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Freitag, 10. Mai 2013, 16:29

Shyrr gra Shakarr

Vor vielen Jahren

Es war ein wirklich schöner Tag. Die Sonne schien heiß und der aufkommende,
kühle Wind von Westen her ließ Shakarr innehalten um tief durch zu atmen.

Sie roch die ihr bekannten Kräuter und die durch längere Trockenzeit getrockneten Gräser, spürte
den harten, steinigen Boden unter ihren Füßen und lauschte dem kleinen Bach, an
dem sie als Kind so gerne gespielt hatte.

Im Schatten eines größeren Busches legte sie ihren ledernen Rucksack ab, lies sich langsam nieder
und schloss die Augen. Für eine Weile saß sie still und bewegte nur die Füße
hin und wieder im kalten Wasser.


Sie hörte das Zwitschern ihr bekannter Vögel und etwas weiter entfernt das Rascheln eines
kleinen Tieres.

Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend stiegen empor. Shakarr musste lächeln,während sie
an ihre erste Jagd dachte, an die Streifzüge mit der weisen Frau, die ihr die Namen und
die Wirkung vieler Kräuter beigebracht hatte, an die vielen Stunden die sie mit
den Frauen und Kindern im Sommer hier am Bach verbracht hatte und wie ihr Onkel
sie und die anderen Kinder immer wieder erschreckt hatte um ihren Mut zu erproben.


Sie trank den letzten Schluck aus ihrer Flasche, legte sie zur Seite und betrachtete ihre
rechte Hand. Die langen Finger waren kräftig, und auf ihrer Hand zeichneten
sich deutlich Adern und Sehnen unter der grünlichen Haut ab. Sie ballte die
Hand zur Faust, spannte ihren Arm an und betrachtete ihre ausgeprägte Muskulatur.

Kräftig war sie damals gewesen, als sie ihre Heimat verließ. Stark und Stolz mit großer
Neugier auf die Welt und dem Willen sich zu beweisen.

Sie entspannte den Arm wieder und legte die Hand sanft auf ihren gewölbten Bauch, in
dem sich das Kind grade bewegte.

Über acht Jahre war es her, dass sie ihren Clan verlassen hatte. Sie hatte in dieser Zeit viel
erlebt, viel gesehen und oft gekämpft – nicht nur mit der Axt.
Älter war sie
geworden, geduldiger, weiser und... weicher. Ihr Stolz stand jetzt nicht mehr an
erster Stelle, sondern das Kind. Dieses Kind, das noch nicht ein Mal geboren
war, und trotzdem so viele Gefühle hervorrief. Freude, Sorge, Angst, Euphorie
und Traurigkeit.


Der letzte Monat war besonders hart gewesen, seit zwei Wochen führte sie ihr Pferd nun, weil
sie nicht mehr auf dessen Rücken sitzen konnte. Sie brauchte viele Pausen, ihre Verdauung
machte ihr ständig Ärger und immer wieder drückte die Blase – nur hin und
wieder konnte sie eine ganze Weile am Stück laufen. Und dann waren da auch noch
ihre Launen. Auf den Wegen war ihr Niemand begegnet, der ihr Schluchzen oder Lachen
hätte hören können. Nur ein paar Vögel und ein Reh waren
erschreckt geflüchtet, aber sie sah keinen anderen Zweibeiner.


Ein leises Schnauben an ihrem Ohr holte sie in die Gegenwart zurück. Ihr Pferd war ein
langjähriger Begleiter und ein verlässlicher Freund geworden. Sie lehnte ihren
Kopf gegen den des Pferdes, das die Augen halb schloss, und genoß die warme,
sanfte Berührung.

Seit über einem Monat hatte sie kein Wort mehr mit einem anderen Zweibeiner wechseln
können und ihre Stimme nur benutzt, wenn sie gegen körperliche und seelische Schmerzen
ankämpfte – sie sang und hin und wieder fluchte sie auch um wieder frei Atmen
zu können. Sie freute sich darauf, wieder mit ihrer Familie reden zu können.


Shakarr streichelte ihrem Pferd den Hals und mühte sich auf. Ihr war bewusst,
dass sie die Ankunft in ihrer Heimatfestung nur unntöig herauszögerte. Es würde
schwierig werden das Vertrauen wieder herzustellen um erneut Teil der Familie
zu werden, aber das Kind konnte jederzeit auf die Welt kommen, es alleine zu
gebären würde sehr schwierig werden.

Sie füllte ihre Flasche wieder, aß ein paar der Beeren die sie unterwegs gepflückt hatte
zusammen mit einem Streifen Dörrfleisch, bevor sie sich den leicht ansteigenden
Hügel nach Nord-Osten hinauf entgegenwand, an dessen Ende, eingebettet zwischen
hoch aufragenden Felsen, ihr ehemaliges Heim lag.

Shakarr wählte ihren früheren Lieblingsweg. Sie spürte das Laub und Moos unter den Füssen
und beobachtete die Lichtstrahlen die durch die Zweige der alten Bäume fielen.


Bis jetzt hatte sie nicht das Gefühl beobachtet zu werden. War ihre Familie nachlässig
geworden? Nein, mit Sicherheit nicht. Vielleicht hatte man kein weiteres
Interesse an ihr oder wollte abwarten, was sie sagen würde.

Von der Festung aus hatten man einen guten Blick über das Gelände und den angrenzenden Wald,
aber vom Weg unterhalb war es schwer fest zu stellen, ob man gesehen wurde.

Als sie um die letzte Biegung lief, blieb sie stehen. Die Tore standen halb offen und es war
niemand zu sehen. Kein Wachposten, keine spielenden Kinder, nicht ein Mal Vogelgezwitscher war
zu hören – es war totenstill.

Shakarr drehte sofort zur Seite weg und brachte ihr Pferd einige Meter zurück mit einem
Handzeichen unter einem der Bäume zum stehen. Sie wickelte die Zügel locker um
einen Ast, nahm das Kurzschwert, das sie am Sattel befestigt hatte und warf
einen Blick auf die Bäume vor sich.

In ihrer Kindheit war sie oft über die Bäume fast bis zur Palisade hin geklettert – von einem Ast
zum nächsten, wie ein großes Eichhörnchen.

Als wäre sie nie fort gewesen umgriff sie die richtigen Äste, zog sich auf den Baum und war auch
schon fast auf dem nächsten, weiter oben liegendem.Von diesem kletterte sie
wieder nach unten und hangelte sich auf dem Abhang zum nächsten Baum.

