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Daglafor

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Freitag, 27. Juni 2014, 14:39

Der Sohn ohne Namen

An diesem Morgen erhob sich Léstard aus seinem eigenen Bett. Dort die Nacht zu verbringen war selten sein Bestreben, aber er hatte keinen Grund zur Klage denn am vorangegangen Abend hatte er sein Vergnügen bereits am Strand gehabt, mit einer rauen, aber überaus verführerischen Söldnerin deren Leidenschaft zu wecken ihm beinahe ein ebenso großes Vergnügen war, wie sie letztlich zu genießen. Er war sich recht sicher, dass sie "Angebot" in den kommenden Tagen gerne noch das ein oder andere Mal in Anspruch nehmen würde und freute sich darauf. Natürlich würde er Diskretion wahren, schließlich handelte es sich hier nicht um eine dumme Bauernmagd die man mit einem Augenzwinkern eroberte und der man dann die große Liebe versprach um sich dann, während sie sich fragte ob sie schwanger sei oder nicht, aus dem Staub zu machen. Nein, Frauen wie diese wussten genau wen sie vor sich hatten, was von ihm zu erwarten war und was nicht. Und so war es ihm auch am liebsten.

Léstard liebte die Frauen und die Frauen liebten ihn. Für ihn reichten meist wenige Augenblicke um zu wissen welche er sofort haben konnte, welche er erobern musste und welche unerreichbar bleiben würde. Die Unerreichbaren zu erreichen war definitiv sein Lieblingsspiel. Er war ein schöner Mann, vollkommen in seiner Art und sich dessen nur allzu bewusst. Aber er wusste eben, dass auch Schönheit im Auge des Betrachters liegt und bisweilen mit anderen Tugenden bestärkt werden muss, um den Gesamteindruck anzuheben. Ein Spiel eben, ein Spiel des Lebens das er liebte und beherrschte wie wenige andere. Er liebte es so sehr, dass er die Hälfte seines Daseins damit verbrachte.

Aber nun, bei Sonnenaufgang war es Zeit, sich der anderen Hälfte zu widmen. Er zog sich eine kurze Hose aus Baumwolle an und begann dann auf dem Boden mit Liegestützen, 50, 60, 100... Bauchmuskeln, Rückenmuskeln, für jede Partie gab es ein Programm und jedes Programm wurde mit eiserner Disziplin durchgeführt. Viele bewunderten seinen perfekt gestalteten Körper, doch die wenigsten sahen hinter seine Fassade des ständig kokettierenden Gecken und dachten darüber nach, was erforderlich war, oder auch nur der Grund dafür, dass er über diesen Körper verfügen konnte. Normalerweise lief er viel, aber da er schon auf einer Insel war, konnte er hier auch schwimmen gehen. Er schwamm weit hinaus, bis er kaum noch die Kraft hatte, es wieder zurück zu schaffen. Aber er schaffte es. Dann Essen, wenn möglich zu festen Zeiten, danach Übungen mit der Waffe.

Wenn er in die Öffentlichkeit trat, war er so gut wie nie bewaffnet. Dies war seine andere Form von Ertüchtigung, dass er sich immer darin schulte, ohne Konflikten aus dem Weg zu gehen, diese, so sie eintraten, ohne Waffengewalt wieder lösen zu können. Und solche Konflikte waren nicht selten in seinem Umfeld. Zornige Väter und Ehemänner waren das eine, seine Spezialität aber waren vor aufgesetztem Selbstbewusstsein strotzende Krieger, denen er vor Augen führte wie belanglos die sich immer wiederholenden Geschichten ihrer Heldentaten und überschäumenden Manneskraft wurden, wenn man die Gesellschaft mit ein wenig Charme und Witz von ihnen wegzog. Vor allem die Gesellschaft der Damen, das verstand sich von selbst. Wieder ein Spiel, dass er liebte.

Nachdem seine täglichen, mehrere Stunden währenden Übungen abgeschlossen waren, machte er sich wieder ein Bild von seinem Umfeld. Hatten neue Akteure die Umgebung betreten? Waren sie relevant oder nur Füllstoff? Wenn sie nicht relevant waren, wie konnte man sie vielleicht für sich verwenden? Für ihn war alles wichtig, alles von Bedeutung, alles essentiell. Zumindest für eine Weile. Fast alles was er tat, tat er mit Berechnung. Er trank Wein, weil es sein Bild abrundete. Seine teils naiv wirkende Redseeligkeit brachte Informationen dahin, wo sie seines Erachtens nach den richtigen Leuten zu Ohren kommen könnten. Er war nicht perfekt, er machte Fehler, aber weit öfter waren diese Fehler Finten, die seine Ziele vorantreiben sollten.

Denn der, in dessen Dienst er stand, der ihn mit fast unbegrenzten Mitteln ausstattete, ihm Narrenfreiheit gab bei der Art und Weise, wie er die ihm aufgetragenen Ziele erreichte, der erwartete zufriedenstellende Ergebnisse. Dessen Spiel, dass wirklich bedeutsame Spiel, jenes zu beherrschen war nicht motiviert durch Léstards persönlichen Ehrgeiz, sondern es war eine Notwendigkeit für sein Überleben. Der, in dessen Dienst er stand war, bei allem was sie verband, nichts desto trotz zu allem fähig und Léstard wusste sehr gut, dass wenn er seine Gunst verlor, es keinen Ort gab an dem er sich verstecken könnte um seiner Bestrafung zu entgehen.


