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Synnea

Novize

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Allianz: Dolchsturz-Bündnis

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Donnerstag, 26. März 2020, 01:10

Junge Heilerin sucht Abenteurergruppe

«Junge Heilerin sucht Abenteurergruppe»

So stand es auf einem vom Regen durchnässten Pergament, das im Wind flatterte. Die Tinte im unteren Bereich, wo jemand die Details ihres Angebots fein säuberlich und in Schönschrift ausformuliert hatte, war zerflossen und unlesbar geworden.
Synnea zog die Kapuze etwas weiter herunter ins Gesicht und griff dann nach dem Zettel. Der Versuch das Geschriebene zu lesen endete darin, dass dieser sich daraufhin komplett vom Rahmen der Tavernentür löste.
«Achwas... Mädchen, ich hoffe du weißt, welche Geister du da rufst...», murrte sie leise zu sich selbst, in einem Tonfall von dem sie nur selber wissen konnte ob es abwertend, amüsiert oder belehrend gemeint war - wahrscheinlich war es eine Mischung von allem. Zuerst wollte sie die Bekanntmachung wieder an die Stelle hängen, wo sie diese her hatte - brach dann aber dieses Vorhaben schnell wieder mangels Erfolgsaussicht ab. Das Pergament war im Regen nun komplett dahin und so knüllte Synnea es in einen kleinen Ball um es in einem weiten Bogen in die Dunkelheit der Nacht zu schnippen.
Dann griff sie zur Klinke und betrat die Taverne.

Im Inneren war es heller als in der Nacht draußen vor der Tür, auch wenn die Kerzen und die Feuerstelle eher schemenhafte Schatten an die Wände und die Einrichtung warfen statt hellem Licht. Der Besitzer der Taverne war wohl erfahren genug keine Fackeln einzusetzen die nicht nur kurz brannten, sondern auch Dreck machten.
Aber wenigstens war es trocken und warm, das war das wichtigste.
Synnea griff nach der Kapuze und zog sie sich nach hinten vom Kopf, so dass ihre pechschwarzen Haare darunter zum Vorschein kamen. Sie schüttelte den Regen vom Ärmel ab und wartete einen Moment bis sich ihre Augen an das Licht gewöhnt haben. Doch schon lange bevor sie die vier Personen in der Stube genau erkennen konnte, war die Lage schnell sehr offensichtlich.

Da war zum einen der Wirt, der etwas abseits stand und nicht nur aussah wie das fünfte Rad am Wagen, sondern sich in diesem Moment wahrscheinlich auch so fühlte. Denn die Gäste in seinem Wirtshaus bestanden, neben Synnea, noch aus einem Bretonen, den seine beiden Begleiter auf einer der Bänke platziert hatten. Der Mann war allem Anschein nach verletzt und stöhnte durch seine aufeinander gebissenen Zähne vor Schmerzen. Rechts von ihm stand ein junger Ork mit einem Glas hochprozentigem in der Hand. In seinen Gesichtszügen konnte man förmlich den Zwiespalt lesen ob er den Inhalt trinken, seinem verwundeten Kameraden an die Lippen reichen oder die Wunde damit desinfizieren sollte.
An der linken Seite der zur Liege umimprovisierten Bank stand leicht zittrig und bleich wie ein Draugr eine junge blonde Frau, keine 20 Winter alt. Sie versuchte gerade in diesem Moment eine Ampulle aus ihrer Tasche herauszuziehen und war offenbar mit der Lage hoffnungslos überfordert. Sie schaute zu der Blutlache unter der linken Schulter des Verletzten und wurde noch unsicherer als sie eh schon war.

«Abenteuerer?», sagte Synnea und rollte mit den Augen. Es war keine Frage, mehr eine Feststellung. Ihr Blick ging dann zum Wirt und sie nickte ihm zu.
«Etwas warmes zu trinken, bitte. Nicht alkoholisch. Tee zum Beispiel. Und ich nehme einen Platz am Feuer.»
Synnea legte ihren nassen Mantel ab und legte ihn um eine Stuhllehne in der Nähe der Feuerstelle ab. Ohne auf eine Antwort oder Aufforderung zu warten ging sie sofort auf die kleine Gruppe zu.

«Kommt sofort, ich habe sogar Tee von der Goldküste.»,
meinte der Wirt lächelnd, froh darüber seine Arbeit machen zu können und nicht bloss zuzusehen wie eine Gruppe Frischlinge seine Taverne in ein Lazarett verwandelte. Offenbar war Menschenkenntniss durchaus sein Metier, so dass er Synneas Herkunft als Kaiserliche anhand ihrer Züge und Art korrekt interpretiert hatte. Oder es war ihre recht forsche, militärische und hochnäsige Art zu reden, die sie verraten hatte. Und mit dem Erscheinen einer etwas kompetenter wirkenden Hilfe stiegen die Chancen, dass es beim Lazarett blieb und nicht in einer Leichenhalle endete.

«Synnea Adris. Ich glaube dein Zettel hing draussen an der Tür», meinte sie zu der Frau, die noch immer nach dem richtigen Fläschchen in ihrer Tasche suchte. «Dein erster Auftrag? Was ist passiert?»
«Zweiter...»
bekam sie schnell zu hören, die Stimme der jungen Heilerin klang zitternd. «Wir sind von einer Höhlenspinne angegriffen worden. Sie.. hat unseren Freund erwischt... Ich hab alle Gegengifte versucht aber die Wunde blutet immer neu los... und er atmet immer schlechter...»

