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Dienstag, 3. Juni 2014, 14:43

Geschichten eines Wolfes

( Der nachfolgende Text enthält selbstverständlich Spoiler zum Charakter und ist daher wenig empfehlenswert für alle, die sich daran stören. )

Geschichten eines Wolfes
Der Beginn einer Reise


„...?“
„Nurian?“
„Nurian!“
„Hey, hörst du mir überhaupt zu!?“
„...hm? Ja ich hör zu“
„Komm schon, die anderen haben einen großen Vorsprung.“


Es war da, ich wusste es, aber ich behielt es für mich. Ob wohl alles anders gekommen wäre, hätte ich Peragon davon erzählt? Wenn ich später in meinem Leben an diesen Tag zurückgedacht habe, kam ich oft zu dem Schluss, dass es nichts geändert hätte, das Ergebnis wäre das selbe gewesen. Wäre er nicht in Eile gewesen, weil unser Spähtrupp bereits so weit voraus war, hätte er es womöglich selbst erkannt und doch, es hätte gar nichts geändert. An diesem einen, dahin scheidenden Tag, spielte es keine Rolle. Peragon sollte nie inne halten, um mehr heraus zu finden. Unser Spähtrupp war beinahe außer Sichtweite, weil ich nicht geschickt genug war, um ihm auf den Straßen der Bäume zu folgen. Der Bosmer zu meiner Seite machte sich oft einen Spaß aus meiner Unzulänglichkeit, was der Grund dafür war, weswegen wir beide heute einmal mehr die Nachzügler waren. Er lief wie immer vor mir her. Grinsend sah er sich die einzige Bosmer im ganzen Klan an, die es vorzog auf ihren Runden auf dem Boden zu laufen. Das war ich.

„Schneller kleine Elfe, oder hast du etwa immer noch Höhenangst? Soll ich deine Hand halten?“ Selbstverständlich hatte ich keine Höhenangst. Ich war in vielerlei Hinsicht eine vorbildliche Waldelfe, hielt mich an den grünen Pakt, beschützte meinen Klan und meine Ohren waren absolut perfekt. Meine Unzulänglichkeit bestand lediglich darin, dass ich einfach nicht geschaffen dafür war, in Bäumen herumzuklettern und dabei eine gute Figur abzugeben. Yffres Wille schien es gewesen zu sein, aus mir einen kleinen Baum zu machen, der offenkundig bei der Verteilung der Gestalt die falsche Abzweigung genommen hatte. Für eine Bosmer meines Klans war ich geradezu riesig, obwohl ich einem mittelmäßigen Menschling nur knapp bis zum Kinn reichte. „Robust“ war die liebevolle Bezeichnung, welche meine Klan-Brüder und Schwestern meiner Erscheinung zugedachten und mit meinen langen Beinen konnte ich zwar ausgezeichnet Sprinten, das schien nur bedauerlicherweise auch schon der einzige Dienst zu sein, den sie mir leisteten. Wie sehr diese Eigenart auch immer an mir genagt hatte, so gleichgültig war es meinem Klan im Herzen. Wann auch immer ich Objekt einer kleinen Blödelei wurde, wusste ich doch immer, dass es nie eine Rolle spielen würde. Genau aus diesem Grund war ich an jenem Tag als Schützin an den Grenzen unseres Gebietes um unseren Klan sicher zu wissen. Jeden Tag liefen wir die Strecke ab, folgten den blaffenden Befehlen des Hauptmanns und kümmerten uns um die Bedrohungen die von Außen kamen. Selten trafen wir auf Waldorks, die wir aus unserem Reich jagten, oft taten wir nichts weiter, als unseren Weg zu gehen und die Außenposten abzuklappern. Eine Senche-Mutter mit zwei Kätzchen war das aufregendste gewesen, dass unserem Trupp die letzten Tage passiert war.
Hätte jeder von uns gewusst, was am Ende des Tages auf uns warten würde, hätte sich sicher niemand über den langweiligen Marsch beschwert.

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Saneera (04.06.2014), Firnormon (04.06.2014)

2

Dienstag, 3. Juni 2014, 14:52

Taktik

Hauptmann Caenlin trieb uns, sobald Peragon und ich den Zug erreicht hatten, wie eine Schafherde durch das Dickicht vor unserem Heimatdorf. Ich zog es vor, hinter ihm auf unserem Pfad zu laufen, während die anderen im Geäst mächtiger Bäume ihren Weg beschritten und von dort die Grenzgebiete überblickten. Manchmal hatte ich den leisen Verdacht, der Hauptmann ging lediglich aus Solidarität mit mir auf dem Waldboden, sobald er jedoch seine Befehle blökte, verschwand jeder solidarische Eindruck mit erschreckender Geschwindigkeit.
Wir hatten bis Sonnenuntergang bereits einen Großteil des Weges hinter uns gebracht, als wir beschlossen eine Pause bei einem unserer Außenposten einzulegen, um anschließend den Rest abzulaufen.Sobald es ans ausruhen und essen ging, war der Trupp mit einem erstaunlichen Fleiß gesegnet, welchen er bei dem ein oder anderen Marsch rasch zu vergessen schien.
Nachdem sich jeder einzelne den Bauch vollgeschlagen und ich mich in die Runde gesetzt hatte, um ein paar Lieder auf einer alten Laute zu klimpern, ließ sich die ganze Truppe mit einem kollektiven, zufriedenen Brummen auf den Rücken sinken, um für ein paar Minuten die Augen auszuruhen. Nicht einmal Caenlin rief uns zur Ordnung während wir unserem allabendlichen Ritual frönten, im Zuge dessen er sich selbst eine Pfeife ansteckte, deren Sinn sich den allermeisten von uns allerdings nicht erschloss.

