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Samstag, 11. Februar 2017, 11:35


Hafenstadt Alten Corimont in Schattenfenn zur Zeit des Jahres 585 der 2. Ära...

Der Dunmer blickt auf und legt für einem Moment das Buch, mit dem er sich die letzten Stunden so umfangreich befasst hat, ab und blickt Viktor Brerodsson mit einer Mischung aus Misstrauen und Überlegenheit aus seinen rot schimmernden Augen an.
Sein Blick könnte man als ´Geh-weg´, ´Stör-mich-nicht´ oder ´Was-willst-Du-Made-von-mir?´ deuten.
Dennoch weicht Viktor diesem nicht aus und bleibt ruhig vor dem Dunkelfen stehen, der wohl für die Fracht, sowie die Passagiere des Schiffes zuständig ist, das hier in Alten Corimont vor Anker liegt.

Alten Corimont ist eine Hafenstadt an der südlichen Küste von Schattenfenn.
Hier, so direkt am Wasser, ist die Luft nicht ganz so unangenehm schwül und heiß, wie in den Sümpfen selbst.
Viktor ist froh, dass sie endlich diesen schweißtreibenden Morast hinter sich haben und ihre beiden Führer, die Argonier ´Hicks´ und ´Wandelt´ sie sicher durch das Sumpfland leiteten.
Hier, in Alten Corimont, sollte man sich dennoch nicht in Sicherheit wähnen.
In dieser kleinen Hafenstadt, die von einfachen Holzbauten geprägt ist, werden Fremde mit Argwohn beäugt und scheinbar nach ´ihrem Wert´ geprüft.
Viktor, und seine Weggefährten, sollten aber nicht von Interesse sein, machen sie doch nicht den Eindruck, als ob sie Reichtümer mit sich tragen.
Besonders heraus ragt ein altes Schiff, das - wie auch immer man dies fertig brachte - einige Meter auf dem Land ruht und den Stadtbewohnern als Unterkunft und Handelstreffpunkt dient.
Es ist, so kann man getrost sagen, das Herz und der Mittelpunkt dieser ansonsten recht einfachen kleinen Hafenstadt Alten Corimont.

"Und?"
Der Dunmer ist wohl kein Freund vieler Worte, als er Viktor anspricht und dabei die Arme vor der Brust verschränkt.
"Meine Weggefährten, und ich, wir benötigen eine Schiffspassage gen Norden.", antwortet der gelernte Schuhmacher ohne zu zögern.
"Eure Weggefährten?"
Der Dunkelelf blickt an Viktor vorbei und fixiert dessen bärtigen Freund Zackris, der Viktors Pferd hält, sowie die Nordfau Tordis, die allesamt am Steg stehen und dem Geschehen folgen.
Viktor nickt.
"Drei Nord und ein Pferd, wenn ich das richtig sehe, ja?"
Viktor nickt wieder.
"Ja. So ist es."
Der Dunmer massiert sich für einen Moment sein spitzes Kinn, ehe er antwortet.
"Dreißig Münzen pro Kopf und zehn für das Reittier."
Viktor schluckt etwas, lässt sich aber nicht anmerken, dass ihm der Preis etwas hoch erscheint.
Viel kann er eh nicht machen.
Die Passage brauchen sie, um in den Norden zu kommen.
Das Schiff setzt ihre Segel direkt gen Ostmarsch.
Und er wäre endlich am Ziel.
Der Dunkelelf wird dies denken, aber Viktor will es ihm dennoch nicht zeigen, gar eine Schwäche offenbaren.
Nicht, das er den Preis gar noch höher treibt.
"Und?", kommt es wieder von dem Dunmer.
"Wir werden es uns überlegen.", entgegnet Viktor mit einem Nicken.
"So tut dies. In zwei Tagen, wenn die Sonne aufgeht, werden die Segel gesetzt. Wollt ihr mit, so vergesst die Münzen nicht.", sagt er dann und wendet sich wieder seinem Buch zu.
Das Gespräch ist für ihn wohl beendet.
Viktor wendet sich ab, um seinen Gefährten zu berichten.
Diesen Grauzungen kann man einfach nicht trauen, denkt er in diesem Moment.

Zackris hat sich wahrlich gemacht.
In den ersten Stunden, als er ihn kennen lernte, war Viktor äußerst skeptisch, schaffte es der bärtige Nordmann doch den Ärger förmlich anzuziehen.
Er hat auch noch die mahnenden Worte Arguns in den Ohren, die Zackris wohl gar nicht mochte.
Ja, er hat eine große Klappe.
Und er spricht selbst für einen Nord eine einfache Sprache.
Aber sie ist geradeaus und nicht voller Tücke oder List.
Während des Weges durch die Sümpfe merkte Viktor aber, dass es dem Nordfreund in den Fingern juckte, endlich seine Klinge wieder einsetzen zu können.
Fast schon enttäuscht war er, dass sie ohne einen einzigen Zwischenfall die so gefährlichen Sumpflande durchquerten.
Viktor muss zugeben, dass es ihn auch fast ein wenig überrascht hat.
Was wurde vorher nicht alles über die Sümpfe gewarnt.
Ja, er hat kaum geschlafen, da man das Gefühl nicht los würde, der ganze Sumpf würde leben.
Und dann diese unsägliche Schwüle.
Eine Luft zum zerschneiden.
Die zwei Echsenmänner ´Wandelt´ und ´Hicks´ werden sich spätestens in Alten Corimont von ihnen trennen.
Was sollen sie auch in den kalten Nordlanden?
Zackris hat natürlich versucht, sie davon zu überzeugen, mit zu kommen, um mit ihm ein Met in den Tavernen von Windhelm zu trinken.
Viktor muss bei diesen Gedanken leicht grinsen.
Er selbst kann es kaum erwarten endlich die Stadt mit eigenen Augen zu erblicken, über die man so viel spricht.
Es darf nun nichts mehr schief gehen.
So weit ist er bereits gekommen, entgegen aller Einwände von denen, die auf ihn herab sahen, ihn auslachten ob seines schwächlichen Auftretens.
Er wird es ihnen allen zeigen, ja.

Die zwei Schuppenmänner haben es scheinbar nicht sonderlich eilig.
Als Tordis etwas abseits der Häuser ein Lager auftut, bleiben die Zwei noch etwas bei den Nordleuten.
Über ihre Pläne haben sie nie groß gesprochen.
Auch verlangten sie keine Münzen oder eine andere Entlohnung.
Viktor hat auf seiner Reise einiges gelernt.
So auch zu beobachten und die anderen reden zu lassen.
Dennoch wird er aus den ´Hicks´ und ´Wandelt´ nicht schlau.
Insbesondere der Eine, dessen Schuppen so weiß wie der Schnee Ostmarsch sind, gibt ihm Rätsel auf.
Die Schuppenfarbe ist nicht üblich, eher selten.
Und Viktor las bei seinen Nachforschungen über die Toten Wanderer etwas darüber.
Das auch die Echsenleute davon infiziert werden können, sich dann die Farbe ihrer Schuppen verändert und sie weiß werden.
Viktor verdrängt diesen Gedanken und sieht es eher als Zeichen.
Ja, er ist auf dem richtigen Weg und er wird ihn bis zum Ende gehen.
Wieder kommt ihm, wenn auch nur für einen kurzen Moment, Hjotrta in den Sinn.

Nun wartet dieses Handelsschiff der Dunmer.
Nur noch ein paar Tage, dann segelt er gen Norden.
Gedanken, die ihn in diesem Moment zufrieden einschlafen lassen.
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

"Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut." (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

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Freitag, 17. Februar 2017, 11:30


Wir schreiben das Jahr 294 der 2. Ära.
Irgendwo in den verschneiten Wäldern, in der Nähe einer kleinen Nordsiedlung im Fürstentum Ostmarsch...


Hamist Storaldsson hockt im Schutze der Büsche zwischen den Bäumen und fixiert die Gruppe Rehe, die einige Schritt entfernt auf einer kleinen freien Fläche im Schnee nach Nahrung suchen.
Er atmet ruhig und versucht Bewegungen zu vermeiden.
Einige Zeit schon ist er ihren Spuren gefolgt.
In seiner Linken ruht sein Bogen, noch nicht gespannt.
Er beobachtet nur, nimmt die Umgebung wahr.
Geschneit hat es schon seit einem halben Tag nicht mehr.
Es ist ruhig.
Jede kleine Bewegung könnte ein verräterisches Geräusch verursachen.
Hamist kann warten.

Es ist nun 14 Jahre her, seit sein Vater Storald starb und er ist bereits 55 Jahre alt.
Schon seltsam, dass er jetzt gerade an ihn denken muss.
Wäre ihm damals die Flucht nicht gelungen, als die Toten Wanderer sein Heim angriffen und seine Familie töteten, wäre er selbst jetzt nicht hier und würde seine Beute, die Rehe, beobachten.
Viel Zeit ist vergangen, es ist viel passiert.
Zwei Kinder gebar ihm sein Weib, Horige und Fride.
Er lächelt leicht, als er an sie denkt.
Hamist ist so stolz auf sie, auf beide.
Horige ist zu einem starken Nord gereift und hat selbst bereits einen Sohn, Tsuur.
Und seine Tochter Fride gebar Ariet, ein Mädchen.
Die Blutlinie bleibt erhalten, ja.
Sein Vater Storald wäre ebenso stolz gewesen und braucht im Jenseits nun keine Sorge mehr zu haben.
Die Geschichte - ihre Geschichte - wird weiter geschrieben.

Die Rehe schauen auf, als ob sie etwas wahr genommen hätten.
Hamist ist im Nu angespannt und konzentriert.
Er kneift die Augen zusammen.
Es ist weiterhin still, er hat nichts bemerkt.
Die Rehe stehen starr da, bewegen sich nicht.
Hamist tut es ihnen gleich.
Würde er sich jetzt nur ein wenig bewegen, würden sie ihn entdecken.
Oder haben sie ihn bereits bemerkt?
Vielleicht wittern sie etwas.
Ein Pfeil steckt vor ihm im Schnee.
Er überlegt.
Pfeil packen, anlegen, Bogen spannen, zielen...das würde nur wenige Sekunden dauern.
Aber würde das reichen?
Die Rehe senken nun wieder ihre Köpfe, suchen weiter im Schnee.
Hamist entspannt sich für den Moment.
Das war knapp.
Er würde sich schwarz ärgern, würde seine Beute entfliehen.
Der Pfeil wird mit einer langsamen Bewegung genommen, die Rehe dabei weiter fixierend.
Es wird Zeit zuzuschlagen.
Er hat lang genug gewartet.

Plötzlich ein Geräusch.
Äste knacken.
Die Rehe schrecken auf und zögern nicht.
Sie springen hoch und suchen in Windeseile das Weite.
Hamist weitet die Augen, den Pfeil schon im Bogen angelegt, gerade bereit ihn auf den Weg zu schicken.
Nun muss er mit ansehen, wie die schon sicher geglaubte Beute verloren scheint.
Das darf doch nicht wahr sein!
Aber er hat sich nicht bewegt, hat sich nicht verraten.
Woher kam das verräterische Knacken?
Da, wieder.
Aber...es ist so nah.
Hinter ihm...
Hamist springt aus der Hocke auf, spannt instinktiv seinen Körper an und dreht sich um, als er in diesem Moment eine schwere Axt auf sich zu schwingen sieht.


Es ist das letzte, was er von dieser Welt sieht...
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Mittwoch, 22. Februar 2017, 17:03


Irgendwo im Fürstentum Weißlauf Man schreibt das Jahr 294 der 2. Ära...

Hjotrta schreitet einige Meter hinter Fjorig, ihrem bisherigen Gefährten, die weiten Flächen der Tundra im Fürstentum Weißlauf durchstreifend.
Sie geht schon länger nicht mehr neben ihm, an seiner Seite.
Seit dem der Clan vor einigen Jahren in den Hinterhalt der Nordleute geriet, streiten sie und scheinen entzweit.
Ein langsam anschwellender Machtkampf ist entfacht und nicht wenige der noch verbliebenen Vampire stehen inzwischen auf ihrer Seite.
Über Jahre hinweg hausten in dieser kargen Höhle, versteckt vor allen und jedem.
Das Blut von Tieren oder vom Weg abgekommene einzelne Jägersleute dienten den Blutsaugern vorwiegend als Nahrungsquelle.
Ansonsten verharrten sie weitestgehend in Ruhe, abwartend.
Der Zwist zwischen Hjotrta und Fjorig wurde indes immer größer...und größer.

Erst nach Jahren des Versteckens verließ der Elmerd-Clan dann sein Höhlenversteck, um wieder auf Jagd nach dem Blut der Lebenden zu gehen.

Die dezimierte Gruppe der Vampire um ihren Anführer Fjorig "dem Grauen" bewegt sich südwestlich des Weißflusses, um wieder in den dortigen tiefen Wäldern Schutz zu suchen.
Die freien Flächen der weiten Tundra behagt den Blutsaugern nicht besonders, wären sie für Reiter doch leichte Beute.
Und so bewegen sie sich im Dunkel der Nacht, ihre Umgebung stets im Auge behaltend, um etwaige Lebende rasch auszumachen.

Hjotrta hat neben dem glatzköpfigen Vilrim, dessen Schädel mit unzähligen Brandnarben übersät ist, weitere Vampire auf ihre Seite ziehen können, die ebenso mit vielen Entscheidungen des Fjorig nicht mehr einverstanden sind.
Die Falle, in die sie wie Anfänger tappten und für die "der Graue" verantwortlich gemacht wird, war der negative Höhepunkt einiger Vorfälle, die der Leichtfertigkeit und Arroganz eines Anführers geschuldet waren, dem Einsicht und Kritikfähigkeit vollends abhanden gekommen zu sein scheinen.
Nein, er führt seine "Kinder" weiter mit harter Hand und jede Auflehnung wird erbarmungslos bestraft.
Einzig seine bisherige Lebensgefährtin Hjotrta wurde, trotz ihres offenen Disputes vor all den anderen, verschont.
Ein möglicher Bonus, der sicher nicht ewig währt.
Dessen ist sich Hjotrta bewusst und wägt bisweilen ab, ob Fjorig nicht schon insgeheim das Ende ihres Daseins beschlossen und nur noch nicht in die Tat umgesetzt hat.
Andererseits ist er nicht dumm und weiß sehr wohl, dass sich im inzwischen doch arg dezimierte Elmerd-Clan so einige Vampire auf Seiten Hjotrtas geschlagen haben.

Auf ihren Wegen durch Weißlauf hält man sich klugerweise zurück und wählt nur einzelne Lebende aus, die man überfällt und achtet darauf schnell weiter zu ziehen.
Reisende, Wanderer, Jägersleute und insbesondere herumstreunende Diebe sind es, auf die es die Vampire abgesehen haben.
Banditen und Halunken, sowie Gesetzeslose werden nicht vermisst.
Es werden auch nicht alle getötet.
Es gilt die Reihen des Clans wieder zu füllen.
Und es obliegt nur Fjorig Lebende zu wandeln, sodass ´seine´ Blutlinie weiter gestärkt wird.

Gleichwohl schließen sich einige Vampire an, die ihren Weg kreuzen.
Sie stammen aus anderen zerschlagenen Clans, ziehen oft alleine umher.
Früher hat Fjorig sie töten lassen, um eben eine Vermischung der Blutlinien und andere, ´unreine´ Vampire nicht in seinen Reihen zu wissen.
Aber die Zeiten ändern sich und in der Not muss sich auch ein Fjorig den Gegebenheiten anpassen.
Die meisten, die sich dem Clan anschließen und die vom "Grauen" akzeptiert werden, fügen sich schnell ein, beugen ohne zu zögern das Knie vor ihm.