Bei diesem war sie vorsichtiger, da sie sich daran erinnerte, dass der große Walnussbaum von
der Festung aus gut zu sehen war. Vorsichtig zog sie sich an einem dicken
Hauptast nach oben und kletterte langsam, Ast für Ast direkt am Baumstamm nach
oben. Durch das dichte Laub konnte sie nicht genug erkennen, also stieg sie
noch etwas höher und sah sich um. Von hier konnte sie einen gut geeigneten Ast
erkennen, der ihr Gewicht tragen würde und von dem aus sie vermutlich eine
bessere Sicht hatte.

Auf dem ausgesuchten Ast angekommen, lehnte sie sich mit dem Rücken gegen den Baumstamm
und hielt sich instinktiv an zwei dünneren Ästen fest um sicher stehen zu
können. Sie spürte den Schmerz an ihrer Seite kaum, an der sie sich den dicken Bauch
blutig aufgeschrammt hatte und richtete den Blick auf die Festung. Man konnte
nicht die gesammte Festung einsehen, aber den unteren Teil in dem die Schmiede,
aus der kein Rauch aufstieg, und einige andere Gebäude lagen.

Shakarr erkannte auf den erste Blick, dass die Orcs, die dort am Boden lagen, tot waren.
Mindestens drei Tage schon. Sie ließ den Blick längere Zeit über die gesamte Umgebung
schweifen, aber bis auf die toten Orcs war nur eines auffällig. Um den äusseren
Rand der Palisade zog sich ein rot glühendes Band.


Vom Weg aus war es ihr nicht aufgefallen, aber von hier oben konnte sie
ganz deutlich sehen, dass dort etwas im Gras war.
Shakarr wusste nicht allzuviel über Magie, aber ihr war sofort klar, dass sie diese
rote Grenze besser nicht überschreiten sollte.


Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Ehrenklinge« (20. Mai 2013, 16:59)


2

Donnerstag, 16. Mai 2013, 16:00


Die ehemalige Jagdhütte, die Shyrr aus Holz, Stein und Lehm wieder aufgebaut hatte, lag gut versteckt mit dem Rücken nach Norden an eine Felswand gelehnt, die sie vor den harten Winden im Winter schützte, aber den Blick nach Süden auf Bäume und ein Stück Wiese frei lies.
Die provisorische Tür stand offen und ließ einen Teil der Hütte im Sonnenlicht erstrahlen. Ein Lehmofen stand an der nach Norden gerichteten Wand, daneben lag ein verbeulter Kessel, der mit Wasser gefüllt war und in dem ein paar Kräuter schwammen. Auf einem kleinen Tisch lagen vier Brettchen, zwei scharfe Messer und zwei schön marmorierte Steine, zwischen denen eine halb heruntergebrannte Bienenwachskerze auf einem Stück Ton stand.
Auf der anderen Seite des Ofens, weiter von der Tür entfernt stand ein provisorisches Bett, auf dem ein paar Felle lagen.

Shyrr war grade von einer längeren Wanderung zurückgekehrt und verlas die Walderdbeeren die sie gefunden hatte.

Auf dem hölzernen Tisch neben ihr, der aus ein paar dicken Ästen und Brettern bestand, lagen
einige Kräuterbündel, Moose und verschiedene Wurzeln und Knollen, an denen noch Erde hing.

Auf ihrer anderen Seite schlummerte ein weißer Wolf mit halbgeschlossenen Augen, das Kinn auf
seine Pfoten gebettet.
Shyrr lehnte sich zurück und spürte den Stolz, der sie in letzter Zeit immer häufiger überkam.

Als sie die Weiße fand, war sie mehr tot als lebendig. Mit einem seiner roten Augen hatte der
Welpe sie angesehn, als sie sich neben ihn kniete um seine Qualen zu beenden.
Dieser Blick war so intensiv gewesen, dass sie zögerte – zu lange zögerte. „Du
willst leben, kleiner Wolf? Wir werden sehen.“, hatte sie gesagt und den Welpen
in eines ihrer Felle gepackt. Er war so klein gewesen, dass sie ihm das Essen
vorkauen und ihn regelmäßig säubern musste.

Shyrr hatte dem Wolf eine Chance gegeben, er hatte um sein Leben gekämpft und überlebt.
Heute wusste sie,dass die Weiße sie damals nicht gehört hatte. Bei ihren ersten Erkundungstouren
zu zweit, war Shyrr aufgefallen dass der Wolf auf die Geräusche im Wald nicht
reagierte. Sie testete das Hörvermögen über längere Zeit, aber die Weiße blieb
taub.

Das war für Beide aber nicht weiter von Bedeutung, denn von Anfang an hatten sie über Mimik und Gestik
miteinander kommuniziert.

Die Weiße schien Shyrrs Blick gespürt zu haben, denn sie öffnete die Augen, setzte sich auf und
legte ihr Kinn auf das nackte, grüne Bein.

Mit den Fingerspitzen fuhr sie dem Wolf sanft über den Kopf und schmunzelte, als sie
die Reste des getrockneten Bluts unter der Schnauze entdeckte.

Eine ganze Weile saßen sie so, bis Shyrr aufstand um die restliche Ausbeute der Wanderung zu
verarbeiten.

Die Weiße hatte Heute erfolgreich gejagt. Morgen würde es einen Eintopf aus einem Knochensud
vom Hasen mit Wurzelgemüse und jungen Brennesseln geben auf den sich die Orcin
schon jetzt freute - sie hatte in einer Siedlung erst vor kurzem etwas Salz
gegen ein paar kleinere Felle und die ersten Kräuter getauscht.


Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Ehrenklinge« (20. Mai 2013, 16:57)


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Gragosh gro-Donneraxt (17.05.2013)

3

Montag, 20. Mai 2013, 16:48

Einige Stunden früher an diesem Tag saß Shyrr auf dem Boden vor ihrer
Hütte und aß eine Schüssel Eintopf, während ein paar Meter entfernt ein
weißer Wolf das rohe Fleisch von einem Knochen nagte.
Als beide fertig gegessen hatten, rieb Shyrr ihre Beine und Arme sparsam mit fest
gewordenem Kokosöl ein, das einen angenehmen Geruch hatte und die
meisten Plagegeister von ihr fernhalten würde.
Der Geruch war der weißen Wölfin zu intensiv und so hielt sie einige Meter Abstand, als die Beiden in den Wald aufbrachen.

Als es auf den Abend zuging, machten sie sich auf den Weg nach Hause. An
einer blühenden Brombeerranke blieb Shyrr stehen und roch an den Blüten.
Sie freute sich - der Winter war endlich vorbei!

