saß die Gruppe unter einem offenen Zelt beisammen, und sie erzählten sich Geschichten aus ihrer Heimat. Für eine kurze Zeit waren Verliesvagabunden, Schurken, unerträgliche Hitze und die Suche nach einem Schatz vergessen.

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (06.08.2021), NerevarLP (14.08.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

47

Mittwoch, 11. August 2021, 15:38

Es war zu später Stunde, alle Geschichten waren erzählt, Becher und Teller weitestgehend leer, als Ulfrik zum Abschluss des Abends vorschlug, ein nordisches Ritual durchzuführen, um das Bündnis zwischen den Gefährten zu stärken und die Götter um eine erfolgreiche Reise zu bitten. Der Vorschlag stieß, nachdem Ulfrik den Ablauf erklärt hatte, auf offene Ohren. Die Gruppe verließ das Lager unter der Führung des Nord, um nach einem geeigneten Platz zu suchen. Etwa 30 Schritt nördlich vom Lager machte Ulfrik an einem alten Baum Halt, musterte die Umgebung und brummte schließlich zufrieden. Die Gefährten bildeten auf Anweisung des Nord einen Kreis, während Ulfrik einen Becher mit Met vorbereitete.





Mit feierlichen Worten sprach er: "Ich rufe Euch hier und heute an, Ihr Göttlichen! Wir haben eine gefährliche Reise und ein Ziel vor uns! Wir bitten Euch, dass wir entweder Erfolg haben werden, oder mit ewigem Ruhm an Eurer Seite leben werden! Um diese Bitte zu besiegeln, trinken wir mit und auf Euch! Nehmt unser Opfer an!" Dann reichte er den Becher an Namir weiter, der ihn nach einem Schluck ebenfalls weitergab, bis alle der Reihe nach aus dem Becher getrunken hatten. Zuletzt nahm Ulfrik das Gefäß wieder an und schüttete etwas Met an die Wurzeln des alten Baumes. Damit war das kleine Ritual beendet. Zufrieden kehrten sie zurück zu den Zelten, um ihr Lager aufzusuchen und sich bis zum nächsten Morgen auszuruhen. Sie hatten noch eine lange Reise vor sich, die sie über Bergama, Lekis Klinge, und zu Seps Rückgrat führen sollte.

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

NerevarLP (14.08.2021), Silann (01.09.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

48

Mittwoch, 25. August 2021, 11:05

Am nächsten Morgen gab es erneut Schwierigkeiten. Während die übrigen Gefährten noch schliefen und die Sonne gerade erst aufging, waren Aaravos und Namir bereits in einer heftigen Diskussion. Auf der Reise nach Morwhas Freigiebigkeit war die Gruppe von einem Späher verfolgt worden. Namir hatte die Angelegenheit von Anfang an nicht besonders ernst genommen und dahinter einen Wüstenräuber vermutet. Banditen, die leicht zu beeindrucken waren und lieber die Flucht ergriffen, als sich einem ernstzunehmenden Kampf zu stellen. Die Gefährten wären für Banditen schlicht eine zu große Herausforderung.

Aaravos hingegen sah das entschieden anders und bestand darauf, alleine und vor Aufbruch der Gruppe loszureiten, um den Pfad vor ihnen auszukundschaften. Den Einwand, dass Liniphia als Späherin das mindestens ebenso gut könne, ließ der Altmer nicht gelten. Stattdessen verwies er darauf, dass er sich mit Hilfe seiner Magie zur Not alleine zur Wehr setzen könne. Eine Bosmer mitten in der Wüste dagegen ...

Schließlich gab Namir dem Drängen des Magiers nach, bestand jedoch ausdrücklich darauf, dass Aaravos stets auf dem Pfad nach Osten bliebe, egal was passieren würde. Der Pfad, der von Mhorwas Freigiebigkeit nach Osten ging, führte geradewegs nach Bergama, das nächste Ziel der Gefährten. Wenn der Altmer sich nur an diese einfache Regel hielt und sich nicht Hals über Kopf in unnötigen Ärger stürzen würde, so Namirs Überlegung, konnte eigentlich nicht viel schief gehen. Sie würden sich dann entweder in Bergama treffen, oder Aaravos käme auf dem gleichen Pfad zurück und konnte so die Gruppe unmöglich verfehlen.

Der Altmer war längst aufgebrochen, als Namir die übrigen Gefährten über den spontanen Späheinsatz informierte. Es wurde weitestgehend kommentarlos hingenommen, hatte der Magier auf der ersten Etappe der Reise doch eindrucksvoll bewiesen, wie viel Ausdauer er besaß, wenn es darum ging, sich über die Wüste zu beklagen. Rasch wurde das wenige Gepäck verstaut und die Reittiere vorbereitet, dann brachen die Gefährten auch schon auf.

Die Reise nach Bergama verlief weitestgehend ereignislos. Etwa auf halber Strecke legten sie bei einem einfachen Händler eine kleine Rast ein, wo Delia zu ihrer Freude eine hübsche, aber völlig überteuerte Lampe entdeckte. Ulfrik, der in den Tagen zuvor schon auffallend freundlich zu der bretonischen Heilerin war, beeilte sich, die Lampe zu kaufen und sie der völlig verdutzten Delia zu schenken. Liniphia wollte sich derweil beim Händler nach einer Karte der Alik´r erkundigen, was ihr von den beiden Rothwardonen Amrán und Namir spöttische Kommentare einbrachte. Was ein erfahrener Rothwardone war, brauchte in der Alik´r keine Karte.

