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Mittwoch, 25. Oktober 2017, 15:24

Leere, Schmerz und Wege
(Teil 1: 25.10.2017)


Wungrane liegt auf dem Boden, aber nicht mehr am selben Fleck und auch nicht mehr in der Wildnis, sondern auf einem Fell in einer Behausung in Sturzlauf. Wie sie dahin gekommen ist, ist nicht schwer zu erklären und sie erinnert sich daran zurück:

Sie lag dort in der Wildnis am Morgen, sie lag dort am Mittag und sie lag auch noch am Abend da, ohne sich groß gerührt zu haben. Da und dort flackerte ein Funken Schmerz durch die Leere, der Hunger, der Durst, die Erschöpfung der durchwachten Nacht, aber davon wollte sie nichts wissen. Die Leere war gerade viel angenehmer und dafür musste sie genau eines tun: nichts, absolut nichts. Da ihre Kraft durch die fehlende Nahrung und das Trinken schwand, wurde das auch nur noch leichter. Sie hatte keine Motivation irgendwo hinzugehen oder irgendetwas zu tun. Wozu auch? Die meiste Zeit waren ihre Gedanken still, sie genoß es, keine Sorgen mehr zu haben, keinen Schmerz, keine Verpflichtung, nichts. Manchmal folgten ihre Augen dem was sich bewegte, sei es der Fackelkäfer, die Blüte im Wind, einem anderem Insekt über der Wasseroberfläche oder einem Fisch im Wasser. Meist bereute sie das eher... es zu sehen tat weh. Leben, das sein Leben genießen konnte, war gerade Hohn und Spott, direkt in ihr Gesicht. Selbst das einfachste Leben konnte sich am Leben erfreuen... nur sie nichts. Sie war für nichts zu gebrauchen und allein.

Der Schmerz ließ sie ihre Gedanken beiseite schieben und stattdessen das Wasser anstarren. Leere war deutlich besser, Leere war willkommen, Leere war gut. Sie hörte dann aber schließlich wie ein Wolf näher kam, sah es als, sie dorthin schielte. Sie spürte einen kleinen Impuls in sich... der Aufstehen und Kämpfen, oder Wegrennen sagte. Der Wolf kam näher, doch blieb sie liegen. Näher und näher. Gefressen zu werden wäre kein angenehmer Tod, durchflog ein Gedanke ihren Geist... und sie stand auf, aber tat noch nichts. Plötzlich schoß das Tier vor, biss sie in die zum Schutz erhobene linke Hand und... ihr Überlebensinstinkt übernahm kurzerhand. Sie griff ihre selbstgemachte Einhandaxt mit ihrer unverletzten Rechten, die ihr derzeit noch vertrauter war, als das Sax, und schlug zu, genau wissend wo. Der Wolf war tot. Wieso hat sie das gemacht... Sie schubbst den Wolf ins Wasser, damit er die Raubtiere nicht anlockte, aber das würde ihre Wunde an der Hand wohl schon, wenngleich sie nich schwer war, blutete es ein wenig. Das einzige was sie aber tat, war sich wieder hinzulegen. Gut, vielleicht konnte sie dann im Kampf gegen die anderen Wildtiere sterben, dann könnte sie zumindest noch im Kampf sterben, wie sie es als Nord wohl sollte, auch wenn sie lieber friedlich einschlafen würde.

So waren ihre Gedanken, doch vergönnt war es ihr nicht. Die Sonne war noch nicht untergegangen, als eine Khajit zu ihr trat, die sie verdammt nochmal nicht in Ruhe lassen wollte. Ignorieren klappte nicht, mit ihr Reden, klappte nicht. Einen Jungspund sterben zu lassen wäre verschwendetes Leben. Es störte sie, dass sie da war, sie lenkte sie von der wohltuenden Leere ab, die bis zu ihrem Tod einfach anhalten sollte. S'Zarja war ihr Name, deren Anwesenheit so störte. Als jene dann aber noch gegen Wölfe kämpfen musste, als sie hier blieb, schmerzte es sie zwar, aber noch mehr tat weh zu sehen, wie jene verletzt wurde, wegen ihr... wieder alles wegen ihr! So zog sie ihre Waffe, erschlug einen weiteren Wolf, während die anderen von S'Zarja selbst erledigt worden waren, oder bereits wurden. Daraufhin rannte sie aber weg, denn neben S'Zarja, kam noch die Schwester und Vierbeinerin S'rreva dazu. Das erinnerte sie auch nur mehr an einen gewissen schwarzen Senche, weit weit entfernt von ihr, und ließ sie rennen. Weg! Sie wollte das alles nicht mehr, sich schon gar nicht an sowas erinnern! Weit kam sie nicht, irgend ein riesiges Flatterviech kam von oben und riss sie beim Sturzflug um. Kaum hatte sie sich aufgerappelt, war die Khajiit mit ihrer Schwester aber schon am Kämpfen: das würden sie schaffen, sie musste nicht helfen... so rannte sie weiter.

Sie hielt erst an, als sie glaubte, nicht mehr gefunden zu werden, war über kleine Inselchen beim Fluss gerannt und geschwommen, hatte sich auf der zum Meer gewandten Seite eines Felsens versteckt. Ihr fiel ein, dass sie weiter durch das Wasser hätte laufen müssen, weil man so gewiss ihre Fußspuren bis zu dieser Mininsel sah. Vielleicht war die Khajiit ja nicht schlau genug. Statt sich also nochmal zu verlegen und dadurch gesehen zu werden, starrte sie lieber wieder das Wasser an. Das war Meerwasser.... sie hatte von ihrem Vater mal gehört, man bekäme dann nur noch mehr Durst und würde austrocknen, weshalb sie es nie trinken solle. Wäre das eine Möglichkeit die Leere noch schneller herbeizuführen? Es zu beenden, ehe noch mehr Störungen kamen? Ihr Vater... sie erinnert sich an Tyvirs Worte, was ihre Eltern würden wollen, aber sie verwarf es. Sie wären so oder so schon nicht stolz auf sie, ob das also nach einem gequälten Leben so sein würde, oder nicht, war auch egal, zumal sie sie bei so einem Tod sicher eh nicht mehr wiedersah! Schmerz... und dann hört sie auch noch die Khajiit, die sie gefunden hat. Sie knurrte, doch das half nicht. Sie schrie sie an, es half nicht. Körperlicher Schmerz von der trockenen Kehle ließ sie sogar kurz wimmern. Die Leere konnte sie nicht mehr völlig dabehalten, Schmerz floß durch sie hindurch, wie Wasser das seinen Weg bahnte.

Es half alles nichts, im Moment, das Leben drängte sich ihr geradezu auf und ließ sie nun Weinen und Schrein, den Schmerz herausschreiend, zumindest einen Teil. S'Zarja war bei ihr und hatte sie im Arm und in dem Moment war es ihr egal, krallte sich an jene haarige Gestalt, und hätte sie darüber nachgedacht, hätte es ein kleiner Teil wohl sogar als angenehm empfunden, nicht mehr allein zu sein. Nach dem Weinen und Schrein, war ein Teil der Leere zwar wieder da, aber der Schmerz wechselte etwas mehr zu Trauer und Niedergeschlagenheit. Sie ließ sich tragen und fortbrignen, zum Lager der Khajiit. Sie verkroch sich in die dagebotene Lagerstätte, aber packte sich später wieder aus. Wenn S'Zarja dann selbst nichts mehr hatte, wollte sie es nicht. Schweren Herzens, trank sie schließlich das dargebotene süße Wasser, als sie beim Versuch zu sprechen nur Husten konnte, zu trocken war schon ihre Kehle gewesen. Sie sprach kaum Worte mit der freundlichen Khajiit, war wenn nur sehr knapp damit, und trank anfangs auch nicht mehr, als zwingend nötig.

Es dauerte seine Stunden bis Wungrane Kleinigkeiten erzählte. Wieso sie nicht mehr wollte, sehr sehr grob umrissen. Natürlich, wollte die Frau es ihr Ausreden... aber ihr Misstrauen entfachte: sicher nur weil sie irgendwas von ihr wollte! Nach einem Wutanfall darüber, ließ sie es aber auch wieder fallen. Verwirrung über sich selbst, über den Ausbruch, mit anschließender Verzweiflung. Sie fühlte sich, als wüsste sie gar nichts mehr. Essen tat sie nach wie vor nicht. Sie versuchte S'Zarja aber noch immer davon überzeugen, sie allein zu lassen, ohne Erfolg. Genauso wenig Erfolg hatte die Frau allerdings, sie davon zu überzeugen, anderen Ortes hinzugehen, erst recht nicht in eine Ortschaft. Stück für Stück bröckelte aber immer mehr die Schweigsamkeit und gab über Stunden Hinweg, dann doch mehr und mehr Preis, vor allen über den Auslöser, dass sie hier so enden wollte. Vermutlich würde S'Zarja es wie alle anderen Leid werden, und früher oder später wieder gehen, sie allein lassen. Solang aber, und wenn sie es denn unbedingt wollte, sollte sie eben wissen was sie wissen wollte. Es wäre sowieso egal, so ihre Gedanken. Doch was S'Zarja mühsam in jener Zeit erreichte, war, dass sie zum einen ein Großteil der Leere zurücklassen musste, und zum anderen, zumindest nicht mehr völlig davon überzeugt war, dass Sterben das beste war - es kippelte.

S'Zarja hatte auch einen Bär als ihren Freund, der aber noch keinen Namen hatte. Wungrane hätte nicht genau sagen können wieso, aber er erinnerte sie etwas an Garimar und so schlug sie Garim als Namen für den Bär vor, was die Khajiit annahm. Wollte sie wenigstens noch einen kleinen Teil vom Orden nicht ganz vergessen? Wie eben Farian oder Garimar, auch wenn letzterer er die böse Zoe mochte? Sie schob den Gedanken weit von sich. Sie wollte an das was sie verloren hatte, nicht denken.

Wungrane könnte gar nicht sicher sagen wie lange das ging, seit sie nun vom Orden weggegangen wäre, wie lange sie da allein gelegen hatte, wie lange die Khajiit bei ihr war und sich bemüht hatte. Zusammengerechnet sicher ein paar Tage, so war es ein Wunder, dass sie noch keiner der weitaus übleren Kreaturen Kluftspitzes aufgespührt und erledigt hatte. S'Zarja hatte sie schließlich soweit, dass sie zumindest aus der tieferen Wildnis, unweit der Straße hielten, denn in eine Ortschaft wollte die junge Nord nach wie vor nicht. Es fühlte sich so an, als hätte die Khajiit zumindest ihr Lebensfünkchen wieder etwas angepustet, und von jener, notdürftigsten Schutz gegen die Gezeiten erhalten. Doch die Frage was sie jetzt machen sollte, wurde dominierender. Wenn sie nicht sterben durfte, was sollte sie dann machen? Sie wollte keine Enttäuschung in den Augen von Freunden oder Bekannten sehen, dass sie wieder versagt hatte. Dem konnte sie gerade nicht begegnen. Andrerseits fiel ihr das Versprechen an Wulfgar ein, dass sie sich wiedersehen würden und Yara, war dort vielleicht auch noch in Riften. Sollte sie zurück in den hohen Norden? Allein würde sie das aber nicht schaffen, sie fühlte sich noch viel zu kraftlos und noch nicht bereit irgendetwas anzugehen, was vom Lebensnotwendigsten abwich. S'Zarja wollte sie jedenfalls noch immer begleiten, auch wenn Wungrane selbst noch nicht sicher wusste wohin, denn jetzt wollte sie einfach noch viel Ruhen, sein, und... nichts tun.
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"Wenn die Winde des Wandels wehen, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen."
-Chinesisches Sprichwort

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Meavy (17.03.2018)

42

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 15:31

Leere, Schmerz und Wege
(Teil 2: 25.10.2017)

Die Zeit hatte sie selbst nach wie vor nicht im Blick. Als S'Zarja gerade Wasser holte kam eine Fremde herbei, eine Bretonin, schätzte sie mal, die Haarfarbe ihrer gleich. Sie hatte gesehen, dass sie auf einem Wolf gekommen war. Das machten nicht nur die Nord? Gildin die Füchsin, wie sie sich später vorstellte, war nicht minder penetrant wie S'Zarja, wie sich herausstellte, und schien sich berufen zu fühlen, einen "Trauerkloß" nicht am Wegesrand zu ignorieren. Sie wollte ihr etwas wegnehmen und S'Zarja stand dann aber da und wollte es verhindern. Der Wortwechsel, störte Wungrane, er erinnert sie an die Streiterein und davon wollte sie nichts mehr hören, es sollte aufhören! Doch schließlich erklärte sich Gildin: Was sie ihr, Wungrane, wegnehmen wollte, war die Hoffnungslosigkeit. Rotschöpfchen nannte die Frau sie einfach.

Bevor die Frau ihre Worte allerdings groß in die Tat hätte umsetzen können, rochen die Tiere totes Fleisch und eines von der Sorte, dass sich noch auf sie zubewegen konnte. Das was in Kluftspitze keine Seltenheit war - wenn man nicht in großen Gruppen blieb, oder gut aufpasste - wurde wahr: Die Begegnung mit einem Vampir. Die beiden waren dabei sie zu überzeugen, zur nächsten Ortschaft zu gehen, als es zu spät war: er kam. Lachen im Nebel als sie losrannten. Als sie aber die Brücke von Sturzlauf durch den Nebel sahen, blieb sie gar stehen. Das Ende dieser Brücke war ein Symbol für ein Ende geworden, und das wollte sie nicht sehen. Sie kämpfte ein wenig mit sich, tat einen Schritt zurück und vor, doch wirklich weiter kam sie so nicht. Plötzlich durchzog aber ein Gedanke ihren Kopf: Der Tod holt sie doch noch. Die beiden müssten nur gehen. Sie macht sogar ein Schritt auf den Schatten zu, doch schob sich S'Zarja in ihren Weg. Kein Protest brachte da etwas.

Ein Kampf entbrannte, der Vampir war wohl erfreut ein williges Opfer zu haben, schleuderte sogar Garim, den Bär, einen Meter zurück, als dieser Angriff. Gut sah es für die Lebenden nicht aus, das war nun mal kein Blutunhold und sie waren wenige, nicht zusammen trainiert, nicht vorbereitet. Laufen wäre wohl die bessere Variante gewesen, hätten sie sich von Anfang an beeilt. So hatte der Vampir schließlich Wungrane am Kragen und als sie ihm in die Augen sah, diesen kalten Tod... wusste sie, dass sie zumindest diesen Tod nicht wollte, oder, wie ihr klar wurde, Schlimmeres. Während ihre eine Hand also jene kalte umfasste, die sie so locker hochgehoben hat, griff ihre andere tatsächlich nach ihrer Axt, doch wieder der kalte Griff. Selbst ein Vampir war enttäuscht von ihr, dass sie ihren Wunsch geändert hatte... Doch irgendwie, konnte sie das diesmal nicht als was schlechtes sehen. Der Vampir hatte sie geschickt als Schild gegen S'Zarja benutzt, die sich so nicht getraut hatte anzugreifen, so machte der Vampir auch ungeniert anstalten sich ein Häppchen in jenem gepackten Handgelenk zu holen, gleich hier und jetzt. Wungranes Herz setzte einen Schlag aus... das war vermutlich das "Schlimmere" und gewiss kein einfacher Tod. Bevor es aber passierte, sprang Gildin schon fast kreischend vor, dass er es nicht tun sollte. Der Vampir gab aber ein geradezu belustigtes "Autsch" von sich, als jene mit einem abgebrochenen Pfeil, mit dem gesplitterten Holz angriff. Danach wurde alles nicht besser, so schien es, denn jeder wurde schon sicher ein mal geworfen oder gekegelt, als wären sie Spielzeug. Allerdings war sein "mit der Beute spielen" nun aus, doch zu aller Glück, kam Lisgret auf dem Plan. Wie sie später erfahren sollte, "vermutlich" eine Vampirjägerin, so von Gildin.

Eine schwere Verletzung erhielt der Vampir von einem besonderen Bolzen. Die Tiere konnten teils auch noch Punkten und schließlich floh jener, der eben noch so übermächtig schien tatsächlich, mit einer Art überlauten Kreischen. Viel bekam Wungrane dann nicht mehr mit, sie war überfordert, von dem was sich abgespielt hatte, gleichermaßen von dem, was in ihrem Inneren vor sich ging. Schließlich hielt sie sich einfach an S'Zarjas Arm und ging mit ihr, zumindest, bis sie am Ende der Brücke waren. Sie sah zum ehemaligen Rastplatz des Ordens und tatsächlich: Sie waren alle weg. Man hatte nicht gehofft, dass sie zurückommt oder dergleichen. Das mit dem Erlebnis gerade, ließ sie in die Knie gehen und wieder weinen. Es war alles noch zuviel für sie. Das Wissen schmerzte wieder, der Verstand kompensierte da wenig, dass sie kaum hätten ewig auf sie warten können, selbst wenn sie gewollt hätten. So nett Lisgret auch nach ihrem Befinden fragte, war sie wieder in ihrer eigenen Welt, reagierte nicht auf die anderen und S'Zarja trug sie auch einfach wieder. Irgendwie, tat es gut, jene Khajiit neben sich zu wissen, sie zu spüren, die Sicherheit, die sie ihr vermittelte.

