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Freitag, 9. Oktober 2020, 04:20

"Verweht vom Winde wie Asche"

Bezugcharakter: Der Bursche

"Hört das Rasseln der Ketten"


Anudnabia, Azuraküste – 2Ä 536

Der Schall lauter Rufe weckte ihn, entriss ihn seinen Träumen von dem Guar und Mädchen. Er blinzelte benommen, doch war es ohnehin zu dunkel, um sich auf die Augen verlassen zu können. Undeutliche Lichtschemen zuckten nur dann über die dunklen Wände des Schlafsaals, wenn Windzüge die Fackeln in den Gängen in Aufruhr versetzten und die leichten Vorhänge das Flackern nicht gänzlich dämmen konnten. Er rieb sich die Augen, ehe genau das geschah. Unter vielstimmigen, lauten wie undeutlichen Rufen, eilten einige Familienmitglieder an der Kammer vorbei in Richtung der Hauptkammer. Die Stimme, die er als die seines Onkels erkannte, mahnte die anderen zur Eile.

"Rasch! Wir müssen zum Allerheiligsten!"

Er erhob sich aus der improvisierten Schlafstätte und tappte vorsichtig mit nacken Füßen über den warmen Boden aus abgeschliffenem schwarzem Gestein. Zwei Finger strichen über die Wände, führten ihn zielsicher zu dem Vorhang, der das Licht der Gänge ein wenig abdunkeln sollte. Die aufgeregten Stimmen der anderen machten ihm Angst und er wusste nicht warum.

"Shi? Was is'n los?" jammerte die schlaftrunkene Stimme seiner Freundin hinter ihm.

Er wusste um keine Antwort, also sagte er nichts. Er spähte mit der Nasenspitze an dem Vorhang vorbei und hielt den Stoff vor sich, als wäre er ein Schild. So flüsterte er etwas, von dem er hoffte, es wäre wahr. "Wir sind hier sicher."

"Ja. Leg dich wieder hin, Shi."

Mit aller Sorgfalt zog er den Vorhang wieder zu und folgte den Worten, nachdem er für einige Schläge seines klopfenden Herzens vergeblich versucht hatte zu lauschen. Die nackten Wände des Schreins ließen Geräusche widerhallen und verwuschen alle Worte zu undeutlichen Echos ihrer selbst. Mit eingezogenem Kopf tappste er in die Finsternis zurück.

"Nivai?" hauchte er und rang in den Finsternis mit seinen Händen, "darf ich mich zu dir legen?"

"Sei kein Kind", beharrte Nivai mit motziger Stimme.

Durch die gewundenen Tunneln dröhnte ein Grollen, als würde Anudnabia selbst aufbegehren. Die Rufe irgendwo in der Ferne verstummten und wichen unkenntlichem Lärm. Und so wich Nivais Meinung gegenüber ihrem Freund.

"Shiruit? Komm her", flüsterte sie und sowohl ihre Müdigkeit, als auch ihre Selbstsicherheit verflogen. "Hör auf meine Stimme, komm hierher. Hier bin ich."

Er folgte der Stimme. Es war wie ein Versteckspiel mit Bonus. Als seine Hände in der Dunkelheit ihre Beine und das Bett ertasteten, kroch er in das Lager. Sie hob die Decke an und gewährte ihm Einlass. Als sein Gesicht vor ihrem war, witterte er den säuerlichen Geruch von Cohmbeerwein.

"Du darfst noch gar keinen Shein trinken", klagte er vowurfsvoll an.

"Sei nicht so ein Kind, Shiruit", flüsterte seine Freundin, strampelte die Decke den Füßen zurecht und zog sie dann über ihrer beider Köpfe, als könnte sie die herüberschallenden Geräusche damit verstummen lassen.

Der Geruch des Weines war nicht so schlimm. Nicht angesichts der Tatsache, dass er sich seitlich an Nivai geschmiegt viel sicherer fühlte als alleine in seinem Bett. Sie war mutiger als er, aber auch größer und älter. Und frecher. Sie stibitzte gerne Sachen von den Erwachsenen und dann konnten sie gemeinsam rätseln. Aber viel zu oft schob sie die Schuld in seine Schuhe, was ziemlich gemein war. Seine Gedankengänge wurden jäh unterbrochen, als ein ohrenbetäubendes Donnern durch die steinernen Eingeweide Anudnabias hallte. Seine Freundin drückte ihm eine Hand auf seine Ohrmuschel, doch es war zwecklos. Das herzzerreißende Kreischen unkenntlicher Stimmen bohrte sich trotz Nivais Versuchen kalt wie ein Messer in seinen Verstand und seine Gedärme und selbst der Leib seiner Freundin bebte in einem Anfall bitterer Angst. Der Lärm näherte sich. Klirren, Schreie fremder Stimmen, die Befehle brüllten, das wütende Fauchen von Feuer und Schreie in Pein. Schritte, direkt neben dem Bett. Die Decke wurde zurückgerissen. Er sah auf. Eine Frau in nackter Angst starrte ihm entgegen, Sorgenfalten und Tränen zerfurchten das freundliche graue Gesicht im Schein ihres magischen Lichtes.