Einige Zeit verging, während sich das leise klimpern der Saiten ins Dickicht zurückzog und ich ein paar Züge der Ruhe in mich aufnahm. Das rascheln der Laubdächer in einem sanften Westwind und die zaghaften Rufe eines Waldkauzes ließen mich selig grinsen, bevor ein lautes Knacken die Ruhe aufscheuchte. Einige Köpfe fuhren hoch, um sich nach dem Ursprung des Geräuschs umzusehen, als ein weiteres, viel zu lautes Krachen folgte. Alarmiert schoss Caenlin in die Höhe und ließ uns in Stellung gehen, die Bögen im Anschlag. „Was ist das Caen?“ ein zischen aus dem Mund des Hauptmanns ließ den Sprechenden verstummen und jeder konzentrierte sich auf die Richtung, aus der die vermeintliche Gefahr auf uns zuhielt. Es dauerte einige Sekunden, bis wir eine Bewegung im Dickicht vor uns ausmachen konnten, aber unsere Lichtquelle war nicht hell genug, als dass wir einen genauen Eindruck bekommen konnten.
Der Schemen hob sich kaum von der Dunkelheit des Waldes hinter ihm ab, aber als er zum stehen kam glänzte, keine zwanzig Schritte von uns entfernt, ein gelbes Augenpaar zu uns auf die Lichtung. Zuerst nahm ich an, die Augen gehörten zu etwas, das auf einem hohen Ast hockte und zu uns hinunter spähte - ein Waldork-Hinterhalt vielleicht. Nur all zu rasch sollte uns aufgehen, dass dem keinesfalls so war. Für einen Bosmer sah nun zwar vieles größer aus, als es vielleicht wirklich der Fall war - selbst für einen wie mich - aber ich kann mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass dieses Ding auch für einen ausgewachsenen Nord ausreichend groß gewesen wäre.
Sobald die Kreatur in Sichtweite lag, rührte sie sich nicht mehr, starrte lediglich zu uns hinüber und ließ seinen kehligen, lauten Atem zu uns herüber wehen. Wir beäugten einander wie zwei Feinde, die nicht wussten, was sie voneinander halten sollten. Unruhe machte sich in unseren Reihen breit. Es war etwas anderes, eine ungefährliche Spährunde zu laufen, oder sich einem unbekannten Feind zu stellen, der gut eine Körperlänge größer war als man selbst. Nun sind wir wahrlich keine Feiglinge, aber auch der mutigste Jäger wusste, wann er Fersengeld geben sollte.
Nach weiteren quälenden Minuten, setzte sich das unbekannte Wesen in Bewegung, allerdings hielt es nicht - wie anfangs vermutet - auf uns zu, sondern drehte sich um und huschte ins Unterholz zurück, wo wir die Sicht auf ihn verloren und sich seine Schritte entfernten.
Ein langgezogener Seufzer glitt durch unsere Reihen und einige von uns senkten bereits die Bögen. Noch bevor Caenlin uns anfahren konnte, die Waffen wieder zu erheben, brach das Chaos über unsere kleine Lichtung herein. Ich sah nicht besonders viel, als unsere Angreifer sich von rechts und links auf uns stürzten. Sobald die gewaltigen Schatten die Lichtung betreten hatten, krachte einer davon auf unser Feuer zu und stob es in alle Himmelsrichtungen, bis die glühenden Funken sich nur noch schwach im nassen Laub bemerkbar machten. Die Schreie unserer Kameraden gingen in einem unnatürlichen Brüllen unter, dass sich wie eine markerschütternde Decke über uns legte. Ich sah nichts weiter, als eine ganze Reihe gelber Augen und hin und wieder das aufblitzen silbernen Metalls.
Meine Beine rührten sich nicht von der Stelle, auch wenn ich ihnen befahl zu rennen. Ich hörte einen gurgelnden Ruf, der sich nach „Rückzug“ anhörte und eben jener Ruf veranlasste mich nach etlichen langen Sekunden tatsächlich dazu, einen Schritt zu machen. Was um mich herum passierte, war mittlerweile ausgeblendet. Das Reißen, das Schreien und das monströse Brüllen wurde von einem einzigen lauten Rauschen in meinen Ohren übertönt, aber als ich endlich rennen wollte, spürte ich Kälte um meine Flanke. Es ist schon eigenartig oder? Bei einem Grasschnitt spürt man den Schmerz auf dem Fuße, aber sobald sich ein Kiefer mit Reißzähnen um die eigene Hüfte schließt, spürt man bloß Kälte.
Das Ding, welches mich gepackt hatte, verschwendete keine Zeit damit darauf zu warten, dass mein Schmerz einsetzte. Es hob mich mit einer schauerlichen Leichtigkeit vom Boden und begann mich zu schütteln, als wolle es den kompletten Teil meiner Flanke, der sich zwischen seinen Zähnen befand, einfach herausreißen. Ich spürte meine Glieder schlaff in alle Richtungen fliegen, als meine Hand etwas weiches und feuchtes traf, das einen wütenden Schrei nach sich zog. Plötzlich hörte ich ein donnern, als wenn eine große Masse Fleisch und Knochen auf eine andere Masse aus Fleisch und Knochen traf. Sobald das Geräusch vorüber war, lockerte sich der Griff um mich her und mit dem letzten Schütteln, wurde ich meterweit in den Wald geschleudert. Im Flug versuchte mein Hirn zu verstehen, was gerade passiert war, aber noch bevor ich mir eine Antwort zurechtlegen konnte, prallte ich gegen etwas hartes und alles um mich herum versank in Dunkelheit.

