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Dienstag, 5. April 2016, 17:17

Von Jägern und Gejagten

Ein grausig brennender Schmerz riss mich mitten in tiefster Nacht aus dem Schlaf. Ich konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken und brauchte eine Weile, bis ich mich aus der Traumwelt reißen und die Augen öffnen konnte. Meine Sicht war verschwommen und mein Kopf fühlte sich an wie ein diffuses, fremdes Etwas. Vorsichtig tastete ich mich ab, um die Ursache dieses Schmerzes zu finden und stellte fest, dass jede einzelne meiner Ziernarben brannte wie Feuer. Diese Narben hatte ich schon lange, schon seit Jahrzehnten. Sie bedeckten meinen gesamten Oberkörper und meine Arme und sorgten nun dafür, dass ich mich fühlte, als hätte man mich kopfüber bis zur Hüfte in Säure getaucht. Ich hatte sie mir von meinem engen Freund und Vertrauten zufügen lassen, so wie auch er sich die exakt gleichen Narben von mir hatte in die Haut schneiden lassen. Es war ein Ritual gewesen, damals... Als wir noch jung und dumm waren. Wir waren eine Art Pakt eingegangen, ein Bund, der über den Tod hinaus halten sollte.
Dass meine Narben nun so schmerzten, konnte nur eines bedeuten. Als meine Sicht endlich klarer wurde und ich mich in meinem Schlafraum umsah, entdeckte ich einen bläulich schimmernden Schemen am Fußende meiner Schlafstatt. Ich kannte die Gestalt, kannte die Gesichtszüge, die ständig von irgendetwas angeekelt schienen und kannte den langen, geflochtenen Zopf. Ich hatte ihn nur ein einziges Mal mit offenen Haaren gesehen.
Und nun schwebte sein Geist dort vor mir. Zeit, ihn mit dem gebührenden Respekt zu begrüßen.

"Bei Almalexias heiligen Titten, bist du wahnsinnig, mich zu so einer gottlosen Stunde aus dem Schlaf zu reißen, Vyeralas...?"
Das Gesicht des Schemens verzog sich zu einem hämischen Grinsen.
"Ich freue mich auch, dich mal wieder zu sehen, alter Freund..." Seine Stimme hatte einen Nachhall des Jenseitigen, es war beinahe gruselig. Und doch erwiderte ich das Grinsen und richtete mich auf.
"Ich habe dir immer gesagt, dass es dich vor mir erwischen würde..." Mir war klar, dass mein langjähriger Freund tot sein musste. Ein wenig stach es sogar in meinem Herzen, aber ich tat mein bestes, mir nichts anmerken zu lassen. Lässig stellte Vyeralas einen geisterhaften Fuß auf mein Bett und lehnte sich mit einem Ellbogen darauf. Ab und zu flimmerte seine Erscheinung, als wolle er in jedem Moment ins Nichts verschwinden. Das Grinsen blieb in seinem halb durchsichtigen Gesicht.
"Was willst du, mich als Poltergeist heimsuchen? Oder willst du zurück in diese Welt...?" fragte ich ihn, mühsam ein Gähnen unterdrückend. Er schüttelte den Kopf.
"Mein Körper ist vernichtet, du hättest nichts, an das du mich binden könntest. Das will ich auch gar nicht." verneinte er mit einem geisterhaften Echo. "Ich will dich an unseren Bund erinnern. Dass du dich um meinen Nachlass kümmerst."
"Deinen Nachlass..." wiederholte ich ungewollt trocken. Natürlich erinnerte ich mich an den Bund und daran, dass wir einander geschworen hatten, dass der länger Überlebende sich um die Hinterlassenschaft des anderen kümmern würde. Hätten wir dieses Ritual doch nie durchgeführt. Es war ein alberner Einfall jugendlicher Köpfe gewesen. Aber nun konnte ich es auch nicht mehr ändern.
Vyeralas' Geist nickte langsam und flimmerte wieder. Beinahe dachte ich, er löse sich auf, doch recht bald festigte sich die Erscheinung wieder.
"Ich habe nicht viel Zeit, Hyadriil..." echote seine Stimme.
Eher widerwillig schwang ich meine Beine aus dem Bett und machte mich daran, meine widerspänstigen Haare in einen Zopf zu zwingen.
"Schön für dich... Ich kümmere mich um deinen Nachlass. Aber wie ich dich kenne, ist das nicht alles..."
Ein ätherisches Lachen erklang, das mir eine Gänsehaut über den Rücken jagte.
"Mein guter Freund, du kennst mich besser, als ich mich selbst je kannte. Nein, das ist nicht alles. Ich will, dass du die tötest, die mich umbrachten und meinen Körper vernichteten. Das kriegst du doch sicher hin, nicht? Es sind auch nur zwei entlaufene Sklaven..."

Jetzt war es an mir, lauthals zu lachen. Ich hatte immer gewusst, dass ich meinen Freund überleben würde. Aber dass er sich von zwei jämmerlichen Sklaven würde umbringen lassen, hätte ich nicht gedacht. Das war einfach zu köstlich.
"Ich habe dir immer gesagt, dass du viel zu grob mit deinen Sklaven umgehst. Und das hast du nun davon. Ha!" lachte ich und steigerte mich beinah in einen ausgewachsenen Lachanfall. Vyeralas fand das jedoch offenbar alles andere als witzig und verzog erzürnt das Gesicht.
"Bist du nun fertig, ja? Das ist mein letzter Wille. Wirst du das für mich tun?" zischte er nun und die Stimme schien über meine Stirn direkt in mein Hirn zu kriechen. Ich bemühte mich, mich wieder zu beruhigen und nickte. Ein wahrscheinlich recht dämliches Grinsen konnte ich mir dabei jedoch nicht verkneifen.
"Ja, mach dir keine Sorgen..."
Der Geist meines Freundes richtete sich auf und nickte zufrieden. Langsam wurde seine Gestalt heller und blasser, bis sie sich in einer Stille auflöste, die friedlicher nicht sein konnte.
"Ruhe in Frieden, alter Freund..."