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Golli (28.06.2014)

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Donnerstag, 10. Juli 2014, 11:07

Die Fahrt von der Wüsteninsel weg nach Wegesruh war im Großen und Ganzen eine einzige Wonne. Die Gesellschaft der Söldner war weitaus angenehmer, als er es befürchtet hatte. Zwar war sein "besonderes Verhältnis" zur Kommandantin auf der Überfahrt nicht fortführbar, da er damit ihre Autorität gefährdet hätte, aber dafür würde es ja später wieder Gelegenheiten geben. Erfreulich fand er auf jeden Fall, dass diese Söldner einfach ihrem Tagwerk nachgingen und dafür ihren Lohn empfingen, ohne, wie manch andere die er in der Vergangenheit kennengelernt hatte, Abends in einer Schenke noch auf ihren eigenen Ruhm zu masturbieren. Léstard wusste um die fast magische Wirkung die er auf solche Menschen hatte und die es zu forcieren galt. Aber er war unter Söldnern groß geworden. Und zwar nicht unter welchen wie denen, die nun mit ihm aufs Festland übersetzten, sondern unter der Sorte Söldner, die nachdem sie ihren Feind erschlagen hatten seine Frau, Tochter und mitunter sogar den Sohn schändeten, um ihnen dann mit einer fast rituellen Selbstverständlichkeit die Kehlen durchzuschneiden. Leute, die er immer noch gut kannte, ebenso wie sie ihn.

Das Einzige, was den Genuss der Seeluft und die Freude über das Entkommen aus der immerwährenden Hitze trübte, war die ständige Langeweile. Er hasste Langeweile, sie war für ihn pure Folter und er musste sich sehr zusammenreißen um nicht völlig unerträglich zu werden. Meist trank er dann in seiner Kabine viel zu viel oder vögelte jede Matrosin die nicht offensichtlich eine Orsimer, Khajiit oder Argonierin war, aber dieses Schiff bot nicht für jeden eine Kabine und er hatte sich entschlossen, gegenüber seinen Begleitern ein gewisses Bild zu wahren. So blieb nur zu beobachten, zu studieren und sich so die Zeit zu vertreiben. Es klappte... mehr schlecht, als recht.

Die Rückkehr in die bretonischen Städte jedoch besserte seine Laune. Das milde Klima war mehr als angenehm und es zeigte sich schnell, das vorangegangene Bemühungen überaus bemerkenswerte Erfolge nach sich zogen. Er fing an neue und mitunter vielversprechende Kontakte zu knüpfen, die ihm mehr oder weniger in den Schoss fielen, da er Menschen mit einem Mindestmaß an Kultur von dem üblichen Volk zu unterscheiden wusste. Und die Agentin die er angeworben hatte ruinierte ihm zwar einen sorgsam vorbereiteten und mit nicht zu unterschätzenden Kosten verbundenen Auftritt, hatte aber immerhin Erfolg gehabt bei dem, was er ihr aufgetragen hatte.

Gedankenverloren blätterte er durch das große Bilderwerk, dass nun auf seinem Schoss ruhte. Es waren einfache, unscheinbare Zeichnungen und ohne ein Gegenstück das noch auf ihn wartete völlig wertlos. Bald würde er sich dieses Gegenstück holen und dafür musste er wieder in eine neue Rolle schlüpfen und sich der Dienste seiner raustimmigen, leidenschaftlichen Söldner-Kommandantin versichern. Léstard lächelte still in sich hinein. Im Geiste verglich er die beiden Frauen miteinander, die Söldnerin mit dem Funken tieferer Kultur verborgen hinter einer felsigen Fassade kriegerischer Grobschlächtigkeit und die umgarnende, mit Charme um sich sprühende Dame, die ihm dieses Buch verschafft hatte. Um an das Werk und die damit verbundenen Informationen zu kommen hatte er sie noch ein wenig becircen und verwöhnen müssen, ein wenig das große Spiel spielen, um ihr Anerkennung zu zollen und ihr Ego zu umschmeicheln. Er hatte ein wenig Vergnügen dabei empfunden, aber im Grunde darauf herabgesehen. Es war unprofessionell gewesen, in so einem Moment Spielchen zu spielen. Er musste daran denken, was geschehen wäre, wenn er sie wirklich direkt an seinen Herrn weitergeleitet hätte, wie sie es zuerst von ihm gewünscht hatte. Hätte sie bei ihm dieses Spiel angefangen, hätte er ihr vermutlich den Arm gebrochen und den geborstenen Knochen so lange gedreht bis sie alles gesagt hätte, was er wissen wollte. Am Ende dachte sie noch, sie hätte ihn durch ihre letztendliche Zurückhaltung provoziert, aber die Wahrheit war, dass er sie bestenfalls aus purer Langweile besprungen hatte. Spielchen spielte er selbst. Die von anderen zu spielen waren für ihn nur von minderem Interesse. Das war wie ein Buch zu lesen, an dem man selbst mitgeschrieben hatte.

Auf das Wiedersehen mit der Söldnerin allerdings freute er sich. Er fragte sich, ob es nach getaner Arbeit wohl eine Gelegenheit geben würde, den unzweifelhaften Sieg mit einem gemeinsamen Bad und in einem gemeinsamen Bett, wahlweise auch auf einem Tisch, Teppich oder sonstigen Möbelstück zu feiern. Der Gedanke zauberte ein Lächeln in sein Gesicht, verbunden mit einem warmen Gefühl tief in seinem Inneren.

Eine überaus erschreckende Erfahrung, wie er sich eingestehen musste.


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Bonnylie (10.07.2014), Finarelle (20.07.2014)

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Samstag, 19. Juli 2014, 21:22

Léstard erwachte in seidenen Laken, mit dem Duft von Rosenöl in seiner Nase, ausgehend von einer Frau mit ebenso seidiger Haut. Seine Agentin hatte die ihm die Freude gemacht, die Geschenke, welche sie sich als Bonus für ihre Dienste erbeten hatte, auf eine sehr charmante und leidenschaftliche Art mit ihm zu teilen. Sie schlief noch, oder tat zumindest so, ganz sicher konnte er bei dieser Frau, welche ihm in so vielem ähnlich war, nicht sein. In allem was sie tat strebte sie nach Perfektion. Die vollkommene Gesellschafterin, die vollkommene Verführerin. Den kleinen Fauxpas in Sachen unprofessioneller Spielereien hatte er ihr nach dieser Nacht hundertfach nachgesehen. Was wäre das auch für eine lausige Einstellung, einer solcher Schönheit in jedweder Hinsicht nicht ihre kleinen Marotten zu lassen?