Nur dieser eine alte Vampir fällt Hjotrta direkt auf.
Zwar unterwirft er sich Fjorig, tut dies aber nicht mit dieser ´Hingabe´, wie die anderen.
Er lief ihnen in der Nähe des Weissflusses über den Weg.
Er war alleine und gab sich gerade zwei umherziehenden Nord-Streunern hin, als die Elmerds auf ihn trafen.
Seltsamerweise verhielt sich Fjorig von Anfang an bei ihm anders, zollte ihm einen doch ungewohnten Respekt, den Hjotrta so vom "Grauen" gar nicht kannte.
Und so macht es sich Hjotrta zur Aufgabe diesen neuen Vampir, der den Namen Máeglin Carnesîr trägt, im Auge zu behalten.
Auch Vilrim, der es weiterhin unter Fjorig nicht leicht hat, hat dies bereits bemerkt und Hjotrta wieder einmal gezeigt, dass der hässliche Glatzkopf weitaus klüger ist, als man meinen könnte.

Fjorig hat indes bereits einen Plan und führt den Clan über die Grenzen Weißlaufs ins düstere Fürstentum Falkenring.
Ein neues Jagdrevier, bekannt durch ihren Regen und ihren Nebel.
Hjotrta fragt sich unterdessen wie lange sich noch der schwelende Streit zwischen Fjorig und ihr im Zaum halten lässt und ob es gar zu einer Eskalation kommen würde.
Sie muss Obacht geben, weitere Anhänger um sich scharren und Fjorig im Auge behalten.
Sie wird nicht viele Chancen bekommen.
Die wenigen wird sie nutzen müssen, will sie gut aus dieser Sache heraus kommen.


So folgt sie ihm stumm, so wie alle anderen und hat bereits ohne es zu merken jemanden, der sie seit Anbeginn im Auge hat: Máeglin Carnesîr.
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Spiffypurse« (27. Februar 2017, 12:01)


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Llynya (22.02.2017)

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Montag, 27. Februar 2017, 12:00


Wir schreiben das Jahr 585 der 2. Ära. Ein Dunmerschiff segelt auf die Mauern Windhelms zu...

Viktor Brerodsson, der einfache Nord aus Davons Wacht in Steinfälle, der nie zu kämpfen gelernt hat, der ein einfacher Schumacher ist, steht nun auf dem Deck des Dunmerschiffes und blickt über die Reling auf das Land, was sich vor ihnen auftut und immer nähert kommt.

Die Luft hat sich bereits in den letzten Tagen deutlich abgekühlt und hier und da waren sogar vereinzelt Eisschollen auf dem Wasser zu sehen.
Fast die gesamte Fahrt waren sie unter Deck, wo die Luft zum zerschneiden schlecht war und es erbärmlich nach Schweiß und Fäkalien stank.
Eine gefühlte Ewigkeit war es für ihn, der des Nachts gar im Schlaf von merkwürdigen Träumen noch geplagt wurde.
Er hat viel mit Zackris geredet und noch mehr Met getrunken.
Zumindest bis es alle war.
Zackris selbst fröhnte ab und an dem Glücksspiel mit einigen der Crewmitglieder, während Viktor schlief.
Ob er gewann, oder ob nicht, schien für ihn Nebensache zu sein.
Sein bärtiger Freund sprudelt nur so vor Energie, als ob er nie schlafen oder ruhen müsse.
Viktor beneidet ihn darum.

Und nun steht er hier und blickt auf die teils Schneebedeckten Bergzüge Ostmarschs und die Silhouette einer mit massiven Mauern umgebenen Stadt.
Das muss Windhelm sein.
Die Stadt der Nordleute.
Uralt ist sie und strahlt schon jetzt, noch so weit weg, eine unglaublich einschüchternde Aura aus.
Zumindest ergeht es Viktor so.
Er fühlt sich in diesem Moment glücklich.
Sein erstes Ziel ist erreicht.
Und das nächste wird er ebenso finden, da ist er sich sicher.

Zackris, der bärtige Nord und Weggefährte, steht neben ihm und klopft ihm auf die Schulter.
Es scheint, als könne er die Gefühle Viktors nachvollziehen.
Tief atmet er ein und saugt die kalte, aber klare Luft in sich auf.

Endlich zu Hause, denkt er sich in diesem Moment.
"Das hätte wohl keiner gedacht, dass Du es bis hierher schaffst, eh?", kommt es dann plötzlich aus Zackris Mund, der sich ein breites zufriedenes Grinsen nicht verkneifen kann.
Viktor nickt stumm.
Nein, das haben so einige nicht für möglich gehalten.
Der ´Weichei-Nord´, der nicht kämpfen kann und dessen Sprache so manchen Nordmann missfiel, steht nun hier und muss zugeben, dass er auch ein wenig stolz ist.
Es mag sein, dass auch er selbst nicht immer daran glaubte, aber er machte einfach weiter.

"Und dann soll´s gen Jernheim gehen, eh mein Freund?"
Zackris blickt Viktor in dessen Gesicht, der nur Augen für die massiven Mauern Windhelms hat, die langsam immer näher kommen.
"Ja. Dort, wo einst mein Vater lebte. Was sehne ich mich nach diesem Ort.", entgegnet er dann.
"Aber ein paar Tage werden wir schon in Windhelm bleiben, Vik. Du wirst die Stadt lieben. Sie ist voller Leben, Tavernen, Weiber und Met, eh."
Zackris grinst immer noch in seinen Bart.
"Ich hörte davon, ja."
"Hören ist einerlei, Vik. Du musst es sehen, es fühlen. Unsere Heimat..."
Viktor blickt nun wieder in die Ferne zu den Bergzügen, die mit Schnee bedeckt sind und gen Windhelm.
Zackris hat Recht.
Die paar Tage sollte er sich zeit für Windhelm nehmen.
Wenn es nur annähernd das verspricht, was alle erzählen, so ist er schon jetzt begierig zu erfahren, was ihn dort erwarten wird.

Das Schlimmste ist überstanden.
Oder steht es noch bevor?
In diesem Augenblick wandern seine Gedanken wieder zu Hjotrta, der Vampirin.
Wenn es sie noch gibt, so wird sie in den Nordlanden zu finden sein.
Aber wieder wird er sich die Frage stellen müssen, ob er sie wirklich finden will.
Sollte er nicht das Vergangene ruhen lassen?
Dennoch tötete sie eigenhändig ihren Vater, vor den Augen seiner Frau und des Bruders.
Sie ist der Schandfleck der Familie.
So lange es sie gibt, wird es diesen Makel geben, mit dem er, und seine Nachfahren, leben müssen.
Ja, er muss heraus finden, ob es sie wirklich noch gibt.
Und wenn, dann wird er diesen Schandfleck ein für alle mal entfernen.

Es herrscht nun reges Treiben auf dem Schiff.
Die Crew bereitet sich auf das baldige Anlegen des Schiffes vor.
"Komm, Vik. Wir sollten unsere Sachen packen. Wir legen bald an. Oder willste etwa noch länger hier auf dem Kahn bleiben, eh?"
Zackris lacht auf.
"Ganz sicher nicht.", antwortet er ihm mit einem Nicken und einem Lachen, als er sich abwendet um sich unter Deck zu begeben, seine Sachen für den Aufbruch vorzubereiten.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Spiffypurse« (6. März 2017, 10:16)


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Montag, 6. März 2017, 10:16


Wir schreiben das Jahr 315 der 2. Ära.
Fürstentum Ostmarsch.
Eine Nordsiedlung in einem verschneiten Tal


Ein letzter Blick geht zu seinem Weibe Mardis, die ihn in ihrer Hütte aus ihren dunklen großen Augen ansieht.
Ihr Augen haben ihn von Anbeginn fasziniert.
Sie stachen förmlich aus ihrem ansehnlichen Gesicht heraus und zogen Horige Hamistsson in seinen Bann.
Der groß und stark gewachsene Horige, Sohn des Hamist Storaldsson, hatte keine Chance.
Der Pfeil der Liebe durchbohrte ihn mit gnadenloser Härte.
Und die Liebe ließ ihn bis heute nicht mehr los.

Sein ganzer Stolz ist aber sein Sohn Tsuur, der beileibe kein kleiner Nordjunge mehr ist und selbst bereits einen Sohn hat.
An diesem Tage, als Horige seinem Weib Mardis anblickt, ist es draußen sehr stürmisch und es schneit bereits seit vielen Tagen.
Tsuur ist schon seit drei Tagen mit einigen anderen Nordleuten auf Jagd und haben sicher bei dem Sturm irgendwo Rast gemacht.
Nicht das ein bisschen Wind den harten Nord die Laune verderben würde, aber doch kann es bei schlechtem Wetter und tiefem Schnee etwas länger dauern.
Horige nickt Mardis zu, packt seinen Beutel, sowie seinen Bogen und stapft hinaus, wo ihn ein kalter steifer Wind und Schnee empfangen.
Der bärtige Horige ist kein Jungspund mehr, aber ein bisschen Sturm hat ihn noch nie von der Jagd abgehalten.
Er wird heute aber, bei dem miesen Wetter, nicht lange in den Wäldern bleiben.
Es gilt die Fallen abzugehen, die er ausgelegt hat, erlegte Beute einzusammeln oder verletztes Wild von ihrem Leid zu erlösen.

Der Wind ist an diesem Tag in der Tat sehr böig und weht Horige mit all seiner Kraft ins Gesicht, als er den Bogen schultert und die kleine Nordsiedlung verlässt, in die Wäldern Ostmarschs hinaus stapfend.
Trotz das es Tag ist, ist die Sicht nicht sonderlich gut.
Es schneit wieder deutlich stärker.
Aber Horige kennt den Weg nur zu gut, geht er ihn doch täglich ab.
Die Wälder hier in dieser Region sind sehr dicht, so das der Sturm nicht seine volle Kraft entfalten kann.
Sein Weg durch den tiefen Schnee führt ihn zunächst recht steil hinauf auf eine kleine Anhöhe und insbesondere an dieser Stelle ist er froh, dass die hohen Bäume den Wind einigermaßen abhalten.
In der ersten Falle ist diesmal keine Beute.
Mit einem Ausdruck der Enttäuschung im Gesicht setzt Horige seinen Weg fort, obwohl er eigentlich wissen muss, dass an diesem Sturmtag nicht viel zu erwarten sein wird.
Wer geht schon freiwillig nach draußen, wenn es derart stürmt?
Horige muss bei diesem Gedanken selbst ein wenig schmunzeln, als es nun wieder hinab geht in ein kleines Tal, durch das ein ebenso kleiner Fluss strömt.

Als er nach einigen Metern des ´Abstiegs´ durch den tiefen Schnee unten am Fuße des Hanges ankommt, muss er auch hier, an der zweiten Falle, feststellen, dass sie leer ist.
Noch zwei weitere, denkt er sich in diesem Moment, ahnt aber schon, dass bis auf diesen kleinen Fußmarsch durch Wind und Wetter an diesem Tage wohl nichts Besonderes heraus kommen wird.
Horiges Gedanken wandern plötzlich zu seiner Familie.
Das Weib seines Sohnes Tsuur hat einen weiteren Stammhalter geboren, Kralas.
Er hat die Augen von Mardis.
Horige ist dankbar und stolz, dass das Blut seiner Familie nicht aussterben wird.
Ab und an denkt er auch an seine Schwester Fride, aber der Kontakt ist schon lange nicht mehr gut.
Ihr Mann, Haddur, ist ein streitbarer Nord, der eher mehr besoffen als nüchtern ist.
Nicht das Horige dem Met abgeneigt wäre.
Was wäre er für ein Nord, wenn dem so wäre.
Aber Haddur ist nicht sein Fall.
Vom ersten Moment an wussten sie, dass es besser ist, sich aus dem Wege zu gehen.
Zumindest hier erzielten sie Einigkeit.

Horige atmet tief ein und blickt hinauf in den grauen Himmel.
Der Sturm wird stärker.
Selbst hier unten, in diesem kleinen Tal, spürt man den starken Wind nur zu gut.
Sollte er besser umkehren?
Horige verdrängt diesen Gedanken.
Die nächsten zwei Fallen sind nicht mehr fern.
Nur eben über den kleinen Fluss, dann ist er auch schon dort.
Komisch, dass ihm in diesem Moment sein Vater Hamist in den Sinn kommt.
Er ist bereits seit Jahren tot.
Man fand ihn nicht weit von hier am Rande einer Lichtung, erschlagen von einer Axt.
Bis heute weiß man nicht, wer es war, der seinen Schädel spaltete und ihn dort zurück im Schnee ließ, sodass die Tiere sich seines toten Körpers annahmen.
Es war kein schöner Anblick als man ihn erst Tage später fand.
Horige selbst war noch jung, als dies passierte.
Er erinnert sich gut, als damals seine Mutter ihm das Familienbuch zeigte und ihm erklärte, dass es irgendwann an ihm war, es fortzuführen.
Ja, das Buch der Familie.
Es ist Tradition in der Familie den Kindern das Lesen und Schreiben zu lehren, auf das eben ihre Geschichte in diesem einen Buch weiter erzählt wird.
Nun ist es in seinen Händen und wenn er nicht mehr ist, wird es sein Sohn Tsuur sein, der darin schreibt.

An dem kleinen Fluß bleibt Horige dann stehen.
Es ist kein ´größerer Bach´ mehr.
Es ist vielmehr ein reißender Strom geworden, dem bereits über Tage anhaltenden Sturm geschuldet.
Der kleine hölzerne Übergang ist nicht mehr.
Das eiskalte Wasser hat ihn mitgerissen.
Horige stößt einen leisen Fluch aus und murmelt irgend etwas in seinen langen Bart hinein.
Er geht ein paar Schritte näher ans Ufer heran, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Die Sicht ist nach wie vor nicht gut.
Der Fluss ist deutlich breiter nun und der Strom scheint irre stark.
Das war es wohl, denkt er sich.
Ein passendes Ende eines Tages, der schon schlecht begann.
Dann wird er eben zurück zum warmen Feuer in seiner Hütte.
Was soll´s auch?
Den Übergang werden sie wieder aufbauen, wenn der Sturm vorbei ist.

Mit einem langen Seufzer wendet er sich ab als in diesem Moment der schneebedeckte Boden unter ihm nach gibt.
Horige schreit kurz auf als er auch schon das Gleichgewicht verliert und rücklings in den Fluss fällt.
Als ob ihn irgend etwas unter Wasser drückt, so wird er nach unten gezogen.
Seine schwere fellbesetzte Kleidung saugt sich in sekundenschnelle voll und wird zur schweren Last.
Der rasende Strom des Flusses reißt Horige augenblicklich mit.
Er hat keine Chance dagegen etwas zu tun und versucht alles Luft holen zu können.
Immer wieder wird er nach unten gezogen, während er in rasender Geschwindigkeit vom Wasser mit gerissen wird.
Horige strampelt wie wild und erkennt plötzlich, dass er um sein Leben kämpft.
Nicht gegen andere Männer im Kampfe, nein.
Er fechtet diesen Kampf gegen die Natur aus und er ahnt bereits, dass es nicht gut ausgehen wird.

Es ist seltsam, dass in selbst in solch einer Situation die Gedanken zu explodieren scheinen.
Ein letztes Mal erscheint sein Weib in seinem Geiste, sowie sein Sohn Tsuur, als die Kraft ihn verlässt und er in wieder hinab unter Wasser gezogen wird.
Ein letztes Mal versucht er instinktiv Luft zu holen und sorgt nur dafür, dass sich seine Lungen mit dem eiskalten Wasser füllen.

Was hätte er nur dafür gegeben mit der Klinge in der Hand zu sterben, anstatt hier in diesem reißenden Fluss zu ersaufen...
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Spiffypurse« (13. März 2017, 10:15)


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Montag, 13. März 2017, 10:15


Irgendwo im Fürstentum Ostmarsch.
Man schreibt das Jahr 321 der 2. Ära...