Meine Nacht war damit vorbei. An Schlaf war nicht mehr zu denken, also machte ich mich daran, meine Rüstung zusammenzusuchen und anzulegen. Der erste Schritt war, zum Haus meines verblichenen Freundes zu gehen.
Welch erbarmungswürdige Kreatur ich dort vorfinden würde, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

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Montag, 11. April 2016, 00:45

Das Leben als Sklavenjäger war schwer geworden, seit der Pakt unterzeichnet worden war. Wir hatten so viele Sklaven freilassen müssen und Nachschub gab es natürlich nicht. Mehr als die Hälfte meiner Jagdgründe waren weggefallen und haben sich in friedliche Siedlungen verwandelt. Sofern man diese Schlammhaufen mit Löchern überhaupt als so etwas bezeichnen konnte. Ich fluchte innerlich, während ich auf der Karte, die ich beinahe in meinem Heim vergessen hätte, nach einem weitestmöglichen und dennoch unkomplizierten Umweg suchte. Mein Weg sollte mich als erstes nach Davons Wacht führen, jedoch musste ich die Siedlungen der Argonier umgehen.
Früher wäre ich einfach hindurchspaziert und wie verschreckte Geckos wären die Schuppenhäute in ihre Schlammhaufen gehuscht. Sie hatten Angst vor uns, Angst, dass wir sie holen, dass wir ihre Eier rauben und ihre Jungtiere versklaven, genau so, wie wir es mit den ausgewachsenen Exemplaren taten. Zumindest dann, wenn Bedarf und Nachfrage bestand.
Ja, früher...

Ich hatte die Jagd immer genossen. Stets war ich mit einem kleinen Trupp unterwegs, um die jämmerlichen Dörfchen zu überfallen, in denen unsere Beute lebte. Sie waren einzig für die Sklaverei geschaffen worden. Tiere, kräftig und robust, aber doch gerade intelligent genug, Befehle zu verstehen und umzusetzen. Sie waren tüchtige Arbeiter, wenn sie einmal richtig erzogen waren, das musste man ihnen lassen. Aber bis es soweit war, dass sie aufs Wort gehorchten, musste eine ganze Menge an ihnen gearbeitet werden.
Angst half dabei. Mein Trupp gehörte zu jenen, die recht brutal bei der Jagd vorging. Dabei war ich einer derjenigen, die eine Art Nachhut bildeten. Meist spielten wir mit unserer Beute das Spiel "guter Ordinator, böser Ordinator". Erst kamen die "Bösen", diejenigen, die Eier aus den Nestern warfen und zertraten, alles anzündeten, das auch nur ansatzweise brennbar war und die Argonier aus ihren Löchern prügelten. Sie trieben sie in die Enge, umzingelten sie und hielten sie in Schach, bis sich auch der letzte der Schuppenbiester vor Angst fast von seinem eigenen Schwanz trennte. Dann, wenn die Angst selbst die Echsen fast wahnsinnig machte, kamen die "Guten", zu denen ich gehörte. Wir schüttelten den Kopf über all die unnötige Gewalt, schalten die Übereifrigen der unseren und schenkten den Jungtieren ein falsches Lächeln. Die Versprechen auf ein schönes Heim ohne Prügel und Schmerz reichten für die simpleren Gemüter bereits aus, sich zu fügen. Manche ließen sich an diesem Punkt sogar fast überzeugen, dass ihr bisheriges Leben das absolute Elend gewesen war.
Meist ließ sich ungefähr die Hälfte die Sklavenfesseln ohne Widerstand anlegen. Die andere Hälfte... Nunja, musste etwas nachdrücklicher überzeugt werden.

Doch nun war der Spieß umgedreht worden. Ich musste einen Umweg einschlagen, um nicht auf rachsüchtige Echsen zu treffen. Man hörte viele Geschichten, von ehemaligen Sklaven, die aus Rache ihre einstigen Herren hinterhältig ermordeten. Zwar war ich kein Sklavenhalter gewesen, aber gehörte ich doch zu jenen, die vom Geschäft der Sklaverei lebten und die Tiere in selbige hineinzwangen. Ich war mir sicher, dass es den ein oder anderen Argonier dort draußen gab, der einen gewissen Groll gegen mich und andere meiner Zunft hegte. Und ich hing an meinem Leben.

So dauerte es natürlich etwas länger als geplant, bis ich in Davons Wacht eintraf, wo das Schicksal mir eine Sklavenabrichterin über den Weg schickte...

((to be continued))

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3

Dienstag, 31. Mai 2016, 23:17

Die Drei müssen mich hassen. Anders kann ich mir die letzten beiden Monate nicht mehr erklären.
Es sah alles so gut aus. Seit Rhahn mit mir reiste, lief es beinahe schon perfekt. Wir konnten in Ebenherz gar einen Ork gefangen nehmen und nach extrem kurzer Zeit verkaufen. Das Geld reichte locker, mir einen Reitguar zu kaufen, was die weitere Reise Richtung Kragenmoor wesentlich erleichtert hatte. Dort angekommen, gabelten wir ein halb verhungertes Etwas in Vyeralas' Behausung auf... Gor'zak hieß der Sklave. Irgendwie ... hatte ich Mitleid mit ihm. Er war ein Dunmer, zwar nur ein Aschländer wohl und ein Sklave, aber ein Dunmer. Ich hatte offen gestanden nie sehr viel von den stümperhaften Abrichtungsmethoden meines alten Freundes gehalten und dieser Gor'zak zeigte nur allzu deutlich, warum ich die Methoden verabscheut hatte. Nicht einmal seinen richtigen Namen, nämlich Valyndril, hatte er behalten dürfen.
Er war schwach, abgemagert, Drogenabhängig und schien nicht einmal mehr ein eigenes Ich zu haben. Ein gebrochener Mann, der wie eine Puppe alles tat, was man ihm sagte. Beim Tribunal, er hätte wohl seine eigene Scheiße gefressen, wenn ich es ihm befohlen hätte!
Vyeralas war viel zu brutal mit ihm umgegangen und die Drogenabhängigkeit der Gestalt hatte wohl auch er zu verantworten. Eine effektive Methode, einen Sklaven zusätzlich zu den Fesseln an einen zu binden, zugegeben. Aber das war zu viel.

Lange blieb dieser Sklave jedoch nicht bei uns. Irgendwo bei Narsis verlor ich ihn und auch Rhahn aus den Augen. Ich gehe davon aus, dass er tot ist. Schade um ihn, aber ich glaube, das ist noch das beste, das ihm widerfahren konnte. Dafür hatte ich in Narsis einen neuen Sklaven fangen können... Ein Kaiserlicher.
Doch meiner Schwester sei Dank war der nicht lange von Nutzen. Ich könnte sie windelweich prügeln, wie sie es mit diesem Kaiserlichen getan hatte! Ich verstehe sie nicht. Auch wenn sie später in Sturmfeste plötzlich ihre ... nette und harmoniebedürftige Seite - ich könnte kotzen - entdeckte. Doch muss ich zugeben, dass sie mir das Leben gerettet hat mit ihrer Magie.

