Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: The Elder Scrolls Online Rollenspiel-Community Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Rae

Denker

  • »Rae« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 401

Gilde: Faroth Tong

Allianz: Ebenherz-Pakt

  • Nachricht senden

1

Montag, 13. Juli 2020, 17:32

Wiedergeburt

((OOC-WARNUNG: Wer ein schwaches Gemüt und Magen hat, sollte diese Geschichte nicht lesen. Es wird blutig.))

Zweite Ära, irgendwann zwischen den Jahren 350 und 390. Vvardenfell.

Bereits seit einigen Tagen verfolgte er sein Ziel. Seit der schmächtige Dunmer, der wohl jemanden äußerst verärgert hatte und sich den Tod redlich verdient hatte, in Balmora angekommen war, beobachtete er ihn bereits. Er verfolgte jeden Schritt des Dunmers, war da, wenn er das Gasthaus betrat und wenn er es wieder verließ, erforschte seinen Tagesrhythmus, mit wem er sprach und mit wem er sich traf und folgte ihm weiter, als er die Stadt verließ und eine lang andauernde Reise in Richtung des brodelnden Zentrums der Insel antrat.
Sein Ziel bemerkte ihn scheinbar nicht. Nichts deutete darauf hin, dass der Dunmer ahnte, verfolgt zu werden, auch wenn er vorsichtig agierte und mehrere umständliche Umwege in Kauf nahm auf seinem Weg gen Roten Berg. Oft genug hatten sich perfekte Gelegenheiten für einen Zugriff geboten, doch die Anweisungen des Großmeisters waren klar und eindeutig gewesen. Die Hinrichtung durfte nicht stattfinden, bevor Nys nicht den Namen desjenigen herausgefunden hatte, unter dessen Befehl sein Ziel stand. So musste er sich ruhig und unauffällig verhalten, sich auf die Beobachtung beschränken und sich weit hinter seinem Ziel durch die unwirtlichen, lebensfeindlichen Aschlande Vvardenfells schlagen. Je näher er dem roten Berg kam, desto dichter und unangenehmer wurde die Luft und zunehmender Ascheregen erschwerte die Sicht, auch wenn die Augen des Dunmers von Linsen geschützt wurden, die ein wenig an Insektenaugen erinnerten. Das Atmen fiel ihm ebenso zunehmend schwerer, trotz - oder gerade wegen - des schützenden Stoffes, den er sich um die untere Gesichtshälfte gebunden hatte.

Im Schutze eines Felsens, der im Grunde nichts anderes war als ein großer Klumpen erstarrter Lava, hockte er nun und spähte angestrengt in Richtung eines Felsspaltes, in dem sein Ziel verschwunden war. Ein Felsspalt, der eine etwas zu regelmäßige Form aufwies und sich bei näherer Betrachtung tatsächlich als gemeißelter Vulkanstein herausstellte und mehr die Form eines sehr kleinen Tores beschrieb. Die Form, in die der Stein geschlagen worden war, erinnerte Nys an die vielen daedrischen Ruinen, welche überall auf Vvardenfell zu finden waren. Relikte einer Vergangenheit, in der noch keine falschen Götter das Land fest im Griff hatten. Angestrengt verengte Nys die Augen hinter den schützenden Linsen. Die Sicht war wahrlich schlecht, der Ascheregen schien immer dichter zu werden und das Grau des Himmels verschmolz mit dem Grau des Roten Berges im Hintergrund. Der Unterschied zwischen Himmel und Boden war nur marginal an verschiedenen Nuancen von ewigem Grau und Schwarz auszumachen und der Zugang, welcher offenbar zu Ruinen innerhalb des Gebirges führte, war hinter dem Schleier aus Asche kaum noch zu erkennen. Der Dunmer beschloss, sich näher heranzupirschen. Der Zugang schien nicht bewacht zu sein, nirgends war ein Zeichen von bewaffneten Wachen oder überhaupt von irgendwelchem Leben zu entdecken. Vorsichtig setzte der Vermummte sich in Bewegung und schob sich beinahe lautlos durch die Ascheschicht, die langsam aber stetig immer höher zu werden schien und seine Schritte zusätzlich dämpfte. Mit jedem Schritt stellte Nys fest, dass er dem Felsspalt doch näher gewesen war, als er zunächst geschätzt hatte, und so dauerte es nur wenige Sekunden, bis er sich im Schutz des behauenen Steines wiederfand, mit direktem Blick auf den runden Zugang zum Inneren des Berges. Langsam senkte er die Hände an seine Dolche, als er sah, dass die runde, von Metall eingefasste Tür einen kleinen Spalt weit offen stand.

