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21

Mittwoch, 12. Juni 2013, 11:25

Schweigend sitzen die Orsimer und der Wolf am Wegesrand, Shyrr und die Weiße beobachten das Treiben am Stadttor.
Nach einer Weile macht sich Shyrrs Magen wieder lautstark bemerkbar und sie wendet sich an den Orc.
"He, Gragosh - ich finde mit vollem Bauch denkt es sich viel besser. Wann hast du das letzte Mal ein Stück frisches Weißbrot gegessen? Dazu ein Stück Braten mit Soße... vielleicht gibt es sogar schon Kirschen."
Bei dem Wort "Kirschen" wischt sie sich mit dem Handgelenk über den Mund. "Saftige Gans", brummt sie hungrig. "Klingt doch gut.
Was ist, alter Krieger? Kommst du mit mir in die Stadt, oder...
soll dir das junge Ding hier etwas mitbringen, damit du was zwischen die Hauer bekommst?"
Die Worte klingen herausfordernd, in ihren Augen kann man aber eine Spur von Schalk entdecken, als sie aufsteht.

Shyrr beläd sich wieder mit ihren Sachen und läuft selbstsicher in Richtung des Tors.
Die junge Wölfin nimmt es sofort wahr und auch ihre Körperhaltung verändert sich. Den Kopf erhoben, tapst sie neben der Orcin her und wirkt kaum noch verunsichert.
Der Beutel mit Rowans Geld nimmt in Shyrrs Gedanken zu dieser Zeit keinen großen Platz ein, aus den Augenwinkeln beobachtet sie die Leute, die an ihr vorüberziehen.
Als sie einen Blick hinter sich in Richtung Gragosh wirft, wird ihr wieder klar, wie anstrengend die momentane Situation für ihn ist.
Shyrr überlegt, ob sie den alten Orc in ein Gespräch verwickeln soll um ihn auf andere Gedanken zu bringen, oder würde ihn das überfordern? Sie beschließt es zu versuchen.
"Gragosh! Du hast am Feuer erzählt, dass du früher ein Schmied warst. Das ist für unser Volk natürlich nichts ungewöhnliches, aber ich selbst habe nicht viel Ahnung davon. Erzählst du mir etwas darüber?"
Inzwischen sind die drei am Tor angekommen und ohne zu zögern, setzt Shyrr den ersten Fuß in die Stadt Jehenna.





22

Donnerstag, 13. Juni 2013, 10:58

Shyrr hört Gragosh aufmerksam zu, während er ihr von seinen Erfahrungen beim Schmieden erzählt. Sie läuft jetzt langsamer und sieht
sich um.

Die Wölfin erschreckt hin und wieder, wenn jemand in Eile an ihr vorbeiläuft. Man merkt der Weißen an, dass sie hier in der Stadt
ängstlicher wird, die vielen Gerüche scheinen sie aber trotzdem sehr zu interessieren.

Wie Gragosh fallen auch Shyrr die anderen Orsimer auf. Ein besonders gut gebauter Vertreter ihres Volkes, der die anderen Orcs noch um ein Stück überragt, scheint es ihr besonders angetan zu haben. Als Gragosh sie anspricht, braucht sie einen Moment um zu reagieren.
"Mh?", brummt sie. "Das weiß ich auch nicht, Gragosh. Den Löwen als Wappen habe ich schon häufiger gesehen. Fragen wir ihn doch - vielleicht kann er uns auch sagen wo die fette Gans ist."
Ohne Scheu tritt sie auf die fremden Orcs zu. "He da, Fremde! Mein Freund und ich sind neu in der Stadt. Wir haben vorhin etwas von einer fetten Gans gehört. Könnt ihr uns da weiterhelfen?"
Sie mustert die Fremden interessiert, wahrt aber einen respektvollen Abstand.




