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Freitag, 9. März 2018, 11:33


Wir schreiben das Jahr 521 der 2. Ära.
Steinfälle...


Das war ein großer Fehler.
Brerod Jonassson kauert auf dem vom Asche getränkten Boden im steinernen und felsigen Nirgendwo von Steinfälle.
Er hat schon viele Fehler in seinem Leben gemacht, aber dieser - da ist er sich in diesem Augenblick sicher - wird wohl sein letzter sein.
Sein Haupt ist vorne über gebeugt, seine Arme hinter dem Rücken verschränkt, während er dort so auf den Knien kauernd scheinbar seinem Ende ins Auge blickt.
Sein Leben war mit dem Tode seiner kleinen Tochter Hjofa bereits zerbrochen und so stand der Entschluss schnell fest sich der Reisegruppe anzuschließen, die eines Tages ihre Nordsiedlung passierten.
Das ist nun schon einige Wochen her, so genau weiß er das gar nicht mehr.
Havirunn, der rothaarige und kräftige gebaute Nord, führte die kleine Gruppe an und erzählte natürlich nichts davon, dass es sie hier in das Land ihrer Feinde, in das Land der ´Grauen´, führen würde.
Das Versuchung des Goldes war wohl zu groß.

Brerods Gedanken scheinen zu explodieren.
Sein Leben läuft wie ein schlechtes Theaterstück vor ihm ab.
Er denkt an Hjofa, an seine Frau, seinen Vater...aber auch an Herild, die gut aussehende Rothaarige, die neben ihm kauert und ebenso um ihr Leben fürchtet.
Schüchtern traute er sich lange nicht sie anzusprechen, sie, die damals in Riften zu der Gruppe dazu stieß.
Doch er tat es dann doch, als sie bereits die Grenze gen Steinfälle überquerten.
Und sie waren sich von Beginn an sympathisch, die Chemie stimmt....ja, es passt einfach.
Eine gemeinsame Zukunft soll ihnen aber wohl nicht vergönnt sein und dennoch mag Brerod die wenigen Augenblicke nicht missen, die er mit ihr hatte, die ihn gar sein totes Kind und sein bisheriges Leben für den Moment vergessen ließ.

Hajamor, ein eher dürrer Nord, kniete auch neben ihnen.
Während es Brerod tunlichst vermied den Kopf zu heben und es Herild ebenso zuflüsterte, ist Hajamor der Typ von Nord, der sein Maul nicht halten kann.
Nein, er hat sich nicht im Griff und fiel ein ums andere Mal während der Reise auf, als er andere provozierte.
Er kauert nun neben ihnen und Brerod sieht aus den Augenwinkeln, wie es in Hajamor innerlich kocht.
Er spürt, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis er explodiert.

Havirunn, der Anführer war auch von dieser Art, nur konnte er sich besser beherrschen, wenn es hart auf hart kommt.
Brerod hätte es ahnen müssen, dass diese Reise nicht gut ausgeht, spätestens als sie das Land der Dunmer betraten.
Die Gier nach dem glänzenden Gold hatte schon so vielen den Tod gebracht.
Aber er selbst war ein Narr, dass er ihm einfach folgte, wie ein kleines Kind dem Vater.
Ein Kind, dass von nichts weiß und nur hinterher läuft in der Hoffnung, der Vater würde ihn schon beschützen.
Die Grauzungen ließen sie passieren, schienen zunächst freundlich, gar einladend.
Was sagte Havirunn ihnen immer? - "Prägt es euch ein, ihr Narren: den Dunmern kann man nicht trauen."
Die Aussicht auf den Glanz des Goldes ließ ihn derart blenden, sodass er selber seinen eigenen mahnenden Worten nicht mehr zuhören wollte.
So war es eigentlich keine Überraschung, dass die Dunmer, die sie so scheinbar friedlich ab der Grenze ins Landesinnere begleiteten, von einer Minute auf die andere ihre Meinung änderten und beschlossen die Reisegruppe abzuschlachten.

