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Samstag, 31. Dezember 2016, 01:35

Zeitlose Augenblicke

Ley kommt nur sehr langsam wieder zu sich. Er wiegt den Kopf hin und her und bevor er es bewusst registrieren kann, bedeutet jede Bewegung einen stechenden Schmerz im Hinterkopf. Es fühlt sich an, als ob jemand mit einem dumpfen Gegenstand gegen seine Schädelplatte schlägt und der Schlag sich durch den ganzen Oberkörper windet bis er wieder im Kopf sein großes Finale gibt. Gefolgt von einem lauten Fiepen, lässt der Schmerz ihn erzittern und so entschließt er sich eine feste Haltung einzunehmen und den Kopf so gerade wie möglich zu halten. Er braucht einige Versuche, um zu erkennen, dass der Raum, oder was auch immer das ist, stockfinster ist. Egal ob er nun die Augen offen hält oder schließt, es ist dieselbe Dunkelheit, die ihn umgibt. Reflexartig versucht er sich umzusehen, was ihn wieder schmerzlich daran erinnert, wieso genau er genau das nicht machen wollte.

Mit der Zeit wird er sich seiner Situation immer bewusster. Er liegt auf dem Rücken und sein Blick ist wohl zur Decke gerichtet, so er es denn richtig einschätzen kann. Er blinzelt ein zwei Mal, als er merkt, dass der Staub sich langsam auf die offenen Augen legt und diese noch mehr brennen, als sie es bereits tun. Beim Versuch ein Wort der Hilfe zu rufen bemerkt er zusätzlich schmerzhaft, dass jener Staub sich ebenfalls in seinem Mund abgelegt und seinen Hals fast völlig ausgetrocknet hat. Sein Atem ist sehr flach und er ist nur in der Lage schnell zu keuchen. Als er versucht einen tiefen Atemzug zu nehmen, geschehen mehrere Dinge die er nicht beeinflussen kann.
Sein Versuch scheitert schon daran, dass er seine Brustkorb nicht mit Luft füllen kann, weil er dafür keine Platz hat. Der leichte Schmerz führt aber zu einem unkontrollierten Hustanfall der wieder dazu führt, dass er seine steife Haltung aufgeben muss. Das Ganze lässt ihn vor lauter Schmerz fast ohnmächtig werden, ohne auch nur einen Ansatz zu haben, was er zuerst tun sollte, damit es wieder aufhört.

Erst nach einigen Momenten kommt Ley wieder bewusst zu sich und begibt sich wieder in die Ausgangsstellung, die ihm schon mal als vielversprechend vorkam. Er versucht nun seine Umgebung zu ertasten und muss erkennen, dass er seinen rechten Arm nicht mehr spüren kann. Schnell wird ihm auch klar, wieso. Auf seinem Brustkorb liegt ein Felsbrocken oder derartig schweres, was seine Fähigkeit zu atmen einschränkt, sowie wohl seinen Arm außer Gefecht setzt. Den ersten Versuch den schweren Stein wegzuschieben bereut er wiederum schmerzhaft. Dennoch war er nicht ganz erfolglos, denn der Stein wippte ein Stück zur Seite. Mit einigen Versuchen stemmt er seinen linken Arm so dagegen, dass der Stein irgendwann zur Seite fällt und seinen Brustkorb, sowie rechten Arm befreit, der sich sofort wieder in unangenehmer Form meldet, als eine Horde Ameisen, Hornkäfer oder gar Ratten ihren Weg durch ihn hindurch bahnen.

Es ist still. Hier und da hört man das leichte Rieseln von Kies und kleinem Gestein, welches beim Aufprall auf dem Steinboden ein hohles, wenn auch leises Geräusch im Raum widerhallen lässt. Ley liegt immer noch auf dem Rücken und versucht, nachdem er körperlich nur begrenzt einsatzfähig ist, sich zu erinnern was geschehen ist.

Seine Gedanken springen zwischen den Zeiten und Personen hin und her. Mal sieht er sein altes Haus, mal seine Eltern. Einen kurzen Moment sieht er das goldene Lachen einer zuckersüßen Bosmer, dann wiederum einen in Rüstung gekleideten Altmer. Mit der Zeit sortieren sich die Gedanken und er erinnert sich an eine weibliche Altmer in grünem Gewandt, mit der er wohl die letzte Unterhaltung führte. Sie saßen in der Nähe seiner kleinen persönlichen Zuflucht, in der er sich immer zurückzog, um sich Zeit für sich zu nehmen. Aufgrund des Trubels in der Stadt und in seiner Rekrutierung, hat er diesen Ort gesucht und gefunden, ein kleines Lager, nicht weit weg von einigen Ruinen, abseits der Straßen und somit geschützt von Händlern oder Reisenden. Dort konnte er einfach nur etwas lesen oder er schnitzte sinnlos an einigen Ästen herum. Er hat aber auch einige Samen eingepflanzt, die er die ganze Reise von daheim mit dabei hatte. Was es mal werden soll, verrät er allen dann aber erst, wenn die ersten Sprösslinge zu sehen sind.

Wieso er die Altmer hingebracht hat, kann er sich im Moment nicht erklären. Vielleicht war es ihre Fähigkeit ihn mit ihrer Musik direkt ins Herz zu treffen, vielleicht wollte er einfach nur mit jemand sein kleines Geheimnis teilen. Vielleicht waren es auch ihre leuchtenden Augen und ihre Art zu sprechen oder zu lachen, vielleicht war es aber auch etwas ganz Anderes. Er wollte den Ort eigentlich jemand anderes offenbaren. Dass es eine Altmer werden wird, hätte er sich nicht im Traum einfallen lassen. Schließlich sind die Eigenschaften, mit denen er die hiesigen Altmer beschreiben würde und so wie er das Volk auf Auridon kennen gelernt hat, eher arrogant, berechnend, fremdenfeindlich, abschätzig oder selbstüberschätzend. Diese Altmer hat einige der Eigenschaften durchaus an den Tag gelegt, einige wenige aber überraschend widerlegt. Tatsächlich hat er lange nicht mehr eine so klare und sanfte Stimme gehört, die ihn in Gewisser Beziehung an seine Mutter erinnert. Könnte es das gewesen sein?

