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Mittwoch, 22. Juli 2020, 03:17

Flammenpfad und Aschehaut

Eines des Urshilaku Lager an den nördlichen Ausläufern der Aschlande
Irgendwann im 2797sten Jahr nach Nerevar

Analen en Dahkem




Mit jedem Pinselstrich zeichnete die Seherin ein detailierteres Bildnis aus Schmerz auf Odai-Unavannus entblößte Haut.

"Louriif rupun ohm sul am malkhes en nabesh(1)." Ihre Stimme drang wie im Fieberwahn durch das dumpfe Dröhnen seines eigenen Blutes in den Ohren, ohne wirklich die Bedeutung ihrer Worte in seinen Gedanken festzusetzen. Die Tränen offenbarten sich dennoch in Form eines verwaschenen Schleiers, der sich über seine nachtschwarzen Augen legte und das Zelt in einer einheitlichen Fläche aus dumpfen Farben verschwimmen ließ.

Sein Geist klammerte sich an das gleichmäßige, mesmerisierende Schlagen der Trommel. Wann immer Amaya-Ammus Hand über die gespannte Haut des Instrumentes glitt, konnte Odai die Vibration durch seinen halb betäubten Körper wandern fühlen. Der älteste Sohn der Seherin saß außerhalb seines Blickfeldes, irgendwo im Rücken ihrer gemeinsamen Mutter, aber der gleichmäßige Rhythmus bot ihm ohnehin weitaus mehr Trost, als es ein aufmunterndes Lächeln getan hätte.

Samsi-Udanaad, mittlerer der drei Brüder, schien weniger daran interessiert, dem Nesthäkchen die Pain zu erleichtern. "Bereite uns keine Schande, indem du morgen mit leeren Händen zurückkehrst, hla'ouakim(2)." Das grinsende Gesicht des jungen Kriegers schob sich in Odais verklärtes Sichtfeld. "Zumindest eine großartige Geschichte erwarte ich mir, wie Kili'Shud dich über den halben Berghang jagt ..."

"Samsi", mahnte Seherin Missanimishi ihren neckenden Sprößling, während eine weitere Pinselspitze schwarzen Tintlinggiftes in die aschfarbene Haut unter ihren Fingern einsickerte. Die Eindrücke der drei anderen Mer traten immer mehr in den Hintergrund des giftvernebelten Geistes, und auch die Frage, wann er das Bewußtsein verlieren würde, war kaum noch mehr als ein unbedeutender Nebengedanke.

Erst die Stimme des bisher schweigsamen Trommlers bahnte sich klar und deutlich einen Weg in Odais Bewußtsein, als sein Bruder seinen Namen beinahe wie eine Beschwörungsformel aussprach. Die Zeichnung seiner Wangen war längst abgeschlossen, weshalb es der angehende Jäger wagte, den Kopf zur Seite zu drehen und die verschwommene Umgebung nach Amaya-Ammu abzusuchen.

Obgleich er seinen Bruder vergebens suchte, erreichte ihn dessen Stimme dennoch weiterhin als einzig deutlicher Klang, als dieser fortfuhr: "Sieh es als ersten Teil der Prüfung, daesohn(3). Kannst du dem Schmerz widerstehen, gibt es jenseits des Todes nichts, das dir Kili'Shud noch antun könnte, dem du dich nicht zu stellen vermagst."

Die Gedanken wie gelähmt durch das Gift, fand der jüngste der Brüder doch eine gewisse Erleichterung in den Worten, auch wenn ihm durchaus bekannt war, daß es keine Prüfung war, der er sich eben unterzog. Eine bloße Nebenwirkung des schwarzen Farbstoffes, den die Linie der Zebashubabi bewußt in Kauf nahm, im Tausch zu der mehrere Tage anhaltenden Wirkung.

Die Haut permanent zu färben war keine gängige Praxis innerhalb des Stammes, galt das Aschgrau doch als beständige Erinnerung an den Verrat, welcher Azuras Zorn auf Veloths Nachfahren zog. Beinahe ebenso lange aber reichte die Tradition seiner Familie zurück, ihre Söhne zum Initiationsritus zu zeichnen, um beim möglichen Scheitern der Prüfung ihren Seelen den Weg zurück nachhause zu weisen.