Brerod will aber dem goldgierigen Havirunn keine Vorwürfe machen.
Er folgte eben jenem vermeintlichen Traum vom Reichtum, während er selbst seines eigenen Schicksals Schmied ist.
Er hätte auch die Gruppe verlassen können.
So kauert er nun dort und wagt einen kurzen Blick aufwärts zu dem Dunmer, der ruhig an ihm vorbei geht, den abgeschnitten Kopf von Havirunn in der Linken und eine blutgetränkte Klinge in der Rechten.
Nur die Drei hier Knienden leben noch, alle anderen sind nicht mehr.
Der grimmig drein blickende Dunmer, von dem dennoch eine seltsam ruhige Ausstrahlung ausgeht, wirft Havirunns Haupt achtlos in den Aschboden, der sodann ein paar Schritte weiter rollt und nicht weit von Hajamor liegen bleibt.
Das war´s.
Der innerlich kochende Hajamor schreit auf, springt hoch und will sich ohne jede Waffe auf den einen Dunmer stürzen.
Was für ein Idiot.
Er schafft es nicht einmal einen Schritt nach vorne, als bereits hinter ihm ein anderer der Grauzungen auftaucht, um blitzschnell seine Klinge Hajamors Kehle durchtrennen zu lassen.
Der Nord geht röchelnd zu Boden.
Für einen Moment scheint ihn Havirunn anzustarren, als Hajamor direkt neben seinem Kopf in der Asche von Steinfälle in nur wenigen Minuten sein Leben aushaucht.

Brerod und Herild haben Mühe Ruhe zu bewahren.
Weiterhin sind ihre Häupter gesenkt.
Die Dunmer sollen sehen, dass sie sich ihnen ergeben und sie mit nur einem Hieb ihre Köpfe neben dem von Havirunn befördern können.
Es vergehen Sekunden, Minuten, die wie eine Ewigkeit vergehen.
Die Dunmer sprechen miteinander, lachen aber nicht.
Worauf warten sie nur?
Plötzlich kommen zwei von hinten heran, fesseln sie.
Ein Ruck und sie sind auf den Beinen
Das sieht nun nicht mehr so aus, als würden sie sie töten wollen.
Zumindest vorerst nicht.
Sie werden gestoßen und angetrieben weiter zu gehen.
Die Gruppe der Dunkelelfen macht sich daran aufzubrechen und die zwei Nord sollen mit.
Vielleicht gefällt ihnen der Gedanke, dass sie sich so unterwürfig zeigen?
Die Dunmer sind bekannt für die Sklaverei.
Und so geht es weiter ins Landesinnere Steinfälles hinein, in eine ungewisse Zukunft.
Zwei Nord, Brerod und Herild, als Gefangene der Grauzungen.

Zurück bleiben tote Nord, die schon bald von der Asche der der Vulkane des Velothigebirges und des Aschberges bedeckt sein werden...
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

"Niemals tut man so vollständig und so gut das Böse, als wenn man es mit gutem Gewissen tut." (Blaise Pascal, 1623 - 1662)

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Jassillia (11.03.2018)

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Freitag, 6. Juli 2018, 09:40


Irgendwo in den verschneiten Bergregionen im Fürstentum Ostmarsch.
Man schreibt das Jahr
555 der 2. Ära...
...kurz nach der Vampir-Schlacht am Berg zwischen dem Moldark- und dem Elmerd-Clan.


Kalte tote Augen blicken in die Dunkelheit, starren ins Nichts.
Hjotrta, die Vampirherrin der Moldarks verharrt regungslos, während ihr tausend Gedanken durch den untoten Schädel schießen.
Wie konnte ihr das nur passieren?
Dass sie so leichtsinnig war und ihre ´Kinder´ nun dafür zahlen mussten.
Hjotrta ist umgeben von eisigen kargen Höhlenwänden irgendwo in der Bergregionen von Ostmarsch.
Außer ein paar skelettierte Überreste irgendwelcher armen Geschöpfe, die halb von Eis und Schnee bedeckt sind, gibt es hier nichts in diesem dunklen ´Gefängnis´ inmitten einer großen Höhle, die schier unendlich viele Gänge zu haben scheint.