Er weiß es nicht mehr genau. Und was eigentlich geschehen ist, wieso er sich jetzt auf dem kalten Boden irgendwo auf beziehungsweise unter Auridon befindet, weiß er auch nicht mehr. Er entschließt sich einen Moment Zeit zu nehmen bevor er seine Gegend erkundet. Dass es gleich mehrere Stunden werden, merkt er nicht einmal, denn dabei schläft er erschöpft ein.
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Verva (31.12.2016), Narmaeril (31.12.2016)

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Sonntag, 1. Januar 2017, 23:48

"Es war ein Morgen an dem die Sonne später wie sonst über den Hügel zum Vorschein kam. Ein dichter Nebel bedeckte den Hain und bettete das kleine Tal sanft in dicken Schwaden. Der kleine Hof, etwas westlich von Cheydinhal, war nichts Besonderes. Ein kleines Bauernhaus, zum Lagern der Vorräte, eine gemütliche Wohnstube, ein Brunnen und ein kleiner Schuppen für die Werkzeuge, der direkt am zugehörigen Apfelhain gebaut worden ist. Das Ganze erstreckte sich zwischen einigen kleineren Hügeln hin zum Tal hinunter.

Ley stand gerade auf einer kleinen Treppe als er begann die Äpfel zu ernten. Sie waren kalt und der Tau bedeckte sie fast vollständig. Durch den Nebel erschienen Sie schwarz und waren steinhart und der Duft der den Hain sonst mit einem leichten Apfelaroma belegt, war an jenem Morgen vermischt mit dem Duft des kalten dicken Nebels, der einen starken Grasgeruch über die Felder trug.

Für einen Moment lies der Nebel im Osten ein paar Sonnenstrahlen hindurch und als er in die Richtung sah, konnte er ihn inmitten der Nebelschwaden verschwommen erkennen. Es war das Antlitz des Weissgoldturmes, welcher durch die aufsteigende Sonne in ein Flammenmeer getränkt wird.
Über dem Turm hing dieser riesige Dunkle Anker. Fast schon majestätisch schien er über den Turm zu wachen. Dennoch verlor sich das Sonnenlicht, welches den Turm so hell in allen Farben des Feuers erleuchten ließ, in seiner Dunkelheit.

Noch während Ley diesen Anblick bewunderte zog sich der Nebel wieder zusammen und der Anblick verschwand hinter der undurchdringlichen weißen Wand. Er war sich für einen Moment nicht sicher, ob es die kalte Luft oder eine Vorahnung war, welche sich wie Eis über seine Haut legte und ihn erschauern lies. Für einen Moment wurde es ganz still. Es schien fast so, als ob jemand verhindern wollte, dass das was geschah jemals ans Tageslicht kommen sollte.

Plötzlich legt sich ein Schatten um den Hain und ertränkt ihn in völliger Dunkelheit. Ley kann nichts erkennen, aber er steht immer noch wie eingefroren auf der Treppe. Er konnte Umrisse von verschwommenen Gesichtern erkennen und qualvolle Schreie in der Dunkelheit hören. Immer lauter und immer schneller wurden die Stimmen und jetzt Länger es dauerte desto mehr zerfraß ihn die Dunkelheit."

In dem Moment schlägt Ley die Augen auf. Er liegt immer noch auf dem kalten feuchten Boden und starrt an die Decke. Zumindest meint er es in der völligen Dunkelheit zu tun. Er benötigt einige Momente, um einen klaren Gedanken zu fassen.

"So hat alles also angefangen", denkt er sich und versucht sich langsam auf die Seite zu drehen.

Die Schmerzen sind immer noch in jeder Bewegung zu spüren aber erträglicher wie zuvor. Er tastet vorsichtig seine Umgebung ab und fängt an durch die Dunkelheit zu irren.
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Freitag, 6. Januar 2017, 14:48

Der Boden ist kalt. In den festen Erdboden sind verschieden große Steine eingearbeitet, die über die Jahrhunderte sehr glatt und rutschig geworden sind. Das liegt an einem an der ständigen Feuchtigkeit, die in den Räumen herrscht, aber auch an den Moosschichten, die sich über die Zeit auf den Steinen gebildet haben. Einige der Steine scheinen auch bearbeitet zu sein, sodass sie bereits mit glatter Oberfläche eingesetzt wurden. Auf manchen sind sogar noch leichte Muster zu ertasten, die der Zeit aber ihren Tribut gezollt haben und teilweise unvollständig teilweise beschädigt sind, weil sie an manchen Stellen durch Risse geteilt werden.

Auch an den Wänden sind Steine oder Felsen eingearbeitet. Symmetrische, rechteckige Steinformen, die teilweise wie große verzierte Platten an den Wänden hängen, zum Teil aber auch in kleinere Gruppen so geformt sind, als ob man Fenster oder Luken einbauen wollte. Nur das diese Fenster das Licht der Sonne nie erblicken werden. In diesem Raum sind sie eher dazu gedacht, Dinge abzustellen. Wahrscheinlich Urnen, Waffen, oder sogar größere Gegenstände.

Ley hat aber bisher in der vollkommenen Dunkelheit keine Dinge finden können. Alles, was er in dem Raum bisher erkunden konnte, waren leere Ecken, modrige Felswände und ein festes feuchtes Erdreich. Und natürlich die Teile der Säulen, die ihn in diesem Raum begraben haben. Diese waren ganz anders, so rau, ungleichmäßig geformt, durch die doch unterschiedlichen Wetterlagen auf Auridon. Regen und Wind bearbeiten Steine mit der Zeit doch ganz anders als stetige Feuchtigkeit und Dunkelheit, stellt er mit der Zeit fest.

Die Luft in dem Raum ist stickig und schwer. Ein modriger Duft durchflutet den Raum, gepaart mit Düften von Moos und feuchter Erde. Es ist kalt und Ley muss immer wieder seine Hände aneinander reiben, denn in Kombination mit der kalten Erde und den kalten Steinen drohen sie zu unterkühlen. Seine Stulpen und die Hentzen hat er dafür ausgezogen, um sich orientieren zu können. Diese hat er in eine Aussparung abgelegt, die am einen Ende des Raumes eingearbeitet wurde.

Der Raum an sich ist eher Rechteckig, ca. 20x30 Schritte. Ley ist die Seiten immer wieder abgelaufen und hat festgestellt, dass die Bodenplatten wie ein Kreuz den Raum verzieren. Daran orientiert er sich und konnte auch dadurch feststellen an welcher Seite eine verschlossene Steintür steht. Ihr gegenüber ist eben jenes "Fenster" eingearbeitet, wo nun Leys Stulpen liegen.

