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Donnerstag, 12. Juli 2018, 17:25

Alltag, Angst
(Teil 3: 12.07.2018 )

Wungrane hatet dann keine Gedanken mehr. Im ersten Moment war da einfach nur der Schmerz dieser gerissenen Wunde, der Schock, wie sich diese Vampirin auf sie stützte, die Enthauptung direkt vor ihrer Nase, die toten roten Augen eines einsamen Kopfes, die sie leblos anblicken, und die Angst, die dieser Biss mit sich brachte: panische Angst. Hin und herwindend schrie sie einfach, bekam kaum noch etwas mit. Bemerkte erst nicht, dass ihr Onkel noch lebte, da war, bemerkte nicht, wie die Wölfe gingen, bemerkte nicht, wie Leif noch ins Haus rief, bemerkt nicht, wie Artan zur Heilertasche eilte um das nötige für die Versorgung für sich und aller anderen zu holen. Die Panik und der Schmerz löschten für eine Zeit, die sie nicht benennen könnte, erst mal alles aus, ehe sie überhaupt einen Gedanken zu fassen bekam, während ihre Stimme durch das viele Schreien einen Moment komplett versagte. Der erste Gedanke denn sie wieder zu fassen bekam hieß Jongar, der zweite Onkel, der dritte ist, sie lebt noch, der vierte ist nicht von ihr sondern Artans Frage, wie schlimm es sei.

Erst jetzt, beginnt sie die Welt wieder etwas zu erfassen. Onkel bewusstlos am Boden, Artan auf den Beinen, Leif gerade nicht zu sehen. Zusammenhängendere Gedanken kommen zurück: Artan kann sich um Onkel kümmern, wenn er noch stehen kann, so wurde die Frage von dem Heiler nicht so direkt beantwortet, sondern sagte nur fordernd das eine Wort: "Onkel!" Das einzige was sie tun konnte, und Artan dann wohl auch tatsächlich tat, während sie ein kurzes besorgtes Glück verspürte, dass er noch lebte, während sie wieder von der Angst überschwemmt wurde. Gebissen von einem Vampir. Was würde mit ihr passieren? Stirbt sie? Steht sie wieder auf? Würde sie dann auch so geköpft werden? Sie hat Jongar versprochen, dass sie wenn, zusammen nach Sovengarde gehen, weder mit jetzt Sterben, noch mit Untotendasein, würde sie das halten. Sie will kein Monster werden, oder ohne Jongar gehen, sie will es nicht! Angst und Panik wechselten sich während des Verharrens ab, ihr Körper zusammengekauert, verharrte sie so komplett still, nur ihre Augen huschten umher, während sie atmete, zitterte, und ihre Hand fest auf ihre Wunde gepresst blieb.

Artan kam nach der Behandlung Orsiks zu ihr, fragte wo der Vampir sie erwischt hätte, untersuchte sie, beruhigte sie, so wie ihr Onkel. Aber die Angst pochte weiter in ihrem Kopf. Vampir werden, sterben, Vampir werden, sterben, Vampir werden, sterben... ohne Jongar. Sie sprach ihre Angst so zu werden aus, ihr Onkel meinte das wird sie nicht, Artan legte einen harscheren Ton zu, der sie erst zucken ließ, aber zitternd nahm sie ihre Hand von der Wunde, ließ sich helfen. Der Alkohol tat weh, ließ sie schon zurückzucken, aber wurde gehalten, dann hielt sie selbst, als er nähte. Die fachmännische Erklärung zur Hinzufügen ihres Wissens, nur wenig Gehör schenkend. Die beruhigende Stimme der beiden, ließ sie hier sein, brachten die Gedanken stellenweise weg von möglichem Tod oder Untot, ehe sie letzteres auch sagte, ihrer Angst wage Worte verlieh. Sie wurde weiter beruhigt, behandelt. Das Versprechen, dass sie keine Untote werden würde, dass die Patientin ja vorher gestorben wäre, und sie nicht gerade stirbt. Ein wenig schaffte es ihr Verstand diese Fakten einzuordnen und ihre Angst in Bahnen zu schieben, die sie befähigten mehr Worte als halbgare bibbernde Satzfetzen herauszubringen. So versuchte sie ihren Onkel zu beruhigen, dass er wieder wird und sandte ein Stoßgebet im Geiste an Stendarr, dass die beiden recht haben mögen. Sie hoffte, dass es kein Versprechen in ihrem Leben war, das nicht gehalten wurde, das wäre schrecklich. Dennoch blieb ihr Sein größtenteils bei der Angst, während ihre Sorge um die ihr bekannten Gesichter, sich mehr Raum verschaffte.

