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Aliisa

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Montag, 16. April 2018, 12:09

Aliisa Malin Magnusson

Tabellarische Kurzfassung

Eigenschaft
Werte
VornamenAliisa Malin
NachnameMagnusson
optisches Alter16 - 18
Geburtsdatum21. Letzte Saat im Jahre 2Ä 581
21. August 2001
Augenfarbebraun, grüne Sprenkel
Gewichtetwas mollig
Größeklein (151)


Beschreibung

Aliisa ist ihrem Aussehen nach eine junge Erwachsene zwischen sechzehn und achtzehn, die schwierigen Jahre der Pubertät liegen wohl hinter ihr.

Ihre Haare sind blond, nicht goldblond oder rotblond, ein schlichtes, normales blond. Die Gesichtszüge sind fein geschwungen und harmonisch und lassen sie auf gewisse Weise reif wirken. Die braunen Augen und die ebenfalls dunklen Augenbrauen wollen auf den ersten Blick nicht zum nordisch blonden Typ passen. Auch ihre Hautfarbe wirkt nicht so nordisch hell, wie man es erwarten könnte, was aber natürlich auch von Wind und Wetter kommen mag.

Ihre Stimme klingt recht hell, ein Sopran, wenn auch nicht mehr sehr mädchenhaft. Sieht man sie in Bewegung, wirken ihre Schritte und ihre Haltung sicher, insbesondere außerhalb von Ortschaften. Ihre Haut wirkt feinporig und zart, allerdings sieht man den Händen an, dass sie mit ihnen regelmäßig arbeitet, die Feinheit der Haut erstreckt sich eher auf andere Bereiche wie Unterarme oder Wangen, was man so sehen kann.

Aliisas Wuchs ist klein, ihr Körper ist dabei sanft gerundet: Alle Körperformen sind ziemlich weiblich ausgebildet, im ganzen erinnert ihr Anblick ein bisschen an eine Violine. Aber nicht nur Po und Oberweite sind davon betroffen, auch ihr Bauch, Arme und ihre Schenkel sind leicht gerundet, ohne schwabbelig oder dick zu sein, was natürlich noch kommen könnte, oder aber auch nicht, je nachdem, wie sie sich weiter entwickeln wird. Eine Taille ist durchaus vorhanden, wenn auch nicht so schmal, wie bei manch dünnerem Mädchen.

Ihr eben nicht gertenschlanker Leib strahlt aber trotzdem eine fest umrissene Handfestigkeit aus. Sie wirkt kompakt und das Gesamtbild könnte durchaus gefallen, je nach Vorlieben des Betrachters natürlich. Ihr Gesicht wie auch ihre Haltung drücken oftmals die empfundene Lebensfreude aus. Sie wirkt in der Regel wach und aktiv.

Am Ringfinger der linken Hand trägt sie einen Silberring, eine dünne Ringschiene mit eingeprägten Blättern, oben drauf eine runde Fassung mit einem Brillanten. Der Diamant funkelt bei jedem einfallenden Lichtstrahl, klar hell und durchsichtig.

Am linken Handgelenk trägt Aliisa eine kurze Kette aus schwarzen und weißen Perlen, gelegentlich unterbrochen von kleinen, silbernen Schmuckteilchen. Unten baumelt an der silbernen Schließe an einer kurzen, ebenfalls silbernen Kette ein kleines, weißes Mammut.


Zum Namen
Aliisa ist (genau wie Malin) ein schwedischer (und wohl auch finnischer, wie ich später gesehen habe) Vorname und leitet sich von Alice ab. Auch der Nachname ist ein in Schweden recht häufig gebräuchlicher.

"Aliisa schräg von vorn"




"Aliisa im Kleid von vorn"




"Aliisa im Badetuch"




Aliisa

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Montag, 16. April 2018, 12:11

Vor drei Jahren

Vor drei Jahren

Aliisa duckte sich hinter dem wuchtig, aber fahrig langsam ausholenden Schlag hindurch, knallte dem betrunkenen Vater die Schüssel mit Kartoffeln, Gemüse und Geschnetzeltem samt wohlschmeckender Soße auf den Tisch, so dass es spritzte, und sprang zurück. Gerade rechtzeitig, um dem von einem Knurren begleiteten folgenden linken Haken zu entgehen.

Sie zog sich gen Haustür zurück, Löffel, Serviette und den Krug Dünnbier hatte sie ihrem Vater zum Glück schon vorher bereitgestellt gehabt. Als dieser ihr tapsig nachzukommen drohte, schlüpfte sie aus den großen, hölzernen Pantinen, schnappte sich ihre Stiefel vom Brett neben der Tür und floh barfuß nach draußen auf die Tenne und weiter durch die kleine, auf halber Höhe zweigeteilte Tür in dem riesigen, von außen grün gestrichenen Tor hinaus auf den Hof. "Aliiiiiiisa Malin Magnusson! Wenn ich dich zu fassen kriege...!" brüllte es hinter ihr her, ihr Vater zog ihren Namen in die Länge, als habe er mindestens fünf is und nicht nur zwei. Sie rannte rechts um die Hausecke und lehnte sich mit klopfendem Herzen gegen die Hauswand, deren abblätternde Farbe dringend einmal einen neuen Anstrich brauchen würde. Rechts von ihr lag eine niedrige Mauer mit einem schwarzen, schmiedeeisernen Tor darin, das zum Garten führte. Sprungbereit, dorthin weiter zu fliehen, sollte es Not tun, spitzte sie bangen Herzens die Ohren.

Morgen früh würde es Gustav wieder schrecklich leidtun. Das tat es immer. Ihr Vater liebte sie, das war zu spüren und dessen war sich Aliisa sicher. Dennoch verwandelte ihn der Schnaps in etwas schreckliches. Sie hörte es schon an der Art, wie er in die Tenne trat oder, wenn es besonders schlimm war, wie er schon draußen auf dem verwahrlosten Hof über etwas stolperte und fluchte. Wenn er nüchtern war, war er ein liebevoller Vater und ein umgänglicher Kerl. Zumindest so lange, bis er den Alkohol brauchte. Und gerade morgens war er zerknirscht und entschuldigte sich tränenreich bei seiner Tochter, die er dabei in die Arme schloss, was sie über sich ergehen ließ, sie brauchte es als Bestätigung für das was später folgen würde immer wieder aufs neue, und das, obwohl er dabei schlimmer stank als manches Wildtier.


Sie hörte Gustav vor der Haustür Verwünschungen brüllen, die Aliisa eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben müssten, in Anbetracht der Tatsache, dass es den Nachbarn bei der Lautstärke kaum entgehen könnte, wie ihr eigener Vater - der es ja eigentlich wissen musste - sie wortreich und wenig der Phantasie der Zuhörer überlassend mit einer überaus unzüchtigen Schornhelmer Hure unfeiner Herkunft verglich. Aber das war schon so oft geschehen, dass Aliisa sich darüber keinen Kopf mehr machte.

Als sich ihr Körper vor etwa zwei Jahren angefangen hatte zu verändern und die Schimpftiraden des besoffenen Alten sich in diese Richtung zu entwickeln begannen, hatte ihr das schwer zugesetzt. Einmal hatte die Nachbarin Stella Andersson die gerade eben zwölfjährige beiseite genommen und ihr erklärt, dass jeder hier wisse, dass die Anschuldigungen des Müllers, wenn er betrunken sei, in der Regel völlig haltlos und in ihrem Fall ganz und gar an den Haaren herbeigezogen seien. Man sähe doch, wie sie die kleine Familie Magnusson mit Ach und Krach zusammenhalten würde und dass sie gar keine Zeit für Männergeschichten habe, wozu sie ja eh viel zu jung sei. Seitdem trafen sie die aus einer seltsamen Seelentiefe des Vaters hervorsprudelnden, ekligen obszönen Beschimpfungen nur noch kurz und sie konnte sie zumindest vordergründig schnell abschütteln.

Dennoch mochten sie Narben hinterlassen, ebenso wie die Schläge, auch wenn diese an ihrem Leib bisher zum Glück nicht zu dauerhaften Schäden geführt hatten. Dass sie immer mal wieder mit einem blauen Oberarm, einer geschwollenen Wange oder gar einem blauen Auge herumlief, entging natürlich keinem, aber das war Sache der Familie. Da mischte man sich in der Kluftspitze nicht ein. Der Hausherr war so etwas wie der König im eigenen Haus und Hof, solange er seine Kinder nicht totschlug, war das seine Sache. Und vielleicht sogar dann.

Und unter der Hand war man durchaus der Ansicht, dass der rebellisch werdenden Aliisa von Zeit zu Zeit ein paar Schläge ganz gut taten. Zumindest unter den Männern dachte manch einer so. Stella war da eine Ausnahme, zudem eine Frau. Sie mischte sich ebenfalls nicht ein, aber sie missbilligte es, wenn auch still für sich. Sie kümmerte sich schon seit Jahren ab und an um die Nachbarstochter, sie zeigte Aliisa rudimentär wie man näht und wenn Gustav sie so erwischt hatte, dass es blutete, wusch sie Aliisas Wunde und Kleidung aus und verband das Mädchen. Sie hatte dabei meist einen verkniffenen Ausdruck um den Mund, aber gegen in ihrem kleinen Dorf doch relativ mächtigen Mühlenwirt das Wort zu erheben, war für sie undenkbar. Alle hier waren auf ihn angewiesen. Am besten wäre es, so dachte sie es sich, Aliisa schnell unter die Haube zu bringen. Und da würde es nichts schaden, dem mutterlosen Mädel ein wenig Hausfrauenarbeit beizubringen, damit sie als Eheweib nicht gleich die nächsten Schläge abbekommen würde.


Aliisa atmete tief durch, das Herz klopfte etwas langsamer, als die Hoftür zur Tenne wieder zuschlug und sie ihren Vater drinnen poltern hörte. Hoffentlich würde er jetzt essen, was sie ihm vorgesetzt hatte, solange es noch warm war, anderenfalls würde sie sicher nachher zu hören bekommen, dass sie nicht einmal dazu in der Lage sei, das Essen warm auf den Tisch zu bringen.

Sie konnte ihren Vater nicht hassen, aber den Alkohol, den hasste sie aus tiefstem Herzen. Das Leben hatte es nicht gut mit ihnen gemeint, es war eben rau im Hochland, der bergigen Region der Kluftspitze. Ihre Mutter war gestorben, als Aliisa fünf Jahre alt gewesen war und irgendwann vor ihrer eigenen Geburt war Gustavs erste Frau Linnea ebenso verstorben. Dazu war ihre kleine Schwester zwei Jahre nach dem Tod der gemeinsamen Mutter ertrunken, im Bach, gleich neben der Mühle, obwohl die kleine Lykke den Bach genau kannte und vor allem auch wusste, dass sie da ab der Biegung nicht schwimmen durfte, wo es zur Mühle hinging und die Strömung so stark wurde. Aliisa verstand bis heute nicht, was Lykke da gewollt haben konnte, zumal der Bach unterhalb der Mühle einen kleinen Teich bildete, mit flachen Ufern, in dem es sich viel besser schwimmen ließ.


Die warmen Mauersteine durch die Kleidung im Rücken spürend, ging Aliisas Blick um die Hausecke, den Körper noch dahinter verborgen, zum leeren Platz vor der Tennentür und auch zur Mühle schräg rechts gegenüber herüber. Dort war alles in relativer Ordnung. Der Rest des Hofes war ein ziemliches Chaos aus alten, nicht mehr zu gebrauchenden Leiterwagen, kaputten Gerätschaften und Schmutz. Aliisa kämpfte im Haus für ein bisschen Häuslichkeit und Ordnung, sie konnte aber nicht alles bewerkstelligen, zumal hier draußen vieles einfach zu schwer für das Mädchen war.

Sixten fehlte ihr jeden Tag. Der große Bruder hatte sie beschützt, hatte sie unterrichtet. Sie konnte gut lesen und einigermaßen schreiben, wenn auch krakelig. Addieren und einfache andere Rechenarten hatte er ihr ebenfalls beigebracht. Immer wieder hatte er Aliisa Bücher gebracht, die sie Abends verschlang, wo auch immer er die hier in ihrem Dorf bekommen mochte. Aber vor allem hatte er sie noch etwas wichtigeres gelehrt: Sich selbst zu versorgen.


Schließlich als die Luft dauerhaft rein war, schlich Aliisa um die Hausecke, immer noch barfuß vorsichtig und leise auf den buckeligen kleinen Steinen balancierend, mit denen rund ums Haus ein Streifen des Hofes gepflastert war, bevor er in staubigen Sand überging.

Ganz behutsam hob sie den schweren, schwarzen Riegel vor der Werkstatttüre zwischen der Hausecke und dem Tor zur Tenne auf und schlich hinein. Ein leises Keuchen entschlüpfte ihr, flugs stopfte sie sich die Faust in den Mund und hüpfte auf einem Bein, hatte sie sich doch den rechten kleinen Zeh an einer im Schatten des Türpfosten abgestellten Axt gestoßen, Blatt unten, Stiel oben an die Tür gelehnt, zum Glück mit dem stumpfen Ende zu ihr zeigend. Ihre Flüche sprach sie in Gedanken, um nicht den Vater herbeizulocken. Endlich zog sie die nutzlos in den Händen gehaltenen Stiefel an, als der schlimmste Schmerz vergangen war, und hängte die Axt an die Halterung an der Wand, wo sie verflixt nochmal hingehörte, echt mal!