"Niemand erwartet von Euch, daß ihr Kili'Shud erlegt", fuhr Amayas Stimme ruhig fort, die Worte scheinbar im harmonsichen Einklang mit den rhythmischen Trommelschlägen gesprochen. Beinahe, als wolle er den letzten Gedanken seines jüngsten Bruders untermalen, fügte er noch an: "Erledigt eure Aufgabe und überlebt. Seid Jäger, keine Gejagten - aber der alte Kagouti soll morgen nicht eure Beute sein."

Das unnachgibige Streichen des Pinsels und der regelmäßige Klang der gespannten Guar-Haut blieben einen Moment lang - oder waren es doch Stunden, Tage, Jahre? - die einzigen Geräusche, die sich durch die zähflüssige Melasse seines Geistes bahnten. Mit dem Verstummen seines Bruders begann er wieder jeglichen Bezug zum Hier und Jetzt zu verlieren, und seine Welt verlor sich gänzlich in dumpfen Farbflächen und bittersüßem Schmerz.

"Auf die Lagerstätte, julekil(4)." Die Stimme seiner Mutter. Eine Anweisung an Samsi-Udanaad. Wie war er in dessen Armen gelandet? Hatten ihm die Knie endgültig den Dienst versagt? Die Glieder gehorchten nicht mehr, alles so schwer. Oder doch schwerelos?

"Sunna almeshiin(5), hla'ouakim ..." Die schmunzelnden Züge seines Bruders waren der letzte Anblick, der sich seinen müden Augen bot, ehe sich die Schwärze endgültig davor legte. Und nur der ewig gleiche Schlag der Trommel begleitete ihn auf seinem Weg in absolute Leere.



Zitat


(1) Louriif rupun ohm sul am malkhes en nabesh.
Tränen reinigen deine Seele von Verderbnis und Feigheit.
(wörtlich: Tränen werden löschen deine Seele von Verderben und Feigheit)

(2) hla'ouakim
Kleiner Fisch (hier als Spitzname)

(3) daesohn
Bruder

(4) julekil
Sohn

(5) Sunna almeshiin
Gesegnete Träume

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Aykami (23.07.2020), Rae (11.08.2020)

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Donnerstag, 23. Juli 2020, 15:55

Nördliche Aschlande, nahe der Festung Falasmaryon
Irgendwann im 2797sten Jahr nach Nerevar

Molag en Du'gahkim




Die ersten Zweifel an ihrer kleinen Jagdgruppe keimten auf, als das Licht des nahen Lavastroms das des rauchverhangenen Himmels zu übersteigen begann und das Lager der Prüflinge weiterhin ohne den Schein eines Feuers in der Dunkelheit des Abends versank.

Chonrasour, ein Kagouti von Mann, der Odai um beinahe zwei Kopf überragte und dessen Schultern die angelegten Chitinplatten zu sprengen drohten, hatte ihrem Gefährten den Feuerstein mittlerweile schnaubend aus der Hand gerissen, zeigte sich aber ähnlich erfolglos in seinen Versuchen, das Feuer zu entfachen.

"N'chow! El mumaebikam ...(1)", fluchte er unter dem vielsagenden Blick Hinama-Dans, dessen ähnlich geartete Aussage er wenige Momente zuvor als faule Ausrede abgetan hatte. "Wer von uns wollte vor dem Aufbruch die Ausrüstung prüfen ...?"

"Yassami ..." Odai hatte ein Stück weit entfernt Position auf einem niederen Felsen bezogen, um die Umgebung im Blick zu behalten. Er hielt die Stimme gerade laut genug, daß seine Gefährten den Namen des vierten Mitglieds ihrer Gruppe noch vernehmen konnten, ohne gleich das halbe Aschland mit seiner Antwort auf sie aufmerksam zu machen. Sie waren notgedrungen zu dritt aufgebrochen, während Yassami nach einem Zusammenstoß mit einer kalbenden Netchkuh und deren Bullen im Zelt der Weisen Frau ums Überleben kämpfte.

"N'chow ..." stieß Chonrasour nochmals hervor, während er den nutzlosen Stein und die getrockneten Pilzschwämme zornerfüllt gegen den ascheüberzogenen Boden donnerte. "Jagdmeister Kummu lacht sich zuhause ins Fäustchen, daß er uns mit mangelhafter Ausrüstung hat losziehen lassen."