Von Aaravos hingegen bisher keine Spur. Namir hatte von Anfang an nicht viel von dem Altmer gehalten und ihn nur im Forscherhaus geduldet, weil es nicht gänzlich von der Hand zu weisen war, dass ein "hauseigener" Magier durchaus Vorteile hatte. Doch ob er Aaravos nun leiden mochte oder nicht, als Leiter der Gruppe fühlte Namir sich für seine Gefährten verantwortlich. S'okhar und Amrán versuchten, die Sorgen des Forschers zu zerstreuen. Wahrscheinlich säße der Altmer längst in einer Taverne in Bergama und lasse es sich dort gut gehen.

Als sie schließlich und endlich in Bergama eingetroffen waren, ritten die Gefährten geradewegs zum Gasthaus der Stadt. Sie alle waren nach der anstrengenden Reise hungrig, durstig, und müde. Während Ulfrik, Delia, Amrán und Liniphia sich in der oberen Etage des Gasthauses erschöpft einen Sitzplatz suchten, gaben S'okhar und Namir Bestellungen für die Gruppe auf und fragten die Gastwirtin bei der Gelegenheit auch gleich nach einem Altmer, der vor kurzem in Bergama eingetroffen sein musste. Doch wieder nichts, keine Spur von Aaravos.

Ein Ork, der zufällig das Gespräch zwischen den beiden Gästen und der Wirtin mitbekommen hatte, gab S'okhar und Namir einen kleinen Wink und deutete an, vielleicht etwas erfahren zu haben. Widerstrebend gab der Rothwardone 2 Münzen heraus - und bekam dafür eine Neuigkeit, die ihm so gar nicht gefiel. Es gab Gerüchte, so der Ork, dass sich letzte Nacht bei Tu'whaccas Thron ein verrückter Magier mit einer Gruppe Diebe angelegt hätte. Das musste Aaravos gewesen sein! Man konnte diesen verfluchten Altmer offenbar keinen Moment alleine lassen, ohne dass er sich Schwierigkeiten einhandelte ...

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (01.09.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

49

Mittwoch, 1. September 2021, 12:37

Namir und S'okhar gingen nach dem kurzen Gespräch mit dem Ork zurück nach oben zu den anderen Gefährten und erstatteten Bericht. Wäre es nach dem rothwardonischen Forscher gegangen, wären sie sofort aufgebrochen und hätten nach Aaravos gesucht. Doch die Gefährten gaben zu bedenken, dass es so spät am Abend aufgrund der Dunkelheit schwierig werden würde, jemanden zu finden. Ganz abgesehen davon, dass alle müde und hungrig waren. So wurde beschlossen, bis zum nächsten Morgen zu warten. Namir war nicht wirklich zufrieden, musste jedoch einsehen, dass das wohl der beste Weg war. Schließlich hatte sich Aaravos ohne große Not in Schwierigkeiten gebracht, statt sich an die vereinbarten Absprachen zu halten. So klang der Abend ruhig und ohne besondere Vorkommnisse aus. Die Schankmaid brachte den Gefährten Getränke und etwas zu essen, später gesellte sich noch eine Khajiit dazu und leistete der Gruppe ein wenig Gesellschaft.

Am nächsten Morgen gab es ein kurzes Frühstück im oberen Geschoss des Gasthauses, Aufgaben wurden verteilt, es gab noch einen kurzen Plausch mit der Khajiit vom Abend zuvor, und Namir wollte bereits aufbrechen, um nach den Reitieren zu sehen. Plötzlich gab es im Erdgeschoss einen lauten Knall und einen Lichtblitz, erschrockene und aufgebrachte Schreie, gefolgt von Flüchen und Beschimpfungen der Gäste. Ulfrik, Amrán, Liniphia und Namir schauten verdutzt über das Geländer hinab ins Erdgeschoss, wo sich Aaravos aufrappelte und hastig nach oben lief, um den Gefährten aufgeregt zu erzählen, was ihm zwischenzeitlich widerfahren war.

Der altmerische Magier war von Mhorwas Freigiebigkeit aus zunächst, wie es abgesprochen war, dem Pfad nach Osten gefolgt, bis zu jener Abzweigung, die zu Tu'whaccas Thron führte. Einer Eingebung folgend ignorierte Aaravos die zuvor getroffene Absprache mit Namir und ritt zu den alten Ruinen. Und richtig - dort tummelten sich einige Diebe unter der Führung eben jenes Orks, der in Schildwacht Namir entführen liess, und mit dem Ulfrik sich eine derbe Schlägerei geliefert hatte - Kharag gro-Urog. Die Diebe waren der festen Überzeugung, dass der Schatz irgendwo in den Ruinen von Tu'whaccas Thron versteckt war. Der Magier sah keinen Grund, sich vor diesen feigen Hunden zu verstecken und lieferte sich einen aufregenden Kampf mit den Dieben, um sie schließlich erfolgreich in die Flucht zu schlagen. Kharag gro-Urog und seine Halunken wagten sich später wieder zurück zu den Ruinen, wo Aaravos sie von einem sicheren Versteck aus beobachtete. Dass der Altmer bei den Ruinen aufgetaucht war, war für die Diebe nur ein weiterer Beweis, dass der Schatz hier irgendwo sein musste. Was sonst sollte der Altmer hier gewollt haben?