Die weiße Wölfin konnte die Vögel nicht hören, die sich ein paar hundert Meter
weiter unten aus den Baumwipfeln erhoben, aber Shyrr wurde aufmerksam.
Sie lauschte eine Weile und zögerte, bevor sie in einem halbrunden Bogen
auf die Stelle zu lief, die die Vögel verlassen hatten. Die Weiße folgte
ihr ein paar Meter entfernt, bis sie eine Witterung aufnahm.
Shyrr spürte die Anspannung und Neugier der jungen Wölfin, die ihren Blick
suchte. Über ihre Mimik gab die Orcin der Weißen zu verstehen, dass sie
in ihrer Nähe bleiben solle.
Etwa 100 Meter folgte Shyrr der Wölfin,
die sich immer wieder zu ihr umsah, bevor sie die Weiße mit einer Gester
ihrer Hand und einer leichten Drehung seitwärts zu sich zurück holte.
Spuren führten hier durch den Wald. Vermutlich ein Zweibeiner, der etwas hinter sich herzog.
Die in ein Stück dickes Leder verpackte Machete die sie jetzt offen
seitlich unter ihrer Brust trug und von der nur der hölzerne Griff zu
sehen war, gab ihr ein kurzes Gefühl von Sicherheit.
Aufmerksam folgten Frau und Wolf den Spuren. Shyrr sah sich immer wieder um und
blieb stehen um zu lauschen und nach einer Weile war sie sich sicher
zwei Stimmen zu hören.
Die Bäume standen hier dicht beieinander und es war dunkel genug, um sich noch ein Stück näher zu schleichen.
Sie fand eine gute Stelle, von der aus sie knieend, hinter den Überresten
eines umgefallenen Baumriesen auf dem es bereits Spross, das seltsame
Duo beobachten konnte.
Unterhalb des Baumstamms gab sie der Wölfin ein Zeichen sich ab zu legen, da ihre Fellfarbe viel zu auffällig gewesen wäre.

Etwa 15 Meter von ihr entfernt lehnt sich der Bretone erschöpft gegen einen Baum.
Von dem Gespräch, das nun folgt, versteht Shyrr nur einzelne Worte, die für sie wenig Sinn ergeben.
Offensichtlich sind der Orc und der Bretone schon eine Weile unterwegs, sie wirken angeschlagen.
Shyrr wendet sich grade ab, als der Bretone einen Zauber wirkt. Überrascht
duckt sie sich tiefer hinter den gefallenen Baum, als der Orc daraufhin
rückwärts in ihre Richtung läuft, rutscht mit ihrem rechten, nackten Fuß
zur Seite weg über Laub, das raschelt.

4

Montag, 20. Mai 2013, 16:51

Shyrr presst sich dicht gegen den Baumstamm, als eine plötzliche
Stille eintritt. Sie bewegt sich mit Hilfe ihrer Hände und Füße etwa
zwei Meter nach links, diesmal ohne einen geräuschintensiven Patzer, wo
seitlich versetzt ein Baum mit kräftigem Stamm steht.
Als sie das laute Zischen hört, ruft sie nach einem Augenblick mit kräftiger, tiefer Stimme:
"Ho! Kein Anlass zur Sorge!"
Shyrr versichert sich mit einem Blick, dass der Wolf noch immer am Boden
liegt, bevor sie sich anderthalb Schritte hinter dem Baum, noch
ausserhalb der Sichtweite, erhebt und erst dann aus dem Schatten des
Baums tritt.
Die Orcin hält sich leicht seitlich um eine möglichst
geringe Angriffsfläche zu bieten, als sie in das Sichtfeld der Beiden
gelangt.
Shyrr ist etwa eine Handbreit größer als die
durchschnittliche Orcfrau und wie es für ihr Volk üblich ist übermäßig
muskulös. Gekleidet ist sie in eine weiche, eng anliegende, dunkle
Wildlederhose und ein Hemd dessen unauffälliger Glanz darauf schließen
lässt, dass es aus Brennesselfasern gefertigt wurde.
Ihre aufrechte Haltung mit dem leicht erhobenen Kinn und dem wachen, intensiven Blick
mit dem sie die beiden Wanderer mustert drücken Selbstbewusstsein, aber
keine Agression aus.
"Ja.", Shyrr deutet ein Nicken an, "Mir gehen
einige Fragen durch den Kopf, was ein Orc und ein Bretone gemeinsam in
diesem Teil der Wälder machen."
Nach einem Augenblick spricht sie weiter. "Ihr wirkt erschöpft.", es klingt wie eine Tatsache, nicht wie eine Frage.

5

Montag, 20. Mai 2013, 16:55

"Von einem Eber angegriffen!", ruft die Orcin aus und schweigt einen Moment. Man
kann deutlich sehen, wie ihre Mimik von Überraschung zu plötzlichem
Ernst wechselt.
"Dann scheint an dir mehr dran zu sein, als man auf
den ersten Blick sieht, Bretone." Shyrr mustert Rowan einen Augenblick
abschätzend, bevor sie weiterspricht. "Ich bin Shyrr. Und ein solcher
Klan existiert nicht, Gragosh."
Wieder ein Moment der Stille, in der
die Orcin abwägend ihren kräftigen Unterkiefer zur Seite schiebt,
während sie Gragosh mit festem Blick fixiert. "Trotzdem bin ich nicht
alleine unterwegs. Euch ist klar, dass ihr in dieser Geschwindigkeit
noch eine ganze Weile unterwegs sein werdet, bis ihr die nächste
Siedlung erreicht?"
Sie streckt die linke Hand mit der Innenfläche
von sich in Richtung der Beiden, ein unmissverständliches Zeichen für
"wartet", während sie den Blickkontakt zu ihrer Wölfin aufnimmt und sie
mit einer unscheinbaren Geste ihrer anderen Hand zu sich ruft.

Die Weiße springt auf und läuft mit schnellen, eleganten Schritten an Shyrrs
Seite und sieht mehrmals unschlüssig zwischen den beiden Fremden hin
und her, bis sich die roten Augen wieder auf die Orcin richten.
Shyrr beachtet das Tier nicht weiter, sondern mustert die Mimik der beiden Fremden.