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Nurian
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Saneera (04.06.2014), Firnormon (04.06.2014)

3

Dienstag, 3. Juni 2014, 14:59

Der rostrote Kater

„Was ist es?“ Das rascheln von Gestrüpp dröhnte in meinen Ohren, als sich die dumpfen Stimmen zu einem kollektiven Hämmern in meinen Hirnwindungen vereinten. „Toter Mer, lass ihn liegen.“ „Ist nicht tot...“ Etwas pelziges berührte mein Gesicht, aber ich öffnete die Augen nicht, aus Angst die Welt die ich dort erblicken würde, würde sich nicht von dem widerlichen Pochen in meinem Kopf unterscheiden. „Dieser hier, wird ihn mitnehmen.“ „Lass ihn liegen M'raqai, der ist bald tot.“ Ein kurzes schnauben und mein Körper entfernte sich vom Waldboden. Ich fühlte, wie er durch die Luft schwebte und schließlich auf etwas weicherem platz fand. Bevor ich erneut dahin dämmerte, zog der Geruch von nassem Katzenfell in meine Nase.

In den nächsten Tagen, kam ich nur in Abständen von mehreren Stunden zu mir. Ich fühlte mich heiß und meine Knochen hatten sich dazu entschlossen in Flammen aufzugehen, während mein Kopf versuchte in jede mögliche Richtung zu streben und auseinander zu reißen. Im Delirium sah ich Dämonen um mich herumkriechen, Feuerwände empor züngeln und roch mein eigenes fauliges Fleisch, während ich wie ein alter Kadaver vor mich hin moderte. Zwischen diesen Phasen drang mir immer wieder der Geruch von Katzenfell in die Nase. Er kam und ging und wenn es soweit war, besserte sich mein Zustand jedes Mal ein wenig mehr, bis sich schließlich das Gefühl in meinen Gliedern wieder einstellte. Auch wenn es nun logisch gewesen wäre ein positives Gefühl mit dem Geruch des Katzenfells zu verbinden, schien ich es mit jedem Atemzug ein bisschen weniger zu mögen.
Weitere Tage mussten verstreichen, bevor ich meine verklebten Augen öffnen konnte und halb befürchtete ich, ich würde von Katzendämonen angefallen, als sich das breite Gesicht eines rostfarbenen Katers über mich beugte. „Wir sind wach und werden diesen hier nicht anfallen, ja?“ Dort wo ich herkam, war dies keine Frage, die ein Grinsen begleiten würde, aber offensichtlich dachte dieser Khajiit anders darüber und bleckte die gelben Zähne in einem Katzengrinsen. Zumindest nahm ich an, das Katzen so grinsten, ich habe noch nicht viele gesehen, die das getan hätten.
„w...“ Mein Versuch zu sprechen stellte sich als das erste Desaster meines Lebens heraus, denn anstatt vernünftig geformter Worte, kam bloß ein Gurgeln hervor, das gewaltig an einen ausgetrockneten Schlachterfisch erinnerte. Trotz allem schien er zu verstehen, was in Anbetracht der Lage vermutlich nicht all zu schwer gewesen war. „Dieser hier findet dich im Wald und nimmt dich mit. Du hast lange geschlafen und viel gekämpft. Hast diesen hier im Fieber fast erwürgt. Kräftige Arme für eine kleine Elfe.“ Die kleine Elfe ließ ich auf sich beruhen, was vermutlich die richtige Entscheidung war, wenn man erst einmal festgestellt hatte das dieser hier die Statur eines ausgewachsenen Orks hatte. Ich bildete es mir jedenfalls ein. „...Andere, hast du andere gefunden?“ krächzte ich schließlich mit Mühe und Not und es klang beinahe elfisch, aber der Kater schüttelte den Kopf. „Dieser hier fand nur die kleine Elfe im Busch. Wir rochen altes Fleisch und verbrannte Erde, also zogen wir rasch weiter ohne nachzusehen.“ Einige Zeit ratterten Gedanken durch mein Hirn, aber es machte keinen Sinn zu glauben, dass auch nur einer von ihnen den Angriff heil überstanden hatte. Der Einzige Grund weswegen ich lebte war die Kombination aus Zufall und Glück und ich konnte nicht erwarten, dass sich dies wenige Meter von mir entfernt, noch einmal zugetragen hatte. Meine Eingeweide verkrampften sich schmerzlich und ich zwang mich für den Moment nicht mehr darüber nachzudenken.