Fjorig, der Graue, muss diesen Ort gekannt haben.
Als hätte er schon damals Rachepläne geschmiedet, als sie ihn verließ und er daraufhin schwor es ihr heim zu zahlen.
Sie hatte ihn unterschätzt.
Jahrelang hat er scheinbar genau auf diesen Moment gewartet ihr in die Augen zu blicken, ehe er die schwere Tür dieses eisigen Gefängnisses für immer verschließen würde, auf das sie hier für ewig ausharren soll.
Sie hat ihm den Gefallen nicht getan, hat nicht weg geschaut und seinem Blick stand gehalten.
Nein, er kann sie foltern, sie quälen oder gar töten, aber er würde nie erleben, dass sie ´einbricht´ und ihm ihre Schwäche offenbart, indem sie ihr Scheitern zugibt.
Der endgültige Tod, die Erlösung, das war zu wenig für ihn.
Nein, Hjortra soll auf ewig dafür büßen, dass sie ihn verließ und den Clan entzweite.
Zahlen soll sie für ihren Verrat an ihn.

So trafen sich ihre Blicke - ein letztes Mal - als er für diesen einen Moment gar lächelte.
Blicke sagen manchmal mehr als Worte.
Er lächelte und verharrte für einen Augenblick, der ewig zu dauern schien.
Hat er etwa darauf gehofft, dass sie um Gnade flehen würde?
Dass sie ihm um Verzeihung bitten würde, der alten Zeiten willen?
Hjotrta erwiderte seinen Blick, hielt ihm stand, blieb aber stumm.
Er genoss diesen Moment, keine Frage.
Dann wendete er sich ab, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzublicken, gefolgt von seinen untoten Schergen.
Er verließ die Höhle und hinter ihm fiel die schwere Tür ins Schloss auf das es nie mehr würde geöffnet werden.
Hjotrta blickte ihm nicht hinterher.

**

Vilrim, die gar hässliche glatzköpfige rechte Hand von Hjotrta wagt erst gar nicht sich zu wehren, als man ihn durch den Schnee von Ostmarsch durch die Nacht schleift.
Seine Gedanken kreisen um seine Herrin, die zurück blieb in dieser Höhle.
Fjorig hat sie alle getötet, bis auf Hjotrta, Máeglin Carnesîr und ihn.
Eigentlich überrascht es ihn nicht, dass der Graue genau so handelt.
Es passt zu ihm seinen Sieg noch Jahre auszukosten, als dass es durch einen schnöden Tod so plump und schnell enden würde.
Bestimmt wird er seine Gefangenen von Zeit zu Zeit ´besuchen´ kommen.
Und sicher nicht, um sie mit seinem Besuch zu erfreuen.
Ja, so war er schon immer.
Man hat ihn wohl doch unterschätzt und es ihm nicht zugetraut, sich derart Pläne weit im voraus auszudenken und sie dann noch bis ins kleinste Detail durchzuführen.

Einige konnten während der Vampir-Schlacht am Berg fliehen.
Er hofft, dass es sie noch gibt, ist sich aber nicht sicher, ob sie nach ihrer Herrin suchen werden.
Voil ist loyal, aber er ist nicht dumm.
Er wird wissen, was zu tun ist.