6

Dienstag, 21. Mai 2013, 11:35

"Nein. Zufällig bin ich nicht auf dem Weg nach Jehenna."
Shyrr tritt näher, während Rowan redet und bleibt etwa eine Körperlänge von ihm entfernt stehen.
Der Wolf bleibt an Ort und Stelle, sein Kopf bewegt sich aber immer wieder hektisch hin und her, er wirkt verunsichert.
Die Orcin schließt halb die Augen und streckt den Kopf leicht nach vorne
während sie tief durch die Nase atmet - es klingt als würde sie
schnüffeln - und wieder ausatmet. Ihre Anspannung schwindet ein Stück
weit und sie sieht ihn direkt an.
"Ich verstehe nicht ganz, was du da sagst - deine Geschichten würde ich aber gerne hören."
Shyrr wirft einen Blick in Richtung des Orcs, der halb in den Blaubeerbüschen
verschwunden ist, bevor sie sich wieder an Rowan wendet.
"Der Wolf wird dich nicht angreifen, solange du ihn nicht provozierst. Sieh nicht in seine Augen."

Sie schweigt eine Weile und richtet ihren Blick auf den Orc, der sich durch
die Blaubeeren futtert. Als Gragosh schließlich das Wort an Rowan und
sie selbst richtet, antwortet sie nach einer kurzen Pause.
"Es gibt einen Ort in der Nähe wo ihr Schlafen könnt. In eurer Geschwindigkeit wird es dunkel sein, wenn wir ankommen."
Shyrr zögert einen Moment, bevor sie weiterspricht, "Wenn wir dich tragen,
Bretone, schaffen wir es in der Dämmerung. Ihr seht Beide aus, als
hättet ihr nichts gegen eine Schüssel Eintopf einzuwenden. Dabei lässt
es sich gut Geschichten erzählen."

7

Mittwoch, 22. Mai 2013, 11:02

Shyrr geht Gragosh entgegen und nimmt das andere Ende der Trage. Mit dem Rücken zu den Beiden gewandt, nimmt sie Blickkontakt zu dem Wolf auf, bevor sie schweigend die Richtung vorgibt.
Der weiße Wolf läuft in einem Abstand von etwa drei Metern seitlich der Gruppe und wirkt noch immer verunsichert.
Es geht ein Stück des Weges entlang, den Rowan und Gragosh bereits hinter sich gebracht hatten. Nach etwa 200 Metern verlässt Shyrr den Weg und bahnt sich ihren eigenen durch den Wald hindurch.
Mit der Trage geht sie umsichtig um, hin und wieder wirft sie Rowan einen Blick über die Schulter zu und warnt ihn mit einem "Achtung" oder "Halt dich fest", wenn Gragosh und sie ihn über eine schwierige Stelle schaffen.
An diesen Stellen versucht sie dem Orc so viel Last wie möglich ab zu nehmen.


Es geht immer weiter aufwärts, bis sie auf eine hohe Felswand treffen, die sich ein ganzes Stück durch den Wald zieht.
Hier bleibt Shyrr stehen und wendet sich nach hinten. Sie sieht Gragosh mit einem schwer zu deutendem Blick an.
"Es ist nicht mehr weit."
Der Wolf läuft inzwischen vor der Gruppe her, sieht sich aber immer wieder um und wartet auf die drei.
In einer Kurve umlaufen sie ein Stück der Felswand, bis sie wieder auf den hellen Fels treffen, der ihnen den Blick nach Norden versperrt.
Hier steht an die Felswand gebaut eine kleine Hütte, aus Lehm, Holz und Stein, die sich unauffällig in die Umgebung einfügt.
Das Dach ist von Moosen bedeckt und die provisorische Tür aus Brettern steht angelehnt vor der Öffnung.
Es ist kaum noch Licht vorhanden, als Shyrr die Trage neben der Hütte zu Boden sinken lässt und die Tür zur Seite hebt um sie an die Wand zu lehnen.
Sie bietet Rowan ihren kräftigen Arm zum Aufstehen an.

8

Donnerstag, 23. Mai 2013, 11:55

Shyrr führt Rowan zu einer selbstgezimmerten Bank aus entrindeten Ästen, die vor der Hütte steht.
"Setz dich, Bretone, und ruh dich aus." Sie wirft ihm von der Seite ein
verschmitztes Grinsen zu, bei dem ihre Hauer deutlich zu sehen sind.
"Wenn du nicht alles alleine isst, werde ich dich schon nicht
anknabbern.", fügt sie hinzu während sie die Hütte betritt.
Der Wolf folgt ihr sofort ins Innere und ist noch an ihrer Seite, als sie mit
einem halbgefüllten Kupferkessel wieder nach draussen tritt.
Sie stellt den Eintopf neben der Feuerstelle ab und reicht sowohl Gragosh
als auch Rowan ein Stückchen hart gewordenen Schinken vom Winter.
Während sie ein neues Feuer entzündet, erzählt sie.
"Als ich die Hütte gefunden habe war sie schon seit Jahren nicht mehr
bewohnt. Ich habe sie letztes Jahr wieder aufgebaut, bevor der Winter
kam.
Jetzt würde ich gerne deine Geschichte hören, Bretone."






Während sich der Eintopf ein Stück über dem Feuer erhitzt, steht sie nochmals
auf und schleppt einen Holzklotz heran. Sie sieht Rowan wieder direkt
an, während sie neben ihm kniet und nach seinem verletzten Bein greift
um es vorsichtig auf dem Holzklotz hoch zu legen.

9

Donnerstag, 23. Mai 2013, 18:29

Während Rowan erzählt, geht Shyrr noch ein Mal in die Hütte. Mit zwei hölzernen Schüsseln und einer Kelle kommt sie wieder, sie scheint dem Bretonen aufmerksam zu zu hören. Nebenbei wirft sie dem weißen Wolf Rippen und Rückgrat eines Hasen hin, an dem kaum noch Fleisch hängt.
Die Weiße schnappt sich das Stück und verkrümelt sich mit misstrauischen Blicken zu Gragosh und Rowan hinter einen dichten Busch.
Shyrr rührt den Eintopf kräftig um, erst dann beginnt sie zu sprechen.
"Ein Glück für dich, dass Gragosh zufällig in der Nähe war.", meint sie. Es ist schwierig heraus zu hören, ob sie an dieser Geschichte zweifelt.
"Ich denke nicht, dass ich dein Bein richten kann - halte es aber gut oben. Wenn es anschwillt wird es noch schmerzhafter. Wenn ihr etwas braucht, lasst es mich wissen - ich werde sehen, was ich tun kann.", sagt sie und sieht erst Rowan, dann Gragosh an.
"Weshalb ich einsam in den Wäldern lebe?" Shyrr schüttelt knapp den Kopf. "Ich fühle mich nicht einsam. Die Weiße ist hier und seit dem Winter habe ich regelmäßig Kontakt mit einem Jäger, der Nahe der Stadt wohnt.
Ich bin nicht traditionell aufgewachsen, Bretone. Es gibt keine Festung, die meine Heimat ist - und ich kenne auch die Feinde nicht, von denen du sprichst. Was du da erzählst, ist für mich schwer zu verstehen.
Krieg sagst du. Gemeinsame Feinde, gemeinsame Ziele."