Es ist tiefste Nacht an einem Waldrand im Fürstentum Ostmarsch, wo in diesem Moment eine kleine Gruppe Vampire im Schutze der Dunkelheit und der Nacht auf der Lauer liegt.
Schon seit einigen Tagen und Nächten schneit es bereits und es weht ein kräftiger Wind, der einen Lebenden insbesondere in der Nacht, in der es noch kälter ist, nur ungern ins Freie führen würde.
Die Blutsauger stört dies indes nicht.
Sie sind schon einige Stunden unterwegs, durchstreifen die Wälder des Fürstentums auf der Suche nach Beute, nach Blut.

Es ist Hjotrta Askorgedottir, die ehemalige Nordfrau und ehemalige Gefährtin des Clanführers Fjorig, dem ´Grauen´, die diese kleine Gruppe Vampir anführt.
Die Beziehung zwischen Fjorig und Hjotrta ist schon seit vielen Jahren erkaltet und zerstritten, insbesondere der Tatsache geschuldet, dass Fjorig, der sture grauhaarige Anführer des Elmerd-Clans, seine Vampire durch unkluge Entscheidungen ein ums andere Mal in brenzlige Situationen brachte, die mit dem Hinterhalt der Wehr der Nordleute in Weißlauf gipfelte.
Seit dieser Zeit, und Zeit spielt ja bekanntlich keine Rolle mehr im Dasein der Untoten, haben sie sich nichts mehr zu sagen und belauern sich vielmehr.
Dieser Zwist hat den Clan entzweit.
Die eine Hälfte steht zu ihrem jetzigen Anführer, die andere hat sich insgeheim auf die Seite Hjotrtas geschlagen.
Es schwillt eine Fehde, die zu eskalieren drohte, aber wohl rein aus einem Selbsterhaltungstrieb blieb es bisher nur beim Belauern und ein Jeder beobachtet mit Misstrauen den anderen.

Und jetzt, als sie gerade jüngst die Grenze zum Fürstentum Ostmarsch überquerten, hat Fjorig überrascht, als er Hjotrta mit dieser kleinen Gruppe auf Jagd schickte, während er in ihrem neuen Unterschlupf, eine alte verlassene Ruine in den Bergen, mit den anderen verweilt.
Hjotrta muss gestehen, dass sie verblüfft war ob dieser Entscheidung.
Als sie sich mit dieser Gruppe in die Nacht aufmachte, sah sie noch die Blicke des glatzköpfigen Vilrim, der zurück blieb.
Sie gaben ihr ein seltsames Gefühl mit auf den Weg.
Sie sagten: pass auf, Hjotrta.

Nun kauert sie hier am Waldesrand und fixiert durch den Schneefall die kleine Häusergruppe, die sich vor ihnen auftut.
Der Neue, Máeglin Carnesîr, ist auch in dieser Gruppe.
Er ist schon alt und Hjotrta war erstaunt, dass Fjorig ihn hat sich dem Clan anschließen lassen, war er doch immer darauf bedacht die Blutlinie in den eigenen Reihen ´sauber´ zu halten.
Hjotrta wird noch nicht so recht schlau aus ihm, weiß noch nicht, was sie von ihm halten soll und erwarten kann.
Jahrelang durchstreifte er wohl alleine die Welt, ist auch jetzt immer noch ein Einzelgänger und hält sich von den anderen fern.
Ob er Fjorig so hörig und treu ergeben ist, wie viele andere, wagt sie zu bezweifeln.
Nein, sie meint gar, er würde sie ein ums andere Mal beobachten.

In der Gruppe wird nicht gesprochen.
Man lauert und beobachtet die zwei Hütten der Nordleute, die so hundert Schritt von ihnen entfernt stehen.
Es sind eindeutig zu wenige für eine größere Siedlung.
Möglicherweise eine Lagerstatt von Jägersleuten, die von hier aus zu ihrer Jagd aufbrechen und ihre erlegte Beute ausweiden und zwischenlagern.
Man muss damit rechnen, dass sie bewaffnet und im Kampfe geübt sind.
In einer der Hütten brennt ein schwaches Licht.
Sonst ist keine Bewegung, kein Leben zu erkennen.
Hjotrta beschließt sich zu nähern, geht ein paar Schritte in gebückter Haltung in Richtung der Hütten und verlässt somit ihre Deckung.
Nur wenige Schritte später verharrt sie wieder, blickt sich um, immer noch gebückt.
Es schneit weiterhin sehr stark.
Es ist nichts zu sehen.
Kein Laut.
Nur der Wind, sonst ist keine Bewegung auszumachen.

Sie will gerade weiter, als sie hinter sich eine Bewegung wahr nimmt.
Es ist mehr ein Instinkt, der sie inne halten und nach hinten blicken lässt.
Sie weitet ihre rot glühenden Augen, als sie erkennt, dass eine Klinge auf sie zu rast und wäre ohne Chance ihre auszuweichen.
Doch das Schwert verfehlt sie seltsamerweise um Haaresbreite und landet im Schnee, gefolgt von einem Geräusch, das sie nur allzu gut kennt.
Es ist der Klang, wenn Metall Fleisch zerschneidet.
Der Kopf von Eyvar, einem ihrer Clanvampire, fällt neben ihr in den tiefen Schnee.
Die tote, starren Augen des Eyvar blicken sie an, den Mund geweitet und die spitzen Eckzähne gut erkennbar.
Hjotrta wendet sich nun gänzlich nach hinten, den Körper angespannt und für den Kampf bereit und erkennt Máeglin Carnesîr, der über den zusammengesackten Körper Eyvars steht, sein Zweihandschwert fest umklammert.
Die anderen Vampire der Gruppe weichen etwas zurück, sind scheinbar verunsichert ob der Situation.

Die Blicke Hjotrtas und Máeglins treffen sich.
Hjotrta versteht.
Der Einzelgänger Máeglin Carnesîr, der den Beinamen ´der Jäger´ trägt, hat sie soeben vor den endgültigen Tode bewahrt.
Er nickt ihr kurz zu und dreht sich dann zu den anderen hin, die noch einen Schritt zurück gehen und ihm signalisieren, dass sie nicht auf Ärger aus sind.
Hjotrta blickt auf die Überreste des Eyvar herab, während Máeglin seine schwere Zweihandklinge zurück in die Gurte auf seinem Rücken steckt.
Eyvar, ein ehemaliger Nordmann und bekannter Speichellecker von Fjorig.
Hjotrta wird in diesem Moment klar, dass der Zwist zwischen Fjorig und ihr keineswegs zu Ende ist und mit dem Tode des Eyvar in die nächste Runde geht.
Und ihr wird klar, dass sie mit Máeglin Carnesîr einen weiteren Getreuen gefunden hat.

Sie blickt in die Augen der anderen Vampire, die in ihr nun wilde Entschlossenheit ausmachen.
Hjotrta ist gewarnt und weiß nun Bescheid.
Dieser Zwist wird für einen der Zwei das Ende bedeuten...



"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

"Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut." (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

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Mittwoch, 22. März 2017, 09:31


Windhelm.
Wir schreiben das Jahr
585 der 2. Ära.


"Nun, Seldriss Ilnen aus Serk, so wünsche ich Euch alles Gute und sichere Wege. Passt auf Euch auf."

Viktor Brerodsson sitzt, mal wieder, in einer Taverne zu Windhelm.
Er stellt gerade den Metkrug ab, als er die Worte zu der Dunmer spricht, die mit vor der Brust verschränkten Armen vor dem Tisch der drei Nordmänner steht.
Neben ihm sitzt sein bärtiger Weggefährte Zackris, der in Sachen Met - wie meistens - einen ordentlichen Vorsprung hat und gerade dabei ist genau diesen noch zu vergrößern.
"Und obacht vor den Trollen.", ergänzt Saranir Gerstenhof dann noch.
Saranir schloss sich erst vor einigen Stunden der Gruppe um Viktor an und hat, so scheint es, für eine bestimmte Dauer wohl den gleichen Weg.
Zackris, Viktors bärtiger Nordfreund, lehnt sich deutlich lässig in seinem Holzstuhl zurück, die Beine lang auf der kleinen Bank neben sich ausgestreckt, während er eben noch die letzten Tropfen Met in seine Kehle fließen und dann den Krug vor sich auf dem Tisch knallen lässt.
Ein klarer Sieg für ihn, das man nun diese Grauzunge, die sich den Nord auf ihrer Reise anschließen wollte, eine Abfuhr erteilt.
Und er genießt es sichtlich.
Diese Seldriss Ilnen ist ja auch selbst schuld.
Zu geizig ´nen paar Nordmännern eine Runde Met zu spendieren und nun den Versuch zu wagen, sich bei ihnen einzukaufen.
Viktor wollte es besprechen, aber da gab es nichts zu reden.
Zackris mag die Grauzunge nicht und so war es entschieden.

"Dann werde ich alleine weiter reisen, so wie immer. Vielleicht trifft man sich ja wieder, irgendwo dort draußen im Schnee.", antwortet Seldriss ruhig und wendet sich dann ab.
"Wenn Ihr den Norden überlebt...", kommt es dann noch provokant aus Zackris Mund, ehe er sich den nächsten vollen Metkrug heran zieht.
Viktor blickt noch eine kurze Zeit der Dunmer hinterher, als sie sie sich von ihrem Tisch entfernt.
Es ist, aus seiner Sicht das erste Mal, dass Zackris jemanden in so ablehnender Weise begegnet.
Eine neue, ungewohnte Seite, die er an ihm entdeckt.
Er selbst hätte es durchaus erwogen Seldriss die Mitreise zu gewähren, war sie doch bereit hierfür einige Münzen springen zu lassen.
Wenngleich der Geldbeutel derzeit gerade gut gefüllt ist, sollte man derart Angebote nicht einfach so ausschlagen.
Die Zeiten ändern sich schnell, das weiß Viktor zu genüge.
Und nun will diese Dunmer doch scheinbar wirklich alleine in den Schnee von Ostmarsch ausziehen, wenn man ihrer teils spitzen Zunge Glauben schenken kann.
Er ist in den Landen der Grauzungen aufgewachsen, dort geboren, und weiß, dass man bei den Dunkelelfen nie wissen kann, ob sie solch kühne Unterfangen wirklich durchziehen würden, ob es nur angeberische Phrasen sind oder ob es in dem Fall der Seldriss Ilnen vielleicht eine Art Schutzmauer ist, um eigene Schwächen und Unsicherheiten zu vertuschen.
Wie dem auch sei, sie ist nun weg und Viktor fragt sich gerade, ob er sie wohl wieder sehen wird, als er seinen Metkrug mit einigen kräftigen Schlucken leert.

Inzwischen, nach einigen Zeit hier in den Nordlanden fühlt er wie er sich verändert, wie immer mehr zum Nord wird...zumindest nach seinem Verständnis.
Die Gesellschaft unter seinesgleichen tut ihm gut.
Die Kälte der Nordlande spürt er immer weniger.
Er ist sich sicher, dass es ein eindeutiges Zeichen ist, dass in ihm Nordblut fließt.

"Wie sind deine Pläne, wenn Du in Jernheim bist, Vik?", fragt Zackris plötzlich und unterbricht damit einen Moment der Stille, seit die Dunmer den Tisch verlassen hat.
"Und erzähl nicht, Du hast keine. Du hast immer nen Plan, eh.", fügt er noch hinzu.
Viktor muss grinsen, als er sich einen neuen Krug, voll mit Met bis zum Rand, zu sich heran zieht.
"Ein Weib suchen und ne Familie gründen, eh?"
Zackris lacht kurz auf.
Jetzt ist er wieder ganz der Alte.
Viktor sagt nichts, aber so ganz abwegig ist das nicht, was er da sagt.
Es gab früher mal eine, da hätte es was geben können.
Das war noch in Steinfälle und schon lange her.
Eine Nordfrau, die sich ebenfalls dort niedergelassen hat.
Aber sie entschied sich für einen anderen Nord.
Für einen, der kräftig war, kämpfen konnte...wie ein echter Nord eben und nicht so einer wie er ist.
Er ist gespannt auf das, was ihn in Jernheim erwartet.

Die Götter scheinen es bisher gut mit ihm zu meinen, denkt er sich in diesem Moment.
Wenn er so darüber nachdenkt und die Zeit Revue passieren lässt, so kommt er zu dem Entschluss, dass es genau so sein muss.
Es lief bisher nicht alles perfekt, aber er schaffte es bis hierhin und das alles ohne einen Kratzer.
Das er hier in Windhelm sogar den alten Nord Aswulf Haruldson wieder traf, war schon ein unglaublicher Zufall.
Oder war es das eben nicht?
Wer weiß das schon?
Er will sich erst gar nicht lange in Gedanken über derart Dinge aufhalten und hofft sogar über Aswulf mehr über die Vampire und Hjotrta herauszufinden.
Der alte Nord offenbarte ihm, dass auch er auf der Suche sei und er sein Weib in den Fängen der Blutsauger wähnt.

Es wird nicht mehr lange dauern bis sie aufbrechen werden.
Zackris wird ihn noch bis Jernheim begleiten.
Dann, so kündigte er an, werden sich wohl ihre Wege trennen.
Viktor will gar nicht erst daran denken, hat sich doch der bärtige Weggefährte zu einem echten Freund entwickelt.
Es deutet sich an, dass Saranir indes ebenso angetan von den Vampiren ist und er bei ihm bleiben wird.
Die Zeit wird zeigen, ob er sich auf ihn wird verlassen können.
Mit der Klinge scheint er aber umgehen zu können, was ihm sehr entgegen kommt.
Zwar hat Aswulf ihm eine Klinge mit eigener Hand geschmiedet, die er dann auch sichtlich stolz entgegen nahm, aber zu kämpfen hat ihm immer noch keiner gelehrt.
Vielleicht wird es Saranir sein, der dies tun wird.

Viktor leert den Metkrug und blickt gedankenverloren ins Leere.
Er ist im Geiste schon weit weg und fühlt sich seinem Ziel nun wirklich nahe.
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Mittwoch, 29. März 2017, 11:42


Wir schreiben das Jahr 439 der 2. Ära.
Fürstentum Ostmarsch.
Eine kleine Hütte in einer verschneiten Nordsiedlung...


Mit zittriger Hand führt der Nord Hroren Menradsson, Sohn des Menrad, die Feder von dem kleinen Tintenfässchen zu der aufgeschlagenen Seite des Familienbuches.
Hroren ist alt.
Achtundachtzig Jahre hat er bereits hinter sich und nun, im Jahre 439 der 2. Ära, spürt er, wie es mit ihm zu Ende geht.
Er zögert, hält die Feder in der Rechten.
Ruhig halten kann er sie nicht mehr.
Das Zittern begann vor einigen Jahren.
Es wurde immer schlimmer und er kann nichts machen.
Auf dem linken Auge sieht er nicht mehr so gut, aber schreiben, das schafft er immer noch.
Wenn dies nicht mehr ginge, so wäre es endgültig vorbei, denkt er sich in diesem Moment.
Die kleine, halb herunter gebrannte Kerze gibt ausreichend Licht und so macht er sich daran noch ein paar Worte in das Buch seiner Familie nieder zu schreiben.

Draußen tobt ein kräftiger Sturm.
Schon seit Tagen bläst ein kalter Wind durch das Tal und bringt viel neuen Schnee mit.
Es pfeift durch die Ritzen der kleinen Hütte als wolle man zu einem Musikstück anstimmen.
Hroren blickt kurz auf und fasst sich mit der Linken durch den vollen Bart.
Er wäre gerne im Kampfe gestorben oder auf der Jagd, mit der Axt in der Hand.
Aber die Götter haben für einen Jeden etwas anderes im Sinn und ihm scheint es wohl bestimmt hier in dieser kleinen Hütte, alt und gebrechlich, diese Welt zu verlassen.
Seine Gedanken schweifen indes zurück.
Er hat einiges erlebt während seines langen Lebens, hat viele kommen und viele gehen sehen.

