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Slanion

Novize

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  • »Slanion« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 25

Gilde: Blut und Asche

Allianz: Ebenherz-Pakt

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Freitag, 7. September 2018, 13:20

Wein im Mondschein

"Ein wunderschöner Vollmond, nicht wahr? Zu dumm, dass du damit nicht viel anfangen kannst, alter Mann... Hä? Der andere? Ja, auch nicht übel... Masser... Der Große, der allen die Schau stiehlt, während Secunda nur klein daneben hängt... Schon komisch, wie etwas für uns so großes dennoch kleiner als etwas noch größeres sein kann..."

Warum führe ich dieses Gespräch? Mein Blick klebt am Himmelszelt. Es ist eine dieser Nächte in denen der Himmel nicht bedeckt ist von Rauch und umher wirbelnder Asche des roten Berges. Als wären die Sterne uns heute einmal mehr gut gesonnen. Ein tiefer Luftzug der kühlen Nachtluft erfüllt meine Lungen, als ich die Augen schließe. Nur um von dem süßlichen herben Geschmack der Branntweins erstickt zu werden, den ich mir in den Rachen gieße. Guter Tropfen... Bekommt man nicht so oft. Mein Blick wandert wieder zu meiner Gesellschaft. Der alte Mer sitzt ruhig auf seinem Stuhl, Kopf und Rücken entspannt in der gepolsterten Lehne versunken. Ich setze den Krug ab und begutachte das Töpferwerk einen Augenblick lang. Eine gewellte Oberfläche, geschnitzt aus Chitin und versetzt mit einigen Edelsteinen die mich an Vulkanglas und Ebenerz erinnern. Möglicherweise kommt von letzterem das Gewicht. Das Chitin, welches den Großteil bildet wäre im Leben nicht mit einem derartigen Gewicht behaftet. Ich muss es wissen. Ein Teil meiner Kleidung ist schließlich mit Platten aus demselben Material besetzt. Während ich den Krug, abgestellt auf meinem Oberschenkel so hin und her drehe und das leise Zurren des darunter liegenden Stoffes durch die Dunkelheit seinen Weg sucht, erhebe ich erneut die Stimme.

"Weißt du... Ich war nicht immer so... Also, ein Förster wenn du verstehst? Aber manchmal fließt das Wasser eben doch den Odai hinauf statt hinab, wie man so schön sagt... Was ist mit dir? Musst ja auch schon einiges erlebt haben in deinem Leben. Hundertvierundfünfzig Jahre... Hab' nichtmal die Hälfte erreicht und fühl' mich trotzdem schon so alt wie dein Bart grau ist..."

Ich schließe im nächsten Moment die Augen. In der Dunkelheit, welche meinen Geist sanft umgarnt höre ich nur ein Flüstern. Es ist undeutlich wie eh und je, doch treten nach und nach Bilder vor mein Gesicht. Ebenso undeutlich wie das Flüstern. Schemenhaft. Und dennoch glaube ich, einzelne Worte daraus zu vernehmen. Alma. Ata. Komisch. Früher, als ich diese Worte vernahm fühlte es sich immer wie ein Stich in die Brust an. Heute? Heute wirkt das alles wie eine Erinnerung mit der ich abgeschlossen habe. Meine Augen öffnen sich wieder und wandern ruhig über den Balkon auf dem wir sitzen. Ist gar nicht mal so übel hier. Fast schon idyllisch. Über uns befindet sich eine dunkelrote Markise, welche jedoch schon bessere Tage gesehen hat. Die Ascheregen haben dem Stoff nicht gut getan und überall befinden sich schwarze Schlieren und Spuren des Inneren unseres schönen Landes. Vor mir ist ein einfacher Zaun aus schwarzem, teils rostigen Metall befestigt. War eigentlich kein Problem dort hinauf zu kommen... Abgesehen von der herausgebrochenen Sprosse die mich beim Festzurren des Wurfhakens fast erschlagen hätte. Aber so ist das nunmal, wenn man kein Freund von Haustüren ist. Mein Blick wandert wieder zu dem Alten und ich seufze schwer. Der Sessel auf dem er sich niedergelassen hat ist besetzt mit moosgrünen Polstern und dicken Messingnieten. Das Holz darunter ist sehr dunkel, vermutlich im Freien mit einer Mischung aus Alit-Fett, Pilzsaft und Netch-Gelee lackiert. Die Asche in der Luft und die Witterung haben dabei wohl ihr übriges getan. Und der Alte? Er hat seine besten Jahre schon hinter sich: Fast kahler Kopf, langer, grau-weißer Bart und die dürren Fingerknochen welche unter den weiten Ärmeln seiner burgund-roten Robe herausschauen lassen nur darauf schließen wie zerbrechlich der Körper darunter sein muss. Ich schnalze mit der Zunge. Tue ich selten. Im Gegensatz zu meiner Tochter. Nun, nicht meine eigentliche Tochter. Ich glaube, es sind ähnliche Umstände wie die meinen, die sie zu meiner Tochter gemacht haben. Schönes Mädchen. Starkes Mädchen. Haben sie gut erzogen, meine Gefährtin und ich. Mir entweicht ein Schmunzeln, als ich erneut die Augen schließe und an die beiden denke. Dann wandern meine roten, müden Augen zu dem Alten hin.

