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Gilde: Die gekreuzten Klingen

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Sonntag, 8. September 2019, 09:53



Der Tag der Abreise

Das Zerwürfnis mit dem Prinzen war schnell vergessen, galt es heute in See zu stechen.
Da man das erste mal ohne die Pferde aufbrechen sollte, waren die beiden Schiffe verhältnismäßig zügig mit Waren aller Art bestückt worden. Bei guter See rechnete man mit zwei bis drei Wochen auf hoher See. Nun musste das Wetter mitspielen, sollte die Route über den Norden gehen.
Welche Gefahr dabei bestand, darüber musste man nicht lange nachdenken.

Während die beiden Schiffe nun ruhig vor Anker lagen und letzte Vorbereitungen getroffen wurden, warf die Ordensmeisterin noch einen letzten Blick in die zusammengesuchten Unterlagen, die vom Rattenmeister handelten. Mit Llyras hatte sie einen wissenden Verbündeten gefunden, der sie an ihren alten Freund und Bruder Pater Leando erinnerte, mit dem sie einst vor vielen Jahren schon einmal dem Rattenmeister oder eben einer seiner Schergen begegnet war. Dass es gefährlich werden würde, ohne Frage. Dabei spielte nicht nur die politische Situation eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Nun aber wollte sie noch einen letzten Kaffee an Land genießen. Zeit, die sie nutzte, um sich einige Hinweise noch einmal zu Gemüte zu führen, niedergebracht durch die federführende Hand des Dunmer Llyras.

Gibt's 'ne Plage voller Ratten, ruf' den Fürst der dunklen Schatten
Sphären der Schatten; Namira, Nocturnal, Vaermina, (Mephala), (Boethiah)

Rattenmeister, eins zwei drei, sprichst du und er ist dann frei
Kinderliedartige Umschreibung eines Beschwörungsrituals

Führt die Ratten in das Meer, kein Ungeziefer nimmermehr
Beschwörung eines Daedra zur Beseitigung weltlicher Probleme

Sehr hoch dafür ist doch der Preis, bezahl' des Meisters raschen Fleiß.
Darbringung eines Opfers, wie bei Daedra üblich

Kindlein will er für sein Reich, führt sie in des Welten Teich,
'Sein Reich', (Taschen)Ebene im Reich des Vergessens, Seelenopfer

Die Kindlein bei ihm ewig weilen, Schmerz um Schmerz sie dann wohl teilen,
Reich des Vergessens, entrückt aus weltlicher Zeit

Rattenmeister heißt der Herr, die Kindlein sieht man nimmermehr
Rückerlangung der Kinder/ihrer Seelen für Sterbliche (normalerweise) nicht möglich


* * *

Namira oder Vaermina

Theorie Vaermina – Art des Wirkens, Manifestation
Die Albtraumdaedra Modderfenns sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Formwandler und Foltermeister, die den Geist ihres Opfers malträtieren. Sie manifestieren sich als das Abbild der Furcht ihres Gegenübers. Ich stelle die gewagte Theorie auf, dass der Rattenmeister die Furcht vor ihm als Schrein seiner Verehrung benutzt. Furcht, die er auf hinterlistigste Weise durch Geschichten, Märchen und Gedichte nährt und die sich von selbst verbreiten. Er mag, je nach Grad der Angst, in den Geist einzelner eindringen oder sich gar bei kollektiver Furcht in Gestalt auf Nirn manifestieren können. Auf diese Weise wäre es ihm möglich, der Ausbreitung seiner eigenen Gruselgeschichte zu folgen um weitere Seelen zu ernten. Denn Kinder und liebende Eltern fürchten sein Erscheinen schon von der ersten Ratte an, die sie irgendwo sehen und nähren damit seinen Einflussbereich. Es käme zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung, die ihm mit jeder Verbreitung die Macht weiterer Kinderseelen verspricht und der Geschichte damit jedes mal aufs Neue Glaubwürdigkeit verleiht.
Diese Theorie beinhaltet auch folgende Gedanken:
Der Rattenmeister besitzt keine physische Gestalt und nistet sich in Geistern Sterblicher ein (nur wenige/ein Diener).
Womöglich lockt allein diese Anwesenheit/Furcht Ratten an. Womöglich werden sie Teil einer Einheit, wenn er sich manifestiert.

* * *

So folgten noch viele Seiten, doch stand der Aufbruch kurz bevor und ehe sie ihre dicke Akte in festes Leder packte, verinnerlichte sie noch einmal die eindringliche Warnung..