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Saneera (04.06.2014), Firnormon (04.06.2014)

4

Dienstag, 3. Juni 2014, 15:12

Wandlung

Ich verbrachte noch Wochen unter der Aufsicht meines katzenhaften Pflegers, dessen Name ich im Verlauf unserer kurzen Gespräche als M'raqai identifizieren konnte. Vordergründig sagte er, er hätte mich aufgelesen, weil die Karawane einen Führer durch die Wälder brauchte, hintergründig steckte in dem Berg aus Muskeln und rotem Fell einfach eine gute Seele. Allerdings sehr zum Leidwesen seiner Mitreisenden, welche alle samt aus Khajiit bestanden, dessen erklärtes Ziel es war, Waren in den Dörfern der Bosmer auszutauschen. Wir selbst gehen zwar nicht an die Bestände unseres Waldes, was aber nicht bedeutet, dass wir sie nicht von anderen Völkern abkaufen konnten. Gerissene traditionelle Typen. Als ich wieder laufen konnte, sah ich also keinen Grund, weswegen ich die Karawane nicht durch den Wald führen sollte, schon als Gegenleistung für M'raqais Hilfe. So hatte ich zumindest Zeit mir über einige Eigenarten den Kopf zu zerbrechen, die sich im Verlauf meiner Genesung eingestellt hatten, denn die Karawane kam mit ihren Zelten und Wagen nur langsam durch das dichte Unterholz. Sobald ich das erste Mal aus meinem übel riechenden Krankenzelt getreten war, strömten Gerüche auf mich ein, so dass ich beinahe wieder zurückgeprallt wäre. Es war nicht der übliche Geruch von Bäumen und Gras, wie das in einem Wald eben so üblich war. Ich roch Kaninchen, verschiedene Wildblumen, Rinde und unzählige andere Dinge, alles gemischt mit dem Gestank des Katzenfells, Gewürze, Stoffe, Medizin und ungewaschener Kleidung. Mir schwirrte eine Zeit lang der Kopf, bis ich mich wieder gefangen hatte. Das Murmeln der Khajiit und das Rauschen des Windes dröhnte mir in den Ohren, als hätte jemand die Intensität der kompletten Geräuschkulisse nach oben geschraubt. Ich schob diese Eigenarten auf meine Infektion, die scheinbar noch nicht ganz abgeklungen war und versuchte dies alles, so gut ich konnte, zu ignorieren. Ich stellte fest, das ich mittlerweile richtig gut im ignorieren merkwürdiger und belastender Tatsachen war.

Wir reisten noch einige Wochen zusammen durch die Wälder, denn entgegen der Vorstellung meiner Mitreisenden, war es keine so einfache Angelegenheit die Dörfer zu erreichen. Sie waren klein und verborgen, manchmal brauchte man Monate um eines zu finden, wenn man nicht wusste wo man suchen musste. Als wir kurz vor dem Ende unserer gemeinsamen Reise standen, in dessen Verlauf ich mich mit M'raqai angefreundet hatte, machten wir unsere abendliche Rast am Wegesrand und bauten die Zelte auf.
In dieser Nacht, begann meine Haut beinahe unerträglich zu jucken und ich zog mit den gemurmelten Worten los, ich würde ein paar Kräuter dagegen suchen. Natürlich suchte ich keine Kräuter dagegen, immerhin nahm ich dieses „Fass bloß den heiligen Wald nicht an“-Zeug zu dieser Zeit noch bitter ernst. Ich hatte einfach das Bedürfnis alleine zu sein, mir irgendeinen Baum zu suchen und mich wie ein Bär daran zu kratzen. Das war eine Privatangelegenheit. Hätte ich gewusst, was anschließend passierte, hätte ich die Beine in die Hand genommen und wäre gerannt was das Zeug hält, aber ich wusste es nicht, also schlug ich mich nur einige Meter durch den Wald, so das mich niemand zufällig beobachten konnte.
Das jucken nahm mittlerweile brennende Ausmaße an, so dass ich begann mich auf dem Boden zu wälzen, doch es brachte nichts, meine Haut stand nach ein paar Minuten auf dem Boden beinahe in Flammen. Ich wollte schon nach dem Kater rufen, aber meine Stimmbänder schienen sich zusammen zu ziehen und es kam nichts als ein trockenes Krächzen aus meinem Mund. Als schließlich ein fahler silberner Lichtstrahl durch die Wolken des Nachthimmels brach, fing es das erste Mal an. Genauere Beschreibungen meiner Wandlung sind an dieser Stelle vielleicht ein wenig zu viel des Guten, ich hatte mir später einmal überlegt, mit welchem Schmerz es zu vergleichen wäre, kam aber schnell auf den Gedanken, dass Schmerz vielleicht nicht der richtige Ausdruck für das war, was dort gerade mitten im Wald mit mir passierte. Das Wort „Privatangelegenheit“ bekam jedenfalls eine ganz neue Bedeutung für mich, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es auch nur einen von uns gibt, der dabei beobachtet werden will.
Es verging eine gefühlte Unendlichkeit, bis es aufhörte und ich schnaufend und winselnd auf dem Boden lag und mich ausruhte. Ich hörte Stimmen um mich herum, nicht weit entfernt, die nach mir riefen. Offenbar hatte sie irgendetwas aufgeschreckt, über das ich mir in diesem Moment keinerlei Gedanken machte. An sich könnte man sagen, dass ich mir nicht sehr viele Gedanken machte, außer auf dem Waldboden zu kauern und abzuwarten, dass die Qual endlich zu ende ging. Ob jener Wunsch nun dadurch Erfüllung fand, das es einfach abrupt aufhörte oder das ich starb, es war relativ egal, das Ziel war das worauf ich mein Augenmerk legte. Tatsächlich wurde mein winseln und schnaufen erhört und nach einer weiteren Unendlichkeit des Wartens konnte ich mich auf die Beine stemmen. Irgendwo in meinem Hinterkopf setzte sich mein Verstand nun auf eine Tribüne und wartete stillschweigend ab, was passierte. Ich fühlte meinen Körper, der sich weit über die Erde erhob und dessen tiefer Atem mit jedem Zug auch ein Grollen mit sich brachte. Ich roch die Fährten des Waldes, während meine Ohrmuscheln sich zu allen Seiten drehten, bis sie die Rufe der Karawane erreichten und in jener Richtung verweilten. Langsam stieg ein unbändiger Hunger in mir auf, ein Hunger den ich Zeit meines Lebens nie mehr gänzlich abstreifen können würde und der mich dazu zwingen würde zu essen, bis sich das Loch in meinem Bauch einigermaßen gefüllt hatte.
Ich ließ mich auf die Vorderbeine fallen und ohne einen Atemzug länger zu warten, bretterte ich durch den Wald, direkt auf die Rufe zu. Ich hörte das schreien, als ich durch das Gebüsch vor der Karawane brach, aber das war es nicht, was meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Mein Verstand war noch immer da, aber er sah bloß zu, wie ein anderer Teil meines Hirns die Kontrolle übernahm. Reiz und Reaktion.
Die Khajiit rannten und ich jagte hinter allem her, was sich bewegte. Ich sah nur kurz, wie ich an einem rostroten Fell vorbei preschte, während ich meine Beute hetzte, bis sie strauchelte und ich über sie herfallen konnte, den Hunger stillen konnte, der in meinem Magen brüllte. Einige von ihnen waren bewaffnete Kämpfer gewesen, aber wie es mit Kämpfern so ist, die ein vernunftbegabtes Hirn haben, stehen sie sich selbst im Weg. Sie zögern, wohingegen ich nichts anderes tat als reagieren, ohne nachzudenken. Davon abgesehen, das ich mehrere Köpfe größer war, hatten sie mir nichts entgegen zu setzen, während ich Fleisch und Knochen unter meinen Kiefern zermalmte und mein Verstand die Szenen teilnahmslos vor sich abspulte.