Weiter kommt Vilrim in seinen Gedanken nicht, als man ihn unsanft zu Boden befördert.
Sein durch zahlreiche Brandnarben entstelltes Gesicht wird zu einer Fratze, was seine untoten Feinde aber überhaupt nicht stört.
Nach Stunden des Marsches durch den Schnee von Ostmarsch stoppt nun der Vampirtross vor einer weiteren dunklen Bergwand.
Fjorig stapft einige Schritte vorbei an dem am Boden knienden Vilrim und mustert eben jene Wand.
Ein knappes Nicken folgt und so hieven die Vampire den Glatzkopf hoch.
Eine weitere Höhle,...seine Höhle, sein Gefängnis, für die Ewigkeit.
Vilrim wehrt sich nicht, als sie ihn auf die Bergwand zu führen, wo nun, nur wenige Schritte entfernt, ein sehr schmaler Eingang sichtbar wird, der zuvor kaum zu erkennen war.
Auch er findet sodann ´seinen Platz´ in irgendeiner der unendlich vielen Höhlen der verschneiten Nordlande.
Vilrim hat sich alles genau gemerkt, den Ort wo sie Hjotrta hin brachten und den Weg von dort hierher zu seinem ´Gefängnis´.
Nur was wird es ihm nützen, wenn er hier auf ewig schmoren wird?
Als ob hier jemals jemand zufällig diese Höhle finden und erkunden würde.
Sicher nicht.

Oder?
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Dienstag, 10. Juli 2018, 08:46


Wir schreiben das Jahr 585 der 2. Ära.
Fürstentum Ostmarsch.
Die Nordsiedlung Jernheim...


Saranir ist immer noch nicht zurück.
Viktor macht ich inzwischen schon ein wenig Gedanken ob des Verbleibes des Gefährten und Waffenhand.
Er streicht mit Hand über den Rücken seines Pferdes, nach dem er täglich sieht und beobachtet, halb in Gedanken, den Karren mit einigen Händlern, die soeben in die Siedlung kommen.
Ein kleiner Klapps auf des Pferdes Rücken, ein kurzer Blick zum Himmel hoch, dann schreitet er ein paar Schritte in Richtung dieser Händler.
Sie kommen wohl aus Windhelm und bringen Waren.
Viktor sah sie bereits öfter.
Sie reisen nie alleine und haben meist einen bewaffneten Nordreiter an ihrer Seite.

Sein Blick geht wieder gen Himmel, der sich ihm ein strahlend blau präsentiert.
Die wenigen Wolken, die es gibt, ziehen recht schnell vorbei.
Es ist kalt, aber Viktor spürt es nicht mehr so, wie noch an dem Tag, als er in den Nordlanden eintraf.
Er scheint sich daran zu gewöhnen.
In der Ferne macht er aber dunkle Wolken aus.
Sie werden wieder Schnee und Wind bringen, da ist er sich sicher.

Skrava, die Kriegerskaldin, ist weiterhin mit einem Trupp auf einer Mission.
Sie scheint nicht ohne Gefahr zu sein.
Viktor hörte so manchen der Dorfbewohner, wie sie darüber flüsterten.
Ihm selbst wird nichts erzählt.
Da er ebenso bereits den Entschluss traf keine weiteren Bewohner Jernheims über seinen Vater, oder gar über die Vampire, zu befragen, verbringt er die meiste Zeit alleine für sich.
Es ist in Ordnung, doch wünscht er sich schon wieder Saranir an seiner Seite.

Die fahrenden Händler reden aufgeregt über irgendwelche ´wichtigen´ Dinge, die auf ihren Wegen bereits erlebt haben.
Viktor kann sie über den Platz gut verstehen.
Insbesondere der Eine hat eine so laute und tiefe Stimme, den würde man selbst aus großer Entfernung hören, wenn er flüstern würde.
Fast meint man, er hörte Weiber tratschen, denkt er sich und will sich gerade wieder zur großen Halle aufmachen, als er in diesem Moment etwas Interessantes vernimmt.
Der ´Laute´ erzählt etwas von einer Gefangenen in einer nah gelegenen Siedlung und Viktor ist sich ganz sicher, dass er dann auch das Wort ´Vampire´ hören kann.
Er unterbricht seinen Gang und lauscht weiter, kann aber nichts mehr verstehen, da man sich wohl nun den Waren zuwendet und diese vom Karren hievt.

Das ist doch mal interessant, denkt er sich und beschließt sodann mehr von diesen Händlern in Erfahrung zu bringen.