Die Gefährten hörten sich die Geschichte von Aaravos an und dachten sich ihren Teil. Wahrscheinlich war mindestens die Hälfte davon hoffnungslos übertrieben. Dennoch, wenn die Diebe wirklich davon überzeugt waren, in Tu'whaccas Thron einen Schatz zu finden und Aaravos sie darin noch bestärkt hatte, konnte das für die Gefährten nur von Vorteil sein. So gewannen sie etwas Zeit und konnten das Buch bergen, bevor die Schurken ihren Irrtum bemerkten und ihnen erneut auf den Fersen waren.

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (01.09.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

50

Mittwoch, 8. September 2021, 18:37

Der zweite und letzte Teil der Reise zu den Ruinen verlief erfreulicherweise ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die Gefährten reisten von Bergama aus nach Norden, an der Oase des Kunsthandwerkers vorbei und weiter nach Lekis Klinge, wo sie nur eine kurze Rast einlegten. Kurz schon deshalb, weil die Einheimischen dort gegenüber den Fremdländern äußerst zurückhaltend waren. Auch die Anwesenheit von Namir und Amrán konnte nur wenig daran ändern. Ein einzelner Fremdländer, das war eine Sache. Doch eine ganze Gruppe, noch dazu teils von ausserhalb des Bündnisses, das erregte Misstrauen.

Nachdem Wasser und Essensvorräte aufgefüllt waren, ging es weiter durch Seps Rückgrat und Richtung Tavas Segen, das sie jedoch mieden und schon ein ganzes Stück vorab nach Nordosten abbogen. Endlich erreichten sie eine kleine Gebirgskette, die die Wüste von der nördlichen Küste abtrennte. Gerade, als sie sich daran machen wollten, die Umgebung näher zu erkunden, trafen die Gefährten eine Bekannte aus Bergama - die Khajiit, die ihnen schon im Gasthaus begegnet war, war "rein zufällig" auf dem Weg nach Tarvas Segen. Begeistert, inmitten der Wüste vertraute Gesichter zu sehen, beschloss die Khajiit ungefragt, sich der Gruppe anzuschließen.

Namir und Amrán waren sofort misstrauisch, Aaravos entsetzt. Der Altmer und die Khajiit hatten schon in Bergama regelrecht Streit gesucht. Doch Ulfrik und S'okhar hießen die Wanderin kurzerhand willkommen, und auch Delia und Liniphia hatten nichts gegen eine Begleitung einzuwenden. Die beiden Rothwardonen aber beschlossen für sich, die neue "Gefährtin" bis auf weiteres im Auge zu behalten.



Die Gruppe mussten nicht lange suchen, um einen Eingang zu einem Tunnel zu finden, der durch das Gebirge hindurch und zu den unmittelbar am Meer liegenden Ruinen führte. Nachdem sich alle (mehr oder weniger) staunend einen ersten Eindruck verschafft hatten, wurde in einem geschützten Aussenbereich der alten Gemäuer ein Lagerplatz ausgesucht, eine Feuerstelle errichtet, Schlaflager vorbereitet, und Aufgaben verteilt. Endlich waren sie am Ziel, und die eigentliche Forschungsarbeit konnte beginnen.

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (16.09.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

51

Mittwoch, 15. September 2021, 15:15

In Büchern mit Abenteuergeschichten sind Forschungsreisen und Expeditionen voller spannender Ereignisse. Ein Kampf folgt dem nächsten, sagenumwobene Schätze werden gehoben, und überhaupt ist jeder Tag und jede Nacht aufregend, und ständig wird etwas neues entdeckt und erlebt. Das wahre Leben einer Forschergruppe sieht dagegen weitaus nüchterner aus. Kämpfe finden eher selten statt, und wenn, dann häufiger gegen wilde Tiere und Wegelagerer denn gegen faszinierende Kreaturen. Schätze entpuppen sich nicht selten als wertloser Krempel oder sind allenfalls für Forscher eines bestimmten Fachgebiets von Interesse. Und was die zahllosen aufregenden Momente angeht ...