23

Donnerstag, 13. Juni 2013, 17:10

Shyrr sieht den jungen Orc irritiert an, als er antwortet. "Ich steh mehr auf so junge Vögelchen, wie du Kleines.. voller Kraft und zart."
Ihr Mund steht leicht offen, als würde sie nicht ganz verstehen was sie grade gehört hat, als der junge Kerl sich auch noch über die Lippen leckt und weiterspricht.
Mitten im Satz wird er von der Faust des ältesten Orsimers der Dreiergruppe unterbrochen. Als das Großmaul zu Boden geht wirkt Shyrr nicht weniger verwirrt, sie sieht den älteren Orc verblüfft an, als er sich auch noch für das Verhalten seines jüngeren Kameraden entschuldigt und mit den Worten "Er wird Euch nie mehr wieder belästigen, das schwöre ich." endet, bevor er Gragosh und ihr anbietet sie in die Taverne zu begleiten und sie auf ein Met einzuladen.

"Mh. Ja.", brummelt sie langsam. "Das glaube ich - sieht ganz so aus, als würde er so bald niemanden mehr ansprechen." Nach einer kurzen Pause ruft sie empört "He! So ein verfluchter Mistkerl - jetzt habe ich das mit dem Vogel und der Gans erst verstanden!"
Mit einem wütenden Blick sieht sie sich nach dem Verletzten um, der von dem dritten Soldaten zur nächsten Straßenabzweigung geschleppt wird.
Sie scheint nahe dran zu sein, dem blutenden Orc hinterher zu laufen um ihm den Hals umzudrehen. Sie ballt ihre Hände zu Fäusten und knurrt tief und wütend.
Als die unsichere Wölfin sie vorsichtig mit der Schnauze anstupst verliert sie einen Teil ihrer Anspannung. Nach einem Blickwechsel mit der Weißen, wirkt sie ruhiger, aber immernoch missmutig.
"Gehen wir.", sagt sie knapp.

24

Dienstag, 18. Juni 2013, 22:49

Shyrr folgt dem fremden Ork und Gragosh durch die Straßen und Gassen, über den Marktplatz hinweg, bis sie die saftige Gans erreichen. Der Wolf tut sich schwer über die Schwelle ins Gasthaus zu treten - nur der Geruch nach Fleisch lockt das Tier schließlich in den Schankraum.
Er bleibt verunsichert neben der Orkin stehen und drückt sich neben ihr gegen den Tresen. Shyrr selbst spürt die Unsicherheit ihrer weißen Begleiterin und gibt sich alle Mühe gelassen zu wirken.

Als der Fremde, jetzt Borok genannt, für jeden von ihnen ein Met bestellt bleibt Shyrr still. Der stämmigen Wirtin antwortet sie mit einem knappen Nicken, auf die Aufforderung auf ihren Wauwau aufzupassen.
Shyrr probiert den Met und lässt sich nicht anmerken, dass er ihr nicht schmeckt. Borok stellt Fragen und die Orcin schweigt weiterhin, während Gragosh antwortet und sich daraufhin ein Gespräch ergibt. In einem Moment in dem Boroks Aufmerksamkeit ganz dem alten Gragosh gehört, schüttet sie etwas von dem Met in ihre Hand und hält sie der Weißen hin.
Der Wolf schnüffelt interessiert, wedelt leicht mit der Rute und sieht die Orkin an, als wüsste er nicht recht, was sie von ihm will. Nach einem Moment leert Shyrr die Hand und wischt sie an ihrem Hemd ab.
Während nun Borok erzählt, was ihn dazu brachte der Armee des Königs beizutreten trinkt sie hin und wieder einen Schluck Met.

Als der Soldat davon spricht, dass er sich eine Frau suchen wird, wenn er müde und gebrechlich geworden ist, fragt Shyrr ohne nachzudenken "Was soll das denn für eine Frau sein, die dich dann noch will, Borok?"
Ein Teil von ihr hofft, dass der fremde Ork sie in seinem Rededrang überhört hat. Mit gespielter Gelassenheit trinkt sie einen großen, schrecklich schmeckenden, Schluck Met.