"Mama?"

"Bleibt unter der Decke! Shiruit, Nivai, bleibt unter der Decke. Rührt euch nicht! Rührt euch nicht!" brüllte sie hysterisch und riss die Decke wieder über Köpfe. Nivai schluchzte. Er wehrte sich gegen die Decke. Er wollte seine Mutter trösten. Er wollte fragen, was hier geschah, warum sie weinte. Doch sie war zu stark. Zu grob. Und als weitere Decken, Kissen oder Laken auf ihm und Nivai landeten, gab er auf.

"Rührt euch nicht!" verlangte die Stimme seiner Mama ein weiteres mal, doch er konnte das ängstliche Flehen durch die Stoffschichten kaum mehr wahrnehmen. Ihre Schritte stürmten fort aus der Kammer. Nivai wimmerte neben ihm vor Angst und heiß rannen die eigenen Tränen über sein Gesicht. Alleine unter einem Haufen Decken, weinten er mit seiner Freundin gemeinsam, während der stumpfe Lärm des Todes näher drang. Der Radau, das Schlagen, die markerschütternden Schreie, gedämpft wie durch eine Wand aus Wasser. Sie weinten, bis die Geräusche verstummten und darüber hinaus. Eine unerträgliche Ewigkeit der Stille begann, als hätte sie die Zeit selbst verschluckt.

Die fragile Endlosigkeit, in der in Schwärze des Verstecks Tränen rannen, ward schließlich von Nivais furchtgepeinigtem Stimmchen gebrochen.

Hört das Rasseln der Ketten -
und wenn ich verwelk' -
verweht vom Winde wie Asche -
weil mich nichts mehr hält -

Wie Knochen, einer verfall'nen Stadt -
Unter einem Tuch aus Staub -
Erheb' ich mich aus dem Dreck -
und wünscht' ich wär taub -

Ihr zittriger Gesang erklang so weinend, so leise. Es genügte nicht um die schweren Schritte und die sich nähernden fremden Stimmen in den Gängen zu übertönen.

Ich wünscht' ich wär nicht hier -
Ich wünscht' ich würd nichts seh'n -
Und wie das Wasser im Bach -
murmeln, und doch nicht red'n -

"Kurator, ich möchte nicht mutmaßen welche Absprachen Ihr mit dem Magister getroffen habt...", merkte eine metallische Stimme an, nur um scharf von einer anderen zurechtgewiesen zu werden. "Schweigt! Nur der Wille der Drei zählt. ALMSIVI! Verbrennt die Banner, zerschmettert die Götzen! Sichert die Lehren, überantwortet ihre Güter läuternden Feuern und beseitigt jedes Zeugnis von ihnen! Uvereth, Seran, durchsucht die Kammern hier drüben! Niemand wird dem Willen des Tribunals entkommen."

Oder wie Regen -
Der Kuss der Natur -
Unbewusst aber wichtig -
für's Leben -

Hört, das Rasseln der Ketten -
und wenn ich verwelk' -
verweht vom Winde wie Asche -
weil mich nichts mehr hält -

Weitere metallische Schritte drangen schwer über den Stein hallend in ihre Richtung vor. Er presste seiner Freundin die Hand auf den Mund und der Gesang erstarb auf Anhieb. Ihre Augen suchten ängstlich nach seinen und selbst wenn er es nicht sah, wusste er es, denn ihm erging es nicht anders. Das wütende Fauchen erzüngelnder Feuer verschlang für eine Weile alle weiteren Geräusche. Die vordringende Hitze brennender Habseligkeiten schlich durch die gewundenden Gänge bis in die Schlafkammer und doch war der Schweiß der blanken Furcht alleine geschuldet.

Er schluckte schwer und seine Freundin erschauderte unter einem tonlosen Stoßgebet, als sie der bedrohlichen Schritte in ihrer Kammer gewahr wurden. Schlagende Geräusche von der Schlafstätte zu ihrer Linken drangen dumpf durch die gewobenen Wände ihres kindlichen Verstecks. Ihre Hände suchten einander und fanden einander in der Dunkelheit. Zwei stapfende Geräusche führten einen der Fremden direkt hinter seinen Rücken neben das Bett. Nivai und er umklammerten sich, bis es weh tat und er konnte fühlen, wie es unten herum feucht und warm wurde. "Shiruit", wisperte sie gleich einem verhängnisvollen Abschied. Und es war das letzte Flüstern Nivais. Ein spitzer, endgültiger Schrei des Mädchens folgte, als ein dumpfer Schlag auf sie herniederging. Er presste seine Augen zusammen, doch nichts konnte den Fluten seiner stummen Tränen Einhalt gebieten. Er verkrallte sich in die Decke und seine Fingernägel brachen, als diese bei einem zweiten Anlauf unbarmherzig fortgerissen wurde. Er blinzelte aufwärts und anstelle des freundlichen grauen Gesichtes offenbarten sich nun grauenhafte, blutbesudelte Fratzen aus Gold.