Er widerstand der Versuchung, sie mit sanften Küssen zu wecken um den Tag mit einem neuen Liebesspiel zu beginnen. Es wäre sogar durchaus denkbar gewesen, dass sie es ihm verwehrt. Er hatte bekommen, was er sich gewünscht hatte, nun würde er es sich vielleicht erst wieder verdienen müssen. Aber die Zeit verlangte ihm eh eine gewisse Eile ab. Er wusch sich im verbliebenen Rosenwasser, dass durch ihren grazilen Körper letzten Abend ja nun nicht verschmutzt sein konnte und kleidete sich an. Ein Gasthaus nahe Wegesruh, dass war seine nächste Station.

Ein Pferd machte ihn derzeit zu abhängig, also reiste er in einer Kutsche. Nicht gerade die bequemste Art und Weise, ebenso wieder ein hervorragendes Nest für die ihm so verhasste Langeweile. Aber er kam zur Ruhe, fand Zeit nachzudenken. Sein stets geschäftiger Geist verdrängte öfter das ein oder andere, was sich ihm in solchen Momenten ins Gedächtnis drängte. Er hatte wieder von ihr geträumt. Kurz und unruhig war ihm der Traum in Erinnerung geblieben, ein wirres Spiel an Eindrücken und Worten. Ihr Lachen, dieses unvergleichliche Lachen. Ob die Geliebte, die in dieser Nacht sein Bett geteilt hatte, seine verschlagene Agentin, diesen Traum mitbekommen hatte? Hatte er im Schlaf ihren Namen gesagt? Regungen gezeigt?

Im Gasthaus angekommen schob er derlei Erwägungen beiseite. Magrashs Rudel war in der Stadt und er hatte wenig Interesse daran, der Rothwardonin und ihrem geisteskranken Hausork Morcorog in die Hände zu fallen. Er musste einen klaren Kopf behalten, aufmerksam und wachsam bleiben. Also schickte er Nachricht an Olivia Bouchard, die sich, nach einen Informationen, bereits in Wegesruh aufhalten musste und bat sie zu sich.

Die rothaarige, raue Bretonin mit der Reibeisenstimme ließ nicht lange auf sich warten. Sie überraschte ihn als er eine üppige Schankmaid abwehrte, die ganz ohne sein Zutun seinem Aussehen und Charme erlegen wäre, aber schon darum völlig uninteressant für ihn war. Sie besprachen die Einzelheiten auf seinem Zimmer, hier war Léstard wieder ganz und gar Profi in dem, was er tat. Ort, Begebenheiten, Einschätzung der Personen, all das wurde sachlich und nüchtern abgeklärt. Erst dann konnte man sich dem großen Badezuber und dem frisch bezogenen Bett widmen.

Bouchard hatte Léstard ganz klar für sich entdeckt. Zwar hatte er auch sie zuerst umgarnen müssen, aber bei ihr war er genau an der Richtigen gewesen. Sie bediente sich seiner, ließ sich genussvoll verwöhnen und lebte an und mit ihm ihre Triebe aus, ohne in irgend einer Weise mehr zu erwarten. Es war ungemein entspannend und unkompliziert. Als er nach einigen ausgiebigen Liebesspielen Arm in Arm mit ihr einschlief, fühlte er sich regelrecht geborgen. Seltsam, dass ihm dieses Gefühl am ehesten bei Frauen kam, von denen er sich keinerlei Emotionen erhoffte. Sicher war er sich, wenn er bei Olivia im Schlaf sprechen sollte, würde sie ihm nur das Kissen aufs Gesicht schlagen und ihm sagen, er solle ruhig sein.

Als er am nächsten Morgen die lange Kiste mit den beiden verzierten, sorgsam gearbeiteten Säbeln hervor holte, hatte er wieder ihre volle Aufmerksamkeit. Bouchard war erfahren genug, dass sie gemerkt hatte, dass Léstard mehr war, als er zu sein vorgab. Seinen Körper kannte sie ja nun gut genug. Aber als er den Waffengurt umlegte und die Säbel in ihren Scheiden anhing, da sah auch sie ihn das erste Mal bewaffnet. Gemeinsam mit einem Argonier machten sie sich auf dem Weg zum Gut von Gústav de Bourgie und seinen Söhnen. Olivia Bouchard hatte keine Ahnung, was genau der Grund für diese Aktion war, aber das war für sie auch nicht wichtig. Wichtig waren die Ziele. Ein fetter, feister, über 60 Jahre alter ehemaliger Straßenräuber und seine drei verlausten, zerlumpten Söhne. Zahlenmäßig waren sie unterlegen, aber es waren nur Lumpen, die keinen Angriff erwarteten. Léstard hatte keine Bedenken. Im Zweifelsfall wäre er auch alleine losgezogen. Aber er war erfahren und vorsichtig genug, auch dumme, speckige Trottel nicht zu unterschätzen, vor allem wenn sie im höchsten Maße gewaltbereit waren.

Da er die Söldner für ihre Arbeit bezahlte, ließ er sie die auch verrichten und hielt sich bescheiden im Hintergrund. Bouchard schien eine Idee gehabt zu haben, die Söhne de Bourgie auszutricksen und erledigte einen direkt mit einem Wurfdolch. Dann begann ein Handgemenge. Die Männer leisteten erbitterten Widerstand, aber Olivia Bouchard wusste, was sie tat. Als sie die Situation unter Kontrolle hatte, kam Léstard heran und genau in diesem Augenblick rief einer der Söhne zum Haus, dass sie überfallen wurden.