25

Dienstag, 18. Juni 2013, 23:40

Als Borok die Vermutung ausspricht, dass Shyrr Gragoshs Frau ist, wirft die Orkin dem alten Gragosh einen vielsagenden Blick zu. Soll er nur in diesem Glauben bleiben, versucht sie ihm ohne Worte zu vermitteln, dann lässt er mich hoffentlich in Ruhe.
Dein Weibchen, hatte er sie genannt. Die Worte kamen ihr immer wieder in den Sinn. Weibchen. Was für ein arroganter Arsch!
Oder will er mich etwa wütend machen, um zu sehen wie ich reagieren? Grade noch wirkte er ganz anders.
"Willst du mich wütend machen, Borok? Eben noch warst du mir sympatisch. Ich hatte keinen guten Tag, also spar dir Worte wie "Weibchen" und andere Beleidigungen."
Ihrer Mimik nach, ist mit ihr momentan nicht zu spaßen. Sie wirkt angespannt, als würde sie ihre Wut unterdrücken - ihre Oberlippe zuckt leicht. Sie richtet sich zu ihrer vollen - nicht unbeachtlichen - Größe auf und sieht Borok ernst, aber nicht feindselig an.
"Oder habe ich dich mit meinen Worten gekränkt?"

26

Samstag, 29. Juni 2013, 21:59

Shyrr hört dem Gespräch zwischen Gragosh und Borok still zu. Sie hat das Gefühl, hier nicht am richtigen Platz zu sein - vielleicht ist es
für die Weiße und sie selbst besser, wenn sie bald weiterziehen.
Sie hatte nicht damit gerechnet, dass sich der fremde Orc für seine Worte entschuldigen würde.

"Dank dir für das Angebot, Borok.", antwortet Shyrr, als dieser ihr auch noch Unterstützung bei der Suche nach Arbeit anbietet. "Ich weiß noch nicht, ob ich hier Arbeit suche. Heute Abend will ich nach dem Bretonen sehen - danach weiß ich mehr."
Sie sieht Gragosh an und redet weiter, "Wenn du hier in der Taverne bleiben willst, kann ich dir Bescheid geben, wie es dem Bretonen geht."
Die Orsimerin hat nich ein Mal die Hälfte vom spendierten Met getrunken, spürt aber trotzdem die leichte Wirkung. Gragosh scheint inzwischen angetrunken zu sein und sie ist sich nicht sicher, wie sie mit dieser Situation umgehen soll.
Soll sie den alten, angetrunkenen, halbnackten Gragosh hier sitzen lassen?
Shyrr hat noch immer Hunger, möchte aber nichts von Rowans Geld für sich selbst ausgeben. Das Grummeln ihres Magens drückt ihre Stimmung schon seit Stunden immer weiter.

Als Gragosh auf Shyrrs Frage antwortet, dass er im Gasthaus warten wird, verabschiedet sich die Orkin mit knappen, aber freundlich klingenden Worten.
"Dann bis später, Gragosh. Pass auf dich auf!"
Mit Wolf und Rucksack verlässt Shyrr die Taverne und geht auf dem gleichen Weg zurück zum Stadttor, auf dem Borok sie am Morgen führte. An zwei Wegkreuzungen bleibt die Orsimerin stehen um sich zu orientieren. Als die Weiße und sie am Tor ankommen, schlagen sie den Weg in Richtung des Tempels ein. Der weiße Wolf wirkt erleichtert, als er die Pfoten auf einen Feldweg setzt, Shyrr spürt wie die Anspannung langsam von dem Tier abfällt.
Die Beiden entfernen sich einige hundert Meter von den äusseren Gebäuden und umrunden die befestigte Stadt, bis sie einen kleinen Bach finden. Hier, etwa 1500 Meter vom nächsten Gebäude entfernt lassen sich Shyrr und die Weiße an einer Biegung des Bächleins nieder, blickgeschützt durch einige Büsche und junge Bäume.



Nachdem der größte Durst gestillt ist, zieht sich Shyrr aus und wäscht sich. Auch das Hemd aus Brennesselfasern wird im kühlen Wasser gesäubert und die Lederhose ausgeklopft. Die Weiße fasst Shyrrs Planscherei als Spiel auf und springt aufgekratzt herum. Als Beide völlig nass und ausser Atem sind, hängt die Orsimerin das Hemd zum Trocknen auf. Sie nimmt den dichten Pelz aus ihrer Tasche und setzt sich. Aus den kleinen Tontöpfen, die sie bis jetzt nicht geöffnet hatte, kratzt sie Bienenwachs, Kokosöl und eine stark riechende Salbe mit der sie die blauen Flecken auf ihren Schultern einreibt. Nachdem Hände, Füße, Gesicht und Haare gepflegt sind, lässt sich Shyrr von der Sonne trocknen.