Sein Vater, Menrad Kralassson, hatte die Ehre, die ihm wohl nicht zuteil werden sollte.
Es herrschte Krieg und er zog aus, die Nordlanden mit seiner Klinge und seinem Leben zu schützen.
Sein Leben ließ er sodann auf dem Schlachtfeld, damals im Jahre 384.
Es ist nun doch schon eine Weile her, aber das Gesicht des Vaters hat er immer noch gut im Gedächtnis.
Alsob er eben erst weg ist, so scheint es.
Der Vater seines Vaters, Kralas Tsuursson, starb ebenso im Kampfe.
Nicht im Gefecht, nein.
Aber ein natürlicher Tod war ihm ebenso nicht vorhergesehen.
Banditen überfielen und meuchelten ihn.
Sein Tod konnte nicht gesühnt werden, die Banditen wurden nie gefunden.

Hroren schreibt wieder ein paar Wörter in das Buch, das er nach dem Tod des Vaters bekam und das er nun, getreu der Tradition der Familie, weiter führt.
Die Feder wird aber dann abgelegt.
Der alte Nord blickt ins Leere.
Er muss plötzlich leicht schmunzeln.
Auch der Vater seines Großvaters, Tsuur Horigesson, starb durch die Klinge eines Feindes.
Dessen Vater indes, Horige Hamistsson, ersoff in einem Fluss.
Und nun sitzt er hier und stirbt den langsamen Tod eines alten Mannes und muss dann doch fast schon schwermütig seufzen.

Es wird Zeit, dass er seinem Sohn, Brymk, das Familienbuch übergibt.
Brymk ist sein ganzer Stolz, auch wenn sie oft stritten.
Er ist ein sturer Bock, trinkt zu viel und stellt allen Weibern der Siedlung nach.
Selbst denen, die bereits anderen versprochen sind.
Viel Ärger hat ihm dies schon eingebrockt.
Hätte ihn einer der Gehörnten entdeckt und ihm seinen Kopf abgeschlagen, so hätte er nichts machen können, hätte als Vater dies hinnehmen müssen.
Er fragt sich von wem er dies wohl hat.
Sein Weib war stets die Ruhe selbst, ein Fels in der Brandung, gleich wie oft Vater und Sohn lautstark stritten.
Dennoch ist er natürlich sein Sohn und er wird am Ende immer zu ihm halten.

Hroren klappt das Familienbuch zu.
Es ist genug geschrieben für heute.
Mühsam erhebt er sich von dem klapprigen Holzstuhl und holt seinen Fellmantel.
Er will nach den Pferden sehen.
Der Sturm, der draußen tobt, interessiert ihn nicht.
Was hat er schon für Stürme erlebt, da lacht er doch nur über so ein bisschen Wind.
Unter gelegentlich leisen Stöhnen legt er mühsam den Mantel an.
Ja, er ist wirklich schon alt.
Seine Knochen sind verbraucht und jeder Schritt ist schwer.
Die Tür wird geöffnet und ein starker Wind bläst ihm kalte Luft, sowie Schnee ins Gesicht, während die kleine Kerze auf dem Tisch neben dem Familienbuch jäh erlischt.

Langsam stapft er durch den tiefen Schnee in Richtung der Ställe.
Es ist sonst keiner in der Siedlung zu sehen.
Kein Wunder, bei dem Sauwetter.
Es schneit sehr stark, die Sicht ist schlecht und der Wind macht einen Höllenlärm.
Die umliegenden Bäume werden hin und her geschüttelt, biegen sich ob der Kraft des Sturmes.
"Mistwetter...", kommt es nur verärgert aus Hrorens Mund, als in diesem Moment ein sehr lauten Knacken und Knistern zu vernehmen ist.
Hroren blickt auf und sieht, wie der große Baum, der schon ewig in der Nähe der Ställe steht, den Kampf gegen den Sturm verloren hat, und fällt.

So ist es besser, denkt sich der alte Nord in diesem Augenblick, als er erkennt, dass er ihn treffen wird.
´Ja, viel besser´ sind seine letzten Gedanken, bevor der Baum ihn erschlägt.
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

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Dienstag, 4. April 2017, 09:31


Irgendwo im Fürstentum Falkenring.
Man schreibt das Jahr
481 der 2. Ära...


Hjotrta und Fjorig fauchen sich an, werfen einander giftige Blicke zu.
Nur wenige Schritte trennen die beiden.
Ihre Körper sind angespannt, bereit in diesem Augenblick los zu schlagen und den Gegenüber anzugreifen.
Hinter den Zwei hat sich jeweils eine Gruppe Vampire gebildet, die sich in die Anhänger Fjorigs und in die von Hjotrta aufteilen.
Es ist ruhig, die berühmte Ruhe vor dem Sturm.
Hier, in dieser kargen Höhle irgendwo im Fürstentum Falkenring ist es nun soweit.
Über mehr als hundert Jahre schon schwelt der Zwist zwischen den einstigen Gefährten Fjorig und Hjotrta.
Die einstigen Geliebten hassen einander, das ist sicher.
Nur aus wahrer Liebe entsteht wahrer Hass.

Sie sagen nichts, fixieren sich nur und wissen, dass die Situation jeden Moment eskalieren kann.
Ein gespaltener Clan.
Fjorig erkennt die Lage und zeigt nicht zum ersten Mal Unsicherheiten.
Hätte er früher erbarmungslos zugeschlagen und jede Auflehnung im Keim erstickt, so kann man im Nachhinein wohl sagen, dass seine Schwäche für Hjotrta gnadenlos ausgenutzt wurde.
Er hätte nicht zögern dürfen.
Schon damals nicht.
Aber er tat es.
Und jetzt stehen sie hier, fauchen einander an, bereit den anderen zu töten.
Aus den einstigen Weggefährten sind Todfeinde geworden.

Hinter den Zwei formiert sich das jeweilige Gefolge.
Es ist schwer zu sagen, wer über mehr Vampire verfügt.
Fjorig könnte einige mehr in seinen Reihen wissen, dafür hat Hjotrta Vilrim und Maeglin an ihrer Seite.
Der glatzköpfige Vilrim ist nicht zu unterschätzen und Maeglin ist sehr stark.
Obwohl sie nur Minuten so da stehen scheint es wie eine Ewigkeit die sie sich belauern, nur wartend ob der ersten Attacke des Gegenübers.
Fjorig scheint abzuwägen.
Trotz das er natürlich bereits schon vor Jahren Hjotrtas Tod wünschte und dies ein ums andere Mal in listiger und heimtückischer Art und Weise umzusetzen versuchte, so gefällt ihm diese überraschend offene Situation wohl gar nicht.
Er mag es die Kontrolle zu behalten.
Und die entglitt ihm genau in diesem Moment.
Es könnte das Ende aller bedeuten.
Das weiß er.
Ein offener Kampf unter Vampiren, würde, wenn er erst einmal entbrannt ist, bis zum bitteren Ende geführt werden.
Er erkennt Hjotrtas Entschlossenheit in ihrem Gesicht, in ihren kalten Augen, die ihn wild anfunkeln und aus denen der pure Hass entspringt.

Nachgeben kann er auch nicht.
Wieder Schwäche zeigen wäre sein vorzeitiges Todesurteil.
Während Hjotrta ihre Vampire getreu hinter sich weiß, so würde er nicht für alle seine Gefolgsleute die Hand ins Feuer legen wollen.
Aber es scheint, dass auch Hjotrta nicht hier und jetzt bis zum Äußersten gehen will.
Sie geht ein paar Schritte rückwärts, Fjorig nicht aus den Augen lassend.
"Nicht heute. Später..."
Ihre Stimme ist trotz der Spannung und Situation ruhig, alsob sie vermeintlich alles unter Kontrolle hätte.
Fjorig nickt leicht.
"Später.", wiederholt er mit dunkler Stimme.

Hjotrta und ihr Gefolge verlassen die Höhle und entfernen sich rasch.
Immer wieder wird zurück geblickt und kontrolliert, ob man ihnen nicht folgt.
Es dauert nicht lange bis sie die Dunkelheit der Nacht verschluckt hat.
Von nun an sind sie Todfeinde.
Nicht das sie es schon vor Jahren waren, aber jetzt ist es ´offiziell´ und es gibt kein Zurück.
Wenn sie sich das nächste Mal treffen wird es zum Kampf kommen.
Hjotrta treibt ihre Vampire an.
Sie werden sich wieder ins Fürstentum Ostmarsch aufmachen.
Ihre ´Heimat´ zu Lebzeiten.
Dort kennt sie sich aus, weiß um die besten Verstecke für sich und ihre getreuen Anhänger.
Jetzt ist sie die Herrin.
Sie wird einen neuen Clan gründen.

Und sie weiß auch bereits einen Namen: Moldark.
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Llynya (04.04.2017)

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Freitag, 21. April 2017, 13:00


Ostmarsch, an den Toren zu Windhelm.
Wir schreiben das Jahr 585 der 2. Ära.


Viktor Brerodsson sitzt auf seinem Pferd, dreht sich herum und lässt seinen Blick noch einmal auf die massiven Mauern Windhelms schweifen.
Eine imposante Stadt der Nord, einst aus einer einfachen Siedlung entstanden.
Er ist glücklich darüber, dass es ihn doch hierhin geführt hat und zugleich ein wenig wehmütig ob der Tatsache, dass dies erst so spät in seinem Leben geschah.
Er will nicht behaupten, dass sein früheres Leben in Davons Wacht vergeudet war, aber tief in ihm sehnte er sich wohl immer danach die Heimat zu sehen.
So ganz wird er seinen Vater Brerod nie verstehen, hatte dieser sich doch zusehends verbittert aus dem Leben zurückgezogen.
Dennoch war er sein Vater und er will es ihm nicht übel nehmen, kein schlechtes Wort oder schlechten Gedanken über ihn verlieren.
Ein letzter Blick, dann treibt er seinen Gaul an, seinen Weggefährten Zackris und Saranir Gerstenhof zu folgen, die bereits etwas Vorsprung haben.

Es geht tief in die verschneiten Weiten von Ostmarsch hinein und schon bald haben sie die Mauern und Türme Windhelm aus den Augen verloren.
Das Ziel ist Jernheim.
Jernheim, die Nordsiedlung, von der es in seinem Familienbuch heißt, dass dort einst sein Vater lebte, bevor er die Heimat verließ und gen Steinfälle aufbrach.
Neben seinen bärtigen Nordfreund Zackris hat sich ihm nun auch Saranir Gerstenhof angeschlossen.
Viktor erinnert sich an das Gespräch in den Hallen der Magiergilde zu Windhelm, zu denen ihn Saranir erst vor einigen Tagen begleitete.
Er war sichtlich interessiert an den Geschichten um die Toten Wanderer, die er ihm erzählte.
Seine Leidenschaft und Interesse für die Toten Wanderer scheint ihn so gar nicht zu überraschen oder gar Misstrauen zu erwecken.
Ganz im Gegenteil, er teilt sogar diese.
Ist dies wieder ein Wink der Götter, die Viktors Schicksal schmieden?
Erst der Argonier mit den weißen Schuppen, dann der alte Nordmann Aswulf Haruldson, der sein Weib in den Fängen der Blutsauger wähnt und nun Saranir, der mit ihm hier an diesem Tisch in der Magiergilde saß.
Das er in den Gildenhallen zu Windhelm zu den Vampiren etwas zu Lesen finden würde, hätte er nicht gedacht.
Aber es war so.
Noxiphile Sanguivorie, so der Buchtitel.
Viktor las daraus vor und war, wie auch Saranir, voller Faszination ob der Informationen aus diesem Buch.
Ja, er hat mit Saranir einen weiteren Mitstreiter gefunden.
Eine neue Waffenhand gar.
Das ist gut, wo ihn doch Zackris wohl verlassen wird, wenn sie Jernheim erreicht haben.

Einige Stunden sind sie schon auf den einfachen Wegen von Ostmarsch unterwegs und der Tag will sich dann auch langsam dem Ende zuwenden und Platz machen für die Nacht.
Es dämmert also schon, als sich dem Trio zwei Reiter nähern.
Es scheinen Jäger zu sein.
Oder doch nicht?
Viktor ist skeptisch, Zackris indes scheinbar alarmiert und wirkt sofort angespannt.
Augenscheinlich sind es Nordmänner, die, in dicken Ledermänteln eingepackt, auf ihren Pferden langsam in ihre Richtung durch den Schnee traben.
Als die Gruppe von ihnen wohl wahr genommen werden, wird gestoppt.
Die zwei Nord, beides stattliche Kerle mit roten langen Haaren und ebenso langen Bärten sprechen miteinander und blicken dann wieder zu der Gruppe.
Die Pferde werden dann wieder in Gang gebracht, sodass sie sich langsam nähern.
Beide Nord tragen auf ihrem Rücken je ein Zweihandschwert.
Bei dem einen, dem etliche Narben durchs vom Wetter zerfurchte Gesicht laufen, erkennt man neben der Zweihandklinge noch eine weiteres, kleines Schwert, das in der Scheide am Gürtel baumelt.
Der andere führt zwei Messer mit, beide ebenfalls am Gürtel angebracht, sowie einen Bogen, der am Sattel befestigt ist.
Neben den Satteltaschen sind bei beiden Nord weitere Taschen angebracht, die mit irgend etwas gefüllt sind.
"Wohin des Weges, hm?", will dann der mit den Narben im Gesicht wissen, während sein Partner stumm Viktor und seine Freunde aus leicht zusammengekniffenen Augen beäugt.
"In die Richtung.", antwortet Zackris wenig freundlich und deutet mit der Hand genau in die Richtung, aus der die beiden reiter ihnen entgegen kamen.
Der Narbenmann nickt nur knapp und lässt sodann seinen Blick über das Trio um Viktor schweifen, sie scheinbar musternd.
"Dann solltet ihr Obacht geben. Es wird bald dunkel, die Nächte sind kalt und dunkel und man weiß nie wer sich hier herum treibt."
Die Stimme des Nord mit den Narben im Gesicht ist tief.
Er lässt Viktor förmlich spüren, wie wenig er von ihnen hält, auch ohne das er es aussprechen muss.
"Sicher.", kommt es nur knapp von Zackris, der einen leichtes Nicken hinterher schickt.
Kurz nur blicken sich die zwei Nord an, dann treiben sie ihre Pferd an, um ihren Weg fortzusetzen.
Weitere Worte werden nicht gewechselt.
"Was meinst Du?", fragt Viktor seinen Freund Zackris, während Saranir seine Hand lockert, die vorher bereits am Heft seines Zweihandklinge ruhte.
"Ich weiß nicht. Wir müssen in dieser Nacht vorsichtig sein. Nicht, das sie wieder kommen. Ich habe da so ein Gefühl...diese Narbenfresse, der ist gefährlich."
"Wir sollten einen Platz für ein Lager suchen. Es ist in der Tat bald dunkel.", sagt dann Saranir.

Es dauert nicht lange, bis sie einen geeigneten Platz finden.
Feuer ist schnell gemacht, obwohl man zuerst etwas unsicher ist, dass der Lichtschein sie nicht recht einfach zur Zielscheibe etwaiger nächtlicher Angreifer machen könnte.
Aber die Aussicht ob der Wärme des Feuers in einer kalten Nacht in Ostmarsch überwiegt und so brennt alsbald schon einiges Holz an einem durch einige kleine Hänge windgeschützten Platz in der Nähe eines Flusses.
Die Gedanken sind weiterhin bei den zwei Nordleuten.
Das sieht man Zackris förmlich an, während Viktor das Gefühl hat, dass sein Freund wohl etwas übertreibt.
So hat er ihn noch gar nicht erlebt.
Hat er etwa Angst?
Nein, das kann nicht sein.
Nicht Zackris, nicht er.
Viktor will sich aber nützlich machen und Feuer nachlegen.