- - -

Späte Editierung: Der Junge hatte zwei verschiedene Namen :rolleyes: 8o

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Corentin (11.10.2020), Elfenblut_ (07.06.2021)

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Freitag, 9. Oktober 2020, 04:39

Bezugscharakter: Der Ordinator

"Und wenn ich verwelk"

Anudnabia, Azuraküste – 2Ä 536

Sein Schwertschlag auf die Decken führte zu einem spitzen, stoffgedämpften Schrei, der die kärgliche Schlafkammer abgehackt erfüllte. Ohne zu zögern riss sein Waffenbruder Vodryn Uvereth die Decken von der Bettstatt und er selbst führte sein tödliches Ebenerz geradlinig zum Gnadenstoß der versteckten Kultistin. Ein Bild, einer Offenbarung gleich und stärker als jeder Schild, stoppte das Schwert aus Ebenerz und verhinderte den sicheren Tod eines Kindes. Dort lagen sie, Mädchen und Junge, einander umklammernd, schweißgebadet und dem Geruch nach zu urteilen, in ihrer eigenen Pisse. Sein Schwert verharrte nur einen Fingerbreit vor der Halsseite des verängstigen Mädchens. So richtete er seinen Blick gen Uvereth, der ihn durch seine Augenschlitze im goldenen Antlitz des heiligen Nerevar ebenso lauernd betrachtete, wie er selbst den Dienstälteren. Er würde handeln, wie Uvereth entschied. In den wenigen pochenden Herzschlägen des Wartens konnte er fühlen wie seine Hand zitterte.

Vodryn Uvereth deutete eine Verneinung an. Ihm fiel ein Stein vom Herzen. Die rote Läuterung der Ketzer war eine Sache, die Ermordung von Kindern in ihren Betten eine völlig andere. Eine kleine Drehung des Handgelenks lenkte die Spitze der dunklen Klinge vom zarten Hals des Mädchens fort und in einer einzigen, fließenden Bewegung führte er das tödliche Ebenerz zurück in seine Scheide. Die Kinder bewegten sich nicht. Sie umklammerten einander auf herzzereißende Art. Wie Geschwister, die eine Trennung auf immerdar fürchteten. Ohne zu zögern ergriff er beide an den Armen. Wie Puppen aus Stroh zog er die Sprösslinge empor, denn sie waren dürr und wogen weniger als die Sünden ihrer Sippschaft. Das Mädchen schrie, der Junge greinte, doch er und Uvereth blieben so stumm wie es ihnen die verschlossenen Münder der goldenen Masken geboten.

Den Burschen schleuderte er grob über die benässte Schlafstätte direkt in den Klammergriff Uvereths, das Mädchen bändigte er selbst. Halb schliffen, halb trugen sie die vor Furcht verstummte Kultistenbrut aus der kärglichen Schlafkammer hinaus und durch die steinernen Gänge Anudnabias, von dessen schwarzen Wänden die heiße Asche schwelender roter Götzenbanner herabrieselte wie glimmender Schnee. Der beißende Rauch der Läuterfeuer schlug ihnen auf ihrem Wege entgegen und forderte so manche Träne von ihm ein. Tränen des Bedauerns. Nicht ob des Todes, doch ob der unnatürlichen Verblendung, die bisweilen aufkeimte wie verdorbene Blüten, wider der allgegenwärtigen Liebe der lebenden Götter, ALMSIVI.

Als er hinter Uvereth und dem Burschen mit der still jammernden Göre in seinem Griff das einstige Allerheiligste der Verblendeten betrat, war die Läuterung des großen daedrischen Schreins bereits in vollem Gange. Seine Blicke erfassten die Eindrücke der Pracht ihres heiligen Wirkens trotz des heißen Kratzens in den Augen. Die Statue im Zentrum des riesigen quadratischen Raumes ward bereits gefällt. Sie, das Abbild falscher Verehrung lag zerschmettert in dutzende Teile und umfangen von reinigenden Feuern. Wütend rauchende Flammen, gespeist durch der Gefallenen Besitz. Zwei Waffenbrüder in dem ruhigen Eck zu seiner Linken, sichteten die Werke, die Lehren und Schriften der Ketzer, sammelten Beweise für den Orden der Doktrin und Ordination, auf dass die häretischen Irrwege dieses Kultes auf immerdar gebannt und ähnliche Anwandlungen innerhalb der Lehren im Keim erstickt werden konnten. Die toten Kultisten wurden aufgelesen und zu seiner Rechten aufgebahrt. Auch sie würden brennen. Sie selbst hatten keine Verluste erlitten. Der Orden des Krieges, unerbittlich in roter Weihe, ungebrochener Wille des Tribunals.

Inmitten des Chaos erspähte er den Kurator. Serjo Indoril Tharis Saryoni, Spross einer altehrwürdigen, tempelnahen Familie, spaltete Feuer und Tod durch bloße, grausame Erhabenheit. Seine Anweisungen donnerten hernieder als Gesetz, das nur den Dreien selbst und ihren Auserwählten unterstand. Seinen Helm umschlungen haltend, zeigte der Kurator sein kahles Antlitz, das auf der blinden Hälfte von der Nase, über den Wangenknochen bis hin zur Ohrenspitze von silbernen Ringen geziert war.