Als sie aufwacht beginnt es langsam zu dämmern. Schnell ist sie wieder angezogen und hat die Sachen gepackt. Sie fühlt sich viel besser als noch am Morgen - trotz dem Hunger, der nicht weniger wurde.
Die Weiße wirkt entspannt und zufrieden, vermutlich hatte sie sich etwas zu fressen gefangen, als Shyrr schlief.
Jetzt geht es den Weg wieder zurück in die Stadt, eilig um noch vor der Dunkelheit am Tor zu sein. Auch dieses Mal gibt es kein Problem beim Durchqueren des Tors. Der junge Wolf wirkt auch dieses Mal nicht sehr glücklich, trottet aber neben der Orsimerin durch die Straßen.
Ohne sich zu verlaufen finden die Beiden die "saftige Gans" wieder, wo Gragosh alleine und betrunken an einem Tisch sitzt und schläft.
Shyrr brummt missbilligend und setzt sich ans andere Ende des Tisches, von wo aus sie einen guten Blick hat. Sie überlegt den alten Ork zu wecken, bleibt aber schlussendlich doch still sitzen, bis Borok ein wenig Später auftaucht und Gragosh unsanft weckt.
Als der fremde Ork ihnen etwas zu essen spendiert, ist der Hunger größer als ihr Stolz. Sie nickt Borok dankend zu. "Ich wünsche dir eine erfolgreiche Reise."
Ohne ein Wort zu sprechen, essen Gragosh und Shyrr von Eintopf, Braten und Brotkruste. Von ihrem Teil steckt sich die Orsimerin ein Stück des Bratens und vom Brot ein, das sie später an die Wölfin verfüttert.
Shyrr ist sich nicht sicher, wie sie mit dem betrunkenen Gragosh umgehen soll. Als er nach draussen durch die Tür wankt folgt sie ihm. Sie ist sich nicht sicher, ob er sie überhaupt wahrnimmt, als er sich etwas weiter entfernt an einem Baum niederlässt.
Die Orsimerin hat den halben Tag verschlafen und ist noch nicht müde. Eine Straße weiter findet sie eine abgelegene Ecke. Hier, kaum zu sehen, wickelt sie sich in den Pelz und lehnt sich gemütlich gegen ihren Rucksack. Die junge Wölfin kriecht halb hinter Shyrr und scheint sich so etwas sicherer zu fühlen.

27

Sonntag, 30. Juni 2013, 21:41

Obwohl Shyrr dachte, dass sie bis zum nächsten Morgen wach bleiben würde, schläft sie bald an den Rucksack gelehnt ein. Ihr letzter Gedanke gilt Rowan, nach dem sie am nächsten Morgen sehen will - ob er schon wieder aufgewacht ist?
Dass zwei Wächter im Dunkeln näher kommen, bekommt sie gar nicht mit. Erst nachdem einer der Beiden ihr vor die Füße spuckt, spürt sie die unruhige Bewegung der weißen Wölfin und wacht von dieser auf. Die beiden Wachen haben ihr bereits wieder den Rücken gekehrt und so lehnt sich Shyrr zurück und schläft gleich wieder ein.
Am nächsten Morgen weckt sie das Krähen eines Hahns. Im ersten Licht steht sie auf und macht sich auf den Weg zum Tempel.
Shyrr überlegt ob sie noch einen Spaziergang zum Bach unternehmen soll, bevor sie sich in den Tempel begibt. Am Rande eines Feld bleibt sie stehen und genießt die kühle Morgenluft. Der Tau auf den Wiesen und Feldern glitzert im ersten Schein der Sonne und ein leichter Wind weht ihr durchs Haar.



Nach einigen Minuten taucht der weiße Wolf aus einer Wiese auf und sieht sie an, als ob er sie fragen wollte "Worauf wartest du denn? Los gehts!"
Mit dem letzten Stückchen kalten Braten lenkt Shyrr das junge Tier ab und sie machen sich direkt auf den Weg zurück zum Tempel.
Vor der schweren Tür angekommen klopft sie wieder drei Mal kräftig, bevor sie eintritt.