Odai zweifelte deutlich am Wahrheitsgehalt jener Vermutung - niemandem im Lager war vermutlich zu Lachen zu mute bei dem Gedanken, daß die nächste Generation an Jägern vollkommen unvorbereitet aufgebrochen war und nun wie ein kopfloser Haufen über den Nordhang des Roten Berges irrte. Sie hatten es tatsächlich geschafft, ihre eigene Initiation schon vor ihrer Ankunft in Kili'Shuds Jagdrevier unter einen schlechten Stern zu stellen.

Die Muße, sich in Selbstmitleid und Zweifel zu ertränken, war ihm allerdings nicht vergönnt. Ein unbestimmtes Gefühl, ein schwer einordenbares Zurren an den Grenzen seiner Wahrnehmung, ließ ihm die Härchen im Nacken zu Berge stehen und seinen Blick unruhig über die Landschaft wandern. Nichts rührte sich dort draußen, abgesehen von den träge im Wind ziehenden Ascheverwehungen, und doch hätte er schwören können, sie seien nicht mehr alleine hier draußen.

Eine Handvoll eiliger Schritte trug ihn zurück zum provisorischen Lager, um sich einen der ausgedörrten Äste zu schnappen und diesen hinüber zur glühenden Hitze eines Lavastroms zu tragen. Feine Schweißperlen tanzten über die graue Stirn, als der heiße Dampf des geschmolzenen Gesteins schmerzhaft über sein Gesicht leckte, doch er kniff die Augen zusammen und entzündete das trockene Holz an der roten Glut.

Keiner der beiden Gefährten murrte über den Umstand, daß er ihre Arbeit der vergangenen Stunde ins Lächerliche zog, indem er das brennende Stück in das aufgeschichtete Lagerfeuer warf - dem Ausdruck der beiden nach waren sie selbst viel zu sehr damit beschäftigt, eine ähnliche Vorahnung zu erkunden. Entsprechend war es mehr eine Floskel, als Hinama den beiden zuraunte: "Etwas beobachtet uns ..."

Chonrasour war der erste, der seine Waffe zur Hand hatte - kein Bogen wie seine deutlich kleineren Gefährten, sondern den massiven, mit kräftigen Chitinplatten ausgekleideten Speer, dessen Wucht dank der Größe des Trägers schnell jedem Beutetier zum Verhängnis werden konnte. Er positionierte sich so, daß sein Rücken vom Lagerfeuer und den beiden kleiner gewachsenen Velothi geschützt war, und ließ nun seinerseits den Blick über die in Dunkelheit gehüllte Gegend wandern.

"Kili'Shud?" Unter dem Schutz des stämmigen Mers machte sich Odai daran, den Bogen unter dem Fuß einzuhaken und kräftig nach unten zu drücken, um mit einem eiligen Handgriff die Sehne einzuspannen - wohlwissend, daß Hinama-Den auf der anderen Seite dasselbe tat. Keinerlei Gefühl von Freundschaft mochte die drei ungleichen Jungmer verbinden, in einer Situation wie dieser aber wußten sie sich aufeinander zu verlassen.

"Bahr. Gahkho khostif.(2)" Die Stimme, die von der anderen Seite des Speerträgers zu ihm hinüber wisperte, klang allerdings mehr als unsicher. Es wäre nichts Neues für ein altes Tier wie den gefürchteten Kagouti, die Grenzen seines Jagdrevieres zu verlassen, um an anderer Stelle sein Glück zu versuchen. Gerade hier im tiefsten Aschland, wo Beute nicht gerade hinter jedem rußüberzogenen Felsen lauerte.

Mit unterschwellig bebenden Händen bettete er einen Pfeil auf die Seite des Zeigefingers, welcher um das geschwärzte Holz seines Bogens gelegt war. Die kleine Kerbe am hinteren Ende des Pfeils drückte sich gegen die Sehne und er hob die Hände etwas an, allerdings noch ohne die Waffe zu spannen. Stattdessen konzentrierte er sich darauf, die Umgebung weiter im Auge zu behalten.

Die Kreatur brach auf Hinamas Seite aus einem halb verdorrten Gestrüpp hervor, trotz ihrer Lauerstellung derart unerwartet, daß keiner der drei dazu kam, die Waffen rechtzeitig anzuheben. Der junge Bogenschütze taumelte unter einem erstickten Schreckenslaut einen Schritt zurück, und der nur halb gespannte Bogen entließ den Pfeil in einer halbherzigen Flugbahn, welche deutlich am heramstürmenden Angreifer vorbeiführte.