Ley steht schwer atmend genau vor dieser Türe und versucht seit gefühlten Stunden einen Weg zu finden, diese zu öffnen. Er stemmt sich immer wieder gegen die Türe, um sie aufzuschieben, aber seine Kraft lässt mit der Zeit sichtlich nach. Zum einen ist der Sauerstoffgehalt so niedrig, dass er keine großen Anstrengungen zulässt, zum anderen ist seine Stahlrüstung durch den Aufprall so deformiert, dass er kaum einen Atemzug machen kann, ohne eine Platzangst an der Brust zu spüren.
Kurzerhand entscheidet er sich, sich dieser zu entledigen und legt sie in das andere Ende des Raumes zu den Hentzen so sorgsam hin, als ob er später wiederkommen würde, um sie abzuholen. Oder wenn nicht, dann sollen eventuelle Forscher und Räuber zumindest nicht denken, dass er unordentlich sei, wenn sie seine Gebeine finden.

Daraufhin geht er wieder zur Türe und stemmt sich wiederum mit seinem ganzen Gewicht gegen sie. Ohne Rüstung scheint er doch von Erfolg gekrönt, denn nach einigen Versuchen kann er den kalten Stein mit seinem Oberkörper von der Stelle bewegen. Die Türe öffnet sich mit einem lauten langsamen Kratzen, dass in den Räumen dahinter widerhallt und fast ein endloses Echo nach sich zieht. So stolz er ist, die Türe endlich geöffnet zu haben, so sehr hat ihn der Moment erschreckt, als er nur erahnen kann, wie weitläufig diese Ruine sein muss.
Auch hinter der Türe herrscht völlige Dunkelheit, was seine Laune wieder auf den Tiefpunkt zurückholt. Angetrieben vom Adrenalin geht er zwei Schritte nach vorn, und als er mit seinen Stahlstiefeln auf eine Bodenplatte tritt, halt ein dumpfes, kratziges Geräusch von den tiefen endlosen Gängen wieder, was ihn kurz erstarren lässt.

"Das darf jetzt nicht wahr sein", denkt er sich und entscheidet sich die Stiefel ebenfalls abzulegen. Natürlich bringt er sie genau an die Stelle, wo bereits seine Rüstung und seine Stulpen liegen.
"Was zur Hölle soll hier unten schon sein, Ley? Du bist der einzige Idiot der sich darüber Gedanken macht in irgendwelchen Ruinen bloß nicht zu laut zu sein. Wen willst Du stören? Die Toten?" Mit der Zeit führt er immer wieder Selbstgespräche im Geiste, damit er das Gefühl hat, nicht den Verstand zu verlieren.

Er geht dann nach kurzer Zeit wieder zur Türe und tritt vorsichtig hindurch und damit in die jetzt noch größere Leere hinein.
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Verva (06.01.2017)

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Mittwoch, 11. Januar 2017, 01:46

Ley sitzt auf dem kalten Boden und lehnt seinen Kopf nach hinten gegen die Wand. Er öffnet und schließt immer wieder seine Augen, und bewundert die Tatsache, dass es einfach keinen Unterschied macht ob die Augen offen sind oder nicht. Die Dunkelheit ist allgegenwärtig. Er weiß nicht, wie lange er bereits durch diese dunklen Räume irrt, aber was er weiß, ist dass er einen starken Hunger und noch größeren Durst verspürt. Allein weil die Räume durch die Erde feucht geblieben sind, scheint der Durst ihn nicht so zu beschäftigen; denkt er zumindest. Er atmet schwer und seine Füße sind eiskalt und zittrig, wobei er nicht unterscheiden kann ob es am Hunger oder an der Kälte liegt.

Als er in der Position verharrt, versucht er an etwas Schönes zu denken, um sich von der aktuellen Umgebung abzulenken. Das Erste was ihm in den Sinn kommt ist seine Mutter und er muss unweigerlich etwas lächeln, als sie in Gedanken vor ihm steht.
Vor seinem inneren Auge sieht er eine wunderschöne Altmer, mittleren Alters. Für eine Altmer ist sie verhältnismäßig klein, überragt Ley aber im ausgewachsenen Alter um fast einen halben Kopf. Ihre klaren gelben Augen sehen ihn mit voller Stolz an und stechen durch ihre sanften Gesichtszüge in ihrem schmalen Gesicht besonders hervor. Sie lächelt ihn mit ihren vollen Lippen an und streift sich mit ihrer Hand eine Strähne aus dem Blickfeld. Ihr blondes gewelltes Haar glitzert in der Sonne und unterstreicht ihre sandfarbige Haut. Er erinnert sich ganz genau, dass die hagere, aber durchaus gut trainierte Frau stets von einem leichten Duft von Jasmin und Lavendel begleitet wurde.

Wenn er etwas von seiner Mutter vererbt bekommen hat, dann sind es sein sehr gut ausgeprägtes Gehör und sein feiner Geruchssinn. Schon als kleines Kind konnte Ley die verschiedenen Gerüche von Pflanzen, Tieren oder auch Gegenden gut unterscheiden und kannte eine große Bandbreite von unterschiedlichen Dingen. Genau diese Gehör verhalf ihm immer wieder Gespräche, wie zum Beispiel im Widerhaken, mitzuhören, ohne dabei in der Nähe stehen zu müssen. Damit konnte er sich zumindest gut über Wasser halten und auf der Insel schnell Anschluss finden. Genau diese beiden Sinne sind es auch hauptsächlich, die ihn in der Dunkelheit vorantreiben. Er folgt sprichwörtlich seiner Nase, wenn er das Gefühl hat, dass sich die Temperatur ändert oder die Düfte sich mit Neuen vermischen.

Schließlich steht er auf und tastet sich in der Dunkelheit weiter hervor. So geht das auch weitere endlose Stunden ehe er unverhofft einen sehr großen Raum, fast eine Halle betritt. Als er merkt, dass die Geräusche von einem tieferen Hall begleitet werden, rast sein Herz erst vor Freude, dann vor Demut, denn er weiß, dass er einen großen Raum kaum vollständig erkunden kann, ohne etwas sehen zu können. Also entschließt er sich, sich weiter eng an der Wand entlang zu tasten. Nachdem er an zwei Seiten des Raumen keinen Erfolg mit einer weiteren Türe hat, kann er sein Glück kaum fassen, eine weitere Türe zu entdecken, die ihn zeigt, dass der Raum keine Sackgasse ist. Er schiebt die Steintüre mit einem dumpfen Kratzen auf, wie er es mit einigen anderen bereits gemacht hat, als er dann aber ins Nichts hineinlugt, fährt es ihm plötzlich eiskalt den Rücken runter bis tief ins Mark hinein.