Shyrr schweigt, während sie den duftenden Eintopf aus Wurzeln, Knollen, Hase und jungen Brennesseln vom Feuer nimmt und die beiden Schüsseln füllt. Ohne Löffel reicht sie Orc und Bretone das Essen.
"Es gibt nicht viele Alternativen."
Shyrrs bis jetzt so ruhige Mimik wirkt von einem Moment auf den anderen agressiv, sie funkelt Rowan wütend an und es dauert eine Weile, bis sie sich wieder unter Kontrolle hat, den Blick senkt und tief durchschnauft.
"Ich habe nicht vor den Rest meines Lebens an einem Ort zu verbringen, ich werde auch keinen Häuptling heiraten und mich als dritte Frau in einer fremden Familie durchschlagen. Genausowenig werde ich in einer Schmiede arbeiten, in der Andere mehr von meiner Arbeit profitieren, als ich selbst - ich lasse mich nicht betrügen, egal von welchem Volk."
Der Wolf huscht an ihre Seite, legt sich direkt neben Shyrr und legt das Kinn auf ihren Oberschenkel. Er scheint den Stimmungswechsel zu spüren, immer wieder legt er eine Pfote auf Shyrrs Bein, bis sie schmunzelt und ihn streichelt.
Der Orcin scheint der plötzliche Gefühlsausbruch nicht unangenehm zu sein. "Noch was vom Eintopf?", fragt sie eine Spur gastfreundlicher.

10

Freitag, 24. Mai 2013, 13:51

Shyrr hört Gragosh aufmerksam zu, während er in kurzen Sätzen von sich erzählt. Als seine Geschichte endet und Rowan wieder zu reden beginnt, wirkt sie nachdenklich.
Da keiner der Beiden einen weiteren Nachschlag will, greift sie nach Gragoshs Schüssel um sie für sich selbst mit dem Rest zu füllen und etwas zu essen, während sie dem Bretonen zuhört.
Shyrrs Hand fährt unbewusst in Richtung Machete, als Rowan den Levitationszauber wirkt. Als er mit dem Stock das Zeichen einer Triskele in den Boden malt, lässt ihre körperliche Anspannung nach und die Hand sinkt wieder in das dichte Fell des Wolfs.
"Was du erzählst, klingt interessant. Ich werde euch bis nach Jehenna begleiten - da war ich noch nicht."
Sie steht auf und geht wieder ins Innere der Hütte. Sie entzündet ein kleines Feuer im Ofen, man hört es hin und wieder knarzen.
Als sie wieder nach draussen tritt, hat sie einen dicken, zusammengewickelten Pelz unter den Arm geklemmt. Sie bleibt vor Gragosh stehen.
"Behalte es. Du kannst mit dem Bretonen drinnen schlafen - wenn du willst."
Das Geschenk an Gragosh sind zwei weiche Bärenpelze - deren ursprüngliche Träger der Größe nach noch kein Jahr alt gewesen sein dürften. Sie wurden mit Sehnen unauffällig aneinandergenäht und vermutlich selten genutzt.
Ohne eine Reaktion abzuwarten dreht sie sich zu Rowan.
"Ich habe dir den Schlafplatz vor dem Ofen zurecht gemacht. Sag mir, wenn du Hilfe brauchst. Ich könnte dir einen kühlenden Umschlag machen."
Shyrr geht mit dem leeren Kupferkessel und dem Wolf an ihrer Seite zwischen die Bäume und verschwindet für einige Minuten in der Dunkelheit.






11

Sonntag, 26. Mai 2013, 15:05

Als Shyrr zurückkehrt, ist es bereits still. Das Feuer brennt noch immer gut und in seinem Licht betrachtet sie den schlafenden Orc. Als er mit Rowan über die alten Traditionen sprach, blieb sie still. Es war lange her, dass sie einem ihres eigenen Volkes so nahe gewesen war. Was Gragosh erzählt hatte, erinnert Shyrr an die gemeinsame Zeit mit ihrer Mutter - die Heldin ihrer Kindheit.
Shakarr musste in Gragoshs Alter gewesen sein, als sie ihre Tochter verließ.
Shyrr stellt den gesäuberten, mit Wasser aufgefüllten Kessel neben die Feuerstelle. Zwischen ihren Händen reibt sie ein Bündel Kräuter, bis es stark nach Melisse duftet. Zusammen mit einem kleinen Stück einer Wurzel, das sie frisch anschneidet, landet es im Wasser.
Während sie noch die Schüsseln mit ein paar Walnussblättern ausreibt, tritt der junge Wolf vorsichtig Schrittchen für Schrittchen an Gragosh heran, bis er eine Armlänge von den Füßen entfernt stehenbleibt, den Vorderkörper und Kopf zögernd nach vorne streckt und den Geruch des Orcs aufnimmt.
Schnell zieht sich die Weiße wieder zurück und trottet Shyrr hinterher, die sich leise in Richtung der Hütte wendet, wo sie innen neben der Tür ein weiteres, kuscheliges Fell und eine Wolldecke bereit gelegt hat.
Auch Rowan betrachtet sie einige Momente still, bevor sie sich draussen einen etwas erhöhten Platz neben der Hütte sucht, von dem aus sie sowohl den Hütteneingang als auch Gragosh gut im Blick hat. Hier lehnt sie sich sitzend gegen eine breite Linde, aber es dauert noch eine Weile, bis Wolf und Orc dicht aneinandergekuschelt einschlafen.