*

Er macht sich nun wirklich Sorgen um seinen Gefährten.
Saranir Gerstenhof ist nach wie vor nicht zurück.
Er wollte, da ist sich er sicher, niemals so lange bleiben.
Es muss etwas passiert sein.
Viktor fühlt sich just wieder sehr alleine.
Hier in Jernheim, der Siedlung, die seine neue Heimat werden soll.
Aber es ist so, wie es ist.
Er ist alt genug auf eigenen Beinen zu stehen und entschließt sich seinen Weg fortzusetzen.

Die fahrend Händler sind kurz davor wieder aufzubrechen.
Gestern, bei Brot und Met, plauderten sie wie wild und umso mehr Met floss, umso lockererer wurde ihre Zunge.
Viktor hat sich zu ihnen gesetzt, spielte den naiven Dörfler, der unauffällig immer wieder Fragen zu dieser mysteriösen Gefangenen stellt.
Sie tappten unwissend in seine Falle und erzählten alles, was er wissen wollte.
Eine Altmer sei es, so berichteten sie.
Aufgegriffen, nachdem sie sich eine Schiffspassage hier gen Norden erschlich.
Erst wollte man sie direkt verbrennen lasen, hielt man sie doch für eine der Vampire.
Sie feilte ihre Eckzähne spitz und faselte wirres Zeug über diese Unholde der Nacht.
Jetzt ist sie dort gefangen und die Dörfler dort erhoffen sich ein gutes Geschäft mit ihr zu machen.

Viktor ist hin und her gerissen.
Saranir ist nicht da und ihn könnte er nun gut an seiner Seite gebrauchen.
Aber die Händler, die in diesem Moment ihre Karren wieder beladen und sich aufmachen gen Windhelm, kommen genau wieder an diesem besagten Dorf vorbei.
Es ist die Gelegenheit.
Skrava ist auch noch nicht wieder zurück.
Keiner weiß genau, wann mit ihr, und ihren Kriegern zu rechnen ist.
Viktor überlegt nur kurz, dann steht sein Entschluss fest.

Er sattelt seinen Gaul und wird mit den Händlern reisen.
Ein bewaffneter Nordkrieger begleitet sie.
Besser kann es nicht sein.
Er muss nur mit ihnen reiten.
Einer der Wachen gibt er an, dass er nun zu jenem Dorf aufbricht und bittet ihn Skrava hierüber zu informieren.
Ob sie es tun wird, ist sich Viktor nicht sicher.
Aber er muss sich eilen.
Die Händler warten nicht, haben schon ihre Karren in Gang gesetzt und so sitzt er auf und treibt sein Pferd an.

Außerhalb der Siedlungsmauer dreht er sich noch einmal gen Jernheim um.
Er wird zurück kommen, denkt er sich noch und reitet dann mit der kleinen Gruppe Händler in den Schnee von Ostmarsch hinaus.
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Mittwoch, 25. Juli 2018, 12:33


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Steinfälle...


Mit gesenktem Kopf, in leicht gekrümmter und geschwächter Haltung sitzt Brerod Jonassson auf dem Gaul, der ihn durch die karge von Asche und Staub gefüllte Ödnis von Steinfälle, dem Land der Dunkelelfen, führt.
Der so starke und kräftige Nord ist schwach, wohl am Ende seiner Kräfte.
Seine Hände sind auf dem Rücken so stark gefesselt, dass sich das Seil im Laufe der letzten Stunden an seinem Handgelenken rieben und gar blutende Wunden hinterließen.
Das Pferd, welches ihn durch die Nacht in Steinfälle und über den staubigen Boden trägt, ist wiederum mit einem Seil an das Roß von einem der Dunmer ´angeleint´, die die so einfältige Nordgruppe um den großspurigen rothaarigen Havirunn nieder metzelten.
Sein strähnig langes Haar weht leicht im Nachtwind, der aber gefühlt nur aus der Asche der umliegenden Vulkane besteht und stetig auf die Reisenden hernieder ´regnet´.
Brerods Augen sind schwer, er kann sie kaum offen halten.
Hinter ihm auf einem anderen Pferd sitzt Herild, die gut aussehende Rothaarige, ebenso gefesselt und ebenso müde von den Strapazen der letzten Stunden.
Warum die Grauzungen sie haben am Leben lassen weiß Brerod immer noch nicht.
Womöglich mag es ein Wink des Schicksals oder gar der Götter sein.
Wer weiß schon welches Spiel die Götter wieder einmal spielen?