Für einen Moment kam es ihm so vor, als ob er ein Geräusch wahrnimmt, das er nicht selber verursacht haben kann. Er erstarrt in der Bewegung und versucht kaum hörbar zu atmen. Einen Moment lang war es wieder totenstill, und als er sich bereits einreden wollte, dass das Geräusch ein fieser Trick seiner Phantasie gewesen sein muss, hört er es noch einmal. Es ist ein leichtes tiefes Brummen, fast wie ein Schnurren eines Senche, nur tiefer und langsamer. Er dreht den Kopf in alle Richtungen, kann aber den Ursprung nicht genau lokalisieren. Er konzentriert sich so sehr darauf, dass er erst spät wahrnimmt, dass das Geräusch mit der Zeit etwas näher gekommen ist. Kaum als er aus seiner Konzentration aufschrickt und sich hinter der Tür verstecken will, passiert es dann.

Das Brummen verstummt und er hört ganz deutlich, dass sich etwas mit zwei drei großen Schritten nähert. Eher er reagieren kann, bekommt er einen harten Schlag in die linke Brust, die ihn gegen die offene Steintüre stößt. Er krümmt sich zusammen, und versucht seine Hände vor sich zu halten, in der Hoffnung eine Abwehrposition zu finden, die den Angreifer abwehren kann. Doch auch der zweite Schlag trifft ihn wieder in die linke Brust. Er krümmt sich zusammen und braucht einen Moment, um Luft zu holen. Wie es das Glück will, entgeht er so einen weiteren Schlag, als er in die Hocke fällt, doch dann greift ihn etwas an der Schulter und wirft ihn zu Boden. Kaum will er sich umdrehen, um Schutz zu suchen, beugt sich der Angreifer über ihn und beißt dann Ley schließlich an die lädierte Brustseite. Ley schreit laut auf, was vom Klang von brechenden Rippen begleitet wird. Er ballt die Faust zusammen und schlägt dem Angreifer ins Gesicht. Als dieser ablässt, versucht sich Ley mit seinen Füßen gegen den angreifenden Körper zu stemmen und schlägt dabei immer wieder aus. Wie es er Zufall will, trifft er seinen Gegner ein zwei Mal, ehe dieser mit einem lauten Jaulen in die Tiefe stürzt und nach einigen Sekunden lautstark auf dem Boden knallt. Scheinbar hat Ley nicht bemerkt, dass der Raum mehrere Stockwerke hat, was ihm aber auch in diesem Moment egal ist.

Schmerzverzerrt kriecht er nach hinten, und als er merkt, dass er genau an der Türe liegt, schiebt er sich an dieser vorbei und drückt sie von der anderen Seite ohne groß nachzudenken zu. Er wälzt sich vor Schmerzen auf dem Boden herum und alsbald er wieder einen richtigen Atemzug machen kann, steht er auf und schleppt sich den Gang entlang, der vor ihm liegt. Von der Angst getrieben, sein Gegner könnte hinter ihm die Türe öffnen und sich von hinten anschleichen, humpelt er den endlos erscheinenden Gang entlang, bis er unweigerlich an der Stelle gegen eine Wand läuft, wo der Gang einen 90 Grad Kurve macht und bleibt dort liegen. Keuchend hebt er sich die blutende Wunde und versucht sich zu orientieren. Zu seiner Überraschung konnte er ein kleines Licht am Ende der Kurve ausmachen. "Und wo ein Licht ist, ist vielleicht auch ein Ausgang", denkt er sich und schiebt sich langsam die Wand hoch. Noch bevor er einen weiteren Schritt macht, hört er dann wieder etwas im Dunkeln.

"Man kana mitta abasel?", krächzt eine tiefe Stimme die Worte in Leys Gehör.

Spoiler Spoiler

"Wer wagt es die verboteten Hallen zu betreten?"


"Man kana mitta abasel?", wieder holt es sich nach kurzer Zeit. Ley ist wie versteinert und kauert an der Wand mit aufgerissenen Augen, erkennt aber nichts in der Dunkelheit.

"Shanta, ehlno, Tyavoy balangua!", ertönt es lauter und die Stimme wirkt näher und wütender.

Spoiler Spoiler

"Komm Sterblicher, spüre meine Kraft!"


Ley überlegt nicht mehr lange, und nimmt seine letzte Kraft zusammen, um das Licht in der Ferne zu erreichen. Hinter ihm geht die Stimme in ein schallendes Lachen über, das ihn zu verfolgen scheint. An der Fackel angekommen, braucht er einen Moment, um sich an die Helligkeit zu gewöhnen, doch dann merkt er, dass er vor einer langen Treppe steht, die nach oben führt. Er entschließt sich die Fackel aus ihrer Halterung zu nehmen, doch bevor er weitergeht, dreht er sich noch ein letztes Mal um. Doch was er sieht, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren. Ein riesiger Schatten hat sich über ihn aufgebaut und sah ihn mit seinen toten und leeren Augen an. Ley kann nicht genau erkennen, was es ist, da seine Augen sich so an die Dunkelheit gewöhnt haben, sodass das Licht der Fackel seine Umgebung verschwimmen lässt. Er vernimmt noch ein Lachen, ehe irgendetwas ihm die Fackel aus der Hand schlägt und diese erlischt. Dann wird es schlagartig grell und Ley reißt seinen Kopf voller Schmerzen zur Seite, hebt sich dabei das Gesicht und schreit einen unendlichen Moment auf. In seinem Schrei vernimmt er noch unbewusst einige Worte, ehe es wieder stockfinster wird.

"Latta na vasha. Sa yando tye!"

Spoiler Spoiler

"Das Licht ist gegangen. So auch Du!"


Ley kriecht die Treppen nach oben und kommt wiederum an eine Türe. Er kann sich nicht entscheiden, was mehr schmerzt, seine Augen oder seine Wunden am Körper. Mit letzter Kraft stößt er diese Türe auf. Schlagartig umgibt ihn ein Schwall frischer Luft gepaart mit Düften aus dem Wald. Als er die Augen öffnet, vernimmt er dass es weiterhin stockfinster ist. Nicht weiter darüber nachdenkend, ob es eine Täuschung ist oder nicht, kriecht er nach draußen und verlässt diesen unsäglichen Ort.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jheranimus« (20. Januar 2017, 21:36)


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Sonntag, 15. Januar 2017, 21:08

** Mathiisen, ca. zwei Wochen später **

Ley liegt mit geöffneten Augen im Bett und starrt an die Decke. Er liegt in einem Haus mit massiven Steinwänden, die hoch oben in einem Bogen zusammenlaufen. Das Haus ist länglich gebaut und hat vom Eingang aus gesehen mittig rechts einen kleinen zusätzlichen Raum, ca. 5x5 Schritte mit einem der wenigen Fenster, der wohl als Sitzecke genutzt wird. Ihm gegenüber ist der Kamin, dessen Feuer stetig und leise knisternd den steinernen Raum warm hält und den Raum mit einem leichten Geruch von verbrannter Eiche durchflutet. Es handelt sich dabei ziemlich wahrscheinlich um die typische Bauart, wie man sie in Auridon zuhauf vorfindet.