Wir waren in einen Hinterhalt geraten, unweit von Narsis. Ein Hinterhalt, gelegt von ausgerechnet denen, die wir suchten! Und wer war Schuld daran...? Ein verfluchter, junger Dunmer, der meinte, es wäre eine gute Idee, sein Volk zu verraten und den Gesuchten zu helfen. Ich schwöre beim Tribunal, wenn ich diesen verfluchten Sohn eines Guars finde, wird er noch um den Tod betteln. Diese ganze Sache hatte uns unheimlich aufgehalten, da wir eine lange Weile in Narsis bleiben mussten. Verletzt durch die Weltgeschichte jagen ist schließlich keine gute Idee und grenzt an Selbstmord.
In Sturmfeste tauchte er dann tatsächlich wieder auf. Wir hätten ihn haben können... Wir hätten ihn fast gehabt! Aber nein... Vandresi musste wieder dazwischenfunken und eine seltsame Sinneswandlung machen. Letztendlich ist sie gegangen und hatte mich allein zurückgelassen. Die Söldnerin, die sie sogar angeheuert hatte, konnte ich auch nicht mehr finden. Also musste ich gezwungenermaßen zurück nach Gramfeste, zurück nach Hause.

Dort bin ich noch immer. Und langsam, aber sicher geht mir das Geld aus. Wenn ich nur wieder jagen könnte wie in den alten Zeiten!
Es wurde mir sogar ein Nord auf dem Silbertablett serviert. Aber das stellte sich recht schnell als eine Farce heraus, der Nord war etwas ganz anderes als ein gewöhnlicher Nord... So etwas habe ich noch nie gesehen und ich schwöre, ich habe in meinem gesamten Leben noch nie eine solche Todesangst gespürt. Mir wird jetzt noch kalt, wenn ich an diese Nacht zurückdenke. Ich war mir sicher, ich würde sterben. Ich habe die Geschichten um diese Bestienmenschen, die angeblich von Hircine erschaffen wurden, immer für Mythen und Hirngespinste Geisteskranker gehalten. Aber nun stand mir so ein Vieh leibhaftig gegenüber und hätte mich beinahe umgebracht. Ich bete jeden Abend zu den Dreien, dass ich so etwas nie wieder sehen und bekämpfen muss. Nie wieder.
Und ausgerechnet einer Aschländerin habe ich mein Überleben zu verdanken, ebenso einem Soldaten des Hauses Dres. Genau dieser Soldat ist nun ein Dauergast bei mir, da ... ich muss darüber eigentlich einfach nur lachen ... das feine Töchterlein Dres mir angeblich den Garaus machen möchte. Ich verstehe nicht, warum ich gleich einen solchen Schrank von Soldat als Leibwache brauche... Mit diesem unerfahren Ding werde ich im Halbschlaf fertig.

Zumindest, wenn meine Rippenbrüche wieder ganz verheilt sind. Verdammte Bestie.

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Nurian (01.06.2016), Bonnylie (01.06.2016), Schollenbruch (06.06.2016), Norven (04.10.2016), Aykami (31.05.2018)

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Dienstag, 9. August 2016, 21:58

Es hat sich kaum etwas verändert, seit ich das letzte Mal hier war. Wie lange ist es nun her? Zwanzig Jahre? Dreißig? Ich weiß es nicht mehr. Das Anwesen sieht noch genauso aus wie früher. Einzig die Anzahl und Gesichter der Sklaven haben sich verändert. Es sind neue hinzuhgekommen, die meisten habe ich noch nie gesehen. Wer weiß, wo sie her sind. Ich habe sie zumindest nicht beschafft, also kennen sie wenigstens mein Gesicht nicht. Ich brauche nicht auch noch hier irgendwelche spontanen Racheaktionen früherer Ware...
Es fühlt sich schon seltsam an, durch die Hallen und Gänge zu schreiten, die ich früher mein "zu Hause" nannte. Es kommt mir vor, als sei es gestern gewesen, dass ich das letzte Mal hier war und geduldig auf eine Audienz mit meiner Mutter wartete. Audienz... Pf. Meine eigene Mutter nennt es so, auch wenn ich ihr Fleisch und Blut bin. Als wäre ich ein bloßer Bittsteller und nicht ihr Sohn. Aber so war sie schon immer gewesen. Distanziert, kühl, berechnend. Doch auch auf ihre Weise sanft und mütterlich liebend. Ich liebe meine Mutter, keine Frage.