Er wurde zuerst von Saryonis hartem, einäugigen Blick getroffen. Sofort hob er das Kinn an und verfestigte den unerbittlichen Griff seiner gepanzerter Hände an den Schultern der Göre. Aus den Augenwinkeln sah er, wie Uvereth es ihm gleichtat. Die Kinder windeten sich vor Schmerz. Doch als der Kurator noch keinerlei Anstalten machte, sich der Gefangenen anzunehmen, lockerte er seinen Griff und das Mädchen dankte es ihm mit einem erleichterten Aufseufzen. Er hegte keine Sympathie für Brut der Fehlgeleiteten, ebensowenig jedoch ergötzte er sich an dem Schmerz anderer. Seine Gefühlslage unterstand seiner stets sorgsamen Prüfung. Denn auch wenn er der jüngste Ordinator dieser Einheit war, so wusste er, dass nur er selbst es war, der das eigene Spiegelbild täglich ertragen musste. Schon andere waren von den schwarzen Abgründen ihrer selbst verzehrt worden. Im blendenden Lichte von Göttern war die tägliche Prüfung ihres Verstandes durch Sheogorath die härteste.

Just in diesem Gedanken wurde er dem Blick des sich in Uvereths Griff windenden Burschen bewusst, der ihn seitlich anfunkelte als wäre er das Übel des Sharmat selbst. Er wandte den Kopf und musterte ihn durch die Augenschlitze seiner grimmigen Maske. Der Kleine gereichte Vodryn Uvereth gerade einmal bis zum Bauch und war so schmal wie eines seiner Beine. Die Hitze der lodernden Feuer im Inneren des Schreins, hatten die Tränen auf den Wangen vertrocknen lassen, doch verquollen waren seine Augen und erfüllt von Angst und loderndem Zorn, über den auch die vornüberhängenden schwarzen Haare nicht hinwegtäuschen konnten. Der Junge würde ebenjene Prüfung kaum bestehen, dachte er bei sich, denn der Verblendete erkannte nicht, dass die Reinigung mit Feuer und Blut ihrer aller Seelenheil diente.

Da brach der Blick des Jungen, der plötzlich an ihm vorbeistierte. Zorn verlor sich in Unglauben, Unglauben in Leere. So wandte auch er den Blick neugierig nach links und sah wie zwei seiner Waffenbrüder eine weitere Kultistin, gepackt an Schultern und Füßen, durch die schwelende Szenerie trugen. Nass und schwer vor Blut verhing das tiefschwarze Haar eine Gesichtshälfte und Blut besudelte das zerfetzte helle Nachtgewand, das wie ihre Arme von ihrem zerschmetterten Leib herabhing. Sie sah in ihre Richtung. Sie bewegte stumm und kraftlos ihre Lippen. Es waren ihre letzten Atemzüge. Die ungehörten Worte, der letzte Blick aus ihren scheidenden Augen und das Erlischen ihres Lichtes, gehörten dem Jungen.

Er sah aus den Augenwinkeln, wie dessen Knie nachgaben. Der Bursche brach zusammen. Nun wehrte sich das Mädchen in seinem Griff, "Shiruit, Shiruit" zischte sie. "Shi!" Ihre Worte stießen auf taube Ohren. Wieder wandte er seinen Blick zu dem Jungen, sah wie dieser, nur von Uvereths eisernem Griff gehalten, seinen herabhängenden Kopf der Bewegung der Sterbenden folgen ließ, bis ihr Leib zu den Toten geworfen wurde.

Er schloss die Augen und das Mädchen in seinem Griff erschlaffte bebend, als durch die Feuer der große Halle der bitterschmerzliche Schrei eines Sohnes heulte. Anudnabias nunmehr kahle Wände ergriffen das Wehklagen und trugen es fort, bis es in der Ferne in einem tonlosen Wimmern verhallte und die Zeit selbst gefror.

Für ungezählte, schmerzliche Herzschläge war jedwedes Treiben innerhalb des Schreins vereist wie das Blut in seinen Adern. Eine jede goldene Maske war ihm, Uvereth und den Kindern zugewandt. Als er bemerkte, wie Saryoni auf sie zueilte, schloss er seine Augen.

Dass der Kurator ihnen einen Wink gab ihm zu folgen, verriet ihm ein Stoß Vodryn Uvereths gegen die Schulter. Er öffnete die Augen, folgte. Zurück in die Gänge, deren rote Wandteppiche endgültig vergangen waren und die nun als graue Asche einen dunklen Teppich auf schwarzem Boden bildeten. Das Mädchen leistete keinen Widerstand. Er hielt sie nunmehr nur an der linken Schulter. Er sah seitlich zu ihr, sah an ihr herab. Sie lief gesenkten Hauptes und barfuß über Stein und Asche. Vor ihnen hing der Junge apathisch in den Händen Uvereths, der ihn wie einen Sack mit sich schliff, bis der Kurator an ihrer Spitze seine linke Faust hob, stehen blieb und sich zu ihnen wandte. Er trat mit dem Mädchen neben Uvereth und den Jungen. Saryonis einäugiger Blick war eine Peitsche, die einen jeden weiteren Tadel überflüssig machte.