Zumindest vermutet Ley das. Seitdem er aus der Höhle geflohen ist, ist sein Augenlicht nicht wiedergekehrt, und manchmal hat er in einem stillen Moment immer noch das Gefühl, da "unten" zu sein, wohlwissend, dass er keine Ahnung hat, wo da "unten" auch immer gewesen sein soll.
Pan meinte sie habe ihn in der Nähe der Ruinen von Ezduin gefunden. Betrachtet man die Lage würde das sogar Sinn machen, weil das die Ruinen sind, die im nächsten Umkreis zu seinem Lager liegen. Dennoch bleiben viele Fragen offen, wie zum Beispiel "Wie ist er da eigentlich hin gekommen?". Die Wichtigste Frage, die ihm immer wieder durch den Kopf geht ist wohl die, wo Mirhaayan abgeblieben ist. Seit dem Abend, wo sie sich das letzte Mal gesehen haben, hat er nichts mehr über ihren Verbleib mitbekommen.
Zumindest hinterließ er über einen Boten im Widerhaken eine Nachricht für sie, um ihr zu sagen, dass er sich im Moment irgendwo in Mathiisen aufhält. Er hoffte nur, sie würde die Nachricht bekommen und ihn aufsuchen kommen.

Wenn er daran zurückdenkt, weiß er noch genau, dass er auf dem Weg war, seine tägliche Patrouille abzulaufen. Er muss diesen Rundgang abhalten, weil das ein Teil seiner Ausbildung ist. Aber dieses Mal war ihm gar nicht danach, den ganzen Weg zu gehen.
Er bat Mirhaayan ihn zu begleiten, als er sie unverhofft im Widerhaken getroffen hatte. Sie stand inmitten der Taverne und belebte mit ihren klaren und klangvollen Stimme den Ort. Für einen Moment war er wie gebannt, als er ihre Stimme hörte, die ihn an so viele Dinge erinnerte. Eine Altmer mit offenem vollen kupferfarbenen Haar, großen Augen, die wie Bernstein in der Sonne glitzern und ihrem olivgrünen langen Kleid berührte ihm einen Moment am Herzen, sodass er sich entschloss die sonst so strengen Befehle zu ignorieren und diesen Abend anders zu beenden.

Also saßen sie da in der Nähe seines Lagers und sprachen über verschiedene Dinge. Mirhaayan erklärte ihn gerade, welche Arten von Portalmagie es gibt, als er ihr etwas zeigte, was er nie jemandem zuvor gezeigt hat. Ley selber tat es immer ab als "Reste", die ihm von seiner Mutter vererbt worden sind. Reste von Fähigkeiten, zu denen er unter normalen Umständen keinen Zugang hatte, die er sich auch nicht erklären kann.
Eine dieser Fähigkeiten ist es, sich in unglaublicher Geschwindigkeit von einem Ort zum Anderen zu bewegen. Manchmal 15 manchmal 30 oder gar 40 Fuß weit kann er sich hinfort bewegen, oder "translokieren" wie Mirhaayan es gern nannte. Was es genau ist, kann er nicht erklären. Die Tatsache dass dieser "Sprung", wie er es selber nannte, ihn jedesmal vor lauter Schmerz fast in Ohnmacht fallen lässt, lässt ihn nicht erkennen, ob es wirklich ein Sprung oder eine "Translokation" ist.
Das war aber das, was er ihr an dem Abend zeigen wollte. Was danach geschah weiß er nicht. Nur dass er irgendwo mitten im Dunkeln aufwachte.

Und in dieser Dunkelheit befindet er sich immer noch. Seine Augen sind mittlerweile völlig verblasst und seine Augenfarbe vollständig verschwunden. Seine Verletzungen wurden von Feyria und Jean so gut es ging behandelt und so war der Verband, den er nun um die Brust trug eine kleine Erinnerung an das was bisher passiert ist.

Er verdankt den Beiden wohl sein Leben, denn das Fleisch an seiner Wunde war nekrotisch und starb schnell ab. Für Jean, ein Wanderheiler mit wohl rötlichem Haar, einer Figur die man mit einigen zusammengebundenen Besen vergleichen könnte und ziemlich schräger Situationskomik, war es höchste Zeit die Wunde zu behandeln. Scheinbar besitzt er aber großes Talent nachdem sich die Behandlung als durchaus erfolgreich gezeigt hat.
Auch Feyria, einer Wyrdin aus .. Ley hat bereits vergessen woher sie kommt.. steht Jean von ihren Fähigkeiten in nichts nach. Nie wäre Ley auf die Idee gekommen, dass irgendwelche Algen sich bei der Wundheilung so nützlich machen würden.
Sogar Sylvin hörte sich beeindruckt über ihre Heilmethoden an. Wobei Ley sich nicht ganz sicher ist, ob das daran liegt, dass Feyria schlicht eine Frau ist und er ihr einen ganzen Bienenstock um den Mund schmieren wollte. Aber letztlich hat er sie machen lassen, und Sylvin muss es wissen, er ist schließlich ein Heiler, der in der Magiergilde aktiv ist. "Wenn er es nicht weiß, wer dann?", denkt sich Ley.

Ley setzt sich auf und sitzt nun weitestgehend aufrecht im Bett. In diesem Moment bemerkt er auch, dass Pan nicht mehr bei ihm ist. Sie scheint wohl hinausgegangen zu sein oder ist gerade wieder auf der Jagd. Immer wenn sie ihn seinen Gedanken erscheint, und das passiert oft, muss er unweigerlich Lächeln. Gerade als er sich in Gedanken verliert, greift er an seine Wunde, um sich zu kratzen. Zu seiner Überraschung ist der Verband aber völlig verrutscht und er greift in eine blutende Wunde. Erschrocken steht er auf und bemerkt erst da, dass auch sein Bett sowie sein Oberkörper voller Blut ist. Er nimmt geistesgegenwärtig die Bettdecke und wickelt sie sich um, ruft derweil verzweifelt nach Hilfe, wo hoffentlich welche ist.

