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Morlana

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Montag, 23. Oktober 2017, 17:48

13. Tag des Eisherbstes - Offenlegung
Ich war aufgeregt, seit ich den Aushang von Meister Athar am Schwarzen Brett in der Eingangshalle gesehen hatte. Er war die sämtlichen Tage über nicht zu sprechen, als ich ihn fragen wollte, worum es bei dieser Zusammenkunft gehen sollte. Wohl oder übel wurde ich ins kalte Wasser geworfen, und Dalathar bat mich, allen zu erzählen, was im Unterschlupf der Krähenfüße passiert ist - den Teil, an den ich mich erinnere. Ich bin froh, dass Dalathar einen Teil der Anworten selbst unterstellt hat, sonst hätte ich nicht gewusst, wie viel ich hätte verraten dürfen. Natürlich wäre ich nicht so närrisch gewesen, und hätte offensichtlich prekäre Infomationen verraten. Aber der Grat zwischen notwendigen Informationen, damit unsere Sache glaubhaft scheint, und solchen die uns gefährden, wird immer schmaler scheint mir. Ich wünschte wir hätten vorher darüber sprechen können.


Jedenfalls plant Dalathar nun eine offensive, und Orenas will den Unterricht in Zerstörung intensivieren. Wie genau die Sache von Statten geht, und inwiefern die anderen überhaupt in die Informationsbeschaffung einbezogen werden, vermag ich gar nicht zu sagen. Aber ich hoffe, dass es nicht mehr lange dauern wird.
Ich wollte ihm nach dem Unterricht davon berichten, dass meine Träume wieder sehr eigenartig werden. Ich bin es gewohnt, schlecht zu träumen, aber diese habe ich fast jede Nacht, und sie fühlen sich an, wie jene die ich vor dem Träumerritual hatte, und den, den ich hatte, als Dalathar den Krähen in die Hände fiel. Aber er hat mich nur angefahren, und gesagt ich sollte ihm nicht hinterherwatscheln wie ein herrenloser Bantam-Guar. So oder so ähnlich hat er sich jedenfalls ausgedrückt. Hätte ich schweigen sollen? Egal was ich tue - es scheint stets das Falsche zu sein...


15. Tag des Eisherbstes - Erneut in Wegesruh
Ich durfte Meister Athar heute nach Wegesruh begleiten, weil die Matrone und die Gelehrte Ruht-mit-Perlen verhindert waren. Ich bin nicht sicher, was in der Zwischenzeit kommuniziert wurde, und warum wir nun einer weiteren Besprechung beiwohnen sollten, aber das Ganze löste sich von selbst, als wir vor Ort waren. Die Matriarchin dieses Ordens hielt es für einen Affront, dass Meister Athar darauf hinwies, dass es auch Deadra gibt, die gemeinhin als "gut" bezeichnet werden, oder denen sogar am Gut des Lebens gelegen ist. Sie sagte, ihre Tochter würde nicht mit offensichtlichen Daedrasympathisanten zusammenarbeiten, und die Sache würde unter Umständen blutig enden. Das Ganze erschien mir wie ein schlechter Mummenschanz, aber als sie und ihre Begleitung das Haus verlassen hatten, wurde die Besprechung um ein Vielfaches konstruktiver, und man einigte sich darauf, dass die Akademie Gardisten für die Expedition stellen würde. Wenn sie für unseren Schutz sorgen, werde ich mich wirklich sicher fühlen.


Ich soll gemeinsam mit dem jüngeren der beiden Mönche Vorbereitungen für die Erkundung treffen - speziell wegen der räumlichen Gegebenheiten und Fallen, die man dort oft vorfindet; obwohl ich erst einmal in einer solchen Ruine war, und das Wissen darüber fast nur aus Büchern kenne. Das erschien mir etwas übereilt, und ich muss mir nun wirklich so viel wie möglich anlesen, damit meine "Unterstützung" nicht all zu gering ist. Dieser Mönch scheint viel erfahrener darin zu sein, als ich es bin. Und doch hat sich der Abend gelohnt - ich glaube Meister Athar war zufrieden mit mir.


16. Tag des Eisherbtes - Gerechtigkeit
Ich bin immernoch aufgewühlt, und kann nicht glauben, dass wir das getan haben. Bessergesagt, kann ich nicht glauben, dass ich es zusammen mit Jinx getan habe - vor ihren Augen. Es sollte ein einfacher Auftrag werden. Orenas schickte uns nach Kragenmoor, und wir sollten dort nur ein Päckchen beim Alchemisten abholen. Erst sollte ich allein mit einem der Gardisten gehen, aber als er Jinx im Innhof sah, hat er sie sofort mit eingebunden. Der Ritt nach Kragenmoor war ziemlich ereignislos, und ich war froh, dass ich auf dem Guar von Orenas reiten durfte, und Jinx sich gleich für das Pferd der Akademie entschied. Ich wäre vielleicht in Erklärungsnot gekommen, wenn sie gesehen hätte, wie schlecht ich auf Pferden reiten kann.
Aber das ist im Grunde nicht das, was ich unbedingt schreiben wollte. Als wir die Stadt fast erreicht hatten, kam uns eine vollkommen verzweifelte Dunmer entgegen, die nach ihrer Tochter suchte. Die Ordinatoren dort schienen ihr nicht helfen zu wollen - oder konnten sie es nicht? Ich bin durch die gestammelten Worte nicht wirklich klug geworden, aber Jinx und ich entschieden ihr bei der Suche zu helfen. Das Mädchen war erst fünf, und hatte flammend rotes Haar - ihre Mutter sagte, sie hätte ihr beim verkaufen von Blumen geholfen, ehe sie sie aus den Augen verlor. Jinx schien gleich von Anfang an ein schlechtes Gefühl zu haben, und das hatte sie nicht getäuscht. Ein seltsamer Dichter auf dem Marktplatz brauchte uns auf ihre Spur, und wir fanden sie neben einer Sklavenunterkunft im unteren Ring der Stadt.