Er bückt sich gerade hinunter, um eines der Holzstücke für das Feuer aufzunehmen, als in diesem Moment ein surrendes Geräusch zu vernehmen ist.
Als er sich wieder aufrichtet, blickt er verwundert gen Zackris, der sich in gebückter Haltung und gezogener Klinge unter den schneebedeckten Felsvorsprung begibt und sieht gar nicht den Pfeil, der nur wenige Fuß entfernt von ihm im Schnee steckt.
"Zackris, was tust Du...?", kommt es nur von ihm, als wieder dieses surrende Geräusch zu vernehmen ist und sich ein Pfeil ins Viktors linke Schulter bohrt.
Mit einem Aufschrei wird er von der Wucht zurück geworfen und landet im Schnee, wo er regungslos liegen bleibt.
Saranir weitet die Augen und stürmt gen Feuer.
In Sekunden entfacht er mit einem abgebrochenen Ast aus den Flammen des Lagerfeuers eine Art Fackel, die er, mit lauten Rufen, hin und her schwingt, während er in der anderen Hand bereits seine Klinge hält.
Auf dem Felsvorsprung ist einer der zwei Nordmänner, denen man einige Stunden zuvor auf den Wegen Ostmarschs begegnete.
Zackris hat Recht behalten.
Der bärtige Nordmann auf dem schneeverhangenen Felsvorsprung spannt wieder den Bogen, legt auf Saranir an und schickt einen weiteren Pfeil auf die Reise.
Ein wahrlich talentfreier Bogenschütze, denn der Schuss trifft, trotz guter Sicht, nicht.
Mit einem Fluch wirft der Nord den Bogen in den Schnee, zückt seinen Zweihänder und springt von der kleinen Anhöhe hinunter ins Lager.
Von der anderen Seite taucht indes sein Begleiter, die ´Narbenfresse´, aus dem Schutz der Büsche auf und läuft, seine Klinge im Anschlag, ebenfalls auf Saranir zu.

Ein guter Moment einzugreifen, denkt sich Zackris...
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

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31

Mittwoch, 7. Juni 2017, 10:26


Wir schreiben das Jahr 496 der 2. Ära.
Fürstentum Ostmarsch.
Eine kleine verschneite Nordsiedlung...


Jonas Jonkumsson, Sohn des Jonkum Brymksson, fährt sich nervös durch den langen zerzausten Bart.
Er sitzt vor dem einfachen Kamin der einfachen, aber stabilen Hütte und blickt ins Feuer.
Er ist ein stattlicher Nord, hat schon so einige Kämpfe gefochten und ist im der Siedlung ein von allen geachteter Jägersmann.
Einer, der bereits einiges erlebt hat.
Zumindest aus seiner Sicht gesehen.

Eigentlich wäre er jetzt wieder auf der Jagd.
Das schlechte Wetter und jede Menge Neuschnee ließ die Nordleute sie aber absagen, abwartend auf eine bessere Wetterlage.
Nun aber sitzt er hier und harrt der Dinge, die da kommen und er ist so nervös, wie schon lange nicht mehr.
Nebenan liegt sein Weib und ist dabei ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen.
Natürlich wird es ein Junge, ein Stammhalter.
Ja, er ist sich sicher.
Die letzten Generationen brachten stets Jungs zur Welt und warum sollte es gerade bei ihm nun anders sein?
Er nickt unmerklich, als wolle er damit unterstreichen, dass er sich seiner Sache sicher ist.
Das es ein Mädchen werden könnte, daran hat er keinen Gedanken verschwendet.

Sein Blick fällt für einen Moment auf das alte Buch der Familie, das auf dem Tisch liegt.
Es ist Tradition in der Familie, dass dieses schon abgegriffene Buch an die nächsten weitergegeben wird, auf das man es weiter pflegt.
Jonas kann sich noch gut daran erinnern, als ihm sein Vater Jonkum kurz vor seinem Tod erklärte was es mit diesem Buch auf sich hat.
Jonas lernte bereits in frühen Tagen das Lesen und Schreiben, auf das er eben diesen Pflichten irgendwann wird nachkommen können.
Nur wenige in der kleinen verschneiten Siedlung haben dies gelernt.
Er ist sich sicher, dass es ihm keine Nachteile einbringen wird.

Jonkum, sein Vater, starb unvermittelt und ohne Ankündigung.
Es ist nun elf Jahre her.
Als ob er es ahnte, wies er ihn kurz zuvor ein was das Familienbuch angeht.
Ja, sein Vater war ein echter Nord, dessen größter Wunsch es war im Kampfe zu fallen.
Dies blieb ihm aber verwehrt.
Eines Tages stand er beim Trinkgelage auf, leerte seinen Metkrug mit wenigen kräftigen Zügen, stellte den Krug ab und fiel um.
Er war sofort tot.
Man erzählt, dass es sein Herz war, dass versagt hat.
Auch seinem Großvater, Brymk Hrorensson, war es nicht vergönnt mit der Axt in der Hand zu seinen Ahnen aufzufahren.
Eine Lungenentzündung raffte ihn dahin.
Und sein Urgroßvater Hroren Menradsson wurde vom Baum erschlagen.
Dann noch besser beim Saufen tot umfallen.

Wenn es so darüber nachdenkt, ist seine jüngste Familie nicht reich an ruhmreichen Geschichten, die man sich am Feuer beim Met erzählen könnte.
Ein Blick in das Buch der Familie bestätigt dies.
Und nicht nur das.
Es offenbart gar schlimme Geschehnisse in der Geschichte, die weit zurück liegen.
Der Überfall der ´Toten Wanderer´ und die Gräueltaten der Hjotrta Askorgedottir, die, selbst zur untoten Blutsaugerin gewandelt, ihre Familie meuchelte.
Das ist nichts, was andere wissen sollten.
Jonas hat beschlossen darüber mit keinem anderen zu sprechen.
Er sieht es als seine Pflicht an diese Dinge als Geheimnis zu verwahren.
In der Siedlung hörte er so manches Mal über die Toten, die umherwandern und den Lebenden nachstellen ihr Blut zu nehmen.
Wirre und erfundene Geschichten, die sich angetrunkene Wichtigtuer am Lagerfeuer erzählten, um zu prahlen, so dachte er stets.

Jonas wird jäh aus seinen Gedanken gerissen und schreckt hoch, als er sein Weib im Nachbarzimmer schreien hört.
Es ist soweit.
Weitere Schreie, Stimmen der anderen Frauen, die ihr beistehen.
Warum dauert es nur so lange?
Es ist schlimmer als jeder Kampf, dieses warten.
Jonas steht auf, läuft in der Hütte auf und ab.
Sein Weib keucht und schreit nebenan.
Dann Stille.

Und plötzlich hört er es.
Babygeschrei...
Ja, endlich.
Nur wenige Minuten später geht die Tür auf und eine der Frauen kommt heraus.
Sie lächelt.
Die Augen von Jonas weiten sich.
"Und...?"
Sie nickt.
"Ein Junge. Es ist ein Junge."
Er strahlt.
Ja, er wusste es.
Ein Stammhalter, sein Sohn.
"Sie sind beide wohlauf."

Jonas macht sich auf seinen Sohn in Augenschein zu nehmen.
Er fühlt sich in diesem Moment so stolz und weiß auch schon, wie er heißen wird.
Brerod wird sein Name sein.
Brerod Jonasson.
Ein prächtiger Name...
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

"Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut." (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

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32

Samstag, 8. Juli 2017, 13:42


Irgendwo in den verschneiten Bergregionen im Fürstentum Ostmarsch.
Man schreibt das Jahr 554 der 2. Ära...


Hjortra blickt von der Anhöhe hinunter ins Tal, das durch den Schnee der letzten Tage völlig vom eisigen Weiß bedeckt scheinbar friedlich vor ihr liegt.
Ein eisiger und starker Wind wirbelt den losen Schnee immer wieder auf, während es auch jetzt weiterhin schneit.
Die Nacht ist bitterkalt.
Hjotrta, und ihre Moldark Vampire, stört das nicht.
Sie steht dort oben und blickt aus ihren toten Augen hinab in dieses Tal, das ihr so fremd, wie auch vertraut erscheint.

Ostmarsch ähnelt ihrer alten ´Heimat´.
Heimat zu Lebzeiten.
Es ist schon lange her.
Sie hat bereits vor Ewigkeiten aufgehört über Zeit nachzudenken.
Seit der Trennung vom Elmerd Clan und ihrem ehemaligen Weggefährten Fjorig ist sie nun hier im Füstentum Ostmarsch.
Ihr neuer Clan, Moldark, ist seither weiter gewachsen.
Lebende wurden gejagt, aussortiert und die ´Brauchbaren´ gewandelt, die Reihen der Moldarks weiter zu füllen, während man die Anderen schlachtete und ihr Blut nahm.

Nicht auffallen ist wie eh und je die Devise.
Sie wird nicht die Fehler eines Fjorig machen leichtsinnig und prahlend durch die Dörfer der Nord zu marodieren.
Die Lebenden sind schwach, aber nicht zu unterschätzen und schon gar nicht dumm.
Sie wissen um ihrer Schwächen, wissen, wie sie ihnen den endgültigen Tod bringen können.
So lässt sie ihren Clan im Schutze der Nacht durch die verschneiten Berge des Fürstentums ziehen, immer wieder neue Verstecke suchend, wo sie sich für einige Zeit aufhalten.
Aber nicht allzu lange.
Immer in Bewegung bleiben und nicht zu viele in zu kurzer Zeit jagen ist die Devise.
Alles, was auffallen und alles, was dazu führen könnte, dass man meint eine Gruppe der Blutsauger hätte in ihrem Gebiete eingenistet, wird vermieden.
So haben sie es immer schon gehalten und so werden sie es weiter tun.

Die Toten Wanderer, so werden sie von nicht wenigen Nordleuten genannt.
Geschichten werden über die Wanderer des Nachts an den Feuern bei Speiß und Trank erzählt.
Als Erdichtungen, Kindermärchen und Einbildungen werden sie oftmals abgetan, worüber Hjotrta sogar erfreut ist.
Sollen sie doch glauben, dass es sie nicht gibt.
Die Zeit wird kommen, dass sie sich zeigen werden.
Aber bis dahin ist es genau so am besten.

Hjotrta steht weiterhin auf der Anhöhe, in Gedanken verloren, während hinter ihr ihr Clan leise und stumm vorüber zieht.
Dieses Tal erinnert sie an jenes, wo sie einst als Lebende verweilte, bevor Fjorig sie holen kam.
Damals in Winterfeste.
Sie wird für diesen Moment aus ihren Gedanken gerissen, als Sinalfin an sie heran tritt.
Der stille Dunmer, dessen Namen sie über Jahre hinweg nicht erfuhr, hat sich ihr ebenfalls angeschlossen, obgleich er schon ewig als Späher für Fjorig agierte.
Er ist keiner, der viel Fragen stellt.
Wenn man es genau nimmt, stellt er nie welche.
Hjotrta ist es egal, das er Dunmer und nicht von ihrem Blute ist.
Er ist einer aus der Fjorig-Blutlinie, so wie sie selbst.
Lange war sie unsicher, auf welche Seite er sich wohl schlagen würde, als der Streit mit Fjorig eskalierte.
Nun ist sie froh, dass er ihr zu Diensten steht.

Sinalfins Blick wandert ebenso ins Tal hinab.
Dort unten, für Lebende kaum sichtbar, sind vage Lichter wohl von einer Nordsiedlung zu erkennen.
"Nein...."
Hjotrta blickt ihren wortkargen Späher an.
"Nicht dort. Wir ziehen weiter, südwärts."
´Das Wiesel´, wie man ihn auch nennt, nickt nur, sagt natürlich nichts.
"Wir bleiben in den Bergen. Erkunde die Gegend, die vor uns liegt. Halte Ausschau. Wir brauchen ein neues Versteck."
Sinalfin nickt erneut und entfernt sich.

Hjotrta lässt noch einen letzten Blick auf das Tal schweifen, dann stapft auch sie weiter durch den tiefen Schnee, umgeben von ihren Vampiren.
Sie müssen aufpassen.
Sinalfin fand erst vor einigen Nächten Spuren anderer Vampire.
Nicht das es Fjorig und sein Clan ist.
Würden sie einander begegnen, würde es zum Kampf kommen.
Hjotrta weiß das.
Moldark ist noch nicht groß genug, noch nicht bereit dafür.
Sie wird sich auf ihre Späher, auf Sinalfin und die anderen, verlassen, die sie früh genug warnen werden...
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Freitag, 8. September 2017, 15:09


Ostmarsch im Jahr 585 der 2. Ära.
In einem Lagerplatz an einem eisigen Fluss...



Es ist zum verzweifeln.

Viktor Brerodsson liegt im Schnee, drückt seine Hand auf seine blutende Schulter und versucht sich mit all seinen verbliebenden Kräften voller Panik aufzurappeln.
Eine große Frau, in zerschlissenen Leder gehüllt, nähert sich ihm mit langsamen Schritten.
Ihr langes dunkles Haar weht im eisigen Wind von Ostmarsch, während sie sich auf ihn zubewegt.
Ihre Haut ist so fahl wie der Schnee, den sie durchschreitet und ihre Augen sind so rot wie das Blut, welches unentwegt aus seiner Schulter entweicht und den Schnee um ihn herum färbt.
Sie kommt näher, immer näher und er kann nicht aufstehen.
Viktor wird panisch, reißt die Augen auf und kann seinen Blick nicht von ihr abwenden.
Sie, die scheinbar lächelt, ihren Mund öffnet und ihre messerscharfen Fangzähne entblößt und sich nun nur noch wenige Schritte von ihm befindet.
Sie ist es, ja... Hjotrta .
Er hat sie gefunden und sie wird es nun beenden.
Hier und jetzt.
Viktor will schreien, aber er kann nicht.
Er ist wie gelähmt.
Da vernimmt er eine leise Stimme.
Eine, die ihm wohl bekannt ist.
Sie ruft nach ihm.
"Eh, Vik...Vik!"

Viktor schlägt in diesem Moment die Augen auf.
Er liegt auf dem Rücken und blinzelt in die Sonne von Ostmarsch.
Etwas verwirrt blickt er sodann in die Augen seines Weggefährten Zackris.
"Eh, Vik. Gut, dass Du wieder da bist. Einen kurzen Moment hatten wir Sorge."
Sein bärtiger Freund grinst ihn an, während Viktor selbst wohl noch völlig verwirrt drein blicken muss.
Ein paar Schritte entfernt sitzt Saranir, nicht unweit des Lagerfeuers in dem Lager nahe des eisig kalten Flusses.
"Was...? Wie bin ich...?"
Es war nur ein Traum.
Hjotrta war nur in seiner Einbildung.
Eine Erscheinung in einem fiebrigen Alptraum.
Viktor atmet sichtlich erleichtert auf.