Sollten diese Schlussfolgerungen stimmen, wird der Ort seines Verharrens/Einflusses eine Verschmelzung aus Realität und Albtraum sein. So wahr wie unwahr dieser Ort sein mag - sofern der Rattenmeister selbst die Quelle der Überlappung ist, wird es keine Möglichkeit geben, diese vor seiner Vernichtung zu brechen. Bestenfalls mögen geübte Magier/Mystiker fähig sein, die Auswirkung der überlagernden Dimensionen einzudämmen. Entsprechend werden die zu bestreitenden Kämpfe unter Umständen nicht unbedingt rein physischer Natur sein. Die Magier mögen sich entsprechend wappnen und alle müssen auf psychischen Terror und schreckliche Eindrücke vorbereitet sein! Des weiteren wird Licht jedweder Art benötigt.

Noch etwas. Ist der Rattenmeister ein Daedra, egal ob in leibhaftiger Form oder als kontrollierende, körperlose Entität, würde eine simple Vernichtung oder Bannung der mundanen Form lediglich zu einer Rückkehr seines Animus ins Reich des Vergessens führen, wo er wieder Stärke gewinnt. Dies also ist keine dauerhafte Lösung, denn sein Wirken würde nach einiger Zeit wieder von neuem beginnen. Fangt seine Existenz mit einer Animusgeode ein, oder lasst mich den Kern seines verfluchten Seins meine Teekanne binden.


Besonders die letzten Worte ließen sie schmunzeln..."Ganz sicher nicht..Er gehört mir."

Dort, wo Wahrheit und Mut miteinander verbunden werden, liegen die Geheimnisse der Gerechtigkeit.
Sie darf nicht gezügelt werden, denn sie leuchtet nicht auf in den Kriegsnebeln...

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Celebringil (08.09.2019)

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Mittwoch, 18. September 2019, 07:43



Erste Begegnungen mit den Telvanni


Die kalten Winde des Geistermeeres hielten das majestätische Einsamkeit bereits zur Mitte des Monats Herdfeuer in ihrem frostigen Griff, doch dank der großen Bucht war der Hafen den unbarmherzigen Böen des Nordens nicht völlig schutzlos ausgeliefert. Das Königreich Westhimmelsrand wartete in seiner Hauptstadt mit stabilen Befestigungen und einem nicht unerheblichen Aufgebot an Gardisten auf, denn als neutraler Hafen wollte sich Einsamkeit aus den Fehden der ungeliebten östlichen Brüder und den anderen Allianzen heraushalten und die Sicherung der eigenen Autonomie hatte dabei höchste Priorität.

Die Bemühungen der Stadt zahlten sich aus. Offenbar florierte der Handel und auch wenn sich die Gesichter aller Rassen auf die ein oder andere Art in dem gewaltigen Hafengelände zeigten, so verhielt sich doch alles weitgehend friedlich.

Was den Mitgliedern des Ordens jedoch die Laune sicher etwas verhagelte, war der Anblick der Schiffe, deren Segel von den verschnörkelten Symbolen der Telvanni geziert wurden. Drei an der Zahl waren es und eines davon, ein ungemütlich anzusehender Holzklotz von einem Dreimaster, sollte den Recken bald als Transporter dienen, denn zweifelsohne war dieses Schiff für lebendige Fracht ausgelegt worden. Die beiden kleineren Schiffe, Einmaster, wirkten auf andere Weise ebenso unsympathisch wie das Ungetüm. Schnittige und wendige kleine Biester, böse anzusehen. Behandelte Chitinplatten, die mit Sicherheit einst zu großen Insekten gehört haben, verliehen den Geleitschiffen nicht nur eine leichte, aber effiziente Panzerung, sondern auch das Aussehen wütender Käfer, die über das Wasser liefen.

Sklaven befanden sich neben den Matrosen auf den Schiffen und gaben dem Vorurteil, die Telvanni würden aber auch rein gar nichts selbst machen, fruchtbaren Nährboden. Und auch wenn sich die Zahl der Telvannistreiter überschaubar blieb, ließen sie keinerlei Zweifel an ihrer Effizienz und Disziplin. Viele schienen Söldner zu sein, denn unter ihnen waren drei gewaltige Nordkrieger, einige kleine Bosmerschützen und ein paar leichte kaiserliche und rothwardonische Kämpfer. Dunmerische Kampfmagier rundeten das Bild ab und gaben den kleinen agilen Schiffen mit Sicherheit eine gewaltige Feuerkraft. Einige von ihnen trugen käferartige Helme und sie alle waren in Rüstungen aus Chitin, Netchleder, Dreughpanzer und Knochen gehüllt, was ihnen nicht nur misstrauische Blicke, sondern auch eine gewisse Ehrfurcht hiesiger Wachen einbrachte.