Weniger für einen aufregenden Moment denn für Aufregung sorgte Namir al-Rashid in der ersten Nacht an den Ruinen. Am Abend zuvor hatten Liniphia und Aaravos Fische gefangen, die als Abendmahlzeit dienen sollten und von dem Altmer zu einem zugegeben beeindruckend wohlschmeckenden Festessen zubereitet wurden. Ob es nun am Fisch lag oder es einen anderen Grund gab, dem rothwardonischen Forscher war mitten in der Nacht speiübel. Plötzlich war jeder in der Gruppe ein Heiler und wusste am besten, wie Namir geholfen werden konnte. Ulfrik und Amran waren sich einig, dass ein ordentlicher Schluck Schnaps dem Kranken auf die Beine helfen würde. Aaravos indessen meinte, Heilkräuter seien das beste Mittel der Wahl. Delia als einzig wirkliche Heilerin unter den Gefährten stimmte dem Altmer zu und machte sich zusammen mit Liniphia auf die Suche nach Kräutern, während Ulfrik und Amran den kranken Namir zum Wasser brachten, damit er sich dort übergeben konnte. Ulfrik liess es sich jedoch nicht nehmen, zuvor -einmal mehr- Streit mit Aaravos zu suchen und ihm vorzuwerfen, dass der vom Altmer zubereitete Fisch an allem Schuld sei.

Auch ohne Schnaps und Kräuter ging es dem Kranken nach dem Erbrechen zumindest etwas besser, und er schlief im Lager ein. Während S'okhar nicht von Namirs Seite wich und Aaravos sich beleidigt in seine Bücher vertieft hatte, genehmigten sich die Khajiit Talnabi, Ulfrik und Amran kurzerhand selbst einen Schluck Schnaps, den der Nord stets bei sich hatte. Nach einer Weile machten sich Ulfrik, Talnabi und Amran auf die Suche nach den beiden Frauen, bis sie Delia und Liniphia etwas ausserhalb der Ruinen entdeckten. Inmitten der Wüste Kräuter zu finden, noch dazu, wenn man ein in der Alik´r unerfahrener Fremdländer war, war fast schon ein Ding der Unmöglichkeit. Auch die Bretonin und die Bosmer waren erfolglos geblieben, und so konnten sie nur hoffen, dass Namir trotz fehlender Behandlung am nächsten Morgen wieder halbwegs auf die Beine käme.

Plötzlich ereilte die Gefährten ein Hilferuf von Aaravos, der zusammen mit S'okhar im Lager zurückgeblieben war. Der Altmer war der festen Überzeugung, einen flüchtigen Schatten gesehen zu haben, der sich Namir angenähert hatte. S'okhar konnte das zwar nicht bestätigen, dennoch waren nun alle in Alarmbereitschaft. Der Altmer wirkte einen Schutzzauber, und Amran bestand darauf, für den Rest der Nacht Wachen einzuteilen. Namir indessen bekam davon nur wenig mit und versuchte sich von seiner Übelkeit abzulenken, indem er immer wieder an das Buch dachte, das sie in den Ruinen zu finden hofften.

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (16.09.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

52

Mittwoch, 29. September 2021, 15:43

Zwei Verletzte, ein rachsüchtiger Geist, die Stimmung in der Gruppe an einem Tiefpunkt, und dem verschollenen Buch von Frandar do Hunding keinen Schritt näher - das war die bittere Bilanz nach ihren Erkundungen im Inneren der Ruinen.

Bei den ersten Untersuchungen des Innenbereichs waren sie auf einen imposanten, mit schimmerndem Wasser gefüllten Brunnen gestossen, angelegt im Zentrum der Anlage. Mehrere stark verweste Leichen unmittelbar am Brunnen, die meisten davon in Roben gekleidet, waren bereits ein erstes Warnzeichen. Kaum waren sie am Wasser, verfiel Aaravos in einen trance-artigen Zustand, während Namir unter starken Schmerzen und Krämpfen litt. Die anderen Gefährten schleppten Namir rasch hinaus, während sie Aaravos gegen seinen vehementen Widerstand hinauszerren mussten.

Bei einer zweiten Erkundung hatten sie sich vorsichtshalber aufgteilt. Delia, Liniphia, Ulfrik und Talnabi wagten sich erneut ins Innere. Amrán und S'okhar begleiteten Namir und Aaravos bei einer Untersuchung des Außenbereichs, um etwas zu finden, was sie zuvor womöglich übersehen hatten. Während des Versuchs, Magie aufzuspüren, überkam den Altmer plötzlich eine Eingebung, dass Delia sich im Inneren der Ruinen in akuter Gefahr befinde. Jede Vorsicht vergessend, rannten sie geradewegs ins Innere der Ruinen. Von den anderen Gefährten fehlte zu ihrer Überraschung jede Spur, dafür gerieten Aaravos und Namir sofort erneut in den Bann des Brunnens. Den Göttern sei Dank drängte es Delia, einer inneren Eingebung folgend, zusammen mit Ulfrik, Liniphia und Talnabi zurück in die Ruinen - gerade rechtzeitig, um die in Gefahr schwebenden Gefährten aus dem Wirkkreis des mysteriösen Brunnens zu retten.

Zurück im Lager folgte eine ausgiebige Diskussion, und es wurde zusammengetragen, was Delia und Liniphia bei ihrer zweiten Erkundung herausgefunden hatten. Die Gefahr ging offenbar nicht etwa vom Brunnen selbst aus, sondern von einem verfluchten Geist, der danach trachtete, Lebewesen die Magie zu entziehen. Delia erklärte sich bereit, mit dem Geist in Kontakt zu treten, um so herauszufinden, was ihn an die Ruinen band. Die übrigen Gefährten stimmten dem Plan nur zögernd zu, war es doch alles andere als ungefährlich. Doch letztlich blieb keine andere Wahl, wollten sie mit ihrer eigentlichen Forschungsarbeit vorankommen.