Das sie wie ein weinerliches Kind wirkte, interessierte sie nicht im mindestens, als sie in Gildins Haus ankamen – oder eher dem ihrer Schwester. Doch nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, fragte sie doch noch ein mal, ob S'Zarja es nicht einfach schnell mit ihr beenden könnte, aber, natürlich verneinte jene. Trotz dem ganzen Ärger, wegen ihr, wollten die alle wieder nicht. Es wäre doch so einfach für sie, und sie wären sie los. Sie fühlte sich an dem Abend wie auf hoher See bei Sturm: Spielball der Wellen, oder hier besser gesagt, ein Spielball des Lebens: Vampir gekommen, Leute bedroht und verletzt, sie fast gebissen, sie aber wieder gerettet, nur um dann zu sehen dass kein Orden mehr da war, dann aber in ein warmes Haus zu kommen, und so weiter. Wenn sie ihr Leben davor noch betrachten würde, wird klar, dass es ein ewiges auf und ab war, doch nach ihrem Gefühl, mehr ab, denn auf. Ihr wurde an dem Abend auch klar: nach allem was passiert ist, "wollte" etwas, dass sie nicht stirbt, ob es nun ihr Schicksal, ihr Instinkt oder Wille zu Leben war. Das waren zuviele Zufälle, die sie gerettet hatten, zuviele hartnäckige Gegenstimmen. Da konnte sie nun endgültig nicht mehr gegen an. Sie gab den Gedanken auf, Sterben zu wollen. Wenn es das Schicksal wollte, sollte es sie holen, aber sie würde nicht mehr darauf zusteuern, auch wenn einen Teil von ihr nur ungern von ihrem Vorhaben abließ.
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Meavy (17.03.2018)

43

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 15:38

Leere, Schmerz und Wege
(Teil 3: 25.10.2017)

Gildin redete mit ihr über viel: von dem Ausschlagen von Hilfe, über ihre Situation, über die Götter, über das Verlangen von blinden Gehorsam. Aus ihrer Sicht, war es sogar gut was sie tat, und in diesem Zusammenhang, merkte Gildin auch an, dass sie, Wungrane, immer nur das Schlechte sehen würde, an ihrem Handeln. Erst ignorierte sie diese Aussage konsequent, aber als ein Tag verging, wurde es von der Waldläuferin wieder angesprochen. Tat sie das? Aber dann verschob sie den Gedanken erneut. Stattdessen konzentrierte sie sich etwas auf das Gute, fürwahr, musste sie sich darum ziemlich bemühen, und es verwunderte sie erst, dass die Frau ihre Anwesenheit als etwas Gutes sah. Weshalb? Sie war dann nicht mehr alleine. Das.... war etwas was sie sehr gut verstehen konnte. Sie gingen die neun Regeln der Göttlichen durch und Gildin konnte so feststellen, dass sie den meisten sowieso gefolgt war. Wungrane freute sich darüber.... sie freute sich? Ja tatsächlich, das freute sie. Die Frau hatte so viel vor... wollte ihr helfen, sie hier erst mal wohnen lassen, wie auch S'zarja und Lisgret. Sie wollte ihr zeigen, was man alles machen kann, sogar mit ihr mitreisen, oder Orte besuchen. "Die Gruppe", wie sie es nannte, bestünde aus Freigeisten, sie hätte soviel Glück, ihr stünden dadurch alle Möglichkeiten offen.

Das lies Wungrane den nächsten Tag grübeln. Etwas abgelenkt wurde sie dann durch S'Zarja, die ihr ein Spielzeug mitgebracht hatte. Ein Holz das sich von allein bewegte wenn man das andere rieb. Erst hielt sie es für Magie, aber dann klappte es auch bei ihr. Einerseits, war es schon irgendwie ... nett... dass es das machte, aber andrerseits, hatte sie für dererlei Spielerei gerade keinen Kopf. Die Geste konnte sie damit nicht wirklich erfreuen, was ihr schon wieder Leid tat, aber sie durfte es dennoch behalten, für ein ander mal. Was ihr gut tat war die schlichte Nähe zu S'Zarja. Langsam, fühlte sie sich hier nicht mehr allein, vor allem bei der Khajit, aber auch bei Gildin, etwas, Lisgret sah sie zwar, unterhielt sich aber nicht viel mit ihr. Die beiden ersten waren so positiv, voll Leben, zeigten ihr soviel auf, nahmen sie ernst, hörten zu, sprachen mit ihr so, dass sie es verstand. Farian... Wieso mussten die Leute sowas machen. Ob er es nicht sehen konnte, wie blind das Golgen war, weil er da geradezu hineingeboren wurde, von kleinauf? Vielleicht wäre sie auch so geworden, hätten sie ihn, sie weiter ausbilden lassen. So... ist sie traurig über den Verlust der Gemeinschaft, aber versucht es schwerlich und langsam, in ein besseres Licht zurücken. Dennoch... ein Teil von ihr begann Groll zu hegen, gegen jene, die sie ihrer Ansicht nach so schändlich im Stich ließen, entgegen jeglicher Gnade Stendarrs: sie hatten sie zum Sterben zurückgelassen.

Während sie an S'Zarjas Arm klammerte und da lag, gingen ihre Gedanken aber wieder nach vorne, halbwegs. Sie hatte noch Wulfgars Geschnitzten Vogel beim Orden. Im Grunde gehörte die Zweihandaxt auch noch ihr, die sie von der Baroness der Normanier bekommen hatte, für die Pilgerreise. Die kann sie verschmerzen, brauchte sie nicht, weil sie jetzt anders nutzen wollte, aber Wulfgars Geschnitzes, sein erstes Geschenk an sie... Würde man es einfach aus den Toren zu ihren Füßen werfen, wenn sie danach verlangen würde, es dabei zerstören? Oder war es schon zerstört? Oder würde man es als Zahlung dafür nehmen, dass sie dort immer hatte Essen und Schlafen dürfen? Während der eine Teil Groll hegte, wegen dem was Geschehen war, hatte der andere Teil irgendwie... Angst dahin zurückzukehren, jetzt wo es nicht mehr das war, was es eben mal war. Sie war gegangen... und es hieß, wenn man ging konnte man nicht mehr zurück. Was machten sie mit jenen, die es doch taten? Ihre Gedanken gingen weiter, sie wollte daran nicht denken.

Falls sie wirklich in den Norden zurückkehrte, dahin ging, von wo ihre Eltern stammten... wollte sie noch ein mal ihre eigene Heimat sehen. Die Sümpfe nähe Aldfelden. Am besten danach noch nach Dolchsturz, damit sie dort noch ein mal in einer großen Kathedrale beten konnte. Der Gedanke Hochfels vielleicht wirklich den Rücken für immer zuzudrehen, war beunruhigend, und doch hatte es etwas. Sie war sich aber einfach nicht sicher. Yara finden, Wulfgar wiedersehen, vielleicht bei ihm bleiben, stand weit oben auf ihrer Liste, was sie dann wollte... was danach sein sollte, wusste sie nicht.

Am nächsten Tag hatte sie eine Weile lang niemand gesehen. Unerwartet, kam plötzlich Angst auf, wieder allein zu sein, etwas, was früher kein Problem dargestellt hatte. Sie rannte ein paar Schritte durchs Haus während ihr Herz schneller schlug, ehe sie Gildin entdeckte, diese froh und munter wie immer. Schnell beruhigte sie sich wieder, erkundete auch etwas das obere Stockwerk wie Gildin es ihr anbot und sah den Spiegel. Darin sah sie eine junge hagere Nord, deren Beine noch ein Tick länger waren, als ihr Oberkörper, mit halb verstruppeltem Haar auf dem Kopf, nachdenklichem Blick, und mit so viel weniger Leben in den Augen, als sie es mal hatte, wenn sie früher in das Wasser der Seen oder Flüsse gesehen hatte. Das... war sie? Umso länger sie in den Spiegel guckte, umso fremder kam sie sich vor. Schließlich kämmte sie sich aber mal das Haar, nachdem Gildin ihr einen Kamm reichte und nahm auch ein Bad, dass ihr diese bereitet hatte. Es tat wirklich gut, auch wenn es ihr viel zu warm war. Sie entspannte sich bald, schlief ein und erwachte von einem kleinen traumlosen Schlaf, als das Wasser langsam kalt wurde, so, dass sie es sogar merkte. Schnell war die junge Schrumpel-Nord draußen, trockente sich ab, und nahm sich auch frische Sachen, während sie ihre alten wusch. Gildins Kleidung war für sie an den Schultern etwas eng, aber vor allem etwas kurz. Sie ergatterte aber ein langes Oberteil, dass so halbwegs passte, und einen Rock.. oder eine rundum Schürze ? So war sie dann frisch, mit noch etwas feuchtem Haar. Sie schlief die Nacht über tief und fest.

Nun ist der nächste Morgen, nun liegt sie wieder auf diesem Fell vor dem Kamin. Sie hat frische Kleidung, ein Dach über den Kopf, und weder hungerte oder durstet sie, noch ist sie allein. Das ist schön... und eine der ersten Male, seit der ganzen Sache, lächelt sie kurz, dafür aber ehrlich. Heute, wird sie sich ein paar Schritte vor die Tür wagen, sich dieses Sturzlauf mal ansehen, wenn sie denn wirklich etwas hier bleibt. Ob es Leute geben würde, die sie mögen würde? Selbst wenn, würden sie diese wieder enttäuschen? Sie will wissen, ob die Leute hier in Ordnung sind und sie hofft aus tiefsten Herzen, dass sie ihr Vertrauen in ihre Lebensretterinnen nicht bereut, sich das nicht mit der Zeit ebenso ändern würde. Sie schließt die Augen und betet dafür, an Stendarr vor allem, ebenso wie an die anderen acht Göttlichen.
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Jassillia (25.10.2017), Meavy (17.03.2018)

44

Sonntag, 29. Oktober 2017, 16:12

Alltag, Respekt und Pläne
(29.10.2017)

Wungrane starrt etwas die Decke an. Das Haus wirkt im Moment doch recht beengend. Kein Wunder wenn man befürchtet, dass ein Vampir doch vorbeikommen könnte, wenn dann auch sicher die Leute im Ort kommen würden, auch rechtzeitig, so fühlt sie sich erstaunlich eingesperrt. Sie denkt an die vergangenen Tage:

Sie war neuen Leuten begegnet, in einem viel zu hohem Haus. Der Rat... aber auch andere Bürger von Sturzlauf, durften dort sein. Sie sah eine blutverschmierte Wache, die erst mal versorgt wurde, sie sah einen Magier, der irgendwie in Verbindung mit einem eingesperrten Vampir stehen sollte, so dass man ihn nicht töten durfte. Sie sah einen Koch, der allen ernstes fragte ob nicht sein Küchenzeug gegen einen Vampir reichte. Sie sah eine dickbäuchige schwangere Hochgestellte, die sie später half hoch ins Bett zu bringen, als die Aufregung zu viel wurde und sie umkippte, und sie sah eine Priesterin der Acht, die keine der Gottheiten den Vorzug gab. Jener hatte sie auch viel erzählt, vielleicht zuviel, wer weiß schließlich, ob sie nicht nur eine von jenen war, die gut schienen, es aber nicht waren, wenngleich ihre Sorge echt schien. Das Gebet hatte ihr jedenalls sehr gut getan, sie gerührt.

Es wurde ihr schließlich dennoch zuviel, als sie nicht mal gehen konnte, weil irgend ein wütender Mob den Vampir lynchen wollte, der wegen des Magiers nicht gelyncht werden sollte. Die Priesterin überredete sie so lange wie nötig zu bleiben, als sie aber schließlich hörte, dass der Weg frei war, war sie auf und davon. Als sie endlich wieder in Gildins Haus war, war sie heilfroh gewesen und hatte sich nur hingelegt, und geschlafen. Sie spürte geradezu im Nachhall, wie ihr bei solch Aufregung, die Kraft die sie gesammelt hatte, um selbst wieder einen Antrieb nach vorne zu haben, versagte. War sie noch nicht soweit? Würde sie jemals wieder soweit sein? Oder war sie überhaupt jemals bereit für sowas gewesen? Flucht wenn möglich, ohne Kampf, das war ihr Steckenpferd gewesen, als sie alleine war und es hatte funktioniert, wenn auch nicht immer gut.
Jetzt hat sie sich bemüht einen anderen Weg zu gehen, tapfer und mutig zu sein, und hatte sich stets als die Geringste von allen sehen müssen: ein klägliches Beispiel. Sie erinnert sich an manches Wort, dass das in ihrem Alter schon nicht schlecht war, doch wie sollte sie sich messen, wenn niemand so war wie sie? Wie gut war sie? Wie schlecht war sie? Alle sagten immer das geht, sie kann das, sie schafft das schon und dann versagte sie. Das war gelinde gesagt ein bescheuertes Gefühl. Dass sie jetzt auch lieber erst mal wieder vergaß.

Gildin unternahm mit ihr mal ganz gewöhnliche Sachen: Kochen, Fischfang, solcherlei, und es war gut, ja schön sogar. Sie konnte mit Gildin scheinbar sogar über Sachen reden, die ihr unangenehm waren, so richtig. Leider wurde das Schöneren Sachen wieder überschattet, als Lisgret nicht zurück kam. Die, wahrscheinlich, Vampirjägerin hatten sie die Tage nicht mehr gesehen, und sie wollte dem Vampir nach. Hatte der Vampir gewonnen? Sie wären hier jedenfalls sicher, könnten ohne den Tod jenes Vampirs aber auch nicht weiter. Als Gildin meint, dass ihre Schwester hier nützlich wäre, oder wegen den Geschehen vielleicht gar wirklich frühzeitig zurückkommen könnte, sie dann noch hörte, was sie dann zu tun hätte: Nein! Alles in ihr bäumte sich wieder auf. Dieser bösen Schwester könnte sie keinen Respekt entgegenbringen! Die Dinge die sie tat waren verachtenswert, lieber würde sie auf sie sie umbringen! Gildin machte ihr klar, dass es nun mal einfach nötig wäre falls es wirklich soweit kommt, wovon sie aber selbst hofft, dass es nicht der Fall ist. Trotzdem, Wungrane war sich nicht völlig sicher, sie wollte niemals wieder vor jemandem wie einer Sedura Dres so buckeln müssen, wenn lieber sterben, das hatte sie sich gesagt. Gildin meinte auch, dass die Welt manchmal so laufen würde, das dann kein Heucheln wäre, sonder überleben, wenn man so einer Person Respekt erweißt. Der Gedanke war ihr zuwieder, allerdings kam sie nicht umhin ein Vergleich zu den Tieren anzustellen, die sich bei Mächtigeren untergaben.... aber sie war kein Tier.

Weitere Gedanken die sie lieber wieder verdrängte. Sie würde sehen was sie tat, wenn es soweit war und wenn sie es überhaupt konnte. Was brachte es zu sagen: "ich mach das so!", und dann enttäuschte sie sich und andere doch wieder. Nein, genug damit. Davon hatte sie genug. Sie verriegelten jedenfalls die Türen - die Fenster waren sowieso gesichert, weil das Haus eben dieser bösen Schwester gehörte, die Sicherheit schätzte. Danach hieß es erst mal noch ein wenig warten und hoffen, dass Lisgret doch noch wiederkam.

Wungrane schaut nun zur Decke, ihre gedanklichen Reisepläne stehen fest: Wenn das hier vorbei ist, sie überlebt... würde sie nochmal zum Orden, ihre Sachen holen, vielleicht, wenn es dazu kam, und sie nicht zu finster angesehen wurde, sich auch richtig verabschieden. Sie wird in den Sumpf von Aldfelden gehen, vielleicht sogar, in ihr Heimatdorf, wo sie nicht mehr war, seit sie sieben Jahre alt war. Dann weiter nach Dolchsturz um nochmal in einer großen Kathedrale zu beten und dann per Schiff in den Norden. Wenn ihre Fahrt wie die letzte Schiffahrt verlief, wo sie mitanpacken musste, würde das hart werden, und sie hofft dass S'Zarja sie wirklich so lange begleiten würde, ja vielleicht sogar Gildin und Lisgret. Im Norden würde sie sehen ob sie Yara findet, und dann auch Wulfgar besuchen, oder bei ihm bleiben, auf jeden Fall ihn wieder sehen. Der Gedanke, lies sie kurz sogar lächeln und sie schließt die Augen wieder.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Deikan« (29. Oktober 2017, 21:39)


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Jassillia (29.10.2017), Meavy (17.03.2018)

45

Sonntag, 5. November 2017, 18:07

Brüchiges Wesen
(Teil 1: 05.11.2017)

Wungrane liegt in einem Raum beim Orden der Gekreuzten Klingen. Es ist dunkel, aber sie hat die Augen offen, starrt in die Schwärze. Schlafen kann sie nicht. Die letzten Tage waren so harmlos gewesen, und doch so ereignisreich, so wie aufwühlend:

Lisgret war wiedergekommen. Sie hatten sich unterhalten. Jene wollte schließlich in Sturzlauf bleiben, bis das Problem mit deren Vampir gelöst war. Dank dem Haar, dass sie von ihr hatte, könnte sie wohl irgendwie bei ihr sein, wenn es brenzlich würde? Sie hatte keine Ahnng davon, deshalb, glaubte sie ihr einfach etwas. Immerhin war es gar nicht ihr Haar gewesen, der in Himmelsrand den Unterschied gemacht hatte... weil die Kräuterfrau, der sie es gegeben hatte, war Lisgret, wie sie erfuhr.

Lexa stattete ihnen noch einen Besuch ab, Gildins jüngere Schwester, wenigstens nur. Doch ihre überfreundliche Art, wirkte auf sie falsch, nicht so wie bei Gildin jedenfalls, die einfach nur... lebensfroh schien. Sie traute Lexa nicht. Streng erzogen, das beste daraus machen, aber von Gildin wusste sie ja, dass Lexa ihre böse Schwester Sina als Vorbild nahm. Aus dem schlichten Grund, dass diese Sachen richtig gut konnte, nicht vom moralischen Aspekt, so sagte ihr Lexa zwar, aber wer so lang daneben stand und zugucken konnte, nur für Macht und Können... nein der war für sie nicht gut. Die anderen Schwestern waren wenigstens früh gegangen.

Durch Lisgrets Rückkehr, eröffnete sich aber die Möglichkeit endlich loszukommen, immerhin, wenn der Vampir nicht von ihr gefunden worden konnte, hieß es, er musste weit genug weg sein – und der andere von den Bürgern von Sturzlauf gefangene, saß in einer Zelle. Sie stattete der Priesterin Sorayael noch einen Besuch ab, ehe sie mit ihren Begleitern loszog: S'Zarja und Raaktaz. Gildin wollte nachkommen, wieso auch immer sie nicht gleich wollte, vermutlich zu müde. So waren sie aufgebrochen und kamen bis nach Schornhelm mit zügigen Schritten. Ein mal hatte sie geglaubt, Kalef gesehen zu haben, aber vermutlich, hatte sie sich das eingebildet. Bei den ganzen Vampiren und Blutunholden Kluftspitzes kein Wunder.