Gústav de Bourgie stürmte heraus. Ein kleiner, dicker, aber kräftiger Mann in speckigem Hemd und siffiger Hose, der einen schweren, zweihändigen Streitkolben schwang. Er erkannte Léstard, sie waren bereits begegnet und er hatte die Gelegenheit ausgeschlagen, dem langhaarigen, schönen Bastard aus dem Kaiserreich freiwillig zu geben, was er ihm abverlangt hatte. Diesen Kampf überließ Léstard nicht seinen Söldnern. Er zog seine Säbel und ließ den Mann angreifen. Der Streitkolben wirbelte surrend durch die Luft, in verschiedenster Art und Weise darauf aus, dem agilen, jungen Mann die Knochen zu zertrümmern. Aber für Léstard war es ein leichtes, sich aus der Reichweite des plumpen Räubers herauszuhalten. Er ließ ihn angreifen, sich verausgaben, dann sprangen Klingen vor. Ein zweihändiger Streitkolben, eine wirkungsvolle Waffe für einen gut gepanzerten Ritter der gegen seinesgleichen kämpft. Aber gegen einen leichtfüßigen Gegner mit ebenso leichten Klingen – viel zu langsam – nahezu wirkungslos. Gústav de Bourgie hatte keine Hoffnung, Léstards Angriffe zu parieren. Seine Arme wurden verletzt, die Waffe fiel nieder und er war in der Hand seines Widersachers, während seine Söhne tot um ihn verteilt ihr Blut in das Gras und die Erde seines gestohlenen Bodens sickern ließen.

Das Verhör des Räubervaters nahm nicht viel Zeit in Anspruch. Er war kein Held der Folter und Todesdrohungen trotzte, sondern nur ein schmieriger Hurensohn, der nie viel mehr gehabt hatte als sein eigenes Leben und darum nichts sonst groß mit Bedeutung verband. Léstard versprach ihm viel, sogar das Leben. Aber er hielt sein Versprechen nicht. Er hätte es eh nicht getan, denn es gab schlicht keinen Grund dafür. Doch der Grund den er nannte, warum er ihn tötete, der war echt. Es war die Rache für eines der Opfer der Familie de Bourgie. Ein dreizehn Jahre altes Mädchen, dass der Vater, dann die Söhne, dann wieder der Vater geschändet und dessen Leben sie damit auf immer zerstört hatten. Léstard war keiner mit viel Mitgefühl oder einem großen Herzen, sein Meister noch weniger. Aber auch er hatte seine Grenzen.

Und dieses Mädchen, so dachte er oftmals still, dass hätte auch sie gewesen sein können. Sie, deren Stimme ihn des Nachts immer wieder in seinen Träumen sprechen ließ.


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Finarelle (20.07.2014)

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Mittwoch, 27. August 2014, 17:55

Der Einbruch kam überaus unerwartet. Léstard hatte bei seinen Eroberungen ein weiteres großes Ziel erreicht. Seine neue Geliebte war eine Frau, von der er selbst nie gedacht hätte, dass er irgendwann neben ihr aufwachen würde. Schön wie das Abendrot, doch tugendhaft und beständig, wie es so gar nicht zu einem Mann wie ihm passte. Doch was war Tugend wenn nicht Selbstbetrug? Wenn nicht die heuchlerische Phantasie von irrealen Werten, die gerade die Sehnsüchte eines Mannes Lügen strafen, gelehnt an die Wahrheit einer Göttin, welche für menschliche Schwächen keinen Sinn zu haben scheint. Sie hatte sich an die Versprechungen eines Mannes gehalten, der ihr diese Tugend vorgegauckelt hatte und war, wie zu erwarten, enttäuscht worden. Und die Enttäuschung hatte sie für Léstard bereit gemacht. Er log ihr keine Märchen vor von ewiger Treue und Beständigkeit, zeichnete keine falschen Bilder kindischer Romantik, sondern entlarvte all das nur als leere Worthülsen und bot stattdessen Glück und Genuss. Es ward ein Festessen der Leidenschaft und mehr noch ein persönlicher Triumph.

Doch jene brünett gelocke Schönheit welche ihr in verführerischen Wellen fallendes Haar so gerne zum Zopf bändigte war schließlich auch die Botin seines Niedergangs. Er wusste, dass sie ein gute Verhältnis zu Ephaelon Caeel unterhielt und er begrüßte dies sogar. Eine neutrale Kraft zwischen den Fronten, bemüht um wirkliche Unparteilichkeit war ein überaus nützlicher Faktor, so man dies zu nutzen wusste. Manchmal dachte er sogar, sie treiben es vielleicht miteinander, aber dass ihm zu egal um sich darüber weiterführende Gedanken zu machen. Nicht egal war ihm, was sie von ihm erzählte. Er hatte mit Rochelle, seiner eigenen Agentin, Vertrauten, für seelennah gehaltenen vereinbart gehabt, dass sie ihre Verwicklungen in sein Spiel vor Ephaelon offenbarte. Sie tat es um sich zu schützen und die Idee war gut, wie er fand. Klug und bedacht, wie er es von ihr erwartete. Doch was seine jetzige Geliebte ihm eröffnete stand auf einem anderen Blatt.

Einer aus jener Gemeinschaft von Gesellschaftern, deren Nähe Rochelle suchte und die auch an seiner Bekanntschaft schon Interesse hatten verlauten lassen, hatte einer Gefolgsfrau Ephaelons seine Taten erneut offenbart. Léstard war um Beherrschung bemüht, als er davon erfuhr. Er war geübt darin, Gefühle und Gedanken in sich einzusperren um sie für den Moment aufzuheben, wo sie angemessen schienen und keine Schwäche offenbarten. Hier aber fiel es ihm überaus schwer.

Warum? Warum das? Die Fassungslosigkeit darüber bohrte sich wie eine eisige Klinge in seinen Schädel. Er fragte sich, ob die braunhaarige Schönheit ein Spiel mit ihm trieb, denn all das wirkte so sinnlos und töricht, dass er es einfach nicht mit seinem Bild von Rochelle in Einklang bringen konnte. War es ein Trick von Ephaelon, um ihn auf eine falsche Fährte zu locken? Er holte Erkundigungen ein über dessen Gesandte und das Bild verdeutlichte sich. Ein Sklavenmädchen, kurz zuvor durch Magrashs Rudel befreit hatte sich bei den Gesellschaftern eingeschmeichelt und so die Information beschafft. Ein wildes Kind, dass in Bergen großgeworden war und sich regelmäßig auf dem Weg vom Marktplatz zum Gasthof in Dolchsturz verlaufen hatte. War das inszeniert? Diese Leute konnten unmöglich so töricht sein?