So steht er verloren im Raum und überlegt krampfhaft, was passiert sein könnte. Was er nicht sehen kann ist, dass an der Wand vor ihm etwas mit Blut an die Wand geschrieben worden ist. Es sind mehrere Wörter, wobei nur zwei davon zu erkennen sind.

"Shanta, ehlno"

Spoiler Spoiler

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jheranimus« (20. Januar 2017, 21:36)


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Schneeweiß (17.01.2017), Verva (25.01.2017)

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Freitag, 27. Januar 2017, 00:16

"Shanta Ehlno"

Diese beiden Wörter sind nicht schön aber leserlich an Ley's Bettseite und in der rechten Schranktür eingraviert. Ley steht vor diesem Schrank und starrt auf die Stelle, in der er zuvor die Worte mit seinen Nägeln unfreiwillig eingraviert hat. Er reibt sich über die noch rissigen Fingerkuppen bevor er die Buchstaben vorsichtig mit seinen Fingern nachfährt. Das Gefühl, dass er dafür verantwortlich ist, lässt ihn sich ziemlich fremd vorkommen. Er hat schließlich keinerlei Erinnerungen daran, wie und wann das passiert sein könnte.

Das Einzige, was er noch weiß, ist, dass er die Verletzungen an den Fingern hatte, als er aus seinem Schlaf gerissen wurde. Mit seinem Blut dekorierte er danach den halben Raum, als er versuchte blind einen Verband zu finden. Pan hat ihm nichts davon erzählt. Genauso wenig, wie sie damals nicht erzählt hat, woher sie die Worte kannte, ohne dass er ihr gegenüber zuvor etwas von ihnen erwähnt hatte. Vielleicht hat er sie dort ebenfalls irgendwo unbewußt eingeritzt. Oder hat er im Schlaf davon gesprochen? Am liebsten würde er sofort nach Mathiisen gehen und das Haus untersuchen, in dem er als Patient untergebracht war. Aber noch während er den Gedanken zu Ende bringen versucht, schweifen seine Erinnerungen ab und ein leichtes Lächeln huscht über sein Gesicht.

Es war kurz nach seiner Ankunft in Auridon. Der Händler, ein Dunmer namens Valen, hatte ihm versprochen ihn so weit weg von Gramfeste zu bringen, wie möglich. Und das nur für einen Gefallen, ihm im Gegenzug etwas zu besorgen. Klang nach einem gerechten Angebot, ein Gefallen für einen Gefallen, also schlug Ley ein.
Ohne groß nachzudenken, machte sich Ley an die Arbeit und suchte Himmelswacht auf. Begeistert von der Schönheit der Insel, wollte er seinen Hochmut mit einem Bier oder zwei krönen und machte sich auch gleich in die nächste Taverne. Der Widerhaken schien ihm auch gleich der richtige Platz zu sein. Offen, eine wundervolle Aussicht auf den Hafen und eine vollbusige Wirtin, die ihn mit ihrer unnachamlich charmant ruppigen Art begrüßte.

Dann aber sah er die kleine Pan, eine der dortgen Aushilfen, und für einen Moment und viele weitere vergaß er alles um sich herum. Dieses strahlende Lächeln, dass ihr über ihre schönen fülligen Lippen kam, gepaart mit ihren hellblauen Augen trafen ihn damals sofort ins Herz. Ein mittelgroßes Bosmermädchen, mit caramellfarbenen schulterlangen Haaren, einer zuckersüßen Stupsnase, die mit vereinzelnten Sommersproßen verziert war, ihren ausgeprägten Wangen und ihrer freien und unbeschwerten Art, schaffte es Ley in einem einzigen Moment zu verzaubern und ungewollt in ihren Bann zu ziehen. Was ihn an ihr genau faszinierte, merkte er erst viel später, als ihm auffiel, dass sie doch einige eher untypische Züge von Bosmern hat. Man könnte sie sogar fast als menschlich beschreiben, wenn man genau darauf achtet.
Er blieb an jenem Abend sehr lange, und machte auch keinen Hehl aus seinem Interesse an ihr. Er konnte es einfach nicht lassen, ihre natürliche Schönheit und, zugegeben, auch ihren tollen Körper zu bewundern. Und er konnte er auch nicht die Zeit danach. und er kann es immer noch nicht.

Seither sind einige Monate vergangen und es ist viel passiert. Das Wichtigste aber ist, dass er Pan wieder mit seinen eigenen Augen bewundern kann. In der Zeit, in der er Blind war, hat er Pan auf eine andere Art kennengelernt. Fernab von weltlichen Dingen, wie das Aussehen oder die Mimik oder Gestik, hat er gelernt, genau zuzuhören, zwischen den Zeilen zu lesen und ihre Stimmung anhand verschiedenerer sonst unsichtbarer Merkmale festzumachen. Es ist doch faszinierend, wie sich der unvergleichbare Duft einer Person verändern kann, wenn sie sich freut, oder wenn sie trauert, oder wütend ist.

Seit der Reise nach Ezduin vor ein paar Tagen, hat er sein Augenlicht wieder errungen, was ihn endlich aus seiner angehenden Lethargie auferstehen lies. Jetzt kann endlich seinen Sonnenschein wieder in vollen Zügen bewundern. Er schmunzelt, als er von einem Geräusch aus seinem Augenblick gerissen wird. Dann sieht er durch den Raum und betrachtet sein unfreiwilliges Werk.
"Valirena wird mich umbringen…", denkt er und versucht die vielen Fragen die ihm durch den Kopf gehen zu sortieren. Dann sieht er auf das Bett, wo der übergroße weiße Kristall liegt und mustert ihn einen Moment. Dort liegt nun der Ursprung seines eigenen Martyriums, und hat für den Moment nicht vor ihn von seinem Bann loszulassen.

Ley muss einige Antworten finden und auch einiges erklären.

In erster Linie hat er bisher mit niemandem darüber gesprochen, was in den Ruinen wirklich passiert ist. Seine Freunde haben ihr Leben für ihn aufs Spiel gesetzt, und er bringt es nicht übers Herz, sie in die ganze Wahrheit einzubeziehen. Darüber hinaus aber stellt sich die Frage, was nun passieren wird.