Er stammelt ein paar weitere Worte und will sich aufrichten, als ihn jäh ein stechender Schmerz in die Schulter fährt und ihn daran erinnert, dass er von einem der zwei Nordmänner getroffen wurde, die das Trio jüngst hier im Lager überfiel.
"Bleib liegen, mein Freund. Hast Glück gehabt. Der Schütze hatte wohl wenig Talent im Umgang mit dem Bogen. Er verfehlte selbst unseren Narrenfreund Saranir, der so töricht war, sich ihm mit einer Fackel und Klinge als Zielscheibe zu präsentieren."
Saranir grinst, als er Zackris Worte vernimmt.
"Aber er ist hier, und es geht ihm gut.", entgegnet Viktor, der aber dann einen beißenden Geruch wahr nimmt.
"Was ist das?"
"Ach, der Gestank. So riecht es, wenn das Feuer das Fleisch eines Hurensohnes verschlingt."
Zackris deutet auf die Flammen, wo noch die verkohlten Überreste eines Körpers zu erkennen sind.
"Ihr habt...?"
"Ach, das ergab sich so, nicht wahr?", erklärt Zackris mit Blick gen Saranir, der nur knapp nickt.
"Und der andere?"
Saranir deutet zu dem verschneiten Überhang, wo, halb vom Schnee bedeckt, ein weiterer lebloser Körper liegt.
"Dann hast Du Recht gehabt. Sie kamen zurück, uns hier zu töten. Die ´Narbenfresse´..."
"Das ist der im Feuer."
Zackris nimmt einen Schluck aus dem ledernen Trinkschlauch, in dem sich sicher Met befindet und erhebt sich.
"Ruh Dich noch ein wenig aus. Wir sollten bald aufbrechen. Jernheim ist nicht mehr fern. Und ich möchte nicht warten, bis die Wölfe kommen sich ihren Teil zu holen.", sagt Zackris, der auf den zweiten toten Nord im Schnee deutet.
"Außerdem zieht bald wieder Schnee auf. Das wird hier schon mal schnell zu einem eisigen Sturm."
Viktor nickt.
"Wir können bald aufbrechen. Ich schaffe das..."
"Ja, das kriegst Du hin. Gut, das Tordis hier war."
"Tordis, die Nordfrau?"
"Aye. Sie hat Dich versorgt. Hätte es nicht besser hin bekommen. Hätte Dich das Fieber gepackt, hätte es schlecht ausgehen können. Aber sie ist...sie ist wieder weg. Ein wenig seltsam ist sie schon."

Saranir erhebt sich ebenso.
"Ich werde alles vorbereiten.", erklärt er in Richtung von Zackris.
"Ich bin sicher, dass es viel Schnee geben wird. Und Jernheim ist nicht mehr fern. So er reiten kann, sollten wir los."
Sein Blick wandert zu dem verletzten Viktor, der, von einigen Decken umhüllt, am Feuer liegt.
"Ja. Er ist härter als er weiß. Er wird es schaffen.", spricht Zackris und macht sich daran sein Pferd zu satteln.
"Na, ich hoffe nur, er wird in Jernheim das finden, was er die ganze Zeit sucht."

"Das, mein Freund, hoffe ich auch."
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

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Mittwoch, 13. September 2017, 14:09


Wir schreiben das Jahr 521 der 2. Ära.
Eine kleine unbedeutende Nordsiedlung in einem vom Schnee bedeckten Tal im Fürstentum Ostmarsch...


Die Sonne erhebt sich über dem Bergkamm des kleinen verschneiten Tals und macht sich daran der Nordsiedlung den nächsten Tag anzukündigen.
Es geht eine leichte Brise, die so manchen losen Schnee, der die letzten Tage hernieder ging, umher wirbeln lässt.
Für die Nordleute ist es keineswegs kalt, eher mild, wenn man die großen Schneestürme kennt, so wie der, der erst kürzlich wieder wütete.
Es ist früh am Tage und noch ruhig in der winzigen Siedlung.
Nur eine kleine Reisegruppe macht sich gerade daran mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages aufzubrechen.
Eine lange Reise steht an.
Es sind alles Nordleute, die wortlos ihrer Arbeit nachgehen, die Pferde satteln und die Karren mit Kisten, Säcken und Decken beladen.

Einer der Nord sitzt bereits im Sattel.
Er blickt nur kurz zu den Reiseleuten, die ihre Vorbereitungen nun fast abgeschlossen haben.
Sein langes dunkles und zerzaustes Haar weht leicht im Wind und ein ebenso langer, wie ungepflegter Bart bedeckt fast sein gesamtes vom Wetter zerfurchtes Gesicht.
Man könnte meinen, er wäre schon etwas älter, aber der ansonsten stattliche gebaute Nord ist erst 25 Jahre jung.
Dennoch macht er auf den Beobachter nicht den Eindruck eines sonderlich agilen Nord, der vor Kraft und Vitalität nur so strotzt.
Er ist in sich zusammengesunken, wirkt leicht gebückt, als ob er ein alter Mann wäre, den schon vor langer Zeit seine Kraft und sein Mut verlassen hat.
Ja, dieser Nord wirkt keineswegs wie einer, der sogleich in der Schlacht seinen Mann um Ruhm und Ehre stehen würde.

Brerod Jonassson sitzt nun dort auf seinem Gaul und wartet auf diese Reisegruppe.
Er ist noch nicht alt, aber schon jetzt ein verbitterter Nord, der mehr mit sich, und seinen Schicksal, als mit allem anderen hadert.
Wie ein schlaffer Sack sitzt er dort im Sattel am Siedlungsrand, bereit, seiner Heimat für immer den Rücken zu kehren.
Sein Blick geht in Richtung des schmalen Weges, der hinaus in die Ferne führt.
Brerods Gedanken kreisen noch einmal über das, was ihm widerfuhr, ihn zu dem machen ließ, was er nun ist.

Noch vor zwei Jahren war er der glücklichste Nord der Siedlung.
Sein Weib, seine große Liebe - Alvina - schenkte ihm eine Tochter.
Ja, ein Kind, das hat er sich immer gewünscht.
Was war er nur für ein stolzer Nord?
Nun sollte es so sein, wie er es sich immer für sich, und seine Alvina, ausgemalt hat.
Der Tochter würden dann weitere Kinder folgen.
Auch ein Stammhalter natürlich.
Wenn man diesen Brerod von damals mit diesem dieser Tage, auf dem Pferd kauernd, vergleichen würde, so müsste man meinen, es wären zwei verschiedene Leute.

Und dann kam sie, jene schicksalshafte Nacht.
Als ob eine dunkle Macht, ein rachsüchtiger Gott, der ihnen das Glück nicht gönnen wolle, seine Klauen ausstreckte und ihnen das nahm, was ihnen das Wertvollste auf dieser Welt war.
In dieser Nacht schlief Hjofa, ihre gerade einmal sechs Monate alte Tochter ein, so wie immer.
Aber sie wachte nie mehr wieder auf.

Die Heilkundigen erklärten, dass so etwas schon mal passieren kann.
Der Tod im Schlaf.
Kein guter Trost für ihn und für sein Weib.
Hjofa, sein Ein und Alles, war nicht mehr.
Er, Brerod Jonassson, Sohn des Jonas Jonkumsson, starb mit ihr.
Sein ganzer Lebensmut erlosch und er gab sich dem Met und der Zeit des Zweifelns hin.
Selbst sein Weib, die gutmütige Alvina, konnte ihm keinen Trost spenden.
Weitere Versuche ein weiteres Kind zu zeugen, führten zu keinem Erfolg.
Als ob sich jemand oder ´etwas´ gegen ihn, und seine Familie, verschworen hätte.
Ein Fluch, ja das musste es sein.
Auch sein in die Jahre gekommener Vater konnte ihm nicht helfen.
Brerod fühlte sich immer mehr wie ein Außenseiter.
Er eckte oft an, veränderte sich, wurde gar streitsüchtig.
Alte jahrelange Freundschaften zu vielen Nord der Siedlung bedeuteten ihm nichts mehr.
Ein Schatten seiner selbst.

Nun sitzt er hier, die Zügel fest in seinen Händen und schaut noch einmal zu den Reiseleuten, die soeben ihre Karren in Fahrt gesetzt haben.
Ein letzter Gedanke geht an sein Weib Alvina, mit der er nur noch stritt und seinem einst geliebten Vater, der trotz seiner Verbitterung immer zu ihm hielt.
Er wird sie zurück lassen und sie, da ist er sich sicher, nie wieder sehen.

Der Führer der kleinen Reisegruppe, ein rothaariger und kräftiger Nord schenkt Brerod ein knappes Nicken, als der erste Karren ihn passiert.
Er erwidert es, drückt seine Waden an´s Pferd und lässt es leicht im Schritttempo anreiten.
Das Reiseziel ist ihm noch gar nicht so klar.
Es soll ins Land der Dunmer gehen, heißt es.
Eigentlich ist es ihm egal.
Er will nur weg hier...

...so weit wie es nur geht.
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

"Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut." (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

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Freitag, 29. September 2017, 11:00


Irgendwo in den verschneiten Bergregionen im Fürstentum Ostmarsch.
Man schreibt das Jahr
555 der 2. Ära...


Der Nachthimmel ist sternenklar und der Mond präsentiert sich in seiner vollen Pracht, als wache er über ein schlafendes Land.
In den Bergen von Ostmarsch weht stets ein rauer Wind, aber die schneebedeckten Bergketten wirken heute heller als sonst. So als spiegle sich der Mond in dem eiskalten Weiß, der einem gar zu lächelt.
Doch der Schein trügt, nicht Jeder schläft des Nachts.
Gar manches Raubtier durchstreift die dichten Wälder auf der Suche nach der nächsten Beute.

So, wie die Toten Wanderer, die langsam durch die Nacht, durch den tiefen Schnee schreiten.
Angeführt von Hjotrta verließ die Gruppe der Vampire seit Anbeginn dieser Nacht ihr Versteck, auf dem Weg in ein nicht weit entferntes Tal.
Dort, wo man weitere kleine Nordsiedlungen und weitere Lebende vermutet.
Schon über ein Jahr nun durchstreifen die Moldarks das Fürstentum Ostmarsch.
Die Zeit verging wie im Flug.
Seither ist der Clan angewachsen.
An die dreißig Vampire sind es bereits, die ihr folgen, stets auf der Suche nach frischem Blut.

Vorneweg schreitet ihr Späher, der wortkarge Sinalfin.
Neben ihr ist Voil, der Ritter, sowie Hajruddin, der zu Lebzeiten als Seefahrer die Meere bereiste, und nach einem Schiffsunglück ans Ufer von Ostmarsch und vor die Füße Hjotrtas gespült wurde.
Auch der schmierige, stets unruhig wirkende Glatzkopf Vilrim, dessen hässliches Gesicht mit Brandnarben übersät ist, ist nicht fern und marschiert nur wenige Schritte hinter seiner Herrin durch den tiefen Schnee.
Am Ende der Gruppe wacht Máeglin Carnesîr, der Einzelgänger, der sich ihr ebenfalls damals anschloss, als es zum Bruch mit Fjorig kam.
Die Vampire stapfen still durch die dichten schneebedeckten Wälder der Berghänge, als sie an eine Lichtung kommen.
Sinalfin geht in die Hocke und mustert die Umgebung, sowie die freie Fläche vor ihnen, während die gesamte Gruppe inne hält und wartet.
Es ist ruhig, keine Bewegung ist auszumachen.
Nur der Wind pfeift derweil durch die Baumwipfel und lässt sie in seinem Rhythmus sanft hin- und her wiegen.
Ein großer, steiler Berg erhebt sich zur einen Seite der freien Fläche und wirft seinen Schatten voraus.
Ein mächtiger Riese aus Fels und Schnee.
Unbedeutend und ohne Namen, ...was sich später ändern wird.

Ein kurzer Blick gen Hjotrta, ein knappes bestätigendes Nicken, dann erhebt sich Sinalfin und schreitet voran aufs freie Feld.
Die Lichtung zu umgehen würde zu lange dauern und zu viel Zeit kosten.
Die Nacht hat noch einige Stunden zu bieten, aber dennoch ist es ungewiss, wann man die Siedlungen findet und wie lange man dort ´braucht´.
Trotz das man solch freie Flächen schon immer mied, so macht man dieses Mal eine Ausnahme.
Die Vampire folgen ihrer Herrin, verlassen die Wälder und marschieren im Schatten des namenlosen Bergriesen über die Lichtung.
Allen voran Sinalfin, der in diesem Moment inne hält.
Die Moldarks tun es ihm gleich, sie stoppen...und warten.
Hjotras tote Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen.
Sie erkennt, wie sich Sinalfins Körper anspannt.
Rund zwanzig Schritte vor ihnen sind wie aus dem Nichts rund zehn Gestalten aufgetaucht, eindeutig Vampire.
Sie stehen dort und blicken in Richtung der Moldarks.
Keine Regung, nichts.
Sie tragen zerfetzte Kleidung, haben fahle Gesichter und führen minderwertige Klingen bei sich.
Sinalfin blickt zurück, als wolle er wissen, was zu tun ist.
Hjotrta und seine Blicke treffen sich.
Sie ist unsicher.
Auch ihre Begleiter Voil und Hajruddin wirken angespannt und dennoch zieht keiner seine Klinge.
Sie wissen, dass es klug ist erst einmal abzuwarten.
Solche Situationen hatten sie schon öfter.
Man trifft sich, nickt einander zu, und zieht weiter.
Doch diesmal ist es anders.

Irgend etwas stimmt nicht...

Es fühlt sich an als verginge eine Ewigkeit, das nichts passiert.
Diese kleine Gruppe Vampire macht keinerlei Anstalten sich zu rühren.
Sie verweilen dort und bohren ihre blutroten Augen in die Körper der Moldark-Vampire.
Hajruddin erkennt an der rechten Flanke der Lichtung Bewegung, wie etwas durch den Wald schleicht.
Hjotrta sieht es jetzt auch.
Dasselbe auf der linken Seite nun.
Voils Augen flackern wild, obgleich sein untoter Körper ruhig wirkt.
Máeglin Carnesîr erkennt die Situation, prüft die Rückseite, um auch dort Bewegung festzustellen.
Hjotrta muss feststellen, dass sie umringt sind.
Ihr Clan, die Moldarks, auf dieser von Schnee bedeckten Lichtung und im Schatten eines hohen Berges, ist umzingelt von einer Gruppe von Vampiren, deren Anzahl und Stärke sie noch nicht abzuschätzen vermag.
Und trotzdem ist bisher kein Wort gefallen.
Es herrscht eine seltsame Ruhe, sowie eine knisternde Spannung, die sich langsam aufbaut.
In diesem Moment taucht hinter der zehnköpfigen Gruppe eine weitere einzelne Gestalt auf, die nach vorne tritt und die Moldarks fixiert.

Es ist der Grauhaarige, es ist...Fjorig.

Nun wird es Hjotrta klar.
Es ist soweit.
Die Stunde der Wahrheit ist gekommen.
Hier nun, auf dieser Lichtung, soll es sich entscheiden.
Ihr Blicke treffen sich.
Keine Regungen, kein Lächeln oder gar wütender Blick.
Eisige Kälte ohne jedwede Emotionen umzeichnet ihre Gesichter.
Voil packt sich seine mächtige Zweihandklinge, während es ihm Hajruddin gleich tut und seine Waffe zückt.
Vilrims Augen zucken wild, die knochigen Finger sind inzwischen zu Fäusten geworden.
Sinalfin nimmt sich seinen Bogen, vermeidet dabei hektische Bewegungen, während er versucht sämtliche Regungen rund um die Moldarks herum wahrzunehmen.
Auch Máeglin Carnesîr hat bereits seinen Zweihänder in seinen Händen.

So stehen sie dort, die Moldarks, inmitten der Lichtung, umringt vom Elmerd-Clan unter Führung ihres Todfeindes, Fjorig.
Es vergehen weitere quälend lange Minuten.
Keine Bewegung, auch nicht mehr in den Wäldern um sie herum.
Als würde die Zeit für einem Moment stehen bleiben.
Hjortras Blick weicht dem Fjorigs nicht aus.
Sie mustern einander, warten nur darauf, dass es beginnt.

Stille.
Totenstille.

Dann geht Fjorig einen Schritt nach vorne.
Ein knappes, kaum merkliches Nicken gen Hjotrta und plötzlich ist es vorbei mit der Ruhe.
Die Vampire des Fjorig stürmen wild entschlossen, mit weit aufgerissen Augen und Mäulern, sowie mit ihren Waffen im Anschlag von allen Seiten auf die Moldarks zu, die sofort einen Kreis bilden, sodass sie jede Seite abdecken können.
Es wird schnell erkennbar, dass die Eldmers zahlenmäßig in der Überzahl sind.
Hjotrta verschwendet keinen Gedanken daran.
Sie ist bereit.
Es wird nicht lange dauern, dann sind sie bei ihnen.
Nur wenige Schritte noch.
Sie erkennt, dass Fjorig hinten stehen bleibt, so wie er es immer tat.
Lässt andere für ihn kämpfen und bluten.
Es ist also soweit.