Als sein Bericht anstand musste er es gestehen. Den Meister konnte man nicht belügen und man konnte ihm auch nichts verschweigen. Bartellus Vallo wartete bereits vor Dolchsturz um seine Aufgaben in der Stadt zu übernehmen, bislang noch unter Léstards Befehl. Aber der Meister wollte Gewissheit und diese konnte Léstard nur auf eine Weise erlangen. Er bat Rochelle zu sich.

Sie trafen sich wieder in dem kleinen Domizil vor der Stadt. Bartellus und einer seiner Totschläger würden als Zeugen und Wächter zugegen sein. Sie folgten Rochelle und platzierten sich neben der Türe. Wie schön sie war. Wie sinnlich und verführerisch. Wie deutlich die glühende Flamme ihrer Leidenschaft loderte hinter dem schimmernden Eis welches als Teil ihrer Maske auf über ihren Augen lag. Von allen war sie diejenige gewesen, der er sich wirklich nah gefühlt hatte, auch wenn es eine Weile gedauert hatte, bis er das erkennen konnte. Umso mehr hoffte er, dass sich alles als ein Trick herausstellen würde, sie mit seinen Vorwürfen nichts würde anfangen können. Hoffte, dass alles nur eine Finte eines gerissenen Söldners war.

Wieder wurde er enttäuscht.

Als sein Untergebener war Bartellus gezwungen, sie gehen zu lassen. Aber kaum war sie weg, war es vorbei mit der Untergebenheit. Léstard hatte versagt. Und Bartellus würde nun den Ton angeben. Rochelle hatte ihn verraten. Sie hatte einen Haufen Stümper ins Vertrauen gezogen, von denen sie sich Lehrmeister erhoffte und die ihre Geheimnisse ohne mit der Wimper zu zucken an eine geflohene Sklavin weitergegeben hatten. Wertlose Informationen zwar, aber das nur, weil Léstard zu bedacht war, jemandem Wissen von wirklichem Wert zuzuerkennen. Wären die Informationen wichtig gewesen, wäre alleine Rochelle selbst dadurch in Gefahr geraten, denn jeder minderbemittelte Goblin hätte sie damit in Verbindung bringen können. Sie hatte ihn für nichts verkauft an Leute, die damit ihr eigenes Leben in Gefahr gebracht hatten.

Still wanderte sein Blick zu Bartellus, diesem alternden Mörder, dem brutalen, gewissenlosen Schlächter, der nun die Kontrolle über alles bekommen würde. Er bekam sie zurecht. Die Entscheidungen des Meisters waren klug. Léstard hatte versagt, er hatte Vertrauen gehabt das nicht gerechtfertigt gewesen war. Er hätte nie erwartet, dass sie so etwas dummes tun würde.


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Samstag, 6. September 2014, 16:09

Marek Bartellus Vallo. Léstard war noch ein Knabe, als er diesen Mann kennenlernte. Damals hatte er, zurecht, große Angst vor ihm. Bartellus, wie er meist nur genannt wurde, verkörperte beinahe alles, was man von Söldnern im schlimmsten Fall annahm. Er war grausam, brutal, pervers und durch und durch boshaft. Seine Loyalität war käuflich, sein Gewissen ein schaler Witz über den er selbst am lautesten lachte. Die Moral seiner Männer hob er am liebsten, indem er ihnen die Möglichkeit gab, dass Tier in sich von der Kette zu lassen. Vergewaltigungen, Plünderungen, hemmungsloser Mord, all dies war der Handel, mit dem er sich die Loyalität seiner Handlanger sicherte.

Aber er war keineswegs durchweg eine mordende Bestie. Alles hatte seine Zeit, in dieser Philosophie ging er mit dem Meister konform. Für die enormen Soldzahlungen und Gelegenheiten zum hemmungslosen Treiben forderte er ansonsten rückhaltlosen Gehorsam und eiserne Disziplin ein. Insubordination, Gefolgschaftsverweigerung, all das wurde mit dem Tod bestraft. Seine rüpelhafte, ekelerregende Art täuschte darüber hinweg, dass der alternde Veteran dereinst ein Kohorten Präfekt bei der kaiserlichen Legion war und in hohem Maße zu taktischem Denken in der Lage. Er wusste, was er tat, wann er es tun konnte und wann er sich besser zurückhielt.

Dieses Mal hätte Léstard ihm vorgesetzt sein sollen, als Belohnung für das große Vertrauen des Meisters, welches er sich in den letzten zwei Jahren erarbeitet hatte. Aber sein Versagen hatte all das hinweggewischt. Bartellus war es nun, der über ihn gebieten konnte und alles was Léstard noch blieb war, ihm möglichst weitläufig aus dem Weg zu gehen. Nachdem er ihm sämtliche Informationen, die er in der jüngsten Vergangenheit gesammelt hatte, übertragen hatte, bereitete Bartellus in Dolchsturz ein brutales, militärisches Handeln vor. Mittelsmänner bestachen die Stadtwachen, andere gingen Scheinhandel mit den Führern der hiesigen Unterwelt ein, welche genauestens ausgespäht wurden. Es gab keine sonderlich gut organisierte Diebesgilde oder derlei in der Stadt, der Krieg ließ die Geschäfte so gut laufen, dass alle unvorsichtig geworden waren. Bartellus definierte Feindziele, ließ ihre Stärke auskundschaften, dann schlug er zu.

Es waren etwa 30 oder 40 schwer bewaffnete und erfahrene Söldner mit ihm gekommen, Léstard hatte sie nie alle auf seinem Haufen gesehen. Aber gemeine Schurken mit Kapuzenmantel und Dolchen waren keine Gegner für gepanzerte Krieger mit schweren Waffen und militärischem Drill. Kuppler unterwarfen sich, oder wurden umgebracht. Schmuggler wurden alle umgebracht, gleichsam Diebe. Skooma-Händler ebenso. Es hatte den Anschein einer großen, brutalen Aktion der Wachen, nur ohne Verurteilungen und ohne Gefangene. Aber gerade darum fiel es den Wachen auch leicht wegzusehen. Innerhalb weniger Wochen hatte Bartellus beinahe die gesamte Unterwelt niedergemacht oder an sich gerissen und quetschte Münze für Münze heraus, während er verbrannte Erde zurückließ. Alles ging so schnell, dass es kaum Aufsehen erregte, außer in den Winkelgassen der Schattengeschäfte selbst. Der ehemalige Präfekt selbst war nie direkt an einer Kampfhandlung beteiligt, im Gegenteil. Während seine Männer mordend durch die Bordelle und Schmugglerhöhlen marodierten, saß er im Rosenlöwen, verwickelte die Anwesenden mit breitem Grinsen in Gespräche die keiner mit ihm führen wollte und verschaffte sich so einen freien Rücken, falls jemand von der Wache doch einmal unangenehme Fragen stellen sollte.