Der Kurator ging vor ihnen in die Knie, stellte seinen Helm vor sich auf den Boden. Das goldene Antlitz des Heiligen starrte in grimmiger Gefühllosigkeit gen der Kinder. Anders als Saryoni, dessen durchdringender, wissender Blick trotz all der Ringe und dem milchigen Auge Güte offenbarte, als er den Jungen betrachtete.

"Offenbarung den Verblendeten, Hoffnung den Hoffnungslosen", sprach Saryoni leise, doch mit klangvoller Kraft und er erhob die Linke, um Vivecs Recht zu sprechen. "Der Junge, er wird dem Tempel überantwortet." Uvereth nickte und zog den Jungen einen Schritt nach hinten. Der Kurator besah das Mädchen mit schicksalsbehaftetem Blick. "Sehts Weisheit. Ayems Gnade. Vehks Liebe", sprach der Kurator und beschrieb mit der Rechten den dreizackigen Stern, das Symbol der lebenden Götter. "Liebe - rein, erfüllend und doch grausam." Saryoni erhob sich und klemmte seinen Helm wieder unter den Arm.

Er erschauderte, als das einzelne Auge des Kurators sich hart auf ihn richtete und in sein Innerstes sah, als könnte es die Seele selbst durch Maske und Rüstung hindurch offenbaren. Er fühlte den Blick als glühendes Messer in seinen Eingeweiden. "Das Mädchen, es ist zu alt um von der göttlichen Wahrheit erleuchtet zu werden." Er fühlte, wie das Messer sich unnachgiebig durch sein Gedärm schnitt. "Das Ende aller Worte ist ALMSIVI."

Wie das Mädchen selbst, verharrte er völlig reglos. "Neinneinnein", jammerte eine kindliche Stimme hinter ihnen. "Nein, bitte! Nivai... lauf weg, Ni!" Es war der Junge, der wieder zu zappeln und zu schreien begann, doch Uvereth zog ihn unbeeindruckt hinter sich und dem davonschreitenden Kurator Saryoni her. "Ich komm dich hol'n! Lauf weg!" Ihre schweren, metallischen Schritte wurden von seinen leiser werdenden, weinenden Rufen geleitet. "Bitte tut ihr nichts! Ich hol dich, Ni! Ich versprechs!"

Und schließlich waren alle Geräusche dem Rauschen in seinen Ohren gewichen. Er fühlte das Bedauern in seinen Augen. Nicht ob des Todes, doch ob der unnatürlichen Verblendung, die bisweilen aufkeimte wie verdorbene Blüten, wider der allgegenwärtigen Liebe der lebenden Götter, ALMSIVI.

Zusammen mit dem jungen Ding stand er in der Finsternis, doch alleine mit seiner heiligen, eidgebundenen Pflicht, die Ketzerei in all ihren Formen zu auszumerzen. Alleine mit der Aufgabe, das Mädchen Nivai zu töten.

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Aykami (09.10.2020), Corentin (11.10.2020), Elfenblut_ (07.06.2021)

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Dienstag, 27. April 2021, 23:50

Bezugscharakter: Die Verräterin

"Das Sterben der Spinnen"

Ald Darhul, Molag Amur – 2Ä 586

Manch Gemüt könnte den Text ob seines Stils oder des (zugegeben verworrenen) Inhalts als verstörend empfinden, deswegen gibt es einen Spoiler.

Spoiler Spoiler


Als Schloss und Pforte gähnten, als die Fesseln des Staubes aufatmend rissen und sich der nächtliche Schein eines zerteilten Gottesleibes ergoss in Schatten, da brach ihre Paralyse. In Leichtigkeit und Einkehr glitt sie durch schwere Schwaden hinab durch bezahnte Runengänge, hin zu der Höhle, wo Finsternis dem Zwielicht wich. Nurmehr begleitet von der Macht 'seiner' Schande und dem Blut, das schmutzig in ihr pulsierte und auf ihrer grauen Haut der Spinnen spottete, ihren Körper tränkte. Sie wusste was getan werden musste, tief in ihr wusste sie es, tief in ihr … Nacht. Und tief im Zwielicht, am Altar grausamerer Zeit kippte die Welt, das Selbst. Sie, Er, Spiegelbild, Zwilling und Vater, Reflexion. "Es tut so gut, dich wiederzusehen", sprachen Freude und familiäre Nähe. Er, bedingungsloser Seelenfrieden, Auge des Sturms und Wahrer des ersten Zaubers. Sie zerbarst sein Antlitz mit bloßer Pranke auf dem Haupte dreigeeinter Wahrheit und als er entrückt niederging zertrat sie die Visage mit ihrer nackten Sohle, denn er war nicht mehr als eine geisterhafte Erinnerung an einem sterbenden Ort. "In den Roben der achtschattigen Königin wirst du einst gewandet sein“, sprach sein Echo vor einer Ewigkeit und nun, vor und in wenigen verstorbenen Augenblicken.