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Saneera (04.06.2014), Firnormon (04.06.2014)

5

Dienstag, 3. Juni 2014, 15:19

Erwachen

Ich wachte auf, als die ersten Sonnenstrahlen durch das Laubdach stießen und meine Nase zu einem niesen kitzelten. Ich öffnete die Augen und wusste, was ich sehen würde, aber es machte keinen Sinn zu warten und zu hoffen, wenn man die Augen nur lange genug geschlossen hielt, würde alles anders sein. Es war nicht anders und ich erinnerte mich nur all zu genau an das, was passiert war. Dennoch rebellierte mein Magen, als ich inmitten der halb gefressenen Kadaver aufwachte. Der Gestank war beinahe überwältigend und noch bevor ich etwas anderes tun konnte, übergab ich mich herzzerreißend auf den Waldboden vor meinen Füßen.
Was im Anschluss passierte, war eine Aneinanderreihung instinktiven Handelns, dass sich im Laufe der Zeit nicht ändern würde. Ich stand auf und sah mich nach Kleidung um, die ich in meiner Raserei nicht halb gefressen hatte. Wie man sich denken kann, ist es unmöglich für einen Werwolf die Kleidung eines Bosmers bei der Wandlung nicht gänzlich zu zerstören, also klaubte ich mir apathisch ein paar Stofffetzen aus allen Himmelsrichtungen zusammen, bevor ich mir eine Schaufel suchte, und die Überreste dessen, was einmal neun Khajiit gewesen waren vergrub. Es dauerte fast den ganzen Tag, bis ich jeden einzelnen in mehreren Metern Abstand im Boden verscharrt hatte. Für den Fall das jemand zufällig auf einen davon stieß, war es zumindest nicht gänzlich ausgeschlossen, dass er die anderen nicht auch gleich finden würde. Es erregt aufsehen, wenn man plötzlich an eine Stelle im Wald kommt und neun verrottete Leichen auf ein und der selben Stelle findet. Nicht unbedingt ein Grund an einen Bären zu denken. Reiner Selbsterhaltungstrieb, denn ich war auch damals nicht davon überzeugt, das jemand besonders positiv auf einen Werwolf reagieren würde, der sein Unwesen in den Gebieten von Valenwald treibt.
Ich hatte während meiner Arbeit festgestellt, das es keine Leiche mit rostrotem Fell gegeben hatte, wobei es bei manchen tatsächlich etwas schwierig war die Fellfarbe festzustellen, denn einige hatten bedauerlicherweise keines mehr und ich war mir ziemlich sicher, dass es gerade das war, was rumorend in meinem Magen verdaut wurde. Ein erneuter Anflug von Übelkeit ließ mich in einen nahen Busch rennen und auch den letzten Rest Mageninhalt in erwähnten Busch verteilen, bevor ich mich wieder beruhigt hatte. Wobei „beruhigen“ vielleicht in meiner Verfassung das falsche Wort war, ich war alles andere als ruhig, um genau zu sein kauerte ich den Rest des Tages heulend am Boden.
Ich versuchte mich währenddessen grob daran zu erinnern, was mit dem Kater passiert war und kam zu dem Schluss, dass ich ihn einfach übersehen hatte, weil er eine ganze Weile lang nicht vor mir davon gelaufen war. Wenn man nun zu dem Schluss kam, dass dies ein Zeichen von vorübergehendem Mitgefühl oder Vernunft gewesen war, muss ich wohl oder übel einlenken. Dass ich ihn übersehen hatte, lag einzig und allein daran, dass er keinen Reiz in mir ausgelöst hatte, indem er Fersengeld gab, während ich ihn noch sah. Das war vermutlich auch der Grund, weswegen das Rudel Werwölfe – ich war mir mittlerweile ziemlich sicher, dass es Werwölfe gewesen waren - die über meinen Trupp herfielen, an mir vorläufig kein Interesse gezeigt hatten, bis einer davon sich dann doch dafür entschied, die vor Angst, starre Beute anzuknabbern, weil ansonsten nichts mehr übrig gewesen war.
Als ich mich schließlich umsah, entschloss ich mich dazu, dass das was von dem Lager noch übrig war zu schwierig zu verstecken sein würde, also klaubte ich einen schmutzigen Rucksack auf und stopfte ihn mit Essen und anderen Dingen voll, von denen ich glaubte, sie auf meinem zukünftigen Weg brauchen zu können.