Dieser trampelte auf den kräftigen Hinterläufen auf Odais Gefährten zu, der beim Zurücktreten über eine der am Feuer abgelegten Taschen stolperte, beinahe seine Gefährten mit sich gerissen hätte und dann schmerzhaft mit dem Rücken auf dem felsigen Untergrund aufschlug. Odai konnte gerade noch einen Schritt zurückspringen, als das Tier auf Hinamas Brust landete.

Es war Chonrasour, der seinen Speer fallen ließ und mit beiden Händen den Schwanz des Angreifers packte, um ihn vom panisch keuchenden Körper des jungen Velothi zu zerren. Und so plötzlich, wie das Chaos ausgebrochen war, so jäh versank das Lager in angespannter Ruhe, unterbrochen nur vom Knistern des Feuers und dem wütenden Schnauben der gefangenen Kreatur.

Die drei Urshilaku starrten einander schweigend an, bis schließlich das Brummen des stämmigen Jägers die Stille zwischen ihnen durchbrach: "Hat dich der Hoppler schwer verletzt, Kilmin(3) Hinama-Den Matludamael?" Schwer zu sagen, was den auf dem Rücken liegenden Mer wohl mehr zur Weißglut brachte, die spöttischen Worte des Speerträgers, oder doch Odais erleichtertes, halb hysterisches Lachen, unter welchem er seinen Pfeil zurück in den Köcher wandern ließ.

Das zweibeinige Getier wand sich meckernd unter dem Griff Chonrasours, der es am Schwanz in der Luft baumeln ließ und den 'bösartigen Angreifer' mit einem breiten Grinsen betrachtete. Ein fettes Exemplar, beinahe nixhundgroß und schwer genug, daß der kräftig gebaute Jäger es mit beiden Händen festhalten mußte. Ein wenig Mitleid stieg in Odai doch auf, denn bei allem Spaß mußte er sich eingestehen, daß er selbst wenig begeistert davon gewesen wäre, den kleinen Fleischberg auf der Brust sitzen zu haben.

Hinama warf den beiden beim Aufrappeln ein genervtes "S'wiit!(4)" entgegen und sammelte Bogen und Köcher wieder ein, um sich dann selbst dem strampelnden Hoppler zuzuwenden. Mit leicht zusammengekniffenen Augen beugte er sich hinab, bis er mit dem Tier auf Augenhöhe war, um dann zischelnd zu verkünden:

"Heute Abend gibt es gegrillten Hoppler ..."



Zitat


(1) N'chow! El mumaebikam ...
Verflucht! Das funktioniert nicht ...
(wörtlich: Es versagt dauerhaft)

(2) Bahr. Gahkho khostif.
Nein. Zu weit entfernt.

(3) Kilmin
Jäger

(4) S'wiit!
Schwachköpfe

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Aykami (23.07.2020), Rae (11.08.2020)

3

Freitag, 24. Juli 2020, 23:43


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Aykami (24.07.2020), Rae (11.08.2020)

4

Heute, 02:23

Nördliche Aschlande, Kili'Shuds Schlucht
Irgendwann im 2797sten Jahr nach Nerevar

Cithal en Kagouti




"Ku'ilm hij ...?(1)"

Die drei hatten Position auf einem der Felsen bezogen, welche Kili'Shuds Nachtlager zu drei Seiten wie ein Schutzwall umrahmten. Chonrasour und Hinama-Den waren kniend hinter dem Kamm des Felsens in Deckung gegangen, während Odai-Unavannu mit dem Rücken gegen eine Felsspitze lehnte, den Bogen in Händen und einen Pfeil aufgelegt, um die kleine Gruppe notfalls zu verteidigen.

"Ich locke ihn weg, ihr holt die Knochen?" Beide Bogenschützen starrten ihren kräftig gebauten Gefährten an, als hätte dieser gerade vorgeschlagen, sich in den Krater des Roten Berges zu stürzen - und im Grunde lag sein Vorschlag nicht allzu weit vom Irrsinn einer solchen Idee entfernt. Das Ungetüm, welches dort unten als Ansammlung von Krallen, Zähnen und vor allem Hörnern zusammgerollt ruhte, übertraf an Größe bei Weitem jedes Exemplar, das dem jungen Jäger je vor die Pfeilspitze gelaufen war. Und die Vielzahl an teils verknotet verwachsenen Narben wies darauf hin, wie oft es schon den Zusammenstoß mit dem vermeintlich sicheren Tod überlebt hatte.