Der Angriff kam selbst für den erfahrenen Assassinen viel zu schnell. Er zog seinen Dolch aus purem Reflex viel zu spät, als er schon von Händen gepackt und in die Dunkelheit geworfen wurde. In der gleichen Sekunde, er war noch gar nicht auf dem Boden aufgeschlagen, wurde ihm der Helm vom Kopf und sein Schal mit einem unglaublich schnellen Ruck vom Hals gerissen und kaum, dass er mit einem leisen Knacken des Chitins seiner Rüstung derart hart auf den Boden traf, dass es ihm die Luft aus den Lungen presste, spürte er einen stechend brennenden Schmerz an seiner Halsseite. Sein Körper reagierte völlig automatisch, wie es ihm über Jahre der Ausbildung in Fleisch und Blut eingetrichtert worden war, und rollte sich hastig seitlich weg, den Dolch in einem krafvollen Bogen um sich führend. Jeder normale Angreifer hätte mindestens von der Klinge gestreift werden müssen, doch der Streich durchschnitt nichts anderes als abgestandene, staubige Luft.
Angestrengt starrte Nys in die Dunkelheit, die nur durch das graue, fahle Tageslicht ein wenig erhellt wurde, welches durch den offenen Durchgang hereinfiel und aufgewirbelte schlieren von Asche und Staub beleuchtete. Es war vollkommen still, einzig sein eigener Atem dröhnte hektisch in seinen Ohren. Was auch immer ihn angegriffen hatte, war fort und hatte nur einen stechenden Schmerz und ein nasses, warmes Gefühl an seinem Hals hinterlassen.

Vorsichtig tastete Nys nach der Wunde und betrachtete das Blut, das an seinen Fingerspitzen klebte. Es war nicht viel, die Verletzung konnte somit nicht allzu groß und tief sein und so suchte er den Boden im spärlichen Licht nach dem Tuch ab, das ihm entrissen worden war, um es fest um seinen Hals zu wickeln. Seinen Dolch behielt er lieber in der Hand, bereit sich zu verteidigen, sollte ihn erneut etwas aus der Finsternis attackieren, während er sich an den schwarzen Felswänden des Ganges, der sich vor ihm öffnete, entlangschob. Jeder Meter, den er hinter sich brachte, ließ ihn tiefer in die Dunkelheit eintauchen, bis das einfallende Tageslicht der Tür sie nicht länger durchdringen konnte und ihm gänzlich die Sicht geraubt wurde. Sich auf seine übrigen Sinne verlassend, schob Nys sich weiter den Gang entlang und noch immer umfing nicht nur tiefe Finsternis, sondern auch eine ohrenbetäubende Stille ihn. Die einzigen leisen Geräusche, die an das Schaben von Insektenpanzern erinnerten, verursachte er selbst durch seine vorsichtigen Bewegungen.
Eine kleine Ewigkeit schien zu vergehen, bis er weit vor sich ein schwaches, diffus bläuliches Schimmern ausmachen konnte, auf das er seinen Fokus richten konnte. Doch kam er nicht weit, nach nur wenigen weiteren Schritten fühlte er, wie seine Knie ein wenig weich wurden und sein Gleichgewichtssinn ihn im Stich ließ. Der Schwindel kroch erst nur langsam in seinen Kopf, bis er sich plötzlich taumelnd an der Wand des Ganges abstützen musste, um nicht zu Boden zu stürzen. Er blinzelte und schüttelte den Kopf, doch das schwindelige Gefühl wollte nicht weichen. Die Erkenntnis schnitt sich durch seinen Verstand wie ein glühendes Messer: Er war vergiftet worden.