Doch dann geriet die Lage völlig ausser Kontrolle. Ob sie nun auf eigene Faust handelte und die anderen nicht gefährden wollte, oder ob sie in den Bann des Geistes geriet - Delia hatte sich unter einem Vorwand vom Lager entfernt. Als ihre auffällig lange Abwesenheit bemerkt wurde, machten sich die Gefährten sofort daran, die Heilerin zu suchen. Als sie Delia endlich fanden, versuchte sie bereits, mit dem Geist zu sprechen. Zunächst schien das sogar gut zu gehen. Sie konnten immerhin in Erfahrung bringen, dass es sich bei dem Geist um eine kaiserliche Magierin handelte, die vor langer Zeit mit ihrem Gemahl in diese Ruinen geraten war.

Noch während die Heilerin einen Schutzkreis wirken wollte, wurde Liniphia ohne Vorwarnung von dem kaiserlichen Geist angegriffen, bevor das Wesen zurück in die Ruinen verschwand. Während ein Teil der Gefährten die verletzte Bosmer zurück ins Lager brachte, folgten die anderen eiligst Delia und dem Geist.

Am Brunnen angelangt, versuchte die Heilerin erneut, Kontakt mit dem inzwischen völlig aufgebrachten Geist aufzunehmen. Was dann genau geschah, ließ sich später nur noch bruchstückhaft rekonstruieren. Der Geist der Kaiserlichen war rasend vor Wut, unter den Gefährten herrschte ein heilloses Durcheinander, und Delia selbst bekam am Ende einen heftigen Schlag und erlitt eine Kopfverletzung. Nur mit Mühe konnte sich die Gruppe zu den anderen ins Lager retten. Die Stimmung unter den Gefährten war zutiefst gereizt, eine Fortsetzung der Forschungsreise stand ernsthaft in Frage.

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (29.09.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

53

Mittwoch, 13. Oktober 2021, 15:26

Am nächsten Morgen sah Namir sich gezwungen, einen Entschluss zu fassen. Delia war immer noch erschöpft und litt unter ihrer Kopfwunde. Auch Liniphia war nach dem Angriff des Geistes weiterhin in einem schlechten Zustand. Amrán hatte die ganze Nacht an ihrer Seite verbracht und kochte innerlich vor Wut. Die übrigen Gefährten waren gleichermaßen rat- wie hilflos - von S'okhar einmal abgesehen, dessen einzige Aufgabe es war, Namir zu beschützen. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Forschungen in den Ruinen vorzeitig abzubrechen und mit leeren Händen zurück nach Wegesruh zu reisen.

Nach langem Zögern erhob sich Delia von ihrem Lager und widersprach dem Forscher. Die bretonische Heilerin würde es noch einmal wagen, mit dem Geist Kontakt aufzunehmen. Amrán war entsetzt, dass die Heilerin, die sich kaum auf den Beinen halten konnte, sich erneut der Gefahr aussetzte. Bevor es zu einer hitzigen Diskussion kommen konnte, bestimmte sie kurzerhand Namir und Ulfrik zu ihren Begleitern, sprach sich rasch mit Aaravos ab, und lief dann ohne weitere Worte zu den Ruinen. Den verdutzten Gefährten blieb nichts übrig, als im Lager zu warten und sich um Liniphia zu kümmern, während Ulfrik und Namir Delia hinterher liefen.

Die beiden Männer fühlten sich in den Ruinen alles andere als wohl, als sie am Brunnenrand standen und Delia im Auge behielten, während sie erneut ein Ritual abhielt und den kaiserlichen Geist herbeirief. Dieses Mal hatte die Bretonin die Lage im Griff, zumindest besser als bei der ersten Begegnung. Namir und Ulfrik behielten angespannt sowohl Delia als auch die Umgebung im Auge und rechneten insgeheim jederzeit mit neuem Ärger.

Doch Delia hatte Erfolg. Nach und nach offenbarte sich die Geschichte des Geistes. Flavia Lepidus, so der Name der einstigen Kaiserlichen, war Magierin und Gemahlin von Manius Lepidus, der sich ebenfalls der Magie verschrieben hatte. Bei einem Unfall während eines Experiments wurde Flavia schrecklich entstellt und verlor so ihre einstige Schönheit. Manius, der sich die Schuld an dem Unfall gab, setzte nun alles daran, einen Weg zur Heilung seiner Frau zu finden. Er steigerte sich im Laufe der Jahre immer weiter hinein, bis er schließlich so versessen war von dem Gedanken nach Heilung, dass er alles andere vernachlässigte - einschließlich seiner Frau Flavia.

Letztendlich führte eine Spur zu eben jenen Ruinen, in denen die Gefährten nach dem verschollenen Buch suchten. Wieder war die Suche von Manius vergebens gewesen, wieder waren sie in eine Sackgasse geraten. Da schließlich entlud sich die über Jahre angesammelte Wut von Flavia, und es kam zu einem erbitterten Streit zwischen den beiden Magiern, der in einer völlig unkontrollierten Wirkung von Zaubern endete.