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Saneera (04.06.2014), Firnormon (04.06.2014)

6

Dienstag, 3. Juni 2014, 15:29

Überleben


Mit der Zeit lernte ich gewisse Dinge zu verbergen, mich vorzubereiten und unauffällig zu bleiben. Ich ging nicht davon aus, dass die meisten eine Ahnung hatten, dass es überhaupt so etwas wie Werwölfe gab, aber ich war auch nicht scharf darauf, sie darauf aufmerksam zu machen. Glücklicherweise sprossen mir weder mehr Haare aus dem Körper als üblich, noch hatte ich Fangzähne oder andere Auffälligkeiten, die nicht zu einem Bosmer passten. War ich normal, verlief mein Dasein weitestgehend einfach, wenn ich darauf achtete nicht all zu oft die Nase in den Wind zu halten, oder übermäßig viel zu essen. Letzteres war bedauerlicherweise eine Notwendigkeit, die ich nur dann ausleben konnte, wenn ich alleine war. Ich hatte immer Hunger und wenn ich die Gelegenheit hatte mich bis zum Rand vollzufressen, tat ich es. Zwischen den Wandlungsphasen streifte ich durch Städte und Dörfer und brachte immer größeren Abstand zwischen mich und dem Schauplatz meiner ersten Wandlung, während ich dort nicht weiter aufzufallen schien, wo ich ankam. Es spielte also keine Rolle wohin ich ging, für wen ich Botengänge machte und an wen ich Fleisch und Fell verkaufte. Es war eine stinknormale Tätigkeit für eine wie mich und niemand fragte mich je, woher ich kam und wieso ich gerade an gerade diesem Ort auftauchte, oder warum ich nach einiger Zeit wieder verschwand.
Kurz vor meinen Wandlungen verließ ich die zivilisierte Gegend, suchte mir ein weitläufiges Waldareal und bereitete mich vor. Ich hatte gelernt meine Sachen vor der Wandlung auszuziehen und an einen einprägsamen Ort zu verstauen, denn auf Dauer wurde das neu beschaffen von Kleidung etwas lästig und teuer. Ich lernte, in welcher Position ich die Wandlungen hinter mich bringen konnte, um die Qual zumindest ein klein wenig zu bessern, auch wenn es bedauerlicherweise keine Möglichkeit gab, sich daran zu gewöhnen. Man stumpfte vielleicht ab, was das Prozedere anging: Lichtung suchen, ausziehen, auf alle Viere gehen und warten, aber das war auch schon alles was man tun konnte, bis die zwanzig Minuten Knochenbrechen und Fleischreisen vorbei waren.
Wenn jetzt die Annahme aufkam, ich hätte mich am liebsten in ein Schwert gestürzt, um diesem Fluch endlich ein Ende zu setzen, würde es wohl eine Enttäuschung sein, wenn ich zugab, dass ich nichts dergleichen vor hatte. Für den ein oder anderen Menschen mochte dies als Unerträglichkeit gelten, die er rasch beendet wollte, für mich hingegen war mein Dasein die meiste Zeit erträglich. Ich habe mich schon immer zur Natur und den Tieren hingezogen gefühlt, also störte mich meine Wolfsgestalt nicht im mindesten. Es machte Spaß durch den Wald zu hetzen, Kaninchen und Hirsche zu jagen und mich mit anderen Raubtieren zu prügeln, schließlich war es nichts anderes, als das was ich vorher auch schon getan hatte, nur sehr viel effektiver. Ich war das Alphatier in jedem Wald und es gab nichts, vor dem ich mich fürchten brauchte, darüber hinaus vergaß ich hin und wieder das ziehende Gefühl des Verlustes meiner Freunde und meiner Heimat.
Die einzigen Momente, in denen ich meinen Zustand hasste, waren die Begegnungen mit arglosen Wanderern oder Karawanen. Kontrolle gab es nie und sobald ich etwas rennen sah, musste ich es jagen, töten und fressen. Dahinter lag keinerlei böse Absicht, denn das hätte eine Begabung für logisches Denken erfordert, die zu dieser Zeit nicht vorhanden war. Ich tat einfach, was mein Wolfshirn mir vorgab, jagen und fressen war für einen Wolf der Normalzustand. Er machte sich keine Gedanken darüber, ob seine Beute nun sprechen konnte oder nicht. Bedauerlicherweise machte mein Bosmerhirn einen Unterschied und war es leid hinter dem Fressen des Wolfes her zu räumen. Auch wenn wir ein und die selbe Person waren, empfand ich es zu diesem Zeitpunkt als tröstend den Wolf zu beschimpfen während ich halb gefressene Wanderer verscharrte und mir überlegte, wie ich das nächste Grab vermeiden konnte.
Ich versuchte es mit bewussten Wandlungen, aber nach einigen erfolglosen Experimenten, gab ich das Projekt auf. Ich suchte in den Städten und Dörfern nach Büchern, die irgendeinen Hinweis auf mein kleines Fress-Problem haben könnten, aber auch das stellte sich als Niete heraus. Es gab Literatur zu Werwölfen, ja, bedauerlicherweise wusste ich als Werwolf schon, wie mein Körper funktionierte, dazu brauchte ich keine Sezieranleitung und etwas besseres brachte Mensch und Mer nicht zustande.
Als ich eines Morgens nach meiner Wandlung aufwachte, erinnerte ich mich an den Drang zu heulen und damit meine ich nicht, in Tränen auszubrechen, sondern das typische wölfische Heulen, das mich manchmal beschlich und ich diesem inneren Drang nachgeben musste. Wölfe benutzt das heulen zur Kommunikation, soviel wusste ich und ich hatte schon immer den Wunsch nach Nähe verspürt, weswegen ich mich die sichere Zeit zwischen meinen Wandlungen in Dörfern aufhielt, anstatt mich wie ein kauziger Eremit in den Wald zurück zu ziehen. Irgendwo musste es eine Antwort auf mein Problem geben. Wer also, wüsste wohl am besten wie man seinen Fressrausch unter Kontrolle bekommt? Die Antwort lag auf der Hand: Ein anderer Werwolf.
Ich hatte keine Ahnung, wo ich mit der Suche anfangen sollte, eines wusste ich allerdings genau, es würde nicht in Valenwald sein. Denn selbst wenn ich dort einen Wolf finden würde, wäre die Chance nicht eben gering das Rudel zu finden, das sich über meinen Trupp her gemacht hatte. Selbst wenn also einer dieser Wölfe einen Ausweg gewusst hätte, hätte ich ihn eher erschossen, als Hilfe von ihm anzunehmen, so viel Stolz war mir noch immer zu eigen. Schließlich begab ich mich an den ersten Ort, der mir einfiel und der sich am besten für den Startpunkt einer Reise eignete. Auridon.
Dort gab es Händler, die sich Fleisch und Felle eines Bosmers ansehen wollten und es dauerte nicht lange, bis eine Lieferung mich über die See nach Himmelswacht führte. Ich plante die Fahrt direkt nach einer meiner Wandlungen und so überstand ich die paar Tage ohne größeren Schaden anzurichten, allerdings war ich beinahe am verhungern, als ich endlich den Kai betreten konnte. Es ist praktisch unmöglich den Proviant von mehreren Tagen für einen hungrigen Werwolf mit sich herum zu schleppen und so hatte das Schiff am ende seiner Reise keine einzige Ratte mehr an Bord. Mein erster Weg trieb mich also nicht, wie geplant zu einem der Käufer, sondern unmittelbar in die Fänge eines Gasthauses. Wie das Schicksal so will, trieb der Hunger auch einen kaiserlichen Flüchtling direkt dort hin...