Léstard wusste um das Spiel und sah schweigend zu. Er wusste auch, welches Ende dafür vorgesehen war. Unter seine Anleitung hätte es kein Blutbad gegeben, keine Massaker an Unschuldigen, die später einen Schuldigen rechtfertigen sollten, der nie existiert hat. Er hatte andere Pläne gehabt, aber dem Meister war es vollkommen egal auf welche Weise seine Ziele umgesetzt wurden. Nur die Effizienz zählte für ihn und Effizienz wie er sie gebot ließ keinen Raum für Versagen.

In diesen Tagen bekam Léstard eine Nachricht von einer unbekannten Elfe. Eine Nachricht, mit der er nicht gerechnet hatte. Es wirkte, wie ein plumper Trick. Da war wirklich kein Grund, auch nur einen Funken Vertrauen in die Aufrichtigkeit dahinter zu setzen. Vielmehr wäre es töricht gewesen, mehr damit zu tun, als den Zettel achtlos ins Feuer zu werfen.

Aber andererseits... was sollte denn schon noch schlimmer werden?


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Finarelle (06.09.2014), Krim (06.09.2014)

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Dienstag, 9. September 2014, 23:47

Die Arme vor sich auf der Tischkante verschränkt, dass Kinn auf den Armen liegend, betrachtete Léstard die vor ihm aufgetürmten Reste seines Vermögens. Es war eine ganze Menge Geld, schließlich war der Meister nie geizig gewesen und wenn er es sich einteilte, dann würde er damit mehrere Monde problemlos seine Kosten decken können. Das Problem war einzig, dass die vernunftgesteuerte Einteilung von Ressourcen nie wirklich seine vortrefflichste Begabung war. Den täglichen Ablauf der körperlichen Ertüchtigung durchzuhalten, auch diesbezüglich aufgezwungene Defizite aufzuholen, dass war eine Form von Disziplin die Léstard in Fleisch und Blut über gegangen war. Aber sich für die alltäglichen Anstrengungen und gemeisterten Herausforderungen seines Lebenswandels nicht mit Seidenlaken und edlem Wein belohnen zu dürfen, dass ging für gewöhnlich über seine Kräfte. Nein, Geld verschwand schnell wenn man es in seine filigranen Hände legte.

Das Haus, dass er die letzten Tage bewohnte, hatte er nun verlassen müssen. Es war eine Notwendigkeit um Bartellus aus dem Weg zu gehen, der sich schon darauf freute, ihn als seinen Stiefelknecht heranzuziehen. Ja, Bartellus hasste ihn, wie es die Art war von rauen Schlächtern, die ihre eigene Stärke ausspielten um all die Unzulänglichkeiten zu verschleiern, die Léstard ihnen durch seine pure Art und Weise immerzu vor Augen führte. Und seit der kaiserliche erlebt hatte, wozu der junge Bretonen-Bastard in der Lage war und das dies vermutlich über die Fähigkeiten, die ihm im fortschreitenden Alter verblieben waren deutlich hinaus ging, hasste er ihn noch mehr. Léstard konnte sich ihm nicht entgegen stellen, denn das hieße, sich dem Willen des Meisters entgegen stellen. Aber er konnte ihm aus dem Weg gehen, soviel Spielraum traute er sich noch zu und er traute sich für gewöhnlich einiges.

Seine Quellen in der Stadt zu kontaktieren traute er sich hingegen nicht mehr so wirklich. Er rechnete damit sie entweder tot, oder ihn dreifach verfluchend vorzufinden. Bartellus wütete schlimmer, als er es sich vorgestellt hatte. Allein die Huren profitierten von seinem Raubzug durch die Unterwelt, denn billige Dirnen bespringen ist, war und würde immer die Lieblingsbeschäftigung aller Söldner bleiben. Wohl einer der Gründe, warum er von den Kupplern Schutzgelder eintrieb, oder gar ganz ihren Platz einnahm. Léstard hielt sich verborgen, aber er beobachtete auch. Er wusste, dass Bartellus das Geld für den Meister sammel würde, aber er von Anfang an einen Teil davon als spezielle "Zulage" für sich und die Söldner sammeln. Das war keine Gaunerei, der Meister gestand das zu. Und Léstard war sehr begierig darauf herauszufinden, wo er diese Zulage wohl verstauen würde.

Das logischste war ein Ort außerhalb der Stadt. Die Bezahlungen für den Meister wurden recht umgehend an diesen überführt, die Diener die sich darum kümmerten reisten schnell und rastlos. Aber den Anteil für die Söldner würde er sammeln, denn diese sollten ihn erst nach getaner Arbeit versaufen dürfen. Vermutlich also nahe dem Übergabeort für das Gold des Meisters dachte er, aber das war es nicht. Dann wurde Léstard durch einen Straßenjungen darauf aufmerksam gemacht, dass der Argonier, welchen Bartellus als Schatzmeister herangezogen hatte sehr großes Interesse an Edelsteinen in der Beute zeigte und offenbar viel davon verstand. Léstard war beeindruckt. Bartellus hatte die bisherige Vorgehensweise offenbar optimiert, statt einen schwer zu bewachenden Ort außerhalb der Stadt zu wählen, wo die Beute immer in Gefahr war, nahm er einfach die wertvollsten und phsyisch leichtesten Stücke um den Anteil auf möglichst wenig Masse und Gewicht zu reduzieren. So konnte er alles schnell wegschaffen wenn es drauf ankam und damit auch in der Stadt behalten.