"Ku'elm ohn reste'ag yi sho ujil ot foyada?(2)" Hinamas Zischeln löste bei seinem Nebenmann nur ein unbeteiligtes Schulterzucken aus, ohne dabei dessen Blick vom alten Kagouti dort unten zu lösen. Die Bestie rührte sich nicht, doch war sich Odai recht sicher, daß sie durchaus dieses unbestimmte Gefühl teilten: Kili'Shud hätte sie längst gewittert und warte nur noch darauf, seinem Namen alle Ehre zu machen.(3)

"Ich kratze dich sicher nicht von seinen Hörnern runter, s'wit."

"Und wenn wir mit einer Falle arbeiten?" Diesmal war es Odai selbst, der einen mehr als mißbilligenden Blick des anderen Bogenschützen erntete, auch wenn ihm dieser um ein Haar entgangen wäre. Nervös tastete sein Blick die Umgebung hinter ihnen ab, um sicherzustellen, nicht zwischen dem legendären Kagouti dort unten und einem möglichen Gegner von hinten eingekeilt zu werden. Es hätte auch nicht der Reaktion Hinamas bedurft, denn er beantwortet sich die Frage selbst: "Wenn wir entspreche Ausrüstung zur Verfügung hätten."

Jegliche Bemerkung, die vielleicht darauf erfolgt wäre, wurde von einer unwirschen Handbewegung Chonrasours unterbunden, welche die kleine Gruppe augenblicklich zum Schweigen brachte. Odai wagte es, den Blick einen Moment lang in das Tal unter ihnen zu lenken - nur um dort zu beobachten, wie Kili'Shud sich langsam aufrappelte. Er hätte schwören können, das Ungetüm mußte das dröhnende Pochen in seiner Brust noch bis unten hören können, als sich der massige Körper träge in Bewegung setzte. Unter der ledrigen, von den Jahren gezeichneten Haut spannten sich Muskelstränge so dick wie der gesamte Oberkörper des jungen Jägers.

"Ku'ilm ...?"

"Almardi!(4)" Keiner der drei wagte es, sich zu bewegen, als das vernarbte Ungetüm dort unten mit donnernden Schritten an den Felsen entlangstapfte - die Schritte noch müßig und träge vom Schlaf, und dennoch von einer solchen Kraft erfüllt, daß es Odai die Nackenhärchen aufstellte. Er war sich sicher, ein einziger Tritt der stämmigen Beine wäre ausreichend, den Körper jedes noch so starken Kriegers unerbittlich zu zermalmen. Von den grausamen Hörnern einmal ganz abgesehen - teils gebrochen, teils von tiefen Kerben verunziert, hatten diese doch nichts von ihrer Imposanz eingebüßt.

"Austreten ...?" vermutete Chonrasour wispernd, als er Kili'Shud wohl außerhalb der Hörreicheweite wähnte. Die häßliche Kreatur war hinter einer Biegung der schmalen Schlucht verschwunden, und selbst das Dröhnen ihrer schweren Fußstapfen begann mehr und mehr in der Stille des Zwielichts zu verhallen.

Odais Aufmerksamkeit war derart angestrengt auf den sich entfernenden Kagouti gerichtet, daß ihm viel zu spät erst auffiel, was sein hochgewachsener Begleiter vorhatte - und auch Hinama-Den zischelte seine entsetzte Warnung hervor, als der Speerträger bereits einen Satz über den Scheitel des Felsens getan hatte und unter verräterischem Rumpeln den Abhang hinabrutschte.

"N'chow!(5)" fluchten die beiden im Duett ... um ihrem lebensmüden Gefährten einen Herzschlag später hinab in die Schlucht der Bestie zu folgen.



Zitat


(1) Ku'ilm hij ...?
Und jetzt?
(wörtlich: Was nun ...?)

(2) Ku'elm ohn reste'ag yi sho ujil ot foyada?
Bist du mit dem Kopf irgendwo gegengelaufen?
(wörtlich: Wann hast du deinen Kopf in eine Feuerspalte gesteckt?)

(3) Kili'Shud
Rotzahn

(4) Almardi!
Schweig!
(wörtlich: Stille!)

(4) N'chow!
Verdammt!

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Aykami (11.08.2020), Rae (11.08.2020)