Auf der anderen Seite der Werkstatt hing ihr Bogen und ihr Köcher samt Pfeilen, sowie einige Fallen. All dies nahm sie nun an sich, dazu einen großen, ledernen Sack mit Schulterriemen. Sie verließ die Werkstatt nach einem vorsichtigen Blick durch die kleinen, schmutzigen und von Spinnweben halb verdeckten Glasscheiben auf den zum Glück vaterfreien Hof und trat auf eben jenen hinaus. Beschwingten Schrittes, wenn auch mit knurrendem Magen, so war sie selbst noch nicht dazu gekommen, ebenfalls zu essen, ging sie den ausgetretenen Sandweg entlang, der zwischen Stall und Wassermühle hindurch führte.

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Llynya (14.05.2018)

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Montag, 16. April 2018, 12:12

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Die Sonne schien mild von Südwesten und ihre Schritte wurden ausgreifender. Zumindest für ihre kurze Beinlänge, denn Aliisa war klein, sie war schon immer klein gewesen, wenn sie in letzter Zeit endlich auch etwas gewachsen war. Knapp ein Meter fünfzig war sie bisher nur geworden, obwohl Vater und Bruder hochgewachsene Kerle um die einsneunzig waren. Vielleicht kam es von ihrer Mutter? Wie groß sie gewesen war, wusste Aliisa nicht. Damals als fünfjährige war ihre Mutter "groß" gewesen, aber was sagte das schon aus? Von der Mutter hatte sie wohl auch die dunklen Augen. Vater und Bruder und auch ihre kleine Schwester hatten himmelblaue Augen.

Sie schloss ihre Hand fest um den Griff des Bogens. Diesen hatte sie selbst gemacht, unter Sixtens Anleitung. Er passte von der Größe her genau zu ihr und ihrer Armlänge. Die ersten Bögen hatte der Bruder noch für sie angefertigt. So wusste sie, wie man das Holz aussucht, die Dicke, der gerade Wuchs, dass man darauf zu achten hatte, dass es möglichst wenig Äste und bloß keine verdrehte Rinde haben sollte, wie man es zum Lagern vorbereitetet, halbiert oder geviertelt, mit gegen zu schnelle Austrocknung geschützten Enden luftig gelagert. Und wie man zunächst einen Rohling, dann einen Bogen fertigte, wie man die Nocken, die Sehnenanker anfertigte, wie man den Bogen langsam bog, was er tillern nannte, wobei die eigentliche Form des Bogens herausgearbeitet wurde, indem allen noch zu steifen Stellen der Wurfarme zu Leibe gerückt wurde.

Ihr Bruder hatte richtig ins Erzählen kommen können, über Jahresringe, Früh- und Spätholz, und welchen Ring man für den Bogenrücken auswählte und so weiter und so fort. Offenbar hatte ihr Vater ihm in Sixtens Kindheit viel beigebracht, anders als jetzt bei Aliisa.

Sixten hatte die kleine Aliisa damals, als er sie für alt genug befunden hatte, mit in den Wald genommen und ihr den Umgang mit Pfeil und Bogen ruhig und geduldig erklärt. Er hatte ihr ebenso ruhig und ernst erklärt, dass sie mit ihrem kleinen Bogen auch Menschen töten könnte. Eindringlich hatte er ihr gesagt, dass sie nie, auch nicht im Spiel, unter keinen Umständen, auf einen Menschen zielen dürfe. Die großen, braunen Augen seiner vernünftigen Schwester hatten das alles aufgesogen. Und genickt hatte sie und versprochen hatte sie es ebenfalls. Er hatte ihr vertraut. Und das zurecht. Aliisas Selbstbewusstsein hatte dadurch einen ziemlich Schub getan. Ihr Bruder hatte sie für eine so ernste Angelegenheit für groß genug befunden. Er vertraute ihr.

Lange Jahre waren sie zusammen durch die Wälder gestrichen und Aliisa hatte auch alles über das Lesen von Tierspuren, den Bau und das Aufstellen von Fallen, die Wahl des richtigen Köders und so weiter gelernt. Sie hatte sich geschickt angestellt und sich schließlich auch im Wald leise genug zu bewegen gelernt, bis Sixten nichts mehr zu meckern hatte an seinem kleinen Schwesterchen.

Heute war sie groß, fast schon erwachsen, und hatte wirklich niemals auf einen Menschen gezielt. Auf Bäume, Strohballen, kleine und größere Tiere dafür aber umso mehr. Auch wenn die Familie Magnusson für ihr kleines Dorf relativ viel Geld hatte, blieb das meiste davon beim Schankwirt und beim Schwarzbrenner. Woher das Fleisch im Essen seit Sixtens Auszug kam, hatte der Vater nie gefragt. Oder Aliisas Kleidung. Sie brachte die Felle, meist kleiner Tiere, zum Gerber und bekam dafür ein bisschen Leder und auch mal etwas grobem Stoff. Mit Stellas Hilfe, der sie dafür auch immer mal etwas Fleisch brachte, fertigte sie daraus Kleidung, nicht eben geschickt, aber gut genug um sie warm zu halten.


Die ersten Bäume tauchten auf und der Weg, an der rechten Seite eh schon von einem Knick begleitet, wurde zum Hohlweg. Dunkler war es hier, und still, solange sie sich bewegte. Wenn sie anhalten und ruhig stehen bleiben würde, würden die Vögel allerdings bald schon wieder zu zwitschern beginnen. Nur das Klopfen eines Spechts war von Ferne zu hören.

Im Wald ging so etwas wie eine kleine Verwandlung mit Aliisa vor: Ihre Schultern wurden straffer, der Gang aufrechter, der Blick zielgerichtet, die Füße wissend, wohin sie treten und wohin nicht. Sie ging zunächst die tägliche Runde ab, erntete das Kleinwild, das in ihre Fallen gegangen war, zwei Eichhörnchen waren es heute, und spannte die Fallen mit neuen Ködern. Anschließend schlich sie möglichst leise, den Bogen mit einem in die Sehne eingelegten Pfeil in der Hand, höchst aufmerksam zum nahen Wildwechsel.

Zu ihrer Enttäuschung war nichts zu sehen, nach links und rechts erstreckte sich ausschließlich der Wald. Dafür lag auf dem Boden frische Losung. Ob ein Hirsch hier langgekommen war? Sie wusste es nicht genau und bat die Ahnen, dass es kein Wildschwein sein möge. Sie folgte dem Wildwechsel sanft bergab. Wie sie wusste, führte er zu einer ausgewaschenen Biegung des Baches, an dem auch weiter flußaufwärts die väterliche Mühle stand. Dort fand sich immer mal wieder Wild ein, die Abdrücke in der weichen Erde und dem nassen Sand waren meist zahlreich.

Bevor Aliisa jedoch den Bach erreichen würde, schlug sie sich seitwärts in die Büsche und umrundete den Bereich weiträumig, um sich hinter einer großen Buche anzupirschen. Sixten hatte ihr vieles erklärt und beigebracht hier draußen. Es war ihre eigene Welt gewesen, die nur ihnen beiden gehörte, und manches Mal wäre Aliisa am liebsten einfach mit ihm hiergeblieben.

Aber auch die Wasserstelle war leer, vermutlich war es noch zu früh am Nachmittag. Aliisa lehnte sich an die Buche und nahm eine Position ein, die sie ruhig und gelassen eine längere Zeit aushalten können würde. Und wirklich, als sie dort eine Weile stand, reglos, als sei sie nun ein Teil der Buche geworden, begannen die Vögel zu zwitschern. Die Sonne warf helle Sprenkel auf den Waldboden und der Bachlauf, auf der anderen Seite der Biegung rasch dahinfließend, murmelte und gurgelte ein Stück weiter über einige kleinere Felsen.

Wenn es wirklich ein Hirsch wäre, so überlegte sich Aliisa, wüsste sie nicht einmal, ob sie ihn töten könnte. Und wenn, wie sie das viele Fleisch und die ganze Haut transportieren sollte. Da würde sie viele Male hin und her gehen müssen und jedesmal dem Vater in die Arme laufen können. Dennoch war sie neugierig.

Während sie wartete und das normale Leben im Wald seinen Fortgang nahm, wanderten Aliisas Gedanken zurück zum Hof und ihrem Vater. Gustav saß nun vermutlich am Fenster im hölzernen Erker zum Garten raus, rauchte Pfeife und trank. Hoffentlich Bier. Wie sie befürchtete: Schnaps. Es konnte so doch nicht weitergehen! Zum wiederholten Mal überlegte sie, wegzulaufen. Aber wo sollte sie hin? In ihrem Dorf kannte jeder jeden und auch im Nachbardorf war damit zu rechnen, dass man sie zum Müller Magnusson zurückschicken würde, und sie wagte nicht sich auszumalen, was er dann mit ihr anstellen würde. Vermutlich würde er sie totschlagen.

Als später tatsächlich ein Hirsch aus dem Wald trat, hielt Aliisa den Atem an. Er hatte ein riesiges Geweih und Ehrfurcht erfasste sie vor dem edlen und gewaltigen Tier. Sie sah zu, wie es in aller Seelenruhe eine ganze Weile lang trank und dann eben den Wildwechsel beschritt, den Aliisa auf dem Hinweg ein Stück entlang gegangen war. Sie hatte nicht einmal überlegt zu schießen. Das Tier hatte sie so beeindruckt, dass der Jagdinstinkt versagt hatte. Aber der Hirsch mochte auch mindestens zweimal so viel wiegen wie sie selbst. Und wenn er nicht sofort tot wäre, würde er ein gefährlicher Gegner sein. Neben dem Bogen hatte sie nur zwei recht kleine Messer dabei. Eins für den gewöhnlichen Gebrauch, ein zweites, anders geformtes zum Abziehen der Haut.

Erst spät machte sie sich auf den Rückweg, als ihre Gliedmaßen steif wurden und es im Wald dämmerte. Zu Hause schnarchte der Vater auf dem Sofa. Aliisa schloss die Tür zur Küche und aß mit großem Appetit ihr Essen, wenn auch kalt, um bloß Gustav nicht zu wecken. In dieser Nacht träumte sie von einem Hirschen, der sie auf seinem Rücken von hier fort trug.

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Llynya (14.05.2018)

Aliisa

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Montag, 16. April 2018, 13:02

Vor zwei Jahren

Teil 1


Ein knappes Jahr später hörte Aliisa zufällig im Dorf davon, dass unten an der gepflasterten Straße, die Nordspitz mit dem fernen Schornhelm verbindet, eine gewaltige Schar Händler und Reisende zu einem besonderen Markt unterwegs seien. Wo genau Schornhelm und Nordspitz lagen, war ihr unklar, die Namen aber vertraut und sie wusste auch, dass das eine durchaus lange Reise war, die diese Leute da auf sich genommen hatten.

Als Aliisa später am selben Tage auf den Dorfplatz zurück kam, auf dem sie morgens am Brunnen davon erfahren hatte, fand sie dort eine recht große Versammlung vor. Man saß um ein lustig prasselndes Feuer zusammen und eine helle Frauenstimme sang. Sie gesellte sich neugierig dazu und erkannte die singende Bardin wieder, die von Dorf zu Dorf zog, alle paar Monate auch in ihres kam und Nachrichten, Sagen, Märchen brachte und die Menschen damit und mit ihrem Gesang erfreute. Die junge Frau mit dem langen, lockigen Blondschopf und dem kecken Blick unterhielt die Dorfbewohner mit Liedern und Anekdoten. Manch Eheweib sah sie lieber gehen als kommen, hieß es doch, dass die selbstbewusste Maid in der richtigen Laune nachts die Tür ihrer Kammer unversperrt ließ, die ihr der gastgebende Bauer zum Dank überließ. Was das ganz genau bedeutete, hatte man Aliisa nicht erklärt, aber sie hatte da so eine vage Ahnung.

So hörte Aliisa später am Abend mehr von diesem Markt, wie lange er ging und wo er genau stattfand. Und auch über den großen Trupp der Reisenden hörte sie, in der Mehrzahl Händler und Schaulustige, die aus dem Süden zur Messe angereist waren und eine knappe Woche später den gleichen Weg zurück nehmen würden.

Zwei Tag danach fiel ihre Entscheidung und Aliisa bemühte sich noch mehr als sonst schon, ihrem Vater alles Recht zu machen. Daneben packte sie ihr Bündel, schärfte die Messer, spitzte die Pfeile und pflegte Bogen wie Sehne gründlich. Sie stellte alles für ihren Aufbruch bereit. Doch am Abend, bevor sie am nächsten Morgen aufbrechen wollte, wenn Gustav noch schlafen würde, passierte es: Aliisa stolperte auf dem Weg zum Esstisch. Ihr Vater hatte eigentlich einen eher guten Tag erwischt, offenbar hatte er heute nur Bier und keinen Schnaps bekommen. Doch als seine Tochter über Gustavs ungewöhnlich abgestellten Rucksack (doch wofür hatte das unnütze, junge Ding denn bitte Augen im Kopf?) stolperte und dazu noch das gute Essen verschüttete, und das auch noch brühend heiß auf den rechten Oberschenkel des Vaters, war es blitzartig um die gute Stimmung geschehen.