Nach einer Weile hatte Léstard herausgefunden, wo Bartellus seinen Anteil verbarg. Es war nicht so schwer, jedenfalls nicht für jemanden mit seinen Fähigkeiten der wusste, was er suchte und in etwa, wen er dafür im Auge behalten musste. Aber konnte er das wagen? Konnte er sich trauen, Bartellus zu bestehlen? Er dachte lange darüber nach, so intensiv, dass er schon froh war, als seine dunkelhaarige Geliebte der Stunde aufbrach, um mit Magrashs Rudel durch Cyrodiil zu streifen. Ob sie seinem Hinweis folgen würde? Das Buch finden, überhaupt danach suchen? Es bleib abzuwarten. Aber momentan hatte er andere Sorgen. Wenn er jetzt scheiterte, dann würden seine weiteren Pläne sinnlos werden.

Er würde das nicht alleine schaffen. Aber konnte er es sich noch leisten, Olivia Bouchard und ihre Söldner anzuwerben? Vermutlich nicht, außer sie würde eine Erfolgsprovision akzeptieren. Es war aber sogar fraglich, ob sie sich drauf einlassen würde. Sie war eine sehr gescheite Frau mit einer eher übschaubaren Anzahl Männer. Wenn sie sich jemanden wie Bartellus zum Feind machte, würde der sie kopfüber an den nächsten Baum nageln lassen.

Zwischen seinen Fingern fühlte Léstard die raue Weicheit eines Schriftstückes, nachdem er unweigerlich gegriffen hatte, ohne es zu merken. Darauf standen Worte die Vergebung erbaten, Worte die von Ergebenheit sprachen. Wieder die gleiche Frage. War darauf zu vertrauen? Und würde sie dieses Wagnis eingehen? Plötzlich kam ein unerwartetes Gefühl in ihm auf, aus der Angst davor, dieses Wagnis einzugehen formte sich ein Verlangen danach, es zu versuchen. Ein Verlangen, dass eine mahnende Stimme in ihm wach rief.

"Du wirst sie in den Abgrund reißen, Léstard. Wenn sie dich nicht verrät, wirst du sie vernichten, wie du Loriabeau vernichtet hast. Aus deinem Herzen fließt nur das Verderben, welches den Tod zu einem süßen Hauch des Schicksals werden lässt."


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Donnerstag, 18. September 2014, 14:36

Der Einblick, den er bei ihrem Wiedersehen gewann, war ungeheuer tief. Worte flossen wie Honig und die Seele war die Zunge, auf der sie in all ihrer Süße dahingeschmolzen. Zu schön um wahr zu sein. Zu schön aber auch, um sie nicht weiter im tiefen, wohl verborgenen Kern seiner Verzweiflung vergehen zu lassen. Die Tage waren grau und düster, nur das Rot des abendlichen Weines füllte sie mit etwas Farbe, vergleichbar mit dem stigmatischen Glühen das er auf den Wangen hinterließ, angenehm doch irreführend. Nichts besserte sich, nichts wollte sich wieder zum Guten wenden. Bartellus wütete in der Stadt wie eine tollwütige Wildsau in einem Hühnerstall und er konnte nichts dagegen unternehmen. Fürwahr, die Opfer lagen ihm nun nicht am Herzen, aber er wusste einfach, dass er es besser gekonnt hätte. Er hätte den Meister befriedet und sich dabei die Stadt zu eigen gemacht. Blut vermeiden! Vermeide das Blut! Ihre Worte klangen ins einen Ohren wie ein Gebetsspruch, der Übles von einem fern hielt. Léstard war ein Halunke, ein Verbrecher, auch Mörder war er schon gewesen. Aber er war kein Schlächter. Seine Existenz verlangte ihm Dinge ab, die er, in Ermangelung von Alternativen, akzeptiert hatte. Und was man ihm als Alternativen dargeboten hatte verbot sich an den vielen Grenzen seines scharfen, analytischen Verstandes, welcher ihm deutlich mehr offenbarte, als die meisten auch nur sehen wollten. Wie viele Mörder liefen da draußen herum, die sich nie so nennen würden, weil sie statt wie er einmal die Klinge selbst zu führen sich einfach wegdrehten, wenn zehn andere es für sie taten?

Süßer Honig. Ein Schimmer von Hoffnung im Grau der Welt. Ein liebreizender Glanz, hinter einem eiskalten Blick verborgen. War all das nur eine Finte, ausgeheckt von den Leuten die ihn schon mal verraten wollten und denen sie sich entgegen aller Vernunft weiterhin verbunden fühlte? Würden sie nicht genau so vorgehen? Es war das, was zu erwarten war. Alles sprach dagegen, sich darauf einzulassen. Seine Vernunft, sein Scharfsinn, seine Würde, sein Selbsterhaltungstrieb. All diese Widersprüche, vom Honig umflossen.

Von allen Menschen auf der Welt war sie der, dem er am wenigsten trauen sollte. Und von allen Menschen war sie der, dem er am ehesten trauen wollte.

"Wir alle machen Fehler, Léstard!", erklang die Stimme in seinem Kopf wieder. "Sie, ebenso wie du. Einen Fehler einzugestehen gibt die Möglichkeit, ihn auszumerzen. Vielleicht sogar daran zu wachsen. Die gleiche Verzweiflung die dir innewohnt, die mag auch sie quälen. So ist es bei verwandten Geistern. Vergib ihr den Fehler, dann kann sie Teil von deinem werden."

Spott und Hohn. Selbst sein, von Schatten aus dem Einst getragener, innerer Dialog war voll davon. Was sollte er denn fürchten? Seine Gegenspieler hatten bereits die Oberhand aber keiner war in der Lage, einen Vorteil daraus zu ziehen. Man hatte ihn mit wertlosen Informationen an wertlose Ziele gerichtet verraten und er wurde nun dominiert von einem Mann, der sich vielleicht vor anderen wie ein Berserker aufführen konnte, aber ihm dabei nie gefährlich wurde. Vor seinem geistigen Auge erschienen sie alle wie wütende Däumlinge, die ihn mit Häckelnadeln zu stechen versuchten und seine größte physische Sorge war zur Zeit, dass er den teuren Wein durch billigeren - wohl gemerkt nicht billigen - ersetzen musste.