«Das Vieh war so gross wie ein Kalb!», warf der Ork schnell ein.

«Hat sie ihn denn überhaupt gebissen oder nur nach ihm geschlagen? Höhlenspinnen bauen kein Netz, sie wohnen... nun ja... in Höhlen. Die sind ungiftig, kleines.» Sagte Synnea und betrachtete die Blutlache. «Euer Freund ist nicht vergiftet oder gelähmt, er ist am verbluten. Du da, schnapp dir dein Messer und mach seinen Brustkorb frei. Das Gesöff gibst du deiner Freundin, sonst kippt die uns gleich auch noch um.» Sie deutete zum Ork der umgehend das Glas wegstellte und sofort loslegte als ihm endlich jemand sagte was er zu tun hat.
Synnea betrachtete einen Moment lang die Wunde und legte die Hand flach auf den Brustkorb des verletzten vor ihr. Was er mit einem schmerzerfülltem Zischen kommentierte.
Sie beugte sich zu dem Mann vor und blickte ihm dann in die Augen. «In deinem Brustkorb stecken Chitinsplitter. Teile der Klaue. Diese stechen nach jedem Versuch deiner Freundin die Wunde zu behandeln deine Lunge neu durch. Und deshalb erstickst du am eigenen Blut. Und das sehr bald. Ich ziehe die jetzt raus.» Sie sprach ruhig, deutlich und in knappen, schnellen Sätzen. Die Zeit drängte.

Der Mann auf der Bank sah zu Synnea hoch und nickte. Sein Atem war flach und er spuckte etwas Blut bei dem Versuch zu antworten.
Synnea griff nach den Händen des Orks und führte sie dann zu den Schultern des Verletzen. «Festhalten. Er darf nicht zappeln.»

Dann hielt sie die Hand flach über die Wunde, die Handfläche nach unten. Ihre Augen blinzelten etwas und starrten in die Ferne, sehen konnte sie im Moment nichts, nur spüren wie die Magie auf die Fremdkörper im Brustkorb des Patienten reagierte und der Zauber zu wirken begann. An sich war dieser nicht sehr komplex, simple arkane Kinematik, aber sie wollte dem Mann nicht auch die halbe Lunge mit herausreissen, nur die Splitter. Also erforderte der Eingriff höchste Präzision. Ihre Finger griffen dann ineinander, als ob sie einen kleinen Gegenstand fassen würde und dann zog sie ihren Arm mit voller Wucht nach oben.

Ein langgezogener Schrei hallte durch das Gasthaus, die Operation war mangels Zeit vollkommen ohne Betäubung in aller Dringlichkeit erfolgt und als die Klauensplitter aus dem Brustkorb schossen, bahnten sie sich erneut neue Wege durch Fleisch und Rippenknochen. Die blutigen Splitter brachen mit einem Ruck durch die Haut, schwebten kurz in der Luft ehe Synnea sie mit einer Wischbewegung bei Seite drückte. Im gleichen Moment legte sie dann die Hand wieder flach auf den Brustkorb auf um die Wunde zu stabilisieren. Nur langsam hörte der Körper des Mannes auf zu verkrampfen und sich aufzubäumen. Die Schreie hörten ebenfalls auf und gingen in ein lautes Atmen über.
Und jetzt hörte man deutlich quer durch den Raum wie die junge, angehende Kollegin der Heilzunft mit lautem Würgen ein paar Fuss daneben in einen Kübel erbrach.

Der Ork stand noch immer am Kopf des verletzten und presste die Schultern seines Kameraden flach gegen die Bank..
«Du kannst ihn loslassen, brich ihm nicht auch noch die Schulter», sagte Synnea zu dem Ork und richtete sich wieder auf. Auch sie nahm ein Paar lange Atemzüge und wischte sich dann mit dem Handrücken quer über die Stirn um eine schwarze Haarsträhne bei Seite zu schieben. Offenbar hatte das ganze auch Synnea einiges an Kraft gekostet.

Sie beugte sich runter und suchte einen Augenblick lang den Boden ab um dann neben dem Tisch die blutigen Klauensplitter vorzufinden, hob diese dann auf und drückte sie dem Verletzten in die Hand. «Kannst dir ja eine Halskette draus machen, bringt Glück.»

Die junge Heilerin trat leicht schwankend wieder zu den anderen drei dazu. Sie war noch immer kreidebleich, aber ebenfalls wie ihr auf der Bank liegender Gefährte, auf dem Weg der Besserung. «Danke... ich wusste nicht, dass...» stammelte sie.

Synnea musste grinsen, sie zwinkerte der vielleicht halb so alten Frau zu. «Ja, hab ich gesehen. Gewöhn dich dran, bei dieser Laufbahn die du da anstrebst, da machst du dir genauso die Hände blutig, wie die, die du beschützt.»
Dabei legte sie ihr die Hand in einer freundlich anmutenden, behütenden Geste flach auf die Schulter. Und hinterließ somit auf ihrer Robe einen blutigen Abdruck.

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Marius Bates (26.03.2020)