Kaum, dass ihn diese Erkenntnis getroffen hatte, weichten auch seine Gedanken auf und wurden zu einem unstet plätschernden Strudel, der ihm schlagartig jede Fähigkeit zur Konzentration nahm und seinen Geist betäubte. Ein bleiernes Gefühl von Schwäche und Erschöpfung kroch in seine Glieder und er hörte sich selbst leise stöhnen, als er unaufhaltsam an der Wand entlang zu Boden rutschte, ohne etwas dagegen tun zu können. Ein leises Klirren verriet, dass ihm der Dolch aus der Hand glitt, die nicht einmal mehr die Kraft aufbringen konnte, selbigen zu halten, geschweige denn den langsamen Sturz des Dunmers abzufangen. Kein klarer Gedanke war mehr zu fassen und die Dunkelheit, die Nys umgab, schien regelrecht in seinen Geist zu sickern und ihn auch dort zu umfangen. Unaufhaltsam, ganz egal, wie sehr er sich unter Aufgebot all seiner Willenskraft dagegen stemmte. Das Gift wirkte offenbar schnell und dem Dunmer wurde klar, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Und schlimmer noch: Dass er rein gar nichts dagegen tun konnte. Es verlangte all seine verbliebene Kraft, um nur den Kopf zu drehen und in Richtung des seltsamen blauen Schimmerns zu blicken und zu sehen, wie ein Schatten sich vor dieses Schimmern schob und es schlussendlich zu einem großen Teil verdeckte, größer und größer wurde, bis das Schimmern schließlich gänzlich verschwunden war.

To be continued...
---------------------------

"Reach heaven by violence, then."

Enslaving N'wah since 2016



Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Rae« (3. August 2020, 23:40)


Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Exorbitanz (13.07.2020), Spiffypurse (13.07.2020), Aykami (03.08.2020), Corentin (08.08.2020)

Rae

Denker

  • »Rae« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 401

Gilde: Faroth Tong

Allianz: Ebenherz-Pakt

  • Nachricht senden

2

Montag, 3. August 2020, 15:45

Nys spürte, wie er an den Armen gepackt und halb auf die Beine gezerrt wurde, doch fehlte ihm jede Kraft, sich gegen die eisernen Griffe zu wehren. Es mussten lebende Wesen sein, die ihn gepackt hatten und nun mit sich durch den finsteren Gang schleiften, zumindest klammerte er sich an diesem Gedanken fest. Auch wenn die einzigen Geräusche, die an seine Ohren drangen, das Schleifen seiner eigenen Stiefel über den felsigen Untergrund waren und sein Atem, der schwer und unregelmäßig die stickige Luft in seine Lungen saugte. Die Gestalten, die ihn mit sich zogen, gaben keinerlei Geräusch von sich, keinen Atemlaut, kein Knirschen von Steinchen unter ihren Schritten, nichts. Sein Kopf fühlte sich schwer wie Blei an und nur kurz schaffte er es, den Blick halb zu heben, um zu erkennen, dass er auf das blaue Schimmern zugeschleppt wurde. Noch immer konnte er nicht erkennen, was genau dieses blasse Licht verursachte. Leise stöhnte er vor Schmerz, als er einfach auf den Boden fallen gelassen wurde und unsanft mit dem Kopf aufschlug, unfähig, den Sturz auch nur ansatzweise abzufangen. Sein gesamter Leib versagte ihm den Dienst und er fühlte sich so gräßlich erschöpft, dass er sich die erleichternde Bewusstlosigkeit bereits herbeisehnte. Doch sie kam nicht.
Allein das Echo seines Aufpralls am Boden gab ihm den Hinweis, dass er sich in einer größeren Höhle oder Halle befinden musste. Selbst seine Augen wollten ihm nicht mehr so recht gehorchen und ließen nur verschwommene Bilder seiner Umgebung zu. Auch die allgegenwärtige Dunkelheit und der Schwindel, der seinen Geist gnadenlos im Griff hielt, machten es ihm nicht eben leichter, zu erkennen, wo genau er war.

"Wir müssen unsere Reihen stärken...!"

Nur dumpf, als wären seine Ohren vollgestopft mit Asche, drangen Stimmen durch Nys' Wahrnehmung. Mindestens zwei Wesen sprachen miteinander und sie waren offenbar der dunmerischen Sprache mächtig. Es klang nach einer hitzigen, gezischten Diskussion, deren Inhalt der halb bewusstlose nur schwer folgen konnte, so sehr er sich auch anstrengte zu lauschen.
"...Tong?! Wenn sie herausfinden..."
"...tot halten..."
"...sicher, dass Ihr das wollt?!"