28

Mittwoch, 3. Juli 2013, 12:02

Der Priester, den sie noch vom letzten Tag in Erinnerung hat öffnet die Pforte. Sie muss einige Minuten warten, bis er Rowan an die Tür bringt.
Der Bretone sieht schon viel besser aus, auf einer Krücke humpelt er ihr entgegen. Sie gibt ihm auf Anfrage seinen Geldbeutel.
Als Rowan über die Schwelle humpelt und der Priester die Türe schließen will, knallt ihre Hand laut gegen das Holz um die Tür offen zu halten. "Der Mantel, Priester. Er wird noch benötigt."
"Ich bin sicher, er war über die Trage gespannt, Priester. Seid so gut und seht nach."
Shyrr nimmt die Hand von der Türe und wartet.


Shyrr hängt sich den alten Filzmantel zusammengelegt über den linken Arm - den rechten hält sie frei um Rowan zu stützen, sollte er aus dem Gleichgewicht kommen.
"Gut, dass es dir besser geht, Rowan! Ich vermute, Gragosh wird arbeiten. Wir haben einen Orsimer kennengelernt, der ihm eine Arbeit verschafft hat."
Die junge Wölfin geht ein paar Schritte auf Rowan zu, schnüffelt in Richtung seines verletzten Beines und sieht ihn einen kurzen Augenblick an. Die Weiße wedelt leicht mit der Rute und läuft auf der anderen Seite Shyrrs neben den Beiden her.
"Wie ist es dir denn ergangen? Du freust dich sicher, dass du noch beide Beinchen hast! Hat man dir denn was ordentliches zu Essen gegeben?"
"Mhm. Ja, er hat Arbeit auf dem Markt angenommen. Ich war mir noch nicht sicher, wie lange ich in der Stadt bleibe - erst wollte ich sehen, wie es dir geht, Rowan.
Wo wir geschlafen haben? Wir..."
Shyrr stockt, als sie nach Rowan das Gasthaus zur saftigen Gans betritt und ihr Blick auf den besoffenen Gragosh fällt, der sich kaum noch aufrecht halten kann.
"Mmh", brummt sie missbilligend und schüttelt andeutungsweise den Kopf. "Ich hoffe er hat noch genug Geld für ein Zimmer, Schlaf wird er sicher brauchen. Bist du so gut und klärst das mit der Wirtin?"
Die Orsimerin geht zu Gragoshs Tisch, zieht sich einen Stuhl heran und setzt sich dem Betrunkenen gegenüber. Sie legt den zusammengelegten, schwarzen Filzmantel auf eine größere, nicht klebende Stelle des Tisches.
Shyrr senkt ihre Stimme und beugt sich ein kleines Stück nach vorne, so dass nur Gragosh sie verstehen kann. Sie klingt nicht vorwurfsvoll, aber ihrer Mimik kann man entnehmen, dass sie wütend auf den Alten ist.
"Ich weiß nicht, ob du überhaupt etwas von dem verstehst, was ich dir sage - Morgen weißt du es vermutlich eh nicht mehr.
Sieh dich nur an!", zischt sie.

"Halbnackt und besoffen sitzt du hier in einer Stadt der Bretonen - wo ist dein Stolz? Selbst ich könnte dich vor allen hier lächerlich machen, auch wenn das gar nicht mehr nötig ist."
Sie gestikuliert offensiv mit ihrer rechten Hand in seine Richtung. Neben Shyrr sieht die junge Wölfin ängstlich zu ihr auf.
"Ich hatte gehofft, dass ich bei dir auf einen Ork treffe, von dem ich lernen kann! Seit so langer Zeit warst du der erste unseres Volkes, dem ich... ach."
Shyrr knurrt verächtlich. "Sieh dich nur an! Sieh dich nur an! Du bist in einer Festung aufgewachsen, nicht wahr? Was würde deine Familie sagen, wenn sie dich so sehen würde?"