12

Montag, 27. Mai 2013, 14:09

Shyrr wird im frühen Morgengrauen von einer feuchten Schnauze geweckt. Es ist noch fast dunkel und Nebenschwaden ziehen durch den Wald, stellt die Orcin fest als sie blinzelnd ein Auge öffnet.
Mit einem missmutigen Knurren schiebt sie den Wolf von sich und dreht sich auf die andere Seite um noch ein wenig Schlaf zu bekommen.
"Geh Mäuse fangen.", brummt sie die Weiße schlaftrunken an.
Der taube Wolf freut sich sichtlich über die Aufmerksamkeit, als Shyrr ihr Gesicht noch ein Mal in seine Richtung wendet und kommt wieder näher heran. Erneut fährt die nasse Zunge über die Mundwinkel und Hauer der Orcin.
"Mmmh!", grunzt die sichtlich unbegeisterte Shyrr, schiebt das Tier von sich und müht sich in eine sitzende Position. Sie reibt sich ausgiebig die Augen und gähnt mit weit offenem Mund.
Zwei Schritte von ihr entfernt steht der junge, wache Wolf und wirft einen Blick in Richtung der Feuerstelle , in der es nur noch schwach glüht.
Mit einem Schlag ist Shyrr wach - erschrocken fährt sie nach oben, als sie die Umrisse von Gragosh warnimmt. Ihr Herz rast wie verrückt und sie braucht einige tiefe Atemzüge um sich wieder zu beruhigen.

Der Schock bringt ihren Kopf auf für diese frühe Stunde ungewohnte Hochtouren und sie nutzt die Gelegenheit um über den gestrigen Tag nach zu denken.
Nach einer Weile steht sie auf und bemüht sich um Stille. Einen alten Weidenkorb und das schärfste Messer nimmt sie mit und verschwindet zusammen mit dem Wolf zwischen den Bäumen.
Sie geht wie jeden Morgen zu der Stelle, an der ein Rinnsal von der Felswand läuft. Dort trinken die Weiße und Shyrr, bevor sie sich mit dem kalten Wasser wäscht.




Erfrischt wandern die Beiden durch den Wald, auf der Suche nach Beeren, essbaren Pflanzen und Kräutern.
Der Wolf jagt ein vorwitziges Eichhörnchen, schafft es aber nicht das kleine Tier zu erbeuten.
Als Shyrrs Korb sich füllt, hat die Weiße endlich erfolg - mit einer großen Maus im Maul kommt sie zu der Orcin zurück. Der Wolf verschlingt das Tier und wirkt danach mit sich und der Welt zufrieden. Hier und dort werden noch ein paar Insekten aufgestöbert und ein kleiner Vogel gejagt.
Auf dem Rückweg ist Shyrr weitaus entspannter und die Weiße tobt gut gelaunt durchs Laub der Baume.
Übermütig schießt sie in Richtung Hütte und stoppt so plötzlich im Lauf, dass sie fast über ihre eigenen Pfoten stolpert. Entsetzt macht der weiße Wolf ein paar Schritte vor der Feuerstelle kehrt und stoppt neben der Orcin - er schien ganz vergessen zu haben, dass sie nicht alleine waren.
Shyrr muss über diesen ulkigen Anblick so laut lachen, dass sie sich beinahe an einer Walderdbeere verschluckt.

13

Dienstag, 28. Mai 2013, 17:56


Shyrr stellt den Korb neben der Feuerstelle ab und deutet an, dass sie sich bedienen dürfen.
"Ich bin gleich soweit.", sagt sie zu Rowan.
Sie tritt am Bretonen vorbei in die Hütte und zieht eine zerschrammte,
lederne Tasche von einem Haken in der sie ihre nötigsten Dinge verstaut.
Das schärfste Messer, die Bienenwachskerze, Wolldecke und ein zottiges
Bärenfell, in das sie ein paar kleine Tontöpfe wickelt, werden mit aller
Kraft in den Rucksack gestopft und fest gezurrt. In einer Seitentasche
landen die Essensreste, in große Blätter lose eingewickelt.
Danach wird das Fell auf dem Rowan geschlafen hat ausgeschüttelt und über dem sauberen Tisch ausgebreitet.
Shyrr überprüft die Feuerstelle und verschließt danach die Hütte mit der provisorischen Tür.
Während sie sich mit dem Wasser aus dem Kessel eindeckt, beginnt Gragosh weiter weg mit einem Singsang.
Irritiert erhebt sich die Orkin und geht einige Schritte in seine Richtung, bis
sie ihn von weitem auf der Stelle stapfen sieht. Beruhigt dreht sie sich
wieder um und beläd sich mit ihren Sachen.
Der Wolf ist Gragosh ein Stück gefolgt und beobachtet ihn fasziniert zwischen zwei Bäumen hindurch.
Als Gragosh zurückkehrt, wedelt die Weiße sanft mit der Rute, trottet
aber nach einem kurzen Augenblick wieder an die Seite der schmunzelnden
Orcin.
"Shyrr und die Weiße sind auch bereit, Bretone.", sagt sie ohne eine Spur von Spott in der Stimme.


14

Mittwoch, 29. Mai 2013, 13:58

Auf Rowans Danksagung reagiert die Orcin nicht auffällig, sie trinkt noch einen Schluck aus dem fast leeren Kessel.
"Rowan ist ebenfalls so weit, Orsimer.", sagt der Bretone zum Schluss - das lässt sie wieder aufblicken.
Shyrr grinst amüsiert und ihre Augen weiten sich schalkhaft als Rowan sich auf die Trage quält - sein Situationshumor scheint ihr zu gefallen.
"Dann sehn wir mal zu, dass dir dein mageres Beinchen erhalten bleibt, Bretone.", antwortet sie.
Als Gragosh ohne ihre Hilfe die Trage aufnimmt, schnauft sie - es könnte ihrer Mimik nach aber auch ein Seufzen sein.
Mit ein paar Schritten ist sie bei den Beiden und nimmt dem alten Orc einen Teil seiner Last ab.
Voll bepackt mit Rucksack und Trage läuft sie am Ende. Mal mustert sie den Bretonen, der vor ihr liegt - ein Mal scheint sie ihm sogar sachte zu zuzwinkern - dann ist wieder die Umgebung oder Gragoshs Hinterkopf interessanter.
Der Wolf läuft inzwischen ein ganzes Stück näher und bleibt meistens in Shyrrs Nähe. Hin und wieder folgt er einer interessanten Spur, wenn er die Orcin aus den Augen verliert ist er aber schnell wieder da.

Trotz der Strapazen scheint Shyrr gute Laune zu haben, ihre Bewegungen sind so locker wie es die schwere Last zulässt und ihre fröhliche Mimik spricht Bände.
Ihre Fröhlichkeit steckt nun auch die junge Wölfin an, die spielerisch neben den drei herspringt und ein Mal ganz nahe an Rowan herankommt. Die Weiße legt die Vorderbeine mit funkelnden Augen auf den Boden und wedelt mit der Rute, bevor sie auf ihn zustürmt, ein Stück nach oben springt und knapp vor seiner Schulter kehrt macht und wieder davonrast.