Das schmutzige, verweinte und geknebelte Kind wurde von einem grobschlächtigen, und tumb wirkenden Mann in Ordinatorenrüstung festgehalten, und ein anderer, der sehr verschlagen wirkte, schien neben ihr zu warten. Sie warteten auf jemanden - wollten sie sie verschachern? Der kurze Wortwechsel, nachdem Jinx nach dem Mädchen verlangte, trug jedenfalls nichts zur Auflösung bei, und Jinx fackelte nicht lange, und stach den intelligenter wirkenden der beiden Ordinatoren einfach nieder. Ich konnte nicht anders, als das gleiche mit dem anderen zu machen, der zwischenzeitlich von Munveri´s Mutter angegriffen wurde, und drohte, das kleine Mädchen zu erstechen.


Alles ging so schnell. Wir verscharrten die beiden hinter einer der Sklavenunterkünfte, und zum Glück hatten sich bis dahin alle verzogen, die uns unliebsame Augen gewesen wären. Jinx wurde vom Ordinatoren an der Sculter verletzt, und ihre Reisekleidung war über und über mit Blut beschmiert. Ich schickte sie vor die Stadt, während ich mich noch auf den Weg machte, um das Päckchen vom Alchemisten zu holen, weil wir den Vorfall natürlich verheimlichen mussten. Auf dem Weg dorthin fand ich auch den Gardisten, der schon die halbe Stadt nach uns abgesucht hatte - glücklicherweise fand er uns nicht rechtzeitig. Wir erzählten ihm, dass Jinx von einem Nixhund angefallen wurde. Er war wirklich zornig auf uns, und wir kamen so spät wieder in der Akademie an, dass wir niemanden mehr aufwecken wollten, um die Wunde von Jinx zu versorgen. Sie hat mir gesagt, was ich machen soll, und ich habe sie genäht und gesäubert. Wir haben uns jedenfalls geschworen, dass wir niemandem erzählen, was dort wirklich passiert ist.

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Freitag, 27. Oktober 2017, 15:15

7. Tag des Eisherbtes - Andere Lehrmethoden
Heute haben Maga Nimrassar, und Maga Indariel von der Magiergilde Himmelswacht, eine Unterrichtsstunde in Kampfmagie abgehalten. Wir behandelten Feuerzauber, die mit Foki und anderen Hilfsmitteln gewirkt wurden. Auch mit Intonierungen. Ich habe meinen Dolch als Fokus benutzt, auch wenn ich nicht das Gefühl hatte, dass es das Richtige war. Aber es hatte einen ungemeinen Vorteil: Mit dem Dolch konnte ich die Flamme weiter von mir weg halten, und hätte ich die Kontrolle verloren, hätte ich nichteinmal mit einer Verbrennung rechnen müssen - das verlieh mir sehr viel Ruhe, und ich konnte mich sehr gut konzentrieren. Mavis dagegen, schien der Unterricht zu langweilen, und er hat ihn tatsächlich verlassen. Er war zwar freiwillig, aber ich fand sein Betragen dennoch unverschämt - es entbehrte jeder Höflichkeit. Aber sei es drum. Wir waren noch immer genügend Adepten, und so blieb viel mehr Zeit für den Einzelnen.

Bald darauf mussten wir eine in Brand gesteckte Übungspuppe löschen, und Jinx hat einen sehr witzigen Einfall gehabt. Sie hat einen Alit beschworen, der das Wasser aus dem Brunnen gesoffen, und es anschließend auf die Puppe gepuckt hat. Sie hat dafür viel mehr Anerkennung geerntet, als ich für meinen Eiszauber, mit dem ich die Puppe gelöscht habe. Ich glaube, ich empfand in jenem Moment so etwas wie Eifersucht, und ich war froh, dass ich vor ihr dran war, denn sonst hätte ich mich sicher nicht richtig auf das Zauberweben konzentrieren können.



Glücklicherweise wurden meine fressenden Gedanken bald zerstreut, denn Pagum-ei hat Ihre Feuersalze oder Flammenstengel (ich bin mir gerade nicht sicher, ob sie nur eines von beiden, oder alles zusammen genommen hat), auf die brennende Puppe geworfen, und sie ist explodiert. Offenbar wollte sie, dass sie restlos verbrennt, damit das Feuer verlischt. Hätte Maga Indariel nicht einen Schutzschild auf sie gewirkt, wäre sie vermutlich geröstet oder zerfetzt worden. Zur Strafe hat Maga Nimrassar ihr einen Aufsatz über Feuersalze und ihre Anwendung in der Alchemie und als arkane Komponente aufgedrückt, den sie bei Meister Orenas abgeben muss.

Jinx verlor derweil aber die Kontrolle über ihre Beschwörung, als sie Pagum helfen wollte, und ich habe versucht, den Alit zu kontrollieren, bevor er die anderen angefallen hat. Es gelang mir nur ganz knapp, und Meister Athar, der dem Unterricht zugesehen hatte, sagte er würde das positiv vermerken. Es hätte doch ein wenig eigenartig ausgesehen, wenn ich den Alit einfach hätte laufen lassen, wo er sich direkt vor meiner Nase befand. Hätte ich nichts gemacht, wäre ich bestimmt gescholten worden.

Am Abend hat Mavis im Schlafsaal noch mit Pagus gestritten, weil ihm ihre Rüstung nicht passte. Sie scheint eine Menge Gold dafür ausgegeben zu haben, und es oblag eigentlich Jinx zu entscheiden, ob die Rüstungen für die Jagd passend sind. Mavis scheint sich nicht an seine eigenen Anweisungen zu halten, und krittelte weiterhin an ihrer Rüstung herum. Ich habe dann gesagt, dass sie vielleicht bei der Garde nachfragen sollte, weil sie nun andere Rüstungen tragen. Die alten Modelle waren kaum verschlissen. Dennoch kann ich verstehen, dass sie die Rüsung nicht austauschen wollte, so sie so viel ihres Goldes dafür geben musste.