29

Freitag, 12. Juli 2013, 14:17

"Ein wenig zu viel...", erwiedert Shyrr bevor Rowan an den Tisch kommt um ihr zu erzählen, dass er ein Zimmer für die beiden Orsimer gemietet hat und sie am nächsten Morgen früh wecken wird.
"Dank dir, Rowan - es wird schon gehn."
Shyrr bemerkt, dass Gragosh unsicher zu ihnen herüber sieht. Daraufhin wird ihre Mimik weicher.
Sie schweigt, während die Wirtin den Eintopf bringt.
Sie sagt kein Wort, während Gragosh isst. Ihr Blick schweift ins Nichts - sie sieht jetzt nachdenklich und müde aus. Geistesabwesend streichen ihre Finger durch das dichte Fell des Wolfs.
Als der alte Ork aufgegessen hat, steht Shyrr auf und schiebt den Stuhl an den Tisch. "Gut, Gragosh. Rowan hat uns ein Zimmer im ersten Stock besorgt."
Sie holt den Schlüssel bei der Wirtin ab und kehrt zurück zu Gragosh. Shyrr bleibt unauffällig in seiner Reichweite um ihn, wenn nötig, zu stützen.
Auf dem Weg nach oben zögert der weiße Wolf an der ersten Stufe. Als die beiden Orsimer im ersten Stock angekommen sind und um die Ecke in Richtung ihres Zimmers biegen, wetzt das junge Tier den Beiden hinterher.
Shyrr öffnet die Türe zu einem kleinen Zimmer und legt ihren Rucksack auf das vordere der beiden Betten. Im Dunkeln bleibt sie mit dem kleinen Zeh schmerzhaft an einer Kommode hängen. Sie knurrt einen unverständlichen Fluch, lässt sich auf das Bett fallen und kontrolliert ob er sich noch bewegen lässt.
Shyrr liegt ausgestreckt in ihrem Bett - ihre Füße schauen über das Ende hinaus, aber das ist es nicht, was sie stört. Neben ihr, dicht an sie gedrückt träumt die Weiße aktiv von den vergangenen Tagen. Hin und wieder fiept sie leicht und zuckt mit den Beinen.
Auf der anderen Seite des Zimmers schnarcht Gragosh wie eine besoffene Wildsau.
"Was solls," denkt sich die Orkin. "Ich liege in einem kuscheligen, frisch bezogenen Bett - es hätte mich wirklich schlimmer treffen können."

Eine Stunde später ist Shyrr noch immer wach. Das Schnarchen ist nicht leiser geworden und neben ihr wimmert der junge Wolf immer wieder im Schlaf.
Mit offenen Augen tippt sie der Weißen in die Seite. Erschrocken springt das Tier auf, orientiert sich und braucht eine Weile um sich wieder zu beruhigen. Der Blick den der Wolf der Orkin zuwirft, wirkt verständnislos. Er legt sich wieder neben Shyrr, die sich zur Seite dreht.