Die Schlacht am Berg beginnt...
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Freitag, 3. November 2017, 11:48


Irgendwo in den verschneiten Bergregionen im Fürstentum Ostmarsch.
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555 der 2. Ära...

Eine schneebedeckte Lichtung unterhalb eines Berges...


Der Sturm bricht los.
Er bricht los und eskaliert in einer brutalen Schlacht, in der keiner verschont wird.
In der kalten Nachtluft liegt erbarmungslose Gewalt, Blut und Tod.

Die Vampir-Schergen des Elmerd-Clans unter Fjorig treffen mit aller Wucht auf die Moldarks, die inmitten der verschneiten Lichtung in einem Kreis harren und bereit sind ihrem Schicksal entgegenzutreten.
Das Chaos beginnt.
Untote Leiber fallen übereinander her, verbeißen sich ineinander, reißen sich in Stücke.
Wilde Bestien, rasend vor Mord- und Blutgier, nicht mehr Herr ihrer Sinne, bekämpfen einander mit einer grausamen Härte ohne eine Spur von Mitleid.
Das Chaos beginnt nicht nur, es regiert nun hier auf dieser Lichtung in einer eiskalten Nacht.

Zwei wild entschlossene Vampire springen ´fauchend´ auf Hjotrta zu, ihre Mäuler weit aufgerissen.
Sie meinen, sie hätten eine Chance gegen sie.
Viel zu langsam sind sie, denkt sie in diesem Augenblick, als sie dem ersten Angreifer ausweicht und die Wucht seiner Attacke nutzt, um ihn einige Meter weiter in den Schnee zu schleudern.
Direkt vor die Füße von Voil, der keine Sekunde zögert und seinen Zweihänder herab schwingen lässt, den Kopf von des Blutsaugers Schultern zu trennen.
Der andere Vampir, eine gar hässliche Ausgeburt der Nacht springt indes auf die Moldarkanführerin zu, die seine Attacke mit einem eisernen Griff an dessen Hals jäh unterbricht.
Wild strampelnd und ohne Chance sich von dem unbarmherzigen kalten Griff Hjotrtas befreien zu können, hängt er in der Luft, während ihre eisigen Klauen sich immer fester in das untote Fleisch des Blutsaugers drücken und ihm den Kehlkopf zerdrückt.
Die blutroten, eben noch wild funkelnden Augen verdrehen sich.
Hjotrta wirft den nun wehrlosen Körper in den Schnee und macht sich über ihn her ihn seinen grässlichen Kopf abzureißen.

Unterdessen wird um sie herum ums nackte Überleben gekämpft.
Aus den Augenwinkeln nimmt Hjotrta ihre Getreuen wahr, sieht wie sie fallen, sich die Feinde über sie her machen ihnen ihr Blut zu nehmen und sie in Stücke zu reißen.
Voil und auch Máeglin Carnesîr sind in Raserei verfallen, können scheinbar keinen klaren Gedanken mehr fassen, während sie mit ihren Klingen nach ihren Angreifern schlagen.
Gerade eben bohrt sich Máeglins Schwert in den kalten Körper eines Vampirs, als er auch schon von vier weiteren Blutsaugern angefallen wird.
Es sind zu viele, auch für ihn.
Er wird zu Boden geworfen, verliert seine Klinge.
Wenige Meter entfernt geht ein anderer Angreifer zu Boden, einen Pfeil in seinem Hals und ein weiterer in seiner Augenhöhle steckend.
Sinalfin, Hjotrtas Späher steckt den Bogen weg, greift zur Klinge.
Sie sind zu nah, keine Chance mehr sie mit seiner bevorzugten Waffe zu attackieren.
Der Dunmer wirft Hjotrta einen kurzen Blick zu, die gerade den Kopf des letzten Angreifers achtlos in den Schnee wirft.
Es sieht nicht gut aus, das ist beiden klar.

Fjorig, der Graue, wohnt indes dem Schauspiel aus sicherer Entfernung bei.
Seine Miene ist ausdruckslos, die Arme hat er vor der Brust verschränkt.
Es scheint, als ob ihn das Töten nur wenige Meter von ihm entfernt nicht interessiert.
Nur seine Augen verraten sein Innerstes, funkeln wild und haben stets nur eine im Blick: Hjotrta, seine einstige Geliebte, die ihn verraten hat.

Indes tobt die Schlacht weiter.
Leiber werden zerfetzt, Köpfe abgetrennt und untote Leben beendet.
Die Moldarks haben keine Chance.
Es sind einfach zu viele.
Wie blutige Anfänger sind sie ihnen in die Falle getappt.
Schon eine ganze Zeit mussten sie ihnen gefolgt sein und sie haben es nicht gemerkt.
Hjotrtas Blick schweift für Sekunden gen Voil, der sich etwas ins Abseits gekämpft hat.
Hajruddin ist an seiner Seite.
Ihr Blick treffen sich für diesen Moment.
Ein kurzes Nicken und ihr getreuer Ritter weiß Bescheid.
Die Zeit ist gekommen, die Flucht anzutreten.
Hjotrta weiß, dass es ihm schwer fällt, aber wer weiß schon wozu es später gut sein mag.
Während Voil mit Hajruddin das Weite sucht, sieht die Anführerin der Moldarks, wie Sinalfin fällt und regungslos im Schnee und in seinem Blut liegen bleibt.
Für sie kommt eine Flucht nicht in Frage.
Ihr Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen, als sie hasserfüllt gen Fjorig blickt, der nach wie vor abseits des Schlachtgetümmels das Geschehen ruhig verfolgt.
Er nimmt ihren Blick wahr und sieht wie sie sich nun aufmacht zu ihm zu stürmen.
Und dann lächelt er.

Hjotrta kommt nicht weit.
Eine Gruppe Vampire stürzt sich auf sie.
Zwar kann sie die ersten Angreifer noch abschütteln, doch wird sie dann zu Boden gerissen und in den Schnee gedrückt.
Sie schreit auf, voller Hass und Wut, kann sich nicht mehr wehren.
Schläge prasseln auf sie herein.
Sie spürt wie sich Klingen und Zähne in ihr untotes Fleisch bohren.
Ihre Kraft schwindet.
Doch die Vampire lassen ab von ihr, lassen ihren geschundenen Körper im Schnee liegen.
Sie atmet schwer, als sie, in ihrem eigenen Blute liegend, erkennt, wie sich Fjorig nun langsam nähert und über sie beugt.
Sein Blick ist ohne jede Emotion.
Keine Spur von Mitleid ob der ´alten Zeiten´ wegen, noch ein Hauch von Genugtuung, da nun Hjotrta hier wehrlos vor ihm im Schnee liegt.
Er könnte sie leicht töten, ja.
Aber das ist nicht seine Art.
Fjorig lächelt nicht, als er zu ihr spricht.
"Der Tod ist so endgültig, nicht wahr, meine geliebte Hjotrta? Es wäre doch viel zu schade Dich hier einfach von deinem Dasein zu befreien. Nein...."
Er unterbricht kurz, als er zu Máeglin Carnesîr blickt, den sie ebenso gefangen haben.
"So einfach wollen wir es Dir, und deinem Schoßhund Carnesîr nicht machen. Wo bleibt denn da der Spaß?"
Er erhebt sich und spricht zu seinen getreuen Blutsaugern.
"Wir nehmen sie mit. Es geht weiter, gen Norden."

"Du wirst Dir noch wünschen, ich hätte Dich hier und jetzt von allem erlöst. Für Dich habe ich etwas viel Besseres.", sagt er dann mit ruhiger Stimme gen Hjotrta, die sodann gepackt wird.
Dem Schlachtfeld schenkt er keinerlei Beachtung mehr, als er sich mit seinem Clan und den zwei Gefangenen auf den Weg macht.

Es ist nun wieder still.
Zurück bleibt eine Lichtung unterhalb eines Berges, getränkt mit dem Blut zahlreicher Vampire.
Eine Lichtung, voller zahlreicher untoter Körper, die nun beginnen zu zerfallen.
So ist es, wenn sie sterben.
Nichts mehr wird von ihnen übrigen bleiben.
Bald schon wird neuer Schnee kommen und das Blut bedecken, so als wäre nichts gewesen.
Die toten Körper verschwinden, alle.

Nur einer, der bleibt liegen...



"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

"Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut." (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

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Mittwoch, 17. Januar 2018, 11:13


Ostmarsch im Jahr 585 der 2. Ära.
Inmitten der eisigen Einöde von Ostmarsch...


"Jernheim ist nicht mehr fern.", sprach Saranir noch, als sich die drei Nord auf machten und ihr kleines Lager am Fluß verließen, um eben diese Nordsiedlung zu erreichen.
Sie ließen das Lager zurück und die zwei toten Körper der Halunken, die sie dort überfielen.
Doch auch das Jernheim in der Tat nicht mehr fern ist, so kommen die Drei nur schwerlich voran.
Der von Saranir prohezeite Schnee ist gekommen und erschwert, zusammen mit starkem Wind, den Ritt durch das Eis von Ostmarsch.
Viktor ist bereits seit einiger Zeit wieder bei Bewußtsein.
Seine linke Schulter schmerzt höllisch.
Das leidige Wetter tut sein übriges dazu, dass es ihm nicht gut geht.

Zackris führt das Nord-Trio an.
Man könnte meinen, er kenne den Weg.
Nicht einmal zögerte er ob der Route gen Jernheim.
Viktor ist inzwischen so froh ihn zu kennen.
Er hat ihm bereits mehrere Male aus der Patsche geholfen und nun verdankt er ihm jetzt auch noch sein Leben.
Er war zuvor noch nie in einen Kampf verwickelt.
Sein erster echter Kampf und seine erste echte Verletzung.

Während der Schnee den Männern ins Gesicht peitscht, tragen ihre Mähren sie unbeirrt durch die Kälte, immer weiter gen Südosten.
Viktor sitzt leicht vornübergebeugt im Sattel und denkt an Jernheim.
Was wird ihn dort erwarten?
Die alte Heimat seines Vaters.
Ob ihn noch jemand kennt?
Saranir und Zackris sprachen über die Nordsiedlung.
Südöstlich von Windhelm und Niederyorgrim soll sie liegen, ´nur´ ein bis zwei Tagesreisen.
Bei normalen Wetter vermutlich und nicht mit so einer ´Last´ wir ihm.
Knapp achtzig Seelen soll, so sagt man, die Siedlung beherbergen.
Vom Jäger, Fischer, Minenarbeiter bis hin zu und einer Einheit an Waffenträgern, die sich das Bärenbanner nennt, würde man dort antreffen.
Trotz das es ihm wahrlich nicht gut geht, treibt ihn mit jedem Meter den sie sich Jernheim nähern eine gewisse Spannung an.
Spannung, aber auch Angst vor dem was er dort findet.
Angst vor einer Enttäuschung nach einer so langen Reise.

Zackris treibt seinen Gaul einen Hang hinauf.
Saranir und Viktor folgen.
Der Schnee ist hier recht weich, sodass die Pferde tief darin einsacken und so der ´Anstieg´ erschwert wird.
Oben auf der Anhöhe werden sie von starkem Wind empfangen, der wie kleine Nadelstiche ihre Gesichter ´attackiert´.
Vor ihnen, etwas weiter unterhalb und noch einige Meter entfernt, erkennen sie eine Siedlung: Jernheim.
Sie liegt oberhalb einiger schroffer Klippen, eingebettet im ewigen Schnee.

Die Drei blicken sich für einen Moment an.
Dann reiten sie los.
Ein schneebedeckter steinverstärkter Wall umgibt die Siedlung, überragt von drei Wachtürmen.
Hinter dem Wall kann man die Spitzen der Dächer der Siedlung schemenhaft durch den Schnee erkennen.
Zwei Wachen, die dort am Tor postiert sind, blicken auf und fixieren Viktor und seine zwei Freunde, die sich langsam auf ihren Pferden nähern.

Endlich da, denkt Viktor, als in diesem Augenblick einer der Wachmänner mit lauter Stimme ein "Kyne sei mit Euch. Wer seid ihr und was führt euch her?" den Drei entgegen ruft...
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Llynya (17.01.2018), Jassillia (03.02.2018)

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Freitag, 19. Januar 2018, 16:48


Wir schreiben das Jahr 521 der 2. Ära.
Steinfälle...


Was für ein Land.
So karg und öde, nur Stein und Fels wohin das Auge reicht.
Statt der Kälte, dem Eis und dem Schnee der Nordlande wird die Reisegruppe in den Landen der Dunmer mit Ödnis, Rauch und Asche empfangen.
Asche, die schier unendlich vom Himmel regnet und die Häupter derer bedeckt, die sich in Steinfälle im Freien bewegen.
In der Ferne hört man unentwegt das Grollen der Vulkane des Velothigebirges und des Aschberges, die wie drohende Mahnmale über die Bewohner des Landes wachen.

Die Reisegruppe, die schon vor Monaten einst in Ostmarsch aufbrach, kommt auch heute nur langsam voran.
Brerod Jonassson schloss sich ihnen an, als sie die Nordsiedlung passierten, die er einmal seine Heimat nennen konnte.
Es war ein Entschluss, den er schnell fasste.
Er ergriff wohl eine Gelegenheit seinem bisherigem Leben zu entkommen, das nicht so lief, wie er sich das vorgestellt hat.
Eine gefühlte Ewigkeit reitet er jetzt schon mit dieser Gruppe, die sich im Laufe der Zeit veränderte.
Einige kamen, schlossen sich den Reisenden an, andere gingen und verblieben zum Beispiel in Riften.
Dort kommt auch die Rothaarige her.
Herild ist ihr Name.
Eine wahre Schönheit, das muss er zugeben.
Er hat rasch gemerkt, dass sie sich für ihn interessiert.
Doch Brerod will sich nicht auf etwas Neues einlassen.
Er ist kaum ein paar Monate weg von seinem Weib, mit der er im Streit auseinander ging.
Nein, es wäre zu früh.

Als er los ritt mit dieser Gruppe, da schaute er sich nicht einmal um.
Mit dieser Reise ließ er nicht nur seine Heimat hinter sich.
Auch seine Vergangenheit soll nun vergangen sein, auf das das Schicksal für ihn neues bereit hält.
Oft muss er an Hjofa denken, seine kleine Tochter, die im Kindsbett im Schlaf starb.
Mit ihrem Tod zerbrach auch er und sein bisheriges Leben.

Brerod redet nicht viel, passt sich aber an und hilft wo er nur kann.
Man achtet ihn, lässt ihn aber auch in Ruhe.
Die anderen merken, dass etwas nicht stimmt, ihn etwas beschäftigt und nicht los lässt.
Auch die Rothaarige hat rasch begriffen, dass die Schatten der Vergangenheit nicht so schnell abzuschütteln sind.
Dennoch hat sie mehrfach versucht das Eis zu brechen, hält aber weiter die nötige Distanz.
Der mürrische Brerod ertappt sich dann schon das eine oder andere Mal dabei, dass seine Gedanken zu ihr schweifen und er sich fragt, warum sich eine Nord alleine von Riften auf macht und sich dieser Reisegruppe anschließt.
Könnte sie ähnliche Dinge plagen wie ihn?
Sicher wird sie ihre Gründe haben.
Wenn es das Schicksal will, so wird er es eines Tages herausfinden.

Havirunn, ebenfalls rothaarig und ein durchaus kräftiger Nord, führt diese Gruppe von Reisenden von Anbeginn an.
Er ist ein erfahrener Jäger und versteht sich im Kampfe.
So manche Schlacht hat er geschlagen, wenn man seinen Geschichten am Feuer Glauben schenken mag.
Havirunn lenkt sein Gaul weiter gen Osten und achtet darauf auf den Wegen zu bleiben, die nicht weniger staubig sind.
Stets warnt er die anderen davor die Augen offen zu halten und das den Dunmer nicht zu trauen sei.
Listig und intrigant seien sie.
Ein Volk von Sklavenjägern, die einem Tribunal huldigen und sich nicht davor scheuen einen mal eben verschwinden zu lassen.
So zumindest wird es von Havirunn berichtet, wenn der Met fließt und seine Zunge locker wird.