Viele Worte später, dem Sehen nach Artan, Leifs Unerschütterlichkeit, auch in solch Situationen noch Essen kochen, und Essen zu können, ließen die Angst weniger werden. Den "Essenstest" hatte sie auch bestanden, ihr wurde nicht übel, sollte kein Beißer werden. Die Zeit verging, schleichend, sie fühlte, als stünde sie neben sich. Ihr Zeitgefühl war etwas verloren gegangen, sie wusste nicht, wann Leif ihr klar gemacht hatte, dass er sie oder ihren Onkel auch sowieso nach Rift bringen würde, es wieder rückgängig machbar wäre, wenn es rechtzeitig geschehen würde. Aufgewühlt verblieb Wungrane, aber die überwuchernde Angst über ihr Sein verschwand langsam aber stetig. Ihr Onkel konnte sie noch einmal schocken, als er Schlafwandelte und sie schon das schlimmste befürchtete. Statt aber einen Vampir-Onkel zu bekommen, bekam sie einen gefesselten Onkel, da man Schlafwandler nicht wecken sollte, er aber nicht aufstehen sollte. Der Anblick setzte ihr dennoch zu. Artan wollte sie schon dazu abkommandieren ihren Onkel zu waschen, aber Leif übernahm das, wohl im Bedenken, ob sie eine gewisse männlichere Region ihres Verwandten sehen und waschen wollte. Wungrane verteidigte auch Orsiks Bart, nichts wird da kahlgeschoren... und so bekam Leif von Artan den Auftrag, ihn zu einem ansehnlichen Nord zu säubern, aber die Haare dran zu lassen.

Wungrane war froh, als drei Tage vergehen, und niemand und nichts dort zum Vampir wurde. Entwarnung, sie gingen auch nach Rift, sie ging auch allein nach Rift, dann wieder zum Heilerhaus, um nach ihrem Onkel zu sehen. Weiterhin erzählte sie Lia von der Geschichte, nach einem Versuch es geheim zu halten – vergeblich – ging mit ihr einen weiteren Tag einen Met trinken, samt Trinkspiel. Das würde sich zwar leider nicht wiederholen, da ihre Freundin, nicht mal einen Met vertrug, am nächsten Tag matsch war, aber es hatte abgelenkt von ihren wirbelnden Gedanken...
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"Wenn die Winde des Wandels wehen, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen."
-Chinesisches Sprichwort

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Spiffypurse (12.07.2018), Meavy (13.07.2018)

62

Donnerstag, 12. Juli 2018, 17:34

Alltag, Angst:
(Teil 4: 12.07.2018 )

Fast eine Woche war sie weg, als sie in Rift ihren Jongar endlich wiedersah. Erst wich sie dem Thema hier auch wieder aus, erzählte ihm aber dann in minimalistischer Art, was passiert war. Er war erschrocken, verständlich. Natürlich, wollte er mehr auf sie aufpassen, natürlich, glaubt er auch, auf sie aufpassen zu können, selbst gegen diese Vampire, aber Wungrane gab zumindest vor sich selbst zu, dass nicht zu glauben, so wie Orsik aussah, was sie selbst sah. Dennoch, spendete ihr Jongar so viel Halt und Schutz, war geradezu der plätschernde Brunnen in einer ausgedorrten Wüste. Neben dem, dass sie ihm liebte, konnte sie zumindest sicher sein, mit ihm nach Sovengarde zu können, wenn er bei ihr war, statt alleine. "Das", war der Punkt, der dafür sorgte, dass sie sich bei ihm sicher fühlte. Sie wäre nicht allein und könnte ihr Versprechen halten. So kehrte sie endlich wieder Heim, nach Hause.