Wird er herausfinden, was der, der in diesem Kristall gefangen ist, von ihm will?
Oder wird er einen Weg finden, sich von seinem Bann zu lösen? Vielleicht mithilfe von Magie?
Was aber dann? Würde er den Kristall den hiesigen Magiern überlassen? Oder würde er ihn dem dunmerischen Händler übergeben, wie er es ursprünglich vorhatte?

Ley wird wieder aus seinen Gedanken gerissen, als er die Tür hört. Er verstaut den Kristall wieder in sein Versteck und setzt sich aufs Bett, als Pan bereits die Treppen nach oben kommt. Er lächelt sie an und bekommt sofort wieder das Herzflimmern und das Kribbeln im Bauch, wie am ersten Tag.
"Life is not about finding yourself, it is about creating yourself."

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Toxem (27.01.2017), Verva (27.01.2017)

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7

Freitag, 3. Februar 2017, 23:52

Ley sitzt an Valirenas Schreibtisch und blickt nachdenklich auf das Pergament, was vor ihm liegt. Er ist hin und her gerissen, ob er den Brief wirklich hinterlassen will oder nicht. Imme wieder überfliegt er die geschriebenen Worte und ist immer wieder kurz davor, ihn zu zerreißen und das alles Vergessen zu machen. Aber etwas hielt ihn davon ab und so saß er da, wie gelähmt, nichts Ahnend, wie schnell die Zeit um ihn herum verstricht.
Später würde er den Brief in Pans Rucksack verstecken, bevor sie die Reise nach Malabal Tor antreten.

**
Hana,

Wenn Du das hier liest, bin ich entweder in ernsthaften Schwierigkeiten oder vielleicht sogar tot. Falls nicht, dann hälst Du den Brief in Händen, mit dem Du mich in beide Situationen bringen kannst. Ich hoffe Du kannst nur annähernd verstehen, welche Bedeutung die folgenden Worte für mich haben. Ich komme einfach nicht damit klar, nicht von Anfang an offen und ehrlich zu Dir gewesen zu sein. Es zerreißt mich innerlich, ständig im Zwiespalt zu leben, deswegen möchte ich vor unserer Reise noch einige Dinge klarstellen.

Ich bin nicht zufällig auf Auridon gestrandet. Ein Händler Namens Valen hat mich auf die Insel gebracht. Ich habe ihn in Deshan kennengelernt, als ich ihn dort während meiner Flucht befreite. Er arbeitet für eine Organisation, die sich roter Sonnenaufgang nennt. Er war es, der mich aus Morrowind herausbrachte. Im Gegenzug dazu sollte ich ihm einige Artefakte besorgen. Darunter auch einen Bindungsstein, wie den, den wir gefunden haben.

Du hast mich gefragt, wie ich mir all meine Sachen leisten kann. Als ich damals ins Banner eingetreten bin, habe ich es nicht nur zu eurem Schutz gemacht. Ich habe die Möglichkeit gesehen, endlich an die Grabstätten und Ruinen heranzukommen, die von den Thalmor bewacht werden. Wer würde denn schon einen Dominion Soldaten verdächtigen? Vor allem einen Menschen, der für die Altmer unberechenbar und unfähig ist und sich wie ein Kind verhält? Eine bessere Tarnung konnte ich mir nicht erhoffen. So konnte ich fast ungehindert einige Dinge aus den Lagern entwenden und ihm verkaufen.

Dasselbe wollte ich mit den Bindungskristall machen. Als wir den Kristall in Ezduin gefunden haben, konnte ich spüren, wie Eldharil aus meinem Kopf verschwand. In dem Moment nahm ich mir vor, ihn zu Valen zu bringen. Er wehrte sich und versuchte mich gleich wieder in seinen Bann zu ziehen, als er meine Absicht bemerkte. Das war der Moment, wo ich von euch ungewollt getrennt wurde. Wir trugen in Gedanken einen schmerzhaften Kampf aus, den ich dieses mal aber dank Valens Hilfe gewinnen konnte.

Sehr richtig, Hana. Valen gab mir einen Schutzstein, der verhindern konnte, dass der Geist sich wieder in meinem Kopf festsetzt. Dennoch verspürte ich eine solche Trauer um das Schicksal dieses Geistes, dass ich es nicht übers Herz brachte, ihn wegzugeben. Weißt Du, wie das ist, wenn man eine Stimme in seinen Kopf hat, die man nicht versteht, dessen Gefühle man aber zu jeder Zeit spüren kann? So viel Leid und so viel Trauer und Sehnsucht begleiten diese arme Seele. Aus Angst, dass der Kristall nach unserer Rückkehr entwendet oder zerstört wird, habe ich die Geschichte um unsere Bindung weiter aufrecht erhalten. Nicht auszudenken, was die Magiergilde oder die Thalmor damit anfangen würden, wenn sie ihn in die Hände bekämen.

Ich wollte eigentlich auf Valens Rückkehr warten, um den letzten Teil unserer Abmachung einzuhalten. Als ich aber von Genevelle Die Geschichte von Eldahril in die Hände bekam, wurde mir bewusst, dass ich einen großen Fehler begehen würde. Tatsächlich bringe ich es nicht übers Herz und ich habe mir vorgenommen, dem Armen Kerl in seine Ruhestätte zu bringen, wo er hoffentlich seinen Frieden findet.

Jetzt verstehst Du vielleicht, wieso wir so schnell abreisen mussten. Und ich hoffe inständig, dass Du mir für all das vergeben kannst. Das Einzige was ich Dir versprechen kann, ist, dass ich sonst immer absolut ehrlich und aufrecht Dir gegenüber war.

In diesem Sinne und von tiefsten Herzen
Ley
**
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jheranimus« (12. Februar 2017, 11:19)


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Toxem (04.02.2017), Verva (04.02.2017)

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8

Sonntag, 12. Februar 2017, 16:38

"Die Luft ist warm und sie erfüllt eine leichte salzige Brise gepaart mit einem dezenten Fischaroma, welches sich normalerweise bei abgestandenem Meereswasser bildet. Ley atmet tief ein, als eine leichte Böe durch den Widerhaken strömt und die Taverne mit dem Duft des Meeres flutet. Er vermutet, dass die Strömung an diesem Tag nicht so stark ist wie sonst, da auch die Wellen, die das Land küssten, nur ein leises flüstern von sich geben.

Er spürt genau, wie die Sehnsucht in ihm wächst, in diesem Ausblick auf den Hafen und die Bucht hinunter sehen zu können und sich an dessen Schönheit zu ergötzen. Stattdessen ist er blind und gebunden an diesen Stuhl und hört der aktuellen Diskussion zu. Er hört viele Worte, denn seine Freunde und die anderen Anwesenden diskutieren angeregt darüber, wie sie Ley am besten helfen können. Er konzentriert sich abwechselnd auf jeden Einzelnen und versucht die Worte in eine Reihe zu bringen.