19. Tag des Eisherbstes - Goblinjagd
Es ging bei diesem Unterfangen drunter und drüber. Ich hätte Mavis wirklich dafür schlagen können. Die Anweisung die er uns gab, waren dürftig, und ich wusste nicht, was er den anderen gesagt hatte, denn er hat das Vorgehen mit jeder Gruppe separat besprochen, was ich für absolut unsinnig hielt. Er hat uns keinen richtigen Zeitpunkt für dne Einsatz genannt, und hat er wirklich erwartet, dass ich aus der Entfernung mit Eisprojektilen auf die Goblins feuere, wenn er, Jinx und Naryuun sich direkt neben ihnen im Gestrüpp verbergen? Als auf der anderen Seite nichts passierte, wurde Pagum immer aufgeregter, und ich dachte, sie würde in Ohnmacht fallen, so nervös wie sie wurde. Einer der Goblins war schon direkt über Mavis, und hat ihn offenbar befummelt, und es passierte noch immer nichts. Statt ihn lautlos mit einer Klinge niederzustrecken, hat Mavis einen Feuerball auf ihn geschmettert - aus der winzigen Distanz...

Natürlich brach in dem Moment das Chaos los, und mir blieb nichts anderes Übrig als zu versuchen möglichst präzise zu treffen. Einige von ihnen habe ich auch erwischt, aber es wurden immer mehr - manche von ihnen hatten sogar Spinnen bei sich. Pagum-ei beschwor eine Frostbissspinne, und hetzte sie auf einen der Goblins, aber ich glaube, sie wurde schon beim ersten Angriff fast zerfetzt. Glücklicherweise konnte sie eine weitere beschwören. Was bei Jinx und Naryuun passierte, hatte ich kaum im Blick, aber ich glaube, Naryuun hat sie mit einigen Pfeilen gespickt, und Jinx hat sich in irgendewas verheddert, während sich dieses Spinnentier auf sie warf.


Ich hatte so sehr gehofft, dass das Vorhaben etwas subtiler ablaufen würde, aber als wäre das Chaos nicht schon genug gewesen, wirkte einer von ihnen einen Mantel aus Flammen um sich, und ging auf mich los. Ich habe mich so erschrocken, dass ich kein Geschoss mehr wirken konnte, nachdem die ersten völlig verfehlten. Mein letzter Strohhalm war der vergiftete Dolch, den ich warf. Ich habe etwas von dem Gift abgefüllt, mit dem ich die Hlaalutochter töten wollte, als ich im Wettstreit mit Arren war, von dem ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste. Der Dunklen Mutter sei Dank habe ich ihn getroffen, denn hätte ich verfehlt, wäre ich ohne Waffe gewesen.

Irgendwie brachten wir die Situation dennoch unter Kontrolle, und is auf Naryuun wurde niemand verletzt, glaube ich. Aber er hat geblutet wie sonstwas, weil er sich den Pfeil aus der Wunde gezogen hat. Gut, dass er bis zur Akademie durchgehalten hat, denn der Rückweg dauerte wirklich Stunden. Pagum-ei hat den ganzen Weg über vom Wagen gekotzt, weil wir die Goblinleichen mitnehmen mussten, und ich hatte Mühe, mich nicht bei ihr einzureihen. Aber es hilft, wenn ich den Blick abwende. Wurde ihr so schlecht, weil ich dem Goblin der noch lebte, meinen Dolch in die Schläfe gestoßen habe, oder wegen der vielen anderen Leichen auf dem Wagen? Ich bin nicht sicher. An seiner offenen Brustwunde, die kontinuierlich Bläschen warf, weil die Lunge verletzt wurde, hätte sie sicherlich nicht viel weniger Antoß genommen.

Jedenfalls sind wir nun wieder angekommen, und ich musste verdammt lange warten, bis der Baderaum endlich frei wurde. Ich glaube diese Goblins waren voller Ungeziefer und habe noch immer das Gefühl, dass mir etwas über den Nacken krabbelt. Ich wünschte jedenfalls, dass uns die Matrone empfangen hätte, damit sie direkt erfahren hätte, wie ihr geliebter Schützling "geglänzt" hat.

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Freitag, 3. November 2017, 16:37

21. Tag des Eisherbstes - Ein neuer Stab, ein alter Beschützer
Warum hat mir niemand gesagt was mit Lor geschehen ist, als sie mich aus Dalathar´s altem Anwesen befreit haben? Wie konnte das nur passieren? Er sagt es ist meine Schuld, dass sein Körper zerschmettert wurde, und trotzdem hat er ihn mir zur Seite gestellt, oder besser - einen Teil von ihm. Ich will alles tun, um ihm wieder heil zu machen, das habe ich versprochen. Aber ich beginne von vorn, damit mir die wichtigen Details nicht entgleiten.

Dalathar bestellte mich mitten in der Nacht in sein Anwesen - das hat er so spät noch nie verlangt. Es war ein Leichtes mich aus dem Schlafsaal zu stehlen, nur einmal hätte mich beinahe eine der Wachen erwischt, als ich über den Innenhof ging. Im Garten des Anwesens brannten zwar Fackeln, aber diese Nacht war ungewöhnlich düster und beklemmend. Zu allem Überfluss wollte Cedrick mich erst garnicht reinlassen, und erst als ich ihm den Brief gegeben habe, hat er mich hinaufgeschickt, damit ich mich umziehe, und dann - dann hat er mich einfach hinausgeworfen, und die Tür hinter mir versperrt.