Die gellenden Schreie des Mädchens, dessen blanker Hintern über einen Stuhl gebeugt vom Lederriemen des väterlichen Gürtels kraftvoll bearbeitet wurde, hallten durch das Dorf und ließen Stellas Herz stocken. Doch niemand kam, um nach ihr zu sehen. Immerhin musste sie ja am Leben sein, solange sie schrie.

Nachdem die Tortur vorbei war, blieb Aliisa kurz allein zurück, ihr Hintern bestand nur noch aus Schmerz, die Welt aus Schlieren ihrer Tränen. Ihr Hals war rau und ihre Hände verkrampft um die Beine des Stuhls, wie auch der Rest ihrer Muskeln. Anders als bei manch früherer Gelegenheit hatte sie es immerhin geschafft, ihr Wasser zurückzuhalten, das ihr bei solch einer Tortur schon mal zwischen den Beinen herausgelaufen war. Der Vater kam zurück aus ihrer Kammer, den klimpernden Münzbeutel triumphierend in der Hand. Glück im Unglück: Wenigstens hatte er ihr gepacktes Bündel unter dem Bett nicht gefunden! Unter Vorwürfen und Beleidigungen der ungeschickten, verhurten Schlampe, die er an seinem wohltätigen Busen großgezogen habe, verließ er das Haus, mit Aliisas Geld, um, wie er sagte, im Gasthaus für das Abendessen entschädigt zu werden, der Rest sei Schmerzensgeld für seinen brennenden Schenkel.

Es waren keine großen Reichtümer, die meisten im Dorf hatten in Naturalien gezahlt oder in Form von Arbeit, für Fleisch und Leder. Aber nun war sie selbst zerschunden, mittellos und die beste Gelegenheit seit Jahren, von hier fort zu kommen, wurde ihr förmlich genommen. Vorsichtig tastete das junge Mädchen ihre Kehrseite ab. Blut und Schweiß, zum Glück nicht sehr viel Blut. Sie schleppte sich ins Bad und kühlte eine Weile ihre brennende Kehrseite mit einem nassen Waschlappen. Als es irgendwann aufhörte zu bluten, rieb sie ihren Po mit einer Salbe ein, die ihr Stella einmal für ein fettes Kaninchen aufgedrängt hatte. Sie sollte die Heilwirkung unterstützen und tatsächlich hatte Aliisa das Gefühl, ihre Blessuren würden mit ihrer Hilfe schneller heilen.

Sie wusste, wie sie sich morgen früh fühlen würde. Zerschlagen, steif, erniedrigt und unfähig, sich zu bewegen. Schwankend zwischen Verzweiflung und Zorn traf Aliisa eine impulsive Entscheidung: Schon kurze Zeit später schritt sie, das Dorf hinter sich lassend, im Dunkeln den sandigen Weg das Tal herunter entlang. Die gepflasterte Straße, ihr Ziel, lag einige lange Meilen entfernt tief unten im Tal. Ihr Hinterteil brannte und jeder einzelne Schritt schmerzte. Doch auch wenn das Leben im Hochland hart war, es machte einen zäh und fast alle hier hatten einen ziemlichen Dickkopf. So war es hauptsächlich dem ihren zu verdanken, dass Aliisa weder kehrt machte noch irgendwo auf dem Weg zusammenbrach.

Sie schleppte sich, einen Fuß vor den anderen setzend, durch die Nacht. Bislang war sie in ihrem Leben noch nie weiter fort gewesen als bis zum Nachbardorf, so begann das große Abenteuer fast schon mit den ersten Schritten. Immerhin war der Weg relativ eben und der Mond kam hinter Wolken hervor, so dass sie wenigstens sah, wo sie langlief.



Teil 2

Merten Schauleitner saß gedankenverloren auf seiner weißen Stute vor dem Wagen mit seinem Hab und Gut, den sein Knecht Christoph vom Kutschbock aus lenkte. Die Verkäufe auf dem Markt waren ausgesprochen gut verlaufen. Viele hatten Heilkräuter, Salben oder dergleichen erworben und manch kichernde Magd hatte nur zu gern die Liebestränke des schmucken Schornhelmer Apothekers mit den langen blonden Goldlocken und dem unbesorgten, schamlosen Lächeln im Gesicht gekauft. Manche hatte ihm Nachts auch ihre Gunst dazu geschenkt, aber in der Beziehung hatte er es meist leicht, das Leben hatte ihn reich bedacht mit Gaben und Aussehen, Geschmack und Kultur. Frauen betrachtete er im wesentlichen als Spielzeuge.

Nachdem der sich wohl über eine Meile lang hinziehende Wagenzug, in dem er recht weit vorne ritt, bemerkte er auf einem Findling zur Rechten der Straße eine abgerissene Gestalt, die winkte und dann auf den vordersten Reiter zulief. Aus der Ferne war nicht viel zu erkennen, es war offenbar ein Weib, blond wie die meisten hier im Norden von Kluftspitze, was es wollte, war unklar. Aber nach der kurzen Unterredung mit dem Anführer des Reisezuges ging sie die Wagen entlang, fünf Stück waren es an der Zahl, die vor Mertens Wagen eingereiht waren, doch auch wenn der eine oder andere Kutscher schon einen zustimmenden Ausdruck hatte bei dem, was das Weib fragte, schüttelte die zugehörige Frau stets den Kopf. Als das immer wieder verwiesene Weib näher kam, erkannte er, dass es sich um ein Mädchen handelte, oder doch um eine sehr junge Frau.

Mertens Interesse war geweckt und er beobachtete gespannt die weiteren Verhandlungen. Als sie auch beim letzten Wagen vor dem seinen abgewiesen wurde und auf ihn zu kam, konnte er das junge Ding genau in Augenschein nehmen: Er erblickte ein Mädchen oder eine wirklich sehr junge Frau mit gefälligem Gesicht und etwa schulterlangem, blondem Haar. Nicht der erlesene Goldton seiner eigenen Haarpracht, aber es wird eben nicht jeder von der Natur mit solch einer Schönheit ausgestattet.

Ihre primitive, bäurische Kleidung saß teilweise recht eng, als ob sie eigentlich schon aus ihr herausgewachen wäre. Dadurch kam ihre ordentliche Oberweite und ein ebenfalls ansehnlich gerundeter Po zur Geltung und Mertens Interesse steigerte sich erneut, auch eine gewisse vorfreudige Anspannung in der Lendengegend gesellte sich dazu, als er die mollige, aber seinem Auge durchaus gefällige junge Frau betrachtete, die da auf ihn zu kam. Als sein Blick an dem jungen Weibe weiter nach oben glitt und er ihr Antlitz anschaute, das von ihrem blonden, kurzgeschnittenen Haar, das ihr bis zur Schulter ging, umrahmt war, blickten ihn aus dem fein geschwungenen Gesicht verständig wirkende und, anders als er es hier beim Volk des Hochlandes erwarten würde, dunkle Augen unter ebenso dunklen Augenbrauen entgegen. Ihr Blick und die hübschen Gesichtszüge ließen auf Verständigkeit und geistige Reife schließen, im leichten Kontrast zu ihrer sehr jung wirkenden Haut. Und irgendwie wirkte ihr Leib, obwohl durchaus mit weiblichen Formen gesegnet, noch nicht vollständig ausgewachsen.

Ihre Kleidung war offensichtlich nicht zu dem Zweck gemacht, ihre körperlichen Vorzüge anzupreisen, sondern saß einfach nicht gut. Hier und da war auch mit grober Naht ein Zwickel eingesetzt oder ein verlängerndes Stück angenäht, wie er feststellen konnte, als seine Blicke wieder rasch über ihren Leib wanderten. Auch der Bauch, die Schenkel und die Arme waren sanft gerundet, ohne schwabbelig oder dick zu sein, was natürlich noch kommen könnte, oder aber auch nicht, je nachdem, wie sich das hochländische Weib, das da vor ihm stand, weiter entwickeln würde.

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Llynya (14.05.2018)

Aliisa

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Montag, 16. April 2018, 13:04

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Schon heftete sich ihr dunkler Blick auf ihn und sie sprach Merten an: "Werter Herr, ich möchte in den Süden mitreisen. Ich kann die meiste Strecke zu Fuß gehen, aber im Moment bin ich verletzt und brauche eine Weile eine Mitfahrgelegenheit. Habt ihr Platz auf eurem Wagen?" fragte ihn die junge Frau. Merten konnte sich vorstellen, warum die Weiber dies Mädel nicht auf ihrem Wagen hatten haben wollten. Zwar wirkte es nicht verdorben, aber auch andere Kerle hatten Augen im Kopf und ein ordentlicher Vorbau und Hintern würde bestimmt manchen Kerl schwach zu werden drohen lassen.

Er hätte selbst nichts dagegen, das Mädchen einmal genauer kennenzulernen, ihre geschwungenen Formen zu erforschen und sich mit ihr zu vergnügen. Sie wirkte zwar nicht gebildet, im Gegenteil eher arm und bäurisch, aber was machte das schon, er hatte ja nicht vor, sie in Schornhelm als seine Gattin auszuführen. So nickte er. "Ja, den habe ich durchaus. Kommt, ich helfe euch." So sprang er geschwind aus dem Sattel zu der verdutzt wie freudig überraschten jungen Frau, die ihn erleichtert anstrahlte.

Merten band den Zügel seines Pferdes hinten an seinen Wagen, half dem Mädchen hinauf und folgte ihr nach, sobald sie unter der Plane des langen Gefährts verschwunden war und den Anblick ihrer Kehrseite bedauerlicher Weise seinem Blick entzogen hatte. Ebenfalls oben angelangt erklärte er ihr: "Ich bin Merten Schauleitner, Bader, Gelehrter und Apotheker aus Schornhelm, meine Schöne. Willkommen in meinem bescheidenen Wagen." Sein Wagen war nicht sonderlich bescheiden, ebensowenig wie seine Vorstellung, wenn auch nicht protzig. Wohlhabend und zweckdienlich traf es eher. Innen fanden sich mehrere gut verzurrte Schubladenschränkchen mit zahllosen winzigen Fächern. Darüberhinaus diverse Säcke und Beutel mit fremdartig duftendem Inhalt, zum Teil von der Holzkonstruktion herabhängend, die die Plane des Wagens hielt. Es lag ein würziger Kräuter- und Medizinduft in der Luft, den das Mädchen nicht zuordnen konnte.

"Ich bin Aliisa Ma... Mårtensson." erklärte sie etwas stockend. Verflixt, einen anderen Namen, das hätte sie sich doch auch eher überlegen können! Der Vorname war nun gleich geblieben, aber wenigstens den Nachnamen hatte sie etwas abgeändert. Aber da riss sie auch schon die nächste Frage aus den Gedanken: "Wie alt bist du denn, Aliisa?" fragte er vertraulich das du nutzend und den offenbar falschen Nachnamen ignorierend.

"Äh... siebzehn bin ich, Herr!" erwiderte diese. Merten dachte sich, dass sechzehn vermutlich eher hinkommen würde, aber das war unerheblich. In Wirklichkeit war Aliisa noch vierzehn, ganz knapp vor ihrem fünfzehnten Geburtstag, und würde in Schornhelm erst in einigen Wochen als volljährig gelten. Aliisa wollte, dass man sie ernst nehmen würde. Dass man ihr zutraute, was sie anzubieten hatte. Und das war die Kleinwildjagd, die sie seit Jahren kannte. Da sie ja nun kein Geld mehr hatte, würde sie versuchen müssen, bei der Verpflegung des Reisetrupps zu helfen, wenn bloß ihr brennendes Hinterteil wieder heil wäre. Hoffentlich hatte es nicht angefangen zu eitern.

"Und du bist verletzt? Vielleicht kann ich dir helfen? Ich bin Bader und Apotheker. Ich kenne mich mit Heilpflanzen und ihren Wirkungen aus. Ich fertige Tinkturen und heilenden Salben. Ich biete Verbände und Tropfen, Pillen und Pasten, alles was das Herz begehrt und der Körper verlangt!" erklärte er, sich ein wenig pathetisch anpreisend. Aliisa sah auch angemessen beeindruckt aus, was Merten schmeichelte. Er stellte sich bereits vor, wie ihm wohl das junge Ding aus Dankbarkeit und Ehrfurcht zu Willen sein würde, das da in seinen Wagen gestiegen war.

"Ich habe leider kein Geld, um Euch zu bezahlen, Herr Schauler." "Schauleitner" verbesserte Merten und niedlicher Weise wurde Aliisa etwas rot und wiederholte das korrekte "Herr Schauleitner" in ihrer eigenen, hellen Stimme. "Da werden wir uns schon handelseinig, junge Dame." sprach er amüsiert und legte den Kopf schief. "Wo bist du denn verletzt?" Aliisa stemmte die Hände in die Seiten. "Ich stamme zwar aus dem hinterletzten Bergdorf, aber ich bin nicht blöd. Ich teile nicht für ein bisschen Salbe das Bett mit Euch, Herr Schauleitner. Und wenn ihr mich nur in dieser Aussicht auf euren Wagen gebeten habt, sagt das gleich, dann frage ich weiter nach ehrlicher Hilfe!" Ihre dunklen Augen blitzen.