"Hyadriil, mein geliebter Sohn..."
Sie ist alt geworden. Die Frau, die nun durch die hohe Tür tritt, die Arme ausgebreitet, hat viele Falten bekommen, insbesondere um die Augen, was ihr warmes Lächeln verrät. Doch sie ist eindeutig meine Mutter. Ihre Umarmung fühlt sich noch immer nach Geborgenheit an und das Lächeln, mit dem sie mich von oben bis unten mustert, ist noch immer von mütterlicher Zuneigung durchdrungen. Ich kann nicht anders, als dieses Lächeln zu erwidern.
"Mutter, schön, Euch bei bester Gesundheit zu sehen."
"Wo ist dein Vater? Bist du allein?" fragt sie und ich nicke.
"Er ist noch in Gramfeste, geschäftliches. Ihr wisst sicher Bescheid, Mutter."
Sie antwortet mit einem Nicken und löst sich von mir. Das Rascheln der feinen Roben, die sie trägt, jagt mir diffuse Bilder der Erinnerung an vergange Tage durch den Geist.
"Und was führt dich hierher, mein Sohn?" fragt sie nun und faltet die Hände gesittet vor ihrem Schoß. Wäre ich nicht ihr Kind, würde die Würde, die sie ausstrahlt, mich wohl regelrecht einschüchtern. Tatsächlich hege ich einen tiefen Respekt vor ihr, der mich den Blick senken lässt.
"Ich wollte Euch besuchen und sehen, wie es Euch geht. Und... über etwas mit Euch sprechen, was Vater eingefädelt hat"
Sie lacht. Leise nur, aber sie lacht. Als ich den Blick hebe, kann ich in ihren Augen erkennen, dass sie genau weiß, worum es geht. Sie weiß offenbar Bescheid und stimmt mit meinem Vater in dessen Plänen überein. Doch ich möchte es selbst in ihren Worten hören.
"Ihr wisst also, worauf ich anspiele...?" hake ich zögerlich nach. Das Schmunzeln meiner Mutter ist eigentlich schon Antwort genug.
"Mein Lieber... Natürlich weiß ich von den Plänen, die Vavahyn für dich hat. Und ich stimme ihm zu. Du bist mehr als alt genug und solltest eigentlich schon längst Frau und Kinder haben. Du musst auch uns verstehen. Wenn keine Nachkommen da sind, stirbt unsere Familie aus." Gerade, als ich zu einem Widerspruch ansetze, bringt mich ihre erhobene Hand auch schon zum Schweigen. "Vandresi ist keine Option. Du weißt selbst, dass sie nicht die Zeit aufbringen kann, eine Familie zu gründen und damit unser Erbe fortzusetzen. Du bist der Sohn des Hauses Marvroth, es ist deine Pflicht deiner Aufgabe als einziger und damit ältester _Sohn_ nachzukommen."
Wie soll ich diesen Worten widersprechen. Es widerstrebt mir, ich fühle mich völlig hilflos und ausgeliefert. Ein klein wenig wieder wie ein Kind. Ich möchte nicht heiraten, schon gar nicht eine Frau, die ich weder richtig kenne, noch liebe. Doch auch wenn ich kein Wort sage, meiner Mutter kann ich nichts vormachen. Sie kann in mir lesen wie in einem offenen Buch. Diese Eigenschaft habe ich schon als Jugendlicher eher gehasst. Es ist verdammt unpraktisch...
"Die Familie Trizh ist ehrbar und ihre Tochter ist alles andere als eine schlechte Partie, Hyadriil. Du solltest sie doch bereits kennengelernt haben?"
"Mutter, ich ... wie soll ich sie guten Gewissens heiraten können, wo ich sie doch gar nicht kenne und keine Gefühle für sie hege?" begehre ich nun doch auf, wenn auch eher halbherzig. Ich weiß, dass ich gegen meine Eltern auf verlorenem Posten stehe. Früher oder später muss ich mich ihrem Willen beugen. Ich habe keine Wahl, wird mir spätestens bei den weiteren Worten meiner Mutter schmerzlich bewusst.
"Auch ich habe Vavahyn nicht geliebt, als wir verheiratet wurden, Hyadriil. Und er mich ebenso wenig, glaube ich. Aber wir haben uns gefügt und die Liebe kam mit der Zeit. Auch du wirst deine Zukünftige lieben lernen, glaube mir. Es ist das Beste für dich und auch für sie. Und vor allem für unsere Familien. Und ist die Familie nicht das höchste und heiligste nach dem Tribunal?"

Jegliches Wort des Widerspruchs bleibt mir im Halse stecken. Weiterhin protestieren käme fast schon Blasphemie gleich. Wie es aussieht, habe ich diesmal wirklich keine andere Wahl, als mich widerwillig meinem Schicksal zu beugen.

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Golli (10.08.2016), Elfenblut (10.08.2016), Norven (04.10.2016), Aykami (31.05.2018)

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Freitag, 19. August 2016, 19:16

Wüste... Ich war noch nie in einer derartigen Wüste. Ich kenne die trockene, staubige Hitze Vvardenfells. Ich kenne es, das Haar und die Lungen voller Asche zu haben, ich kenne Ascheregen und sogar Aschestürme. Aber Sandwüste... Mit einem kreischend blauen Himmel und der Sonne, die derart unerbittlich auf den Kopf knallt, dass es einem schwindelt. Das ist neu. Genauso wie der nächtliche Gegensatz von eisiger Kälte, die einen töten kann, wenn man sich nicht entsprechend vorbereitet. Ich habe darüber gelesen, aber etwas in der Theorie wissen und verstehen ist etwas völlig anderes, als es am eigenen Leib zu erleben.

Der Unterschlupf in Abah's Landung ist nicht allzu viel besser. Zwar kommt die Sonne dort nicht hin, aber das heißt nicht, dass es dort kühler ist. Im Gegenteil. Dort ist es ebenso warm und feucht noch dazu. Elend schwül ist es dort, einschlafen fällt enorm schwer. Ich will nicht wissen, wie es sich in meiner üblichen Lederrüstung oder gar in Ilduins üblicher Panzerung anfühlen würde. Wir würden wahrscheinlich mindestens einen Hitzschlag erleiden.

Allerdings scheint diese Hitze zumindest einem von uns in den Kopf zu steigen. Ich weiß nicht, was in Aymmirs Schädel vorgeht. Ich muss zugeben, ich hätte niemals damit gerechnet, dass er... Aber schön, wenn er ein Spiel will, kann er gern ein Spiel haben. Seine Reaktion auf die meine war abzusehen, aber auch amüsant. Offenbar hatte er etwas völlig anderes erwartet. Vielleicht hat er ein wenig dazugelernt. Eigentlich bin ich sogar fast schon gespannt, was er noch alles zu tun gedenkt, um irgendwie „unberechenbarer“ zu werden. Er muss noch viel lernen... Doch ist er ja noch recht jung. Und hat Zeit, wenn er Glück hat.
Er sollte dieses Spielchen nur nicht zu weit treiben, denn ich bin mir sicher, dass er am Ende derjenige sein wird, der leidet. Und das nicht wenig, schätze ich.

So wie unser Kätzchen, wenn es nicht langsam die Schnauze öffnet und uns sagt, was wir hören wollen.

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Golli (21.08.2016), Norven (04.10.2016), Aykami (31.05.2018)

6

Dienstag, 4. Oktober 2016, 02:23

Manchmal sehne ich mich schon ein wenig nach Ruhe. EInfacher Ruhe und einem friedlichen Leben. Nicht Haus, Frau und Kinder zwar, aber irgendwie... Einfach nur ein sorgenfreies Leben. Doch dann, wenn ich mir ein solches Leben bis ins kleinste Detail vorstelle, überkommt mich ein Gefühl der Langeweile. Der Drang, wieder - oder eher weiterhin - das zu tun, was ich tatsächlich tue. Der Spruch, dass man immer das will, was man gerade nicht hat, scheint irgendwo zu stimmen.