Es waren nur noch Fetzen, die er von der Debatte hören konnte, die sich gedämpft und wie in weiter Ferne für ihn anhörte und sich immer weiter zu entfernen schien. Nys versuchte, sich zu bewegen, wenigstens zu kriechen, doch war er nicht in der Lage, auch nur einen Finger zu rühren.

"Ich gebe zu, Mephala eines ihrer Kinder zu entreißen, hat einen gewissen Reiz."

Innerlich fuhr Nys erschrocken zusammen ob der kalten, gnadenlosen Stimme, die plötzlich direkt an seinem Ohr zu hören war. Mehr als ein Ächzen konnte er jedoch nicht zur Antwort geben, als sein Kopf an den kurzen Haaren mit einem brutalen Ruck weit in den Nacken gerissen wurde. Der Schmerz explodierte regelrecht an seinem Hals, als sich etwas tief durch die Haut grub und ihm einen gellenden Schrei entlockte, der in einem gurgelnden Röcheln endete. Verzweifelt versuchte er, sich aufzubäumen und das, was ihm fast die Kehle herauszureißen schien, von sich zu stoßen, doch noch immer lähmte das Gift seine Glieder und er blieb dem Geschöpf hilflos ausgeliefert, das seinen Kopf gnadenlos in den Nacken drückte und den brennenden Schmerz bis zur unerträglichkeit aufrecht erhielt. Blankes Entsetzen kroch in seinen Geist, als er spürte, dass ihm das Blut ausgesaugt wurde und mit ihm jede verbliebene Lebenskraft. Das Atmen fiel ihm immer schwerer und jeder Atemzug wurde zu einer Qual und einem einzigen Kampf, während ihm das Leben gestohlen wurde.
Kurz bevor er starb ließ das Wesen abrupt von ihm ab und seinen Kopf zurück zu Boden fallen, wie ein Kind, das sein Spielzeug aus einem plötzlichen Anfall von Desinteresse heraus fallen ließ.

"Legt ihn dort auf den Altar."

Es war dieselbe eiskalte Stimme, die zuvor direkt an seinem Ohr gesprochen hatte, die er als letztes hörte, bevor gnädige Schwärze seinen Geist umfing und er einen letzten, verzweifelt rasselnden Atemzug tat.

To be continued...
---------------------------

"Reach heaven by violence, then."

Enslaving N'wah since 2016




Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Aykami (03.08.2020), Spiffypurse (03.08.2020), Exorbitanz (03.08.2020), Corentin (08.08.2020)

Rae

Denker

  • »Rae« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 401

Gilde: Faroth Tong

Allianz: Ebenherz-Pakt

  • Nachricht senden

3

Montag, 3. August 2020, 23:11

Der Ascheregen hatte gerade aufgehört, als Nys eilig in die heimelig dämmerige Dunkelheit der Gildenhalle schlüpfte und sich das staubige Grau von der Rüstung schüttelte. Er achtete peinlichst genau darauf, die Asche nicht gleich im gesamten Raum zu verteilen, sondern sie möglichst auf seine direkteste Umgebung zu begrenzen, damit er sie anschließend selbst zurück ins Freie kehren konnte. Sauberkeit war wichtig in dieser Halle. Seine Dolche hatte er zuvor bereits vom Blut des ausgeführten Schriebes gereinigt und nun sehnte er sich nach einem ausgiebigen, reinigenden Bad. Doch zuvor hatte er den ehrwürdigen Meister aufzusuchen, um Bericht zu erstatten und die korrekt durchgeführte Hinrichtung zu bestätigen. Eine lästige, aber doch äußerst wichtige Pflicht, bei der es nicht von Relevanz war, dass er erschöpft war von der tagelangen Verfolgung seines Ziels durch die unwirtlichen Aschlande. Die Rückmeldung und Berichterstattung musste unverzüglich nach der Rückkehr durchgeführt werden, koste es was es wolle. So trugen ihn seine leicht schmerzenden Beine zur Halle des ehrwürdigen Meisters, vor dem er auf ein Knie sank und seine Pflicht erfüllte.