Eine weitere Stunde später liegt die Orkin noch immer wach. Ihre Schultermuskeln sind verspannt und sie verflucht sowohl den betrunkenen Ork, als auch die Wölfin, die im Schlaf immer wieder ihren Hintern gegen Shyrr drückt.
Völlig übermüdet ist die Orkin endlich am einschlafen, als die Weiße im Schlaf mit einem Hinterbein austritt und Shyrr direkt an der Schläfe erwischt.
Benommen setzt sich die Orkin auf. "Das darf doch einfach nicht wahr sein.", brummt sie.
Sie klettert über den Wolf, der dieses Mal nicht aufwacht, und zieht sich an. Eine handvoll Wasser aus dem Waschkrug klatscht sie sich ins Gesicht und verlässt das Zimmer.
Shyrr hatte sich eine ruhige Ecke im Haus gesucht und war dort nach einer Weile eingeschlafen. Als die ersten Gäste ihre Zimmer verlassen, wacht sie auf.
Zurück in dem gemieteten Zimmer wartet die Wölfin auf sie - Gragosh muss schon wach sein, denn er ist nicht mehr da. Vermutlich hat Rowan ihn geweckt, denkt sie.
Der junge Wolf freut sich, dass seine Vertraute endlich wieder da ist. Die Orsimerin nimmt sich Zeit für eine ausgiebige Begrüßung, bevor sie gemeinsam in den Schankraum treten, in dem einige Gäste bereits frühstücken.
Rowan und Gragosh scheinen nicht hier zu sein. Sie wartet ein paar Minuten, während denen sie überlegt, was sie nun machen wird.
Sie holt ihre Sachen und verlässt mit der Weißen die Stadt und folgt dem Weg zum Bach, den sie schon ein Mal genommen hat. Hier und dort findet sie Pflanzen, von denen sie weiß, dass sie essbar sind. Am Bach wachsen einige Kräuter und etwas weiter vom Ufer entfernt findet sie eine wilde Himbeerhecke, die an den Überresten eines niedergebrannten Hauses wächst.
Wolf und Orsimer teilen was sie finden. Nur die kleine Ratte, die der weiße Wolf in der Nähe des ehemaligen Hauses aufspürt, verschlingt er alleine.
Die Beiden folgen dem Bach zwei Stunden bis in eine dichtbewaldetere Gegend. Hier ist es kühler und dunkler - obwohl es kurz vor Mittag ist, fröstelt es Shyrr leicht als sie eine Pause macht.
Es ist keine geeignete Zeit um auf die Jagd zu gehen, deshalb sucht die Orsimerin nach passenden Ästen und Stöcken, die sie mit der Machete kürzt und leicht bearbeitet. Auf dem Rückweg will sie an geeigneten Stellen, die sie ausgemacht hatte, einige Fallen aufstellen.
Die Wölfin ist seit fast drei Stunden verschwunden. In dieser Zeit schafft es Shyrr, nach einigen vergeblichen Versuchen einen Fisch zu fangen, einen Aal aufzustöbern und das glibschige Tier an Land zu werfen.



Als die Wölfin endlich zurückkehrt ist es später Nachmittag. Die Weiße kommt mit einem runden Bäuchlein zurück und trägt einen großen Rammler im Maul, den sie neben Shyrr fallen lässt.
Die Orkin hängt den toten Hasen an ihren Rucksack, sie hofft ihn in der Stadt tauschen zu können.
Der Aal war fettig und sättigend und so schlafen die Beiden nebeneinander ein.
Shyrr wacht durch ein Rascheln im Baum über ihnen auf. Es ist bereits dunkel - kurz vor Mitternacht. Nur der helle Vollmond spendet durch die dichten Blätter etwas Licht.
Vorsichtig machen sich die Beiden auf den Rückweg. Ein paar der Stellen an denen sie eine Falle aufstellen wollte, findet Shyrr wieder. Sie lässt sich Zeit beim Aufstellen und so dämmert es, als sie noch etwa eine Stunde Fußmarsch von Jehenna entfernt eine Pause macht und sich an den Bach setzt. Während sie trinkt, genießt sie die Schönheit der Morgenröte, bis sie den ersten Flusskrebs bemerkt.
Eilig packt sie den zerbeulten Kessel aus ihrer Tasche und macht sich daran die kleinen Tiere zu fangen. Hin und wieder schafft es einer der Krebse sie zu kneifen, aber als die Sonne langsam aufgeht ist der Kessel fast bis obenhin mit sich windenden Krebsen gefüllt.
Was für ein guter Morgen!, denkt Shyrr. Fröhlich schüttet sie ein wenig Wasser auf die Tiere und deckt den Kessel mit einem Stück altem Leder ab, dass sie mit einem Riemen fest bindet.
Nahe der Stadt hatte sie noch zwei Menschen am Bach entdeckt, die aber mit dem Fangen der Krebse zu beschäftigt waren um sie zu bemerken.
Sie macht einen kleinen Umweg und erreicht die Stadt am späten Morgen. Shyrr geht direkt auf den Markt, wo sie es schafft den Hasen gegen etwas Silber zu tauschen. Hier sucht sie gezielt nach Gragosh und hält auch nach Rowan ausschau.

30

Freitag, 19. Juli 2013, 13:52

Shyrr winkt freudig in seine Richtung, als sie ihn hört. "Gragosh, sieh dir das mal an! Ich habe Flusskrebse gefangen...", ruft sie ihm entgegen. Als er bei ihr ankommt, nimmt sie das Leder vom Kessel und zeigt ihm stolz die Tierchen.