Wie bekämpft man wütende Zwerge? Man fegt sie hinweg. Sich nur aufraffen, die Kraft wieder sammeln. Und wo würde wohl mehr Kraft auf ihn warten, als im lodernden Feuer, dass er hinter diesen eisigen Augen verborgen wusste.

Es gab eine Zeit, da er nicht alleine war auf Tamriel. Als eine an seiner Seite war, der er in tiefer, endloser Liebe verbunden sein ganzes Leben darbot. Einer Liebe, wie sie unvergleichlich und unersetzbar auf immer bleiben würde. Damals war er stärker gewesen als jemals wieder danach. Die reine Erinnerung, Sehnsucht und Schuld die er mit dieser Liebe verband hatte ihn zum furchtsamen Sklaven werden lassen. Es war Zeit, etwas neues zu versuchen und diesem Umstand etwas entgegen zu setzen.


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8

Freitag, 3. Oktober 2014, 11:38

Manchmal werden Träume wahr. Manchmal neigen sie dazu. Und manchmal greifen sie nur flüsternd in die Seelen des Träumenden, streicheln ihn mit zarten Händen, umspannt von seidenweicher und eisig kalter Haut. Kalt, frostig kalt. Erinnerungen die sein Herz wärmten wie ein lodernder Kamin im tiefsten Winter trugen Eiszapfen in sich, die sich in seinen Verstand bohrten wie Lanzen durch eine schadhafte Rüstung.

Léstard wusste nicht, wie er sich fühlen sollte, als Jeaviné sich ihm vorstellte. Sie brachte Hilfte, mehr Geld als brauchen würde um seinen Status gegen den Willen von Bartellus wieder aufzurichten. Und sie versprach Schutz, der ihm alles, was er in den letzten Tagen an Plänen ersonnen hatte, bei der Umsetzung deutlich erleichtern würde. Aber er wusste, dass die Gebieterin dieser kaum zur Frau gereiften Bretonin sich nie einmischte, ohne deutliche Spuren zu hinterlassen. Er musste auf der Hut sein, wie er weiter vorging. Es ging nicht mehr alleine um ihn.

Freiheit bedeutet, sich zugehörig fühlen zu können, ohne die Konsequenzen zu fürchten. Diese persönlichen, subjektive Wahrheit verdeutlichte sich immer mehr in seinen Gedanken, wie in seinem Empfinden. Das, was er immer als Schwäche empfunden hatte, ließ ihn sich nun jeden Tag stärker fühlen. Jeaviné schrie regelrecht danach, von ihm verführt zu werden. Die Dekadenz einer wohl behüteten Maid, welche die vorangegangenen Monate in ausschweifendem Luxus zugebracht hatte war ihr allzu schnell zu Kopf gestiegen. Sie machte es ihm leicht, zu leicht. Aber es wäre nicht nur ungalant gewesen, ihren Wünschen nicht nachzukommen, es hätte auch die Bindung zu ihr gefährdet. Dachte er zumindest in diesem Augenblick. Auch wenn sie nur die Botin war, so ist ein Bote bisweilen Auge, Ohr und Stimme dessen, der ihn sendet und empfängt. Nichts außer Acht lassen.

Seiner Rache an Bartellus stand nun nichts mehr im Wege. Die Söldner von Olivia Bouchard waren zur Zeit nicht erreichbar, also würde er "ihre" Hilfe in Anspruch nehmen. Es tat gut, wieder in Aktion treten zu können. So sehr er Kampf und Gewalt zu vermeiden suchte, manchmal hatte es etwas befreiendes, eine Klinge zu zücken und Schmerzen zu bereiten. In den Augen den Söldners war es eine billige Hafenhure die sich hüftschwingend auf ihn zubewegte und ihn mit einer Flasche Fusel in der Hand zu betören suchte. Und er zeigte sich überaus pflichtbewusst abweisend, mehr noch, als Léstard oder seine Kumpanin erwartet hatten. Aber den Kuss ließ der raue Krieger dann doch geschehen und schon fuhr das lähmende Gift, welches auf den Lippen der verführerischen Schönheit ruhte seine Glieder weich werden und seine Sinne schwinden. Eigentlich tat das Tonikum nichts, was diese Frau nicht auch selbst bei einem Mann bewirken konnte, ohne sich selbst vorher mit einem Gegenmittel zu schützen. Aber wenn der weibliche Zauber zu langsam wirkt, weiß die Alchemie mitunter Rat.

Zügelnde Flammen ließen den aus groben Eisen gefertigten Türverschluss weicher werden, so dass Léstard die Türe mit einem Fußtritt aufsprengen konnte und Ahabull Ak'Jahmud, der stämmige rothwardonische Wächter beendete seinen Versuch sich zu bewaffnen in dem Moment, als der vorspringende Léstard ihm eine Klinge durch die greifende Hand bohrte und ihn bewusstlos schlug. Er ließ ihn am Leben, um so Zwist zwischen den Söldnern und Bartellus zu stiften. Wenn Risiko, dann eben richtig, schließlich war mit Jeaviné ein interessanter neuer Faktor ins Spiel gekommen. Trotzdem war dies eine Entscheidung, die er bei späteren Gelegenheiten noch einmal scharf in Frage stellte.

Vier Kisten voller Juwelen. Seine Beute konnte sich wahrhaft sehen lassen. Nun würde er keine Mittel mehr erfragen oder erbitten müssen. Die funkelnden Edelsteine waren wie ein magischer Schlüssel in ein neues Leben, in dem er keinen Herren mehr zu fürchten hatte. Aber die Tür in dieses Leben war schwer bewacht und die Wächter waren entsetzlich humorlos.

"Ich gratuliere, mein kleiner Aorie!", hörte er eine Stimme im schlummernden Wahn zwischen Vorstellung und Erinnerung.
"Du hast deinen Willen und deine Raffinesse bewiesen. Es wird sehr lustig werden zu sehen, wie du nun nach den Sternen greifst und dabei hochhüpfst, bis sie kommen, um dir die Beine zu brechen!"


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