Shyrr unterbricht das Spiel der Wölfin mit einem strengen Blick. Etwas später bemerkt sie eine Eule, als Gragosh in die entsprechende Richtung blickt. Mit großen, orangenen Augen blickt das Tier auf die drei herunter.



Die Orcin freut sich über den Anblick des Vogels - sie hat eine Schwäche für deren große Augen und kann ein Lächeln nicht unterdrücken.

15

Donnerstag, 30. Mai 2013, 14:13

"Nein, Gragosh. In Jehanna bin ich nie gewesen - ich habe nur von der Stadt gehört. Sie soll ziemlich groß sein, hat man mir erzählt." Shyrr schweigt einen Moment bevor sie weiterspricht. "Ich bin gespannt, wie man dort auf zwei Orsimer und einen Wolf reagieren wird.
Bretone! Erzähl uns etwas von deiner Stadt - was denkst du wird geschehen, wenn wir dort ankommen?"

Als die Gruppe nach einiger Zeit zwischen den Bäumen heraus ins Sonnenlicht tritt, schließt Shyrr halb die Augen und wendet ihr Gesicht direkt der Sonne zu - sie scheint die plötzliche Wärme sehr zu genießen.
Nach einer Weile macht Gragosh die Gruppe auf das entfernte Jehenna aufmerksam, das er entdeckt hat. Als der Orc die Trage sinken lässt und etwas von einer "Pause" sagt, klopft Shyrr Rowan freundschaftlich auf das gesunde Bein, nachdem auch sie die Trage losgelassen hat, und brummt beruhigend, "Ist nicht mehr sehr weit."
Ihren Rucksack stellt sie in der Nähe der Trage ab und macht ein paar gemütliche Schritte, während sie ihre Schultern und Oberarme lockert. Auch der Wolf scheint sich umsehen zu wollen und macht einen kleinen Ausflug auf eigene Faust.



Danach verteilt sie die Reste des Essens unter Gragosh, Rowan und sich selbst. Auch die Wölfin bekommt etwas von Shyrrs Anteil ab, den die Weiße nach einer kurzen Wartezeit - es könnte ja noch etwas besseres als ein Stück runzeliger Petersilienwurzel geben - auffrisst.
Die Orcin sucht sich einen sonnigen Platz nicht weit von den anderen entfernt, von dem aus sie eine gute Aussicht auf das entfernte Jehenna hat. Hier lässt sie den Rucksack sinken und legt sich, die Beine gemütlich auf der Tasche drapiert, auf den angewärmten Boden.
Sie seufzt entspannt, als der Wolf sich direkt neben sie legt. Shyrr streichelt dem hechelnden Tier sanft durch das Fell und es dauert nicht lange, bis sie in der wärmenden Sonne einschläft.
Die Weiße beobachtet Gragosh und Rowan aus halbgeschlossenen Augen, scheint aber längst nicht mehr so vorsichtig wie am vergangenen Tag zu sein.

16

Donnerstag, 6. Juni 2013, 19:15

Als der Bretone das Feuer am neuen Lagerplatz zum Brennen gebracht hat, tauchen Shyrr und die Wölfin aus der Dunkelheit auf.
"Ah, hier seid ihr.", sagt sie.
Sie packt den Pelz aus ihrem Rucksack, legt ihn nahe eines Baumstamms auf
den Boden und macht es sich gemütlich. Die Beine legt sie angewinkelt
auf dem Baumstamm ab und richtet den Blick in den Himmel.
Die Wölfin läuft ein Mal um die Lichtung um hier und dort am Boden zu Schnüffeln,
bevor sie sich neben Shyrr halb auf das Fell kuschelt.
Die Orcin sieht eine ganze Weile still in das Feuer, bevor sie die Gesichter Gragoshs und Rowans im Schein des Feuers mustert.

Als Shyrr am nächsten Morgen aufwacht, geht es ihr besser als am Abend zuvor. Sie war still am Feuer gesessen und hatte nur wenig von dem wahr genommen, was um sie herum geschah und früh eingeschlafen.
An Gragoshs Geschichte kann sie sich nur bruchstückhaft erinnern. In ihren Träumen, in denen sowohl der alte Orc als auch ihre Mutter vorkamen, waren die Kämpfe sehr real gewesen.

Sie sieht sich nach der Wölfin um, kann sie aber nicht entdecken.
Jetzt spürt Shyrr die Schmerzen in ihren Schultern und lacht kaum hörbar - es war lange her, dass sie diese Art Schmerz gespürt hatte. Es erinnert sie an ihre Kindheit und an die langen Märsche und das Klettern mit ihrer Mutter.

Die Orcin streck sich und kratzt sich den Kopf. Nach einer Weile steht sie auf und macht ein paar Schritte zwischen die Bäume und schließt noch ein Mal die Augen.
In Mitten von Farnen lehnt sie sich mit den Unterarmen gegen einen Baum und atmet mehrmals tief durch die Nase ein, bis sie ein Rascheln hört.





Entspannter begrüßt sie den jungen Wolf, der vermutlich eine frühe Beute aufgespürt hatte und kehrt mit ihm zum Lager zurück.
Ohne viele Geräusche zu machen, setzt sie sich mit dem Wolf wieder auf ihr Fell und betrachtet ihre beiden schlafenden Gefährten eine ganze Weile.


17

Samstag, 8. Juni 2013, 15:52


Shyrr versucht das immer wiederkehrende, lautstarke Grummeln ihres Magens so gut es geht zu ignorieren.
Sie trägt noch immer die Kleidung, die sie in der Kühle des Morgens geschützt hat. Jetzt ist es viel wärmer und der Schweiß läuft ihr über die Stirn und die juckende Nase, die sie immer wieder kräuselt.
Die Wölfin läuft seit den ersten Begegnungen mit Fremden mit leicht eingekniffenem Schwanz neben der Orcin her und sieht immer wieder verunsichert nach oben.
Als endlich die Stadt vor ihnen auftaucht, schnauft Shyrr "He, Rowan - sieh nur! Es ist nicht mehr weit."

Sie betrachtet die Umrisse der Stadt und versucht sich wichtige Merkmale, die sie von hier entdecken kann, einzuprägen.
Diese Ablenkung und die Erkenntnis, dass der halbnackte Gragosh sehr viel mehr Blicke auf sich zieht, als sie selbst und sogar ihre Wölfin geben ihr einen neuen Schub an Kraft.