( Falls sich nun Fragen zum Spielstil aufgetan haben - denen eine solche Beeinträchtigung zugrunde liegt - empfielt es sich dies im Charaktersteckbrief zu Nurian durchzulesen. )

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Nurian
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Saneera (04.06.2014), Firnormon (04.06.2014)

7

Samstag, 4. Juni 2016, 15:13

Die Nacht in Schattenfenn
was bisher geschah...



Das trampeln ihrer Füße, lässt den Boden unter mir erbeben, als zitterte die Erde vor Furcht. Ich bin klein, nur Beute, deshalb renne ich schneller und schneller, bis die Luft in meinen Lungen zu scharfen Messern wird. Ihre Rufe hallen wie gurgelnde Ströme aus Schlamm, disharmonisch und hungrig, während ich den Luftzug eines Hiebes in meinem Nacken spüre. Ein weiterer Hieb und ich falle - falle in die Tiefe. Einen Augenblick, fühle ich den Wind, wie er seine zarten Finger nach mir streckt, um mich zu fangen, bevor sie unter meinem Gewicht zerreißen. Ich denke nichts, bloß meine Ohren lauschen, wie das Pfeifen meines Falls, in einem jähen Aufprall endet und Berge und Täler, in schwarze Nacht gehüllt werden.

Eine Zeit lang denke ich, dass mich die Dunkelheit der Ohnmacht, weiterhin in ihrem Griff hält, bis ich begreife, dass die Düsternis aus der Nacht geboren war, die über mich hereingebrochen ist. Ich fühle scharfen Schmerz,wo die Felsen meine Haut aufgeschnitten haben, doch darüber hinaus, spüre ich nichts. Dort wo einst meine Beine waren, herrscht nun bloß noch eine dumpfe Taubheit vor. Ich versuche nicht, mich zu erheben, sondern sehe mir die beiden toten Oger an, die sich in unmittelbarer Nähe befinden. Ihr eigenes Gewicht, war ihnen zum Verhängnis geworden, als sie mit mir gemeinsam, die Klippe hinabgestürzt sind.