Sie war es, selbstverzehrende Verräterin, die in Entweihung, im Dreck ihres eigenen Geistes hauste und nun in diesem aufgebenden Augenblick in salzigem Aufschrei triumphierte und von glücklicher Leere umfangen wurde, während 'er', der Schänder ein neues Meisterwerk erschaffen hatte. "Vergib mir meine Sünden", hallte ihre Stimme durch ihren fremdgegangenen Kopf als sie in die fürchterliche Schwärze trat und Schlingen der Angst sie erfassten und kaltfeuernd abließen als sie sie ergriffen. Doch als sie die anderen sah, waren sie Gebilde, Statuen, geschlagen von Blindheit und sie schlug mit wildgewordener Raserei das, was ihre abscheulichen Augen zeigten, ehe sie als steife Hülle, fleischbefüllt, angstbefüllt und ziellos in der Nacht, kippte, darniederging und in sich zerbrach.

Erst geborsten ward sie von Pein verschlungen und sackte mit blankem Knie in blanken schwarzen Stein, der sie furchtlabend auffressen wollte und ihr Lieder sang. Silben der Schuld im Rhythmus des Verfalls. Doch ward 'sein' Abbild bei ihr und die Lieder einer Lügnerin konnten noch so sehr reißen, 'er' hielt sie zusammen und schuf aus ihr eine unbeherzte Säule des Verderbens und sie rief als sie aufbegehrte in blindem Hass auf 'ihn', der sie nicht verenden ließ. Enden, wie es enden sollte als die Hoffnung angesichts aller Hoffnungslosigkeit noch fruchtbar war. "Du bist widerlich, schlecht und voller Ekel!" Und als er fort war, da lauschte sie umwoben ihrer Sünden und die Lieder waren verstummt nach all der Zeit.

Zeit, die Blüte seiner Zeit, Blüte der Vergangenheit, so sprach er jede Nacht, Nase an Nase, nach dem Akt der Einigkeit. "Unser Netz ist eins, Llaasala." So war er wie sie, nackt, nur bedeckt von Lust und Arme und Beine umschlossen sie, ihr Innerstes vor ihrem Verlust bewahrend. Hier unter den Fluten undenkbarer Lügen fand sie das Verlorene wieder und wo ihre Bisse einst untermalten was sein Stachel ihr gab, war ihr Biss nun das Grab des Hauptes, das sich in weißem Schnee inmitten der Asche fand. "Ich … ich liebe dich", sprach sie in die undenkbaren Worte des einstigen Schweigens als er nicht wiederkehrte und sie wusste er war tot. Und so griff sie hinein mit kalter Hand, durch die Haut und in das schmatzend Fleisch, zu fesseln was im Begriff sich zu entfesseln und zu entfliehen war.

"Vielgebrochen Geschiedener, ... Geliebter, leite mich im Labyrinth!" Er tat es, sie verfluchend und ob ihrer Gefühle verlachend, wie der Lügner der er war und gerissen wurde sie kopflos durch eine dunkle Kaverne, die nichts als schwarz und blau war und Lichter und Säulen Lügen waren wie die bleichen Bäume in finsteren Himmeln. Grabestuch war sie für ihn und ihn, den sie als nächstes umarmte, inmitten des Sogs, hallend in des Wahnsinns Winde als er ihre fluchgeformte Natur erkannte. "Lechze ob der Dominanz, Verräterkind, deine Zeit wird kommen." Geschliffen von der Musik des letzten Atems entwuchs der Tod seinen schwarzen Händen und aus schattengeformten Silben erstiegen wortgeformte Schemen seiner lichtlosen Hülle selbst. Die lebenden Schatten verfluchten den Tanz des Unausweichlichen in Zungen, schlugen nach dem umschlungenen Paar, das sich veränderte und Feuer spie. Nach acht Phasen dunkelster Künste, als die blauen die roten Feuer verschlangen und alle Schemen unter dem Abbild einer vergessenen Schlange zu Staub verfielen, fraß sie ihn voll zerfetzender Gier.

Flüssiger Kristall entwich dem Fokus auf das Kommende und getrübt sah sie nicht das Glas, das ihr auf der Brücke der Überwindung entgegenschlug. Es strich vorüber und kitzelte blutleere Wahrheit und die erregten Härchen nackten Urteils. "Schwester", hauchte sie hilfesuchend und die Gestalt offenbarte sich und sprang heraus aus dem Wasser, agil, grazil und der Tod bäumte sich vielfach grün und nächtlich auf. Zähne entwuchsen den schillernden Madenfingern und die Tochter leidenschaftlicher Fluten stürzte sich in ungezählt gläserner Schärfe auf sie. Was todgeweiht war ward rasch besiegelt und so konnte sich kein Fragment rechtschaffenen Hasses in sie bohren, ehe sie die doppelgrottige Verführerin niederstreckte, ihre Seele aber keiner Spinne bot. Und so waren all die grünen Dolche der Tiefen nun mit ihr als auch sie darniederfiel.