Als Nys sich anschließend endlich in das dampfende, warme Wasser des Bades sinken ließ, erlaubte er sich einen gedehnten und erleichterten Seufzer. Seine Muskeln schmerzten und begrüßten die Entspannung des wohltuenden Bades, dessen Wärme ihn wie die schützenden Arme einer Mutter umfing. Der Mer schloss die Augen und legte den Kopf zurück auf den Rand des Zubers, um ein wenig zu dösen und die Ruhe nach all der Anstrengung zu genießen.
Er musste wohl irgendwann eingeschlafen sein, denn ein diffuses Gefühl von Kälte ließ ihn nach einiger Zeit aufschrecken. Träge blinzelte er in die Dunkelheit, die ihn umgab. Die Kerzen mussten bereits abgebrannt sein, bis auf ein paar wenige, die den Kampf gegen die Finsternis noch nicht aufgegeben hatten, und das Wasser war bereits unangenehm abgekühlt. Mit einem leisen Grummeln räkelte Nys sich, um die steifgewordenen Gliedmaßen zu lockern und sich aus dem kalten Wasser zu stemmen. Er erstarrte, als er schließlich in dem Zuber stand, die Hände noch an den Rändern und den Blick nach unten gerichtet. Es war kein Wasser mehr in dem Zuber.

Nys stand bis zu den Knien in Blut. Kaltes, aber dennoch zähflüssiges Blut, das seinen gesamten Körper benetzte und wie dünner Teer an seiner Haut klebte.
Sein eigenes Blut gefror ihm in den Adern, als er langsam den Blick hob und erkannte, dass der Baderaum voller Körper war. Körper seiner Brüder und Schwestern, der Meister und der Eingeweihten, die den Boden vollständig bedeckten und ausnahmslos alle grauenhaft zugerichtet waren. Nicht nur der Badezuber, in dem der Dunmer noch immer erstarrt stand, war voller Blut, auch die Leichen und die Wände des Raumes waren über und über mit Blut bedeckt. Kaltes Grauen wanderte seine Wirbelsäule hinauf, als er keuchend die Leichen betrachtete.
Leichen, deren Blicke sich mit einem Ruck in perfekter Synchronität auf ihn richteten und ihn aus leeren, schwarzen Augenhöhlen stumm anklagend anstarrten. Selbst die Köpfe jener Toten, die ihm den Rücken zuwandten, waren auf unnatürliche Weise in seine Richtung verdreht.

Schreiend und schweißgebadet fuhr Nys in seinem Bett in seinem Quartier der Gildenhalle auf.

Erste Nacht.


To be continued...
---------------------------

"Reach heaven by violence, then."

Enslaving N'wah since 2016




Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Aykami (03.08.2020), Exorbitanz (04.08.2020), Spiffypurse (04.08.2020), Corentin (08.08.2020)

Rae

Denker

  • »Rae« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 401

Gilde: Faroth Tong

Allianz: Ebenherz-Pakt

  • Nachricht senden

4

Montag, 3. August 2020, 23:59

((OOC-WARNUNG: Blood & Gore.))

Das Grauen des vergangenen Traumes saß ihm noch in den Knochen, während er mit weit aufgerissenen Augen in die Dunkelheit seines Quartiers starrte. Er hörte sein eigenes Herz in seinen Ohren pochen, spürte, wie es gegen seinen Brustkorb hämmerte, als wolle es herausspringen und vor dem grässlichen Traum fliehen. Die kurzen, weißen Haare klebten schweißnass an seiner Stirn. Es gab nicht viel, was ihn als Eingeweihten der Morag Tong noch erschrecken konnte, schon gar nicht der Anblick des Todes, doch hatte der Traum etwas in ihm angerührt und hervorgeholt, das ihn reines, kaltes und namenloses Entsetzen spüren ließ. Die Blicke der Toten, die leeren, blutüberströhmten Augenhöhlen, die in unsäglicher Pein verzerrten und entstellten Gesichter... Nys war sich sicher, dass er dieses Bild niemals wieder aus seinen Erinnerungen verbannen können würde. Auch wenn es nur ein Alptraum war, hatte es sich viel zu real angefühlt.
Zitternd schob er die schweißgetränkte Decke von seinen Beinen, um sich selbst aus dem Bett zu schieben. Der Traum hatte ihm mehr zugesetzt, als er sich selbst eingestehen wollte und für einen Moment musste er sich am nahen Nachttisch abstützen, um nicht zu Boden zu stürzen. Noch immer zitterte er am ganzen Leib wie Espenlaub und seine Knie fühlten sich an, als bestünden sie aus Skribgelee.