Meister Dalathar war nirgendwo zu sehen, aber weil ich die robe tragen musste, die ich immer anziehe, wenn ich mich um Ophelia kümmere, dachte ich er wäre vielleicht bei den Grabstätten auf seinem Anwesen. Aber da war er nicht. Nur etwas Anderes - eine flüsternde Stimme. Ich erschrak so sehr, dass mir das Herz bis zum Hals schlug, und dachte schon daran, einfach loszubrüllen, und nach Dalathar zu rufen, tat es aber nicht. Die Stimme lockte mich durch das Gestrüpp, und ich dachte schon in dem Moment, als ich die Zweige bei Seite schob, dass ich von Sinnen sein musste, ihr zu folgen, und mich schließlich sogar überreden ließ, das seltsame, metallene Gebilde zu öffnen, aus der sie offenbar drang. Es war ein riesiger Sarkophag.


Was sich darin befand, verschlug mir schlichtweg den Atem. Ein Stab - mein Stab. Aus dem Holz, dass ich auf diesem Berg geschlagen habe. Aber neben diesem Stab befand sich etwas, dass mich noch viel mehr fesselte, und hat erschrecken lassen. Es war eine Leiche - gekleidet in eine dunkle Kutte, und hinter ihr auf dem Boden lag eine zerbrochene Schaufel. Das war der Moment, in dem ich wusste, welche Stimme da die ganze Zeit in meinem Ohr war. Eigentlich klang die Stimme sogar, als sei sie direkt in meinem Kopf gewesen. Es war Lor, und er bewegte sich nicht mehr. Er war tot - tot. Sein belebtes Unleben war erloschen. Ich musste mich bemühen nicht in reuevolle Tränen auszubrechen, als er mir sagte, dass sein Körper bei meiner Befreiung zerschmettert wurde. Und das, obwohl ich anfangs so große Furcht vor Lor hatte. Nun...eigentlich nur bis zu dem Tag, als Dalathar´s Anwesen überrannt wurde, und ich mit angesehen habe, wie er durch die Reihen der Krähen mähte - nur mit seiner Schaufel.

Aber er war es, der zu mir gesprochen hatte, und er sagte mir, dass ein Teil von ihm in diesem Kristall an meinem Stab ist. Dalathar tauchte kurz darauf auf - also wollte er mich wohl wirklich testen - er erklärte mir den Umstand mit Lor und dem Stab genauer. Ich muss den Stab gut hüten, und darf ihn nicht aus der Hand geben. Lor wird also auf mich Acht geben, wenn Dalathar nicht da ist, und ich kann mich vermutlich sogar mit ihm verständigen. Ich habe es noch nicht versucht, seit ich die Grabstätten verlassen habe. Aber Dalathar sagte auch, dass ich Lor niemals von seiner Identität berichten darf, weil seine Seele sonst gegen das Gefäß aufbegehren könnte - oder so ähnlich. Jedenfalls habe ich versprochen Dalathar dabei zu helfen, ihm einen neuen Körper zu schaffen. Er sagte, dass es mein Werk sei - dass ich daran Schuld bin, dass Lor zerschmettert wurde. Nun wird er mich lehren, Ophelia zu beleben, und ich muss damit anfangen ihren Arm zu bewegen - ohne eine Art von Magie, die mir bekannt ist - irgendwie...von innen heraus. Er gibt mir seine Aufzeichnungen, und ich muss sie gut studieren, damit ich bald genug genug bin, ihm eine wirkliche Hilfe zu sein. Ich bin noch nicht sicher, ob ich die Unterlagen in meiner Truhe oder im Heiligtum verwahren soll. Vermutlich eher im Heiligtum - Dalathar sagtem mir, was mit Rielle geschah, als sie seine "Leidenschaft" gefährdete. Ich würde meine Zunge gern behalten.


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Freitag, 17. November 2017, 17:31

24. Tag des Eisherbstes - Unterricht bei Ruht-mit-Perlen
Gestern hat die Gelehrte Ruht-mit-Perlen die Einleitungsstunde für das Lehrfach Mystik gehalten. Wir durften uns aktiv beteiligen, und später hat sie uns sogar einige Zauber demonstriert. Als sie die Frage gestellt hat, ob es jemanden gibt, der schon immer ein magisches Geschoss auf eine Lehrkraft abfeuern wollte, war eigentlich klar, dass sich Mavis als erster dafür meldet. Alledings hätte ich auch erwartet, dass Jinx gleich aufsprngt, aber sie schien gestern einen schlechten Tag gehabt zu haben, und war ziemlich reserviert. Als ich die Frage gestellt habe, ob es einem Magier schaden würde, wenn er durch einen Absorbtionszauber zu viel Magicka aufnimmt, hat Mavis mich angesehen als sei ich debil. Ich hasse es einfach, wenn er mich so überheblich ansieht. Aethyra hat mich gelehrt, dass Gefäße zerspringen, wenn man versucht mehr Magicka in sie zu leiten, als sie erfassen können. Ein Magickaanwender ist eben auch ein Gefäß - vielleicht war ihm das zu offensichtlich, um es zu begreifen. Aber die Gelehrte wusste, dass meine Frage berechtigt war, doch wirklich schädlich oder tödlich wird es erst, bei einem sehr mächtigen Zauber. Ansonsten entweicht die Magicka wie bei einem kochenden Teekessel.


Heute Abend habe ich bei der Gelehrten weitere Nachhilfe genommen, und eigentlich dachte ich, wir würden weiter an Feuerzaubern arbeiten. Aber nein; ich durfte mit Eismagie üben, und das war unheimlich interessant. Ich sollte dazu eine Skulpur in einer Wasserschale formen - nach einer nebulösen Geschichte, die sie mir erzählt hat. Das hat großen Spaß gemacht, und es war unglaublich leicht, mit dem Stab zu arbeiten. Bei jedem Zauber, den ich damit wirke, habe ich das Gefühl, dass Lor mir zusieht, und dabei hilft. Natürlich nur indirekt. Ich bin garnicht sicher, auf welche Weise sein Kristall den Stab mächtiger macht, und irgendwie habe ich die Befürchtung, dass ich an seiner Substanz zehren könnte, wenn die Frostverzauberung aufgebraucht ist - ich werde Meister Athar danach fragen, wenn ich ihn das nächste Mal allein treffe.