Sie war entrückt, sich selbst fern und verloren, wieder zerfallen unter wertungslos blauen Pilzen am Rande des blutigen Gartens. Im Kernschatten ihres verblassenden Seins, in feuchter Finsternis, einst daheim, wo winzige und monströse Wasserfälle über Kaskaden rauschten oder in der Dunkelheit plätscherten. Ein Bild schweren Lides erfasste sie und sie stand wie dereinst im Glück des Sommers, beschienen, und die warme Gischt läuterte sie mit dem salzigen Gewitter Innerer Meere. "Wie wunderschön Ihr seid, dass Ihr uns nicht beitretet." Wahnsprechende Worte, entsprungen widerlicher Lügenwerke, die Lüge geschätzt und doch verhasst und nun verloren. Provokation, Forderung und Einladung gleichen, schmunzelnden Lebenshauchs. "Ein Kuss zum Abschied, entbrannte Freundin? Wunderbare Schwester, lass dich nicht von Zweifeln plagen, hier bist du erwünscht, ein Teil von uns und 'ihr'. Diese Familie bettet dich nur im Rot von Blut und Blüten." Und getrennt von Abschied und vom nassen Ring fehlte der Kammerhüter an diesem Tage und forderte stumm das Unaussprechliche von ihr, wo ihr Zwiespalt zwischen dem Glück unerhobenen Todes und dem Bedauern unwiderbringlicher Erinnerung gefangen war.

Die Klage der Sterbenden, der Gesang von Geist und vergehend Leib, ließ das Leben des Lügenhimmels erwachen, die Elemente und die Spinnenmächte nach ihr greifen und sie silbernen Auges aus der Ausflucht wiederkehren. Doch war sie nicht hier, nicht dort und umkreist von schillernd grünen Trabanten, die in zeitloser Nuance im Raum des Ungesehenen als Spiegel dienten oder auf immerdar endgültiger Teil der ungezählten Achtgliedrigen wurden. Sie zeichnete Zierden kreischend kotzender Mäuler in die lahmen Fleischskulpturen. Sie war eine nebelumhüllte, beidhändige Komponistin, dirigerte störrische Wächter in Klang und Farbe, schliff Formen und zog Striemen gleich Konturen, schwarz und nass als Höhepunkte. Alle Instrumente zogen blutend Bahnen, doch die Saiten die die kalte Hand hielten wollten niemals reißen. Niemals, bis alle Zierden ihr Innerstes der Welt übergaben, schmierend salzig schrien und, als sie eigenes Gift kosteten, vergingen.

Gewandet in Säften des Lebens und von allem was ein Freund ihr prophezeite, kniete sie unter dem zentralen Baum, dessen Blätter rot wie alle Pflanzen des Gartens waren und neben dem Schwarz der Felsen waren nur die Pilze weiß wie die Fäden der Weber und den herabhängenden Toten darin. Rote Blüten, rotes Blut, der rote Garten, wo gut bös' ist und bös' gut und jedes Vertrauen Verrat. Sie als Gärtnerin, sie sah zu spät wie welk das Übel vor ihren Augen dereinst war und nun war sie es. Zitternd ergriff sie Blüten der Lavarosen, versprach ihnen weinend das gleiche Schicksal und sie quetschte sie in kalter Hand als Klackern in ihrem Rücken ihr Ende versprach.

Die Hüterin selbst spann sich herab und zeigte ein makellos weißes Lächeln und die Stimme war lüsternes Versprechen aus Honig und Tod. "Närrische kleine Sterbliche, im Verrat dientest du 'ihr', doch nicht in diesem." Die Blüten rieselten wie Fetzen ihres Leibes als sie in ihre kauernden Qualen am Fuße 'ihres' Throns und am Altar des Todes niedergeworfen, achtbeinig enger und enger umfangen wurde. Zerschmettert ihrer selbst, durchbohrt und bedeckt vom Haar all der stacheligen Beine und von kreischender Wut, völlig ungesammelt. Niedergedrückt in ihre Hölle, fühlte sie sich gar zerrissen. Doch durch das Abbild, das sie hatte, erkannte sie die Wahrheit der Zwischenwelt, ergriff die dargereichte Hand verfluchter Macht. Das Pochen der Brutalität, leidbesudelt, orgiastisch in Pein, umarmend, zerreißend, niederwerfend.

"Unaussprechliche Dinge werde ich dir antun, wenn du versagst", sprach 'er' zu ihr, als das Ende seinen Anfang nahm und so stieß sie zu mit neuer Kraft der Angst und der Wut des Verzweifelns. "Du widerwärtig Ungetüm, willst du meinen Leib, so musst du mich verschlingen." Und die Hüterin begann, beißend und penetrierend mit klackernden Mandibeln. Sie hörte ihr erregt schlagendes Herz. Fremder Hunger, fremdes Biest, das Tier, das Monster, des Tieres Augen, des Tieres Wille und die Wut. Und wieder war sie auf ihr, in einem male so falsch und verlogen, also fraß sie die, die sie fressen wollte, Bissen um Bissen und geschändete Leiber schrien in Agonie, als sie ihr Versprechen im Spiegel des Verrats erneut gab, die Hüterin der Netze blutig geschändet und besudelt zu ihrer Herrin schickte.

Niederkauernd will sie ihre Maske entfernen. Das wahre Gesicht dahinter offenbaren, doch verwachsen mit der Lüge ist die Fratze. So kratzt sie, reißt sie und beißt sie und weidet ihr Antlitz im Tod. Stück für Stück entfernt sie und stopft die blutgeschlagenen Taschen ihrer Haut.