Raaktaz, den sie in Sturzlauf auf der Durchreise erwischt hatte, hatte ihr noch mehr über die Ansicht der Argonier erzählt bezügilch Zeit. Sie sahen den Sandangler wieder, der sie ein Stück begleitete und die Reise setzte sich fort. In Koeglin schließlich, begegneten sie Gildin, und wieder später, kamen sie zum Orden der Gekreuzten Klingen, zu ihrer Festung. Innerlich wühlte es Wungrane auf, so blieb sie nach außen vor allem eins: Schweigsam. Die Anwesenheit allein dort, tat ihr weh, geschweige denn die anderen zu sehen, die sie alle im Stich gelassen hatten. Man übersah sie so gut es ging, neben den anderen Gästen, so ihr Eindruck, auch wenn man mal höflich nickte und Antwort auf die Frage gab, ob ihre Sachen noch da war. Man würde das Eigentum von "Fremden" nicht wegwerfen. Eine weitere Bestätigung, wie egal sie ihnen nun war, nachdem sie aus der Gemeinschaf gegangen waren: sie war kein ehemaliges Ordensmitglied, sondern nur noch eine Fremde, jemand den man vernachlässigen konnte.

Der Abend verlief schleppend. Sie aß, weil es laut Gildin unhöflich wäre nicht zu essen, wenn man Gast ist. Sie hörte zu, weil sie nichts zu sagen hatte und sie schwieg, weil ihr Inneres lautstark genug war. Zu ihrer Freude an diesem Abend, kamen aber noch zwei gute Dinge dazu: Erst Thondaar, später Bruder Corentin.
Mit Ersterem hatte sie ein längeres Gespräch, was sie vor hatte, wohin sie wollte, was mit ihr sein würde. In kurz: Er hielt sie in der Wildnis für am besten aufgehoben, aber sie müsste nicht allein sein, hätte ja im Norden Freunde, wie ihn, Erlena und Wulfgar. Sie dachte darüber nach und nahm sich aber vor, den Gedanken weiter zu überdenken.
Als später Bruder Corentin sah, war sie so froh: keinen Ärger, keine Enttäuschung oder sonst etwas dieser Art, war von ihm zu sehen. Er schien einfach froh sie zu sehen und dazu: schien er sich selbst wieder gefunden zu haben, das erleichterte sie so sehr. Viel redeten sie nicht, da er zur Ordensmeisterin wollte, aber wenigstens waren er und Mariessa wohl auf, das war ihr das wichtigste, bezüglich der beiden.
Ein weniger schöner Abschluss war das Gespräch mit Garimar. Erst schien es, als wolle er reden, dann blockte er, weil es Zeitverschwendung wäre, sie ja eh schon ein festes Bild davon hätte. Es machte sie wütend und traurig: Sie war also für die Leute weder gut genug, damit man sie suchte um ihr Leben zu retten, noch, dass man auch nur ernsthaft mit ihr reden konnte, weil es ja sowieso nur Zeitverschwendung wäre.

Sie ging früh zu Bett, an jenem Abend, dachte sie doch am nächsten Tage würde es weitergehen – doch daraus wurde nichts. Sie hatte am darauffolgendem Tag mit Raaktaz geredet, sie hatte mit Gildin geredet, aber während ersterer erst mal bei den Klingen bleiben würde, wollte letztere noch gemütlich plaudern und vermutlich auch nicht weiter. Schließlich ging sie also mit dem Saxhleel ein Stück voraus, nur zum spähen, um zu sehen ob etwas Ungewöhnliches zu sehen war. Allerdings sahen sie nichts, und Gildin holte sie mit ihrem Reitwolf am Friedhof ein, von dem sie auch im Laufe des Gesprächs hinunter gingen.
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"Wenn die Winde des Wandels wehen, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen."
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Meavy (17.03.2018)

46

Sonntag, 5. November 2017, 18:08

Brüchiges Wesen
(Teil 2: 05.11.2017)

Das Gespräch war ein Umschwung, mit den Wungrane nicht gerechnet hatte. Gildin wollte wissen wohin es gehen sollte, vor allem wieso. Laut den Worten der Frau war das viel zu gefährlich in den Sumpf zu gehen, in den unruhigen Zeiten, und sie sollte sich von ihrer Heimat in Gedanken verabschieden, aber eben nicht mit ihrer körperlichen Anwesenheit. Überhaupt schien die Frau etwas böse über ihre Pläne und Wungrane verstand es nicht. Sie sollte vorwärts gehen, und tat sie es, war es wieder falsch. Sie sollte auch an sich denken, aber dann war sie wiederum egoistisch. Die junge Nord war drauf und dran, ihren Begleitern den Rücken zukehren und allein weiterzugehen. Es war ihr Weg, nicht der von jenen. Sie hatten sich dazu bereit erklärt sie zu begleiten, und jetzt wollten sie ihren Weg bestimmen! Hätte Bruder Corentin jene Worte am Vortag nicht gesprochen, dass sie auf ihre Begleiter hören sollte... vermutlich wäre sie wieder gegangen. Die Streiterein trieben sie an ihr Limit, ihr sie schützender, und etwas erholter Dickkopf, wurde aufgerieben.

Langsam begriff sie dieses Vorgang: der eine Teil von ihr, der zerbrochen war, der wurde zusamengesetzt, grob geflickt, aber man sah den Schaden noch gut, konnte es fühlen, und die Stabilität ihres Geistes, wäre vermutlich nie wieder die Selbe, oder? Sie vertrug solche "Gefechte" einfach nicht mehr, denn ihre Kraft verabschiede sich schon wieder, als wäre sie ein Wasserschlauch mit einem großen Loch: sich schnell und unaufhaltsam leerend, sobald ihn jemand auf die falsche Seite kippte. Als ihr sogenannter Dickkopf weichen musste, war da nur wieder Kraftlosigkeit. Nachdem Gildin weitergezogen war, wohl noch etwas spähen, schätzte sie, brachte Raaktaz sie zurück zum Orden der Gerkreuzten Klingen, wo sie zumindest diese Nacht wohl noch bleiben würde. Demut wäre der Schlüssel der viele Pforten öffnet, hatte Gildin gesagt... aber sie würde das nicht können. Sie hatte keine harte Ausbildung zur Disziplin und wollte sie auch nicht kennenlernen. Das Widersprach ihrem Inneren zu sehr. Sie konnte nur da demütig sein, wo sie es glaubte, dass es richtig war.

Wungrane starrt die Wand an. Sie würde sich zumindest bei Garimar entschuldigen. Ein Teil von den Ganzen Worten und Punkten der beiden, versteht sie, aber sie beginnt auch zu verstehen, dass es nicht ihre Art zu leben ist. Raaktaz meinte sie würde Schuld bei sich oder anderen suchen, aber nichts ändern, was wohl nötig wäre. Mochte Gildin ihr auch vorwerfen, sie würde damit andere für dumm erklären, so verstanden sie es dennoch nicht, aus einem einfachen Grund: Beide hatten ganz anders gelernt als sie, nämlich mit harter Hand und Strenge. Sie hingegen, hatte nach ihren ersten Jahren ihres Lebens mit liebender Güte ihrer Eltern verbracht und ja, sie musste auch sehr fleißig sein, tun was man ihr sagte, aber nicht so – sie durfte auch einfach mal ausprobieren und auf die Nase fallen. Danach war sie allein gewesen, sie hatte sich durchgerungen, mit allem nur erdenklichen was sie hatte. Sie hatte sich ihr Leben auf ihre Art erkämpft. Dazu war ein Wille nötig, der nun Dickkopf genannt wird, und der nicht vom ersten Lufthauch umgepustet werden "darf", für ihr Überleben.

Nun wurde er aber umgerannt, überwunden, und das was bleibt ist wieder die Kraftlosigkeit ihres geschädigten Selbstes. Gildin hatte sich auf die andere Seite geschlagen, die Strenge und Disziplin war für sie schließlich nichts ungewöhnliches, selbst wenn sie die "nicht gastliche" Seite kennenlernen würde, wäre es für sie vermutlich kein Probllem. Es tut weh, zu sehen wie aus Verständnis, Unverständnis wird, und eine Gemeinschaft zum puren Militär heruntergestuft wurde. Sie versucht nicht weiter darüber nachzudenken, sie ist müde, braucht Ruhe, damit sich ihr drehender Kopf beruhigt. Langsam glaubt sie aber, dass Thondaar recht hat, und sie in die Wildnis zurück gehört, sie von da aus lieber Stendarr dienen sollte. Es ist zu riskant, weiter versuchen sich zu ändern, ein mal brechen, war schlimm genug und gefährlich... ein zweites mal, will sie nicht erleben. Sie würde letzten Endes, nach ihren Reisezielen, zu Wulfgar gehen, dort einen letzten Versuch einer festen Gemeinschaft wagen, in, hoffentlich, Frieden, und wenn das nicht hilft: die Einsamkeit und Ruhe der Wildnis, dem komplizierten Chaos vorziehen, dass sich zwischen Mensch und Mer auftut. Ein Spiel, das sie nicht zu spielen weiß, und anhand dessen was sie erfährt, auch nicht lernen oder gar leben will. Trotzdem, lässt sie der Gedanke allein zu sein, nur noch ab und an wem zu sehen, wenn es bei Wulfgar nicht klappt, stumme Tränen weinen: Wenn sie das so tun würde, würde der Anfang erst mal hart werden.

Als der Morgen graut, wischt sie ihr Gesicht sauber und sobald sie sich frisch gemacht hat, setzt sie sich vor das Abbild Stendarrs und betet. Sie wird ihren Weg finden, sie wird ihm auch dienen, nur wie, das würde jetzt die Zukunft zeigen. Wo, würde vermutlich Himmelsrand sein, auch wenn sie davor noch Brynn besuchen würde, von dem sie dank Thondaar weiß, dass er in Dolchsturz ist. Jetzt, gibt sie sich aber erst mal weiter dem Gebet hin, denn das ist eine Sache, die zwar manchmal mehr, und manchmal weniger hilft, aber zumindest "immer" hilft.
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Meavy (17.03.2018)

47

Sonntag, 19. November 2017, 11:58

Dolchsturz – Ein Heim?
(Teil 1: 18.11.2017)

Wungrane liegt vor einem Kamin auf einem Fell und ein Blick aus dem Fenster verrät ihr, dass es gerade dämmert. Wie sich immer alles so plötzlich ändern kann. Im Grunde: wie in der Natur. In einem Augenblick lebt ein Tier oder eine Pflanze noch, und im nächsten wird es erlegt oder zertrampelt, und ist tot. Vor einiger Zeit, hat sie sich gar gewünscht, dass es bei ihr auch so wäre, sie einfach tot ist, jetzt, weiß sie nicht mehr so recht was sie will. Im Grunde nur ihre Ruhe, aber wenn sie ehrlich ist, ist das nicht das Einzige. Sie schließt die Augen nochmal etwas, denkt etwas nach über die letzte Zeit:

Nach der Nacht und den Worten von Gildin, hatte sie noch weiter nachgedacht. Letzten Endes kam sie zu dem Schluss, dass der Schmerz und Wut sie etwas mitgerissen hatten, und manch böser Gedanke zuviel des Schlechten war, was den Orden der Gekreuzten Klingen betraf. Einerseit sah sie es immernoch so: die Leute hatten sie zurückgelassen, etwas was sie nie aus eigenem Willen bei jemand anderen so gemacht hätte. Bei Yara, war es wegen den Befehlen, die ihr nich geschmeckt hatten, und sie waren so schnell an Riften vorbei, dass sie es auch gar nicht richtig registriert hatte, ehe es zu spät war. Andrerseits, verstand sie zumindest mit dem Verstand, wie dieses Militär Konstrukt funktionierte. Für sie war es nichts, denn für sie war es zu herzlos. Das ist nichts was sie sein will. Stendarr verspricht Gnade und auch Kraft für die Schwachen, nicht nur für jene, die eben alles können, wie blind folgen. Sie hatte Personen unabhängig gefragt, doch war sie sich so indirekt mit dem Waffenmeister einig, dass es besser war, dass jemand wie sie, jemand psychisch schwaches, besser außerhalb des Militärs aufgehoben war.

Daneben konnte sie mit Garimar und Farian... wie sagte man? ... reinen Tisch machen. Farian war ihr Mentor, und auch er sah einen Punkt im Kommando nicht als richtig an. Auch sah er bei ihr diesmal keinen Fehler, was sie beruhigte, denn seinem Wort, vertraute sie immernoch. Er hatte nicht so genau gesagt, wie er ihr Weglaufen fand, ob er sie gesucht hätte oder nicht, aber von ihm wusste sie auch, dass er Befehle befolgen würde, solange sie nur halbwegs Sinn machten. Es würde sie nicht wundern, wenn er sich schon allein deshalb nicht entfernt hatte, weil das nicht genehmigt worden war. Sie konnte sich jedenfalls mit ihm aussprechen. Sie hoffte nur, dass er eines Tages mehr auf die unter ihm hören würde, als die jetztige Führung. Was er ihr alles dazu gesagt hatte, ließ aber zumindest hoffen, dass er es tun würde.

Mit Garimar kam sie auch klar, und sie war positiv überrascht, wie gut er ihre Entschuldigung nach dem letzten genervteren Mal angenommen hatte. Daneben, freute es sie, dass er zumindest in Erwägung gezogen hatte, nach ihr zu suchen. Er wollte sie im Grunde auch nicht da lassen, war aber wohl mit seinen eigenen Sachen zu beschäftigt gewesen. Er hatte sich sogar dafür entschuldigt, und das fand sie sehr gut von ihm. So konnte ihr Herz ihm auch gut verzeihen. Es tat einfach gut zu wissen, dass sie irgendjemand überhaupt vermisst hatte, und sie nicht für alle ein lästiges Ding war, das man endlich los geworden war. Er war für sie ein Kamerad, aber nun da sie keine mehr waren, hatten sie sich auf Freunde geeinigt. Für ihn, war sie das wohl schon vorher gewesen.

Der Hochmeister hatte einen Fehler gemacht, und wenn sie ihn gesehen hätte, hätte sie ihm das auch ins Gesicht gesagt, jetzt wo sie nicht mehr an diese blöden Regeln gebunden war. War ja irgendwie klar, dass die Höherstehenden dann immer mehr Fehler machten, wenn niemand ihnen wirklich mehr sagen durfte, wenn sie etwas falsch machten. Das gleiche galt für die Ordensmeisterin. Sie war einfach so weggeritten, hatte sie als aller erstes im Stich gelassen, und nicht nur sie, sondern tatsächlich alle. Das zeigte ihr, wie sehr die oberen tun durften, was sie wollten, die untersten einfach nur das hinnehmen konnten, wie es Farian so stoisch tat. Der Magus hatte sie als Fremde deklariert, die Ordensmeisterin meinte sie nochmal hinweisen zu müssen, dass man hier respektvoll sein müsste. Etwas, was sie fast den Mund aufmachen ließ, aber sie Gildin zuliebe gelassen hatte, denn diese wollte, dass sie wenigstens mit mehr Schutz aufbrach, und zu dieser Zeit, war noch keine Karawane da.

Es dauerte allerdings nicht mehr lange, da war eine da. Wie sie schon ein mal nicht warten konnte, als in Sturzlauf der Vampir weit genug weg schien, um aufzubrechen, so wartete sie dieses mal auch nicht auf Gildin. Diesmal aber, reiste diese ihr nicht nach, sondern ließ ihr ein Geschenk überbringen. Eines, das Wungrane durchaus freute: Ein Bogen, mit Zeichen Stendarrs darauf. Allerdings ließ der Brief, der dabei war, schon übles ahnen und tatsächlich: sie war noch zu schwach für diesen Bogen, konnte ihn nicht genug spannen. Das war irgenwie ein ziemlich gemeines Geschenk... aber entsprach wohl Gildins Art: hart aber herzlich. Sie sollte eben stark genug dafür werden, ihn zu nutzen, was, wie sie zugab, durchaus ein Ansporn war, auch wenn sie etwas schwankte, ob sie das wirklich erreichen konnte und wollte, so stark zu werden. Behalten, würde sie ihn auf jeden Fall.

Die Karawane zog dahin, man nahm jene Route über das nördliche Glenumbra, statt über Aldfelden. Scheinbar hatten auch jene Leute schon die Gerüchte über ein namenloses Grauen gehört, und wollte nicht mehr Risiko eingehen als nötig. Ein wenig traurig war Wungrane darüber schon, denn wenn sie zu Wulfgar in den Norden gehen würde, wer weiß wann oder ob sie ihre Heimat je wieder sähe? Aber Gildin, Raaktaz und die Ordensmeisterin sogar auch noch, hatten abgeraten in den Sumpf vorzustoßen, zu dieser Zeit. Und angesichts Bruder Corentins Worten auf ihre Begleiter zu hören, hatte sie also entschieden das auszulassen, schweren Herzens.
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Meavy (17.03.2018)

48

Sonntag, 19. November 2017, 12:09

Dolchsturz – Ein Heim?
(Teil 2: 18.11.2017)

In Dolchsturz angekommen, sah S'Zarja sich um, erkundigte sich nach dem ein oder anderen und sie selbst ging beten. Es war schön in so einer großen Kathedrale zu beten, auch wenn der ein oder andere etwas seltsam geguckt hatte... inzwischen war sie auch wissend genug, um sich Gründe dafür denken zu können, wieso, aber sie hatte versucht sich nicht darum zu scheren. Sie glaubte an die Acht, und besonders Stendarr, also passte es. Als sie später an einem der Brunnen etwas trank, hörte sie aber Stimmen, und tatsächlich: Da war nicht nur Brynn, sondern auch Kyra. Sie lächelte erst freudig, sah dann aber Kyras riesigen Bauch, der sie erst etwas verstörte. Schwanger, wie ihr auch bestätigt wurde. Das konnte sie sich gar nicht wirklich vorstellen...
Man ging in ihr Haus und redete etwas, wobei Wungrane dann mehr und mehr mit dem Kind im Bauch konfrontiert wurde. Fühlen.. und hören sollte sie, wo sie erst Angst hatte irgendwas falsch zu machen. Aber schließlich fühlte und hörte sie, nachdem Brynn es erst mal gemacht hatte, sie es beobachten konnte. Es war erst etwas unheimlich, aber dann doch erstaunlich. So ein kleines Leben, dass sich da drin bewegen konnte und dessen Herz sie klopfen hören konnte. "Tante" Wungrane, ließ sie aber erst mal zurückweichen. Die beiden sollten gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen, aber bei Kyra war das wohl schon längst zu spät.