Eine Weile noch, liege ich auf dem Felsvorsprung, welcher mich zerschmettert hat und denke darüber nach, wie weit Tiberius und Lyzzrin gekommen sein mochten.Waren sie sicher gewesen, als das Oger-Pack auf meine Ablenkung reagiert hatte? Ich weiß es nicht und eine andere Person, hätte es nie erfahren, denn sie wäre hier geblieben und gestorben, so wie es vorgesehen war. Ich hätte ebenfalls hier liegen und sterben können - dass eine tun können, welches mich ein letztes Mal mit allem Guten und Reinen verbinden würde, bloß um zu spüren wie es gewesen war, vor so langer Zeit. Doch der Tod ist nur ein Wimpernschlag, nur eine Sekunde des Friedens, die niemals ausreichen kann, um eine Ewigkeit aufzuwiegen, in die mich die Jagdgründe rufen. Ich werde also leben und weiter gehen, bis ein Ende kommt, welches ich nicht beeinflussen kann. Meine Finger krümmen sich um die Lederriemen an meinem Wams und öffnen es so weit, dass ich es mir mit Mühe abstreifen und den Vorsprung hinabwerfen kann. Bogen und Köcher, waren bereits bei meinem Fall von meinem Rücken gelöst worden und liegen verstreut über den Leichen, die am Fuße der Klippe verwesen. Ich würde sie einsammeln, wenn die Zeit gekommen war, also versuche ich, meine Hose abzustreifen, doch meine leblosen Beine sind zu schwer, ich schaffe es nur bis zu den Knien und beschließe, dass es reichen musste.

Ich spüre den schreienden Hunger, die Einsamkeit, welche nicht zu stillen war, seit wir uns von dem ersten Wolf getrennt hatten, den ich Zeit meines Daseins traf. Nur Tiberius habe ich zu verdanken, dass ich dieses Verlangen zähmen kann, bis es unerträglich wird. Während all der Zeit, die er versucht hatte zu verhindern, dass passierte, was passieren musste, habe ich ihm nie gesagt, dass es bereits funktioniert. Nicht auf die Art und Weise, wie er es sich wünscht und doch würde es mir heute das Leben retten, wie es sonst nichts getan hätte. So also, lasse ich die
eiserne Ruhe in meinem Innern zerfallen und es stürzt über mich herein wie das Meer über eine Sandwand. Alles wird davon hinfort gespült, bis nur noch Hunger und Wut herrschen. Ich hasse es, hasse mich...

KOMM RAUS!
HILF...MIR!
HILF....M...IR...

Ich höre meine Stimme schreien, nur einen Moment, bis Feuer durch meinen Hals sickert. Ich würge, denn meine Kehle zerbirst unter dem Druck. Meine Knochen springen, Muskeln zerreißen, meine Haut spannt sich unnatürlich über verbogenes Fleisch. Ich beginne zu lachen, als die Pein in meine Beine fließt, doch die Verdrehtheit der Wandlung, macht es unmöglich, das Geräusch aus meiner Kehle als etwas anderes, als Chaos zu identifizieren. Die Zeit vergeht und es findet kein Ende, doch es stört mich nicht, denn ich fühle keine Zeit, keine Not, überhaupt nichts, außer Schmerz.

Die Ruhe danach, ist wie ein Rausch, der mein Hirn durchflutet und für wenige Augenblicke begreife ich, dass es vorbei ist. Ich rieche die Luft und lausche dem Wind, bis ich glaube vor Einsamkeit und Hunger zu sterben. Ich rufe in die Nacht hinein, doch nichts antwortet aus der vorherrschenden Stille, also laufe ich fort um alleine zu jagen. Immer alleine, immer hungrig. Ich töte die Kreaturen der Nacht, welche sich verzweifelt zu retten versuchen. Ich verschlinge Fleisch, Blut und Knochen und werde doch nicht satt, also renne ich weiter, bis mir ein Geruch in die Nase steigt, dem ich folgen will. Ich kenne ihn, diesen einen...

Sie sehen mich nicht, denn es ist finster - ich bin so hungrig, rieche das lebendige Fleisch, mit dessen Hilfe ich das Loch in meinem Magen füllen will. Mein Maul öffnet sich, doch meine geheilten Beine verweilen, denn das Fleisch spricht Worte. Ich verstehe sie nicht, doch ich höre ihren Klang und Worte die aus mir selbst kommen, hämmern auf mich ein. Mensch...Mensch...MENSCH! Ich verstehe es nicht, verstehe nicht
was es heißt, doch es is so dringlich, dass ich nicht vorwärts laufen kann und es ärgert mich....Hunger...HUNGER! Ich versuche es zu verscheuchen - lästiges Ding - und je mehr ich brülle, desto leiser werden die Worte. Mensch....Mensch........M... Ich gehe vorwärts, Schritt um Schritt, doch dann bricht etwas neben mir aus dem Dickicht, das nach Blut riecht und Panik. Die Bewegung reizt mich, die Worte reizen mich und ich hetze dem Blutgeruch hinterher, den anderen weit hinter mir lassend. Die Jagd verläuft lange und trägt mich tief in den Fenn, doch es ist nicht schnell genug und letzten Endes stirbt es, für jemand anderen.

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Nurian
~ Weltreisende