Orsik kam sie auch besuchen, noch ziemlich angeschlagen von seinen Verletzungen, aber er brauchte wohl Luft vom Heilerhaus, war sicher einfach ausgebüchst. Der weite Weg besorgte sie aber, auch dass er wieder ging statt wenigstens die Nacht über zu bleiben. Dabei dachte sie noch nicht mal an Vampire, sondern nur an seinen Zustand. Allerdings, hatte er wohl mitbekommen, dass er in diesem Fall wieder etwas ungünstiger erschienen war, und so schien ihn auch kein Ochsenkarren aufhalten zu können, den beiden wieder ihre Ruhe zu lassen, obwohl man auch Wulfgars Heim für die Ruhe anbot. Vorwürfe ertranken aber nach seinem Verschwinden in der leichten Angetrunkenheit und einer weitaus schönerer Aktivität. Sie würde bald nach ihm sehen, versprochen...

Wungrane kam einen Tag später auch Svea und Wulfgar besuchen. Sie tat als wäre nie etwas gewesen. Sie wollte Ruhe, Frieden, ein heiles Leben und das schob sie soweit vor, dass sie sogar erst mal dafür log, von aggressiven Einbrechern, statt von Vampiren erzählte, die Orsik verletzt hätten. Die Ungereihmtheiten ließen diese kleine Lüge aber schnell zerplatzen, Wulfgar sauer werden und sie sich schlecht fühlen. Kaum erzählt, klammerte sie sich an Svea, die sie umarmte. Angst... diese blöde Angst war da, wo sie nur davon erzählte. Sie hasste das... fand es gräßlich so feige zu sein. Wulfgar beruhigte sich aber wieder, sicher auch dank Svea, und man redete über normaleres, wie Sommersend. Dass die Krieger von Wulfgar dort mal hin wollten, kam auf, und lies auch Wungrane nicht frohlocken, wie schon zuvor, als Jongar es ihr erzählte. Sie hoffte, dass er nicht ging, dann wären hier doch weniger Krieger, falls es doch mehr Vampire gäbe, die nicht angegriffen hatten? Orsik meinte schließlich es wären alle gestorben, die angegriffen hatten. Mit Svea redete sie an diesem Abendnoch wegen Sommersend, und gab ihr einen Weg frei, den sie duch das Versprechen an sie, nicht hätte einschlagen können, auch wenn sie der Gedanke traurig stimmte.

Dennoch bis auf den Umstand, dass sie während Jongars Nachtschichten in Wulfgars Haus auf Jongars ehemaligen Bett schlief. Verhielt sie sich normal, ging ihrem Alltag nach, lernte weiter – wenn auch mit abschweifender Konzentration – und es schien alles wieder gut. "Schien" war aber der Punkt. Jedes mal wenn sie dunklere Wolken am Himmel sah und der Wind auffrischte, ein Unwetter näher zu kommen schien, lief ihr ein Schauer über den Rücken. Sie hatte doch schon ewig keine Angst mehr vor Gewitter.... aber jetzt fürchtete sie, dass nächste das kommen würde. Etwas steckte in ihren Knochen, ließ sie bei manch lauterem Geräusch oder Gerufe wieder zucken. Manchmal wurde es verdeckt, vom Alltag scheinbar hinfortgewischt, ehe es sich, während sie allein war, wieder wie ein Meuchelmörder überfiel. Seit neustem sogar Nachts, wenn sie mit einem Alptraum erwachte, dieser sie verwirrt und ängstlich im Bett sitzen ließ, weil sie schon ewig nichts mehr geträumt hatte, geschweige denn so etwas. Das war dann auch der Augenblick wo sogar ihr junger Hund Magnor mit ins Bett durfte, eigentlich in Wulfgars Gästebett, für einen Fitzel Sicherheit.

Wungrane atmet tief durch, nach den vielen geflüsterten Worten und flüstert auch noch weiter: "Ich hab noch Angst, Kyra... ich trau mich kaum zu Artan zu gehen, wegen den Fäden.. oder zu Alvar, wegen meinem Sax... falls es noch zu retten ist. Der Weg allein ist so weit... Was soll ich machen? Ich bin hier doch glücklich und weg, gehe ich nicht, aber... aber... wie werde ich das los? Ich kann doch nicht nur noch an Jongar kleben... oder den anderen." Sie senkt den Kopf und umarmt ihre Beine, schaukelt sich leicht wippend im Gras während sie mal leise weint, wissend, dass eben jener Jongar sicher tief schlief, von der Nachtwache. Wieso kan sie es nicht einfach vergessen... das wäre ihr am liebsten.
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"Wenn die Winde des Wandels wehen, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen."
-Chinesisches Sprichwort

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Meavy (13.07.2018)