Zuerst hört er Feyria und Nuez miteinander sprechen.
Feyria hat Ley, wie alle anderen, erst auf Auridon kennen gelernt. Eine Wyrdin, die mit einem zarten natürlichen Duft von Pflanzen und Blumen umhüllt ist, die nicht auf Auridon wachsen. So wenig er Feyria eigentlich kennt, so glücklich kann er sich schätzen, sie zu kennen. Schließlich hat sie und der rothaarige Jean ihn wohl vor dem sicheren Tor bewahrt, als sie ihn notgedrungen verarztet haben.
Nuez kennt er im Grunde nur flüchtig. Der Moment, der Ley im Gedächtnis geblieben ist, ist der, als Nuez den Hof der Magiergilde vollkotzte. Er hat wohl einen etwas zu starken Trunk gegen sein "was auch immer" von Sylvin bekommen, den er nicht vertragen hat.
Was in dem Moment nicht zu überhören war, war die Art und Weise, wie sich Feyria und Nuez unterhielten. Feyria hatte einen sehr fürsorglichen Unterton, als Nuez sich entschloss die Gruppe zu begleiten, den Ley sonst nicht an ihr ausgemacht hat.
In diesem Moment kommt Sylvin zurück. Zu Sylvin hat Ley einen ganz besonderen Bezug. Er ist wie ein Bruder für Ley. Ob es daran liegt, dass er als Altmer untypisch lebensfroh ist, oder ob sie die gleiche Begeisterung zum Leben und dessen Vorzüge haben, kann Ley sich nicht erklären. Sie haben sich einfach vom ersten Moment an verstanden und Ley war froh, dass Sylvin seine unbeschwerte Einstellung zum Leben mit ihm teilt.
Hana ist natürlich auch anwesend. Der kleine Sonnenschein war die ganze Zeit seit ihrer Rückkehr aus dem Norden bei Ley geblieben. Und sie ist wohl die Person, die Leys Leben auf Auridon seit dem ersten Moment völlig auf den Kopf gestellt hat und dafür ist er ihr auf ewig dankbar.
Der Letzte in der Runde war Ilijas. Über ihn kann Ley nichts sagen, da er ihm völlig fremd ist. Scheinbar kennt Feyria ihn. Er ist ein sehr ruhiger Typ, der aber, wenn er etwas von sich gibt, Ahnung von dem zu haben scheint, was er sagt. Zumindest scheint er sich mit Untoten nicht unerheblich auszukennen, was in diesem Fall hilfreich sein könnte.

Sylvin hat zwischenzeitlich die Bedeutung der Worte herausgefunden, die Ley ständig im Kopf herumspuken. Er meint, dass der Geist Ley zu sich in die Ruinen ruft. Über das wieso konnte sich niemand einen Reim machen, aber die anderen waren sich schnell einig, dass sie bald aufbrechen müssen. Es macht für Ley insofern Sinn, weil der Geist weder zuließ, dass Ley sich auf ein Schiff begab, noch konnte sich Ley in der Nähe der Magiergilde aufhalten, wo jederzeit die potentielle Gefahr bestand, durch ein Portal von der Insel zu kommen.

So kommt es auch, dass sie kurze Zeit später gemeinsam vor dem Eingang der Ruine stehen. Als Ley die Steintüre öffnet durchströmt ihn ein Gefühl von Angst und Sehnsucht, doch nichts davon hält ihn ab in die Ruine zu steigen und nach dem Ursprung seines Leids zu suchen. Nachdem sie sich durch das Labyrinth der Ruine vorgearbeitet haben, fanden sie endlich die Stelle in der der Kristall ruht.

Kaum als Ley den Kristall in die Hand nimmt spürt er sofort, wie der Geist sich aus seinem Kopf und mit seinem restlichen Dasein in den Kristall zurückzog. Das hatte Valen bereits so vorhergesehen.
"Wenn Du es schaffst Deine ganze Aufmerksamkeit Deiner Suche zu widmen, kannst Du dem Geist einen Streich spielen. Aber pass auf, seine Sehnsucht ist auch seine Stärke.", sagte er, als sie sich das letzte Mal sahen.
Doch kaum hat Ley diesen Gedanken zu Ende bringen können, scheint der Geist die List zu spüren und versucht sofort wieder seinen Bann über Ley zu legen. Dieses Mal ist Ley aber vorbereitet. Er hält den Schutzstein schon in der Hand und spricht die Worte, die Valen ihm beigebracht hatte.

Kaum ausgesprochen erzürnt der Geist und versucht mit aller Macht den Schutzzauber zu durchbrechen. In diesem Moment verdunkelt sich auch Leys Umwelt und er wird von der Gruppe getrennt. Es folgt ein Kampf bei dem Leys Hände versuchen diesen Kristall loszulassen, die aber an diesem Kristall kleben und er nicht in der Lage ist sich davon zu trennen. Der Geist versucht ihn mit allem was er hat einzunehmen und Ley bekommt für einen Moment einen Einblick in seine Erinnerungen, die voller Sehnsüchten, Enttäuschungen und Trauer zu sein scheinen.
Das ist der Moment, der Ley zum Umdenken bringt, und sein Wunsch den Kristall für immer loszuwerden schwenkt in Mitleid und Mitgefühl herum. Das ist der Moment an dem Ley sich vornimmt, dem Geist zu helfen."


Das ist auch der Moment, in dem Ley seine Augen öffnet. "Ein Traum", denkt er sich und neigt seinen Kopf zur Seite, wo er Hana neben sich liegen sieht. Er blinzelt ein paar Mal und betrachtet die dunkle Hütte, die die hiesigen Bewohner für sie vorgesehen hatten.
Sie waren bereits in Malabal Tor angekommen und haben auf der Reise einen kleinen Halt in deinem Bosmer Dorf gemacht, um ihre Vorräte aufzufüllen und sich für die Weiterreise zu stärken.
Ley lehnt sich wieder zurück und denkt noch ein paar Momente still vor sich hin, ehe er wieder in den Schlaf findet.

Spoiler Spoiler


Ich möchte mich hiermit nachträglich herzlichst bei den genannten Personen für den super schönen Abend bedanken! Es hat wirklich viel Spaß gemacht, umso schöner dass ihr dabei sein konntet.
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