Als sie so weiter miteinander redeten, bot ihr diese an länger zu bleiben.. und als sie ein wenig weiter erzählte, von ihren Plänen, wie es ihr ging, ging es noch weiter: Kyra wollte für sie da sein und ihr helfen. Die Unterhaltung ging in eine Richtung, mit der sie nicht gerechnet hatte. Kyra schien sie noch mehr zu mögen als sie gedacht hätte, wenn sie ihr sowas anbot: wirklich hier bei ihr und Brynn zu bleiben, bis hin, ein Teil der Familie zu sein, wenn sie dies wollte. Die Worte waren so süß, so heimelig, verführerisch, verlockend, berührten ein Teil ihres In neren soweit, dass sie sogar weinen musste. Ein anderer Teil schreckte aber auch furchtsam davor zurück: Woher sollte sie wissen, ob das wirklich so gemeint war, wie sie es sagte, dass es dann wirklich nicht anders werden würde? Die Augen von Kyra, wirkten so echt dabei, die Worte so wahr... aber reichte das? Sie wäre auch bei Gildin geblieben, hätte diese nicht so eine böse Schwester, und wäre in Sturzlauf nicht doch alles wieder so gefährlich, so unruhig gewesen. Was wäre hier?

Ihre Gedanken kreisten, sie war müde von der Reise und so entschied sie, nach einem Bescheid sagen an S'Zarja, erst mal zu bleiben. Sie bekam ein Fell und so legte sie sich die Nacht über vor den Kamin, schlief teils, wachte teils. Die Geräusche die von draußen hereindrangen waren fremd, und wieder ganz anders, als in Windhelm, oder Riften, wo sie im Gasthaus mit den anderen ein paar Nächte verbracht hatte. Wie anders alles an anderen Orten klang. Zu Wulfgar müsste sie wohl nach diesem Angebot nicht unbedingt, immerhin, wollte sie dahin um zu leben, das könnte sie hier auch, wenn das alles wahr war. Was sie aber noch tun müsste, um mehr Ruhe zu haben, war zu erfahren wo Yara ist, und wie es ihr inzwischen geht, ob da ein Brief wirklich reichen würde? Sie hoffte es, denn das Angebot, ließ sie trotz der Unsicherheit etwas aufatmen, nicht noch weiter zu müssen. Sie würde es wohl erfahren, ob es reicht, und so schloß sie die Augen erst mal.

Nun ist sie wieder wach, die Dämmerung weicht langsam den Sonnenaufgang, der Blick ins Feuer geht immer mehr zum Fenster. Ihre Gedanken beginnen sich wieder aktiv zu drehen: Kann sie wirklich hier bleiben? Ist das richtig, jetzt wo Kyra doch ein Kind erwartet? Stört sie da sicher nicht? Sieht Brynn das wirklich so ähnlich wie Kyra, oder würde er es nur für sie tun? Sie wollte keinen Ärger machen, aber wenn, würde ihr Kyra dann wirklich verzeihen, wie sie es sagte? Was ist mit ihr selbst? Was könnte sie hier machen, wenn sie denn bleibt? Wenn sie jagen oder fischen darf, könnte sie wenigstens etwas mithelfen, also etwas mehr als im Haushalt. Wenn sie hier wirklich ein ruhiges Plätzchen finden könnte für sich... endlich etwas friedlich leben könnte, würde sie dann glücklich? Sie könnte es probieren und hoffen, oder? Wenn nicht, noch immer zu Wulfgar... oder sollte sie das hier dann als letzte Chance ansehen und danach gleich zurück in die Wildnis? Doch hier in Glenumbra, ihrer Heimat bleiben? Sie bremst sich, während ihr Herz etwas schneller klopft. Sie will nicht daran denken, was ist, wenn wieder alles schief geht. Sie will hoffen. Sie will leben. Sie will einfach nur etwas Ruhe und Frieden, damit glücklich sein... mehr gerade nicht, und sie mag Kyra und Brynn, und Kyras Art war so herzlich... würde das so bleiben? Unsicherheit, zu oft haben sich Sachen schon geändert, auf die sie hoffte.

Sie füllt ihre Tasse etwas, die Kyra ihr gegeben hatte und lässt sie gefüllt neben dem Fell am Kamin stehen, als Zeichen, dass sie noch da ist und erst mal bleibt. Ob das zu wenig ist? Sie könnte ja auch was schreibend hinterlassen, aber das könnten sie vermutlich sowieso nicht lesen, also... sie würde wieder kommen. Mit dem Gedanken verlässt sie erst mal das Haus der beiden. Sie braucht frische Luft, muss nachdenken, und wie es Kyra sagte: Ein Schritt nach dem anderen. Sie würde noch mit S'Zarja sprechen müssen... demnächst irgendwann.Wenn sie hier bliebe, hieße das wohl, dass jene gehen würde, so vermutet sie, und eigentlich, will sie das auch nicht. Aber... langsam war sie es gewohnt, wie wenig beständig alles blieb, wie viel wechselte... sie war innerlich vorbereitet, denn sie wollte nicht weiter zerbrechen, aber sie wollte auf das beste hoffen.
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Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Deikan« (19. November 2017, 13:18)


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Meavy (17.03.2018)

49

Samstag, 16. Dezember 2017, 23:12

Vorbei...
(16.12.2017)

Wungrane liegt auf dem Rücken auf der Wiese. Sie betrachtet den Himmel, manchmal den Hafen von Dolchsturz. Der Anblick macht sie weder munter, noch traurig, noch tröstet er sie. Im Grunde, macht sie sich gearde noch nicht mal viele Gedanken. Ihr Weg steht fest, dennoch denkt sie über die letzte Zeit nochmal etwas nach.

Es ging gut. Sie war bei Brynn und Kyra geblieben. Ersterer erklärte ihr etwas, wie das ganze in Dolchsturz funktionierte, wieso es so viele Wachen gibt, wie die bezahlt werden, wieso man etwas von seinen Sachen abgeben musste, wieso es Leute gab, die nicht sein durfen was sie wollten, trotzdem aber keine Sklaven wären und so weiter. Kyra hingegen, hatte mit ihr weiter das Lesen und Schreiben geübt, sie selbst hatte bei Hausarbeiten gehofen, auch von der Frau noch das ein oder andere gezeigt bekommen. Ihr Schriftbild konnte man jetzt zumindest halbwegs lesen, auch wenn sie noch viele Fehler machte.

Daneben hat sie Lorena kennengelernt, ein Straßenmädchen, naja, mit einer selbstgebauten Hütte nahe dem Hafen, inklusive dem Hund Tapps. Sie hatten sich in der Kathedrale kennengerlernt und kurze Zeit später angefreundet. Es fühlte sich irgendwie alles ein wenig leichter an, wenn Lorena in der Nähe war, als wäre das Leben eben eine kleiner Spaziergang, oder ein tolles Rennen. Sie hatte anfangs gerätselt ob diese wirlklich was vom Altar gestohlen hatte, es verworfen, und nach Lorenas Erzählungen entschieden, dass wenn es so war, sie ausnahmsweise ein Auge zudrücken würde. Solange diese damit nicht weiter macht. Gut sie hatten sich einen ganzen Fisch in die Stadt genommen ohne ihn teilen zu lassen... als Steuer, aber... auch das war die Ausnahme, zumal sie sich nicht sicher gewesen war, ob das beim Fisch genauso zählt wie beim Wild. Das nächste mal würde sie es richtig machen, das versprach sie sich und hielt sich auch daran. Lorena hatte sie sogar mal besucht im Haus der beiden, S'Zarja ebenso. Das fühlte sich toll an, jemanden "nach Hause" einladen zu können, auch wenn sie nur da wohnte und so, aber es war schön, fühlte sich so noch mehr nach einem Heim an, dass sie langsam anzunehmen begann.

Ihr Tag war so ganz gut ausgefüllt, zwischen jagen, fischen, lernen, helfen, ab und an Lorena treffen, und mit Kyra, Brynn, S'Zarja oder auch Lorena zu reden. Es machte Spaß, es war ruhig, friedlich, auch wenn die Stadt nicht ihr Lieblingsort werden würde, mit den vielen Wachen, oder den andersartigen Geräuschen. Es schien so, als konnte sie dort wirklich einfach bleiben und leben, wie andere auch...

Doch wo sie war, schienen die Schicksalsschläge nie weit. Kyra verstarb bei der Geburt ihres Kindes, hinterließ Brynn eine gesunde Tochter, namens Amelia. Wungrane war zwar kurz fasziniert von diesem kleinen Wesen gewesen... aber die Trauer war zu groß um sich daran zu erfreuen. Sie hatte den Brief genommen, denn Kyra für sie geschrieben hatte, und war nach draußen gegangen. Den Brief hat sie nach wie vor nicht geöffnet, und sie hatte in dem Haus, seit ihrem Tod, zumindest nicht genächtigt. Sie hatte die Worte von Kyra an Brynn sicherheitshalber nochmal aufgeschrieben, dass er sich gut um Amelia kümmern sollte, das Kind nichts dafür könnte. Danach war sie vor allem viel Jagen und Fischen gewesen. Ansonsten, "war" sie einfach, tat nichts und ließ sich von ihren Gedanken maltretieren.

Langsam, glaubte sie wirklich, dass sie verflucht ist. Entweder musste sie gehen, weil es richtig war, oder das Schicksal sorgte dafür, dass es endete. Ihre Eltern... Kyra... alle tot. Während sie ihre Eltern vielleicht in Sovengarde wiedersehen würde, würde sie Kyra wohl nie wiedersehen, weil sie nach Artherius gehen würde, weil sei Bretonin war. Das war nicht fair... das war alles wieder nicht fair. Sie hatte kurz nachgedacht, aber das als weiteren Wink des Schicksals gesehen, dass sie nie hätte in Dolchsturz bleiben sollen. Wie oft sollte ihr Glenumbra noch zeigen, dass sie hier nicht mehr erwünscht war? Nein, diesmal würde sie gehen, ohne Wenn und Aber, völlig kompromisslos. Es war vorbei, endgültig und für allemal vorbei. Wenn sie jemals hierher zurückkommen würde, dann nur um nochmal ihr frühere Heimat zu sehen, oder wieder in der Wildnis zu leben, aber "hier" würde sie nie wieder bei anderen leben. Deshalb beschloss sie, sich an das zu halten, was sie sich versprochen hatte: wenn es hier wieder nichts werden würde, geht sie nach Himmelsrand, zur Heimat ihrer Eltern. Dort würde sie bei Wulfgar ein allerletztes mal versuchen eine Heim zu finden. Die allerletzte Chance, ansonsten würde sie das tun was ihr Freund Thondaar ihr geraten hatte: in die Wildnis zurückgehen.

Lorena hatte wirklich versucht sie zum Bleiben zu überreden, aber nichtmal die neue Freundschaft zu ihr, konnte sie hier halten. Kein Angebot die kleine Hütte auch noch mit ihr zu teilen, nicht die Worte, dass sie auf sie aufpassen würde. Nichts. Stattdessen bat sie Lorena mitzukommen, aber nach viel hin und her, auch mit Vorschlägen von S'Zarja, änderte sich nichts. Sie würde gehen, aber, zumindest, stand in Aussicht, dass Lorena nachkommen würde, aber erst wenn ihr Hund, Tapps, der alt und gebrechlich war, gestorben wäre. Ihre neue Freundin hatte ihr das Buch gegeben, und sie ihr ihre selbstgemachte Axt, mit Wulfgars Schutzrunen darauf, damit sie heil nachkäme. Immerhin hat sie noch das Sax, und da sind auch Runen drauf. Sie würde Lorena das Buch wiedergeben, sobald diese da ist. Vielleicht würden sie dann noch ein anders schönes zusammen suchen, ein Geschichtenbuch das genauso hübsch war, dessen Inhalt sie aber beide lieber mochten. Sie hatten jedenfalls entschieden, dass sie zusammen noch neue Sachen für sie kaufen würden – das Geld hatte sie dafür schon bekommen, nur war sie noch nicht dazu gekommen mit Lorena diese zu holen. Jene würde sie beraten, weil sie sich selbst nicht so mit den Preisen auskannte. Daneben wusste Lorena schon wo sie da hingehen würden. Sie war gespannt.

Wungrane seufzt. Ja, mit Lorena an der Seite, schienen das harte Lebens etwas weiter weg, aber gerade ist sie alleine. Wenn sie ehrlich mit sich ist, hat sie nicht mehr wirklich viel Hoffnung, dass es in Himmelsrand besser werden würde, als hier. Vielleicht würde es ein paar Monate gut gehen, dann wäre wieder irgendetwas, und alles wäre wieder dahin. Aber sie muss ja nicht mehr nachdenken, was sie dann täte, denn das steht schließlich fest. Wenn Lorena erst danach nachkäme, würde sie Riften eben immer wieder besuchen, und ihr Versprechen trotzdem halten, aber in der Wildnis leben – vielleicht mit Lorena in einer Hütte? - und sie und andere besuchen kommen, sei es Thondaar, oder Erlena, oder Wulfgar... so der ihr "da sein" dann überhaupt überlebt. Der Gedanke sorgt dafür, dass sie sich auf die Seite dreht und klein macht. Hoffentlich kommt S'Zarja bald mit ihrer Schwester, die soll sehen können wenn ein Fluch auf ihr läge. Wenigstens da würde sie gerne glauben, dass sie sich täuscht.

Wungrane wird jedenfalls bald mit einem der Schiffe nach Himmelsrand aufbrechen, und wenn sie sich dafür krumm und schief schuften muss. S'Zarja, wird zumindest bei ihr sein, denn diese hält ihr Versprechen nach wie vor, sie bis nach Himmelsrand zu begleiten. Eigentlich war die Khajiit nur noch geblieben, um sicher zu gehen, dass sie sich hier einlebt und wirklich bleiben will... Wungrane ist jetzt nur umso glücklicher darüber, dass S'Zarja so bedacht um sie war. Bis zu Wulfgar, hätte sie jemanden bei sich, auf den sie sich verlassen kann, und das tut gut. Sie atmet durch und schließt ein wenig die Augen. Sie wird versuchen diese Zeit in Gemeinschaft, so kurz oder lang sie noch dauern mag, zu genießen, trotz ihrer Trauer um Kyra, die ihr das Herz so schwer macht.
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Jassillia (18.12.2017), Meavy (17.03.2018)

50

Dienstag, 26. Dezember 2017, 00:36

Lernen
(25.12.2017)

Wungrane ist allein, betrachtet die Aussicht des Meeres und lässt sich den Wind um die Haare wehen. Eine Weite, die ihr Herz etwas öffnet, als würde es sich mit dieser scheinbaren Grenzenlosigkeit mit ausweiten können. Die vergangenen Tagen waren leicht und hart zugleich, aber statt alles zu überdenken was Geschehen ist, will sie heute mal versuchen, zumindest mehr darüber nachzudenken, was sie gelernt hat, selbst wenn sie manches schon vorher wusste.

Der letzte Ausflug mit Lorena, das Kaufen ihrer Kleidung, der Abschied. Es macht Freude, mit Freunden etwas zu unternehmen. Sie weiß, dass Lorena an ihrem Hund Tapps hängt, und sie hatte gewusst, dass es wohl besser war, ihr nicht zu direkt zu sagen, dass es vielleicht besser wäre wenn sie ihn zurück lässt, damit der Arme endlich seinen Frieden finden konnte, statt ihr zuliebe weiter zu leben. So hat sie gelernt, dass es Situationen gibt, wo man lieber nicht zu ehrlich ist. Abschiede können schwer fallen. Freunde in ihrem Alter, hätte sie gerne noch mehr. Sie wird Lorena vermissen und darauf vertrauen, dass sie nachkommt, wenn Tapps nicht mehr ist.

Dankbarkeit für das was man bekommt. Ohne Brynn hätte sie den Ausflug mit Lorena nie so unternehmen können, nie neue Kleidung bekommen, keine Stiefel geflickt bekommen, denn dann hätte sie kein Geld dafür gehabt. Sie hätte nicht Durachatmen können in Dolchsturz, wenn auch für noch so eine kurze Zeit, wären Kyra und Brynn nicht hier gewesen, hätten sie aufgenommen, hätten ihr soviel erklärt, und sie so gut behandelt wie sie es taten. Sie hätte das wage Gefühl eines Heimes noch länger nicht haben können, ohne ihn und Kyra. Gedanken an verstorbene Personen, können so frisch noch sehr sehr weh tun. Es ist noch keinen Monat her, sie trauert noch immer, und muss das akzeptieren, auch wenn es ihr nicht gefällt.

Neue Begegnungen vielleicht nicht ganz so vorsichtig gegenüber sein, selbst wenn es gefährlich sein könnte? Frau Grünblatt, oder auch Lia, wie sie sie jetzt nennt, war sie so misstrauisch begegnet, dort in der Wildnis, wie auch Herr Ratchi, dem – damals – besoffenen Argonier. Sie hätte die beiden vielleicht nicht näher kennengelernt, Yara gar nicht erst wieder getroffen, hätte sie sich nicht etwas geöffnet. Daneben können sogar aldmerische Magier, scheinbar nett sein, wenn man lernen will, wenn es wohl auch stimmt, dass sie arrogant scheinen, oder sind. Bäume haben eine Seele laut Lia, sie sah keinen Grund das nicht zu glauben, fragte sich aber, ob man dann überhaupt Holz benutzen darf, dass noch an einem Baum dran ist, oder gar ein Holz des ganzen Baumes.

Yara konnte vergeben, wenn man es ernst meint. Wungrane hatte sie, weil sie der Gruppe gefolgt war, auch zurückgelassen, wie der Rest von den Gekreuzten Klingen. Sie versteht es auch heute noch nicht, wieso die Ordensmeisterin das tat, wo Yara doch nicht mal ihr Gedächtnis zurück hatte, als man sie in Riften lies. Sie versteht Yaras Groll darüber, dennoch, übernahm sie ihn nicht. Sie fand es auch nicht richtig, wie manch anderes, aber sie musste den Leuten zugute halten, was sie taten, wenn sie auch das "wie" nicht immer mochte und eben jene Handlung gegenüber Yara nicht verstand, unfair fand. Da war sie einfach anderer Meinung wie man mit sowas umzugehen hatte... wenigstens Garimar war da auch nicht so kaltherzig, so dass es ihm bei ihr Leid getan hatte. Und Farian... nein Moment, darüber hatte sie schon mal nachgedacht, sie schweift ab. Ihr damaliger Mentor folgte einfach immer Befehlen, mehr war darübe gar nicht nachzudenken. Es war nicht seine Schuld.