Merten schluckte. "Nein nein!" beeilte er sich zu sagen, obwohl sie den Kern der Sache sehr gut erfasst hatte. Verflixt, so leicht würde es offenbar nicht werden. Doch auf das "nein nein" sah das Mädchen schon entspannter und erleichtert aus, offenbar hatte sie die Vorstellung, weiter fragen zu müssen, nicht eben angezogen. So fuhr er fort: "Wenn du gesund bist, kannst du die Kosten bei mir abarbeiten. Was kannst du denn tun?" Aliisa atmete tief durch. Das lief besser als gehofft. "Ich jage." Sie hielt ihren entspannten Bogen hoch. Im Rucksack klapperten die Fallen, die sie auf der Reise wohl kaum einsetzen konnte. Wie gut die Jagd in unbekanntem Gebiet klappen würde, wusste sie auch nicht, aber das war das einzige Pfund, mit dem sie wuchern konnte.

Nun war Merten beeindruckt, oder zumindest überrascht. "Na gut, kochst du auch?" fragte er. Aliisa nickte. "Gut, dann biete ich dir einen Handel an. Ich strecke vor, was zu deiner Genesung nötig ist, wende es selbst an, bis du ganz gesund bist und biete dir für die ganze Reise einen Platz im Wagen an. Dafür arbeitest du hinterher den doppelten Wert dessen ab, was ich aufgewendet habe, weil ich in Vorleistung gehe. Dafür werde ich dir ganz ehrlich sagen, welchen Preis das hat und wir werden auch deine Jagdbeute und deine Arbeit beim Kochen mit einem vernünftigen Wert anrechnen. Einverstanden?" Aliisa nickte erfreut und erleichtert, sie konnte es kaum noch aushalten mit der Hose auf der wunden Haut und sehnte sich danach, eine Weile ruhig auf dem Bauch zu liegen. Am liebsten ohne Hose, aber das ging natürlich nicht.

Ihr ging erst eine Weile nach dem besiegelnden Handschlag auf, dass ein Teil der Abmachung in Anbetracht der Art ihrer Verletzung recht unschicklich war. So wurde sie auch feuerrot, als Merten fragte: "Wo bist du denn verletzt, Aliisa?" Er betrachtete das Mädchen überrascht, als dieses so rot wurde und verlegen stammelte "An einer undenkbaren Stelle, Herr. Ich werde sie besser selbst behandeln." Merten schüttelte den Kopf. "Ich bin Bader. Vor mir muss dir nichts peinlich sein. Erzähl mir einfach, was du hast." sagte er und hoffte halb, und fürchtete halb, es hätte etwas mit ihren fraulichen Organen zu tun. Er würde sich zwar nur zu gern mit ihnen beschäftigen, doch weniger des Berufes wegen.

"Ich... äh... mein.... e Kehrseite..." stammelte Aliisa vor sich hin. "Dein Hinterteil ist verletzt?" fragte Merten überrascht. "Hast du dich in Dornen gesetzt oder so?" Aliisa schüttelte den Kopf. "Nein, keine Dornen. Ich ..." verflixt, das hätte sie sich ja nun wirklich eher überlegen können, woher die Striemen stammen. "ich bin die Kellertreppe runtergefallen..." murmelte sie kaum hörbar etwas lahm. "Oh. Eine Verstauchung? Schmerzt dich der Steiß?" Aliisa blinzelte. "Äh nein..." Merten nickte. "Na dann zeig mal her." forderte er ganz ruhig und bat Aliisa zu einer Bettstatt weiter vorn. "Leg dich dahin, zieh die Hose runter, auch das Höschen, wenn du eins trägst, und ruf mich, wenn du fertig bist." Damit verschwand er in dem Abschnitt des Wagens mit den Schubladenschränkchen und zog einen Vorhang zu, der den Wagen in zwei Abschnitte teilte.

Aliisa schaute sich um. Die Bettstatt für eine Person war gemütlich eingerichtet, ein großes Kopfkissen, eine weiche Decke und zahlreiche kleine Kissen, in fremdartigen Mustern bestickt. Sehr südländisch, gar rothwardonisch wirkte das alles auf Aliisa, ohne eine genaue Vorstellung vom Stil der Rothwardonen zu haben. Vermutlich schlief dort der Herr Apotheker selbst. Wo wohl der Mann auf dem Kutschbock schlief? So oder so, es half nichts, also legte sie ihren Rucksack, Bogen und Köcher ab, öffnete den Gürtel und zog die Hosen, die unangenehm eng am Hintern klebten, auf die Oberschenkel runter und legte sich auf das Bett. Dort zog sie den hinteren Teil des Höschens runter und hoffte, der Herr würde zwischen den geschlossenen Beinen und dem Höschenstoff nichts von ihren privateren Körperteilen weiter vorn zu Gesicht bekommen.

Als Merten auf ihre Aufforderung hin eintrat, benahm er sich sachlich schlicht und ließ nicht erkennen, wie sehr ihn der erblößte Weiberhintern erregte. Als er näher trat, legte sich die Erregung aber. Nicht weil er das junge Ding plötzlich abstoßend fand, sondern wegen der Art ihrer Verletzung. Die Striemen des Lederriemens waren deutlich zu sehen. Leise knirschten Mertens Zähne, aber er gab keinen Kommentar ab zu der seltsamen "Kellertreppe", die sie da heruntergefallen sein wollte. Statt dessen erklärte er Aliisa, deren Herz wild bis zum Hals pochte - kein Kerl hatte bisher je ihren Hintern gesehen, na gut, bis auf den Vater natürlich - wie er beabsichtigte, vorzugehen.

Eine Hand legte sich beruhigend auf ihre verkrampfte Schulter. "Entspann dich ein bisschen. Ich werde die Wunden reinigen und dann mit einer Salbe versehen. Das Reinigen wird etwas brennen. Wenn es zu sehr weh tut, sag Bescheid, ja? Die Salbe wird aber das Brennen lindern." Aliisa nickte und verspannte die Schultern noch mehr. "Aliisa, du wirst wieder gesund. Wir bekommen das hin. Und dass ich dich so gesehen habe, das erfährt niemand sonst, das bleibt zwischen Arzt und Patient. Entspann dich bitte." Ein wenig Druck übte er auf ihre harte Schultermuskulatur aus und streichelte sacht kurz das Schulterblatt, ehe sich die Hand wieder löste.

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Aliisa

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Montag, 16. April 2018, 13:05

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Solch zarte Zuwendung war Aliisa gar nicht gewöhnt. Sie entspannte sich tatsächlich, schnaufte aus und die Schultern sanken ein Stück auf das Bett herunter, sie hatte gar nicht gemerkt, dass sie sich so sehr verkrampft hatte. "Ich ... ja." gab sie nach und Merten ließ Wasser in eine Schüssel laufen, über der er anschließend ein paar Blätter zerrieb, die einen würzigen, aber auch scharfen Geruch hatten. Er tunkte einen Lappen in das Wasser. "Es ist leider kalt, da kann ich hier nicht viel machen. In Schornhelm würde ich angewärmtes Wasser nehmen." erklärte er dem Mädel. "Ich werde es überleben." murmelte diese, zuckte dann aber doch zusammen, als das kalte Wasser ihre Haut netzte. Die Kälte war aber rasch vergessen: Sie zog die Luft scharf durch die Zähne ein, als das Brennen anfing. "Geht es?" fragte Merten. "Ich mach schnell und gründlich." versprach er und tatsächlich, ganz anders als er sich das vorhin noch ausgemalt hätte, nutzte er die prekäre Situation keinesfalls aus, um ihr geschwungenes Hinterteil, das ihn in einer anderen Situation äußert lüstern hätte machen könnte, mehr als für die Behandlung notwendig zu berühren.

Er hörte und sah Aliisas Schmerzen, auch wenn das Mädchen tapfer nicht klagte oder jammerte und nie sagte, dass es zu viel sei. Sie gab keinen Mucks von sich, aber ihr Atem, ihre erneut angespannten Muskeln sprachen eine klare Sprache. Außerdem wusste er selbst, wie diese Tinktur auf einer wunden Haut schmerzte. Und hier war großflächig das ganze entzückende Hinterteil brutal vermöbelt worden. Merten war nicht mehr erregt, er war furchtbar wütend auf denjenigen, der ihr das angetan hatte. Ob sie ihrem Mann davon gelaufen war? Hier im unzivilisierten Norden war alles denkbar.

Nach der Wäsche tupfte Merten das wohlgeformte, verletzte Körperteil behutsam trocken und verrieb mit den Fingerspitzen sehr sanft eine wohlduftende Salbe, die, wie er es versprochen hatte, das Brennen linderte. "Mmmh das tut guuut..." murmelte Aliisa, von der jetzt allmählich die ganze Spannung abfiel. Die unter Schmerzen durchwanderte Nacht, der Schreck über den viel zu früh auftauchenden Reisezug, den sie anderenfalls voll verpasst hätte, die Sorge, ihn erreicht zu haben, aber nicht mitgenommen zu werden, nur weil sie nicht selbst nicht mehr weiter gehen konnte, so verletzt. Die Angst, dass der Kerl, der sie dann aufgenommen hatte, nur mit ihr ins Bett wollte. All das fiel ab. Sie hörte Mertens Worte "Am besten ruhst du dich eine Weile aus. Lass deinen Po unbedeckt und bleib auf dem Bauch liegen. Ich gehe hinaus und schließe den Vorhang. Wenn du mich brauchst, ruf mich, ja?" schon gar nicht mehr vollständig, vorher war sie bereits eingeschlafen, mit vor Heilsalbe glänzendem Hinterteil.

Aliisa wachte ein paarmal auf. So ein Reisezug ist eine laute Angelegenheit: Rufe der Kutscher, Rumpeln der Räder, Knarren der Wagen, Laute der Pferde und von den anderen Tieren. Ganz zu schweigen von den sich teilweise munter unterhaltenden Menschen. Gelegentlich ging es schneller, dann mal langsamer voran. Doch Aliisa hatte eine angenehme Haltung auf dem Bauch gefunden und schlief auf der weichen Matratze, die einiges der Ruckelei abfederte, immer wieder ein. Als sie schließlich richtig aufwachte, lag ein dünnes, sehr sauber aussehendes Stofftuch auf ihrem Hinterteil, wie sie mit einem schnellen, etwas besorgten Blick feststellte, und Merten hielt ihr einen Becher warmen Tee hin, dessen Duft sie wohl aufgeweckt hatte, was die Laute des Lageraufschlagens nicht vermocht hatten, denn der Reisezug stand inzwischen und sie hörte die vielen Menschen draußen an ihren Feuern werkeln und reden.


Merten kümmerte sich anständig um Aliisa. Sie durfte die erste Nacht in seinem weichen Bett schlafen und erst nach der dritten Behandlung durfte sie sich wieder richtig anziehen und aufstehen. Merten hatte ohne Kommentare den Nachttopf ausgeleert und neben ihr geschlafen, ohne sie zu berühren, außer unabsichtlich bei einer nächtlichen Drehung, nach der er sich aber auch gleich wieder zurückgezogen hatte.

So war Aliisa äußerst zutraulich geworden und betrachtete ihn fast schon als so etwas wie ein neues Familienteil. Auf der langen Reise durch Kluftspitze wurden die beiden immer vertrauter miteinander. Merten flirtete offen mit ihr, nachdem ihr Po wieder verheilt war. Zumindest hatte sich nun junge Haut gebildet und seiner guten Pflege war es wohl zu verdanken, dass keine Narben zurück blieben und das hübsche, junge Hinterteil verunzierten.

So war es nicht verwunderlich, dass die beiden irgendwann in den kalten Nächten zueinander fanden und Aliisa nun nicht mehr hinten auf dem Boden zwischen den Apothekerschränken schlief, sondern vorn bei ihm im Bett. Merten bekam die ersehnte Gelegenheit, die sanften Rundungen seiner Aliisa alle ganz genau zu erkunden. Er staunte nicht schlecht, als ihm unzweifelhaft klar wurde, dass er das Mädel da gerade entjungferte. Ihr Ehemann konnte ihr das also wohl doch nicht angetan haben. Nachdem diese erste, schmerzhafte Erfahrung vorbei war, führte er Aliisa nach und nach in die Kunst der Liebe ein.

So kam Aliisa viel gesünder, wenn auch sehr viel weniger jungfräulich in Schornhelm an. Als Apotheker hatte Merten ihr die passenden Kräuter gegeben, die verhinderten, dass ihm das junge Ding schwanger wurde. Sie war offenbar nicht dumm und auch neugierig und wissbegierig, aber als Frau wünschte er sich eine gebildete Schornhelmerin, die eher seinem Aufstieg förderlich war, als ein Niemand aus den Bergen im bäurischen Norden.