Ob die daedrische Kreatur bereits zuvor in den Ruinen war, oder von der starken Magie angelockt wurde, wird sich wohl nicht mehr klären lassen. Im Laufe des Streits, bei dem die beiden Eheleute sich mit Zaubersprüchen angriffen, wurde Flavia in den Brunnen geworfen - und von einer daedrischen Kreatur, einer Ernterin, unter Wasser gezogen. Manius geriet in Panik und floh aus den Ruinen. Flavia sah ihren flüchtenden Mann und war von da an voller Rachsucht. Die Ernterin tat ihr übriges und vergiftete über die Jahrzehnte den Verstand der Kaiserlichen. Seitdem wurde jedem, der magiebegabt war und sich in die Nähe des Brunnens wagte, durch Flavia und die Ernterin jegliche Magie entzogen, bis hin zum Tod des Opfers.

Ulfrik und Namir verstanden nicht wirklich, was Delia machte (irgendetwas mit Magie und in Zusammenarbeit mit Aaravos, der doch im Lager zurückgeblieben war?), doch es schien zu funktionieren. Der Geist der Kaiserlichen schien sich besänftigen zu lassen - bis die Ernterin zum Vorschein kam. Die bretonische Heilerin musste nun rasch handeln. Sie sammelte ihre letzten Kraftreserven und versuchte, einen Abwehrzauber gegen die Ernterin zu wirken. Die beiden Männer an ihrer Seite standen bereit, um Delia im Zweifelsfall rasch zu packen und mit ihr aus den Ruinen zu fliehen. Der Abwehrzauber zeigte erste Wirkung, und auch Flavias Geist begann, sich von der Ernterin abzuwenden. Die daedrische Kreatur wurde rasend vor Wut. Dann, endlich, hatte die Heilerin es geschafft. Der Abwehrzauber gelang, die Ernterin zog sich unter großem Geheul zurück. Sie war keinesfalls besiegt, aber zumindest bestand eine geringe Möglichkeit, dass sie die Ruinen vorerst für sich hatten und nun endlich gefahrlos erkunden konnten.

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

54

Mittwoch, 27. Oktober 2021, 22:59

Auszüge aus dem Abschlussbericht der Forschungsreise in die Alik´r zur Bergung eines verschollenen Buches, das einst von Frandar do Hunding verfasst worden sein soll. Den vollständigen Bericht einschließlich Karten und Skizzen kann der interessierte Leser auf Anfrage im Haus der Wissenschaft einsehen.


Zitat

Wie schon in den vorangegangenen Abschnitten werde ich mich auch hier auf Entdeckungen und Untersuchungen beschränken, die die Tempelanlage betreffen. Kurz zur Wiederholung: In Abschnitt 4 hatte ich ja bereits ausführlich erläutert, dass unsere Untersuchungen der Aussenanlage eine auffällige Ausrichtung gen Westen ergaben. Aaravos und ich waren uns rasch einig -und Messungen bestätigten dies- dass die untergehende Sonne exakt durch einen Pavillon und auf den Eingang der Anlage scheinen musste. Ging man nun davon aus, dass der Eingang der Anlage ursprünglich erheblich größer war, so fiel dass Sonnenlicht aller Wahrscheinlichkeit nach bis ins Innere des Tempels (siehe hierzu auch die beigefügte Karte C2 und die Skizze C2a und C2b).

Unsere Hypothese, dass es sich vor sehr langer Zeit womöglich um einen Tempel zu Ehren von Magnus gehandelt haben könnte, wurde im Inneren der Anlage noch einmal bekräfigt, auch wenn wir leider weiterhin keine eindeutigen Hinweise fanden, welcher Kultur das Monument zuzuordnen war. Nachdem es uns gelungen war, die Ernterin zu vertreiben und den kaiserlichen Geist zu besänftigen, machten wir uns sogleich daran, die verschiedenen Räume und Kammern näher zu untersuchen. Delia war es gelungen, dem Geist einen Hinweis auf das mögliche Versteck des Buches zu entlocken. "In einem Raum, in dem der Tod ruht, findet sich hinter Stein und Mörtel ein Buch ..."

Zitat

Was wir zunächst für einen nützlichen Hinweis hielten, stellte sich rasch als viel zu vage heraus. Denn Räume verschiedenster Größe gab es in den Ruinen einige. Und in so gut wie jedem Raum gab es einen Grabstein, eine Graburne, oder etwas vergleichbares. Damit waren wir keinen Schritt weiter, und die Suche hätte Wochen dauern können. Der Leser, der schon einmal eine Forschungsreise oder gar Expedition geleitet hat, wird wissen, dass jeder weitere Tag Unsummen an Münzen verschlingt.