Selbst wenn man Leute mag, kann man sie ungewollt schwer verletzten. Wie sie mit ein paar einfachen Worte, sogar Tränen in Yaras Augen brachte... der Gedanke tut weh. Worte sind scharfe Waffen und sie muss wohl noch lernen mit ihnen achtsamer zu sein. Sie ist aber trotzdem nicht verflucht, auch wenn es sich danach anfühlt, gerade nach solcherlei Sachen. Vergebung ist etwas, was Yara ihr gab, obwohl sie ursprünglich, nach dieser versehentlichen Verletzung, gar nicht vorgehabt hatte, ihr wieder unter die Augen zu treten, Entschuldigung hin oder her. Yara war es, die auf dem Schiff nach Himmelsrand wieder auf sie zugetrten war, es war Zufall, dass sie auf den selben waren, obwohl sie nach dem Vorfall das nächste genommen hatte, welches abfuhr.

Vorurteile, sind weder gut noch schlecht, sie sind neutral. Manche stimmten, so ist man darauf vorbereitet, wie sie durch ihre Begegnung mit den Dunmern weiß. Aber sie können andere auch ausgrenzen, verletzen, die es wohl nicht verdient haben, gar nichts getan haben, wie Herr Dul'jin, einem Argonier der Yaras Freund ist. Jene hat ihr auch Hoffnung gegeben, dass sie selbst "nicht-Nord" nach dem Tod wiedersehen würde, auch wenn jene nicht in Sovengarde wären. Der Gedanke, dass auch das Jenseits wie eine große Stadt war, wo es viele Völker gab, und es auch so sein könnte, dass man dort einen Ort wechseln kann, wie wenn man durch eine Tür in einen anderen Raum geht, war schön. Schön genug dass sie Yaras Worten folgen wollte, den Gedanken festzuhalten. Aber selbst so etwas, konnte die Trauer nicht gleich vertreiben. Sie hatte am nächsten Tag trotzdem noch oder wieder Trauer verspürt, sie sah die anderen, gut gelaunt, und wollte nicht zu ihnen, um die Laune nicht zu trüben, oder auch weil sie nicht lachen wollte. Herr Dul'jin hatte ein wenig mit ihr gesprochen und sie weiß daher, dass sie die Trauer noch überwinden müsste, aber auch nicht vergessen sollte. Etwas, was leichter gesagt war als getan.

Manch eigener Schmerz, wird von anderen geteilt, selbst wenn man das nicht weiß. Yara hatte ihr so manches erzählt und es tat einfach nur weh, daran zu denken, wie viel die Halbmer schon durchlitten haben musste, in ihrem Alter. Ihr eigener Schmerz manchmal, brachte sie schon nahe ihrer Grenzen, Yaras musste noch viel größer sein. Man kann schnell Hoffnung verlieren, wenn man anderen noch größeres Übel ereilen hört, als man selbst. Ihre Hoffnung ein Heim für sich zu finden, war danach noch weiter gesunken, sie war sich sogar fast sicher, wieder in der Wildnis zu landen, früher oder später, selbst wenn Wulfgar sie mit offenen Armen empfangen sollte, wie sie es sich wünscht. Der Glauben ist etwas, was einen aufrecht halten kann, das hatte sie selbst schon mal erlebt, zusammen mit Hoffnung, kann es einem wohl am Leben erhalten.

Sie hat über Leuchttürme gelernt, weiß nun wie jene funktionieren, in etwa. Jedenfalls konnte sie es selbst mal sehen. Das polierte Blech, wie stark es das Licht vom Feuer weiter warf, war unglaublich. Sie hatte erst nicht geglaubt, dass da wirklich keine Magie hinter steckte. Wie das mit dem Licht bündeln aber funktionierte, das versteht sie trotzdem nicht.

Man kann andere verstehen, auch wenn man nicht das Gleiche durchlebt hat. Ob man aber wirklich alles nachempfinden kann, wenn man nicht mal in den gleichen Schuhen steckte, das war etwas anders. Aber Wungrane wünschte es auch keinem, wenn sie an ihre Erlebnisse in Morrowind denkt. Sie glaubt nicht, dass Yara alles verstehen konnte, auch nur das was sie erzählt hatte, aber sie war für sie da gewesen und das ist wohl wichtiger: für andere da sein wenn man kann.
Auch hat Yara ihr den Gefallen getan, ein wenig das nachzureichen, zu was ihre Mutter nie gekommen ist: zu erklären was es heißt eine Frau zu werden. So unangenehm ihr das Thema auch irgendwie war – weil es sie an Dummheit, Naivität, und eine drakonische Strafe des Schicksals erinnert – so froh ist sie nun, manches besser zu wissen.

Kämpfen, wenn man gegen mehr als Wildtiere kämpfen will, scheint kompliziert zu sein. Paraden, ausweichen, muss man wohl abwägen. Sie weicht aber lieber einfach nur aus und schlägt zu wenn sie kann. Zu dem nordischen Sax, braucht sie wohl ein kleinen Buckler, irgendwas kleines eben, weil sie ja auch weiterhin noch gut schleichen will. Farian hatte ihr ja beigebracht, wie man es macht, dass etwas nicht raschelt und knattert, das ginge sicher. Wo soll sie den nun aber hernehmen? Wo Brynn mit ihr keinen mehr bauen wird, weil sie fort gegangen ist. Soll sie selbst einen mit Zweigen versuchen? Wahrscheinlich, wenn sie länger an Land sind, wo es genug heruntergefallene Äste gibt.

Lia mag es auch lieber ungezwungen, nimmt nur das an, was andere gerne wollen, die meisten eben Ihrzen und den Nachnamen nutzen. Dutzen und Vorname ist also bei ihr in Ordnung, auch wenn sie keine Nord ist. Einfach etwas Erfragen, selbst wenn es bei den meisten anders ist, schadet also nicht. Auch hat sie gelernt, dass man Singen mehr lernen kann, indem man Töne zu treffen versucht. Das ist schön, wenn auch nicht leicht. Sie hat auch erfahren, dass sie mit Übung vielleicht sogar richtig gut singen könnte. Will sie das? Vielleicht, aber eher nicht so wie ein Barde oder so... oder? Wungrane ist sich nicht sicher.

Wungrane sieht wieder auf das Meer. Sie hat einiges gelernt. Lernen geht also auch so. Aber das fühlt sich trotzdem noch nicht nach dem "Leben" an, wie sie es haben will. Eher wie eine Motte die von einem Licht zum nächsten fliegt und irgendwann im nächsten Feuer verbrennt. So will sie nicht enden. Was wird sein, wenn sie zu Wulfgar kommt? Was wird sein, das ist eine Frage, die sich in so viele Richtungen bei dem Gedanken ausweitet, das ihr schwindlig wird. Von dem was sie will, über das was sie sollte, über das was sie bekommen könnte, das was sie nie erreichen wird, das was die nicht will, das was wahrscheinlich passieren wird, zu dem was sie vielleicht nicht weiß. Kurz um: Sie weiß so vieles nicht, nicht mal, wie sie sich gerade wirklich fühlt. Zwischen ihrem Ziel eines neuen Heimes, das ihr mehr und mehr wie ein Wunschtraum vorkommt, der Trauer des Verlutes, und der Gegenwart, liegt zuviel. Sie fühlt sich trotz dem ganzen Gelernten, schlicht nach: "ich weiß gar nichts".
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"Wenn die Winde des Wandels wehen, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen."
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Meavy (17.03.2018)

51

Freitag, 5. Januar 2018, 15:55

Der kaltwarme Norden
(Teil 1: 04.01.2018 )

Wungrane sieht ins Feuer. Sie ist in einem größeren nordischen Haus, das Feuer prasselt im Kamin und sie liegt vor diesem. Es ist angenehm, auch wenn sie auf dem Holzboden direkt liegt, stört es sie nicht, auch wenn es noch weicher und schöner war mit einem Fell vor dem Kamin. Sie hätte auch in ein Gästebett gekonnt, aber das hier ist ihr so lieber. Sie denkt an die vergangenen Tage der Reise:

Wungrane hatte sich gefreut, Erlena im Gasthaus in Windhelm wiederzusehen. Diese war noch immer so offen und freundlich, dass ihr Herz einen kleinen fröhlichen Hüpfer vollführte. Dann die Einladung ins Haus... wie diese es damals versprochen hatte, war sie willkommen. Sie hatte Rum gegen ihre nahende Erkältung bekommen, dann noch ein Met und noch eins... und das hob die gute Laune nur noch mehr. Sie merkte es selbst nicht ganz so, aber für andere war sie sicher aufgedreht fröhlich. Was sie erst nicht so bemerkte, war wie Yara das ganze fand und wie die Laune von Lia sich der von Yara anzuschließen schien. Als sie dann aber später oben mit der Bosmer war, diese so ernst war, und keinen Deut fröhlich oder gut gelaunt, begriff sie langsam, dass der Ernst Yaras auch Lia erfasst hatte. Das ließ ihre gute Laune plötlich eine Kehrtwende gen Keller vollziehen. Wieso hatte Yara ihr das angetan?! Wieso tat es Lia ihr gleich?! Wieso mussten die beiden ihre Stimmung runterziehen? Wieso durfte sie nicht mal Spaß haben und fröhlich sein?! Mit dem Gedanken stürmte sie von Lia weg, die Treppe herunter... und wo sie sich vorher ein mal noch halten konnte, hatte sie inzwischen mehr Alkohol Intus und stürzte.

Das nächste was sie wusste, war dass ihr was wehtat und dass Herr Thalion sie aufgehoben hatte und hoch brachte. Verletzt? Naja die Hände hatten Abschürfungen und vermutlich hatte sie an Bein und Brust etwas blaue Flecken aber das war nichts womit sie nicht klar gekommen wäre und an dem Abend waren diese Feststellung sowiso noch nicht so vorhanden, da langte: Hände abgeschürft, alles noch dran, gut. Doch ihre Stimmung war ausgewechselt. Sie sah ihre rote Hände, musste daran denken, dass sie damit schon getötet hat, die Hände rot wie Blut, hieß es doch und da war auch gerade ein bisschen von an den ihren. Allerdings, auch wenn der Alkohl durch den kleien Schrecken des Sturzes etwas abgeklungen war, hatte sie Lust zu singen und tat dies dann auch ungehemmt leise vor sich hin. Sie weiß auch noch dass Yara da war und auch Lia... aber in dem Moment wollte sie keinen von ihnen sehen. Die Erkenntnis, dass alles so wie immer war, sie dann wieder allein wäre, schien ihr da alles umfassend und die beiden hatten das bisschen Freude, das sie mal wieder hatte, gleich wieder begraben, so ihre Sicht.

Den nächsten halben Tag verbrachte sie in dem Bett, in dem sie der Herr abgeladen hatte. Sie aß dann auch nicht groß, als sie aufgestanden war, sah schließlich auch nach den anderen im Gasthaus und ging erst mal wieder. Der Gedanke des Alleinseins kreiste wie eine nach Aß gierende Krähe in ihrem Kopf herum. Sie ging zu Orten in Windhelm, wo sie mit Freunden war, oder mit dem Gekreutzten Klingen. Sie war auf der Mauer und rannte darüber, wo sie das Wettrenenn mit Thondaar hatte, dass sie gewonnen hatte. Sie ging am Friedhof vorbei, wo sie mit der Magierin gestritten hatte. Sie war da, wo sich Nord geprügelt hatten, sie war da wo sie ein Schneeengel mit Ania gemacht hatte, wo ihr fast die Tränen kamen. Sie ging weiter und kam am Stadtor vorbei, sah die Brücke wo sie fast runtergefegt worden wäre, beim Schneesturm. All das, war Gesellschaft gewesen, nicht immer gute, nicht immer Schönes, aber Gesellschaft. Das wird vorbei gehen. Sie muss wieder lernen, allein Freude zu haben, ohne irgendwem, das hat der Abend gezeigt.

Ein wenig verdutzt war sie deshalb, als sie Lia draußen sah. Sie erfuhr, dass die Bosmer ihretwegen hier draußen war, nahm sie dann ins Heim von Erlena mit und sprach dort etwas mit ihr. Diese verstand, wieso sie traurig war, ohne dass sie es ihr nochmal gesagt hätte. Sie entschuldigte sich sogar, und auch wenn das gut tat, das Verstanden werden, die Entschuldigung, änderte das nichts an ihrem Glauben, dass es bald eh egal wäre, weil sie wieder allein wäre, draußen in der Wildnis. Anders sah es dann aus als Yara kam. Diese schien ihr erst nicht zu verstehen und plötzlich, bei ihren Worten, ob sie bestimmen wollte wann sie Spaß hat... fühlte sie sich schuldig. Das mit ihren eigenen Gefühle, ließ sie wieder vor den Kamin flüchten, weinend. Sie hatte nur ein wenig Spaß gewollt und war sauer auf die beiden gewesen, als sie schuldig schienen, dass sie ihn nicht bekommen hatte, der Abend so unfröhlich geendet war. Aber nach etwas Ausweinen, hatte sie sich entschuldigt und es war wieder gut. Sie hatte verstanden.

Im Gasthaus scherzte man noch etwas, sie hob Yara mal kurz hoch, aber die war ihr zu schwer, für ganz hoch, bei Lia ging es hingegen ein mal etwas, als diese aber gespielt ernst auf sie herunterguckte und dann aber fröhlich schien, musste sie selber lachen und die Bosmer damit auch wieder runterlassen, ehe sie sie ausversehen fallen ließ. Der Gedanke im Hinterkopf, wieder allein zu sein war nicht weg, nein, aber er war wieder etwas zugegraben worden.
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Meavy (17.03.2018)

52

Freitag, 5. Januar 2018, 15:56

Der kaltwarme Norden
(Teil 2: 04.01.2018 )

Die Reise ging bald weiter, allerdings auch mit einem Dunmer namens Lehnuin, was sie zugegebenermaßen störte. Sie konnte nicht anders als großes Misstrauen empfinden, obwohl er Yaras Freund war. Sie sollte es besser können, oder? Andere hatten ihren Freunden schon gut gegenüber gestanden, aber sie konnte Yaras Freund nur schwerlich annehmen. Er schien ihr nicht besonders freundlich, ignorierte scheinbar geradezu alle bis auf Yara und im Grunde... war es ihr auch ganz recht, der Beschreibung eines Dunmers der "ganz in Ordnung" war, entsprach es für sie aber nicht. In Ostmarsch kamen sie nochmal in einem Gasthaus unten, wo Yara und andere der Gruppe scheinbar tatsächlich mal etwas Ärger verursacht hatten. War aber sicher nötig gewesen, so wie es sich anhörte. Die ganze Zeit hatte hatte sie Lehnuin im Auge, aber nach der erste Etappe der Reise ließ sie davon doch etwas ab. Wehe diesem Dunmer aber, wenn er Yaras Vertrauen enttäuschen würde.

Man zog weiter, kam in das Gebiet Riften, wo man in Shors Stein nächtigte. Sie hatte dort noch länger mit Lia geredet, über Kalef, weil Yara ihn erwähnt hatte. Die Bosmer hatte ihr viel zum Nachdenken gegeben, aber so richtig entscheiden konnte sie sich dennoch nicht, was sie zum Beispiel täte, wenn sie Kalef wiedersehen würde. Dort war einerseits der Ansicht, dass es gegen das Göttliche war, so ein untotes Leben – immerhin hatte sie die Geschichte, wie Vampire entstanden, mal von Bruder Corentin gehört – und andrerseits die Fakten, was Vampire eben zum Leben tun mussten, und als letztes noch die Frage, ob Vampire wirklich teils die bleiben konnten, die sie waren. Sie wusste darauf keine Antworten, war nicht weise genug. Sie könnte nur aufpasse, weil bei den meisten Vampiren sicher zutraf was man ihnen sagten, und wenn, bei Ausnahmen, wie bei – vielleicht – Kalef, besonders aufpassen, und es akzeptieren aber.... da war sie sich noch nicht sicher, denn sie wollten dem Göttlichen treu sein.

Schließlich kam man in der Stadt Riften an. Weitere Erinnungeren kamen hoch, wie sie mit dem Orden hier war, Yara zurückgelassen wurde. Wie Yune in einem Eisblock stand. Wie die Ordensmeisterin sie wegen Unbedachtheit bei einer Aktion gescheltet hatte. Aber auch: Wie Wulfgar die Bretonen als Milchtrinker bezeichnet hatte als sie vor dem Kampf zich "Wenn" und "Abers" wälzten, ohne nennenswertes Ergebnis, soweit Wungrane das mitbekomen hatte. Nun da sie in Riften war, kam der letzte Schritt: Der zu Wulfgar. Das hieß aber auch, dass nun ihr Ziel noch nicht erreicht war, gegenüber das der anderen, und das hieß vermutlich ein Abschied. Sie behielt bei Yara recht, denn diese würde in Riften bleiben, was sie verstand, Lia hingegen, war entschlossen sie noch zu begleiten. Allerdings, schien die Bosmer nicht wirklich gut drauf, ob sie sie doch nicht hätte mitnehmen sollen, damit sie nicht dauernd an Yara denken musste? Hmm. Das war aber auch nur ihre Vermutung.

Als sie eine halbe Tagesreise nach Osten später, endlich in Wulfgars Dorf ankamen, war sie trotz dem Wissen, dass sicher alles in Ordnung wäre, seltsam unruhig, in ihrem Inneren. Dort hallten Dinge wie "letzte Chance" oder "versagt" wieder wenn sie an ihr Verlassen des Ordens denkt. Das war aber nicht das Einzige, den daneben hallte auch "Verlust" wieder und "Schicksal". Als sie ihn endlich sah, lächelte sie trotzdem. Es war einfach schön ihn wiederzusehen und ihr Herz freute sich. Man sprach miteinander, sie gingen ins Haus, wo sie auch eine Irmgard kennenlernte, eine alte Erzieherin und Haushälterin, die das schon zu Wulfgars jungen Jahren war. Es gefiehl ihr nicht ganz so, wie sie mit Wulfgar umging, aber sie akzeptierte nach seinen Worten, dass es eben nur der neckisch freundliche Umgang miteinander war.