Den Auftrag in Abah's Landung haben wir erfolgreich beenden können, wenn auch mit etwas Verlust in Form eines Schwerverletzten. Aymmir muss sich immer noch von den Rippenbrüchen erholen und ist nicht voll einsatzfähig. Und ich muss gestehen, dass ich mich um ihn sorge. Insbesondere jetzt, wo ihn seine Vergangenheit einholt. Ich hoffe, dass ein Erlass gestattet wird, um diesen Aznar endgültig zu beseitigen. Niemand bedroht ungestraft meine Leute.
Auch Ilduin hat noch immer mit seinem Knie zu kämpfen. Er beschwert sich nicht und er versucht, sich nichts anmerken zu lassen, aber sein Gesicht spricht mehr Bände, als er selbst wohl weiß. Ich hoffe, beide sind bald wieder vollständig genesen. Wir brauchen mehr denn je jeden von uns bei vollster Kraft und Gesundheit.
Die Ordinatoren sind uns auf den Fersen, auch wenn sie nicht um unsere Identitäten wissen. Dennoch möchte ich jede Begegnung mit ihnen meiden und vor allem will ich nicht, dass sie allzu bald in unserem Lager stehen und alles in sich zusammenfällt. Unser Gefangener muss schleunigst woanders hinverbracht werden.

Hicks hat zu diesem Zweck eine Höhle vorgeschlagen, im Norden. Ich möchte diese Höhle nur ungern nutzen. Ich traue dieser Echse noch immer nicht. Es gab in Abah's Landung und auch hier in Gramfeste zwar noch keinerlei Probleme trotz seines umfangreichen Wissens um unsere Organisation, aber er ist am Ende eben doch immer noch eine Echse. Argoniern kann man niemals trauen. Sie sind ebenso hinterhältig und listig wie die Khajiit, nur weniger diebisch. Ich habe ein ungutes Gefühl, wenn ich an diese Höhle denke. Irgendetwas sagt mir, dass es eine Falle ist, in die er uns lockt, um uns zu verraten. Wir müssen mehr als nur vorsichtig sein, denn warum sollte er nicht einem Volksgenossen helfen?
Soll er nur glauben, dass wir seinen Vorschlag dankbar annehmen. Wo wir unser neues Lager einrichten, wird er nicht erfahren.

Wenigstens haben wir mehr Unterstützung bekommen. Zwei Mitglieder des Hauses Dres sind nun bei uns, eine davon sogar Heilerin. Das erleichtert unsere gesamte Arbeit enorm, es muss nun kein externer Heiler mit irgendwelchen Notlügen und Alibis mehr hinzugezogen werden. Weder zur Behandlung meiner Leute noch zur Versorgung von Gefangenen.

Ich hoffe, wir können bald wieder auf die Jagd gehen. Wenn diese verdammten Ordinatoren nur nicht wären... Almsivi vergebe mir.

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Lyetas (04.10.2016), Norven (04.10.2016), Changeling (04.10.2016), Aykami (31.05.2018)

7

Dienstag, 1. November 2016, 16:41

((Ich muss nun in die dritte Person der Erzählperspektive schwenken, da mir die Ich-Perspektive doch langsam zu anstrengend wird. ;) ))

Die Sonne brach über Gramfeste herein. Ein völlig unschuldiger Morgen, der den Tempel der Göttlichen Drei in ein erhabenes Licht tauchte. Der Markt füllte sich langsam mit den ersten Besuchern, die in der Frühe auf die frischesten und neuesten Waren hofften, noch während die Händler erst ihre Stände öffneten.
Verschlafen noch lag das Wohnviertel der Stadt im kühlen Tau der Nacht.

Bis ein animalisches Brüllen aus einem der Wohnhäuser die nahen Vögel aufscheuchte. Der Schrei zeugte deutlich von Wut, ja nahezu Raserei und wenig später schreckten Passanten ein wenig zurück, als aus dem gleichen Hause ein Krach zu hören war, als werfe jemand ganze Möbel durch das Haus. Einzig die darauf eintretende Stille und gebrüllte Wortfetzen, die nach draußen drangen und bewiesen, dass es sich nicht um einen Kampf oder Überfall handelte, ließ die Passanten nicht gleich Ordinatoren rufen. Auch wenn eine Patrouille der Tempelwachen, die ebenso von dem ungewöhnlichen Lärm aufmerksam wurde, vor dem Haus stehenblieb und lauschte.

Ilduin stand nahe der Tür an der Wand. Stoisch die Hände hinter den Rücken gelegt und kaum eine Miene verziehend, bis auf ein leichtes Zucken der Kiefermuskeln, beobachtete er Hyadriil, der in seiner Raserei förmlich die Inneneinrichtung seines Heims zerlegte. Der Esstisch lag bereits auf der Seite am Boden, sämtliches Geschirr darum herum verteilt und auch der Schrank war der Wut des Dunmer zum Opfer gefallen. Die blinde Raserei gab dem eigentlich eher drahtigen Sklavenjäger unglaubliche Kraft.
"Bin ich denn von Kleinkindern umgeben!!!" brüllte der Rotschopf und packte einen der Stühle, die noch standen und warf ihn an die nächstbeste Wand. Nur haarscharf am zerbrechlichen Fenster vorbei. Ilduin reagierte nicht. Lediglich eine Braue des Soldaten wanderte ein wenig in die Höhe.
"Ich reiße mir den verdammten ARSCH auf, um ihn zu schüzen und ihm fällt nichts besseres ein, als ALLES zu NICHTE zu machen?!", ereiferte sich Hyadriil weiter und beinahe wahnsinnig vor Zorn riss er den Stuhl, den er eben erst geworfen hatte, an sich, um ihn mit aller Wucht immer wieder gegen die Wand zu schleudern, bis das Splittern von Holz zu hören war.
Dies hingegen war nun auch dem Soldaten zu viel und Bewegung kam in den kleinen, gestählten Leib. Festen Schrittes legte er die Distanz zwischen sich und dem berserkenden Mer zurück, um Hyadriil fest am Oberarm zu packen und zu sich herumzureißen. Der Griff zeigte Wirkung, denn schwer schnaufend und mit loderndem Wahnsinn im Blick starrte der Größere dem Soldaten in die Augen. Einige Strähnen des roten Haares hatten sich während des gesamten Prozederes aus dem Zopf gelöst und hingen dem Dunmer wirr ins Gesicht.

"Es reicht, Marvroth", grollte die tiefe Stimme Ilduins in beinahe schon bedrohlicher Ruhe. Mit einem kräftigen Ruck riss Hyadriil seinen Arm aus dem fast schraubstockartigen Griff und starrte den Soldaten schnaubend in Grund und Boden. Doch war ihm wohl klar, dass alles Toben nichts brachte. Er musste sich beruhigen.

"Er will es ja nicht anders...", flüsterte Hyadriil zischend und wandte sich mit einem Ruck um, steuerte eine der Wände an und presste seine Handflächen gegen den kalten Stein.