Aliisa hielt sich an ihre Abmachung. Sie hatte sich während der Reise nach den ersten Tagen der Schonung den Jägern angeschlossen, die Abends für Fleisch sorgten. Einige taten dies auch tagsüber zu Pferd, da konnte Aliisa natürlich nicht mittun. Aber auch so hatte sie sich zu Mertens Überraschung einiges Ansehen erworben. Als er den bärbeißigen Anführer des Reisezugleiters, der Abends auch die Jagd anführte, nach ihr fragte, bekam er ein "gutes Mädel, die versteht's" zu hören, was von dem wortkargen, mundfaulen Gesellen, der eigentlich nur etwas sagte, wenn es nicht nach seinen Vorstellungen lief (was oft genug der Fall war), einem großen Lobe gleich.

Merten lehrte Aliisa auf der Reise einige Heilkräuter zu erkennen und bei einzelnen auch, wofür sie gut waren, so dass sie ihm bei ihren abendlichen Streifzügen gelegentlich wertvolle Kräuter mitbringen konnte.

In Schornhelm wurde Aliisa allerdings nicht heimisch. Zu groß, zu schmutzig war ihr die Stadt und es war für sie hier kein Geld zu verdienen. Sie wohnte letztlich bei einem Bauern im Umland, half dort für Kost und Logis den halben Tag bei seinen Arbeiten, nachmittags erkundete sie die Wälder, stellte ihre Fallen auf und jagte erneut Kleinwild, wie zuvor zu Hause, alles was nicht unter Wilderei fallen würde.

Aliisa kam immer mal wieder nach Schornhelm zum beeindruckenden Stadthaus von Merten und das nicht nur, um die Reste ihrer Schuld bei ihm abzubezahlen. Sie betrat es stets durch den Dienstboteneingang, wobei sie auch das Fleisch mitbrachte. Teils wartete sie lange auf ihn, manches Mal auch vergeblich, aber wenn er dann Zeit für sie hatte, verbrachten sie einige wundervolle Stunden miteinander, bis sie früh am Morgen zurück musste.


Teil 3

Finsteren Schrittes stapfte Sixten auf das väterliche Gehöft zu, die Schultern unbewusst angespannt hochgezogen. Auch wenn er inzwischen ein ausgewachsener, gestandener Mann war und stark genug, Gustav Paroli zu bieten, die regelmäßigen Schläge während seiner Kindheit und Jugend, ja selbst noch als junger Mann, um Aliisa zu schützen, hatten ihn geprägt.

Am Abend vor drei Tagen hatte ihn seine Frau zurückgehalten, als er die Fäuste ballend am Fenster gestanden und zum väterlichen Hof hinübergeschaut hatte. Er hatte die Not seiner Halbschwester, Aliisas Pein, ihre Schreie, deutlich von ferne gehört. Vielleicht war es auch ganz gut gewesen, dass Lilly ihn daran gehindert hatte, herüber zu gehen, wer weiß, wozu er sich im Zorn hätte hinreißen lassen. Sixten fragte sich immer wieder, ob es richtig gewesen war, auszuziehen. Er hatte Aliisa mitnehmen wollen, aber das hatte Gustav nicht geduldet.

Letztlich hatte er den Schritt nicht in erster Linie Lillys wegen gewagt, sondern weil Aliisa ihm immer wieder zuredete. Und natürlich war es richtig, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, eine Familie zu gründen, einen Hof zu führen. Aber seine Schwester dauerte ihn zutiefst. Und er war immer voller Sorge, ob sein Vater sich nicht im Suff doch einmal an ihr vergehen würde, wo sie nun deutlich fraulicher geworden war als das kleine Mädchen, dem er damals im Wald den Umgang mit Pfeil und Bogen gezeigt hatte.

Gustav hatte ihm nun schon zwei Mal erklärt, Aliisa sei krank und er könne sie nicht sehen, gestern und vorgestern, jedes Mal die gleiche Leier. Nun hatte er genug. Er würde sich nicht nochmal abwimmeln lassen, nicht heute! Hart stieß er die Tennentür auf. Erschreckend, wie der Hof aussah, seit er fort war. "Vater?" rief er laut. Von innen, aus der Wohnung, war ein Poltern zu hören.

So trat er ein, durch die Tür, die von der Tenne in den Wohnbereich führte, gelangte er in die große Wohnküche mit dem großen, schmiedeeisernen Herd, doch hier war weder vom Vater noch von Aliisa, die sonst um die Zeit oft am Herd stand, etwas zu sehen. Gustav kam ihm aus dem Wohnzimmer, zu dem eine Tür linker Hand führte, unsicheren Schritts entgegen gewankt. "Was willst du schon wieder?" nuschelte Gustav ein wenig unartikuliert.

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Montag, 16. April 2018, 13:06

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Sixten stemmte die Fäuste in die Seite, um nichts dummes mit ihnen zu tun. "Was ich will? Bei den Aedra, ich verlange meine Schwester zu sehen!" Gustav trat ihm in den Weg, so dass Sixten den Schnapsatem riechen konnte. "Sie ist krank. Sie schläft, lass sie in Ruhe, Sixten." kam es ihm entgegen. Sixten schnaubte. "Ich hab nicht vor sie zu wecken. Lass sie mich sehen, dann lass ich euch auch in Ruhe." Der Vater verschränkte die massigen Arme vor der Brust und schüttelte den Kopf. "Nein."

"Hast du sie so zu schanden geschlagen, dass du dich schämst, wenn ich sie so sehe, du widerlicher Säufer?" schimpfte Sixten los. Gustav lief rot an und brüllte - sehr sinnvoll, wenn die Tochter doch angeblich Schlaf brauchte - "So nennst du mich nicht in meinem eigenen Haus, du elende Missgeburt!" Er löste die verschränkten Arme und seine rechte Faust raste auf Sixten zu. Dieser kannte das und inzwischen war er stark genug, die Faust einfach in seiner offenen Hand aufzufangen und zusammenzuquetschen. "Lass mich durch, sonst tu' ich dir weh, Vater!"

"Raus aus meinem Haus!" keifte dieser wütend und versuchte, seinen Sohn mit der linken zu erwischen. Diesmal hatte er mehr Glück, er streifte Sixten immerhin. Dieser - nun hinreichend sauer und dem betrunkenen Vater körperlich überlegen - rammte diesem die Faust in den Magen und schob den nach Luft schnappenden an die linke Wand, hinter der früher sein eigenes Zimmer gewesen war. Er selbst war schon auf dem Weg nach rechts, wo eine weitere Tür ins elterliche Schlafzimmer führte. Von dort wiederum ging es weiter in Aliisas Zimmer, das quasi hinter der Küche lag und zwei Fenster zum Garten hatte.

Gustav wimmert, aber als Sixten die Tür zum Schlafzimmer geöffnet hatte und im Begriff war, zu Aliisas Zimmer zu gehen, heulte er auf und stürzte seinem Sohn nach, packte diesen an der Schulter und versuchte ihn umzureißen. Sixten machte sich erneut los und funkelte seinen Vater an. Dann riss er die Tür zu Aliisas Zimmer auf, das schlimmste befürchtend. Anders als erwartet, kämpfte der Vater nun nicht mehr. Er hockte mit dem Rücken an die Wand gelehnt, auf dem Boden kniend, und heulte wie ein Schlosshund. So hatte Sixten ihn noch nie erlebt.

Perplex blickte er zwischen Aliisas säuberlich aufgeräumtem Mädchenzimmer, das Bett war gemacht und offensichtlich lag seine Schwester nicht darin, und seinem Vater hin und her. "Hast du sie tot geschlagen?" knurrte er zwischen knirschend zusammengepressten Zähnen hervor, trat zu seinem Vater und kniete sich vor diesen. Die Knöchel an seinen Händen traten weiß hervor und seine Sehnen waren angespannt. Ganz langsam atmete Sixten ein und aus. Er musste sich zwingen, die Wahrheit nicht aus seinem Vater herauszuprügeln.

"Was. Ist. Passiert!?" hakte er schließlich nach, als er hoffte, sich unter Kontrolle zu haben. Doch der Vater antwortete nach wie vor nicht. Sixten schüttelte ihn kräftig an den Schultern gepackt durch, so dass Gustavs Hinterkopf gegen die Wand schlug. "Sie ist fort." kam es von den zitternden, tränenbehangenen Lippen des Vaters. "Wie fort?" fragte Sixten und ließ den Alten los. Dieser zuckte mit den Schultern. "Na weg... keine Ahnung wohin." Sixten verengte die Augen. "Und das soll ich dir glauben? Klingt nach einer billigen Ausrede, nachdem du sie einmal zu fest geschlagen und ihre Leiche irgendwo verscharrt hast."

"Das w..." setzte Gustav an und Sixten schüttelte ihn erneut. "Dass du das nie wollen würdest, weiß ich auch, aber der Alkohol macht dich zu einem anderen Menschen! Also. Wo liegt sie? Sie verdient wenigstens ein anständiges Begräbnis!" Doch aus dem Vater war nichts brauchbares herauszubekommen. Dass Gustav nun nach seinen beiden Frauen und seinem kleinen Mädchen auch noch Aliisa verloren hatte, das Kind, dass er doch so liebte, betäubte ihn. Er bekam kaum mit, wie Sixten in Aliisas Zimmer Türen und Schränke öffnete und wieder schloss.

Nach einer Weile kam Sixten aus der Tenne zu ihm zurück und kniete sich erneut vor den Vater, weniger wütend, eher nachdenklich. "Also entweder hast du deine Sache im Suff verdammt gut gemacht, Vater, was ich kaum glauben mag, oder sie ist wirklich fortgelaufen. Ihr Bogen, ihre Fallen sind weg und deutlich mehr Kleidung, als sie an dem Abend angehabt haben kann. Dazu wird sie kaum zwei Paar Schuhe getragen haben." Er rieb sich das stoppelige Kinn und zog den Vater hoch und mit sich, durch Aliisas Zimmer, in dem es an der gegenüberliegenden Wand eine weitere Tür gab die in einen winzigen dunklen Flur führte, der die Küche mit dem Badezimmer verband.

Dort wusch er seinem Vater wortwörtlich den Kopf, brachte ihn anschließend in die Küche und setzte Kaffee auf, schlug ein paar Eier in die Pfanne. Während Gustav erstaunlich folgsam aß und trank, froh, dass jemand anderes das Heft in die Hand genommen hatte, kramte sein Sohn im Haus herum.

Schließlich hatte er zwei Rucksäcke gepackt, Proviant und Sachen zum Wechseln. Einen stellte er Gustav hin. Als dieser fragend schaute, immer noch betrunken natürlich, doch deutlich nüchterner, sagte Sixten schlicht "Wir gehen Aliisa suchen!".

Zweimal packte Sixten die Schnapsflaschen wieder aus Gustavs Rucksack aus, dann hatte er die Nase voll, brachte sie in die Waschküche, die sich gegenüber der Tür zum Wohnzimmer auf der rechten Seite der Küche anschloss und rechts hinten eine weitere Tür zum Stall, links eine Tür zum Garten aufwies, der sich um den ganzen rückwärtigen Teil des Hauses herumzog. Dort schlug er die Flaschen in dem steinernen Waschbecken entzwei. "Nun ist Ruhe!"

Gustav versuchte erneut, ihn zu schlagen, aber ohne Erfolg. Kurze Zeit später sah man beide Männer durch das Dorf gehen, bei jedem Haus einen kurzen Schwatz halten und nach Aliisa zu fragen. Doch keiner hatte das Mädchen kürzlich gesehen.

So machten sie sich auf den Weg zum Nachbardorf, nachdem sich Sixten von Lilly verabschiedet hatte. Gut zwei Wochen zogen Sixten und Gustav von Dorf zu Dorf. Die Wege waren weit, die Gastfreundschaft groß. Doch nirgends hatte man etwas von Aliisa gehört oder gesehen. Sie schien wie vom Erdboden verschwunden zu sein.

Dass sie sich das Leben genommen hätte, glaubte Sixten nicht. Dafür würde sie nicht so viel eingepackt haben. Sie musste einen Weg gefunden haben, ein deutlich größeres Stück fort zu kommen. Er war hin- und hergerissen. Es war gut, dass Gustav sie nun nicht mehr schlagen konnte. Aber er wollte gern Gewissheit haben, dass sie lebte und es ihr wohl erging.

Gustav tat die Reise mit Sixten gut. Viel Bewegung, viel Luft und ein Ziel. Etwas, das ihm wirklich lange gefehlt hatte im Leben, wobei er sich nun fragte, warum es nicht genug gewesen war, sich an Aliisa zu erfreuen und ihr eine schöne Kindheit zu verschaffen. Und kein Alkohol. Zunächst hinderte ihn Sixten, Abends etwas anzunehmen, dann hörte Gustav von sich aus auf zu trinken.