"Weißt du? Das seltsame am Schicksal ist, dass es einen nie danach fragt, wie man selbst gerne sein Leben leben, seine Bahnen lenken würde... Ob man überhaupt einen Grund vor die Nase gesetzt bekommen möchte, der einen diesen ungewollten Weg gehen lässt oder nicht. Schon klar: Ich bin ziemlich gut in meinem Beruf und sollte nicht jammern, aber niemand hat mich gefragt, ob ich ihn ergreifen wollte. Klar, damals hatt' ich keine Wahl und irgendwie war ich nicht wirklich daran interessiert, es dort zu etwas zu bringen. Ich sah keinen Grund darin, Prüfungen zu absolvieren wenn doch ohnehin klar war, dass ich besser als die anderen meines Jahrgangs war. Naja... Bis ich sie traf... Und meine Welt, wie ich sie zu akzeptieren gelernt hatte plötzlich ganz anders aussah..."

Ich nehme einen erneuten, kräftigen Schluck. Schade. Der Wein nähert sich dem Boden der Flasche. Dennoch, der Abend ist doch ganz beschaulich bisher. Dieses mal weicht der Branntwein wieder der kühlen Nachtluft als ich mich gegen den kalten Stein der Wand lehne, an der ich sitze. Die Beine angewinkelt und die andere Hand ruhig auf dem Knie abgelegt. Wundert mich, dass sie noch nicht eingeschlafen ist.

"Manchmal hat man in einem Zug plötzlich einen Grund, sich anzustrengen. Den Ernst im Leben zu finden der hinter Bildern der Vergangenheit, hinter besseren Zeiten hängt. N'chow... Das ist ziemlich tiefsinniger Scheiß, was? Grundgütiger, ich klinge schon wie einer dieser predigenden N'Wah vom Festland..."

Ich beginne zu schmunzeln und leere schließlich die Weinflasche in einem Zug, die der Alte mir vorhin angeboten hat. Als die Flasche schließlich leer ist, raffe ich mich unter einem erneuten Seufzen auf, strecke mich kurz bis auf die Zehenspitzen hoch zum Himmel und lasse die Schultern einige male kreisen. Ich werd' wohl nicht einrosten mit der ganzen Schreibtischarbeit? Hoffentlich nicht.

"War ein guter Schluck."

Seltsam. Meine Stimme klingt ein wenig resigniert. Ob das am Alkohol liegt? Oder an dem Monolog, den ich nun schon eine Weile geführt habe? Naja, was könnte der Alte denn noch groß dazu äußern?

"Nett von dir, dass du mir die Hälfte übrig gelassen hast, alter Mann. Hoffe du konntest deine noch genießen..." gebe ich noch von mir, während ich das Ettikett betrachte und die Flasche schließlich auf den Ebenholztisch neben dem Sessel abstelle. Im nächsten Moment, als einige Wolken an den Monden über Tamriel vorbeiziehen und ihr Licht sanft seinen Weg durch einige Löcher in der Markise sucht, beginne ich sanft zu lächeln als der dunkle Stahl kurz aufblitzt, der mir nur ach so vertraut ist. Ruhig lege ich die Hand auf das Heft des Schwertes, umschließe den Griff langsam mit meinen Fingern, ehe ich es aus dem Leib des Alten heraus ziehe. Hach, diese Geräuschkulisse als der Stahl sich schmatzend und mit diesem vertrauten Surren zwischen Sehnen, Blut und Organen des Alten heraus bahnt. So vertraut wie das Raunen des roten Berges. So abstrakt und doch vertraut. Während ich die Klinge vor mir ins Licht halte, leicht angewinkelt, damit das Blut zur Spitze hinablaufen und abtropfen kann hebe ich zaghaft einen Mundwinkel. Dieses Schwert, geschmiedet aus Ebenerz... Wie lange begleitet es mich schon? Mit einem Griff in den Schriftrollenbehälte an meinem Gürtel zücke ich den Schrieb und führe eine der Ecken des Papiers zur Spitze der Klinge. Komische Marotte, die ich mir angeeignet habe über die Jahre. Trotzdem ein schöner Beweis, dass meine Arbeit getan ist. "Tja... Was soll ich sagen, alter Mann? Möge Azura über dich wachen, wo auch immer du jetzt bist..." mit diesen Worten säubere ich die Klinge ruhig, fast schon routiniert am Ärmelsaum seiner Robe, ehe ich sie unter einem leisen Surren in die Scheide an meinem Gürtel zurück gleiten lasse. Als ich am Geländer stehen bleibe, blicke ich noch einmal über die Schulter und schnaube etwas wehleidig. Ich schenke ihm ein knappes Nicken.

"Wir seh'n uns..."

Die letzten Worte, ehe ich mit einem Satz vom Balkon springe, das Seil meines Wurfhakens ergreife und mich daran still und leise herunter lasse. Würden Schriebe doch nur öfter so... Friedlich verlaufen...

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Slanion« (7. September 2018, 15:38)


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