Lange würde es nicht dauern, bis Llyras Verenim alles Nötige mit dem Verantwortlichen der Telvannischiffe geklärt hatte, der als Sardras Verenim vorgestellt wurde und dessen aggressives Äußeres alleine schon vermuten ließ, dass mit ihm nicht sonderlich gut Käfer essen war. Der Kampfmagier trug eine Rüstung ausgebleichter Knochen und eine Kapuze, die von Schlangen geziert war. Seine rechte Gesichtshälfte war schwarz tätowiert, klingenartig und mit daedrischen Runen versehen. Doch noch markanter mochten die komplett schwarzen Iriden des Dunmerzauberers aus dem relativ jungen Gesicht hervorstechen, in denen sich weder Regungen, noch Licht widerspiegelten. Es war wohl ein Segen für alle, als Sardras Verenim eines der Geleitschiffe bestieg und dort blieb, während dem Orden der Zugang zu dem (hoffentlich) zweckentfremdeten Sklavenfrachter gewährt wurde. Sehr eilig hatten die Telvanni es nicht. Sollten die pferdelosen Recken aus Hochfels die stolze Hauptstadt Westhimmelsrands besuchen wollen, würde es ihnen von ihren neuen Gastgebern zur See gestattet werden.

* * *


Unter der Optik des Chitinartigen Schiffes, wie auch seiner Besatzung fiel ein Dunmer besonders ins Auge. Ein fast vampirisch bleicher Mann, welcher optisch etwa dreißig Lenze zählt, stets in der Nähe des auffälligen Sardras Verenim. Ein Kontrast, welcher stärker nicht sein konnte. Es könnte wie Desinteresse gewirkt haben, als die Gäste des Schiffes jenes bestiegen, denn sein Blick war fast flüchtig als wolle er die Gruppe nicht wirklich betrachten, während ein leichtes Schielen keinen Fixpunkt vor sich kannte.
Eine zierliche Gestalt, in eine nachtschwarze Tunika gehüllt, welche mit Fragmenten aus Dwemermetall ausgestattet war. Jedes Stück auf eigene Art unter dem vagen Schimmern sehr leichter Verzauberungen, welche sich schwer Dechiffrieren ließen. Der konzentrierte Ausdruck auf dem markanten Gesicht des Dunmer, dessen Alterlosigkeit nicht über seine wahre Lebenszeit Aussage treffen kann wurde zerstört von einem Mal auf seiner rechten Wange. Es handelte sich um ein Brandmal in Form des Wappens des Hauses Telvanni, welches man so manch einem Sklaven aufbrannte. Zwischen seinen Fingern ruhte ein Stock, welcher ebenfalls aus Dwemerischen Elementen gefertigt war. Eine akkurate Handwerkskunst stilisiert den Gegenstand, zwischen seinen fein behandschuhten blassen Händen. Darauf ein leuchtend roter Kristall, welcher in einer Fassung befestigt ist. Ähnlich aufgebaut wie die Kristalle welche man aus Dwemerruinen kennt. Für ein besonders geübtes Auge, erfasst man Elemente eines Kontrollstabes aus einer der vielen Dwemeruinen, für ihre Animunculi.

Der Telvanni in Schwarz schien wie ein stiller Brunnen zu sein, eine unergründliche Tiefe lag in seiner kontinuierlichen Ruhe. Er schien unentwegt zu lauschen, was die Recken taten, still und ohne Aufsehen. Jede Form von kakophonischer Disharmonie welche sie auf das Schiff brachten wurde stillschweigend registriert. Und dennoch wirkte er nicht schüchtern, vielmehr analysierend. Als habe er einen regen Geist, welcher schlagartig jeden Eindruck versuchte zu katalogisieren. Hörte man ihm zu, so hörte man die Worte SEHT unter einer angenehm, ruhigen Stimme. Und so manch ein Sklave, so sprach von dem sonderlichen Mer hinter vorgehaltener Hand. Gerüchte die sich hie und da verbreiteten, dass er vielleicht ein Diener des Gottes der Mysterien sei. Ein gestrenger Anhänger von Sotha Sil, dem Gott der Uhrwerke, der Magie und Mitglied des berüchtigten Tribunals. Andere Gerüchte sprechen von einem Sklaven der sich einen Rang innerhalb der Telvanniriege erkämpfte und seine Freiheit erlangte. Ein Mer, welcher im Lagerraum einige Gegenstände hütete wie ein Drache seinen Schatz.

* * *


Somit ging die Reise unter den wachsamen Augen der Telvanni weiter. Die Ordensmeisterin ließ keinen verzögernden Aufenthalt in Einsamkeit zu.

Dort, wo Wahrheit und Mut miteinander verbunden werden, liegen die Geheimnisse der Gerechtigkeit.
Sie darf nicht gezügelt werden, denn sie leuchtet nicht auf in den Kriegsnebeln...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Jassillia« (18. September 2019, 07:48)


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Celebringil (18.09.2019)