Da fällt mir ein, dass Naryuun aus irgendeinem Grund unheimlich viel über Nekromantie in Erfahrung zu bringen versucht. Ich frage mich ernsthaft was er für ein Interesse daran haben könnte. Vor einigen Tagen bin ich auf den Beschwörungsturm gestiegen um dort zu üben, und da war er mit der Gelehrten Ruht-mit-Perlen. Natürlich habe ich mich nur wenig an diesem Gespräch beteiligt, und bin ganz sicher nicht der Grund für seine Neugierde - das kann gar nicht sein, denn ich habe nicht das kleinste Wort darüber verloren.
Also nach den Übungen mit den Skulpturen, hat die Gelehrte mir jedenfalls ihre Nixade Nixi buchstäblich auf den Hals gehetzt. Sie hat sie mit einem schwachen Schockmantel versehen, und immer wieder auf mich zustürzen lassen, sodass es immer leise geknallt und gezwiebelt hat, wenn sie an mich heran kam. Ich musste kleine Eiskacheln um mich herum mit einem schwachen, magischen Impuls aktivieren, um sie zu blockieren. Sie war so schnell, dass ich andauernd getroffen wurde, und jetzt habe ich überall rote Stellen, und meine Haut ist ganz schmerzempfindlich. Ich hoffe wirklich, dass das vorbei geht. Jedenfalls hat sie mir einem Beutel gegeben, mit dem ich Nixi anlocken kann, damit ich das selbst übe. Es schult die Reflexe, sagte die Gelehrte. Das kann nur hilfreich sein - für Samantha, aber vor allem für mich. Mir fällt gerade auf, dass ich manchmal vergesse, dass ich gar nicht Samantha bin...



26. Tag des Eisherbstes - Silvanimus
Heute habe ich Deacon im Innenhof getroffen, als er einen zappelnden Beutel zu den Gemächern der Matrone Verorethi bringen wollte. Oder bessergesagt, einen Beutel mit zappelndem Inhalt. Er sagte, er würde Silvanimus damit füttern wollen, und meinte auch, dass er scheinbar etwas kränklich ist, weil er nicht richtig...frisst. Ich glaube im Beutel war ein Bantam-Guar - hat er ihn wirklich lebendig gegessen? Das wäre wirklich etwas widerlich, und sicher kein angenehmer Anblick.


Daecon wollte mich sowieso nicht mitnehmen, und sagte er wolle mir ersparen mit anzusehen, wie Silvanimus dieses arme Tierchen verspeist. Silvanimus ist offenbar ein verwilderter Bosmer, und ein Sklave der Matrone. Obwohl Daecon sagte, dass man ihn frei herumlaufen lässt, und er aber immer wieder zur Matrone zurückkehrt, und ihr manchmal glitzernde Dinge bringt. Das klingt wirklich niedlich - wei ein apportierender Nixhund. Allerdings habe ich ihn noch nicht zu Gesicht bekommen. Versteckt er sich denn ständig?

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Freitag, 17. November 2017, 17:33

27. Tag des Eisherbstes - Schreckliches Erwachen
Ich wusste, dass das keiner meiner einfachen Alpträume gewesen ist. Ich wollte Dalathar schon viel früher davon erzählen, aber noch vor einigen Tagen hat er mich ganz unwirsch fortgescheucht, und sagte nur ich solle weiter träumen. Mit jedem Tag wurden die schrecklichen Bilder und diese bedrohliche Stimmung in meinem Traum deutlicher, aber heute Nacht - da habe ich die Stimme gehört. Sie sagte nicht viel, und von dem Ort den sie nannte, hatte ich noch nie etwas gehört. "Die Ruinen von Hammerheim"

So schnell wie möglich kroch ich aus dem Bett, und eilte hinunter in das Heiligtum, während ich noch versuchen musste, mich zusammenzureißen, damit ich niemanden auf mich aufmerksam mache. Ich war so aufgewühlt - ich dachte wirklich, ich hätte zu lange gewartet, und mein Traum sagte mir, dass ich Schuld daran habe, dass Kuola geköpft wurde. Dalathar war zum Glück im Heiligtum - ich dachte schon, er würde mich wieder fort schicken wollen, aber als ich ihm erzählt habe, dass diese Stimme einen Ort nannte, und ihm sagte, dass ich gesehen habe, wie Kuola der Kopf abgeschlagen wurde, hat er mich angehört, und ich sollte sofort nach Aeloth und den anderen suchen. Er und Arren standen aber nur einen Wimpernschlag später am anderen Zugang, als hätte die Matrone selbst sie zur rechten Zeit in unser Heiligtum geführt.

Dalathar schickte uns in die Nähe dieses Ortes, denn Arren fand ihn tatsächlich auf einer Karte von Ostmarsch. Mit einer sehr wertvollen Portalschriftrolle sollten wir den Weg zurückfinden. Es war bereits stockfinster, als wir irgendwo im Nirgendwo ankamen, und mir konnte es gar nicht schnell genug gehen, denn ich hatte wirklich befürchtet, dass wir sie nur noch tot auffinden würden. Aeloth führte uns, und als wir die Ruinen erreichten, die denen aus meinem Traum so sehr ähnelten, hörten wir schon Kampfgeräusche. Klirrende Waffen, und aneinander schleifendes Metall.