Schwerer war es Wulfgar die Geschichte zu erzählen, was so passiert war, seit sie sich das letzte mal sahen. Allerdings, hatte sie sich entschieden es kurz zu halten und das ein oder andere Detail wegzulassen. Musste er wissen, dass sie vor Schmerz einfach schon nichtmehr gewollt hatte? Auch ihre Gedanken, bezüglich eines Heimes, ließ sie mehr außen vor. Wenn sie sagte, dass das Schicksal ihr bisher keines gegönnthatte, oder es einfach wieder nahm wenn sie es fand, sie gar Sorge hatte, dass er auch plötzlich verschwinden könnte, oder sterben könnte, würde er das als Quatsch sicher wegreden wollen. Das wäre nicht so, bei ihm würde das nicht so sein, und so weiter. Sie vertraute Wulfgar, aber sie vertraute dem Schicksal nicht mehr, dass es Gutes mit ihr im Sinn hatte. So hallte leise flüsternd im Hintergrund, zwischen all dem Lächeln und guter Stimmung, den Gedanken an die Zukunft, was sie alles hier machen könnte, das leise fiese Wispern hindurch: "Genieß es solange du noch kannst."

Wungrane atmet durch. Das Feuer prasselt weiter vor ihr vor sich hin. Inzwischen in der tiefen Nacht das einzige Geräusch. Sie findet es beruhigend, vielleicht erinnert es sie an ihr erstes und einzige Zuhause mit ihren Eltern. Sie lächelt etwas, die Gegenwart zählt: Sie ist am Ziel, bei Wulfgar angekommen, und sie kann bleiben... solange sie möchte. Egal wie lange es dann wirklich so sein würde, sie würde tun was sie kann um ihm zu helfen, und sie würde die vielleicht letzte Zeit in einem Heim, so gut es geht nutzen. Sie wird viel lernen und leben. Sie hatte am Tisch mit Wulfgar sogar mal ein Stoßgebet gesprochen: Sie wünschte sich, dass die Götter das Schicksal überredeten, dass sie wenigstens bis nach ihrem Geburtstag die Zeit hier verbringen kann. Sei es nur, damit sie mal eine nordischen Geburtstag erleben konte, oder auch, damit sie wenigstens sagen könnte, dass sie es ein Jahr in der Zivilisation versucht hatte. Sie atmet erneut durch. Jetzt, ist sie erts mal in ihrem Ziel, bei Wulfgar... bei einem guten Freund, in einem Heim. Nicht weiter nachdenken... schlafen. Und genau das, tut Wungrane schließlich auch.
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Jassillia (06.01.2018), Meavy (17.03.2018)

53

Montag, 12. Februar 2018, 21:30

Schlag auf Schlag
(12.02.2018 )

Wungrane sitzt draußen in der Natur, nicht weit von Donnerheim entfernt, Wulfgars Dorf. Auf ihren Oberschenkel lässt sie eine Trommel ruhen, auf der festen Seite ein Arm darauf, während sie mit der Hand des anderen Armes, etwas das Ledermembran schlägt, sacht und leise. Viel war geschehen, so viel, dass sie sich gar nicht sicher ist, wo sie mal anfangen soll, ihr jetziges Leben zu überschlagen. Sie glaubt, dass es Thondaar war, der ihr mal gesagt hatte, sie müsste sich kürzer fassen, also versuchte sie es mal die ganzen Geschehnisse zusammenzufasen, in chrondingens... zeitlicher Reinfolge:

- Neben Irmgard, wohnte auch Jongard, der Neffe Wulfgars, vierten Grades oder so, bei ihm, der ihr anfangs den letzten Nerv kostete, weil er einfach so faul war, und ihm alles gleichgültig schien. Nach einer einwöchtigen Wette und viel Schererein, konnte sie ihn dazu bringen, dass er nicht mehr ganz so faul war, anfangs war er für sie jedenfalls ein völliger Blödmann! Hätte sie das ganze mehr von Außen betrachten könnte, hätte sie wohl erkannt, dass ihr zum einen der Kontakt zu Gleichaltrigen zu lange gefehlt hatte, sie sich nun schwer tat, und zum anderen, dass der junge Mann eben noch genauso seinen Weg finden musste wie sie.

- Sie ging immer wieder nach Riften, zum einen wegen dem Versprechen an Lorena, zum anderen zum Besuchen ihrer Freunde, und dann wegen den Erledigungen für die Dorfbewohner, wenn die ihr auch nach den ersten malen konkrete Summen nannten, wie viel was höchstens kosten darf. Das war ihr auch ganz recht, kannte sie sich zu der Zeit doch noch immer nicht mit Geld aus. Da es einen halben Tagesmarsch nach Riften brauchte, übernachtete sie meist in den umliegenden Wäldern, wie sie es schon früher in der Wildnis kannte, und blieb manchmal ein bis zwei Tage, selten auch mal drei, in Riften, ehe sie zurück ging, auch wenn es Irmgard nicht gern sah, wenn es drei wurden.

- Yara und Lia besuchte sie dabei, wenn sie konnte, und wenn es die Situation zuließ. Ein mal war sie in einen Kampf geraten, hatte jemand in den Rücken gestochen, als Yara verletzt zu Boden ging... und war später doch getürmt, als eine unnatürliche große Explosion da war. Sie versuchte Freunde zu beschützen, aber ihr Fluchtinstinkte schienen durch manches wieder größer geworden – Hasenfuß lässt grüßen. Sie war wirklich keine gute Nord... Sie hatte sich danach jedenfalls entschieden fern zu bleiben, wenn sowas ist, weil sie sowas einfach nicht konnte. Für sie erstaunlich, waren ihre Freunde ihr scheinbar nicht mal böse. Allerdings schien es ihr die Zeit danach, als wäre sie dadurch doch irgendwie außen vor - auch Yune war komisch zu ihr gewesen - also hielt sie etwas Abstand, zumindest, bis sie die Sache mit Lia geklärt hatte, die ihr die Gedanken wieder geraderückte.

- Sie lernte Svea kennen, die um die 20 war, wohl dies und das machte, die Wulfgar sehr mochte, und die recht schnell ihre Freundin wurde, sie war einfach nett und ehrlich. Dazu hatte sie einen süßen kleinen Hund namens Flocke und einen großen Eiswolf! Sie wollten irgendwann man zusammen jagen gehen, kamen aber noch nicht zu. Sie lernte auch noch jemand kennen namens Alvar, sie war noch etwas misstrauisch, war ein mal sogar bis zu seinem Anwesen hinterhergeschlichten, als er mit einer Gormlaith sprach, hatte gelauscht, aber sie unterhielten sich nur über normales. Er schien auch etwas verstimmt als er sie entdeckte aber nahm es noch hin. Sie mochte ihn irgendwie, und irgendwie war da auch etwas Vertrauen, obwohl sie ihn noch so wenig kannte. Langsam schien sie ein wenig mehr Instinkt für Leute zu bekommen, was dringend fällig wurde!

- Wulfgar würde mal Schwarzmarsch eine Freundin besuchen, vielleicht mit ihr, über den Meeresweg, denn durch Morrowind würde sie auf Deadra komm raus keinen Fuß mehr setzen! Sie wollte nicht, dass er allein geht. Ihre Sorge war, dass das die Einleitung für den nächsten Schicksalsschlag war. Wo das eine noch auf sich warten ließ, da der Briefverkehr noch etwas dauern würde, kam aber dann das andere: Ein Notsignal des Ordens der Gekreuzten Klingen, durch so einen magischen Blinkestein. Wulfgar brach mit seinen Kriegern auf, und sie blieb zurück.

- Svea war bei dem herben Schlag zum Glück für sie da, trotzdem schien es ihr erst mal, wie das Anfang vom Ende. Sie konnte nur schwer aus ihrem Schädel bekommen, dass es bald wieder vorbei sein könnte. Es legte sich dann auch etwas und anderes dominierte. Außerdem hatten sie und Svea ihm jeweils etwas gegeben, damit er es ihnen zurückgeben musste, er also eigentlich zurückkommen musste.

- Yara war ein mal verletzt worden, oder sowas in der Art. Als sie an ihren Krankenbett ankam und sie weckte, hatte sie eine Frau mit Leuchtaugen – das kannte sie ja von Magier noch – aber auch mit langen Nägeln und was da, was wie Raubtierzähne anmutete. Da hatte sie doch das Gruseln bekommen und hatte sich schließlich zurück nach Donnerheim verzogen, für eine Weile. Sie hatte Jongar dann überreden können, sie mal zu begleiten, weil sie den Eindruck hatten, dass das die anderen irgendwie nicht so viel scherte, und das war ihr nicht geheuer.

- Seit sie Jongar aber das kleine Küsschen auf die Wange geben hatte, schien der noch besonders nett. Das hatte sie nur gemacht weil sie sich blöd ausgedrückt hatte und zeigen wollte, dass sie ihn zumindest nicht mehr so blöd findet wie am Anfang, wie sie ihm auch nochmal sagte! Aber er hatte ihr in Riften eine Trommel gekauft, für die sie sich interessierte, so eine richtig tolle, und die hatte ihn viel gekostet.

- Sowohl Svea und Jongar waren misstrauisch, da sie ihr, Wungrane, glaubten, aber Yara recht normal aussah, keine seltsamen Zähne oder ähnliches mehr hatte. Sie ging früher wieder von alle weg, als sie es vor hatte, aber dafür hatte sie am Abend noch mit Jongar ordentlich was getrunken, um herauszufinden, wer ab wann besoffen wäre. Nachträglich wusste sie es zwar nicht mehr so sicher, ab wann er als besoffen galt, weil sie selbst da schon besoffen war aber es war trotzdem lustig gewesen. Er hatte sie sogar ritterlich nach oben getragen als sie kaum noch stehen konnte. Richtig nett von ihm. Der nächste Morgen war durch den Kater natürlich weniger lustig gewesen.

Wungrane schlägt die Trommel etwas fester. Das alles ist etwas, womit sie noch mehr oder minder klar kam, sie nach all dem sogar recht glücklich war, und "halbwegs" guter Hoffnung, dass Wulfgar vielleicht sogar tatsächlich wieder zurück kommt, dass hier alles nicht wieder endet. Kaum kam sie aber mit einer Sache zurecht, kam das Nächste:

Yara eröffnete ihr in ihrem schönsten Hoch, wo alles gut schien, dass sie und Lia etwa einen Mond weg wären, aber das nicht nur nach Windhelm, nach Glenumbra, oder sonst wo, wo es sicher und gut sein könnte, nein, an den einen Ort, der für sie tabu ist: Morrowind. Wollte Yara sie veräppeln? Wieso tat sie ihr das an?! Nur wegen irgend so eines dummen Artefaktes, was an irgend welche falschen Hände geraten könnte! Was ist wenn die beiden da gefangen würden? Sie könnte sie nicht retten! Sie wüsste nicht mal, dass es geschehen wäre! Das hatte sie ziemlich fertig gemacht. Sie hatte aber Yara letzten Endes noch etwas gegeben, damit auch sie wiederkehren musste: Das Allzweckmesser, das sie mal von Wulfgar bekommen hat, und Lia - weil ihr die persönlichen Sachen, die sie bei sich trug, ausgingen - schlicht einen Pfeil aus ihrem Köcher. Aber der Gedanke zählte!

Sie war dann mit Svea zurück nach Donnerheim, da hatten die beiden trotzdem noch ein wenig gesungen, sie selbst auch leicht getrommelt. Es waren keine heiteren Lieder, aber es waren zumindest Lieder. Schließlich kam es dazu, dass sie Svea von sich erzählte, von Anfang an. Sie wusste nicht ob irgend jemand sie wirklich von Anfang bis Ende kannte, wusste was sie so erlebt hatte, was sie geformt hatte. An dem Abend hatte sie es zumindest bis zu den Punkt geschafft, der sie in die Sklaverei führte. Jene konnte sie allerdings nicht mehr thematisieren. Es war anstrengend gewesen, und die Einzelheiten was sie dort erlebt hatte, wollte noch nie jemand wissen, hatte sie daher nie erzählt, fiel ihr dementsprechend schwerer, wie sie merkte, neben dem, dass sie müde war. So ging sie schlafen und fragte sich, ob Svea tatsächlich mal jemand werden würde, der ihre Geschichte von Anfang bis Ende kennenlernen würde... sie meinte zwar, sie hätten Zeit, aber Wungrane wusste inzwischen, dass das manchmal weniger zutraf, als man dachte. Sie würde sehen, ob Svea sie wirklich ganz kennenlernen würde, ob Wulfgar wiederkäme, oder Yara und Lia...

Wungrane schlägt nochmal fester auf die Trommel. Es ärgert sie dennoch, dass kaum, dass eine Katastrophe zuende war, immer die nächste begang. Manche sagen, die Götter würden einen dann prüfen, andere meinen, so ist das Leben, und wiederum andere meinen wohl, sie hätte einfach Pech. Es ärgert sie trotzdem! So schlägt sie Schlag auf Schlag auf die Trommel, so wie Schlag auf Schlag, das Leben mit ihr spielte, auch wenn sie Rücksicht nahm auf die Trommel; immerhin ist es ein schönes neues und teures Instrument! Aber Schlag auf Schlag, lässt sie sich eine ganze Weile nicht nehmen, und sie merkt, wie es sie etwas beruhigt, der stetige Rhythmus, aber auch, wie sie sich damit etwas abreagieren kann. Es ist als würde die Kraft ihres Ärgers, dort in die Schläge fließen und durch die Trommel ausklingen. Das war angenehm und schließlich, schließt sie sogar mit einem kleinen Lächeln die Augen. Es bringt nichts darüber nachzudenken was sein wird... sie wird es einfach sehen müssen, und solange: macht sie einfach das Beste daraus! Ein letzter Trommelschlag, und sie geht ins Dorf zurück, Irmgard kann sicher noch etwas Hilfe gebrauchen.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Deikan« (13. Februar 2018, 09:36)


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Jassillia (13.02.2018), Meavy (17.03.2018)

54

Sonntag, 18. März 2018, 12:17

Des Lebens Lauf
(Teil 1: 18.03.2018 )

Wungrane liegt zwischen Rift und Donnerheim, in einer schönen größeren Höhle, damit Norah, das Pferd, das sie reiten darf, auch noch reinpasst. Der Grund, wieso sie das tut, ist einfach: Zum einen will sie diesen Abend nicht mehr nach Donnerheim, da das, was sie Mitbringen würde, jemand sehr liebes nicht auch noch gebrauchen konnte, zum Anderen, braucht sie doch mal wieder etwas Zeit für sich, zum Nachdenken. Sie versucht sich gedanklich aber wieder kurz zu fassen, will sich bemühen ihre Gedanken dabei dennoch klein zu halten, weiter lernen nicht so auszuschweifen:

- Wulfgar war heil zurückgekehrt. Der Notfall für ihn und seine Krieger, vom Orden der Gekreuzten Klingen, war wohl keiner mehr, als sie da ankamen. Sie war einfach nur heilfroh darum, dass es ihm gut ging und nichts passiert war. Es freute sie auch dabei von Farian zu hören, sogar irgendwie, ein ganz klein wenig, von der Ordensmeisterin.

- Svea hatte nun auch den anderen Teil ihrer Lebensgeschichte gehört. Somit ist sie die erste Person, die sie überhaupt so sehr kennt, wieso sie ist, wie sie ist. Wenngleich es irgendwie passend wäre, wagt sie es nicht, Svea als eine Art Ersatzmutter zu sehen, ist ihre letzte Ersatzmutter doch bei der Geburt ihres Kindes gestorben. Sie ist eine gute Freundin, vielleicht sowas wie eine große Schwester, genau. Leider wurde diese kürzlich mal ziemlich krank, aber auch das hatte seine Vorteile: Sie blieb solange in Donnerheim und sie konnte dabei auch Wulfgar noch näher kennenlernen und inzwischen war Svea auch wieder gesund. Irmgard, die Haushälterin, hatte mal gesagt, dass Wulfgar irgendwann heiraten müsste und Kinder zur Welt setzen, da wäre Svea in ihren Augen immernoch die Beste, immerhin kennt sie sie und sie mochte sie, wer weiß wie das bei wem anders wäre. Erst mal würde sie jedenfalls in Donnerheim bleiben und Wungrane freute sich darüber, auch für Wulfgar.

- Orsik Winterhand, ist jemand den sie wirklich per Zufall getroffen hatte und was sich daraus ergab, dass sie es überhaupt erfahren hatten, war umso unglaublicher: Ein leiblicher Verwandte, ihr Onkel väterlicherseits. Ein Riese von einem Nord, mit schmuddliger Kleidung, einem langen Bart und blondem Haar. Es war sehr seltsam gewesen, und anfangs, hatte sie sogar Angst, dass er sie von Donnerheim wegreißen würde, schreckliche Angst sogar, aber es erwies sich als Fehleinschätzung. Er ist so eine Art reisender Magier, oder Naturkerl? Jedenfalls Reisender. Er hat ein sehr frohes Gemüt, lachte viel, locker, was sie etwas an Vater erinnerte. Das Gefühl war befremdlich, aber nicht direkt unangenehm. Immerhin wusste sie nun wieder, woher ihr Vater kam: Ivarstatt. Sie kannte den Namen zwar noch, er hatte es sicher mal erwähnt, aber sie wusste es nicht mehr in einen Zusammenhang zu bringen. Sie ist jedenfalls froh, dass ihr Onkel noch etwas bleiben würde, damit sie ihn nach und nach vielleicht auch etwas kennenlernen kann, wie auch umgekehrt. Geholfen hatte er ihr jedenfalls auch jetzt schon.