Manche Forscher geben es nur ungern zu, doch zuweilen ist es ausgerechnet der Zufall, der den entscheidenden Fortschritt bringt - so auch bei uns. Ein Zufall, der uns nicht nur dem verschollenen Buch näher brachte, sondern auch tiefere Einblicke in den ursprünglichen Verwendungszweck des Tempels gewährte. Es war Ulfrik, der eine bemerkenswerte Entdeckung machte. Zwischen einer steinernen Tür (eine von vielen) und einem auffällig aus der Wand hervorstehenden Stein, in den ein Edelstein eingelassen war, befand sich eine einfache Gravur (Anmerkung: zahlreiche Kratzspuren kündeten davon, dass mehr als einmal versucht wurde, den Edelstein herauszubrechen). Die Gravur bestand aus einer waagerechten Linie, darüber das obere Drittel eines Kreises, von dem nach oben und seitwärts hin mehrere gerade Linien weggingen. Aaravos und ich waren uns sofort einig, dass es sich wahlweise um eine aufgehende oder untergehende Sonne handeln musste.

Diese Entdeckung hatte zwar zunächst nichts mit dem Buch zu tun, doch wir klammerten uns an die schwache Hoffnung, dass es noch weitere Gravuren dieser Art gab, und dass sie uns in irgendeiner Weise doch weiterbrachten. Tatsächlich entdeckten wir zwei weitere Steintüren mit einem ganz ähnlich aus der Wand hervorstehenden Stein und einem Edelstein darin - und beide hatten ebenfalls eine Gravur (Anmerkung: genau genommen gab es weit mehr als nur diese beiden Türen mit dem gleichen Schalter, doch insgesamt nur 3 davon hatten eine Gravur). Die zweite Gravur war fast identisch mit der ersten, allerdings hatte die "Sonne" keine Strahlen. Die dritte Gravur bestand aus einem vollständigen Kreis, von dem in alle Richtungen Linien weggingen. Das war am einfachsten - eine Sonne, die ihren Höchststand am Himmel erreicht hatte. Demnach mussten die anderen beiden Gravuren eine auf- und eine untergehende Sonne darstellen (siehe auch die Skizzen 4d, 4e, und 4f).

Zitat

Wir waren uns nach kurzer Beratung einig, dass es sich nicht etwa um ein Rätsel, sondern um rituelle Symbole handeln musste. Da alle Türen fest verschlossen waren, wagten wir nach einer gründlichen Untersuchung, den Stein neben der Gravur mit der aufgehenden Sonne zu drücken. Die Tür öffnete sich, ohne dass eine neue Gefahr drohte. Der dahinterliegende Raum wirkte geradezu klein und kahl, wie ein Meditations- oder Gebetsraum. Ich möchte den Leser hier nicht mit weiteren Ausführungen langweilen und beschreibe nur die beiden weiteren Räume. Der zweite Raum (mit der Gravur einer Sonne am Zenit) war um einiges größer und schien eine Bibliothek zu sein (Anmerkung: die Bücher waren leider in einem so schlechten Zustand, dass sie völlig wert- und nutzlos waren). Der dritte Raum schließlich (die Gravur einer untergehenden Sonne) war wieder erheblich kleiner. Hier war in einer Vertiefung in der Wand eine Mumie aufgebahrt worden, geschützt durch ein eisernes Gitter.
Die drei Räume und die Gravuren, die ohne Zweifel den Lauf der Sonne darstellten, müssen Teil eines Rituals oder einer Zeremonie gewesen sein. Es ist äußerst bedauerlich, dass Verliesvagabunden und Grabräuber in ihrer Gier nach Münzen über Jahrhunderte die Anlage vollständig geplündert haben und damit viele Antworten in Bezug auf die Tempelanlage verloren gingen. Es war immerhin tröstlich, dass wir in diesem letzten Raum tatsächlich das Buch fanden, nach dem wir so lange gesucht hatten.

Zitat

Besonderer Dank gilt den Teilnehmern der Forschungsreise: Ulfrik Grimsson, Amrán al Sahid, Aaaravos Arden, Liniphia, Delia Lerineaux, und S'okhar. Ebenfalls erwähnt sei an dieser Stelle auch die Khajiit Talnabi, die sich uns vorübergehend angeschlossen hat. Sie alle haben während unserer Reise Ausdauer und Mut bewiesen, und sie haben einen wertvollen Beitrag zur Bergung des Buches geleistet.

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Silann (28.10.2021), ddr.Peryite (29.10.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

55

Mittwoch, 10. November 2021, 10:50

Am Anschlagsbrett unmittelbar vor dem Gauthier-Anwesen wurde vor kurzem ein neuer Pergamentbogen angebracht:


Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

ddr.Peryite (10.11.2021)

Celebringil

Gelehrter

  • »Celebringil« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 735

Gilde: Haus der Wissenschaft

Allianz: Dolchsturz-Bündnis

  • Nachricht senden

56

Mittwoch, 24. November 2021, 09:02

Es war spät am Abend, ein Kaminfeuer sorgte für eine gemütliche Atmosphäre im "kleinen Salon" des Forscherhauses. Die meisten Gefährten waren entweder im Gasthaus oder anderweitig unterwegs, und es herrschte eine angenehme Ruhe im Haus, nur unterbrochen vom Knistern des Feuers und dem gelegentlichen leisen Surren der nachgebauten Dwemerspinne im oberen Stockwerk.