"Daesohn...?"*

Die warme und weiche Stimme, die an seine Ohren drang, ließ ihn den Blick heben zu der Dunmer, die sein Quartier betreten hatte, eine Kerze in der Hand, und ihn betrachtete. Sorge stand in dem mütterlichen Blick der Frau, offenbar hatte sie die Schreie Nys' gehört. Nys war erleichtert, sie lebend zu sehen, auch wenn sich für einen kurzen Moment der Anblick ihrer Leiche aus dem erlebten Traum über seine Wahrnehmung drängte. Ein gequältes Lächeln zwang er aus sich heraus, er wollte ihre Sorge nicht noch weiter schüren, und vorsichtig schob er sich fort von seinem Bett. In seinem Hals steckte ein Kloß und er sehnte sich nach nichts anderem als Trost in den Armen der Eingeweihten. Vorsichtig streckte er eine Hand in ihre Richtung, Halt suchend, und öffnete den Mund, um ihr zu sagen, dass es nur ein Traum gewesen war.

Würgend und nach Luft ringend sackte er auf die Knie. Ein unsäglicher Schmerz schoss durch seine Eingeweide, als hätte er tausende spitze und scharfe Glassplitter verspeist. Nys bekam keine Luft und erneut musste er würgen, was schlussendlich in einem fürchterlichen Hustenkrampf und dem aushusten zäher, schleimiger Flüssigkeit endete. Auf allen Vieren kniete er am Boden und japste keuchend nach Luft, bevor das nächste krampfhafte Würgen ihn beinahe gänzlich zu Boden zwang.
Ungläubiges Entsetzen breitete sich erneut in seinem Geist aus, als er das, was er dort erbrochen hatte, sah.
Ein schleimiges Gemisch aus Blut und seltsamen Brocken, von denen er lieber nicht genau wissen wollte, was es war. Und in diesem widerlichen Brei bewegten sich kleine weiße Punkte. Es waren Maden.

Schreiend und schweißgebadet fuhr Nys in seinem Bett in seinem Quartier der Gildenhalle auf.

Zweite Nacht.


((*Daesohn = Bruder ))

To be continued...
---------------------------

"Reach heaven by violence, then."

Enslaving N'wah since 2016




Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Aykami (04.08.2020), Exorbitanz (04.08.2020), Spiffypurse (04.08.2020), Corentin (08.08.2020)

Rae

Denker

  • »Rae« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 401

Gilde: Faroth Tong

Allianz: Ebenherz-Pakt

  • Nachricht senden

5

Dienstag, 4. August 2020, 17:20

Der Schrei war nur dumpf und kaum hatte Nys seinen Mund geöffnet, bekam er das Gefühl, zu ersticken. Er schmeckte faserigen, groben Stoff und obwohl er die Augen weit geöffnet hatte, konnte er nichts sehen. Völlig verwirrt und verängstigt wollte er den Stoff von seinem Gesicht ziehen, doch konnte er seine Arme nicht bewegen. Keuchend nach Luft schnappend, versuchte er sein rasendes Herz zu beruhigen und die aufkommende Panik niederzukämpfen. Er musste nachdenken, musste sich orientieren und überhaupt erst einmal herausfinden, was mit ihm los war. Er spürte konzentriert nach, das Einzige, das ihm ohne Augenlicht und Bewegungsfähigkeit blieb. Nys spürte den Stoff nicht nur in seinem Mund, als er atmete, er konnte das rauhe, unangenehme Kratzen der Jute an seinem gesamten Leib spüren. Er musste nackt sein.
Seine Hände konnte er auf seiner Brust spüren, die Arme waren überkreuzt auf seinen Leib gelegt worden.

Wie bei einem Toten.