Im Schein naher Fackeln konnten wir erkennen, dass es ein sehr großer Nord war, der tatsächlich versuchte Kuola mit einer Axt zu töten, und sie hatte schwer Mühe, sieinen brachilagen Hieben etwas entgegen zu setzen. Wir mischten uns so schnell wir konnten in den Kampf ein, doch in jenem Moment kam ein weiterer Nord auf uns zugestürmt, und rief etwas über Thorvaldsson, und der, der gegen Kuola kämpfte, sagte, dass sie zu ihnen gehören würde, und dem Ruf folgen müsse. Von dem Moment an schwante mir, dass etwas nicht stimmen konnte - mit Kuola. Dass die beiden Männer Lykantropen waren, war mir in jenem Moment klar, als sie den Namen von Asger Thorvaldsson aussprachen.



Ich versuchte Arren, Aeloth und Kuola so gut zu helfen, wie ich konnte, aber mir schien, dass meine Eisgeschosse erschreckend wenig gegen die beiden ausrichten konnten - schon als sie noch in ihrer menschlichen Form waren. Als sie sich jedoch verwandelten habe ich den Kampf zwischen Aeloth, Kuola und dem einen Lykantropen aus den Augen verloren, und dachte, Arren würde vor meinen Augen zerfleischt werden. Es gelang ihm gerade so, dem Vieh auszuweichen, und dann war da noch dieser seltsame Mann in der Lederkluft. Hatte er unseren Weg nur zufällig gekreuzt - was bewog ihn dazu, sich uns anzuschließen? Er beschwor einen Skampen, und schickte ihn ins Kampfgetümmel. Das brachte mich auf eine Idee. Ich kann vielleicht nicht gut mit Flammenmagie umgehen, aber in Beschwörung bin ich nicht schlecht. Und was ich nicht kann, kann vielleicht ein Schröter, dachte ich. Und so war es. Die Beschwörung hat wertvolle Sekunden gekostet, in der Arren ziemlich in Bedrängnis geriet, aber ich konnte das Insekt auf seinen Angreifer hetzen, und das Fell in Brand stecken. Das Heulen und Fiepen war ohrenbetäubend, und ich wollte ihm nachsetzen, aber Kuola hat mich zurückgehalten, weil sie ihn erledigen wollte - das war der Moment in dem er entkam. Hätte ich nur nicht gezögert. Er wird das Rudel informiert haben.

Den anderen konnten Aeloth, Kuola und dieser eigenartige Mann aber töten, und wir flohen mit dem Portal zurück zur Akademie. Den Mann haben wir am Leben gelassen. Ich habe vergessen zu fragen, warum eigentlich. Jedenfalls war das Wiedersehen nicht nur von Erleichterung geprägt, denn Aeloth wurde verletzt. Als ich den Verdacht hegte, dass Dalathar ein Werwolf ist, habe ich gelesen, dass Lykantropie ansteckend ist. Ich mache mir große Sorgen um Aeloth. Dalathar hat ihn fortgeschickt, und ihm einen seltsamen Trank gegeben. Aber er sagte, dass damit noch lange nicht sicher ist, dass die Infektion nicht ausbricht. Er darf einige Tage nicht hier bleiben, bis er sicher sein kann - und wir auch. Kuola ist bereits infiziert. Sie sagte, die Krankheit sei bereits ausgebrochen. Meister Athar hat diese Nachricht schwer getroffen, aber ich glaube fast, dass Kuola mit diesem Zuständ schon ähnlich gut leben kann, wie Bochanan und Yrikon es getan haben. Welchen Platz sie wohl bei uns einnehmen wird...? Trotz allem bin ich der Dunklen Matrone unendlich dankbar, dass sie unsere Familie wieder mit Kuola vereint hat. Sie liebt uns - das weiß ich.


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Verva (17.11.2017), Dradclaw (17.11.2017), Aeloth (13.12.2017)

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Sonntag, 17. Dezember 2017, 21:20

4. Tag des Abendsterns - Neue Ziele
Ich habe so lange nicht mehr geschrieben, obwohl mir so unendlich viel im Kopf herumspukt. Seit meinem letzten Eintrag ist wirklich unheimlich viel passiert, aber es gibt so viele Dinge die wichtiger sind als die Akademie. Jetzt erst recht.

Vor einer Weile rief Dalathar mich zu sich, und ich musste ihm zeigen, welche Fortschritte ich im Umgang mit Ophelia gemacht habe. Es hat mich sehr überrumpelt, denn ich habe es gerade einmal geschafft ihre Finger zu bewegen. Oder vielmehr einen Finger. Noch dazu ist an diesem Tag ein Körper ist der Eingangshalle seines Hauses geplatzt, und überall lagen Fleischfetzen herum, während Cedrick gehetzt versuchte das Blut aus dem Teppich zu schrubben. Ich will nicht alles nocheinmal aufschreiben, und gedanklich durchleben. Dalathar war jedenfalls schrecklich wütend, weil ich keine Fortschritte gemacht habe. Ich habe ihn selten so zornig erlebt. und er hat all seine Wut an mir ausgelassen, und mir meine Verfehlungen vorgeworfen.

Seit diesem Tag verbringe ich noch mehr Zeit im Heiligtum, um seine gesamten Aufzeichnungen zu lesen, und fleißiger zu lernen. Ich habe sonst viel Zeit in der Bibliothek oder in der Kaverne verbracht, aber dort war ich nun schon seit einer Weile nicht mehr. Ich darf nicht unvorsichtig sein und die Schriften durch die Akademie tragen. Den anderen versuche ich so gut es geht aus dem Weg zu gehen, damit sie keine Fragen stellen. Die Akademie ist natürlich unheimlich groß, und es ist nicht sehr ungewöhnlich, wenn sich die Adepten nur Abends in den Schlafsälen treffen.

Nun jedoch habe ich lange genug die vorbildliche Adeptin gespielt - das ist nicht meine eigentliche Aufgabe. Ich muss noch mehr Zeit mit Ophelia verbringen und mehr üben. Dalathar werde ich bitten, das Labor an mehreren Tagen aufsuchen zu dürfen - vielleicht...vielleicht erlaubt er mir sogar eine Weile dort zu bleiben. Den anderen könnte ich sagen, dass ich nach Wegesruh muss, um dort die Sache mit meinem verschollenen Vater zu klären. Einen Nachlass annehme oder etwas dergleichen. Das ist sicherlich glaubhaft genug.