Beruhigen. Einfach erst beruhigen...

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Changeling (01.11.2016), Lyetas (01.11.2016), Norven (01.11.2016), Aykami (31.05.2018)

Rae

Denker

Beiträge: 247

Gilde: Faroth Tong, Rollenspielgilde

Allianz: Ebenherz-Pakt

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8

Sonntag, 20. Mai 2018, 19:28

((Lange, lange ist es her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Viel ist zwischendrin im RP passiert, grob kann man alles hier nachlesen. Im Folgenden wird nur auf die neuesten Ereignisse eingegangen, die im letzten halben Jahr geschehen sind. Es handelt sich hier hauptsächlich um eine Art Innenansicht meines Chars Hyadriil.
WARNUNG: Gewalt, Blut, FSK 16))


TEIL 1
Warm und weich legte sich das Licht der einzigen Kerze auf Möbel, Boden, Wände und den Mer, der auf dem Bett saß. Still war es in dem Raum, kein Laut drang von außen hinein und nur der eigene Atem war für den Dunmer zu hören, der ein Bein angewinkelt hatte, um einen Arm auf dem Knie ruhen zu lassen. Den Kopf hatte er seitlich auf diesen Arm gebettet und die roten Augen waren halb geschlossen auf einen Gegenstand in der anderen Hand gerichtet. Es handelte sich um eine fast schon winzige Phiole, von denen Hyadriil einen ganzen Vorrat mitgenommen hatte auf diese Expedition. Der Inhalt versprach ruhigen Schlaf und vor allem das Ertragen der Alpträume, die dem Sklavenjäger bereits seit Monaten am Verstand nagten.


Er genoss die Ruhe, die er des Abends allein in dem Gästezimmer hatte. Das einzige, das ihn etwas störte, schlicht weil er es nicht gewohnt war, war der leicht pilzige Duft, der hier alles umgab. Immerhin befand er sich in einem der Pilztürme von Sadrith Mora. Genauer gesagt im Anwesen der Familie Duril Isuma Telvandrils, einem seiner neuen Rekruten. Das Geld der Sklavenjägerorganisation war knapp, so hatte man dankbar das Angebot Durils angenommen, bei dessen Familie zu nächtigen, statt das wenige Geld für ein Zimmer im Gasthaus auszugeben. Allzu lange würde man jedoch nicht hier verweilen, der Weg sollte die Gruppe Dunmer bis nach Nchuleft, alte Dwemerruinen nicht allzu weit von Sadrith Mora entfernt, führen. Die Expedition war nötig, stellte sie doch eine Bezahlung für die Dienste Llevins dar, der eine dringend notwendige Verzauberung für die Faroth Tong geschaffen hatte. Noch immer war nicht alles ausgestanden, was zum Beginn des Jahres die Organisation vor eine schwere Prüfung gestellt hatte.


Hyadriil seufzte und verzog leicht das Gesicht, als er die Augen für einen Moment schloss. So sehr er die Stille hier im Raum auch genoss, so führte sie doch auch dazu, dass ungewünschte Gedanken und Erinnerungen im Geist des Dunmers an Macht gewannen. Langsam öffnete er die Augen und heftete den Blick auf die kleine Phiole, die er in seiner Hand langsam drehte. Der Inhalt schien beinahe zu leuchten, als das warme Kerzenlicht auf das Gläschen fiel. Langsam aber sicher vergaß er, wo er war, während die Bilder der Vergangenheit sich vor sein geistiges Auge drängten, um das immer gleiche Theater vor ihm aufzuführen.


Es hatte alles bereits vor dem missglückten Überlebenstraining in Ostmarsch seinen Anfang genommen. Langsam nur fing alles an, beinahe harmlos. Hyadriils alter Freund, Vyeralas, erschien ohne Vorwarnung. Der Tote, der nicht mehr als ein Ahnengeist war, hatte offenbar keine Ruhe finden können, ohne Grab, ohne anständige Zeremonie. So erschien er dem Dunmer, oder vielmehr dessen Gefährten, und stellte absurde Forderungen, wie sie nur diesem verdrehten Geist hatten entspringen können. Natürlich tat Hyadriil alles, um diese Begebenheiten vor seinen Leuten zu verbergen. Er hatte nie Panik schüren wollen, hatte niemanden in vermeintliche Gefahr bringen wollen. Zunächst funktionierte dies sogar und die Dunmer hatten zumindest in Ostmarsch gänzlich ihre Ruhe vor dem verwirrten Ahnengeist. Erst in Rift, als die Gruppe bereits auf dem Rückweg in heimatliche Gefilde war, begann der Geist Vyeralas‘ damit, zur Gefahr zu werden. Wo er zuvor allein Hyadriil und Thumar mit dem Aufreißen längst verschütteter Erinnerungen gequält hatte, ging er in Rift dazu über, den Körper Hyadriils zu übernehmen, den Dunmer zu besetzen und gar seine Mitreisenden anzugreifen. Lange währten diese Anfälle von Besessenheit zumeist nicht, Vyeralas Macht war nur gering und mehrere Male wurde er durch Bannzauber vertrieben, die Lilonah Nyrandil webte. Und doch schaffte der Ahn es, mit jedem Mal, das er den Leib seines Opfers übernahm, mehr Kontrolle über ihn zu gewinnen. Wo er zu Anfang nur dazu in der Lage war, durch den Mund Hyadriils zu sprechen, schaffte er es am Ende, dessen Leib vollständig zu kontrollieren und sogar Magie zu wirken.


Hyadriils Verstand und ebenso sein Leib zerrütteten mehr und mehr unter der Tortur der Besessenheiten. Nicht nur strengte es seinen Leib derart an, dass er jedes Mal, wenn der Ahn aus ihm vertrieben wurde, zusammenbrach, es stürzte ihn ebenso in tiefe Verzweiflung und furchtbare Angst, denn er besaß stets keine Erinnerung an das, was Vyeralas sprach und tat, während er im Leib seines Opfers weilte. Was Hyadriil zu jenem Zeitpunkt noch nicht einmal ahnte, war, dass die wahre Hölle ihm noch bevorstand.