Und dennoch konnte er sich nicht bewegen. Mit wachsendem Schrecken dämmerte Nys, warum dem so war: Man hatte ihn in einem Jutesack fest verschnürt. Zeit, diese Erkenntnis zu verarbeiten und sich zu konzentrieren, blieb ihm jedoch nicht. Plötzlich spürte er, wie er gepackt und angehoben wurde, als sei er nur ein Sack Mehl, und recht unsanft auf einen sehr harten Untergrund fallen gelassen wurde. In panischem Reflex windete er sich und versuchte verzweifelt, zu strampeln und zu schreien, dass er nicht tot war, doch der Stoff schien regelrecht in seinen Hals zu kriechen und jeden Laut in seiner Kehle zu ersticken. Auch seine Bewegungen wurden gänzlich ignoriert, niemand befreite ihn aus dem verschnürten Sack.
Es vergingen nur wenige Minuten, in denen er in vollständiger Stille auf hartem Stein lag, unfähig sich zu bewegen oder gar zu befreien, bis blankes Entsetzen und Panik sich seiner endgültig bemächtigte und jeden rationalen Gedanken auslöschte. Er hörte das Prasseln, bevor er die Ursache dafür zuerst an seinen Beinen spürte. Beißender Schmerz fraß sich in seine Haut, als der Stoff des Sackes, in den er eingewickelt war, angezündet wurde, und wanderte quälend langsam seine Beine hinauf. Nys wollte schreien, doch stellte er mit Entsetzen fest, dass er seinen Mund nicht öffnen konnte. Es war nicht die Jute, die sich zwischen seine Lippen drängte und seine Schreie erstickte, denn seine Lippen waren wie zugeklebt. Hastig und mit verzweifelten Rucken schaffte er es, seine Hände zumindest soweit nach oben in Richtung seines Kopfes zu quetschen, dass er mit den Fingerspitzen nach seinem Mund tasten konnte.

Doch war da kein Mund mehr. Wo eigentlich ein schreiend aufgerissener Mund hätte sein sollen, war nichts als glatte Haut.
Stumm schrie er sich die Seele aus dem Leib, während sein Verstand brach und nur noch Wahnsinn übrig blieb, geschürt von der Pein, die das Feuer verursachte, das nach und nach seinen gesamten Leib einhüllte und verschlang, ohne ihm die Gnade zu gewähren, das Bewusstsein zu verlieren. Wäre sein Mund nicht fort gewesen, wären die Schreie des Gequälten wohl nicht weniger als ein grässlichen Kreischen gewesen, so aber blieb nur das Tosen des Feuers, das in den Ohren des Dunmers dröhnte.

Dritte Nacht.


To be continued...
---------------------------

"Reach heaven by violence, then."

Enslaving N'wah since 2016




Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Spiffypurse (04.08.2020), Exorbitanz (04.08.2020), Aykami (05.08.2020), Corentin (08.08.2020)

Rae

Denker

  • »Rae« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 401

Gilde: Faroth Tong

Allianz: Ebenherz-Pakt

  • Nachricht senden

6

Freitag, 7. August 2020, 15:11

Nys riss die Augen auf und saugte rasselnd Luft in seine Lungen. Dieser eine Atemzug schmerzte so sehr, dass es ihm einen gepeinigten Schrei entlockte und seinen Leib sich zur Seite rollen und zusammenkrümmen ließ. Er hielt den Atem an, wagte es zunächst nicht, noch einmal Luft zu holen, die er doch eigentlich so dringend benötigte. Er fühlte sich, als hätte er stundenlang nicht geatmet und sich noch viel länger nicht bewegt. Seine Glieder fühlten sich steif an und seine Muskeln schmerzten, wie der Rest seiner Eingeweide. Selbst seine Zähne pochten, als seien sie verfault und kurz davor, auszufallen und seine Augäpfel fühlten sich an, als würden sie von innen zerquetscht. Keuchend schnappte er erneut nach Luft und diesmal war der dumpfe Schmerz der Lungen erträglich. Mit halb geöffnetem Mund, den er nicht zu schließen wagte aus Angst, seine Zähne würden dabei einfach zersplittern, blieb er leise wimmernd eine Weile auf dem harten Stein liegen, die Pein aushaltend und abwartend, bis sie endlich abebbte und erträglicher wurde.

"Ah, du bist erwacht."