5. Tag des Abendsterns
Er hat es mir gestattet! Nachdem ich ihm einen Brief im Heiligtum hinterlassen habe, hat es nicht lange gedauert, bis ich die Antwort vorfand. Ich werde eine Weile bei ihm wohnen dürfen, und mich auf meine geheimen Studien konzentrieren. Nun muss ich nur noch das Gerücht streuen, dass ich Nachrichten aus Wegesruh erhalten habe, und eilig dorthin aufbrechen muss. Zu viel darf ich allerdings nicht mitnehmen, sonst sieht es aus, als wollte ich mich an einem anderen Ort für recht lange Zeit einrichten. Ich hoffe, dass ich von nun an bessere Fortschritte mache...

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Wolf (18.12.2017)

Morlana

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Sonntag, 17. Dezember 2017, 21:21

11. Tag des Abendsterns - Erste Schritte
Ich bin direkt nach dem Unterricht in der Wiederherstellung aufgebrochen, und habe den anderen erzählt, dass ich nach Wegesruh gehen muss. Hier ist es im Moment totenstill - nur Cedrick hat mich empfangen, aber der ist mittlerweile zu Bett gegangen. Ich habe nur meine Sachen in das Gästezimmer gebracht, mich umgezogen und bin dann direkt in das Labor gegangen. Ich bin nichtmal sicher, wie spät es ist. Aber im Grunde ist das auch nicht wichtig - ich werde schlafen, wenn ich zu erschöpft bin. Ich werde meine Studien an Ophelia von nun an protokollieren, damit ich effektiver lerne, Fehlerquellen ausmerze, und Besonderheiten herausarbeiten kann, die ich womöglich übersehen könnte, oder die mir entfallen würden, hielte ich sie nicht fest.

Tag 1
Ophelia´s Erscheinung
Morgen ist Tirdas; der Tag an dem sie gewaschen, eingeschmiert, angekleidet, gebürstet wird, und ich sie unterhalte. Nachdem Meister Athar ihre komisch riechenden Stellen weggeschnitten hat, stinkt sie kaum noch, ist dort aber vollkommen verunstaltet. Sie kann froh sein, dass ihr die Hochzeitsnacht erspart wurde. Ihr Angetrauter hätte sicher schreiend die Flucht ergriffen. Ihre Haut ist sehr blass, und im Gesicht, wie auch am Hals sind noch immer die dunklen Adern sichtbar - vermutlich werden die nie verschwinden. Ich muss sie fortan jeden Tidas mit Schminke überdecken. Das blonde Haar ist schon ein wenig stumpf geworden, und ich könnte schwören, dass es fast um zwei Fingerbreiten gewachsen ist. Morgen wird es gewaschen, und dann sieht es bestimmt wieder hübsch und glänzend aus. Unter den Augen hat sie dunkle Schatten, was ihr einen müden, und traurigen Ausdruck verleiht - ganz so, als wäre sie bekümmert darüber, dass ich sie so lange allein gelassen habe. Aber nun werde ich eine Weile bei ihr sein; vielleicht hebt das ihre Laune. Ich werde also sofort mit meinen Übungen beginnen, ihren Arm zu bewegen.

Die Belebung des Leibes
Beim letzten Mal ist es mir gelungen, ihren Finger zu bewegen - da bin ich mir ziemlich sicher. Meister Athar´s Reaktion nach, hätte ich aber viel mehr Fortschritte machen müssen - also kann es nicht so unglaublich schwer sein, ihre Gliedmaßen zu bewegen, ohne die Magicka von außen anzuwenden. Das erinnert mich an den Tag, als Silvanimus mir etwas gezeigt hat - diese seltsame Art von Magicka, die allen Dingen innewohnen zu scheint. War das natürliche Magicka? Oder pures Leben? Ich weiß noch, wie sehr es mich verstört hat. Wie sehr mich dieses Erlebnis hat zweifeln lassen; an meiner Familie, meinen Eltern und meiner Bestimmung. Aber vielleicht ist es eine Lektion, deren Wert ich erst jetzt erkennen kann. So hat jeder Schmerz seinen besonderen Platz, und seine Zeit in der er seinen Sinn beweist. Ich werde also versuchen ihren Finger zu bewegen, indem ich einen solchen Quell aus Magicka in ihre Gliedmaßen leite, und ihr eine...Lebenflamme einpflanze.

Es hat geklappt! Ich habe es fast so gemacht, wie beim letzten Mal, und ganz sicher, ohne die Magicka von außen anzuwenden - so wie Meister Athar es mir sagte. Er hat sich tatsächlich gekrümmt, und das Gelenk an ihrem knochigen Ringfinger mit dem schönen Schmuck hat sogar widerlich geknackt. Aber nun stehe ich vor der nächsten Schwierigkeit - ihr Finger hat sich zwar bewegt, aber nur, weil ich mich sehr auf diesen Teil ihres Körpers konzentriert habe - wie soll ich ihre ganze Hand, ihren ganzen Arm, oder ihren gesamten Leib bewegen, wenn es mich so viel Kraft und Konzentration kostet? Es ist, als würde er Quell den ich in sie geleitet habe recht schnell versiegen - er verbraucht sich, wenn die Muskeln damit durchwirkt werden.