Beide kamen ernst, aber verändert in ihr Dorf zurück. Gustav erlitt zu Hause nochmal einen Rückfall, bis ihm klar wurde, dass er ganz allein war und ganz unten angekommen war. Niemand würde ihm da raushelfen, das musste er selbst tun. In der bittersten Stunde entdeckt er sein bretonisches Rückgrad und eine Entschlossenheit in sich, die er zwar von früher aus unbeschwerten Zeiten kannte, nun aber nicht mehr bei sich vermutet hätte. Vielleicht lag es auch daran, dass ihm seine beiden Frauen erschienen waren und wenig schmeichelhafte Worte für ihn und sein Verhalten gefunden hatten.

Ob die beiden nun wirklich als Geister zu ihm gekommen waren oder ob es ein Wahn in Suff und Fieber gewesen war, vermochte er nicht zu sagen. Aber danach trank er keinen Tropfen Alkohol mehr. Der Hof war bald wieder sauber und ordentlich und die Einnahmen aus Hof und Mühle steigerten sich so, dass er eine Magd und einen Knecht einstellen konnte. Sein größter Antrieb war aber die Vorstellung, dass Aliisa eines Tages zurückkommen würde. Dann würde sie Augen machen!

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Donnerstag, 19. April 2018, 11:08

Morgens am Hafen, vor einem halben Jahr

Morgens am Hafen, vor einem halben Jahr - 5. Tag Herzfeuer im Jahr 2Ä 585 ((05.09.2017))

Heute würde es zurück nach Hause gehen, ging es Aliisa durch den Kopf, als sie sich leise für ihren morgendlichen fünf-Kilometer-Lauf fertig machte, während Lina noch friedlich schlummernd in der Hängematte lag. Schlichte Leinensachen zog sie sich an, nur nicht zu dick anziehen, aber nach den gestrigen Erfahrungen auch nicht Arm- und Schulterfrei - bis auf die Riemchen - vielleicht würde sie heute ja weniger Aufmerksamkeit ernten. Dazu die vier Manschetten, die ihre Ausbilderin ihr ausgehändigt hatte. Es waren weich gepolsterte Exemplare, die sie sich über die Hände und die Füße streifte und festband, bevor sie ihre Stoffschuhe zuschnürte. Eine jede dieser Manschetten hatte irgendwas schweres im Inneren und brachte wohl ungefähr ein Kilogramm auf die Waage.

Aliisa blickte sich nochmal in der Kajüte um, dann nickte sie und schlich leise heraus. Möwengeschrei begrüßte sie, als sie an Deck trat. Dazu auch ein frischer, kühler Wind vom Meer, den sie etwas später schon sehr begrüßen würde, doch im Moment ließ er sie frösteln. Aliisa hielt sich gar nicht lange mit Bedenken auf, nach einem Morgengruß an die Deckwache überquerte sie die schmale Planke zum Steg und lief dann sogleich los, diesem entlang gen Hafen folgend.

Hier hatte sie anders als Zuhause die fünf Kilometer nicht genau abgemessen, aber sie wusste ja, wie lange sie in der Baronie etwa lief und wie sich Kilometer um Kilometer in ihrem Körper anfühlten. Es waren vermutlich etwas mehr als fünf, die sie hier lief, um sich auch ja nicht um die Aufgabe zu drücken.

Wolkenfetzen zogen schnell von West nach Ost. Das Holz war noch feucht, auf mancher Plane, die gestapelte Ware schütze, standen kleine Pfützen, doch im Moment regnete es immerhin nicht. Locker und entspannt lief Aliisa die erste Strecke, zunächst nach Osten am Wasser entlang, dann kehrte sie um, lief wieder über die Holzplanken am für sie erstaunlich riesigen Hafen von Nordspitz entlang. Kai um Kai, Warenstapel um Warenstapel glitten vorbei. Schuppen hier, Lagerhallen dort. Geschäftiges Treiben fast überall, der Hafen war offenbar früh auf den Beinen.

Die gewaltigen Bauten der Werft kamen langsam näher. Und was ihre Bekleidung anging: Ja, es war besser, wenn auch nur ein wenig. Vermutlich liefen hier sonst einfach keine Frauen herum, oder wie sollte sie sich all diese Pfiffe, Scherzworte und zugerufenen Zotigkeiten erklären? Vielleicht hätte sie ihren Busen binden sollen? Irgendeinen Haken musste es ja haben, dass ihr Körper, über den sie selbst, bevor sie in der Baronie eingetroffen war - wenn sie überhaupt über sowas nachdachte - immer eher kritisch gedacht hatte: Zu viel. Zu viel hier, zu viel da, langweilige Haarfarbe, ach und dies und das halt. Aber hier schien er einigen Damen wirklich zu gefallen. Und einigen Herren offenbar auch, wobei diese Kerle hier am Hafen vermutlich nicht sonderlich wählerisch waren. Jung und kurvig reichte da vielleicht schon aus. Oder... einfach nur weiblich? Sie schüttelte den Gedanken ab und lief etwas schneller.

Auch die vielen Arbeiter an der Werft, teils an klapprigen Gestellen hoch oben in der Luft irgendwas an der gewaltigen Außenseite eines Ozeanriesen werkelnd, hatten immer noch Zeit genug, ihr nachzupfeifen, als sie an ihnen vorbei lief. Dahinter wurde es besser. Ein kleiner Uferpfad führte sie zum Leuchtturm, den sie schon aus der Ferne sehen konnte. Zur Rechten das Meer, öffnete sich zur Linken ein Binnesee. Zwei leicht gewölbte Steinbrücken lagen auf dem Weg vom Hafen zum Leuchtturm. Bei letzterem angekommen - umrunden ließ er sich leider nicht, auf der rechten Seite waren nur schroffe Felsen, machte sie kehrt und sich auf den Rückweg zum Hafen, zu ihrem Schiff, diesmal aber am Strand entlang, nicht auf dem Weg, zu dem sie nur bei den beiden Brücken zurückkehren musste.

Inzwischen spürte Aliisa die Gewichte an Armen und Beinen nur zu deutlich. Der Schweiß lief ihr über Gesicht und Leib, immer wieder wischte sie mit den Ärmeln an den Oberarmen über Stirn und Wangen. Langsam schaffte sie nur noch einen Schritt, bevor sie wieder Atem schöpfen musste. Sie drosselte das Tempo ein wenig. Hier gab es außer ihr nur noch Möwen und Schwärme winziger, bräunlicher Vögelchen, die gemeinsam dort herumpickten, wo die Wellen offenbar etwas winziges, essbares anspülten und die hektisch wie eine kleine, dunkle Wolke vor ihr aufflogen, wenn sie sich ihnen zu sehr näherte, um dann schimpfend hinter ihr wieder zu landen und ihr Geschäft wieder aufzunehmen.

Manchmal gelang es, und die Gedanken schweiften beim Laufen frei herum. Kalt war Aliisa schon lange nicht mehr und die Belastung des Frühsports fühlte sich eigentlich auch ganz gut an in ihren Muskeln und was da noch alles so in ihrem Leib sein mochte. Manchmal war es aber auch Quälerei. Gerade die letzten zwei Kilometer, nur zum Ende hin, wenn eben dieses in Sicht war, klebte zwar alles an ihr, nass vor Schweiß, aber immerhin läge die morgendliche Tortur für heute hinter ihr.

Nicht, dass sie sonst untätig wäre. An normalen Tagen war sie dann etwas später, gewaschen und bewaffnet gen Wald aufgebrochen, ihrem täglichen Handwerk folgend. Anfangs war ihr das dann schwer gefallen, wegen der schmerzenden Beine. Doch es half ja nichts, der Lebensunterhalt wollte verdient, das Wild kontrolliert, Essen herangeschafft und die Freifrau nicht enttäuscht werden. Genausowenig die Ausbilderin.

Heute würden sie später alle zusammen zurück in die Nebelberge reisen. Aliisa fragt sich, ob sie den Karren mit den Steinen begleiten würden. Ob das dann überhaupt schnell genug zu schaffen war? Schließlich gab es ausstehende Termine in den Nebelbergen. Nun, sie würde es erleben.

Zurück an Bord war nun mehr Leben erwacht. Eigentlich war es schön, mit all den Lieben Menschen hier zusammen zu wohnen. Auch Lina war inzwischen auf den Beinen. Aliisa gab ihr einen spitzmüdiges Küsschen, denn sie fühlte sich schmutzig, so verschwitzt. Doch stürzte sie nicht gleich zur Waschschüssel. Sie kannte das schon: Am ersten Morgen hatte sie sich sofort nach dem Lauf gewaschen, mit dem Erfolg, dass sie sich zwanzig Minuten später erneut waschen musste. Irgendwie schwitzte sie nach, auch wenn sie ganz friedlich dasaß. So reinigte sie nur provisorisch Gesicht, Hände und Unterarme und setzte sich an das winzige Tischlein in Linas und ihrer Kajüte, nahm Feder und Tinte sowie einen Bogen Pergament aus ihrer Tasche und atmete tief durch.

Viel zu lange hatte sie es vor sich hergeschoben. Immer hatte es dringlicheres oder vergnüglicheres gegeben, doch es half nichts. Sie war es ihm einfach schuldig, einige der sicherlich bohrenden Fragen zu beantworten, die ihren Bruder seit über einem Jahr umtreiben mussten. Es war sicher unverantwortlich, dass sie sich erst jetzt meldete, doch inzwischen hatte sie die Sicherheit, dass ihr jemand wichtiges zur Seite stände, sollte ihr Vater sie zurückholen wollen.


Zitat

Lieber Sixten,

bitte verzeih, dass ich mich erst jetzt, nach so langer Zeit bei dir melde. Ich hoffe, Lilly und du sind bei bester Gesundheit! Ja, und auch Gustav. Du wirst dich fragen, warum ich fort gegangen bin. Oder vielleicht weißt du es auch. Als du noch zu Hause warst, hast du dich ja oft genug vor mich gestellt und die Schläge eingesteckt.

Nein, das ist kein Vorwurf, dass du ausgezogen bist. Ich habe dich ja selbst am meisten dazu gedrängt. Das war richtig und wichtig. Ich dachte, ich würde es aushalten. Ich war geschickt und flink, doch nicht immer flink genug. Immer diese Angst, immer das bange Horchen, in welchem Zustand er wohl nach Hause kommt. Die Sorge, ob ihm das Essen auch mundet oder sonst irgendwas nicht zur Zufriedenheit ist. Ich habe es nicht mehr ausgehalten, Sixten. Ich habe etwa ein Jahr lang auf die richtige Gelegenheit gewartet. Ich wollte sicher sein, dass er mich nicht einfach zurückholen konnte.

Vielleicht erinnerst du dich, dass vergangenes Jahr eine Bardin bei uns im Dorfe war und über einen gewaltigen Reisetrupp, der unten an der steinernen Straße, welche Schornhelm mit Nordspitz verbindet, unterwegs war, berichtet hatte? Davon hatte ich gehört, und auch, dass er nach dem Ende des Marktes in Nordspitz auf dem gleichen Wege zurückkehren würde.

Fast hätte ich es nicht geschafft, ich stolperte am Abend bevor ich fortgehen wollte mit dem Essen, du kannst dir vorstellen, wie die Strafe ausgefallen ist. Ich bin sofort los, als Papa mit all meinen gesparten Münzen aus dem Haus verschwunden war. Ich wollte nicht warten, bis ich nicht liegen, nicht stehen, mich kaum regen konnte. Ich bin sofort gegangen. Die ganze Nacht durch. Und am nächsten Morgen - wäre ich da erst losgegangen, hätte ich die reisenden Händler verpasst - hat mich tatsächlich jemand von dieser Reisegruppe auf seinem Wagen mitgenommen, bis nach Schornhelm. Stell dir vor, in die riesige Stadt!

Es ist ein Straßengewirr, ein stinkender, vor Menschen überquellender Moloch. Nun und auch andere Völker laufen dort herum. Stell dir vor, ich habe Khajit und diese Echsenwesen, Argonier, kennengelernt. Und sogar ein paar Orks, von Rothwardonen, Bosmern und Altmern ganz zu schweigen! Aber zurück zu mir. Die Stadt war nichts für mich. Ich habe in dem angrenzenden, grünen Landstrich bei Bauernhöfen gefragt, bis ich einen gefunden habe, der mich genommen hat.


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Aliisa

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Donnerstag, 19. April 2018, 11:15

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Bis zum hohen Mittag habe ich jeden Tag dort gearbeitet, die restliche Zeit habe ich mit meinen Fallen und meinem Bogen das kleine Wild gejagt, das nicht unter Wilderei fällt, wie du es mir beigebracht hast. So lebte ich recht gut, war fast Teil der Familie und hatte eine eigene, wenn auch schmale Kammer für mich.

Aber diesen Sommer hatte ich von einem Fest in den Nebelbergen gehört, nicht allzu weit fort. Dort sollte es ein Bogenschützenturnier geben und - du wirst lachen - ich hatte mir doch tatsächlich Chancen dabei ausgerechnet. Der Hauptpreis bestand in einem wundervoll gearbeiteten Bogen. Den wollte ich doch nur zu gern erringen. Und so nahm ich mir eine Auszeit von meinem Bauern, dem ich versprach, auf jeden Fall zur Erntezeit zurück zu sein - in dieser Zeit half ich auch im Jahr zuvor von Morgens bis Abends.