Namir stand nachdenklich vor dem Kamin und schaute zu Ghin. Der Bosmer hatte sich einmal mehr in eines seiner Bücher vertieft und machte sich gelegentlich einige Notizen. Ghin war über die Monate -nein, Jahre- zu einem treuen Begleiter und einer Art Ruhepol geworden. Der Rothwardone erinnerte sich noch gut an die Zeit, als Ghin vor beinahe 3 Jahren von Burg Dämmerwacht zum Forscherhaus wechselte. 3 Jahre, die der bosmerische Bibliothekar nun schon im Haus der Wissenschaft verbrachte, ob in ruhigen oder in turbulenten Zeiten. Auch wenn Namir es niemals offen zugeben würde, er wusste den Bosmer mit seiner Vorliebe für Äpfel und Ayleiden insgeheim sehr zu schätzen - trotz des trockenen und zuweilen unpassenden Humors, den Ghin gelegentlich an den Tag legte.

Der Rothwardone drehte sich wieder zum Feuer. Das Haus der Wissenschaft hatte schon immer Zeiten erlebt, in denen es mal ruhiger, mal lebhafter zuging. Derzeit war ohne Frage eine Phase, in der es ausgesprochen gut lief. Ulfrik Grimsson hatte sich ihnen angeschlossen, ein nordischer Krieger, der ganz sicher kein Forscher war und mit Büchern so viel anfangen konnte wie ein einfacher Bauer mit einer Unheilsbrut. Und doch erwies sich der Nord als ausgesprochen hilfreich. Gerade als Forschungsreisende mussten Ghin und Namir immer wieder mit "Problemen" wie Wegelagerern und Goblins rechnen - oder mit verschlossenen Türen, die sich nicht mit einem Dietrich öffnen liessen. Ulfrik fehlte es ganz klar an guten Manieren, doch seine körperliche Stärke ließ Namir großzügig darüber hinweg sehen.

Liniphia Herbstschein war eine weitere höchst erfreuliche Verstärkung im Forscherhaus. Einst ein Mitglied des Ordens der Gekreuzten Klingen, war sie dank ihrer Fähigkeiten als Waldläuferin von großem Nutzen bei so ziemlich jeder Reise, die sie in Zukunft unternehmen würden. Die Bosmer verstand sich nicht nur ausgesprochen gut darauf, in der Wildnis zu überleben und Spuren zu lesen, sondern war zudem äußerst neugierig. Für Namir stand es völlig ausser Frage, dass er und Ghin Liniphia einige wissenschaftliche Grundlagen beibringen würden. Vielleicht liesse sich aus der Bosmer sogar eine angehende Forscherin machen.

Weitaus kniffeliger verhielt es sich da mit Aaravos Arden. Einerseits hatte der altmerische Magier bereits mehr als einmal seinen Wert unter Beweis gestellt. Und ja, Namir musste sich eingestehen, dass ein "hauseigener Magier" durchaus seine Vorzüge hatte (unter anderem den, dass man bei magischen Angelegenheiten nicht die Magiergilde aufsuchen musste). Andererseits war Aaravos arrogant, selbstverliebt, und einfach nur anstrengend. Der Altmer ließ kaum eine Gelegenheit aus, seine Überlegenheit gegenüber den "einfachen Menschen" zu demonstrieren. Es war ohne Zweifel eine komplizierte Zusammenarbeit. Bei Forschungsfragen arbeiteten die beiden geradezu perfekt zusammen und ergänzten sich. Ganz so, wie Namir es auch von Ghin gewohnt war. Doch sobald Namir etwas nicht wusste oder bei einer Fragestellung nicht weiterkam, konnte Aaravos sich eine spitze Bemerkung einfach nicht verkneifen.

Und dann war da noch Delia. Delia Lerineaux, bretonische Heilerin, die Ulfrik dahinschmelzen ließ und aus Aaravos einen unerträglich honigsüßen Edelmann machte. Ulfrik und Aaravos hatten schon mehr als einmal Streit wegen Delia, und Namir wollte sich lieber nicht ausmalen, wie das enden würde. Was noch schlimmer war, Delias Herz hatte vor langer Zeit für Namir geschlagen. Oder tat es immer noch. Der Rothwardone war sich da nicht so sicher, jagte er doch lieber Büchern und Artefakten als Frauen hinterher. Frauen waren für Namir eine Wissenschaft so kompliziert wie die Schule der Mystik und so rätselhaft wie das Verschwinden der Dwemer. Dennoch war der Forscher froh, Delia im Forscherhaus und als Begleiterin auf Reisen zu haben. Wundpasten und Heiltränke mochten eine unschätzbare Hilfe sein, doch eine echte Heilerin konnten sie sicher nicht ersetzen.

Vielleicht war es eine chaotische Gruppe, der es hier und da an Disziplin fehlen mochte. Vielleicht standen sie sich gelegentlich selbst im Weg, wenn sie ihre Vorurteile gegenüber den anderen hegten und sich kleine Wortgefechte lieferten. Doch die letzte gemeinsame Reise in der Alik´r hatte auch deutlich gezeigt, wenn es darauf ankam, hielten sie zusammen und konnten gemeinsam auch große Schwierigkeiten überwinden. Namir war überzeugt, das nächste Jahr würde mit dieser Zusammenstellung von Gefährten besonders gut laufen. Er ahnte nichts von der Bedrohung, die sich in Wegesruh immer mehr ausbreitete ...

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Sedonis (24.11.2021)