Die weiße Wölfin läuft Gragosh entgegen, wedelt leicht mit der Rute und läuft mit ihm zu Shyrr zurück.
"Wieso musste Rowan weg? Und wohin?" Sie mustert seine Gesichtszüge und seufzt. "Was gabs denn Gestern zu feiern? Ist alles in Ordnung mit dir?"
Sie überwindet die letzten Meter zwischen ihnen und bleibt auf Armweite vor ihm stehen.
"Musst du zur Arbeit? Ich wollte die kleinen Biester hier für uns drei kochen - magst du Krebs?"

"Ist gut, Gragosh - dann treffen wir uns nachher auf der Wiese."
Shyrr lächelt ihn für einen kurzen Moment an, bevor sie in Richtung der saftigen Gans davon geht. Bei der Wirtin schafft sie es, die Krebse für ein wenig Geld zu verkaufen. Sie selbst hatte gar nicht daran gedacht, die Tierchen gegen Geld zu tauschen - vielleicht würde sie in dieser Nacht noch ein Mal so viel Glück haben, hofft sie, dann würde sie Krebse aber selbst essen.
Nachdem sie auf der Wiese angekommen ist, setzt sie sich mit der Wölfin in den Schatten eines Baumes und sieht Gragosh bei seiner Arbeit zu.

"Was ich tun werde, Gragosh? Ich weiß noch nicht. Mir ist grade klar geworden, dass ich meine ganzen Krebse verkauft und nicht einen gegessen habe!"
Sie hält ihm eine Hand hin, auf der
zu wenig Geld liegt.
"Ich glaub nicht, dass ich dafür was finde, das auch nur annähernd so lecker gewesen wäre. Das mit dem Geld muss ich wohl noch üben."
Shyrr steckt das Geld in ihre Tasche. Die Wölfin liegt neben ihr und sieht Gragosh aus halbgeschlossenen Augen an.
"Hab diese Nacht ein paar Fallen aufgestellt... ach, Gragosh," brummt sie, "erzähl mir, wie du dich in der Stadt schlägst. Sieht ganz so aus, als würdest du gut zurechtkommen."

"Na das ist ein Wort - ich kanns kaum erwarten!"
Shyrr lacht voll guter Laune.
"Sag mal, was ist denn eigentlich dem Kerl da in den Bart gekrochen, dass er so ein Gesicht macht?", fragt die Orsimerin und deutet mit dem Kopf unauffällig in Richtung Mareks Sohn.
"Setz dich ruhig, oder hast du was anderes vor?"
Nach einer Pause stellt sie eine neue Frage.
"Erzähst du mir wie es ist, in einer Festung aufzuwachsen Gragosh?"

Shyrr sitzt an einem Baum gelehnt im Schatten. Sie beobachtet Gragoshs Mimik, während er von seinem Leben in der heimatlichen Festung erzählt.
Ihr ist anzusehen, dass seine Worte sie bewegen. Sie unterbricht ihn nicht ein Mal und stellt auch keine weiteren Fragen. Als er endet um weiter zu arbeiten, nickt sie ihm freundlich zu.
Nachdenklich bleibt sie noch einige Minuten sitzen, bevor sie ausserhalb der Stadt einen gemächlichen Spaziergang macht und etwas später in Richtung der saftigen Gans aufbricht.

31

Sonntag, 11. August 2013, 17:14

Wenige Meter, bevor Shyrr die Taverne erreicht, beginnt es stark zu Regnen. Es ist bereits dunkel, aber sie spürt das aufziehende Gewitter - ein erstes, weit entferntes Grollen gibt ihr recht.



Als sie in den trockenen Schankraum tritt, sieht sie Rowan und Gragosh am Tresen stehen. Sie geht auf die Beiden zu und grüßt sie mit einem "Hey, ihr Beiden. Du bist ja wieder da, Rowan!", bevor sie sich neben sie stellt.
Sie zieht das feuchte Hemd aus, öffnet ihre Haare und fährt sich mit dem Hemd durch die nassen Strähnen. Neben ihr schüttelt sich der Wolf und spritzt die drei mit kleinen Tröpfchen voll.