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Lunatis (18.12.2017), Wolf (18.12.2017)

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Sonntag, 17. Dezember 2017, 21:28

12. Tag des Abendsternes - Fliehende Zeit
Ich bin gestern über meinen Studien an Ophelia eingeschlafen. Ich glaube der Morgen war längst angebrochen, als mir die Augen zu fielen, und die Sonne schien durch den Nebel, als ich erwachte - noch immer im Labor. Ich habe Cedrick nur gebeten mir den Zuber zu füllen, habe gebadet, ein Stück Brot aus der Küche genommen, und bin gleich wieder zurück ins Labor gegangen. Heute war sowieso etwas mehr zu tun. Noch immer ist es sehr still hier, und ich habe Rielle schon wieder nicht gesehen - schon seit einer sehr langen Zeit nicht mehr. Aber weder Cedrick noch Dalathar wollten mir sagen, wo sie ist, und ich habe mittlerweile aufgegeben, sie nach ihr zu fragen. Cedrick neigt in solchen Momenten vor mir zu flüchten, und Meister Athar wird unleidlich. Komisch. Jedenfalls habe ich sehr viel Ruhe für meine Arbeit, denn Cedrick betritt das Labor wohl nur höchst ungern, und nur Ophelia und die kleine Schlammkrabbe, die ständig versucht irgendwelche ekligen Reste aus den Steinfugen des Laborbodens in ihr Maul zu stopfen, leisten mir hier Gesellschaft. Im Garten läuft dieses kleine, dickliche Schwein herum. Ich glaube es heißt Poffel, oder war der Name Boffel - oder Pummel? Jetzt da ich darüber nachdenke, bin ich mir nicht mehr so sicher. Mir wird aber immer ganz seltsam zumute, wenn ich es ansehe. Es wirkt so verstörend und deplaziert auf diesem Anwesen - vor allem, wenn es bei den Gräbern herumläuft, und mit seiner Schnauze in der lockeren Erde scharrt. Aber ich schweife ab; es wird Zeit für meine Studien.


Tag 2
Ophelia´s Erscheinung
Heute ist Tirdas, und ich muss die schlafende Braut waschen. Nach all dieser Zeit habe ich befürchtet, die Haut würde dünn und rissig wie Pergamentpapier sein, doch das ist sie nicht - ganz und gar nicht. Die Salbe scheint sie seltsam ledrig gemacht zu haben - dort wo ich sie regelmäßig und sehr gründlich eingerieben habe, mehr als an vernachlässigten Stellen. Die komischen roten Stellen an den Stellen ihres Körpers, die auf der Arbeitsfläche liegen, waren anfangs noch recht dunkel. Irgendwann im Laufe der Zeit sind sie aber viel heller geworden, und wo mir gestern auffiel, dass ihr Haar gewachsen schien, fällt mir nun auch auf, dass ihre Nägel seltsam lang geworden sind. So lang waren sie bestimmt nicht, als ich sie das erste Mal sah. Im Grunde hat sich ihre Erscheinung im Vergleich zu gestern aber nicht deutlich verändert.

Natürlich glänzt ihr Haar nun intensiver, da ich es gewaschen, getrocknet und gebürstet habe. Ihr Gesicht ist mit Puder und Lippenfarbe nicht mehr gar so blass, und nachdem ich ihren Leib gewaschen, sie "sehr" gründlich eingerieben habe, und ihr die hübsche Wäsche angezogen habe, sieht sie wieder aus wie eine hübsche Jungfer, die dem Tag ihrer Vermählung entgegenfiebert. Heute habe ich extra etwas mehr Rot auf ihre Wangen geschmiert - sie sieht wirklich aus, als sei sie in fiebriger Aufregung, und könne es kaum erwarten, den Marabund einzugehen. Aber vielleicht gefällt ihr auch die Passage aus dem Buch von Ermittlerin Vala so gut, das ich ihr gerade vorgelesen habe - sie ist wirklich sehr spannend.


Die Belebung des Leibes
Langsam aber sicher gelingt es mir sehr gezielt einzelne Fingerglieder von Ophelia zu bewegen, auch wenn es noch immer schwierig und anstrengend ist. Vor allem aber kostet es unheimlich viel Kraft. Gebe ich zu viel hinein? Oder besitze ich zu wenig Magicka? Oder mache ich es einfach nicht effektiv genug? Ich muss mir später nocheinmal Zeit nehmen, Meister Athar´s Notizen intensiver zu studieren. Vielleicht erkenne ich meinen Fehler dann. Heute habe ich mich aber weniger mit den kleineren Muskeln und Gelenken abgemüht, sondern habe versucht das Handgelenk, die Armbeuge und den Oberarm zu bewegen. Mittlerweile ist es Abend, und mir ist die Kraft ausgegangen. Ich habe versucht darüber hinaus zu zehren - ein Bisschen nur. Ich hoffe es war nicht zu viel. Die Anstrengung hat sich aber gelohnt, denn ich konnte sie bis zum Unterarm bewegen, nachdem ich das eine Kapitel aus Dalathar´s Notizen ein drittes Mal gelesen habe.

Der Garten mit den Gargylen ist am Abend gruselig - selbst wenn man sich vom Gartenteil mit den Grabstätten fern hält. Dennoch bin ich hinausgegangen, und habe mich unter die schöne Rotkirsche im Garten gesetzt, nachdem ich Ophelia wieder zugedeckt, und das Labor aufgeräumt habe. Die Luft darin ist heiß und stickig geworden, nachdem ich so viele Kerzen anzünden musste, und mir wird zwischenzeitlich noch immer etwas übel. Natürlich ist es besser geworden, aber noch weit davon entfernt mich vollkommen unberührt zu lassen. Das Schwein leistet mir Gesellschaft. Auch wenn ich es als seltsam empfinde, ist es doch gewissermaßen tröstlich zu wissen, dass es die Worte hört, die ich zu ihm spreche. Vielleicht versteht es sie nicht, aber es vernimmt sie. Es kann zwar nicht sprechen, aber ich würde dennoch nie wagen ihm die Dinge zu erzählen, die ich Ophelia anvertraue. Stumme Zuhörer sind noch immer die besten Gefährten, weil sie einen nicht verraten können - meistens.

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