Brerod ist es so gar nicht geheuer, dass sie durch das Land der Dunmer reisen.
Wer will auch schon freiwillig durchs Feindesland ziehen?
Aber, so die Worte von Havirunn, gibt es hier reichlich Gold zu machen.
Und die Grauzungen lassen daher die Gruppe Handlungsreisender passieren, mit einer besonderen Erlaubnis natürlich nur.
Gold zählt überall gleich, egal für welches Land man reitet und streitet.
Natürlich nicht ohne Geleit und ohne dafür bei passender Gelegenheit die eine oder andere Hand aufzuhalten.
So wird die Nord-Reisegruppe von einer kleinen Delegation von Dunmersoldaten begleitet, seit sie die Grenze - gegen ein entsprechendes Handgeld, versteht sich - passierten.
Zu ihrer eigenen Sicherheit sagten sie.
Ein mulmiges Gefühl bleibt und so hofft Brerod, dass es nicht zu ´Zwischenfällen´ kommt.

Brerod will sich so gar nicht mit diesem Land und den Dunmer beschäftigen, weiß aber, dass es wohl besser wäre, will er sie besser verstehen.
Meist lässt er seine Mähre etwas weiter hinten, ein wenig hinter den zwei Karren her traben.
Mit Havirunn ist es so besprochen, dass er, zusammen mit einem anderen Nord, das Ende der Gruppe im Auge hat, mal abgesehen von den Dunmersoldaten, die ihnen seit der Grenze nicht von der Pelle rücken.
So reitet Herild, die Rothaarige, meist vor ihm.
In den letzten Tagen blickte sie nicht nur einmal zurück zu ihm.
Das ist ihm freilich nicht entgangen und so fragt er sich, ob es nicht doch Zeit wäre, einmal mit ihr zu sprechen.

Er streift sich mit der Hand durch sein zerzaustes und ungepflegtes Haar, um es von der Asche zu befreien, die an diesem Tage scheinbar noch etwas heftiger vom Himmel fällt.
Zur Rechten der Gruppe erkennt man in der Ferne die Silhouette einer Feste, etwas höher gelegen und von Felsen umringt.
Der Nord, der neben Brerod reitet, erkennt seinen fragenden Blick.
"Das ist die Feste Kragenmoor.", erklärt er ungefragt.
Brerod nickt nur.
"Man sagt, dort sitzen die Dres."
"Dres?"
"Aye. Eines der Häuser der Grauzungen.", sagt er.
"Sklavenjäger.", fügt er dann noch an.
Brerods Blick verweilt einen Augenblick auf den Umrissen der Feste, die nur vage zu erkennen sind.
Ihr Ziel wird die Hafenstadt Davons Wacht sein.
Wenn man bedenkt wie lange sie schon unterwegs sind, so sind sie nun auf der Zielgeraden.

Dort, so hat er es in diesem Moment beschlossen, wird er die Rothaarige ansprechen, während sein Blick für einen Augenblick auf einen der Dunmersoldaten trifft, der ihn aus seinen rot funkelnden Augen voller Misstrauen beäugt...
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

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Samstag, 27. Januar 2018, 12:56


Irgendwo in den verschneiten Bergregionen im Fürstentum Ostmarsch.
Man schreibt das Jahr
555 der 2. Ära...


Es ist tief in der Nacht.
Ein eisiger Wind treibt den Schnee, der schon seit Stunden vom Nachthimmel fällt, mit Kraft durch die Luft und sorgt nicht selten dafür, dass so manche Schneewehe wie aus dem Nichts aufgetürmt wird.
Eine Gruppe von Vampiren stapft bereits seit Anbruch der Nacht stoisch durch den Schnee der Bergregion im Fürstentum Ostmarsch, weit abseits der Siedlungen der Lebenden.
Es wird nicht gesprochen, so als wisse ein Jeder der Untoten den Weg.

Vorneweg marschiert Fjorig, der Graue.
Sein strähnig graues Haar weht im eisigen Wind, während er seine Getreuen unbeirrt weiter hinauf in die Berge führt.
Seine Anhänger vom Elmerd-Clan folgen ihm, seit er sie zu seinen ´Kindern´ machte.
Er, der sie schon oft durch so manche Krise leitete und den Clan mit starker Hand regiert.
Eine der Krisen war damals die Zersplittung des Clans, als es seine Geliebte Hjotrta wagte sich gegen ihn aufzulehnen.
Er hat noch die Bilder im Kopf wie sie vor ihm stand, bereits gegen ihn anzutreten.
Fjorig wird es nie vergessen.
Damals war die Zeit nicht reif für die Schlacht.
Aber jetzt ist es soweit.
Hat er in der Vergangenheit so manchen Fehler gemacht, so hat er gelernt, und gewartet.
Gewartet auf den richtigen Moment.

Schon seit geraumer Zeit hatten seine Späher die Moldarks aufgespürt.
Diesmal war er klug, ließ sie beobachten und verfolgte sie mit sicherem Abstand.
Ja, er war geduldig.
Nichts sollte schief gehen.
Hjotrta selbst fühlte sich wohl zu sicher.
Sie wurde nachlässig, bemerkte den Feind nicht, der sie schon eine ganze Zeit verfolgte und im Visier hatte.
Und an der Lichtung, am Fuße dieses Berges war es dann endlich soweit.
Die Falle schnappte zu, der Sieg war ihnen nicht mehr zu nehmen.
Moldark ist geschlagen, ihre Vampire tot oder geflohen, Hjotrta und ihr getreuer Speichellecker Vilrim, sowie Máeglin Carnesîr in seinen Händen.

Man kann dieses Gefühl des Sieges wohl kaum beschreiben.
Eine enorme Genugtuung umgibt den Grauen, als Entschädigung für die Schmach, die er zu ertragen hatte, als Hjotrta sich damals gegen ihn auflehnte.
Während er weiter durch den Schnee stapft blickt er nicht einmal zurück.
Weiter hinten werden Hjotrta, Vilrim und Carnesîr, in Ketten gelegt, mitgeschleift.
Ihre Köpfe sind gesenkt, ihre Körper geschunden von den Schlägen, Stichen und Bissen ihrer Feinde.
Hjotrta weiß, dass sie verloren hat.
Es ist vorbei, ihr Clan und ihre ´Kinder´ allesamt tot.
Das Fjorig sie noch nicht endgültig tötete, lässt darauf schließen, dass er noch etwas mit ihr vor hat.
Ihr kommen seine Worte in Erinnerung, als die Schlacht am Berg vorbei war: "Der Tod ist so endgültig, nicht wahr, meine geliebte Hjotrta? Es wäre doch viel zu schade Dich hier einfach von deinem Dasein zu befreien."
Was er auch vor hat, ihr ist es in diesem Moment egal.
Ihr Wille, ihre Kraft scheint gebrochen.
Wie konnte ihr das nur passieren?
Das sie so einfach in diese Falle tappte, wie ein Anfänger.
Dieser Fehler wird ihr letzter sein, da ist sie sich in diesem Augenblick sicher.

Der Schnee wird stärker.
Sterbliche würden sich bei diesem Wetter wohl kaum freiwillig ins Freie begeben.
Die Vampire stört das nicht.
Ihr Weg führt weiter hinauf in die Berge.
Doch plötzlich stoppt die Gruppe.
Fjorgig blickt sich um, lässt seine toten Augen in Richtung eines felsigen Berghanges schweifen.
Im Fels erkennt man etwas, einen Eingang wohl zu einer Höhle.
Er ist nicht groß und leicht zu übersehen.
Fjorig muss diesen Ort kennen, sonst wäre er nicht so zielstrebig hierher marschiert.
Ein knappes Nicken zu einem seiner Getreuen, dann setzt sich der Graue in Bewegung, schreitet auf diesen Eingang zu, während sich seine rechte Hand nach hinten zu den Gefangenen bewegt.

Vilrim, Hjotrtas glatzköpfiger Anhänger, blickt auf und ballt die Fäuste.
Einige Vampire packen sich seine Herrin und schleifen sie mit.
Er sieht, dass Hjotrta sich nicht wehrt.
Ihre Kraft ist erschöpft.
Er kann nichts tun und unternimmt gar nicht erst den Versuch einzugreifen.
Aber er merkt sich diesen Ort.
Was auch immer Fjorig mit Hjotrta vor hat, was auch immer sie mit ihm anstellen, er wird hierher zurück finden, sollte er dazu je die Gelegenheit erhalten.
Die kleine Gruppe verschwindet mit Hjotrta in der Höhle, während er, und die anderen, draußen im Schnee warten.
Máeglin Carnesîr, der dunkle so starke Ritter, blickt gar nicht erst auf.
Er empfindet es wohl noch mehr als Schmach nicht im Kampfe den für Blutsauger endgültigen Tod gefunden zu haben mit Aussicht im Nirgendwo elendig zu verrotten.
Vampire empfinden durchaus Freude daran ihre Beute zu quälen.
Es vergeht eine ganze Zeit das sie dort stehen und warten.
Nichts passiert.
Wer weiß was der Graue dort in der Höhle mit seiner Herrin anstellt.

Da taucht Fjorig wieder auf.
Emotionslos, Vilrim und Carnesîr keines Blickes würdigend, stapft der Anführer des Elmerd-Clans an ihnen vorbei, weg von dem Felsen und der Höhle.
Seine Anhänger folgen ihm, wie immer wortlos.
Die Vampire setzen ihren Weg fort.
Hjotrta indes verbleibt in dieser Höhle.
Vilrim schaut sich noch einmal um.
Ob es sie noch gibt?
Sollte er je die Gelegenheit bekommen, so wird er dies heraus finden...
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

"Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut." (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

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Samstag, 3. Februar 2018, 16:56


Wir schreiben das Jahr 585 der 2. Ära.
Fürstentum Ostmarsch.
Die Nordsiedlung Jernheim...


Viktor Brerodsson reicht seinem Freund und Weggefährten Zackris die rechte Hand, sowie Unterarm, der von diesem direkt gepackt und an sich gezogen wird.
Ein kurzer Blick, ein knappes Nicken.
Hier, in der großen Halle zu Jernheim, trennen sich ihre Wege.
"Oy, Vik. Pass auf Dich auf, eh."
"Wir sehen uns wieder, Zackris."


*

Viktor setzt in diesem Moment die Feder ab und liest noch einmal über das, was er in den letzten Stunden in das Buch der Familie nieder schrieb.
Eine kleine Kerze, halb herunter gebrannt, gibt ausreichend Licht.
Ein knappes bestätigendes Nicken zu sich selbst, dann legt er die Feder auf dem hölzernen Tisch ab.
Er ist weiter in Gedanken, speziell an seinen Freund Zackris, der ihn vor einigen Tagen verließ und weiter zog.
Ein ewig ruheloser Nord, das ist er wohl.
So zog er von dannen und Viktor ist froh, ihn kennengelernt und als Freund gewonnen zu haben.
Ab und an flackert die Flamme der Kerze ein wenig mehr, immer dann, wenn sich unten die Türe öffnet und ein Hauch des kalten Windes von draußen herein strömt.

Er ist nun schon einige Tage hier in Jernheim, der Siedlung, in der einst sein Vater Brerod lebte.
So zumindest steht es in dem Familienbuch, von ihm selbst dort eingetragen.
Ja, es ist ohne Zweifel seine Schrift, da ist sich Viktor sicher.
Aber trotz das er schon eine Weile hier in Jernheim verweilt, hat er bisher noch nicht sehr viel mehr heraus finden können.
Der Thane Sjolfur Felsaxt und auch Skrava, die Kriegerskaldin, sah er auch eine Zeit schon nicht.
Sie sind wohl mit einigen Kriegern unterwegs, scheinbar auf einer Mission.
Er sah, wie sie die Waffen holten, Proviant verstauten und sich auf vermeintlich auf eine längere Reise vorbereiten.
Viktor wollte nicht fragen, ist er doch schon seit einigen Tagen den misstrauischen Blicken der Dorfbewohner ausgesetzt.
Es scheint, als ob sich etwas geändert hat.
Die Einwohner wirken argwöhnischer und teils verbissener als noch zu den Tagen, als sie hier einritten,...als wäre etwas passiert.
Er wird es sicher irgendwann ganz von selbst erfahren, spätestens dann, wenn die Krieger wieder einkehren und am Feuer bei Met und Gesang von ihren Taten erzählen.

Auf jeden Fall hatte er keine Gelegenheit noch mehr über seinen Vater zu erfahren.
Die, die darüber berichten könnten, sind nicht vor Ort.
Er wird also warten.
Die anderen Einwohner zu befragen hält er indes für keine gute Idee.
Auch über die Vampire wird er besser den Mund halten.
Er möchte er gar nicht erst riskieren als einer da zu stehen, der ein Jeden ausfragt.
Und dann noch über diese untoten Unholde.
Nein, das wäre gar riskant.
Er hat gesehen, wie sie hier mit jenen umgehen, die unerwünscht sind und erinnert sich an den trotzigen Dunmer, den man kurzerhand vor die Tore Jernheims beförderte.

Viktor blickt von der Empore hinab in den Eingangsbereich der großen Halle.
Hier brennen die Feuer die ganze Nacht hindurch und die Wächter kehren dort immer wieder ein, um aus zwei Kesseln heißen Met und dampfenden Eintopf zu sich zu nehmen.
Es scheint, dass er, und auch Saranir, die einzigen Gäste hier sind.
Ihnen wurden die einfachen Lagerstätten im oberen Bereich der Halle überlassen.
Absolut ausreichend und jederzeit besser als im kalten Nordwind von Ostmarsch unter freiem Himmel zu nächtigen.
So richtig wohl fühlt er sich aber noch nicht.
Das Gefühl der Heimat hat ihn noch nicht erfasst in dieser kleinen Siedlung, in der zwar Reisende gastfreundlich empfangen werden, aber in der es auch rauh zu geht.
Hier ist man unter Nord, so wie er sich das immer gewünscht hat.
Aber es muss sich daran gewöhnen, das ist sicher.

Kurz umfasst er seine linke Schulter und macht mit dem linken Arm ein paar Bewegungen.
Die Verletzung durch den Pfeil des Nordbanditen ist fast ausgeheilt.
Es spürt kaum noch etwas.
Kurz denkt er in diesem Moment an Zackris, der ihm bis hierher zur Seite stand und fragt sich, wo er sich wohl gerade herum treibt.
Ein leichtes Lächeln huscht in sein Gesicht bei dem Gedanken, dass Zackris sicher die Tavernen der Nordlande unsicher machen wird.
Etwas ärgerlich macht es ihn indes, dass ihm immer noch keiner das Kämpfen lehrte.
Selbst Saranir ist schon eine Weile nicht zugegen.
Er wollte sich in der Gegend umsehen und ritt bereits vor einiger Zeit hinaus in den Schnee.
Sollte er sich Sorgen machen müssen?
Die Gegend ist gefährlich.
Das hat er selbst am eigenen Leibe erfahren müssen.
Die mahnenden Worte des Thanes und der Wachen Jernheims bedarf es dafür nicht, sich darüber im Klaren zu sein.
Aber Saranir war sich seiner Sache sicher.

Er müsste bald wieder zurück sein.
Viktor wird auf ihn warten und ist schon jetzt neugierig ob der Dinge, die er zu berichten hat, während er in diesem Moment das Buch zu schlägt und es in seiner ledernen Umhängetasche verschwinden lässt.
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

"Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut." (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Spiffypurse« (9. März 2018, 11:33)


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Jassillia (03.02.2018)