Etliche Stunden schon trabt der kleine Dunmer-Trupp durch die Nacht.
In der Ferne hört man das vermeintliche sanfte ´Schnurren´ der zwei Vulkane - der Gepeinigten Spitze und dem Aschberg - die unermüdlich ihre graue Asche in die Luft werfen.
Die Dunmer sprechen kaum und lenken ihre Rösser teils über kaum befestigte Wege scheinbar sehr zielbewusst weiter gen Osten.
Sie überqueren einfache Brücken, über die Lavaflüsse hinüber, umgehen Berghänge und meiden Kontakt zu anderen.
Brerod ist zu müde sich zu fragen, was sie mit ihnen vor haben.
Er ist auch zu müde zu hinterfragen, warum er eigentlich hier an diesem Ort und in dieser Situation ist.
Es ist wie es ist.
Auf ihrem Weg durch die Nacht lassen sie einen der Vulkane zur ihrer Rechten hinter sich.
Brerod meint indes Lichter und Silhouetten einer großen Stadt in der Ferne im Norden erkennen zu können, aber sein ebenso geschwächter Geist könnte ihm auch einen Streich gespielt haben.
In einer kleinen Senke, nahe einer weiteren Brücke, entschließen sich die Dunmer zu rasten.
Ein kleines Lager wird errichtet, Brerod und Herild nebeneinander, etwas abseits aber in Sichtweite, Rücken an Rücken gefesselt.

Während der Rast sprechen sie nicht.
Nein, Brerod und Herild nutzen die mehrstündige Pause, um zu schlafen.
Rücken an Rücken gelehnt fallen ihnen schnell die Augen zu.
Brerod träumt diesmal nicht.
Sonst sah er stets die Bilder seiner kleinen toten Tochter Hjofa, die ihn scheinbar immer wieder in seinen Träumen heim suchte, als wolle sie ihm etwas mitteilen.
Nein, diesmal schläft er, tief und fest.
Erst als ihn Stunden später der unsanfte Tritt von einem Dunmer trifft, wird er jäh aus eben jenem traumlosen Schlaf gerissen.
Die Grauzunge spricht nicht, gibt den zwei Nord aber zu verstehen sich zu erheben, während indes die anderen Dunkelelfen bereits dabei sind ihre Pferde zu satteln.
Es geht es sodann weiter, weiter hinein in das Vulkanland der Dunmer.

Es ist bereits seit einigen Stunden Tag, doch die Vulkanasche, die unentwegt vom Himmel herab fällt, lässt es erscheinen, als würde es schon wieder dämmern.
Die Pferde werden nicht sonderlich zur Eile angehalten.
Scheinbar hat man Zeit.
Wieder achtet man darauf, auf den Wegen zu bleiben, auch wenn sie für die zwei Nord nicht direkt als solche zu erkennen sind.
Brerod entdeckt aus den Augenwinkeln manch bedrohlich wirkende käferartige Kreatur, die irgendwo in sicherer Entfernung die Reitergruppe mustern.
Solch Riesen-Käfer sah er zuvor noch nie, obgleich natürlich die Nordlanden ebenso so manch seltsame Wesen beherbergt.
Die Dunmer scheinen Respekt vor den Käfern zu haben oder wollen sich erst gar nicht auf eine mögliche Konfrontation mit ihnen einlassen.
So trottet man langsam, aber stetig weiter durch Steinfälle.
Zum Abend wird abermals gerastet, sodass Brerod und Herild wieder ein wenig Kraft schöpfen können.
Man gewährt ihnen sogar zum ersten Mal etwas Wasser und ein wenig Brot.
"Was haben sie nur vor?"
Herild flüstert es leise nach hinten gen Brerod, der kopfschüttelnd "Ich weiß es nicht" antwortet.
Herild hat Recht.
Warum bekommen sie nun sogar etwas zu essen?
Er erinnert sich an Havirunns Worte, der erklärte, einige der Dunmer-Häuser würden Sklaven halten.
Ihn schaudert es bei dem Gedanken, verzichtet aber darauf sie Herild mitzuteilen.