So wanderte ich nach Kreuzlingen - so heißt der Ort in den Nebelbergen, wo das Turnier stattfand - und feierte einige Tage lang das dortige Sonnenwendfest mit. Ich kaufte ein paar Lose, ich wettete bei einem Faustkampf, der im Keller stattfand - und hatte kein Glück dabei. Und ich nahm an dem Schützenturnier teil. Doch war ich so aufgeregt, ich schied schon in der ersten Runde aus. Was für eine Blamage!

Das wichtigste allerdings war ein mehrstündiges Gespräch mit einer Dame tief in eine der Nächte hinein. Sie war die Freifrau der Baronie, die das Fest veranstaltete. Ich fragte sie nach den genauen Begebenheiten des Jagdrechts, was hier unter Wilderei fallen würde und was nicht, in der Hoffnung, vielleicht in Zukunft auch an etwas größere Pelze zu kommen. Ich erzählte auch von mir, wie du mir das Bogenschießen, Fallenstellen, das Jagen und Tierspuren lesen, das Aufspüren und sich leise im Wald bewegen beigebracht hattest. Und dass ich schon viele Jahre unseren Haushalt geführt hatte. Es war ein unbeschwertes, zielloses Gespräch. Ich hatte, außer diese Information über die Jagdangelegenheiten zu erhalten, keinen anderen Antrieb. Es fühlte sich gut an, mit dieser Dame zu sprechen, die anders als ich mir Adlige vorgestellt hatte, keineswegs von oben herab mit mir sprach. Es war eher warmherzig und vergnüglich.

Und doch kam etwas dabei heraus. Du wirst es kaum glauben, auch ich kann es immer noch kaum fassen, aber ich habe eine Jagdpacht in ihrer Baronie erhalten! Ich! Ich habe ein kleine Jagdhütte und ein recht großes Gebiet, teils mit Wald, teils mit offenen Feldern. Ich bin zuständig dafür, das Wild zu zählen, mir über seinen Zustand Gewissheit zu verschaffen und gewisse Kontingente darf ich auch schießen. Dafür arbeite ich mit einem Jagdaufseher zusammen.

An ganz große Tiere habe ich mich noch nicht herangewagt mit meinem kleinen Bogen. Aber zum Geburtstag hat mir eben jene Dame, Freifrau Eleona von Wolfenberg, einen Langbogen geschenkt. Eine Kostbarkeit, ich übe jeden Tag damit, brauche aber noch mehr Kraft in den Armen, um ihn dauerhaft den ganzen Tag ebenso problemlos handhaben zu können, wie meinen eigenen Bogen.

Fast hätte ich all mein Glück verloren, als ich unverhofft gefragt wurde, wie alt ich denn sei. Alle waren ziemlich geschockt, das war noch vor meinem 16. Geburtstag gewesen. Und dennoch habe ich die Jagdpacht behalten. Das Vertrauen der Freileute in mich muss groß sein und ich werde alles tun, es nie zu enttäuschen. Dafür bin ich jetzt ein Mündel, das Mündel dieser adligen Familie. Bis zu meinem 21. Geburtstag werden die Herrschaften von Wolfenberg gewisse Entscheidungen in meinem Leben fällen. Darauf habe ich mich eingelassen, im Gegenzug bleibt mir, mein Leben zu gestalten, eigenes Geld zu verdienen, auf eigenen Füßen zu stehen. Ich gehöre nun zur Baronie Nebelwald. Jeder der versucht, mich hier wegzuholen oder mir böses will, wird es mit einer Reihe von Gardisten zu tun bekommen. Solltest du Vater von meinem Brief erzählen, halte ihn bloß davon ab, mich zurückholen zu wollen. Das könnte übel ausgehen.

Dazu habe ich eine Lehre begonnen, auch wenn der Lehrvertrag wohl noch nicht unter Dach und Fach ist. Du bist nicht ganz unschuldig daran, denn - halt dich fest - ich werde den Bogenbau erlernen! Also noch mehr als das, was du mir gezeigt hast. Dazu noch andere nützliche Dinge, wie das Fährtenlesen, wobei ich im praktischen Einsatz schon jemandem über die Schulter schauen und lernen durfte. Und laufen muss ich, jeden Morgen fünf Kilometer mit Gewichten an Armen und Beinen! Ich sitze hier noch im eigenen Saft schmorend, bin gerade von einem solchen Lauf zurückgekehrt.

Es soll eine Schule in Kreuzlingen gebaut werden und auch ich soll Unterricht bekommen! In verschiedensten Fächern, aber gerade interessiert mich am meisten, wie man mit sogenannten Bruchzahlen arbeitet, die Dinge die eine Hälfte, zwei Drittel, ein Viertel und so weiter darstellen. Der zukünftige Lehrer, ein Herr Konogar Luchszam, hat mir nämlich einmal ziemlich viel über diese komischen Bruchzahlen erzählt.

Es gibt soooo viel zu berichten! Nächstes Jahr werde ich vermutlich mit vielen anderen zusammen nach Al'Kir reisen. Vermutlich hast du davon genausowenig gehört wie ich zuvor: Es ist ein großes, fremdartiges Wüstenland.

Auch eine weitere Sache muss ich dir berichten. Oder gestehen? Ich bin selbst manchmal noch sehr überrascht davon. Die Liebe ist in mein Leben getreten. Zweimal sogar bereits. Zuerst hatte ich mich in den Herrn verliebt, der mich auf der Reise aus der Heimat nach Schornhelm mitgenommen und kuriert hatte. Du kannst dir vorstellen, wie meine Kehrseite aussah, nach der durchwanderten Nacht und den teils blutigen Spuren des Riemens...

Er war kultiviert, gebildet, herzlich, elegant, gutaussehend, es war einfach ein Traum, dass er sich für mich, das einfache Bauernmädel aus den Bergen, interessierte! Er war Apotheker und Medikus und hat in Schornhelm ein großes Stadthaus in bester Lage. Doch Anfang dieses Jahres fand ich dann heraus, dass ich nur eine von vielen war, nur eine unwichtige Gespielin. Und ich hatte es für "die große Liebe" gehalten, ich naives Ding. Seinen Namen schreibe ich dir nicht, ich weiß, dir würde sonst die Hand jucken, solltest du jemals nach Schornhelm kommen.

Doch in Kreuzlingen habe ich jemanden viel besseren kennen gelernt. Und später auch lieben. Nur wird es dir vielleicht nicht gefallen zu hören, was auch mich immer noch fast genauso verwundert, wie all mein Glück hier in den Nebelbergen: Meine große Liebe ist eine Frau. Was auch immer du davon halten magst, wird deine Wut, Entrüstung, Enttäuschung oder was auch immer hoffentlich verraucht sein, bis wir uns wiedersehen. Glaub mir, Lina ist wundervoll. Sie lebt ebenfalls hier im Tannengrund und züchtet Bienen hier. Lina möchte zum Vasallen werden und das ganze Gebiet um den Tannengrund herum eigenständig verwalten. Dazu wird sie in den Dienstadel erhoben werden.

Dies ist etwas, das ich mit gemischten Gefühlen sehe. Natürlich freue ich mich für sie, aber sollten wir heiraten - du siehst, wie ernst es ist - würde auch ich adelig. Das fühlt sich so falsch an. Ich lerne zwar einige Dinge hier, aber ich bin ein Kind aus den Bergen, aus Wald und Fels. Ich bin glücklich, wie es jetzt ist. Als Jagdpächterin bin ich schon viel weiter gekommen, als ich es für möglich gehalten hätte. Aber ich will nicht jammern, wo es mir so gut geht. Trotzdem macht mir die Vorstellung, als Lady angesprochen zu werden, Angst. Das wäre doch nicht ich. Es wäre mit nichts verdient. Jeder würde genau das denken. Menschen, mit denen ich von gleich zu gleich verkehre, müssten mich plötzlich anders behandeln. Das will ich alles nicht.

Aber was schreibe ich hier nur... bestimmt schüttelst du mit dem Kopf beim Lesen. Sei dir sicher, ich bin immer noch ich, deine kleine Schwester, die mit dir zusammen tagein tagaus durch Wald und Flur, Berg und Tal gestreift ist. Ich trage dich in meinem Herzen bei mir, Sixten, wo ich auch bin.

Bitte Grüß dein liebes Eheweib Lilly ganz herzlich von mir. Und auch meine alte Nachbarin Stella Andersson. Ob du Vater etwas sagst, überlasse ich deiner Einschätzung. Sorgen wird er sich in den nüchternen Zeiten gewiss ebenso um mich machen. Ich weiß, er liebt mich trotz allem.


Deine Schwester Aliisa.



Aliisa streckte sich, schüttelte die verkrampfte Schreibhand aus und ging nun endlich zur Waschschüssel. Anschließend wäre es Zeit für das gemeinsame Frühstück in großer Runde. Sie freute sich schon darauf. Später würde sie irgendwo in Nordspitz sicher einen Boten finden, der den Brief an Sixten mitnähme.

Aliisa

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Donnerstag, 19. April 2018, 13:52

Post ins Hochland, vor einem halben Jahr - 18. Tag Herzfeuer im Jahr Jahr 2Ä 585 ((18.09.2017))

Sixten stand hoch oben auf der Leiter, die Lilly mit Stiefel und Fäusten an Ort und Platz hielt, um die Regenrinne vor dem Winter zu reinigen, als der Bote ankam. Ein Brief war eine Seltenheit, mit den allermeisten Menschen, die Sixten kannte, konnte er von Angesicht zu Angesicht reden. So saßen Lilly und er zunächst einmal eine Weile mit dem Boten zusammen in der Küche und unterhielten sich.

Als der Bote sich gestärkt wieder auf den Weg gemacht hatte, besah sich Sixten noch einmal den Umschlag. Er sah abgegriffen aus, als sei er auf seinem Weg hierher durch viele Hände gegangen. Sixtens Name stand unverkennbar in Blockbuchstaben darauf, dazu der Name seines Hofes wie auch des Dorfes. Darunter stand 'Kluftspitze - Hochland'. Wer um alles in der Welt sollte ihm von noch weiter weg einen Brief schreiben? Er drehte und wendete das Schreiben. Ein Absender war nicht zu sehen. Dafür klebten auf der Vorderseite manch seltsame Marke und verschiedene Stempel waren zu sehen.

Sixten zuckte mit den Schultern und wollte aufstehen, als Lilly, die hinter ihm stand, ihn wieder runterdrückte. "Was hast du denn jetzt vor?" fragte sie, in nicht eben versöhnlichem Ton. "Die Regenrinnen reinigen sich nicht von alleine, will ich meinen." erwiderte er gelassen und versuchte sich erneut zu erheben. Lilly schnaubte und drückte ihn wieder auf den Stuhl, die Hände auf seinen Schultern, und sagte: "Sixten Magnusson, du öffnest jetzt sofort diesen Brief!" Ihre Brust hob und senkte sich. Auf den Ansatz eines Einwandes folgte ein wütendes "Die Regenrinne ist mir gerade scheißegal! Mach den Brief auf, verflixter Sturschädel!"

Sixten brummelte irgendwas über Sturschädel und wer denn wohl einer sei, aber streiten wollte er darüber auch nicht. Immerhin meinte er noch etwas lauter: "Wenn es nachher regnet, machst du oben die Rinnen sauber, Weib!" Lilly zuckte mit den Schulter. "Ja ja." Sie blickte mit Argusaugen auf den Brief. Woher mochte er kommen? Hatte Sixten womöglich eine Liebste? Doch dazu hatte er doch gar keine Zeit! War ein entfernter Verwandter gestorben? Doch sie wusste von keinem. Oder.. sie mochte den Gedanken nicht zu Ende denken. Sie verschränkte ihre nervösen Finger ineinander, während Sixten mit seinem Messer ruhig und behutsam den Umschlag aufschlitzte, etwas umständlich die Pergamentbögen herauszog und entfaltete. "Nun mach schon!" bat ihn seine Ehefrau eindringlich.

'Lieber Sixten' stand oben als allererstes und Lilly schnaubte. Sie hatte eigentlich gar keinen Anlass, eifersüchtig zu sein und Sixten gar keine Zeit, irgendwas mit einer anderen anzufangen. Und doch... oder sollte es wirklich...? Sixten las ersteinmal nicht weiter als die Anrede. Er wirkte merklich aufgeregter und sah auf das Ende des Briefes. Da stand es, eindeutig: 'Deine Schwester Aliisa'. Sixten biss sich auf die Unterlippe und blinzelte. Jetzt nur nicht vor dem eigenen Weib heulen. "Von wem ist er?" fragte Lilly aufgeregt, die noch schlechter lesen konnte, als ihr Mann. Sixten schluckte und versuchte sich nichts anmerken zu lassen, als er "von Aliisa" sagte, als bekäme er jede Woche einen Brief von ihr.