18

Sonntag, 9. Juni 2013, 13:40


Shyrr sieht Gragosh an, als er unschlüssig zurückkehrt und geht ruhig auf ihn zu, um ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter zu legen.
"Bleib hier bei Rowan und der Weißen - ich gehe."
Sie greift nach Rowans Beutel mit dem Geld, sucht den Blick ihrer Wölfin und gibt ihr mit wenigen Gesten zu verstehen, dass sie bei Rowan bleiben soll. Die Weiße wirkt noch immer ein wenig unsicher, bleibt aber direkt an den Füßen des liegenden Bretonen stehen und dreht den Kopf hektisch hin und her.
Weniger zaghaft als Gragosh tritt die Orcin an die halbgeöffnete Tür und klopft mit der geschlossenen Faust kräftig gegen das Holz, bevor sie eintritt.



Das Hämmern hallt im hohen Raum nach, genau wie ihre laute Stimme.
"Priester! Wir haben einen Verletzten bei uns.", ruft sie, während sie weiter ins Innere geht um nach weiteren Personen Ausschau zu halten.


19

Montag, 10. Juni 2013, 18:19

Als Shyrr die ersten Meter durch den düsteren, stickigen Tempel läuft, kommt ihr ein Priester entgegen. Sie hebt grüßend den rechten Arm und wird kurz darauf von dem alten Mann zur Ruhe ermahnt.
"Sicher haben die Toten Zeit.", erwiedert sie. "Aber der Mann dort draussen nicht. Er wurde vor ein paar Tagen verletzt und hat Fieber - sieh ihn dir an, er liegt draussen."
Der Priester schreitet an ihr vorüber, bevor sie ihn auf das Geld aufmerksam machen kann und tritt nach draussen in den hellen Sonnenschein.
Die weiße Wölfin schießt sofort nach vorne, als sie Shyrr erkennt. Sie wedelt leicht mit der Rute und streckt den Kopf halb über die Türschwelle, der Geruch nach Verwesung und Kräutern scheint sie neugierig zu machen.
Shyrr stellt sich in einem Meter Entfernung zu Gragosh und sieht dem Priester, der Rowan näher begutachtet, still zu. Als der alte Mann die Orcs auffordert, Rowan in den Tempel zu tragen, nimmt sie als erste die Trage auf und geht an vorderer Stelle ins Innere.

Der Wolf zögert eine Weile vor der Türschwelle und jault, als die Gruppe im Inneren des Tempels verschwindet.



Shyrr folgt dem Priester bis in ein kleineres Zimmer und wirft einen gequälten Blick in Richtung der Tür, als sie das leise Jaulen des Wolfs durch den Gesang der Priester hindurch hört.
Sie sieht dem Priester interessiert bei seiner Arbeit zu, ohne viele Emotionen zu zeigen. Als durch Rowans Fleisch geschnitten wird und sich der Bretone vor Schmerz aufbäumt, hält sie ihn mit ruhigem, kräftigen Griff fest und stößt ein beruhigendes, langgezogenes "Ho" aus.
Nachdem der Magier ohnmächtig wird, sieht sie Gragosh prüfend an. Der Orc hält das schmale Handgelenk des alten Mannes fest in seiner Pranke, lässt ihn aber nach einer sprachlosen Kommunikation zwischen den Beiden wieder los.
Jetzt weist der Priester die beiden Orcs an, Rowans gebrochenes Bein zu richten.
Shyrr nimmt es gelassen hin, als der Alte nach ihren Händen greift, um sie an der richtigen Stelle zu positionieren, an der sie ziehen soll.
Als die Knochen wieder an der richtigen Stelle sitzen, bedankt sich der Priester bei Gragosh und ihr. Mit ein paar knappen Worten entlässt der Alte die beiden Orcs.
Die Orcin kräuselt die Nase und zieht die Oberlippe ein Stück weit nach Oben, ganz offensichtlich gefällt es ihr nicht, mit wenigen Worten aus dem Tempel geschmissen zu werden.
"Ich werde wieder nach ihm sehen, Priester.", sagt sie, bevor sie Gragosh nach draussen folgt.
Hier wartet der Wolf noch immer, der sich übermäßig freut seine Vertraute wieder zu sehen. Er steht noch immer direkt an der Türschwelle, wedelt kräftig mit der Rute und springt immer wieder an Shyrr hoch, als diese nach draussen tritt.
Die Orcin nimmt sich Zeit, streichelt das Tier und setzt sich mit ihm auf ein Stück Wiese, wo die Wölfin immer wieder über Shyrrs Mundwinkel leckt und ausgiebig gekuschelt wird.
Ihr fällt erst auf, dass Gragosh nicht mehr in der Nähe ist, als dieser schon 30 Meter entfernt ist. Sie fährt sich über die vollgesaberten Hauer und den nassen Mund, während sie ihm nachsieht.
Als die Weiße nun weniger Aufmerksamkeit bekommt, legt sie sich neben Shyrr auf den Bauch. Nach einem Moment folgt sie dem Blick der Orcin und sieht ebenfalls Gragosh nach.

Gragosh hält etwa 100 Schritte von ihnen entfernt mit dem Rücken zu ihnen gewandt an. Als er zurückblickt, sehen sowohl Shyrr als auch die Wölfin direkt in seine Richtung. Shyrr schmunzelt, während sie durch das weiße, stuppige Fell streichelt.

20

Dienstag, 11. Juni 2013, 12:03

"Das ist eine gute Frage, Gragosh. Was werde ich jetzt tun?", wiederholt sie langsam. Shyrr schweigt eine Weile, bevor sie weiterspricht.
"Ich könnte zu meiner Hütte zurückkehren und den Sommer genießen, von Abenteuern und spannenden Begegnungen träumen."
Mit einem Funkeln in den Augen gluckst sie: "Oder ich erlebe selbst welche.
Ha! Auch, wenn ich es nicht gerne zugebe, als ich im Winter in meiner Hütte saß, habe ich es vermisst, hin und wieder mit jemandem reden zu können. Meine Mutter hat mir früher viele Geschichten aus ihrem Leben erzählt... ich will noch so einiges erleben!"
Wieder legt Shyrr eine Pause ein, bevor sie weiterspricht. "Ich werde warten, bis Rowan wieder bei Sinnen ist. Der Alte scheint mir kein schlechter Kerl zu sein, auch wenn er ein wenig seltsam ist - aber ich habe gehört, das soll eine Voraussetzung bei Magiern sein.
Ich werde sehen, was sich dann für mich ergibt."
Shyrr sieht Gragosh direkt an und fragt: "Was ist mit Gragosh? Vermisst er die Wälder und das alleine sein, oder will er noch etwas erleben, bevor sein Leben endet?"