- Erlena die Eiswölfin hatte sie mal wieder gesehen und es war schön gewesen, zumindest, bis sie und Wulfgar sich verkracht hatten, wegen einer Fremden, einer Se-irgendwas, mit ihrer Geschichte, wie die ihrem Partner damals Haus und Schiff abgefackelt hatte, als er sie mit einer anderen fand. Wungrane konnte soviel Zerstörungswut nur schwer nachempfinden. Für Erlena war es jedenfalls, etwas Vergangenges, nicht mehr so wichtig, und Wulfgar sah in der Fremdne eine Brandstifterin, die keine Reue für ihren Ausrutscher zeigte und verwies sie daher seines Hauses. So gingen er und Erlena auseinander und als sie selbst, Herdis die Eiswölfin, eine von Erlenas Clanmitgliedern, in einer der Gaststätten traf, ging es erst richtig rund:
Diese hatte Wulfgar beleidigt und sie hatte Herdis tatsächlich eine geknallt, und die zurück und sie dann auch festgehalten, als sie selbst mehr machen wollte. Dann war da die Angst, die sie geradezu lähmte. Die Hilflosigkeit versetzte sie in die Zeit mit den Dunmern zurück, lies sie stillhalten, nachgeben, zurückrudern. Sie konnte nicht mehr machen, als bitten es zu lassen. Sie fühlte sich so geschlagen, machtlos, dass sie froh war als Jongar dann da war, und gleichezeitig sehr enttäuscht über sich selbst, wie schlecht sie sich geschlagen hatte, wie wenig sie ihm helfen konnte. Zwar nahm er es ihr nicht übel, sie sich selbst aber schon, auch wenn er sie tröstete, dass sie doch mutig gewesen wäre, weil Herdis so ein Berg von Frau wäre. Von Wulfgar und Svea hatte sie dann noch zu hören bekommen, dass sie sich nicht so leicht reizen lassen sollte.

- Wieso ihr der Anblick von Jongar gut tat? Weil er nun ihr Freund ist, nicht nur ein normaler Freund, nein so einer, den sie liebte. Es kam so ganz sacht und leise. Er mochte es wenn sie seinen Arm so umarmte, er mochte den Geruch ihres Haares, er fand sie schöner als den Sonnenuntergang den sie da angeschaut hatten, und das alles und ein erster Kuss auf die Lippen, hatte sie erst mal nur mehr als verwirrt, mitsamt der Hitze die sich auf ihre Wangen geschlichen hatte. Trotzdem war da was, was sie das schön finden ließ und sie konnte es schlecht beschreiben, wie sich das entwickelt hatte, aber es war einfach passiert. Ein wenig an ihn gelehnt, ein wenig Halt, der Kuss, zärtliche schüchtern scheue Berührung, von ihrer beider Seite. Es ging Stück für Stück langsam und behutsam weiter, und es tat einfach gut. Er hatte ihr Sachen versprochen, wie die, dass er nicht irgendwohin reisen würde, sie hier nicht alleine ließ, und ihr damit Angst genommen. Er würde sie auch nicht wegwerfen, wollte nicht nur... naja, das eine. Sie hatten es auch Wulfgar und Svea schließlich gesagt, so wie Erlena es wusste oder Alvar.

- Wulfar hatte ihnen daraufhin ein altes beschädigtes Haus angeboten, wo sie sich zurückziehen konnten und auch wenn sie der Gedanke erst schockierte, da sie fast das Gefühl hat von ihrem doch irgendwie neuen Heim weggeschickt zu werden, war es dann doch nicht so, und sie begriff, dass er ihnen etwas Gutes tat. Sie lernten schon beim Anschauen noch mehr Zweisamkeit, was sie sicher nie in Wulfgars Haus getan hätten, da hatten sie immer nur einfach so beisammen gelegen, die Nähe so genossen wie sie war, und es hatte gut getan und war schön gewesen. Da.. taten sie dann mehr. Allerdings zogen sie sich da auch kurzeitig Flöhe zu, da das Stohlager offenbar von einem Landstreicher genutzt wurde – bei den schiefen und krummen Türen kein Wunder. Ihr Versuch es allein ausräuchern zu wollen, war etwas schief gegangen, woher sollten sie auch wissen, dass Räuchern nicht gleich Räuchern war. Jedenfalls musste das ganze Dorf mit anpacken um ihr beider Feuer im Kamin zu löschen, ehe es oben doch noch rausfunkte und irgend einen trockenen Nachtbahrstall mit Stroh erwischen konnte. Die Innenwände waren dann schwarz gewesen und wer das natürlich schrubben durfte, waren sie beide. Sie hatten nicht nur Schimpfe bekommen, sie hatten den anderen Dorbewohnern helfen müssen und auch das ganze Haus wieder auf Vordermann gebracht, es von oben, bei den Balken, bis zum Boden geschrubbt und geschrubbt, woran sie lange geackert hatten. Es war richtig harte Arbeit! Aber sie hatten es geschafft, auch zur Entschuldigung Irmgard und Wulfgar jeweils ein Geschenk zu machen. Wulfgar hatte ihnen zwar ein Bett, ein Tisch und eine Bank spendiert – neben neuen Fenstern, da die anderen schon halb oder ganz herausgebrochen waren – aber sie würden noch sehr viel an dem Haus machen müssen, damit es ein wirkliches Heim war, man auch kochen und so konnte – derzeit speisten sie noch "daheim" bei Wulfgar – aber es gehörte ihnen. Natürlich würden sie dafür noch lange für Wulfgar arbeiten müssen, anders könnte es Wungrane auch gar nicht annehmen. Ihr ehemaliger Mentor und nun guter Freund, hatte ihr schon viel zu viel Gutes getan: Hätte er sie nicht hier aufgenommen, sie wüsste nicht ob sie noch froh geworden wäre.

- Jongar und sie schätzten jedenfalls sehr, was sie hatten, und ihre Beziehung. Svea hatte ihr auch einen Tee gegeben, der verhinderte, dass sie jetzt schon an sowas wie Schwangerschaft denken musste. Das war ihr viel zu früh und sie hätte einfach nur Angst, wenn das jemals passieren sollte. Aber so erkundeten die beiden eben, wie Jugendliche es nun mal gerne taten, die Liebe und Leidenschaft entdeckten. Letzteres war schön, aber ohne das Erstere hätte sich Wungrane nie mehr so weit aus dem Fenster gelehnt. Der Halt den er ihr gab, einfach nur weil er da war und sie liebte, war wunderschön. Sie konnte und wollte sich nicht vorstellen, wie es ohne ihn sein würde – das würde sie nicht ertragen. Umgekehrt schien das genauso, so dass sie jetzt schon wussten und sich einig waren: wenn sie mal nach Sovengarde gehen müssen, dann gemeinsam. Sie wollte seinen Halt nie mehr dauerhaft missen müssen...
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"Wenn die Winde des Wandels wehen, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen."
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Meavy (18.03.2018)

55

Sonntag, 18. März 2018, 12:24

Des Lebens Lauf
(Teil 2: 18.03.2018 )

- Wie üblich, kam aber der Lauf des Lebens mit seinen Auf- und Abs: Jongars Vater starb. Sie konnte seine Trauer nur zu gut nachempfinden – erst recht unter den Umständen, wie er starb – allerdings wäre sie wohl auch schreiend davon gerannt, hätte Wulfgar ihr davor nicht gesagt, sie müsse stark für ihn sein. Was ist sie für ein Unglücksbringer?! Ihr Onkel hatte ihr da zum Glück den Kopf auch wieder gerade gerückt, den Gedanken gleich größtenteils weggehauen, dass sie irgendwas damit zu tun haben könnte. Das Leben wäre einfach so und hatte mit ihr nichts zu tun. Sie versuchte jedenfalls so stark wie möglich für Jongar zu sein, auch wenn sie noch lieber viel mehr tun würde, viel stärker sein mochte. Er meinte ihre Anwesenheit allein wäre schon viel. Nach Windhelm würden sie wohl müssen, für die Beerdigung, und auch wenn sie ein wenig Angst hatte, wollte sie ihn da begleiten, es für ihn tun. Sie erinnert sich an ihre Gebete, und ihr Geburtstag war bald. Die Götter schienen ihr den Wunsch zu gewären, das bis dahin alles gut geht. Aber was ist nach ihrem Geburstag? Würde es dafür umso schlimmer kommen? Der Gedanke machte ihr Angst. Doch das sprach sie nicht weiter aus, würde ja doch keiner so recht verstehen.

- Blieb noch, weshalb sie jetzt gerade weder bei Wulfgars Heim, noch bei Jongar war: Sie war niedergeschlagen und enttäuscht. Yara und Lia waren endlich da, und ihr war eine ganze Steinlawine vom Herzen gefallen. Nur, damit sich nach der ersten Begrüßung, ein paar wieder darauflegten. Beide wollten nicht sprechen was gewesen war, scheinbar aber auch nicht ihre Gesellschaft. Das lies sie schlucken. Was war vorgefallen?! Der Gedanke marterte etwas und Yara umarmte sie zwar noch ehe sie baden ging.. aber weder lud sie ein Gesellschaft zu leisten – auch wenn sie natürlich nicht in so einer öffentliche Quelle mitgebadet hätte! - noch machte sie andere Andeutungen, dass sie am Rande bleiben könne, oder so. Lia war auch nicht besser, die wollte auch nicht reden, schien sie gefühlt geradezu etwas zurückzuschieben, und da Yara ja auf Lia warten wollte, auch Lia sie nicht einlud zu bleiben, ging sie nach einer Verabschiedung.

Wungrane rollt sich ein wenig zusammen. Das tut weh... einfach weh, nachdem sie sich so gefreut hatte. Es lässt sie auch nachdenken: Was ist sie für die beiden wirklich? Einfach nur ein Kind das man beschützen muss? Vertrauten sie ihr deshalb nichts an? Aber zumindest Yara hatte ihr schon Sachen gesagt, die sie tief zu bewegen schienen. Vielleicht war sie wirklich nur müde gewesen, immerhin ist die Halbmehr schon irgendwas mit 90 Jahren, vielleicht macht sich das doch bemerkbar? Bei Lia hingegen... sie weiß nicht. Ist die Freundschaft mit ihr gar nicht so tief, wie sie immer dachte? Wäre sie selbst so drauf gewesen, wäre das sicher ganz anders gelaufen. Aber sie hingegen, störte nur. Sie presst die Lippen zusammen und weint etwas. Nein, wie sie sich gerade fühlt, zurück und ins Abseits geschoben, hilflos, kann sie Jongar keine Kraft geben. Nach etwas weinen, betet sie noch, aber diesmal wieder umso mehr für alle anderen, aber weniger für sich, auch wenn sie sogar mit der Kurzfassung ihrer Gedanken gescheitert war. Sie verlässt sich viel zu sehr auf andere, sogar die Götter, aber auch sie muss mal was tun um stärker werden. Sie wird einfach nicht mehr immer jedem alles anvertrauen, sie wird das selbst klären, ihren eigenen Weg finden, sie wird.. sie wird einfach besser werden... oder vermutlich heißt das "erwachsener". Vielelicht kann sie das Leben ja zukünftig so locker wie ihr Onkel nehmen... das hätte sicher was, auch wenn sie sich nicht vorstellen kann, dass sie das schafft. Sie blickt aus der Höhle hinaus zum Sternenhimmel. Und heute Nacht, ist sie noch nichtmal für Jongar da... das tut ihr Leid. Sie presst die Augen etwas zusammen und bis sie einschläft gönnt sie sich aber noch ein paar Tränen, ab morgen, wird sie stärker sein, ganz sicher...
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Meavy (18.03.2018)

56

Mittwoch, 18. April 2018, 10:53

Verliebt, verlobt - verreist
(Teil 1/3: 18.04.2018 )

Wungrane liegt auf der Decke vor dem Kamin und starrt Löcher in die Flammen. Sie sollte das Buch nehmen, dass Jongar ihr von Wulfgar geliehen hatte, lesen üben, und Schreiben üben, mit dem Pergament, der Feder und der Tinte, ebenfalls von drüben. Aber sie hat keine Lust. Ihre Freunde weg, Svea noch immer nicht so wie sie sie kennt, und gerade erst recht keine Möglichkeit ihr zu helfen, so scheint es ihr. Sie ist gerade so nutzlos... und so schweifen ihre Gedanken ab, vom vergangenen Mond bis heute.

Mit Lia hatte sich alles geklärt, diese hatte sich entschuldigt, aber auch mit ihr geredet, wie mit einer wirklichen Freundin, statt sie zu schonen wie ein Kind. Das hatte Wungrane sehr gefreut und so konnte sie auch Lia gute Nachrichten überbringe, wie die über ihren festen Freund Jongar. Doch kaum schien mit ihrer einen Freundin alles im Lot, gab es Probleme mit Yara. Wie sie herausfand trauerte diese, aber als sie erfuhr über wen und wie lang das schon her ist, schmerzte ihr Herz. Wie konnte man nur soviele Dekaden wieder und wieder über das selbe trauern, als wäre es gestern gewesen? Eigentlich versuchte sie Yara zu helfen, aber sie hatte es scheinbar vermasselt, ihr wehgetan, und Yara dabei auch ihr. Im Schmerz gingen sie auseinander, aber als Wungrane versuchte das zu klären, hatte sie das Gefühl ihr schwappt nur Kälte entgegen, Abweisung, wenngleich die Worte sagten, es wäre in Ordnung. Daneben gab es keine Entschuldigung ihrer Freundin, was sie wiederum wieder etwas traf. Bevor man das aber hätte weiter klären können, pöbelte ein Rothwardone rum und wollte sich mit Jongar prügeln, aber Yara intervenierte da und dann auch die Stadtwache, als der magische Knall von ihr gekommen war. Nach der Klärung der Sache mit der Stadtwache, machten Jongar und sie sich aus dem Staub.

Was dann nämlich endlich eintrat, war ihr Geburtstag, zumindest die Übergangsnacht dahin. Jongar unternahm mit ihr eine Bootsfahrt, hatte eine kleine Insel im großen See von Riften, teils mit Blüten bedeckt und viele Kerzen aufgestellt. Es sah sehr schön aus, und während man die Zweisamkeit mit Essen und Trinken genoß, sah man sogar mal hier in weiter ferne ein Nordlicht. Die Nacht musste klar genug sein, oder es war einfach ein kleines Geschenk der Götter für sie. Sie hatte Nordlichter noch nie wirklich gesehen und die Geschichte dahinter, die Jongar ihr erzählte, rührte sie. Ob ihre Eltern und Jongars Vater wirklich vorbeisahen? Ein schöner Gedanke. In dieser Nacht schenkte Jongar ihr nicht nur schöne Worte, sondern auch ein Versprechen, in Forme eines... improvsierten Ringes.
Dass das für Überraschung bei Svea und Wulfgar sorgte, war noch eines, aber Wungrane macht es richtig unsicher, wie sie darauf reagierten. Man wäre noch so jung und all das. Wungrane verstand das Problem nicht, bis Svea ihr etwas aus ihrer Vergangenheit erzählte und Wungrane sich auch an etwas aus ihrer eigenen Vergangenheit erinnerte. Zweifel. War es zu früh? Sollte sie es nicht zu ihrer Geburtstagsfeier mit bekannt geben? Dass Jongar und sie sich verlobt hatten? Sie musste mit Jongar darüber sprechen, und dieser nahm ihr dann doch die Bedenken. Was wussten die Erwachsenen schon... sie wussten was sie wollten, waren sich sicher, und Punkt.

Die Liste an Geschenken war lang: Von Wulfgar einen Welpen, von Svea einen Anhänger mit Stendarr Symbolen, von ihrem Onkel einen selbstgemachten Bogen, von Erlena einen speziellen bläulichen Wolfszahn, den sie in ein besonders Objekt einarbeiten sollte, wenn sie mal eins macht, von Yara ein nordisches Schwert mit dem Namen "Morgenröte", wenn man denn Nordrunen lesen konnte, das auch noch magisch sein sollte, und Lia schenkte ihr sogar einen Kochlöffel aus Grahteichenholz. Konnte sie gebrauchen! ... Sobald die Küche erst mal steht, aber das war immerhin schon ein erster Schritt. Ob Jongar eine Küchentheke hinbekommen würde? Würde schon werden, früher oder später.

Die Geburtstagsfeier war ein Traum, den Wungrane kaum mehr gewagt hatte zu Träumen. Es waren alle da, die in Reichweite waren und gekonnt hätten. Familie in Form ihres Onkels väterlicheseits, familiäre Freunde, wie Svea und Wulfgar, Jongar, ihr Geliebter, Yara, Lia und Erlena, Freunde. Daneben gab es zu trinken und zu Essen in Hülle und Fülle, sogar noch Musik haben Lia und Svea, aber auch sie und Lia, noch gemacht. Das allerdings erst nach der Offenbahrung der Verlobung. Es gab teils doch überraschte Reaktionen, aber alle waren im Grunde dann doch herzlich gewesen. Sie hatten also sogar aller Segen. Wungrane würde den Tag nie vergessen, als alles gut zu werden schien und hoffte anfangs, dass er nie endete, aber dann betete sie nur stumm dafür, dass es noch viele weitere solcher Tage geben würde: Wo alles gut war, und jeder der ihr wichtig war, gesund und munter.

In der Nacht noch, als sich die Feier auflöste, ihr Geburtstag im Grunde auch schon rum war, sprach sie noch lange mit Lia. Diese offenbarte ihr etwas von ihrer Vergangenheit, was Wungrane schon etwas schlucken ließ. Allerdings war sie sich sicher, von dem was sie sagte, würde Stendarr ihr schon vergeben, und das kann sie als Freundin dann auch. Sie hat Lia dann noch getröstet, versucht ihr Kraft zu geben, aber da sie so geschafft war, hat sie Lia und Yara, ihr und Jongars Haus für die Nacht zur Verfügung gestellt, damit Lia sich richtig ausruhen konnte.

Dann ging alles seinen "gewohnten" Gang... und da die Reise zur Beerdigung von Jongars Vater aber auch bevorstand, brachte sie es nach der wunderschönen Geburtstagsfeier auch nicht übers Herz, nochmal zu versuchen, das mit Yara zu klären, obwohl sie etwas mit Lia geredet hätte und eigentlich zu dem Schluss gekommen war, dass es besser wäre, damit nichts zwischen ihnen steht. Aber Yara war so gut gelaunt auch... nein sie konnte es wirklich nicht, Lia schien das auch zu verstehen. So verabschiedete man sich im Guten.