Außer sich vor Verzweiflung und dem Wahnsinn nahe hatte er gewesen sein müssen, als er eine Gruppe N’wah in die Festung der Faroth Tong ließ. Seine Leute und insbesondere seine rechte Hand Norven Amaven Dres blieben dem Dunmer loyal, auch wenn einige unter ihnen durchaus bemerkten, dass ihrem Anführer langsam aber sicher der rationale Verstand abhandenkam. Klamm und bedrückend war die Atmosphäre im Quartier der Sklavenjäger, als die N’wah kamen, um auf Wunsch und Befehl Hyadriils ein gar ketzerisches Ritual an ihm durchzuführen, das den Ahnengeist endgültig vertreiben und vernichten sollte. Der Dunmer selbst bemerkte nicht, wie paradox und irrational, ja irrsinnig dieses Vorhaben war. Er litt unter einer solch rasenden Angst davor, als Ketzer gebrandmarkt zu werden vom Tempel der Drei, dass er es nicht wagte, genau dort Hilfe zu suchen. Er bemerkte nicht, dass das, was er stattdessen zu tun gedachte, die reinste Blasphemie und Ketzerei sein würde.


Umeran Teros war es schließlich, der den Sklavenjäger in letzter Minute und unter Androhung der Stürmung der Feste durch Ordinatoren, dazu bringen konnte, sich in die Hände des Tempels zu begeben. Resigniert ließ Hyadriil sich aus der Festung geleiten, bis hinunter zur Straße gen Ebenherz, auf der bereits ein Karren wartete, geleitet von Ordinatoren der Wacht und einem Priester. Auf dem Karren fand sich ein Käfig, mannshoch und gerade groß genug, dass ein ausgewachsener Dunmer darin stehen und sich um sich selbst drehen konnte. Die Gitter dieses Käfigs waren über und über mit Bannrunen bedeckt, die den Ahn davon abhalten sollten, erneut in den Leib des Gefangenen zu fahren. Widerstandslos begab sich Hyadriil, der bereits von den Qualen durch den Geist sichtbar gezeichnet war, in den Käfig. Man brachte ihn nach Ebenherz, in den Tempel, so wie es von Anfang an hätte sein sollen. Dort wurde der Rothaarige zunächst für eine Nacht in eine Zelle gesperrt und sich selbst überlassen. Hyadriil, der all die Stunden reglos und wach auf dem Bett lag, kam die Nacht wie eine Ewigkeit vor. Niemand kam zu ihm, niemand sah nach ihm und nur der betende Singsang der Tempelakolythen drang von draußen an seine Ohren.
Eine ewige, ununterbrochene Litanei, die weder beruhigend, noch aufkratzend auf den Mer wirkte. Erst am nächsten Tag wurde die Tür der Zelle aufgesperrt und ein Priester kam in Begleitung zweier Ordinatoren zu ihm, im Hintergrund begleitet von einem mehr als besorgten Thumar. Und für Hyadriil begann ein Höllentrip, an dessen Folgen er bis in die Gegenwart leiden sollte…
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Aykami (29.05.2018)

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Sonntag, 20. Mai 2018, 19:38

TEIL 2


Hyadriil setzte sich schwerfällig auf und grüßte den Priester mit der Demut, die hier an diesem heiligen Ort angebracht war. Der Priester stellte Fragen, die er wohl ebenso bereits Thumar gestellt hatte. Und recht bald zeigte sich, warum gleich zwei Ordinatoren zugegen waren, von
denen einer während der Befragung einen Zauber vorbereitete. Die Atmosphäre in der kleinen Zelle schien sich zu verdichten, drückender wurde sie, während der Goldene lautlos den Zauber vorbereitete.


Hilflos war er Vyeralas' Eindringen ausgeliefert, als er in der Zelle vor dem Priester saß. Er wehrte sich, brachte all seinen Willen auf, der noch nicht durch die Nacht in jener Zelle zermürbt war, doch drängte sich der Ahn ihm gnadenlos auf und schob ihn beiseite, die Kontrolle über seinen Leib übernehmend. Er sah zu, als würde er hinter Vyeralas stehen und ihm über die Schulter schauen. Sah, was er sah, hörte, was er sprach.
Und konnte nichts davon verhindern oder unterbrechen. Wie gelähmt war sein Geist im eigenen Leib gefangen, zur Bewegungslosigkeit verdammt. Er konnte schreien, oh ja. Doch hörte niemand ihn. Er schrie sich die Kehle wund, schrie Thumar entgegen, dass diese widerlichen Worte nicht von ihm kamen, doch Thumar konnte ihn nicht hören.
Hyadriil war wie in einer Blase gefangen, die keinen Laut nach außen dringen ließ. Als er hörte, wie der Priester fragte, ob er die Gnade ALMSIVIs annehmen und kooperieren würde, warf er sich regelrecht gegen die Wand dieser Blase und brüllte wie von Sinnen, dass er jede Gnade annehmen wollte.

Doch Vyeralas antwortete gegenteilig.

Hyadriil spürte die astralen Fesseln an seinen Gelenken, wie sie seinen Leib ans Bett fesselten. Unerbittlich, schmerzhaft. Spürte, wie er an den Armen von jenem Bett gerissen und durch die Gänge des Tempels geschleift wurde. Und er war rasend vor Angst. Er wusste, dass weder der Priester noch die Ordinatoren Gnade kannten, wenn Vyeralas nicht endlich einlenken sollte. Denn ein zweites Mal wies er die Gnade des Tribunals
ab und sparte nicht mit blasphemischen Beschimpfungen.



Hyadriil hatte noch nie einer Läuterung beigewohnt. Er hatte keine Ahnung, wie derartiges ablief, doch er erinnerte sich daran, wie Numyn einst Lilonah exorziert hatte. Er erinnerte sich an das grausame Schauspiel vor seinen Augen, das ihm den Magen umdrehte. Angst, ja Panik stieg in ihm auf und wie von Sinnen schrie und brüllte er, gefangen in seinem tiefsten Inneren. Machtlos erlebte er mit, wie sein Leib an den astralen Ketten aufgehängt und fixiert wurde.

Und ein drittes und letztes Mal spuckte Vyeralas auf das Angebot der Gnade. Hyadriil heulte auf wie ein Wolf, der von einem Pfeil durchbohrt wurde. Und das Grauen begann.Der Priester setzte den ersten Schnitt, quer über eine seiner Narben und der Schmerz durchzuckte seinen Leib wie ein Stromschlag. Erinnerungen
prasselten auf Hyadriil ein, Erinnerungen an das Blutritual damals. Ohnmächtig war er der Erinnerung ausgeliefert und mit jedem Schnitt durch die Hand des Priesters wurde das Bild klarer. Bis er völlig vergessen hatte, dass er im Tempel ALMSIVIs war. Die Erinnerung war so real, verstärkt
durch den wirklich realen Schmerz der Schnitte, dass Hyadriil zurück in sein 21-jähriges Ich geschleudert wurde. Um das grausige Ritual in allen Details erneut zu durchleben. Dort, wo in der realen Welt der Priester stand, kniete Vyeralas vor ihm und wirkte die unheilige Magie, während ein Schnitt nach dem anderen seine Haut zerriss, bis sich sein ganzer Leib anfühlte, als sei er eine brennende, blutige Fackel. Hyadriils Bewusstsein schwand. Langsam legte sich lockende, wohltuende Dunkelheit auf sein Sein. Der rasende Schmerz ebbte ab, als habe Almalexia selbst ihr Kind aus der Folter in ihre liebenden, schützenden Arme gezogen.