Während sie trotz aller Wunden beständiger war als je zuvor, ergoss sich Unglauben aus der Pforte zum Allerheiligsten, hinter der die Schatten von Schwester und Schwester Schreie in das Element des Zorns hüllten und es ihr, der Verräterin, brünstig entgegenschlugen. Doch ein Geheimnis, das 'sie' ihr niemals lernen konnte, fraß in kopfgestellter Unnatürlichkeit die Wogen allzu bekannten Feuers und hinterließ den Geruch den die Schlange liebte und verachtete. Sie trat ein und was sie über Jahre behütete, stand nun am Rande der Vernichtung. Und was sie sah, war Trotz in den Fratzen von gierender Lust und glimmender Zungen und so offenbarte sie sich um Pein und Panik zu entfachen und was sie sah, das befriedigte sie trotz der bitteren Erkenntnis der anderen nicht zur Gänze. Da vernichtete sie in punktgenauer Präzision entleibten Willens den letzten Widerstand, jene, die die Flammen und Magie dieses Ortes bündelte und führte und stets die Arroganz und das Temperament erhabenen Feuers trug. Ohne Glut war sie nichts als eine nackte Frau und am Ende glich sie kaltem Fels.

Als die Hitzige verging schauderte die liebliche Verkörperung alles Tötenswertes und fiel gesenkten Hauptes auf die Knie, denn sie war nie mehr als der Multiplikator der Ekstase und der Tod inmitten wehrloser Gier. Sie hatte sich nie gescheut es den anderen zu lehren, ohne jemals Blut und Schatten, doch nur etwas anderes zu vereinen. Auch dem ihrigen wurden die Tänze des fleischlichen Todes gezeigt und so sollte es sein, denn dies war die Natur dieses Ortes. Doch irgendwann stach und stach es sie selbst wenn die Hirtin und Schlächterin der Ahnungslosen bis zur Besinnungslosigkeit tanzte und dies, heute, war der Tag einen jeden Schmerz in ihrer eigenen Sphäre zurückzuzahlen und so schnitt sie die blassen Beine unter weinroter Seide. So war alle Flucht undenkbar und aller Verrat zu bezeugen, ehe die Schändung selbstgefälliger junger Schönheit ihren eigenen Höhepunkt dieses anfangs schmerzlichen Unterfangens darstellen würde, während alle Seelen der Spinne entrissen wurden!

Als die andere nicht fliehen konnte, da trat sie selbst hinein in den brennenden Strang der Schätze und Lügen, platzierte das Abbild der Entweihung im zentralen Kohlebecken und fütterte die ewig lodernde Glut mit Kälte bis blaue Feuer sprossen. Zufrieden beschwor sie den Ring, der besiegeln sollte was geschah und sie speiste ihn mit der Macht der Sündenfeuer bis seine Kraft erwachte und begann an allem zu zehren, was der Sphäre der acht Schatten gehörte. Genuss erfüllte sie beim Anblick kämpfender Flammen und dem Riss im Allerheiligsten, der hungrig zu saugen begann und schließlich alles pervertieren, absorbieren würde.

Wäre da nicht die andere gewesen, so hätte dieser Moment die Wasser der Trauer gefordert, doch nun da sie den Strang verließ und in die Arkaden zurückkehrte forderte er Unaussprechliches. Der Oberleib der Rotseidenen kreiste im beinlosen Tanz und ihre Arme ergriffen und formten Raster verborgener Wahrheiten und integrierten sie in diese endende Realität um sie zu stabiliseren. So fletschte sie, die niemals mehr war als der Multiplikator der Ekstase und der Tod inmitten wehrloser Gier, die blutigen Zähne im Triumph kalter Berechnung. "Ich wusste stets was folgt, doch nicht von wem. Du aber hast nur sechs von uns getötet, Verräterin! Nun aber sieh, wie sie sich binden! Den, den du willst bekommst du nicht im Tod und der letzte von uns, der wird dich finden!"

Da schrie sie und trieb ihre Pranke in das Haar der Tänzerin, die ihr wieder und wieder nahm was sie begehrte. Sie tat ihr an, was der Schänder sie gelehrt hatte und es war lange nicht vorbei, als sie sie am Schopf hinaus in den roten Garten zog, wo sie weiter ihren Herren unter den weinenden Augen der Netzweberin beglückte. "Eure Macht ist nichts, dein Opfer bedeutungslos und bald verschlungen wie der Rest! Die Leere stillen Rufes birgt Synthese, Hure! Die des Blutes, doch nicht deine!" Pochend, pochend ergoss sich der Lebensbrunnen über die Szenerie und füllte in schwarzstriemiger Illusion die Dunkelheit. Sie verging sich an der Lust, bis sie fremd und rotnüsternd aufbegehrte und fremd und fleischeslüstern bannte, was noch immer fremd und todesflüsternd schrie. Sie war unverrückt im Reich des Todes, ein Axiom unleugbarer Geltung.

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Elfenblut_ (07.06.2021)