Auch Svea und ihren Onkel zurückzulassen, für diese Reise, fiel Wungrane alles andere als einfach. Aber es ging nicht. Bei Svea wegen... igendwas... und ihr Onkel war so freundlich, ihr zuzusagen, dass er auf Svea wiederum aufpasst, damit sie sich keine Sorgen machen muss.

So kam der Aufbruch und die Reise, über Riften, über Shors Stein, rüber in die Ostmarsch, an der Feste Amol vorbei und die Straße immer weiter, bis sie schließlich in Windhelm ankamen. Die Begegnung mit Jongars Mutter war sehr schwer geworden und wäre fast in einer Katastrophe geendet, bei der sie nicht ganz unschuldig war. Sie wollte aber niemanden mehr als eine Art Ersatzmutter sehen. Ihre eigene Mutter war in Sovengarde, Kyra auch gestorben, vermutlich in Artherium. Beide Plätze waren einfach belegt. Schließlich konnte sie es aber mit sich vereinbaren, dass "Schwieger"-Mutter in Ordnung war, trotz dessen wie es Jongars Mutter anfangs formuliert hatte. Sie hatte getrennt von ihm geschlafen, weil es seine Mutter so gern so wollte, und sie hat es akzeptiert, ist nicht ins Gasthaus gegangen auch wenn es ihr schwer viel. Sie hatten sich nach einem Gespräch zwar halbwegs verstanden, aber sie hatte nicht vergessen, was sie teils noch gehört hatte. In den Augen von Jongars Mutter, war sie in Wahrheit doch gar nicht gut genug für ihn und Wungrane weiß zumindest genug von der Welt, dass sie es nachvollziehen konnte. Sie hatte... nichts. Sie war keine große Köchen, war nicht gut in Handarbeit, sie hatte kein Einkommen, oder eine .. wie hieß das... Mitgift... sie war einfach eine junge Frau, die noch nichtmal Kinder wollte. Mit all dem fühlte sie sich dort an dem Ort einfach nicht wohl, konnte auch nicht schlafen, da ihr das Gefühl von Sicherheit fehlte, so allein in diesem Raum.

Auf der Beerdigung am nächsten Tag hatte sie es sich jedoch nicht anmerken lassen, wie wenig sie geschlafen hatte. Sie hatte sogar den Rhythmus mitgetrommelt, weil man sie dazu aufforderte. Sie hat alles gemacht was sie sollte, Jongars Freunde kennengelernt, ihren Verlobten Trost gespendet. Aber hier gehörte sie nicht her, sie fühlte sich fremd, in seiner vertrauten Umgebung, wie ein Eindringling, der da nicht sein sollte. Sie gab aber ihr bestes.
Bevor sie wieder loszuzogen, sind sie auch etwas durch die Stadt gegangen, er erzählte ihr was er so getan hatte in seiner Kindheit und Jugend, und nachdem sie etwas herumgekommen waren, schenkte er ihr einen richtigen silbernen Ring als Verlobugnsring. Wungrane brachte das zum Lächeln, denn sie hatte ihm gesagt, dass der ja nicht zu protzig sein sollte, weil ihr sowas überhaupt nicht stünde. Sie, die ehemalige Wilde, mit irgend so einem Protzring, in ihren Sachen. Keine Chance! Aber so war es in Ordnung.

Die Rückreise verlief etwas turbulenter, kurz auch mal gefährlich, aber nichts, was sie nicht hinbekommen hatten. Zurück Zuhaus, war sie froh alle wiederzusehen, gesund und... leider nicht munter. Svea wirkte verschlafen bis erschöpft und das gefiel ihr gar nicht. Sie hoffte einfach, dass sie bald wieder fit sein würde. Sie blieb sogar ein mal neben ihr wach um sicher zu gehen, dass es Svea versucht, aber diese war so unruhig im Schlaf, dass es ihr leid tat nichts tun zu können. Es schien die Tage zwar etwas besser, aber fidel, wirkte sie weiter nicht.
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Meavy (18.04.2018)

57

Mittwoch, 18. April 2018, 10:57

Verliebt, verlobt - verreist
(Teil 2/3: 18.04.2018 )


Beim Auspacken ihrer Reisetasche daheim, hatte Wungrane auch etwas entdeckt, was sie inzwischen schon in die Verdrängung verschoben hatte: Der Brief von Kyra. Sie war sich fast schon nicht sicher, ob sie ihn noch öffnen wollte. Es war... abgeschlossen. Doch nach einem Gespräch mit Jongar, öffnete sie ihn und er brachte sie zum Weinen. Er tat zwar weh, aber war auch schön... und tat eben doch auch weh. Kyra wünscht ihr alles gute, da bei dem Fall des Briefes, sie nicht mehr da sein würde. Sie wünscht ihr Glück, und sie solle sich selbst nicht an allem die Schuld geben. Kyra kannte sie trotz der kurzen Zeit so gut... Doch daneben, sagte sie ihr, dass sie noch weiter bei ihr wäre, wenn der Wind weht, wenn sie das Gras unter ihren Füßen spürt, wenn sie eben in der Natur wäre. Kaum hatte sie es ein wenig verdaut, ging sie daher mit Jongar raus, und erzählte Kyra im Garten, was so gewesen, wie es ihr ging und stellt ihr auch Jongar vor. So weh es auch tun mag, tat es trotzdem gut, eine kuriose Mischung. Sie würde die geschriebenen Worte Kyras nicht vergessen, und wenn Yara Recht haben sollte... würde sie sie in Sovengarde.. oder von Sovengarde auch, trotzdem nochmal sehen können, besuchen vielleicht. Solange, wäre Kyra in ihrer Nähe, und sicher auch in der von ihrer richtigen Tochter und Brynn. Sie wünscht sich, dass es so ist....

Dann war der Tag des Festags mit den Wettkämpfen da, zu denen Yara sie und Jongar eingeladen hatte. Leider musste Jongar zurückbleiben, er hatte ziemlich üble Bauchschmerzen. Sie war sogar kurz davor zu bleiben, sah ihn aber nach Verabreichung von Irmgards Hausmittelchen in guten Händen, danach sollte er sowieso ruhen und Irmgard würde sicher nochmal vorbeischauen oder jemand schicken. Also ging sie, wurde mit irgend so einem Transloka-dingens-Zauber von einem Platz zu einem anderen getauscht und war auf einer ganz schön warmen Insel. Umziehen wollte sie sich erst gar nicht, war ihr viel zu knapp was sie bekam! Yara zuliebe tat sie es dann aber doch und sie knoete sich das Hemd um den Rücken, dass die Ärmel vorne genug bedeckten, dass sie das zumindest halbwegs akzeptieren konnte. Danach war sie sowieso viel zu abgelenkt um darauf noch Rücksicht zu nehmen:

Pfahlkampf, Wettrennen, Irrgarten, Weitsprung... Wungrane nahm an allem teil, als sie von den Preisen hörte. Nicht dass sie nicht anfangs auch so vor hatte etwas teilzunehmen, aber so war die Motivation doch deutlich gestiegen. Pfahlkampf hätte sie Jongar überlassen, aber so war sie an der Reihe und sie schnitt gut ab, auch wenn sie sogar gegen zwei Dunmer kämpften musste. Wenigstens bei der einen hatte sie Glück und es gelang ihr irgendwie sie von den Pfählen zu kämpfen. Die hatte es nicht anders verdient, von dem was ihr Lia erzählt hatte. Bei dem anderen war sie skeptisch, er schien nett, aber sie glaubte ihm nicht, dass er es wirklich war... vermutlich waren sie für ihn alle nur Gewürm.. das er kurzzeitig hier tolerierte um sich auf die Freude am Ereignis zu konzentrieren oder dergleichen. Weiter ging es mit dem Wettrennen, aber da schnitt sie erstaunlich schlecht ab. Vielleicht war es das Barfuß rennen auf diesen Brettern, vielleicht auch weil sie nun mal kein so Gerippe ist wie früher, oder weil sie nicht mehr so viel Übung hat, oder weil sie sich beim Pfahlkampf davor so verausgabt hatte. So oder so, war sie etwas enttäuscht von sich gewesen. Es folgte der Irrgarten, der aber toll war, der hat ihr richtig Spaß gemacht. Einfach nur durch so ein Labyrinth von Hecken zum anderen Eingang finden. Bei einem der Durchgänge war sie sogar erste, das hatte sie dann selbst überrascht. Der letzte Wettkampf, war aber auch der grauenvollste schlechthin. Von hoch oben über den Bäumen fand er statt, hinunter zum Strand. Magie war dort am Werke um den Fall abzufedern und sie sah ja, dass alle unten aufstanden, aber dennoch: Grauen pur! Sie sprang das erst mal doch nicht, kreuchte am Brett hängend wider hoch und als sie es wagte... das Gefühl des Falls ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren und als sie ankam war sie sich nicht sicher, noch am Leben zu sein. Jedenalls zog sie sich etwas zurück und da wurde selbst das Geld zweitrangig, so dass sie nicht nochmal sprang.

Zuletzt rannte sie nochmal mit Yara um die Wette, weil sie es ihr versprochen hatte und gewann sogar. Danach war sie allerdings am Ende ihrer Kräfte und blieb da einfach halb im Wasser liegen, Kopf auf dem Sand. Sie hätte da auch einfach bis zum Morgen geschlafen, aber Yara und Lia brachten sie noch zurück.
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Meavy (18.04.2018)

58

Mittwoch, 18. April 2018, 11:03

Verliebt, verlobt - verreist
(Teil 3/3: 18.04.2018 )


Am nächsten Tag ging sie aber gleich wieder, sie wollte zurück nach Haus, auch wenn sie sich nicht so gut fühlte. War wohl etwas fiel gewesen. Sie beauftragte in Rift noch einen Zimmerer für die Tür im Heim, und kaufte eine Truhe, für selbiges Heim. Die allerdings zum Pferd zu kriegen war schwer, und Szeryna half ihr schließlich dabei. Diese, hatte für den Streit zwischen Erlena und Wulfgar gesorgt, die Brandstifterin, wenn auch aus Zorn, weil der Mann mit dem sie zusammen war, eine andere hatte. Scheinbar haben ihr Wulfgars Worte aber auf die Sprünge geholfen, und sie bereute es, hatte sich bei dem Geschädigten entschuldigt. Wungrane verzieh ihr, Stendarr war vergebend und sie hat selbst schon genug Fehler gemacht, dass sie weiß wie wichtig solch Verzeihen ist. Szeryna machte sich auch Sorgen um sie, weil sie wohl nicht so gut aussah, aber sie hatte ihr noch auf dem Marktplatz erzählt gehabt, wie sie gewonnen hatte. Nach einem Essen, sah sie zwar schon wieder besser aus, aber Szeryna war trotzdem so nett sie noch zu begleiten. Wungrane wollte nämlich nicht auch noch auf Norah reiten, wo die Truhe doch sicher schwer für sie war. So gingen sie zu Fuß.

Auf dem Rückweg allerdings, wurden sie von drei Räubern überfallen. Es wurde richtig knapp. Wäre Wungrane allein gewesen, wäre sie vielleicht mit Norah davon, oder alleine, so dass ihr niemand mit Pferd folgen konnte, durch die Wildnis, aber mit Szeryna, konnte sie es nicht. Irgendwie hatte sie gerade auch weniger Angst, vielleicht durch den Wettkampf, der ihr Selbstbewusstsein etwas gestärkt hatte, in Sachen Kampf. Sie schickte Norah den einen Kerl fast umtrampeln, scheute das Pferd des anderen, oder lenkte ab, oder stich zu, aber im Grunde, hatte sie nicht wirklich gekämpft, sie hat mehr das gemacht was sie am besten konnte: Ausweichen und Flüchten. Hätte sie ihr Schild mitgehabt, hätte sie es vielleicht anders probiert. Dennoch, während die drei Schurken ihr Leben ließen, bekamen sie beide eine Verletzung an. Wungrane eine tiefe Wunde am Bein, und Szeryna eine am Oberkörper, die sie nach den Kampf am Blutverlust zusammenbrechen ließ, wie sie nachher erfuhr. Wungrane brachte sie noch mit einem der Pferd der Räuber zurück nach Rift, ließ auch sich beim Medikus behandeln. Szeryna würde wohl wieder werden, sie hätte nur etwas viel Blut verloren. Und sie selbst solle am besten auch dableiben, aber Wungrane ignorierte das. Sie wollte Heim und Ende, ausruhen könnte sie sich da noch und das tat sie dann auch.

Jongar war ziemlich außer sich, als er davon hörte. Er war wegen blöden Bauchschmerzen nicht für sie da gewesen, das wurmte ihn ziemlich und Wungrane konnte es einerseits verstehen, andrerseits, konnte man das ja nicht ahnen, und er konnte sie nicht jedes mal in die Stadt begleiten. So sah sie es wohl für weniger schlimm als er. Es zeigte allerdings auch, wie schnell es vorbei sein konnte. Nein, sie würde es positiv sehen, wenn Szeryna nicht gewesen wäre, wäre sie eben weggerannt, und wenn es schlimmer geworden wäre... sie hatte auch den Reik überlebt, der ihr in den Rücken gestochen hatte, da hätte sie einen Räuberstich sicher auch überlebt ehe sie zurückschlug und auf der befahrenen Straße hätte sicher auch sie wer noch gefunden, selbst wenn sies selbst nicht noch irgendwohin geschafft hätte. Jongar bereute es aber in mehr als einer Hinsicht nicht mitgekommen zu sein... aber es war nun mal wie es war.
Svea hingegen, war so ruhig bei der Erzählung, dass Wungrane sich wieder fragen musste, was sie wohl hatte. Immernoch der wenige schlechte Schlaf? Sie hoffte das nein. Andrerseits, wäre das besser als wenn irgendwas los wäre. Oder? Sie machte sich jedenfalls Sorgen um ihre "große Schwester"-Freundin, da half auch etwas Kopfstreicheln nicht weiter, um die Sorge zu vertreiben, die aber erst wirklich kam, als sie sich von ihrem kleinen Abenteuer erholt hatte, wie sie zugeben musste. Sie würde künftig mehr auf sie aufpassen!

Dann kamen Yara und Lia vorbei. Allerdings nicht nur für einen schönen Besuch, nein, es hatte einen Grund, wie Wungrane feststellen musste, zwei sogar. Ein mal wollte Yara wohl wissen ob es ihr gut geht, so nimmt sie an, und zum zweiten die Abreise verkündete. Die beiden wollen nach Valenwald und Wungrane war wütend und traurig. Wütend, dass sie gingen, sie allein ließen, traurig, genau aus dem selben Grund. Sie versuchte sich zusammennehmen aber es war schwer. Auf jeden Fall wollte sie, dass die beiden nochmal wiederkommen, ehe sie wirklich gingen und sie überlegte schon was sie den zwein noch mitgeben konnte, ob sie selbst etwas Schnitzen könnte.... doch die Überlegung löste sich am nächsten Morgen in Luft auf. Wie sich herausstellte, war dieses in Kürze sogar schon am nächsten Morgen. Der Abschied für lange Zeit, schied erst so zu werden wie es ein Abschied für lange Zeit werden sollte, doch endete dann in Streit, der gar zum Zerwüfnis zwischen Wungrane und Yara wurde, was sie schockte. Als Yara ging, blieb Lia noch. Allen von Lias Worten zum Trotz, war sie sich danach nicht sicher, ob sie sie je wieder Freundin würde nennen können, oder, wie Lia meinte, sich zumindest mal wieder versöhnen würde. Es war ihr ein großer Trost, dass Lia nichts dergleichen tat, sie noch genauso herzlich und warm blieb, trotz dessen, dass diese Yara so nahe stand. Wenn diese ihr auch noch die Freundschaft geknüdigt hätte, hätte sie nicht gewusst, was sie denken soll. Vielleicht das, was sich jetzt nur in leiser Form bemerkbar machte: Fing es hier wieder an? Nachdem sie so viel gewonnen hatte? Begann sie jetzt alles wieder Stück für Stück zu verlieren? Die kleine Angst blieb klein, wie so oft in diesemn Umfeld, doch gänzlich geschlagen geben wollte sie sich nicht, sah immer wieder noch eine Chance, sich wieder etwas mehr Geltung zu verschaffen, wie eben jetzt. Dank Lia blieb es aber dabei, aber als diese weg war, fühlte sie sich plötzlich dennoch sehr einsam. Mittags hielt sie es drinnen nicht mehr aus, ging mal etwas an die frische Luft, damit ihr nicht noch die Decke auf den Kopf fiel.

Was sie später aber nicht mehr wusste, war dass sie mit Jongars selbstgemachten Krückstock bei dem Wildgarten vor ihrem Haus, bei einem Stück Moos auf Stein, mit jenem Stock wegrutschte und sich den Kopf stieß, den Morgen erst mal ganz vergaß... so dass sie am Abend mit Jongar und ihrem Onkel darüber redete, als wären ihre guten Freunde noch gar nicht abgereist, sondern würden das erst tun. Wann da wohl das böse Erwachen kommen würde? Sicher früh genug.

Jetzt ahnt Wungrane jedenfalls nichts davon. Sie fühlt sich nur ein wenig seltsam, gelangweilt, lustlos, obwohl sie soviel vor hat, soviel lernen und können will. Sie ist irgendwie einfach etwas müde, trotz des vielen Herumlungerns. Svea hat leider auch viel zu tun, sonst hätte sie mit ihr mal die Handarbeit weiter machen könne. Außerdem sollte Svea mehr Zeit für Wulfgar haben, Irmgard würde sie zu sehr mit dem Bein nerven. Eigentlich ist es gut, dass sie hier ist. Dem einzigem, den sie gerade von Nutzen sein kann, ist Jongar. Irgendwie reicht ihr das... und irgendwie auch nicht. Der Tag kommt ihr so verflucht vor, so unvollständig, so seltsam. Sie hat das Gefühl von Kopfschmerzen, von Verlust, von etwas was fehlt, aber so recht, will sich ihre Erinnerung noch nicht öffnen. Wollte sie nicht was für die beiden Schnitzen? Aber wieso hat sie keinen Antrieb dazu? Sie seufzt, schließt die Augen und hofft, dass die Welt nach einer Portion Mittagsschlaf wieder besser aussieht.
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"Wenn die Winde des Wandels wehen, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen."
-Chinesisches Sprichwort

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Salem (18.04.2018), Meavy (18.04.2018)