Jäh wurde dieses Gefühl zerrissen von dem Gefühl einer eiskalten Klaue, die sich um Hyadriils Herz zu legen schien. Es war der Moment, in dem sein Leib in der realen Welt zu schreien begann. Der eisige Griff drückte... presste und zerrte an Hyadriils Herz und der Schmerz trieb ihn beinahe in den Wahnsinn. Dass es die Magie war, die der Priester wirkte und die nach den Seelen im Leib des Rotschopfs griff, war ihm in jenem Moment nicht bewusst. Jeder rationale Gedanke, jedes Gefühl und jede Emotion waren ausgeschaltet und einer einzigen Empfindung gewichen, die Hyadiil lautstark hinausschrie: Reiner, unverfälschter und reinigender Schmerz.
Es raubte ihm den Atem und er fühlte regelrecht, wie sein Verstand immer mehr feine Risse bekam, wie ein Spiegel, der einer Belastung nicht mehr standhalten konnte und schlussendlich zersprang. Er wusste nicht mehr, wo er war, wer er war und warum er überhaupt hier war. Er wusste nur, dass er einfach nur wollte, dass dieser Schmerz aufhörte. Dass dieses Gefühl, gewaltsam aus seinem eigenen Leib gerissen zu werden aufhörte.

Und das tat es mit einem jähen Ruck, als sein Leib nicht mehr standhalten konnte. Tiefe Schwärze umfing Hyadriil und ließ ihn endlich ruhen. Lange hatte Hyadriil gebraucht, um sich zumindest körperlich von der Läuterung zu erholen. Er hatte viel Blut verloren, fast sämtliche Magicka und Lebenskraft waren ihm mit Vyeralas entrissen worden, noch im Tempel versagte gar sein Herz für einen bangen Moment und er war wochenlang ans Bett gefesselt. Darüber hinaus war er für immer sichtbar gezeichnet. Nicht nur die Besessenheiten hatten den Dunmer Lebenskraft gekostet, auch die Läuterung hatte ihn einige Jahre seiner Lebenserwartung gekostet. Weiße Strähnen durchzogen fortan das einst
kräftig rote Haar, er schien um mindestens 20 Jahre gealtert und sein Leib war ein einziges Schlachtfeld aus Narben. Auf der Brust des Sklavenjägers sollte fortan ein nach oben weisendes Dreieck prangen, an dessen Spitzen sich die daedrischen Buchstaben Ayem, Vehk und Seht
fanden.

Der Geist, die Seele des Dunmers jedoch litt weit länger unter der vergangen Tortur. Immer wieder war er auf alchemistische Beruhigungsmittel angewiesen, um das innerliche Rasen, die ständige Nervosität zu lindern. Und viel zu oft griff er zum Sujamma, um sich zu betäuben und die unkontrollierbar auftauchenden Bilder der Erinnerung zu vertreiben.


Nicht einmal die Hochzeit Lilonahs und Numyns verlief gänzlich unbeschwert für Hyadriil. In dem Moment, in dem das Blut der Brautleute unter dem Segen der Ahnen vermischt wurde, ausgerechnet mit einem Ritualdolch, verschwamm die Realität vor den Augen des Mers und mischte sich mit den grotesken Bildern der Läuterungskammer im Tempel und jenen Bildern des verdrehten Blutrituals, das er vor einem halben Jahrzehnt mit Vyeralas durchgeführt hatte. Die gleichen Bilder, die ihn seither beinahe jede Nacht heimsuchten, wenn erdie Fähigkeit des Träumens nicht mit einem Trank unterdrücken konnte.


Einen ähnlichen Trank hielt er nun hier noch immer in der Hand, die kleine Flasche noch immer gemächlich zwischen den Fingern drehend.
Zwar würde dieser Trank nicht verhindern, dass er träumte, doch würde er zumindest dafür sorgen, dass die Alpträume keine allzu große Macht
hatten. Er würde verhindern, dass Hyadriil völlig von Sinnen erwachte und vielleicht Dinge tat, die er bei vollem Verstand nicht tun würde.
Routiniert entkorkte er das kleine Behältnis und trank den Inhalt in einem Zug aus. Scham überfiel ihn unvermittelt, als er die leere Phiole zurück in seinen Rucksack packte. Er schämte sich zutiefst über seinen Zustand, den er nach wie vor geheim zu halten suchte vor allen anderen.
Und am meisten schämte er sich dafür, dass nicht nur er selbst leiden musste. Thumar litt nicht minder unter allen Geschehnissen, denn der
Klingenmeister hatte der Läuterung damals beigewohnt, hatte alles mit angesehen, was gewiss ein alles andere als schöner Anblick gewesen war.



Das einzige, was Hyadriil davon abhielt, sich aufzugeben, war die Organisation, in deren Aufbau er so viel Herzblut gesteckt hatte und seine Leute, die ihm noch geblieben waren und neu hinzugekommen waren. Er konnte und wollte niemanden enttäuschen und so tat er weiterhin alles, was nötig war, eine Mauer um sich selbst zu bauen und nichts von den inneren Schlachten nach außen dringen zu lassen. Seine Leute vertrauten ihm, achteten ihn und nichts war ihm mehr zuwider, als sie zu enttäuschen. So stürzte er sich in die Arbeit, hatte nicht lange überlegt, als Llevin die Expedition anbrachte und Hyadriil das Angebot unterbreitete, seine Dienstleistung mit einer Dienstleistung in Form von Geleitschutz abzugelten. Alles, was ihn ablenkte und auf andere Gedanken brachte, kam dem Dunmer nur recht. Irgendwann, so hoffte er, würde seine Seele Heilung und Ruhe finden.
((Kommentare, Anmerkungen, Verständnisfragen etc. sind hier gern gesehen!))
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Rae« (20. Mai 2018, 19:43)


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