Die kalte Stimme, die in seiner Nähe sprach, kam ihm vage bekannt vor und mühsam hob er den Blick, nach dem Ursprung dieser Stimme suchend, dabei über die Umgebung wankend. Nys stellte verwirrt fest, dass er sehen konnte. Er konnte nicht nur undeutliche Umrisse erkennen, nein, er konnte alles, was sich in der Halle befand, deutlich sehen obwohl nirgendwo Lichtquellen in der Dunkelheit auszumachen waren. Er sah, dass ein Mensch vor ihm stand, ein hochgewachsener Mann von unnatürlicher Blässe und roten Augen, die trotz der Finsternis von innen heraus zu glimmen schienen. Im Hintergrund konnte er weitere Personen ausmachen, die ihn still beobachteten und von ähnlicher Blässe und Augenfarbe waren und allesamt Menschen zu sein schienen.
Nys war verwirrt, nur langsam kamen die Erinnerungen daran, wo er war und was er vor der Bewusstlosigkeit getan hatte, zurück. Ebenso die Erinnerungen an die Alpträume, die ihn neuerlich schaudern und daran zweifeln ließen, diesmal wirklich aufgewacht zu sein. Dennoch fühlte sich die Realität nun anders an, auch wenn die Träume sich sehr real angefühlt hatten. Diesmal war es anders. Mit jeder Sekunde wurde er sich sicherer, dass er nicht träumte, auch wenn er es sich mehr und mehr wünschte.
Der Dunmer wurde sich gewahr, dass er noch immer auf einer Steinplatte lag, die einer Art Altar ähnelte und je mehr der Schmerz in seinem Leib abebbte, desto mehr spürte er, wie ausgetrocknet seine Kehle sich anfühlte und wie sehr der Durst brannte.
"Wasser..." krächzte er heiser und stemmte sich mühsam von der Steinplatte auf. Ein kaltes, amüsiertes Lachen war die Antwort auf seine Bitte.

"Es ist nicht Wasser, das du brauchst..."


Nys konnte mit dieser Antwort nicht so recht etwas anfangen und schob seine Beine von dem Altar, doch versagten sie ihm den Dienst. Er spürte, wie jemand ihn am Arm packte und so verhinderte, dass er gänzlich zu Boden stürzte. Es war der Mensch, der vor einem Wimpernschlag noch vor ihm gestanden hatte und ihn nun an der Seite stützte. Wie war er so schnell...?!
Gänzlich verstört starrte der Dunmer den Menschen an, der nicht viel kleiner als er selbst war und von so schlanker Statur, dass man nicht von ihm erwarten konnte, das Gewicht des Dunmers mit nur einer Hand am Arm tragen zu können. Und doch konnte er es.

"Du musst trinken, um zu Kräften zu kommen." raunte der Mensch ihm entgegen, ihm direkt in die Augen sehend. Nys schauderte unter dem Blick des Mannes. Das leicht glimmende Rot seiner Augen war zugleich derart finster, als könne er direkt in die Seele des Mers blicken und sie allein mit seinem Willen zerreißen. Es lag eine Boshaftigkeit und Wildheit in diesen Augen, die Nys innerlich frieren und fliehen wollen ließ. Doch konnte er sich nicht rühren, als wäre er ein Bantamguar vor einer Sepnatter.

Der metallische Geruch schlug Nys derart heftig entgegen, dass er im Griff des Mannes leicht taumelte und es ihm schwindelte. Er wusste sofort, dass er Blut roch und das in einer Intensität, als hätte man von einer Sekunde auf die andere die ganze Halle mit dem Lebenssaft getränkt. Benommen blinzelnd drehte er den Kopf auf der Suche nach der Ursache des Geruches, doch konnte er erkennen, dass sich nirgendwo in der Halle Blut befand. Der Raum war gänzlich sauber. Erst, als sein Blick auf einen anderen Dunmer fiel, der zuvor nicht dort gewesen war, und jetzt halb bewusstlos in den Griffen zweier anderer Menschen hing, erkannte er, dass der überwältigende Duft von der geradezu winzigen Wunde am Arm des Dunmers ausging. Es war nur ein kleiner, oberflächlicher Schnitt, der kaum blutete, doch zog dieser Schnitt Nys' gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Wie gebannt starrte er die rote Flüssigkeit an, die in einem einzigen, dünnen Rinnsal über den Arm und die Hand des Dunmers lief und einen Duft verbreitete, der Nys schier den Verstand raubte. Nach und nach wurden seine Gedanken ausgelöscht und alles in ihm richtete sich darauf aus, an dieses Blut heranzukommen. Es sah so schön aus und es duftete so herrlich...
Und er hatte schrecklichen Durst. Kalter Schrecken jagte durch seinen Körper und Geist, als er die Bedeutung der Worte des Mannes, der ihn hielt, verstand, doch war es zu spät.

Er verlor die Kontrolle.

To be continued...
---------------------------

"Reach heaven by violence, then."

Enslaving N'wah since 2016




Es haben sich bereits 4 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Aykami (07.08.2020), Exorbitanz (07.08.2020), Spiffypurse (07.08.2020), Corentin (08.08.2020)