Es müssen so mindestens drei Tage und drei Nächte sein, die der Trupp sich zwar langsam, aber wohl zielstrebig, durch die Aschlanden von Steinfälle bewegte ohne das es irgendwelche besonderen Vorkommnisse gab.
Vielleicht war es auch ein Tag mehr, Brerod weiß das nicht mehr.
Er und Herild wurden weiterhin mit Brot und Wasser versorgt.
Die zwei Nord vermieden es miteinander zu reden.
Wohl auch, um zu vermeiden den Zorn der Dunkelelfen auf sich zu ziehen, die aber ansonsten nach dem Überfall recht ruhig und wortkarg waren.
Man könnte fast meinen von ihnen könnte keine Gefahr ausgehen und sie wären gar friedlich.
Aber so ruhig und diszipliniert sie jetzt auch wirken, so schnell können sie sich blitzartig ändern und mit geübter Klinge zu gefährlichen Gegnern mutieren.

Es dämmert bereits wieder als man eine kleine Siedlung erreicht.
Später wird Brerod erfahren, dass es sich um den Ort Senie handelt.
Der Trupp stoppt davor und wartet.
Die zwei Nord beobachten das Ganze, scheinbar wird bald etwas passieren.
Eine gefühlte Ewigkeit verstreicht ohne das jemand etwas sagt und man nur wartet, als dann von der Siedlung kommend, eine andere Gruppe Reiter auftaucht.
Sie nähern sich langsam und stoppen einige Schritte entfernt.
Es sind auch Dunmer, meist Stahl tragende Krieger oder Soldaten, aber auch zwei Dunkelelfen, die in Stoffroben gehüllt sind und die sich daher etwas von den anderen bewaffneten Männern abheben.
Man beäugt sich einen Moment, dann steigen die zwei berobten Dunmer ab und kommen näher.
Der, der Havirunns Kopf von seinen Schultern trennte, steigt ebenso ab und geht auf die zwei Dunmer zu.
Brerod und Herild sehen, wie sie sich unterhalten und zu ihnen schauen.
Die Nord werden gemustert.
Brerod sucht den Blick von Herild.
Sie wird wohl ahnen, was da gerade passiert, denkt er sich, als sich auch schon einer der Dunmer nähert und die zwei gefesselten Nord auf ihren Pferden zu der anderen Gruppe führt.
Brerod erkennt aus den Augenwinkeln noch das unterkühlte Nicken der berobten Grauzungen und wie ein Beutel mit Gold den Besitzer wechselt.
Ebenso wird ihm eine Art Wappen gewahr, welches so etwas wie eine Kette zeigt an deren beiden Enden wohl halboffene Ringe angebracht sind.
Er hört noch etwas wie <Almsivi>, dann macht sich die ´neue´ Gruppe Dunkelelfen auch schon daran aufzubrechen.

Nun ist es wohl doch soweit: Herild und er sind verkauft worden, sind nun Sklaven der Dunmer.
Aber sie leben.
Kurz treffen sich wieder ihre Blicke und Brerod meint in ihren Augen erkennen zu können, dass sie gleich denkt.
Ja, sie leben, ...und das ist erstmal das Wichtigste.


(Fortsetzung folgt...)
"Nichts hat einen Wert, wenn man nicht dafür gekämpft hat."(zitiert von Enric Milnes aus ´Die Alik´r - Zweite Ära´)

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