"Den Göttern sei dank!" entfuhr es Lilly. Das war gleich ein doppelter Grund zur Freude. Es gab keine heimliche Geliebte und der seit langem über ihnen liegende Schatten der Unsicherheit, was mit Sixtens kleiner Schwester geschehen war, würde nun fortziehen. Auch wenn Lilly wusste, dass Sixten seinen Vater inzwischen nicht mehr verdächtigte, das Mädchen getötet zu haben, hatte ihre ungewisse Abwesenheit immer wie eine Nebelbank über der Stimmung im Haus geschwebt. Nun wusste man wenigstens, dass sie am Leben war. Lilly ließ Sixten in Ruhe lesen. Dieser schnaubte und brummte immer mal hier und da, einmal schlug er wütend mit der Faust auf den Tisch, dass die Brotdose einen Satz machte. "Wenn ich diesen Knilch in die Finger bekomme..." murmelte er wütend, las aber weiter.

Als Sixten fertig war und Lilly nun auf die Zusammenfassung hoffte, strich ihr Mann die Seiten zunächst sorgfältig und umständlich glatt und las dann Aliisas Brief erneut, Zeile für Zeile, Wort für Wort. Aliisas krakelige Schrift und die wenig geübten Lesekünste Sixtens ließen darüber einige Zeit vergehen. Dieses Mal schnaufte er nur wütend an einer Stelle. Er war ja vorgewarnt.

"Nun sag schon, was schriebt sie, wo steckt sie, wann kommt sie zurück?" fragte Lilly aufgeregt. Sixten brummte. "Also ..." begann er. Lilly seufzte und setzte sich auf den Stuhl neben Sixten. Ihr Mann konnte manchmal sehr schnell sein, besonders wenn er wütend war. Doch mit Worten war er es weniger. Geduldig sah sie ihn an, harrend der Dinge, die er ihr sagen würde.

"Das schamlose Ding ist tatsächlich weggelaufen! Und das gleich bis hinter Schornhelm!" "Schornhelm? Bist zu sicher?" kam es jappsend zurück. Die große Stadt war irgendwo, unvorstellbar weit weg im Süden. Fremdlinge hausten da. Sixten brummte. "Naja, ich kann sie ja verstehen, wie es zu Haus zuging..." brummelt er. "Trotzdem, dem Vater und uns so einen Schrecken zu verpassen." Lilly sah ihn an, das waren ungewohnte Töne, bisher hatte er Aliisa immer in Schutz genommen. "Dann überleg mal, wie es auf dem Mühlenhof heute aussehen würde, wenn sie nicht gegangen wäre. Für deinen Vater war es ein Segen!"

Sixten sah Lilly einen Moment an, bevor er mit zusammengezogenen Brauen nickte. "Ja, und ... sie hat die Schläge nicht mehr ausgehalten. Sie ist mit Händlern bis nach Schornhelm mitgereist. Ich will gar nicht wissen, wie sie das bezahlt hat." Lillys Hand war so schnell, dass Sixten die Ohrfeige nicht hatte kommen sehen. Natürlich ließ er sich nichts anmerken, auch wenn seine Wange sichtlich rot wurde. "Sixten Magnusson, ich sollte dir den Mund mit Kernseife auswaschen. Geschuftet wird sie haben für die Mitfahrt! Was denkst du von deiner Schwester? Bei den Göttern, du solltest dich schämen, aber sowas von!"

Sixten zog den Kopf ein. Er gab ihr ja im Stillen Recht. Trotzdem sprach er äußerlich von dem Donnerwetter unbeeindruckt weiter: "Sie mochte die Stadt nicht - kein Wunder, wenn du mich fragst - und hat bei einem Bauern gearbeitet." Lilly nickte. Das konnte sie sich gut vorstellen. Da wäre ihre Schwägerin bestimmt eine tatkräftige Hilfe, immerhin hatte sie schon lange für sich und den Vater gekocht und gewirtschaftet.

"Aber das ist noch nicht alles. Stell dir vor, mein kleines Schwesterchen, ist heute eine Jagdpächterin!" seine Stimme wurde weicher. Er dachte an die junge Aliisa, mit der er Tag für Tag im Wald gewesen war. Wie gelehrig das stille Mädchen gewesen war, wie interessiert an allem. Sie schien alles in sich aufzusaugen, was sie von den trüben Gedanken an Lykke ablenken konnte. "Das verdankt sie dir, Sixten." Sixten nickte. Das stimmte. Und er war heilfroh darum, dass er ihr etwas hatte beibringen können, mit dem die Kleine jetzt ihren Lebensunterhalt verdienen konnte. Wie hatte er nur denken können, sie hätte leichtfertig ihren Körper angeboten?

"Sie hätte mir ruhig mehr Ehre machen können..." murmelte er. "Ehre? Wobei?" fragte Lilly irritiert. "Ach, sie hat an einem Bogenschützenturnier teilgenommen und ist gleich in der ersten Runde ausgeschieden, weil sie so aufgeregt war." Er lachte leise. "Dabei können diese ganzen Südländer ihr doch nichtmal das Wasser reichen!"

Über die hinteren Teile des Briefs sprach er nicht. Das musste er ersteinmal mit sich selbst ausmachen. Dass da irgendwas gewesen sein musste, das ihren Mann auf die Palme gebracht hatte, war Lilly auch klar, aber sie drängt ihn nicht. Sie musste auch nicht alles zwischen Bruder und Schwester wissen. Und bestimmt würde Sixten mit ihr reden, wenn er so weit wäre.

"Na dann werd ich mal ... die Regenrinnen machen sich nicht von alleine." meinte sie leichthin und trat hinaus in die Tenne. Sixten starrte auf die letzten Absätze des Briefes. Zu gern würde er diesen Apotheker einmal in die Finger bekommen. Und dieses Weib dazu, das seiner kleinen Schwester jetzt gerade wohl den Kopf verdrehte. Wer hatte Aliisa diese Flausen in den Kopf gesetzt? Diese südländische Marotte? Er schlug erneut mit der Faust auf den Tisch. Für seine kleine Schwester war eigentlich sowieso niemand gut genug! Und ein Weibsbild schon erst recht nicht!

Wütend eilte er hinaus, seinem Weibe nach, doch die war schon auf die Leiter geklettert. "Ja willst du dir denn den Hals brechen, Lilly?" fragte er, packte die Leiter mit beiden Händen und hielt sie fest, während Lilly hoch oben altes Laub und kleine Ästchen aus der Rinne kratzte und auf den Boden fallen ließ. Sixten brummelte unten vor sich hin. Nicht nur die Liebesdinge seiner Schwester - die war gefühlsmäßig für ihn eigentlich noch ein Kind und hatte sich um andere Dinge zu kümmern! - regten ihn auf. "Sie ist mit ihrer wunden Kehrseite den ganzen Weg bis runter zur Steinstraße gelaufen." er schüttelt den Kopf. "Wenns nicht so wäre, wie's gekommen ist, würd ich den Vater dafür selbst übers Knie legen..." brummelte Sixten leise vor sich hin. Wie weh das tat, sich damit auch nur zu bewegen, nachdem sein Vater ihm das Fell gegerbt hatte, wusste er nur zu gut aus eigener Erfahrung. "Ach ich soll dich übrigens grüßen." rief er lauter hinauf. "Mmmh. Danke." kam es emsig beschäftigt von oben.

Aliisa

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Mittwoch, 30. Mai 2018, 14:19

Mückenplage

Nett war es gestern gewesen auf der Hausversammlung, aber warum zum Daedra hatte man sich unbedingt in den Garten setzen müssen? Klar, für alle anderen waren die in den Abendstunden zahlreich herumfliegenden Mücken einfach viel weniger lästig, denn wenn sie dabei war, stürzten sich alle diese elenden Plagegeister auf ihr süßes Blut. Aliisa seufzte. Sie saß vor dem Haus im Tannengrund im Schatten. Zum Glück war es hier nicht feucht und daher ziemlich mückenfrei.

Sie rieb sich mit einer leicht bläulich schimmernden Salbe all die kleinen roten Erhebungen auf ihrer Haut ein. Unglaublich, wo die Mistviecher sie überall gestochen und ausgesaugt hatten, selbst an Stellen, an denen das Mädel eigentlich bekleidet gewesen war. Am schlimmsten waren Hals und Gesicht betroffen, aber auch das Dekolletee, die Schultern, Arme und Beine.

Nach der gestrigen Wanderung nach Lohenau war sie natürlich verschwitzt gewesen, und genau das hatte die elenden Plagegeister offenbar um so mehr angezogen. Aliisa sah inzwischen bestimmt ziemlich lächerlich aus, mit all den weißlich bis bläulich eingeschmierten Stellen auf dem Leib. Eine Biene umsummte die mit ihnen vertraute Jagdpächterin. Aliisa fragte sich immer, ob die Bienen sie inzwischen vielleicht wiedererkennen würden. Sie blieb ganz ruhig, und tatsächlich flog die kleine Pollensammlerin weiter, nachdem sie ein wenig Aliisas Haut gekitzelt hatte.

Vielleicht hatte der Geruch der Salbe das kleine Tier irritiert? Aliisa streckte sich. Im Schatten war es gemütlich, faul in kurzer Hose und schulterfreiem Top herumzusitzen. Doch lange Zeit für Müßiggang erlaubten ihr ihre diversen Vorhaben leider nicht. In langsamen Schlucken trank sie die selbstgemachte Zitronenlimonade aus, um die Pflicht noch ein wenig hinauszuzögern. Außerdem musste die Creme einziehen und trocknen.

Bald schon würde sie sich in ihre Ledersachen zwängen, keine Freude bei dieser Wärme, sich ihre Fallen und ihren Bogen, die Pfeile, den Köcher und das um den Leib laufende Riemengewirr, um all dies zu befestigen, schnappen und sich aufmachen in ihr Jagdpachtgebiet. Immerhin konnte sie den Weg so legen, dass sie gegen Ende im Schwalbenfluss baden und sich abkühlen konnte. Sie müsste nur aufpassen, dabei dem jüngsten Knecht des Bauern Potts zu entgehen. Der junge, vielleicht vierzehnjährige Bursche schien anzufangen, sich für Frauen zu interessieren und die einzige einigermaßen in seinem Alter befindliche Dame war ausgerechnet Linas Verlobte.

Immer öfter schien er ihr "zufällig" zu begegnen. Es fehlte gerade noch, dass er ihr heimlich beim Baden zusah... Aber wozu konnte sich Aliisa so geschickt in Wald und Flur bewegen? Da würde sie diesem hormongetriebenen Beinahe-noch-Kind wohl entgehen können. Dass der betreffende Bursche nur gerade mal zwei Jahre jünger als sie war, kam ihr nicht in den Sinn. Aliisas Gefühl nach lagen Welten zwischen seinem und ihrem Alter, zwischen ihm und ihr.

Mit einem Seufzen stand Aliisa auf und brachte den leeren Becher und die sorgsam wieder verschlossene Paste nach innen. Kurze Zeit später trat sie in voller Montur erneut aus dem Haus. Den Körper gestrafft, die Miene entschlossen. So vieles galt es zu beweisen. Dass das Vertrauen der Freifrau gerechtfertigt war, dass sie sehr wohl eine gute Jagdpächterin sein konnte, auch wenn sie nebenbei so viel lernte und andere Pflichten wie auch Interessen hatte - und ach so vieles: Dass sie mehr war, als ihre Herkunft vermuten ließ, dass sie sich nicht unterkriegen ließ, dass sie entschieden handeln konnte.

Auch wenn die prüfenden bis spöttischen Blicke der Bauern, der anderen Jäger allmählich weniger wurden, da sie seit dem letzten Sommer ihr Gebiet im Griff hatte, gab es immer wieder jemanden, der sie in Frage stellte. Sei es wegen ihrer Figur, wegen ihres Geschlechts, wegen ihrer geringen Körpergröße, wegen ihres Alters oder wegen ihrer Liebsten - Angriffspunkte gab es viele und die Beschränktheit mancher Leute schien keine Grenzen zu haben.

Zum Glück waren die Menschen die zählten anders. Aliisa streckte sich, wie meist um eine gerade Haltung bemüht, um den geringen Wuchs auszugleichen, und packte den Bogen fester, dessen Sehne noch entspannt zusammengerollt war. Elastischen Schrittes ging Aliisa nach einigen vergeblichen Blicken, die ihre Liebste suchten, auf den Waldrand zu. Als sie in den Schatten eintauchte, war sie schlagartig wieder "zu Hause". Früher war der Wald Sixten und ihr Rückzugsgebiet gewesen, der Schutzraum vor ihrem unberechenbaren Vater, ihr Areal, in dem sie fast nie jemand störte. Das unglaubliche heimatliche Gefühl überfiel sie nach wie vor jedes Mal erneut, obwohl sie inzwischen ein wunderbar behagliches und liebevolles Zuhause an Linas Seite gefunden hatte. Aliisa blieb einige hundert Meter weiter stehen, atmete tief ein und lauschte auf die Geräusche des Waldes und seiner Bewohner.

Auch wenn sie vorhin noch lieber faul und träumend im Schatten sitzen geblieben war, nun war sie wieder ganz die Jägerin, die Hüterin "ihrer" Tiere, "ihres" Waldes. Viel zu schießen gab es im Moment nicht, die meisten Tiere hatten Nachwuchs. Aber zu zählen, zu beobachten, zu hüten und zu pflegen. Auch die kranken Bäume hatte sie im Blick. Zum Glück waren es nur wenige und es schienen im Moment auch nicht mehr zu werden.